Ausgabe 
1.9.1925
 
Einzelbild herunterladen

Insgesamt Hot also Deutschland den Lön- derkampf mit 43:21 Punkten gewonnen.

Houben läuft wieder 10,6.

Mannheim, 30. Aug. An den lcicht- athletischen Wettkänrpfen der Mannheimer Turn- gesellschaft nahmsn auch die Krefelder Preußen mit dem wieder genesenen Houben teil. Hau­ben lief über 100 Meter ein großes Rennen und gewann in 10,6 Sekunden. 3n der 3mal-200- Meter-Stasfel liefen die Preußen mit 1:06,5 einen neuen deutschen Rekord. Den alten Rekord hielt der Sportklub Charlottenburg mit 1:06,7.

Zum leichtathletischen Länderkampf Deutschland Schweiz.

Die gestrige Meldung über den leichtathleti­schen Länderkampf zwischen Deutschland und der Schweiz ist dahin zu berichtigen, daß in der vier­mal 100-Meter-Stofette Deutschland mit 42,2 Se­kunden Erster wurde. Die Meldung von einem neuen Weltrekord war irrig.

Aus der Provinz.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg. 30 Aug. Der hiesige Verein ehcm. 116er beging gestern abend im Saale des Ratskellers die Feier der lieber- reichung und Weihe seiner neuen Fahne. Es ist selbstverständlich, daß sich der Verein der geschlossen an der großen 116er-Dagung am 5., 6. und 7. September in Gießen beteiligen wird, um nun bei dieser Feier auch in würdiger Weise auf­treten zu können, wurde der schon lange gehegte Wunsch des Besitzes einer Fahne zur Ausfüh­rung gebracht. In Anbetracht der vielen Feste, die im Laufe des Jahres hier schon stattfanden, hatte man von einer.größeren öffentlichen Fest­lichkeit abgesehen, aber vielleicht gerade deshalb nahm die Feier einen um so erhebenderen und würdigeren Verlauf. Sämtliche hiesige militäri­schen und sonstigen Vereine Friedbergs sowie eine Anzahl auswärtiger Vereine waren durch Ab­ordnungen vertreten, der Saal war bis zum letzten Platze gefüllt. Die vorzüglich? Weiherede hielt Professor Dr. Keller, der ein Bild der ruhm­reichen Geschichte des Regiments während eines Zeitraums von 150 Jahren entwarf und der Hoffnung Ausdruck gab. daß das stolze Regiment auch wieder in alter Pracht erstehen möge. Bür­germeister Dr. Sehd sprach im Ramen der Stadt Friedberg seine Glückwünsche aus und brach!? ein Hoch auf die Kameradschaft aus. Dann fand die Enthüllung und Hebergabe der Fahne statt. Das kunstvoll ausgeführte Banner trägt auf der einen Seite auf schwarzweihrotsm Grunde dos Regimentszeichen und das Fried­berger und deutsche Wappen, auf der andern Seite aus rotweißem Grund« das hessische Wap­pen ; angesertigt ist sie in der Bonner Fahnen- fabrik. An die Tiebergabe schlossen sich die Glück­wünsche der Vereine an. sämtliche hiesige Vereine ließen durch ihre Vertreter Glückwünsche und Fahnennägel überreichen, von außerhalb waren auch die Vereine der 116er von Gießen und Bad-Rauheim vertreten. Zahlreiche Redner schlossen sich an. von denen besonders die An­sprache des Generalleutnants v. Hartmann (frü­herer Kommandeur der 49. Brigade, zu der das Regiment zeitweise gehört«) auf das Regiment und die Ansprache von Oberst Soldan auf den Reichspräsidenten Hindenburg jubelnden Beifall fanden. Ein ausgewähltes musikalisches Pro­gramm. welches von dem Doppelguartett Fried­berg-Fauerbach und dem Salonorchester bestritten wurde, trug durch seine vorzüglichen Leistungen viel zur Hebung der Stimmung bei, gemein­same Gesänge und Vorträge hielten die An­wesenden auch nach Beendigung des Programms noch lange in angeregter Stimmung zusammen. Die ganze Feier war überaus erhebend und bildete einen schönen Auftakt zu der großen Tagung und Denkmalsenthüllung der 116er in Gießen.

