Ausgabe 
1.9.1925
 
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Siegener Anzeiger (General-Anzeiger sürGderheffen)

Hl. 204 sweitesölatt

Dienstag. s. September (925

WBMaBBKABiaMMM-ua

Die fröhliche Stadt

van Rauck. (jeruck und Ruß. Ohne. jSchlacke, ohne Grus.-*

Höhe, Hzizkrtjh altbewährt! Gauber, billig Glbe^ekrt^ rfkcifs

Turnen, Sport und Spiel.

Weltrekorde aus der Rhön.

Der 6. Rhonscgclflugwcttbewcrb 1925 bat bk bisher ausgebliebenen groben @ r c 1 g - nissc gebracht. Hatten ichon die letzten Tage einige Grossllügc gesehen, fo lind fetzt 'Itelt- re'ordleistungen in der Rhon aufgcftcllt worden. 21 m Sonnabend herrschte reger Zlugbctricb, den besonders die Russen verursachten, während sich die deutschen Segler zurückhielten. Lediglich 2Ichrung führte auf ..Margarete- einem Zwei­sitzer. einen Flug ohne Gast von 41 Minuten Dauer aus. wöbe: er sich etwa 150 Meter über die Startstellc erhob und in einer Entfer- nung von 13 Kilometern vom Startplatz landete. Der Sonntag brachte jedoch zwei ganz hcrvor» ragende Leistungen. 3m Lause des Dotmittags herrschte mittlerer Nordwestwind. Hesselbach startete mit Fluggast wiederum aus der ..Mar­garete". Es gelang ihm. einen Dauerwelt- re l 0 r d mit Fluggast von 3 Stunden 5 Minuten 35 Sekunden aufzustel - l c n. Arn selben Tage führte Mehring aus ..Konsul" einen Streckenweltrelord über 21,5 Kilo­meter aus. Sowohl Hesselbach als Mehring und auch MartenS erreichten bei ihren Flügen eine Höhe über dem Startplatz von etwa 300 Mir. Zur Zeit herrscht aus der Mhön Massenbesuch.

Homburger T'cnnis-T'urnier.

Das Tennisturnier in Bad-Hom­burg brachte Ha n neman n einen Doppel» erfolg. 3m Endspiel des Herreneinzel zog Froitz­heim beim Stande 6:3. 6:8 gegen Hannemann zurück, nachdem dieser vorher den Schweizer Wuarm geschlagen hatte, während sich DemasiuS Froitzheim hatte beugen müssen. 3m Herren­doppelspiel entschied erst der fünfte Satz den Sieg von Hinnemann-Demasius mit 1:6, 6:1. 5:7. 8:6, 6:4 gegen Froitzheim-Kreuzer 3m Dameneinzelspiel bestritten Frau Friedleben und Frl. Austern, die vorher Frl. Weihe 2:6, 6.4, 6:4 geschlagen hatte, die Schlußrunde, die Frau Friedleben 6:2, 6:3 siegreich sah. Einen zweiten Erfolg errang Frau Friedleben zusammen mit Prenn im gemischten Doppelspiel mit 5:7, 6:3, 6:2 gegen Frl Austem-Hannemann. schliesslich gewann sie zusammen mit Frl. Mussern das Damendoppelspiel leicht 6:2. 6:3 gegen Frl. Weihe-Frau Dyrenfurt.

Länderkampf im Schwimmen Deutschland Schweiz.

3m Anschluß an unseren gestrigen Bericht brin­gen wir nachstehend die Ergebnisse des zweiten Tages (Sonntag):

Landerkamps Nr.5, 100-Meter-Frei» st i l s ch w i m m e n:

1. Deutschland mit Derichs-Köln in 1 Min. 6,2 Sekunden.

2. Deutschland mit Gropper-Augsburg in 1 MP. 7,2 Sek.

3. Schweiz mit Wyß in 1 Min. 10 Sek.

4. Schweiz mit Räber ca. 3 Meter zurück. Deutschland 7 Punkte, Schweiz 3 Punkte.

Länderkampf Nr. 6, 4 m a l 50»Meter» Lagenstaffel:

1. Deutschland (Mannschaft: Sommer, Brenner, Günther, Dex) in 2 Min. 18,6 Sek.

2. Schweiz in 2 Min. 32,6 Sek.

Deutschland 4 Punkte, Schweiz 1 Punkt.

