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135 000 Bergleute werden in den Streik treten. Präsident Coolidge erließ eine Erklärung der Bundesregierung, wonach die Regierung nicht beabsichtigt, in dem Streik zu intervenieren, es sei denn, bofi die Streiklage lebensgefährliche Formen annimmt.

Der Drusenaufstand.

London, 1. Sept. (WTB. Funkspruch.) Times" meldet aus Jerusalem, daß nach offi­ziellen Berichten die Läge im Drusengebiet un­verändert ist. Verstärkungen in Höhe von 1500 Mann sind abgesandt worden, weitere 10(X) Mann werden eqoartet. Da auch Pan- zerwagen und Tanks angefordert sind, ist anzunehmen, daß mit einer weiteren Aus­breitung des Aufstandes gerechnet wird, obwohl Tanks im Drusengebiet kaum verwendet werden können. Ein Franzose, der für die Drusen in Palästina Waffen aufgekauft hatte, wurde verhaftet. Aach zuverlässigen Meldungen befinden sich noch zwei Kompagnien Franzosen in Gefangenschaft der Drusen, nach­dem 100 Franzosen gegen 8 Drusenführer ai^s- getauscht wurden. Die Verzögerungen, die durch das Heranziehcn von Verstärkungen entstehen, kommen den Drusen sehr zu statten, da die heiße Jahreszeit bald zu Ende ist und während der dann folgenden Regenzeit militärische Opera- tionen kaum durchführbar sind. Die Aufwiegelung der Drusen durch unzufriedene Araber und das Drigantenwesen könnte aber in dieser Zeit Fort­schritte machen. Man rechnet damit, daß die Franzosen ungefähr 10 000 Mann zusammenziehen werden. Das) die Druseii ihren Ausstand seit langer Zeit vorbereitet haben, geht daraus her- vor, daß sie ihre Familien aus der Gefahrenzone entfernt haben.

Die öffentliche Meinung in Paris beunruhigt sich immer mehr über den Mangel an aus­führlichen Erklärungen über die Lage und bezeichnet die offiziellen Dementis der ver­schiedenen von englischer und amerikanischer Seite verbreiteten ernsten Rachrichten als vage und ungenügend. DerTenrps" vergleicht die gegen­wärtige Lage in Syrien mit der in Marokko zu Beginn der Feindseligkeiten und verlangt endlich eine genaue ins einzelne gehende D a r st e l - I un g sowohl der kriegerischen Unternehmungen als der eingeleiteten Verhandlungen. Die Regie­rung müsse endlich vom General S a r a i l genau informiert werden, um ihrerseits die Öffentlich­keit über die beunruhigenden Vorgänge in Syrien unterrichten zu können.

Die Lage in Marokko.

Fez, 1. Sept. (Havas. Funkspruch) An der ganzen Front herrscht zur Zeit Ruhe. Es wird aber eine lebhafte Tätigkeit des Fein­des beobachtet. Flieger haben festgestellt, daß große Munitionstranspvrte auf dem Wege zur Front sind. Aus der Gegend von Tetuan werden Truppenzusammenzie- hungen gemeldet. Feindliche Vorstöße, die gestern abend und vergangene Rächt bei Kolleine und KetaadeS-Sleh stattsanden, wurden zurück- geschlagen. Von der spanischen Front wird ge­meldet, daß daS energische Vorgehen der Spanier den Feind veranlaßt hat. die bedrohten Teile der Front durch neu zusammengezogene Truppen zu verstärken.

3n Algeciras wurde nach der Ankunft Primv de Riveras ein Kriegsrat abge- halten, dem die Befehlshaber der verschiedenen spanischen Kampfzone sowie die Befehlshaber der spanischen Marinestreitkräfte und zwei Vertreter der französischen Marinestreitkräfte, beiwohnten. .Rach cinstündiger Beratung wurde der Presse mitgeteilt, man habe sich vollständig auf einen l endgültigen Operationsplan geei­nigt. Der Geist der Truppen sei ausgezeichnet. I Das Direktorium werde nur die unumgänglich notwendigen militärischen Operationen durch- r führen lassen. General Primo de Riviera hat sich bann an Bord des KreuzersEstremadura" nach Ceuta begeben.

