Ausgabe 
1.8.1925
 
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v Saarländer |inö o e u i d;. Dor» jaben wir bewiesen bei der Abstimmung zum ^andesrat. Lieber 99 % haben deutsch gestimmt. (Lebhafter Beifall.) Lind glänzend hat es be­wiesen die lZahrtausendfeier. Ach, was war das für eine erhebende Feier, eine Feier, nicht von oben herab befohlen, sondern aus den Tiefen des Volkes kommend, eine Feier, an der sich alle Schichten der Bevölkerung beteiligten, eine Feier so erhebend, wie wir noch nichts erlebt haben.

Aber, so herrlich diese Lage auch waren, sie werden nur ein schwacher Abglanz des Tages sein, der uns wiederum mit Euch, 3hr Brüder, vereinigt. (Lebhafter Beifall.) Aber bis dieser Tag kommt, da heißt es noch die Zähne zu­sammengebissen und auShalten und wachbleiben. Wir stehen auf Vorposten, das wissen wir. Aber sollen wir nicht auf verlorenem Posten stehen, dann bedürfen wir Eurer Hilfe. Wir müssen wissen auf dem gefährdeten Posten, daß deutsche Brüder einig un d , ge­schlossen hinter uns stehen. (Beifall.)

Lind da ist es, Brüder, oft niederdrückend für uns, wenn wir lesen und Horen müssen, wie die Zwietracht noch herrscht trotz der völkischen Rot. Wir können es nicht verstehen, wie das deutsche Volk immer noch zerrissen ist, zerrissen in Klassen, Parteien und Konfessionen. Wir sind Deutsche, ob katholisch oder evangelisch, (sehr richtig), ob Arbeiter oder Beamter, ob hoch oder niedrig, ob reich oder arm, wir sind Deutsche und in diesem Gedanken können und inüs- sen wir uns finden. (Lebhafter Beifall.)

Llnd uns Turnern ist die Aufgabe ganz be­sonders heilig, zu arbeiten und zu wir­ken für eine Gedanken - und Herzens­gemeinschaft des ganzen Volkes. Wir wollen wirken, daß es einmal heißt, wir sind ein einig Volk von Brüdern Llnd daß es so kommt, Brüder, diesen Glauben haben wir, und nur weil wir diesen Glauben haben, können wir auch aushalten. Wir vertrauen Euch, Brüder, und ich bitte die Saarturner: Erhebt Euch von Euren Plätzen und ruft mit mir aus: Den lieben deutschen Brüdern ein dreifaches Gut Heil! tLanganhaltender, rauschender Beifall.)

Ein Redner der Kreisleitung:

Hochverehrte Versammlung! Liebe Turnschwestern und Turnbrüder! Es ist heute abend von so vielen Seiten in herzlichen und warmen Worten unserer deutschen Turnsache gedacht worden, daß es eigent­lich ein Ding der Unmöglichkeit wäre, wenn nicht auch die Kreisvertretung zum Schluß sich bedanken würde für diese Worte der Anerkennung, und das sei hiermit namens der Kreisleitung zum Ausdruck gebracht. Der heutige Abend gilt in ganz besonderer Weise den Turnern aus dem besetzten Gebiete. Daß wir am Rhein und an der Saar Deutsch­land die Treue halten, ist selbstver- si ä n d l i ch e Pflicht, die keines besonderen Dan­kes bedarf. Es ist unsere Pflicht, Deutschland die Treue zu halten: denn Deutschland hat uns in guten Togen so manches Schöne gegeben, daß es eine «chmach und eine Schande wäre, wenn wir in Stunden der Not die Treue brechen würden. (Leb­hafter Beifall.)

Und gerade wir Turner wissen das ganz beson­ders, denn wir Turner haben ja allezeit das schöne Lied gesungen:D Deutschland hoch in Ehren" und als SchlußHaltet aus im Sturmaebraus". Dieser Sturrr.esbraus ist über Deutschland hinweggegangen, und er hat manche schöne Hoffnung, die wir hatten, geknickt und zuschanden gemacht. Aber eines hat er nicht fertig gebracht, daß wir in .unserer Treue, in unserer Pflicht wanken würden.

So soll diese Treue, die wir in diesem Liede zum Ausdruck gebracht haben, allezeit uns deutsche Tur­ner nicht nur im besetzten Gebiete, sondern über­haupt in unserer ganzen deutschen Turnerschaft als ^Richtschnur, als Leitstern dienen, der dazu beitragen -möge, daß durch die arbeitende deutsche ^Turnerschaft einmal unser Vaterland -wieder zur Gesundung geführt werden möge. Und wenn vorhin ein Redner jo schön ge­sagt hat, daß durch die Not, die wir drüben haben, wir, Deutsche aller Schichten unserer Bevölkerung, zusammengeschweißt worden sind, so möge das auch für das übrige Deutschland einmal Wahrheit, Tatsache werden. (Lebhafter Beifall.)