Länderkampf Nr. 7, Kunstspringen: 1. Deutschland mit Plumonns und Schumm- Kvln.

2. Schweiz mit Wick und Bischofs.

Deutschland 4 Punkte, Schweiz 1 Punkt.

Länderkampf Nr. 8, Freistilstaffel 4mal 50 Meter:

1. Deutschland (Mannschaft. Hohlfelder, ©rap­pet, Derichs, Dex) in 2 Min. 3,8 Sek.

2. Schweiz in 2 Min. 14 Sek.

Deutschland 4 Punkte, Schweiz 1 Punkt.

Länderkampf Nr. 9, Wasserball­spiel: Deutschland Schweiz 2:1.

Deutschland gewinnt dieses Spiel mit der Mann­schaft des S. B. R h e n u s-Köln.

zur Hochgebirgsjagd begeben. Er ist meistens in Begleitung seines Sohnes sowie des Generals Hemer, die beide ebenfalls im Schloß wohnen.

Das Schloß Dietramszell ist nunmehr in der vierten Generation im Besitze der Familie von Schilcher. Bis 1805 war das Schloß der Sitz einer Augustinerabtei, deren Grünbuna auf das Jahr 1100 zurückgeht, wo der 2lbt Dietram den ersten Bau aufführte. 3m Dreißigjährigen Kriege haben zum letzten Male die Schweden das Kloster dem Erdboden gleich gemacht: der jetzige Bau sowie die herrliche Rokokokirche stammen aus der Mitte des 18.3ahrhunderts. 1803 wurde die Abtei saku- l avisiert und kurz daraus zum Verkauf ousgeschrie- ben. 3n dem Teil, der links von der Kirche liegt, log der Orden der Salesianerinnen vom Orden der Heimsuchung ein, die bis heute ein 3nftitut be­treiben, in welchem die Töchter des bayerischen Adels erzogen werden: den anderen Teil des ge­waltigen Baues kaufte im 3ahrc 1806 die Familie von Schilcher. Der alte Baron von Schilcher, der Freund Hindenburgs, ist im Herbst vorigen 3ahres gestorben. Er war ein großer 3äger vor dem Herrn und gehörte der Tafelrunde des Prinzregenten Luit- pold an. Seine Zucht Allgäuer Viehs ist in weitem Umkreis berühmt. Als Hindenburg in Dietrams- zell anlangte, war fein erster Gang, nachdem er das Auto' verlassen hatte, aus ben Friedhof zum Grabe des alten Schilcher.

Zur Zeit bewohnt das Schloß die Witwe des verstorbenen Barons mit ihren beiden Kindern. Die Dorfkinder zeigen sich gegenseitig die vier Fen­ster im zweiten Stock, hinter denen Hindenburg wohn, und die mit Geranien geschmückt sind. Ge­rade ist ein Gesangverein abgezogen, der dem alten Heerführer ein Ständchen gebracht hatte, und den dieser mit ein paar herzlichen Worten vom Fenster aus begrüßt hatte. Die Geisllichen und Kantoren

Hindenburgs Erholungsaufenthalt.

Von Dt. Alfreb Detig. München.

Dietramszell, 28. Aug. 1925.