Sir Robert Horne über die französischen Schulden.

London. 31. Aug. (TU.) Der frühere eng­lische Schatzkanzler, Sir Robert Horne. der jetzt mit der Führung großer Konzerne betraut ist, drückte sein Erstaunen über die Kritik der französischen Presse an England in der Frage der Schuldenberechnung aus. Sir Robert Horne stellte fest, daß bei der Verwirklichung des Vorschlages, von Frankreich 12 Va Millionen jährlich auf 62 Jahre hinaus zu verlangen, die ganze Schuldensumme nur wenig mehr als einDrittel der tatsächlichen franzö­sischen Schulden an England aus­machen würde. Es müsse doch entschieden daran erinnert werden, daß England von seiner Ge­samtschuld von einer Milliarde, die es nicht für sich selbst, sondern für die Alliierten ein- gegangen war. jetzt jährlich 37 Mill io» nen zurückzahle. Ein großer Teil von diesen Schulden sei an Frankreich weiterver­liehen worden. Heute sehe die Lage so aus, daß es in Frankreich keine Arbeits­lose gäbe und es sei nicht lange her, daß Frankreich beträchtliche Exportüber­schüsse gehabt habe. Es bestehe wahrlich kein Grund für Frankreich über das sehr großzügige Angebot Churchills zu murren. Der englische Steuerzahler habe bei weitem mehr zu leisten als der französisch«.

Kongreß

der Gewerkschaften Deutschlands

Breslau, 31. Aug. (WTB.) Dom 31 Aug. bis 5. Septbr. tagt hier der 12. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands. Der Vorsitzende des Kongresses Leip art gedachte der seit derlehien Zusammenkunft Verstorbenen, insbesondere des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, dessen Andenken durch Erheben von den Plätzen geehrt wurde. Staatssekretär G e i b entbot dem Kongreß den Gruß des Reichsarbeitsministe­riums. Mertens-Brüssel sprach für den inter­nationalen Gewerkschaftsbund, Douan begrüßte die Versammlung namens des internatio­nalen Arbeitsamtes in Genf und zeichnete ldabei in großen HmrtHen diese neugeschaffene Einrichtung und ihre bereits erzielten Erfolge und ersuchte die Gewerkschaften um ihre Mit­arbeit. Ramens der im Afa-Dund organisierten Hand» und Kopfarbeiter sprach helfen Vorsitzen­der. Reichstagsabgeordneter Aufs hau ser-

Derlin, Ministerialrat Falkenberg für den All­gemeinen deutschen Deamtenbund. Hierauf trat der Kongreß in die Wahl der Kongrehleitung und der Kommissionen ein.

Der Bundesvorsihende Leipart - Berlin erstattete dann den Bericht des Vorstandes. Lei- part erklärte, zur Regelung des gesetzlichen Achtstundentage s werde man gegebenen­falls vor dem Mittel einer Volksabstim­mung nicht zurückschrecken. Die an den Bundes­vorstand gerichteten Ersuchen, die Massen zu mo­bilisieren, fasse man so auf, sie den Gewerk­schaften zuzusühren und nicht gewissenlos in einen politischen Generalstreik zu treiben. Die von den Kommunisten ausgegebene Einheits­parole bedeute nach allen bisherigen Erfahrungen nur, durch eine Minderheit die Ge­werkschaftsbewegung zu stören. Zur Linderung der Wohnungsnot habe man ge­meinsam mit der Regierung erfolgreich: Schritte unternommen. Bei allen Gewerkschaften sei eine Zunahme der Mitglieder zu verzeichnen. Bisher sind 300 Volldelegierte anwesend, die 41 , Mil­lionen Mitglieder vertreten.