Bad-Rauheim. 30. Aug. 3m reichen Unterhaltungsprogramm dieses Sommers bot das Konzert, das der Gesangverein ..Liederkranz" aus Biedenkopf gemeinsam mit dem Kur­orchester beute aus der Terrasse veranstaltete, eine erfrischende Ab^echsluno. Der gut geschulte Männerchor, von Lehrer Wilh. Thome ge­leitet, fand mit seinen Darbietungen wohlver- Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann.

3m geisterhaften Rebel schob sich das mäch­tige Schi), langsam vorwärts, Milchfarben stand die unendliche Schicht in weicher, schwebender Fülle rings um die Bordwände. Es war weder Tag noch Rächt.

Wenn Finsternis weih wäre, könnte man von weißer Finsternis sprechen," sagte Gheude und zog den Gummimantel dichter zusa nnen.

Hanns Ingold gab keine Antwort.

Plötzlich brüllte die Sirene markerschütternd.

Man bekommt Rerven," sprach der Belgier lachend, und Gheude legte die Hand auf In­golds Arm und fuhr fort:Genug der blassen Aussicht. Wir wollen hinuntergehen und eine Flasche ausstechen. Heute hat unser Zusammen­sein doch ein Ende."

Wissen Sie, was das ist?" fragte Ingold, ohne die Aufforderung zu beachten. Er zeigte über die Reling in die Dunstschicht.

Der Rebel war jetzt von der sanften Leucht­kraft eines Opals. Doch er blieb für das Auge undurchdringlich, und die dunklen Wogen des Aermelkanals waren nicht einmal hart am Kiel zu erblicken. Im Innern des Schiffes wurden die Lichtet eingeschaltet, und nun färbten gold­rote und rosige Töne die Rebelhülle, in der die Dille de Bruxelles" wie auf der Fahrt ins Geisterland dahinglitt.

Wieder brüllte das Rebelhorn, und der mächtige Schrei wurde abermals von den schwei­genden Dunstmassen aufgeschlürft und erstickt.

Gheude folgte Ingolds ausgestreckter Hand, die fest und bestimmt ins Rebelbräu deutete.

Ich sehe überhaupt nichts . Fürchten Sie einen Zusammenstoß?"

Das da, die weihe Finsternis, wie Sie so schön sagten, das ist die Zukunft," erwiderte Hanns und fügte nach einem tiefen Atemzug hinzu:ilnb dah sie so weiß, so geheimnisvoll, so gefahrdrohend und doch so lockend ist, das ist das Schönste an ihr. Die Zukunft! Wir fahren hinein, mitten hinein."

Wir sind sogar mitten drin. Sie Phantast! Wenn ich Ihr Stichffammentemperament nicht

diente Anerkennung, die sich bei einigen Chören in stürmischem Beifall des- zahlreich anwesenden Publikums lundtar.^ Dem Beispiele vieler anderer hessischer Schulen folgend, unternimmt die Volksschule gemeinsam mit der Fortbildungs­schule am 11. September eine Rheinfahrt mit dein Dampfer Albertus Magnus. Es nehmen 650 Schüler und Schülerinnen daran teil. Die Gesamtkosten betragen kaum 5 Mark pro Schüler. Im Kurbesuch ist in den letzten Wochen ein kleiner Rückgang eingetreten, doch verspricht man sich vom 1. September ab, wo die Ermäßigung der Kurtare in Kraft tritt, wieder ein Anwachsen der Besucherzahl. 3m ganzen bringt das Kur- jahr 1925 einen bedeutend stärkeren Besuch als die Vorjahre. Bis zum 27. August sind ins­gesamt 29 777 Kurgäste angekonNnen, wovon am genannten Tage noch 3802 anwesend waren. Vom 1. Januar bis einschließlich 27. August wurden 300 574 Bäder gefertigt, darunter 10 712 Freibäder.