Dort, wo das bayrische Oberland ins Hochgebirge ubcBflcbi etwa 40 Kilometer von München ent­fernt Hegt in einer Talsenke rings umgeben von dichten Wäldern das kleine Dorschen,Jn dem Reichs- Präsident von Hindenburg seit 14 -tagen zur Er- holung weilt. Zum dritten Male bewohnt er nun- mehr das Schloß Dietramszell als Gast der tfa- mitte Schilcher und wirb voraussichtlich noch bis zum 9. September hier bleiben. Die eigentlichen Ansiedlungen der Gemeinde Dietramszell Hegen urftreiit im Umkreis, die Kirche jedoch sowie das Schloß und die dazugehörigen Oekonomtegeb.aude bilden ein kleines für sich abgeschlossenes Zentniin. Hier lreuzen sich die Straßen von Holzkirchen. Wolfratshausen, Bad Tölz und ^chasUach--tegern- sec. Die Eisenbahnlinien sind in weiter Entfernung, und als ständiges Verkehrsmittel findet man ledig­lich eine Postkutsche noch vom alten bayerischen Schlag, die wie zu Großvaters Zeiten von -ton zu Dorf pcnbclt. 3n den hochstämmigen Wäldern, hie ein vortreffliches 3agbgebict darsteUen. erschallt noch das Posthorn des Gevatters Postillion, der in seiner alten blauweihen Uniform stolz auf dem hohen Kutschdock thront, und in gewaltiger Höhe ragen vor unseren Augen die Tegernseer Berge empor, der Dollberg. der Risierkogel und der Blankenstein.

Das bayerische Landvolk hat dem alten Felb- nrarschall allenthalben ein herzliches Willkommen bereitet Hier ist das Gebiet, von wo vor 200 3ahren

Die chinesischen Wirren.

Von Pros. Dr. Richard Hennig.

Die ausjeheneiregenden Vorgänge in Chino, über d»e wir zumeist aus englischen, d. h nicht un­parteiischen OueUcn unterrichtet werden, beurteiüe man bei uns in Deutschland vielfach durchaus ver lehrt. Zumeist begegnete man der Ausfassuna. es ha.idlc sich um eine grundsätzlich frcmbenieinbliche Strömung nach Art des Vo^erausstandes vor genau 25 3ahren ober gar um eine bolschewistische, von Moskau in Szene gesetzte Bewegung, al- ivclche sie besonders gern in den englischen Mei düngen hinaesteUi wird, um ihr von vornherein alle europäischen Sympathien zu nehmen und sie als kommunistischen Zcrstörungswahn zu diskred' lieren. Die eine Anschauung >st fojal|d) wie die andere. Rußland sieht zwar d.e Schwierigkeiten, in welche die europäischen Mächte in Ehma geraten sind, sicher nicht ungern und fordert sie. soviel es rann, zumal an einen, starken Echo der chinesischen Wirren in 3nbicn nicht gezweifelt werden kann, aber mH bolschewist.fcher Verstiegenheit haben die Ereignisse in China auch nicht die leiseste Be­rührung. wie schon allein baran zu erkennen ist. daß in China vor allem die «tudenten als Trager der Bewegung in Betracht kommen, also die 3n- teUigenz des Londes, der man in keinem Lande der hielt eine besondere Empfänglichkeit für bolsche­wistische Umsturzgelüste nachsagen kann.