Das Pmsahbauprogramm der Reichsregierung.

Leipzig. 31. Aug. (TL.) Sn der Zentral­stelle für Interessen der Leipziger Mustermesse sprach am Sonntag abend im Ramen der Reichs­regierung Oberregierungsrat Dr. Iosen über das Thema Preisabbau. Die Regierung habe sich mit ihrer Erklärung vom 27. August an a l le Kreise gewandt, um ihnen die Rotwendigkeit aber auch ihren festen Willen zum Bewußtsein zu bringen, das Preisniveau z u senken. Die Vertreter der Industrie und des Handels, der Banken und des Handwerks, der Konsum­vereine und der Gewerkschaften hätten zugesagt, die Regierung bei ihren Bestrebungen zur Sen­kung der Preise zu unterstützen. Die Reichs­regierung werde in erster Linie gegen K l au» fein vorgehen, die als Ausdruck des Miß­trauens in die Beständigkeit der Währung aus­gefaßt. werden könnten, ferner gegen Klauseln, die die Arbeitnehmerschaft einseitig durch Treu­rabatte, Preisbindung und Revers im Kartell» interesse festlegen oder den natürlichen Preis- oder Risikoausgleich in der Wirtschaft hindern könnten. Zu letzteren zähle vor allem die Klausel freibleibender Preise, die auf der Leipziger Messe 1923 in der Rot der Inflationszeit entstanden fei und die, wie er­wartet werden dürfte, auf der jetzigen Herbst­messe zu Grabe getragen wird. Die Reichs­regierung wisse, daß sie sich mit ihrer For­derung, Preissteigerungen zu vermeiden, nicht nur einseitig an den Erzeuger und den Händler richte, sondern auch zugleich an d e n K o n s u ° menten und den Käufer, und daß die Frage der Preisbildung nicht nur eine solche wirtschaftlicher Tendenzen, sondern vor allem eine Frage des Entschlusses und der Psyche sei.

Das Handwerk zur Preissenkungsaktion.

Berlin. 31. Aug. (WTB.) In einer Be- sprechung zwischen den Spihenorganisationen des Handwerks und dem Reichswirtschaftsministerium über die Möglichkeiten eines Preisabbaues, er­klärten die Vertreter des Handwerks, daß das Handwerk sich voll in den Dienst der Re­gierungserklärung vom 27. August stellen würde. Insbesondere wollen die Spitzenorgani- satjonen des Handwerks dahin wirken, daß die bestehenden Richtpreise nochmals eingehend auf ihre wirtschaftliche Berechtigung geprüft werden.

Aussperrung in der sächsischen Tabakindustrie.

Frankenbsrg in Sachsen, 1. Sept. Unter Mißachtung der Vereinbarung, nach der am 31.8. vor dem Reichsarbeitsministerium Lohnver - Handlungen stattfinden sollten, sind an verschie­denen Orten der Bezirksgruppe Sachsen des Reichs» verbandes deutscher Zigarrenhersteller die Arbeit­nehmer tariswidrig in den Aus st and ge­treten. Deshalb wird, wie der Reichsoerband bekannt gibt, heute sämtlichen Belegschaften der bezeichneten Bezirksgruppe (Freistaaten Sachsen, Anhalt und Braunschweig, Teile von Thüringen, Provinzen Sachsen und Hannover) die Kündi­gung zum 12. September zugestellt werden. Von dieser Maßnahme werden etwa 15 000 Arbeiter betroffen.

Kulturfragen im preußischen Hauptausschutz.