Bad-Rauheim, 31. Aug. Zum vierten- mal während dieser Saison weilten Mitglieder des Aerztlichen Vereins, diesmal 100 an der Zahl, gcftern zu Studicnzwcckcn in unserer Stadt. Unter sachkundiger Führung lernten die Gäste das Bad und seine Einrichtungen kennen, nachdem vor­her Prof. Weber und Oberbaurat B e r ck ein­führende Vorträge gehalten hatten. Die von der Stadt zum Preise von 27 000 Mark erworbene Automobildrehleiter ist angekommen und von der Freiwilligen Feuerwehr übernommen war- den. Der hiesige Geflügel- und Kanin­chen z u ch t v e r e'i n besteht jetzt 25 Jahre. Er gehört zu den rührigsten und leistungsfähigsten Vereinen derart in Oberhessen. Mit seiner Jubi­läumsfeier am 12. und 13. September verbindet er eine große Geflügel- und Kaninchenaus- st e l l u n g in der Turnhalle. Auch auswärtige Züchter werden die Ausstellung beschicken.

O Aus der Wette rau, 30 August. Die Frühobsternte hat in diesem Jahre nicht das ein­gebracht, was sie anfänglich versprochen. Die Mirabellen zeigten zwar durchweg guten Be­hang, die Früchte waren zumeist aber von einem Pilz befallen, der ihnen ein fast schwarzes Aus­sehen gab. Die von dem kohlenstaubähnlichen lleberzug befallenen Früchte sind in ihrer Ent­wicklung sehr zurückgeblieben. Wollte man sie zum Einmachen benutzen, mußte man sie vorerst förmlich abbürsten. Der Marktpreis für die be­liebte Einmachfrucht betrug 40 bis 60 Pfg. Sehr schlecht fällt, wie andererorts, auch hier die Birnen ernte aus. Rur einige Frühbirnen, wie Gellerts Butterbirne und Amanlis Butter­birne, machen eine Ausnahme. Für die ersten Frühbirnen, die auf den Markt kamen, mußten Preise bis zu 1 Mk. pro Pfund angelegt werden. Auch jetzt werden noch 50 und 60 Pfg. für das Pfund bezahlt. Dahingegen wurde Amanlis Butterbirne dieser Tage an die Hotels in Dad- Rauheim für 25 bis 30 Mk. pro Zentner im großen geliefert. Der Staat und die Gemeinden haben schon mit der Versteigerung der Früh- birnenernte begonnen. So kamen gestern in Bad- Ra u h e i m an der Hochwaldstraße seitens der Stadt die Frühbirnen zum öffentlichen Verkauf. Trotzdem zahlreiche Käufer zur Stelle waren, wurden doch annehmbare Preise eingehalten. Der Zentner Birnen stellte sich am Baum nicht höher als durchschnittlich 5 Mk. Der Preis bewegte sich zwischen 3 und 8 Mk. pro Zentner. Einen reichen Segen wird, wenn nichts Tlnvorhergesehenes mehr dazwischenkommt, die Apfelernte über un­sere Gegend schütten. Das Apfel-Fallobst, das in den zurückliegenden Jahren um diese Zeit für Einkochzwecke, vor allem zur Herstellung von Gelee schon sehr begehrt war, ist Heuer kaum an den Mann zu bringen. Es liegt förmlich auf der Straße, kaum jemand fragt danach. Es ist damit zu rechnen, dah die Aepfel auch im Herbste preiswürdig auf den Markt kommen. Die Frühkartoffelernte fällt besser aus, als man in den trockenen Zeiten des Vor­sommers erwartete. Allerdings machen sich in­folge der häufigen Riederschläge der letzten Wochen in nassen Lagen schon Fäulniserscheinun­gen bemerkbar. Der ursprüngliche Marktpreis von 8 bis 10 Pfg. pro Pfund ist bereits stark gefallen, er beträgt heute nur noch 4 bis 5 Pfg. Wie man hört, bieten die Händler bei Massen- auffauf nur 2 bis 3 Mk. für den Zentner, «in Preis, bei dem die Landwirtschaft kaum bestehen können dürfte. Vielverfprechend ist die Spät­kartoffelernte, vorausgesetzt, daß wir bis zur Ernte trockene Witterung behalten.

kennte, so müßte ich Sie für einen rechten deut­schen Träumer halten. Man merkt Ihnen das Heimweh täglich mehr an. Kommen Sie in den Salon!"