Gerade das überaus starke Heroortreten des Studententums beweist zur Genüge, daß es sich um rein nationale, um nicht zu sagen natio- nalistische Motive bei den chinesischen Unruhen der letzten Monate handette. Aber man täte der durch- aus gesunden und gerade für uns Deutsche vielfach sympathischen Bewegung bitter Unrecht, wenn man (io einfach unter das attbcltebte Rubrum der tfrem- denfeindlichkeil einreihte und demgemäß mit einem Achselzucken darüber hinwegginge. Vielmehr hat sich vielleicht noch nie zuvor eine sremdenfeindttche Be­wegung in irgendeinem Lande so ausgesprochen nur gegen einzelne Nationen vornehmlich Eng­länder und 3apaner gerichtet, während andere ( durchaus unberührt davon bleiben. Es war über­aus charakteristisch, daß vor kurzem in einem ber chinesischen Häfen, bic von ber Bewegung erfaßt waren, in Schanghai, ein Streik der Hafenarbeiter ausbrach, besser gesagt, ein Boykott, der gnmbsatz- lich bk Entlobung ber antommenben fremben Schiffe ablehnte, daß aber ein ankornmenbes beut- (dies Schiss glatt unb ohne ben geringsten Wider- ftanb von irgendeiner Seite bedient wurde, weil eben Deutschland nicht zu bcnicnigen Landern ge­hört, gegen die sich der chinesische Rationalismus ausbäumi. Deutschland hot nämlich gemäß Art. 128 des Versailler Diktats aus alle ihm in China zu- siehenden Sonderrechte bereits verzichtet. Dasselbe hat die russische Sorojctregieruug freiwillig getan. Eben diesen Sonderrechten der Fremden gilt aber der Kamps Chinas in allererster Linie. Genau wie die Souveränitätsrechte der Türkei durch die oietge- nannten Kapitulationen der Großmächte beschrankt waren, ist es mit den Souveränitätsrechten Chinas der Fall. Die Chinesen wollen reftlos Herr im eigenen Hause fein. Die türkische Angora-Regierung hol dieses Ziel vor wenigen Fahren in Lausanne crreidit. Sie war Gegner der Ententemächte und hat dennoch diesen bedeutsamen Schritt zur Frei­heit tun können. China war Bundesgenosse der Entente, unb ihm verweigert man dieselbe Ver- chinsttgung! Dabei hat sich der Prasibent Tuan Aih 3ui durchaus gegen den Willen des chinesischen Volkes, das ausgesprochene Sympathien für Deutsch­land hegt, nur deshalb 1917 auf die Seite der (fntente geschlagen, weil ihm ausdrücklich für diesen Fall der Verzicht auf die sremden Sonderrechte ver- ivrochen wordeii war. Der Mohr will nun nicht einfach gehen, nachdem er seine Schuldigkeit getan hat: vielmehr fordert er seinen verheißenen Lohn und fühlt sich elend betrogen, weil man ihn ihm vorenthätt. Das allein ist die letzte Ursache ber chinesischen Wirren! China hat bereits bie Deutsch- lanb in Versailles aufgelegten Fesseln nicht gut- geheißen, hat als einziges Lanb bie Unterzeichnung des Versailler Dokuments verweigert! Nun fordert es auch für sich unbebingte Zollautonomie, un­beschränkte Finanz- unb 3ustizhoheit und Abzug aller fremden Truppen aus dem Lande. (3n die

Überboten sich in der Verfassung kleiner Dialekt- gedichte, bie bei ben oerschiebenen Gelegenheiten die Dorfkinder dem Reichspräsidenten vortrugen. Die kleine Presse der Umgebung wetteifert in aus- iührlicksenHofberichten", und es herrschte eine große Aufregung, als derTölzer Kurier" plötzlich konsequent schriebDietramszell bei Tötz", wäh­rend doch Dietramszell zum Bezirksamt Wolfrats- Haufen gehört.

Der Ort selbst bietet herrliche Gelegenheiten zu zahlreichen Ausflügen in die Umgebung. Hinden­burg ist Frühaufsteher. Auch heute ist er schon (eit früher Morgenstunde unterwegs, nur begleitet von seinem Sohne. Besondere, Schutzmaßnahmen, die die bayerische Regierung auch zu Ehren seiner Per- son vornahm, Hot er dankend abgelehnt. Hinter ber Schloßschenke führt ein steiler Weg, teilweise in Treppen, hinauf auf bie Höhe, von wo man von einer prachtvollen Allee nach ber Wallfahrtskapelle vonMaria Elenb" unb von bort auf einem ab- wechjlungsreichen Waldpfad nach Kloster Reutberg gelangt. Die Klosterbrauerei braut angeblich bas beste Bier in Bayern: unten am Fuße bes mit einer bitten Mauer umgebenen Klosterberges liegt ber moorige Kirchsee, unb nach Süden hat man den herrlichsten Blick auf die Bergkette, vom W.l- den Kaiser im Osten an gefangen übers Karwendel hinweg bis zum Wetterstein.