Berlin, 31. Aug. (T. U. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags trat zusammen, um die Vorbereitung des Kultushaushaltes zu beginnen. Zn der allgemeinen Aussprache übte Abg. Oelze (Dn.) scharfe Kritik an der Personalpolitik des Mi­nisters Becker und wies dabei auf den Fall Lessing in Hannover hin, der beweise, daß der Minister den nationalen Interessen keine Rechnung trage. Falsch sei es, die linken Verbände zu fördern und die nationalen Bestrebungen xu unterdrücken. Der Kampf um die nationale Aufklärung der Kriegsschuldlüge und des Friedensvertrages müsse auch in der Schule ausgenommen werden. Der Zentrumsredner Lauscher bedauerte, daß bei der Reform des höheren Schulwesens die Forderung des Zentrums über die Führung des Religions­unterrichts nicht erfüllt worden sei. Der Redner forderte die konfessionelle höhere Schule und Beseitigung des Monopols der staatlichen Schule. Abg. Dr. Boelitz (2). 33p.) begrüßte, daß die letzten Maßnahmen des Ministeriums auf schul- volitischem Gebiet die Fortsetzung der Ge- samtreform gebracht hätte. Die Deutsche Dolks- partei trete unter allen Umständen für eine pari­tätische höhere Lehranstalt ein und halte an der religiös-sittlichen Grundlage fest. Solange diese Linie innnegehalten werde, habe die Regie­rung bei ihrem Reformwerk die Unterstützung der Deutschen Volkspartei. Abg. Graue (Dem.) lehnte die konfessionelle Gestaltung der höheren Schule ab und wandte sich besonders gegen den politischen Mißbrauch der Kirchen, der die Bewilligung grö­ßerer Mittel erschwere. Der sozialdemokratische Ab­geordnete König verurteilte aufs schärfste die konfessionelle Gestaltung der schule und protestierte gegen die nationalistischen Verhetzungen in den Höheren Schulen. Rach weiteren Ausführungen

eines kommunistischen Redners wurden die Be­ratungen auf Dienstag vertagt.

Die demokratische Landtagsfraktion hat zum Kultusetat einen Antrag eingebracht, der das Staatsministerium ersucht, die Vorgänge der letzten Kriegs monatc, die Verhandlungen nach Absendung der Rote an Wilson, die zum Ab­schluß des Waffenstillstandsvertrages und des Ver­trages von Versailles führten, den wesentlichen In­halt dieser Verträge sowie den Gang der aus­wärtigen Politik nach Abschluß des Versailler Vertrages bis zum Dawesgut­achten und die Verhandlungen über den Sicher- h e i t s p a f t in einer kurzen Broschüre zur Dar­stellung zu bringen, diese Broschüre allen Schu­len zur Verfügung zu stellen und diese anzuweisen, den Inhalt im Geschichtsunterricht eingehend zu be­handeln. Die Reichsregierung wird ersucht, in den anderen Ländern auf eine ähnliche Maßnahme hinzuweisen.

Praktische Arbeit für die Ieppelin-Eckener-Spende.

Berlin, 31. Aug. lTäl.) Wie wir Mel­dungen der Dresdner Tagespresse entnehmen, haben in Dresden auf den Aufruf für die Zeppelin-Eckener-Spende hin die Vereinig­ten Bezirks- und Bür ger vereine Dresdens, einen Ausschuß gebildet, dem die Aufgabe zufällt, alle in Betracht kommenden Korporationen zusammenzufnssen. Es herrschte völlige Einmütigkeit darüber, daß das Unter­nehmen auf die breiteste Grundlage gestellt wer­den müsse, da es sich hier um die Förderung einer großen deutschen Id e e handele, bei der politische und wirtschaftliche Gesichts­punkte völlig ausscheiden müssen.