Hanns Ingold folgte ihm willig. Sie gin­gen das verödete Deck entlang und stiegen in den lichterfunkelnden Bau, in dem die Ma­schinen summten und ein Streichorchester spielte, während draußen der Rebel braute. Rach eini­gem Schwanken gingen sie in den Rauchsalon und setzten sich zu einer Flasche Wein.

Also noch einmal, Ingold, auf unsere Zu­kunft! Stoßen Sie an! Drei Jahre haben wir zusammen am Vater der Ströme Dämme gebaut und Turbinen gepflanzt, drei Jahre guter Ka­meradschaft! Das ist ein Wort, lieber Freund! Stoßen Sie an!

Der lebhafte Schwung, mit dem Gheude das Glas hob, wärmte Ingow das Herz.

Ein helles Leuchte-n trat in sein gebräuntes, bartloses Gesicht, und der eigenwillige Mund zuckte ein wenig, als er antwortete:

Wir haben uns immer gut vertragen, und die schweren Tage, als der Mississippi uns mit dem acht Meter hohen Hochwasser über den Hals kam und die Drücken eindrückte, dah das Werk beinahe auf Zeit und Ewigkeit ersäuft worden wäre, die haben uns recht zu Freunden gemacht. Auf unser Wohl Gheude, und auf eine neue Zunkunft."

Die Gläser klangen. Dann sahen sie still und blickten sinnend in den Rauch der Zigarre.

Die Maschinen dröhnten, die Geigen fangen, rostgelb stand der Rebel vor den Fenstern. Das Schiff lief langsam und lag stampfend in einer unruhig gewordenen See, die mit kurzen, drän­genden Wellen heftig an die Wände klatschte. Die Sirene heulte ihr wildes Klagelied.

Wie lange waren Sie nicht mehr zu Hause, Ingold?" fragte Gheude.

Sieben Jahre, eine Ewigkeit," antwortete Ingold.

Und wie lange bleiben Sie jetzt zu Hause?"

Wie lange ich bleibe? Das weih ich selbst nicht."

Geben Sie mir auf jeden Fall Ihre Adresse. Wenn ich nach China gehe für die Societe miniere

Kreis Wetzlar.

g. Krofdorf-Gleiberg, 31. Aug. Der Bezirksvercin Gießen des Deutschen Werkmeisterverbandcs hielt gestern mit seinen Bundesvereinen der Provinz Oberhessen fein diesjähriges Iahresfest auf der Burg Glei­berg ab. Der große Kaisersaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Biele Mitglieder aus der näheren und weiteren Umgebung waren erschie­nen, so aus Butzbach, Lollar. Wetzlar, Fried­berg u. a. Orten. Rachdem die übliche Be- grüßungsanfprache gehalten, vergnügten sich jung und alt bei Bier, Wein und Tanz, bis gegen 7 Uljr der Heimgang angetreten wurde. Wohl die meisten Teilnehmer waren, obwohl der Weg bis zur nächsten Bahnstation weit war, doch des Lobes voll über die schön gelungene Feier. Um auch die Geselligkeit weiterhin zu pflegen, ist für das nächste Jahr eine gleiche Feier in Friedberg geplant.

rtr. Dorlar, 31. Aug. Die (Brummet- ernte hat schon ihren Anfang genommen, die Landwirte sind mit dem Mähen der Wiesen be­schäftigt. Der Stand der Wiesen ist im allgemeinen gut und man kann bei trockener Witterung auf eine schöne Ernte rechnen.

XX Wetzlar, 30. Aug. Das Getreide ist im hiesigen Kreise vor dem Regen säst ohne Ausnahme gut unter Dach gebracht worden und der Maschinendrusch ist in vielen Orten bereits beendet. Im Gegensatz zu dem abnormen Vor­jahr befriedigt der Körnerausfall, besonders trifft dies auf den am meisten angebauten Roggen zu. Soweit erfahrene Landwirte fcftftellen konnten, gibt es diesmal von einem Morgen durchschnitt­lich 8 Zentner Roggen und in besseren Lagen ebensoviel Weizen. Auch di« Haferernte ist quali­tativ und quantitativ gut.

Starkenburg und Rheinhessen.