Hier schweift Hindenburg mit besonderer Vor­liebe umher. Wenn ihn auch seine Amtsgeschäfte selbst hier nicht ganz zur Ruhe kommen lasten, so hat er sich doch offensichtlich in der ersten Haltte seines Urlaubs gut erholt. Jenseits des Schlostes ist eine Poststelle eingebettet sowie ein Kurierdienst, der den Reichspräsidenten in ständiger Fühlung mit Berlin hält.

Als vor zwei Jahren Bruno Taut daS bflnte Magdeburg schuf, fuhren wir hinüber, von Leipzig damals und Halle, und mancher von uns tchütteltc den ÄopL Einige freuten sich der Bunt he es waren die Jüngsten und nicht die fchlechtesten non uns. Und sie hatten recht: denn cs war zukunftsträchtig, was da geschafsen wurde und cs ist lebensstark noch heute und gerade heute, wo eS endlich und schliesslich auch biS in die Provinz gedrungen ist.

Dal bunte HauS

ist leine Spielerei für Leute, die nichts Besseres zuun wissen, es ist keine Angelegenheit eines Steuerdrückebergers, der seine Ueberschüsse zweck­dienlich anlegen will bas bunte Haus i st eine Motwendigkeit geworden.

Gerade wir in Hessen Frankfurt ist uns mit gutem Beifptel vorangegangen haben eine Unmenge von Schätzen zu heben, die grau und verstaubt im toten Gleichllang der Straße stehen. Untere Fachwerkhäuser, die so lebendig aus ihrem Fundament ruhen und sich, von Stock­werk zu Stockwerk ausladend, bis zu dem spiele­risch-prächtigen oder cinsach-schlichtcn Giebel emporbauen, sie heben laut ihre Stimme nach neuem Leben. Wir kennen heute den

Wert der Farbe

als wichtigen Faktor in feiner Wirkung aus die Spannkraft der Merven und die Einstellung des Gemütszustandes. Graue Umgebung macht müde und missgestimmt, weiss regt rasch auf, aber er- ludet schnell und wird auf die Dauer unerträg­lich, grün beruhigt, rot reiht mit, blau dämpft.

So sind auch mit dem heurigen Sommer die bunten Farben nach Gießen gekommen. Die Stadt bekam ein anderes Gesicht. Ich glaube, sie lächelte. Hat man ihr doch die Spinnweben abgekehrt und die Munzeln geglättet, als die Maurer und Maler auf ihren Gerüsten an den Häuserfronten entlangliefen und mit Farbtopf und Pinsel zu arbeiten begannen. Frau Gießen bekam ein neues Kleid und welche Frau lächelte da wohl nicht?

Moch stehen die Häuser vereinzelt, die Pionierarbeit taten. Aber sie stehen da, sinnvoll in ihrem Aufbau erkennbar: der Mythmus ihres

Berechtigung dieser Wünsche können gerade wir Deutschen uns ja gut hincinbenken!) 3n China weiß man, baß bas Reich ber Mitte, wenn nicht ber Weltkrieg bazwifchen gekommen wäre, heute wahr­scheinlich als Koloniallanb unter bic europäischen Großmächte, 3apaii unb Amerika ungeteilt wäre. Der Wieberkehr ähnlicher Gefahren will man em für allemal vorbeugen, inbem man auch bie bebroh- Uchen Anfänge einer Kolonisierung mit Stumpf unb Stil ausrottet, wie sie bie fremben Vorrechte unb .Kapitulationen, bie Unerreichbarkeit ber meisten Auslänber für bic chinesische Gerichtsbarkeit unb vor allem bie fremben Truppen barftellen, beren Anwesenheit im 3uni bie blutigen Ereignisse in Schanghai unb Kanton verschulbet hat.