Wir begrüßen diese aus freier Initiative hervorgegangene überparteiliche Aktion auf das lebhafteste und erblicken darin eine ungemein wertvolle Förderung unserer Absichten. Es wäre außerordentlich erwünscht, wenn das Dres­dener Beispiele Schule machen würde und recht bald allerorten derartige Ausschüsse entstehen würden. Bei der großen Begeisterung, die überall im deutschen Volke für Zeppelins Werk und Dr. Eckeners Pläne herrscht, wird es nur des Anstoßes durch einige zielbewuhte Männer bedürfen, um den örtlichen Zusammenschluß aller Kreise der Be­völkerung zur Durchführung des Sammelwerks zu veranlassen. Werbematerial stellt die Ge- chäftsstelle des Reichsausschusses für die Zeppe- lin-Eckener-Spende, 'Berlin W 50, Kurfürsten­damm 13 (Drahtanschrift: Zeppelinbau Berlin) auf Verlangen gern kostenlos zur Verfügung. Alle Rachrichten über die Bildung von Orts- und Bezirksausschüssen werden ebendahin erbeten.

Der Reichsausschuß für die Zeppelin-Eckener- Spende des deutschen Volkes. I. 21.: Coböken.

Line Erklärung Dr. Wirths.

Berlin, 1. Sept. (WTB.) DieGermania" veröffentlicht eine älnterredung mit dem Reichs­kanzler a. D. Wirth, in der er erklärte, daß fein Austritt aus der Zentrumsfraktion des Reichstags nicht etwa einer Qlrt impulsiver Ein­gebung, auch nicht einer politischen Verbitte­rung entsprungen, sondern die notwendige Folgerung seiner politischen Ge­samthaltung zum neuen deutschen Dolks- staat und feinen politischen Kräften sei. Seine grundsätzliche innere Einstellung stehe nach seiner Lieberzeugung in vollem Einklänge mit dem alten Zentrumsgeist. In die Hände der für ihn zu­ständigen Parteiorganisation in Baden habe er eine schriftliche Begründung seines Schrittes ge­legt, der nach einer Klärung der jetzigen politi­schen Konstellation im Reiche strebe, die, wie die Erledigung gewisser Gesetze gezeigt habe, not­wendigerweise zu einer Auseinandersehung, zu einem Protest und weiter zu einer politi­schen Bewegung führen müsse. Auf dem Parteitag der badischen Zentrumspartei werde er darlegen, was zu geschehen habe, um der von ihm eingeleiteten Bewegung Rachdruck zu ver­leihen. Er wolle nicht die Partei sprengen, sein Ziel sei vielmehr die Festigung der Partei im Geiste der alten Zentrumspolitik.

Aus aller Wett.

Tagung des Alpenvereins.

Innsbruck, 31. Aug. (T. U.) 3Iuf der wei­teren Tagung des Deutsch-Oesterreichischen Alpen­vereins ergaben sich ernste Differenzen über die au der Tagesordnung stehenden Anträge des Haupt­ausschusses über die neue Wege- und Hütten- ovbnung. Es macht sich deutlich die Spannung zwischen den jüngeren Elementen unter den Berg­steigern und den älteren und bedächtigeren Berg' wanderern geltend. Unter den radikalen Anträgen befindet sich einer der Sektion 21 u ft r i a, wonach unter anderem Wegeanlagen auf Gipfeln und die Errichtung von Steigen auf Bergen nur in Aus­nahmefällen gestattet sein soll. Die Anbringung von Bergtafeln soll nur auf die notwendigsten Fälle beschränkt werden. Andere Sektionen stehen auf dem entgegengesetzten Standpunkt und beantragen, den Ausbau der Alpenunterkunftshütten zu be­schleunigen. Diese Fragen haben den ganzen Tag zu lebhaften Besprechungen geführt. Ein sehr radi­kaler Antrag wurde auch von der Sektion Schwa- b c n eingebracht, wonach die Aufnahme neuer Mit­glieder in der Zeit vom 15. Juni bis 15. September gesperrt wird. Der Hauptausschuß hat Ableh- nung beantragt. Es haben sich sehr viele Sektionen zu diesem Antrag ausgesprochen. Am Abend begann vei zahlreicher Beteiligung der Festabend. Rach einer Ansprache des bekannten Bergsteigers Stolz über Tirol als deutsche Südmark wurden von etwa 500 Mädchen und Burschen Trachtenbilder und Trachtentänze vorgeführt. Es folgte dann eine Ausführung von KranewettersAndreas Hofer".