Q Darmstadt, 31 Aug. Der Provinzial- Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung beschlos­sen, zum Wiederaufbau der RuineStarken­burg" einen einmaligen Betrag von 5000 Mk. zur Verfügung stellen.

* Darmstadt, 31. Aug. In der Garten» bauausstellung tagte gestern der Ver­band hessischer Gartenbaubetriebe. Den Hauptvortrag hielt Direktor Fachmann- Berlin über die Lage des Gartenbaues. Die Schwierigkeiten der Gartenbaubetriebe find in der Einfuhr aus dem Ausland zu suchen. Der Gartenbau leide durch Kreditmangel und durch die Erhöhung der Preise der Betriebsmittel. Der Redner forderte eine stärkere Beeinflussung der Marktlage und ein Zurückdäminen der Einfuhr von Gartenerzeugnissen. Die Ortsgruppe Darm­stadt des Deutschen Iugendherbergs- Verbandes veranstaltete am Samstag und Sonntag einen Iugendherbergstag. Bemerkens­wert von den vielen Veranstaltungen waren alte Tanzspiele sowie die Aufführung des mittel­alterlichen LegendenspielsTheophilus" durch die Mainzer Ortsgruppe des Verbandes. Im Schloß war eine AusstellungWandern und Bleiben". Der finanzielle Ertrag der Veranstaltung wird zur Ausstattung von Jugendherbergen verwandt.

Hessrn-Nassau.

T Waldgirmes, 29 Aug. Rachdem we­gen Geldknappheit die Arbeiten an unserer Wasserleitung seit Frühjahr geruht haben, wird nunmehr zur Herstellung des Bassins ge­schritten. Dasselbe umfaßt 300 Kubikmeter in zwei Kammern. Rach Fertigstellung kann die Gemeinde Dorlar ihren Abzweig durch unsere Gemarkung legen, was ihr von den Eigentümern ohne Entschädigung gestattet ist.

XX Herborn, 31. Aug. In der ab- gelausenen Woche wurde hier der erste Kreis­kirchentag auf Grund der neuen nassauischen Kirchenverfassung abgehalten. Prof. Dr. Hau- s e n scheidet aus dem Pfarramt und an seiner Stelle ist Pfarrer Brandenhurger, Dillen­burg, als Dekan der Synode gewählt worden.

XX Driedorf, 31. Aug. Der älteste Bienenzüchter Rassaus, welcher die weite Reise zur Wanderausstellung in Cronberg nicht gescheut hatte, um die Erzeugnisse seiner Bienen­zucht auszustellen, ist der Landwirt Wilhelm Peter aus dem benachbarten Haiern. Er be­treibt selbst schon 60 Jahre lang die Imkerei und behauptet, daß die Bienenzucht über 100 Jahre in seiner Familie üblich sei.

franco-beige, schreibe ich Ihnen. Sie halten es ja doch nicht lange aus in den kleinen stillen Verhältnissen. Und in den großen Werken und Baugesellschaften, die in Deutschland und Bel­gien selbst arbeiten, ist für uns lleberfeer vor­läufig doch kein Platz. Wir sind auch an einen größeren Zuschnitt gewöhnt."

Hanns Ingold hörte nur mit halbem Ohr, was der lebhafte Freund erzählte.

Eine weiche träumerische Stimmung war un­versehens im Rebel herangeschlichen, der den Kanal und das Schiff einhüllte, und nährte sich jetzt noch zum lleberfluß von dem Wein, den er nach langer Entwöhnung wie erstes Grüßen der Heimat in sich trank.

Sieben Jahre war er fortgewesen, zwei da­von in Aegypten und fünf in Amerika. Und jetzt lag alles weit, weit hinter ihm. Vor sechs Wochen hatte er noch vor Hugh L. Cooper gestanden und von dem Erbauer der Riagara- werke einen hir.cn Handdruck empfangen.