Ob bic von Amerika geplante Chino-Konferenz bic Erregung beschwichtigen kann wer weiß es? Eines ist jebenfalls sicher: Mit bloßen beruhigcnben Fiebermitteln ist bie Krankheit nicht mehr zu bannen! Nur eine verhängnisvolle Selbsttäuschung fann heute noch barüber hinwegtäufchen, baß bie Ereignisse in Ehina unb in Marokko, ebenso an- jchcincnb bereits in Syrien unb in bem (schon frei geworbenen) Arabien nur Teilerscheinungen, nur Anfänge einer riesenhaften Bewegung finb, bie Europa wohl noch viele 3ohrc unb vielleicht 3ahr- zehnte in Atem halten wirb. Die Lehre vom Selbst- bestimmungsrechi ber Völker beginnt sich auszu- wirken! Man Hot sie in Asien unb Afrika ach! nur allzu gut verstauben.Asien ben Asiaten!" unb Afrika ben Afrikanern!" heißen biemobernen" polittschen Schlagworte. Die (verkleinerte) Türkei unb Arabien haben sich schon sehr nachbrücklich auf eigene Füße gestellt, bie Rifkabylen finb braus unb dran, bas gleiche zu tun: China ruht nicht mehr, bis es bosselbe Ziel erreicht hat, vermutlich auch 3nbien, Aegypten usw. Der Brandherb greift weiter um sich bie Nachrichten aus Tibet zeigen es an.

bie Dberlänber Bauern auszogen zur Senblmger Schlacht, unb in ber Morbweihenocht von 1705 verlor bie Gemeinbe Diettamszell allein 26 ihrer Söhne im Befreiungskampf um ihre Heimat. Nicht wenig stolz ist man flhrauf, baß Hinbenburg auch nach feiner Wahl zum Reichspräsibenten wieber nach Dietramszell zurückgekehrt ist. Don weit unb breit bis hinüber nach bem Chiemgau strömt in bunter Folge bic Bevölkerung herbei, um ihrem Hinbenburg ihre Anhänglichkeit zu bezeugen. Die Wallfahrten zu seinem Erholungssitz nahmen einen berartigen Umfang an, boß bie Presse ber Um­gebung aus einem gefunben Empfinben heraus ber Bevölkerung ben Rat gab, inan möge bock; in bem an sich löblichen Eifer, feine Anhänglichkeit zu bofumenticrcn, nicht allzuhäufig bic Ruhe unb bic Erholung Hinbenburgs stören.

Hinbenburg selbst bewegt sich unter bem baye­rischen Lanbvott in ber benfbar ungezwungensten Weise. 3m schlichten grünen Lobenonzuo, einen derben Knotenstock in ber Hanb, einen Iägerhut auf bem Kopfe, so streift er in ben Wölbern umher, spricht mit biesem unb jenem, ber ihm gerabc be­gegnet, unb ber Barbier von Schänegg ist nicht wenig stolz barauf, baß ber Reichspräsibent ver- schiebentlich auf seinen Spaziergängen bei chm ein» kehrte, um von seiner Kunst Gebrauch zu machen unb dem Barbier ben Weg zum Schloß zu ersparen. 3n ben Dorf kneipen sprechen bie Bauern von fast nichts anberem, als baß es ihrem Hinbenburg inner­halb acht Tagen gelungen fei, auf ber 3agb zwei Böcke unb ein Wildschwein zur Strecke zu bringen. 3eber einzelne weiß bis ins kleinste bie verschic- beney Vorkommnisse bei ber 3agb noch besonbers auszuschmücken und berichtet darüber mit solchem Stol3, als ob er selbst dabei gewesen fei. Zweimal bereits hat Hinbenburg für zwei Tage Dietrams. zell verlassen unb sich in bie Jachenau nach Fall

Wachstums ist gehoben, fic g ruhen einander mit ihren Erkern unb wmken sich zu mit ihren Giebeln. Die geschossttagenden Ballen lagern sich schwer quer zwüchen den Fensterreihen, die bunllen Dächer greifen schützend über die FrvM die in holzgcsahrcn Rechtecken nach oben streb:. Zensierreihen werden erkennbar als in einer Linie sichend, fentrecht und wagerecht gegliedert. Wände vertan geteilt oder iufammengefafit, je nabtem die Zarte es bestimmt.