Am Sonntag wurde die 51. Hauptversammlung des Alpenvereins abgehalten. Der preußische Mi­nister a. D. v. Sydo w begrüßte die Erschienenen, vor allem den Landeshauptmann Dr. Stumpf, Bürgermeister Dr. Eder u. a. in kurzen Worten. Darauf ergriff Dr. Stumpf das Wort, der dem Alpenverein den Dank des Landes Tirol aussprach für seine freundschaftliche Hilfe in geistiger und materieller Beziehung. Das Leid Tirols fet auch das Leid des großen Alpenoereins. Bürger­meister Dr. Eder überbrachte die Grüße der Stadt Innsbruck, welche schon zum dritten Male die Freude hat, die Alpenvereinstagung in ihren Mauern zu sehen. Daß die erste Tagung knapp nach dem Bruderkrieg im Jahre 1869 hier statt-

sindcn konnte, kommt uns heute wie ein 'jVm'crr vor. So hat der Alpenverein schon |eit lorm.-m Ar­beit für den Zusammenschluß alle deutschen Stämme geleistet Hierauf G \<r ? der Vorsitzende v. Sydow der abgetrennten deutschen 33 rüder in Südtirol, der ge­waltsamen Jtalinisierung dieses Gebietes und des Raubs der dortigen 2llpenvereinshütten. Er rief den Deutschen südlich des Brenners zu, auszuhalten in dem Kampfe um ihre uralte deutsche Kultur. Lebhafter Beifall.) Dann wurde in die Tagesord nung eingetreten. Aus dem Jahresberichte ist zu entnehmen, daß der Alpenverein 431 Sektio­nen mit 216 000 Mitgliedern zählt.

Der Tod der Fran Hof aufqeHärt.

* Frankfurt a. M., 31. Aua. (Täl.) Die Frankfurter Kriminalpolizei hat die Untersuchung über den Tod der Gattin des Generaldirektors H o f nunmehr abgeschlossen. Die Mordkommission stellte fest, daß tatsächlich zwei Geschosse in der Holztäfelung' des Zimmers stecken geblieben wa­ren. Doch alle Rachforschungen nach dem Mörder blieben vergeblich. Run hat die Untersuchung des Revolvers einwandfrei ergeben, daß Frau H o f selbst alle Schüsse abgegeben hat, denn der Revolver wies nur ihre eigenen Fingerabdrücke auf. Warum Frau Hof vor ihrem Tode die irreführenden.Angaben ge­macht hat, ist noch nicht aufgeklärt.^"

Schweres Automobil-Unglück im Saargebiet.

Saarbrücken, 1. Sept. (WTB. Funk- spruch.) Auf der Kirmes in Gersweiler ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. An der Kreuzung der Provinzial- und der Krughütterstrahe fuhr ein Auto, das den ziemlich steilen Berg her­unter kam, in die dichtgedrängte Men­schenmenge hinein, die dort um die Kirmesbuden stand. Das Auto zertrümmerte zwei Verkaufsstände, rannte gegen eine Tele­graphenstange und riß eine Anzahl Personen zu Boden. Dabei gerieten zwei Frauen unter d i e Räder des Autos und wurden schwer verletzt, Rur mit vieler Mühe konnte man die Verunglückten unter dem Wagen her­vorziehen. Außer den beiden Frauen, von denen die eine in sehr ernstem Zustande in das Kranken­haus eingeliefert werden mußte, wurden noch weitere fünf Personen leicht verletzt. Das Auto, das eine französische Rümmer trug, wurde beschlagnahmt, der Führer, ein junger Wann aus Lothringen, verhaftet. Das Anglück ist wahr­scheinlich auf Versagen der Bremse des Autos zurückzuführen.