Good dhe, Mr. Ingold, Sie können wieder­kommen," hatte der Ches kurz und knapp gesagt. Dann war er mit dem letzten Scheck in der Tasche ins Kontor gegangen, und zum letztenmal hatte et die graugrünen Fluten des Mississippi in mächtigem Drang zwischen den gewaltigen Steinmauern hindurch in die Schächte gleiten und mit heftigem Schwung zehn Meter tief auf die Turbinen stürzen sehen. Er ging noch einmal auf die Drehbrücke hinaus, die unter dem Anprall der Wasser erzitterte, und überblickte das Riesenwerk, die gesprengten Schnellen, die keine Wirbel mehr erzeugten, das turmhohe Maschinenhaus, das im blauen Kalkstein des Strombettes verankert war, und hörte im Geist noch einmal die Pumpen rauschen, die Eisen- karren dröhnen, die Krane ächzen, die Bohrer surren und die Sprengladungen knattern.

Da hatte er zum erstenmal Heimweh emp­funden.

Solange er in seiner Arbeit lebte und mit den Elementen kämpfte, war es feiner nicht Herr geworden. Dem Abgelohnten, der fein Werk getan hatte, schlug es rasch und leicht die Hand auf die Schulter.

fpd. Frankfurt a. M 31. Aug. In einem Bureau der Goethestraße entstand Sonntag abend ein Brand, dessen Bekämpfung mehr als zwei Stunden erforderte. Der Schaden ist recht erheblich. Zu gleicher Zeit wurde die Feuerwehr nach dem Liebfräuenberg alarmiert, wo sie einen Brand in einer Konditorei löschen mußte.

Hanau, 31. Aug. Die hiesige Thphus- e p i d e m i e hat am Samstag zwei weiter« Todesopfer gefordert, so daß die Zahl der Todes­fälle sich auf vierzehn erhöht hat. Reuerkran- lungen werden nicht gemeldet.

Der Darmstädter Leichenfund.

fpd. Darmstadt, 31. Aug. Rach polizei­lichen Mitteilungen handelt es sich bei der bei Darmstadt aufgefundenen M ä dchenl eiche um die dreißigjäbrige Stütze Anna Gillmann aus Frankfurt, geb. in Idar. Die Leiche wurde von hier wohnenden Verwandten nach dem Bild und der Kleidung erkannt. In den letzten Tagen machen sich übrigens, wie wir von gut unterrich­teter Seite erfahren, Zweifel geltend, ob die Gill- mamt wirklich einem Mord zum Opfer gefallen ist oder ob sie in der Wohnung des Meon nicht einem Herzschlag erlag. Dahingehende Tlntersuchungen sind jetzt eingeleitet. Man nimmt an, daß Meon aus einer gewissen Scham heraus, dah das Mädchen bei ihm in der Wohnung ver­starb, die Sache verheimlichen wollte, und die Leiche dann fortschaffte. Von Meon selbst fehlt bis zur Stunde jede Spur.

Buntes Allerlei.

Elefanten als Räuber.