Wöge man nicht daran deuteln und klügeln, ob man schwarz-weiß-rot oder schwar^-rot-gold hier bei unserem Kreisturnfest slagaen solle, das ist nicht so wichtig, viel wichtiger ist, oaß wir das, was

tu i r u r u n e r Deutschland fühlen, in in unserem Herzen tragen, daß wir das nach außen hin in jeder Weise zum Ausdruck bringen wollen. Ich will Euch nicht langer aufhalten, denn unser verehrter Festvorsitzender hat vorhin schon schwere Bedenken gehabt wegen der Durchführung der von ihm wunderschön entworfenen Festfolge, und deshalb, liebe Freunde, will ich heute abend von Euch scheiden mit dem Wunsch, daß der Auftakt, den das Fest in so herrlicher Weise gefunden hat, daß diese Stimmung und diese Begeisterung wäh­rend des ganzen Festes anhalten, und daß unser Herrrgott uns ein Wetter bescheren möge, daß Gie­ßen und die ganze Turnerschaft immer gern zurück­denken möge an das schon verlaufene Kreisturnfest in Gießen. Gut Heil! (Lang anhaltender Beifall.)

Das Deutschlandlied, das Saarlied. .,O Deutsch­land hoch in Ehren" bildeten den Ausllang der Hauptreden.

Die gesellige Ausgestaltung des Abends.

Flotte und ansprechende Darbietungen der Kapelle Topp, ein weiterer Massenchor der vereinigten Gießener Männerge­sangvereine unter der Leitung von Chor­meister G ö r l a ch und turnerische Darbietungen der Gauriege des Saar-Blies-Gaues und der Frauenabteilung des T. V. Mainz von 1817 bereiteten den Zuschauer­massen außerordentlich genußreiche Stunden. Die turnerischen Leistungen rissen zu höchster Be­wunderung dieser Männer und Frauen hin, die am Darren, am Reck und am Pferd Llebun- gen von geradezu virtuoser Vollendung zeigten. Stürmische Beifallskundgebungen brachten den herzlichen Dank der Zuschauer zum Ausdruck. Leider konnte man von der vorderen Empore aus die in dunklen Trikot gekleideten Mainzer Turnerinnen nur außerordentlich schwer bei den Llebungen verfolgen, da der dunlle Hintergrund der Bühne recht ungünstig war. Könnte hiev nicht noch schnell Abhilfe geschaffen werden durch eine rüokto ärts an der Bühne anzubringende Lampe?

Ein beklagenswerter Unfall ereignete sich leider bei dem Turnen der Saar­riege. Bei einer Llebung am Hochreck stürzte der 24jährige Turner Ludwig Ditz aus Völk­lingen an der Saar unglücklich ab und erlitt eine Gehirnerschütterung, die seine Ver­bringung zur Chirurgischen Klinik notwendig machte. Rach einer Anfrage heute früh ist das Befinden des Mannes unverändert, doch gibt sein Zustand erfreulicherweise zu ernfterenDesvrgnissenfeinenAnlaß. Die Anteilnahme an dem betrüblichen Llnfall dieses Gastes war allgemein. Herzliche Wünsche der Gießener für baldige völlige Wiedergenesung sind dem jungen Manne sicher.

Erst nach Mitternacht fand der denkwürdige Eröffnungsabend des Kreisturnfestes seinen Ab­schluß. Dank dem verstärtten Verkehr der Straßenbahn war den Mässen bet dem unfreund­lichen Wetter ein schnelles Hinkommen zur Fest­halle und eine ebenso rasche Heimkehr möglich.

* * *

Der zweite Tag.

Gießen, 1. August 1925.

Heute früh trafen mit den fahrplanmäßigen Zügen aus allen Richtungen des Mittelrhein­kreises weitere große Turnerscharen hier ein. Sie wurden am Bahnhof in feierlicher Weise und mit Musik empfangen und alsdann von Mitgliedern des Empfangsausschusses und von jugendlichen Fremdenführern in die Stadt geleitet. Rach 10 Llhr lief einSonderzugvon Frankfurt a. M. ein. der die Frankfurter Tu rner und eine große Zahl weiterer Turn- gäste aus der Aschaffenburger Gegend brachte. Auch hier fand feierlicher Empfang statt. 3m Laufe des Tages werden zu den fahrplan­mäßigen Zügen Vor- und Rachzüge fahren, die erforderlich sind zur Bewältigung des Turner- Reiseverkehrs.

3n der Müllerschen Badeanstalt begannen heute früh die Wettkämpfe im Schwim­men. auf dem Festplatze (Trieb) nahmen die Wettkämpfe im Fechten und Spielen ihren Anfang.

Magdalenenlage in Nymphenburg.