Antialkoholkvnserenz in London.

In London beginnt heute eine internatio­nale Antialkoholkonferenz, die sich mit der Frage der Einführung des Alkoholverbots in den afrikanischen Kolonien und mit der Unterbindung des internationalen A l - koholschmuggels befassen wird. Ferner be­absichtigt die Konferenz einen Gesetzentwurf zur Regelung des internationalen Alkoholhandels auszuarbeiten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 1. September 1925.

Unser neuer Roman.

beginnt bereits mit dem heutigen Tage zu laufen. Wir glauben gerade mit dieser Wahl einen Stoff gefunden zu haben, der unsere Leserinnen und Leser jeder Geschmacksrichtung interessiert. Ist doch das Problem des Oberrheins heute durch die französischen Ansprüche an das Rheinwasser und die Forderung eines Oberrheinkanales aktuel­ler als je.

Der gefesselte Strom"

aus der Feder des bekannten schweizer Schriftstellers Hermann Steegemann be­handelt das Thema der Industrialisierung deS Rheinfalls bei Schaffhausen: die alte Generation steht gegen die junge und zwischen beiden bin- und hergerissen kämpft ein reines Mädchen um ihre Liebe. Der Roman ist ein großer Wurf, mit Szenen voll Wucht und Kapiteln von tiefer Innerlichkeit, Zartheit und Kraft.

Die Jagd im September.

Der Laubwald beginnt sich zu färben und wir merken allmählich, daß es Herbst wird. Die letzten Sommertage locken aber nicht nur den Städter hinaus zum Raturgenuß, sie bieten vor allem auch dem Jäger höchste Weidmannslust. Die Iagdgelegenheiten mehren sich, der Iaad- kalender weist immer weniger schwarze Felder auf. , ,

Das Edelwild steht, die Geschlechter bei­einander, gewöhnlich in der Rähe der Iahr für Iahr immer wieder ausgesuchten Drunftplätze. Der Hirsch tritt in die Brunst, und in kalten Rächten hört man schon im Beginn des Monats das alle Weidmannsherzen höher schlagen las­sende Röhren. Im Gebirge schreien die Hirsche etwas später. Aus den Brunftplähen herrscht der Platzhirsch. Er ist vor jeder Beunruhigung zu schützen, in seiner nächsten Rähe sollte nur in ganz dringenden Fällen geschossen werden. Um das Wild vom Austreten auf die Felder abzuhalten, empfiehlt es sich, in der Räheder Brunftplähe Kastanien. Wildobst oder Kartoffeln zur Fütterung aufzuschütten. Geschieht dies nicht, so werden oft die noch vor der Brunft in Du­deln gehenden besten Hirsche mit Posten zu Holze geschossen.

Das Damwild hat sich zwar auch schon in der Rähe seiner Brunftplähe, die Geschlechter gemischt, gerubelt, seine Feistzeit dauert aber länger als beim Rotwild. Deshalb lohnt es sich, diese noch gehörig auszunützen. Im übrigen gilt für das Damwild alles beim Rotwild Er­wähnte.

Die Sauen treten bei reichem Fraß, den ihnen die Ratur jetzt bereitet, in ihre beste Zeit. In den Kartoffeln tun die Sauen großen

Wcttervi'raittsfage.

Weiterhin veränderlich, schwache bis mäßige Winde, wenige Tempeixtturänderung, stellenweise Regenfälle.

Das Wetter unseres Bezirkes bleibt unter dem Einfluß nördlicher bis westlicher Luft. Die unbeständige Witterung mit Reigung zu zett­weisen Regenfällen hält an. .

Gestrige 'Tagestemperaturen: Manmum 18,6 Gr. C., Minimum 13,6 Gr. C.