Wenn man jetzt auch über das Aussterben des Elefanten in Südafrika klagt und wenigstens die einzige dort noch vorhandene Herde geschützt wißen will, so ist doch in Afrika an Elefanten kein Mangel. Man schätzt sie allein im Kenja-und Tanganjika­gebiet auf über eine halbe Million, und die rie­sigen Dickhäuter stellen hier für den Landmann eine schwere Plage und ständige Gefahr dar. Wie ein Forschungsreisender erzählt, richten diese Herden alljährlich auf den Farmen Schäden an, die in die Hunder t tausende gehen. Die wilden Elefanten, die zunächst schüchtern und ängstlich sind, verwan­deln sich nämlich mit zunehmendem Alter in gierige Räuber, die ebenso listig wie ungebärdig sind und keine Furcht vor Menschen mehr haben. In Rudeln von 10 bis 100 Stück rücken sie in pechschwarzen Rächten langsam heran und bewegen sich lautlos auf ihr Ziel zu. Wenn sie aber erst einmal in den Pflanzungen sind, dann beginnt ein wildes Wüten Fruchtbäume werden zu Dutzenden zerstört und umgetiffen; weite Grntefelder verwandeln sich in eine zertretene Maffe. Die Bullen trompeten stolz bei diesen Taten; die weiblichen Tiere quieken herausfordernd. Wollte der erbitterte Farmer in diese Durcheinander riesiger Tiermaflen hinein- schießen, so würde das für ihn fast sicheren Tod bedeuten- Denn beim geringsten Laut stürmen die Tiere nach der Richtung, aus der er kommt, und da sie sehr schnell sind, würde er bald von ihnen zertrampelt sein. Andererseits bedeutet das Ucber- laffen der Pflanzungen an die Elefanten bis zum Morgengrauen völlige Vernichtung der wertvollen Anlagen.Solch eine Elefantenn-Raubherde", er­zählt der Verfasser,lebt in dem älmtondea-Dusch in der Rähe von Mombasa. Jedes Jahr Über­fällen die mächtigen Tiere die Pflanzungen und entwurzeln die wertvollen Palmbäume. Die Herde ist von der Regierunggeächtet" und jedem Jäger preisgegeben worden. Aber die Elefanten sind so schlau, dah bisher kaum ein Dutzend von ihnen er­legt werden konnte. Eine andere wilde Elefanten­herde versetzte kürzlich den Rusigi-Dezirk im Tangan­jika-Gebiet in regelrechten Bel<^erungszustand. In wenigen Rächten waren die Ernten über ein weites Gebiet zerstört, und indem sie sich auf die niederen Hütten der Eingeborenen hielten, brachen sie die Wände durch und töteten Dutzende oon Bewohnern. Ein Jäger erlegte schließlich gegen 50. Aber die überlebenden Tiere wanderten nach dem Victoria Rhanza aus und verwüsteten dort die Kartoffelgärten, wobei freilich viele in die von den Eingeborenen gelegten Fallgruben geraten. Wären die Elefanten nicht so große Räuber, so würden sie für Ostafrika einen großen Wert haben. Denn ein Paar guter Stohzähne gibt 200 Pfund Elfen­bein, das Pfund zu 30 Mark. Die Erlaubnis, 2 Elefanten zu schießen, kostet 900 Mark, und bäi solchen Jagdgesellschaften erhalten viele Eingeborene Beschäftigung, die sich sonst nichts verdienen können.

Das letzte Glas, Ingold! Auf die Heimat und die uns dort erwarten!"

Ein ironisches Zucken hob Gheudes Mund­winkel bei diesem letzten Trinkspruch, aber die Augen blickten ernst und warm hinter dem Kneifer, als er das Glas erhob.

Ingold spürte, wie er errötete; In einer heißen Welle stieg ihm das Blut aus dem Herzen in die Wangen. Ein lauter Glücks­jubel schrie plötzlich in seinem Innern, ein un­bändiges Heimverlangen brannte in seinen Adern.

Her mit dem Glas, Gheude," stieß er leidenschaftlich hervor, und das Kommersbuch, die Hochschule, deutsches Wesen, die Jugend, die Liebe, alles, alles stieg in kreisendem Schwall aus den Schächten der Erinnerung, dah die Augen tropften und die Lippen riefen:

Heim! Heim! Wo der junge wilde Rhein unter dem Schwarzwald rauscht und der Vater die Rehwage in den Lachswirbel schwenkt! Herr­gott im Himmel; ist das schön! Daheim in den Bergen am jungen Rhein! Herzbruder, eS gilt die Liebste mein!

Die Kelche klangen, hintenüber bog Hanns den Racken und leerte fein Glas bis auf die Ragelprobe.

Da hämmerten plötzlich die Maschinen, schrie die Sirene und dröhnte der ganze Schiffsleib von einem ungeheuren Stoß, der die Gläser aus den Rahmen und die Stühle aus ihrem Stand warf und den gewaltigen Bau weit nach Backbord schleuderte. Schreien, Klirren, wildes Hetzen und Rennen, Lichttulpen springen und erloschen, rückwärts schlagen die Kolben, und aus dem Zwischendeck quillt in heulendem Ge­dränge eine Flut geängstigter Menschen und erfüllt das unsicher schwankende Schiff mit wahn­witzigem Lärm.

Ein Zusammenstoß, kommen Siel" sagte In­gold, und seine Stimme hatte den harten, me­tallischen Klang, der Gheude von der Arbeit im Flußbett des Mississippi noch im Ohr lag.

Allons voir," erwiderte er gelassen, und sie tasteten und schoben sich durch die Winkel und Gänge die überhängenden Treppen hinauf auf das Verdeck.

(Fortsetzung folgt.)