Das Giessener Stadtbauamt Hal sich in dieser Erkenntnis fördernd um die Buntheit ter Straffen bemüh:. Ein städtisches Gebäude am Meuenweg. das etwa im Jahre 1750 ent­standen sein mag. ist jetzt nach den Plänen des Stadtbauamtes renoviert. Es gilt mit Recht als eines ter schönsten Häuser ter Stadt. Sines ter ältesten Häuser ist das Lagerhaus ter Firma Geisse in ter Kaplansgasse. dessen Alter auf etwa 300 3ahrc geschäht wird. Beim Abschlagen des Putzes, ter vor etwa 50 Jahren angebracht worden war. fand man das sehr alte Fachwerk, das in feiner Holzkonsirullion die Form des sogenannten ..wilden Mannes" zeigt. Das älteste Haus ist das Gebäude von 3oh. Weisel in ter Sonnenstrasse, das um 1610 erbaut wurde und in feinen Formen. Schnitze­reien und Farben dem crstgcschildcrtcn ftädti« schen Gebäude ähnelt, aber einen noch grösseren Wohlstand des einstigen Besitzers schliessen lässt. Besonders interessant ist hier noch der 3nncn- hof mit seinen reich verzierten Galerien und Gängen. Es ist das Geburtshaus des verdienten Bvllsschriftstellers Rudolf Oeser^Slaubrecht.

Las find nur einige Perlen aus dem Schatz­kästlein unserer Stadt. Schöne Ausgaben sind schon gelöst, schönere und reichere harren noch ter Lösung. Jetzt kommt ter Herbst und ter Winter, wo an langen Abenden bei ter Lampe Pläne gemacht werden können, die mit Dem jungen Jahre 1926 lebendig aufstehen müssen, auf das Die Stadt, wenn sie aus ihrem Winter­schlaf erwacht, froh zu lächeln-beginne, wie wir selbst, wenn wir an den bunten Häusern ent­lang schauen und Freute auf uns herablacht von unseren Wohnungen:

Eine frohe Stadt ...

Wo wirb bas nächste Feuer cmporlobern? Aber fönnen wir in Deutschland nach unseren eigenen Erfahrungen diese Bewegungen fabeln?

^Regenbogenfarben der Meere.

Reisende, die in diesen warmen Sommertagen zum ersten Male das Meer ausfuchen. sind manch- mal enttäuscht, wenn sie nicht die schöne blaue Farbe finden, die sic erwartet haben. Die Meere bet ein» seinen Erbteile sind fehr verfchieden gefärbt und können in allen Farben des Rcgcnbogens strahlen, sie nehmen fast jede Tinte an vom Gelb bis zum tiefen Purpur. Die blaue Farbe, bte die Dichter so oft am Meer preisen, wird durch den Salzgehalt des Wassers hervorgerufen, Denn die unzähligen kleinen Salzteilchen im Wasser werfen das blaue Licht der Sonnenstrahlen zurück. Meere mit einem grossen Salzgehalt haben das tiefste Blau. So z. B. das sehr salzreiche Mittel­ländische Meer. Die Färbung des stillen Ozeans ist meist so dunkel, daß man sie indigoblau nennen muss. 3n der Mähe der Küste wandelt sich ost die Meeresfärbung in Grün. Der weisse Sand auf dem Grund flachen Wassers ruft dieses Lichtgrün her­vor, während der dunkelgelbe Sand, mit bem 'Blau des Wassers vereinigt, ein tieferes Grün hervor- ruft. In der Loangv-Bai erfcheint das Wasser tiefrot infolge des roten Meeresgrundes. Eine andere Ursache für Wasserfärbungen ist Die grosse Anzahl von winzigen Organismen, Die Darin leben. 3n einigen Salzseen Tibets unD ebenso in einigen Seen MiDfrankrcichs besinDen sich gewisse rote Tierchen, Die dem Wasser eine lebhafte karmoisin- rote Färbung berieten. An manchen Stellen des Kanals in Der Mähe der grohbrilanifchen Küste leuchtet Das Wasser tatiächlich in jeder Farbe des Regenbogens, eine Erscheinung die durch die eigen­artige Sonnenstrahlung hervorgerusen wird.______