3m Nymphenburger Park, diesem goldumflosse- nen, smaragdgrünen Rokokokleinod, das Kurfürst Max Emanuel von Bayern sich einst zu Lust und Freude des Daseins anlegen ließ, steht das Magda- lenenkirchlein, eine eigenartige romantische Kapelle, die innen ganz aus Tuffstein und in allen Farben des Meeres schillernden Muscheln besteht. 3n einer dunklen Grotte, durch die ein Brünnlein seine Sil­berfäden zieht, erhebt sich aus weißem Marmor die Gestalt der stillen Büßerin, deren Tränen die Augen der Kranken und Weinenden heilt. Der ihr geweihte Tag der in das Klingen und Jauchzen des Hochsom­mers fällt, wird nach echt Münchner Art nicht nur mit Buß- und Bittgebeten, Exvotis und Tränen gefeiert, sondern mit einer regelrechten, ausgiebi­gen Dult, mit fröhlichen Karussells, Schaubuden, Luftballons, zärlltchen Heiligenbildern und kleinen Weihwasserkesfeln. Der alternde Kurfürst hatte sich in Singst und Sorge um fein Seelenheil die Kapelle mit wenigen schlichten, als Klause gedachten Zim­mern bauen lassen, um hier feinen Lebensabend zu beschließen, aber der Tod rief ihn ab, ehe er sein Work vollenden konnte, und die ganze, auf reu­mütige Entsagung gestimmte Eremitage, die sich noch heute wie einPater peccavi" mitten im Blühen und Flimmern des Parkes erhebt, wurde nie bezogen. Derselbe Max Emanuel hatte in den Jahren der Jugend und Tatkraft das köstliche, gau- kelnde, keine Hemmungen kennende Leben bis zur Neige genossen; er war ein kunstsinniger Fürst, der Vollender des Nymphenburger Schloßes, der Schöpfer des Parkes mit feinen entzückenden, aus dem. Grün schimmerndenBurgen". Er war es, s Cuvilliss, diesen Meister des Rokoko, die

Diisieldo.u r g, eines der schönsten und reim ---------»eie der Welt, für feine Gemahlin

Eden schriftliche Jägerin, als kleines rbauen ließ. Es ist eine Symphonie ilber, Gelb und Silber, wie man duftiger, traumhafter nicht denken Derfamer Harmonie in Linien und

Ausstattung ist der Spiegelsaal in Form einer Ro­tunde, umrahmt von mit blauem Damast bezoge­nen Wänden, mit (Spiegeln und Lüstern aus vene­zianischem Glas, in dem das Licht der Sonne, das durch die Glastüren bringt, sich tausendfach bricht. Entlang den Wandpanneaux ranken sich Blumen und Blattgewinde in reinstem Rokoko empor, ein silberflimmernder Frühling von unerhörtem, herz­betörendem Reichtum. Im Deckenfries und als Sürporten Szenen aus dem Jagd und Fifcherleben, Vögel, im Fluge erhascht, Tiere, so plastisch, daß sie eben aus dem blauen und weißen Hintergrund keroorzutreten scheinen, hier ein zierlicher Fasan, der sich von der Decke löst, dort frei herabhängende Netze, duftig unterbrochen, wie Spitzengewebe, schillernd im Silherglanz. Die Figuren nicht ange­klebt, sondern alle aus dem Holzwerk der Wände herausgeschnitzt. Ein Raunen der Bewunderung geht durch die Reihen der Besucher, während der Führer mit mythisch gedämpfter Stimme und liebe­vollem Einfühlen auf die besonderen Schönheiten aufmerksam macht. Zärtliche, etwas verblichene Bil­der zeigen die Hofgesellschaft bei der Jagd ent­zückend auch hier der Farbenklang von Blau und Silber; die kleinen, wie Wandkästchen eingebauten Kojen im Empfangsraum waren für die Hunde bestimmt, während die umgitterte Terrasse auf dem Doch als Hochstand bet der Fasanenjagd diente. Auch in der Badenburg, mit ihrem vom See gespeisten Badebassin, ihren kostbaren alten Delfter- platten, in der an allerhand Chinoiserien reichen Pagodenburg zeigt sich der erlesene Geschmack dieser auf Schönheit und Genuß eingestellten Men­schen. Diese ganze zärtliche Welt der Menschen und Tiere, in der würdevolle Gottheiten harmlose, lachende Putten wurden, leben in den alten Mo­dellen des Nymphenburger Porzellans weiter, die uns bis auf den heutigen Tag erhalten blieben. Bezaubernd ist der Park mit seinen breiten Alleen, blumendurchwirkten Anlagen, aus denen Götter und Göttinnen weiß leuajten, mit einem träume­risch dahingleitenden Kanal und einem spiegelnden See. Das Hauptschloß schimmert wie Schnee durch das Grüst der Bäume; kreisförmig setzt es sich mit allerhand Nebenbauten und einer hohen Mauer

^ewegungsryeraple.

Don Prof. Dr. Hu niemüller-Gießen.

Die fortschreitende Zivilisation treibt immer größere Teile unserer Bevölkerung in die Städte und zwingt sie zu einer mehr oder minder sitzenden Lebensweise. Daß Stubenhockerel für die Gesundheit wenig förderlich ist. darüber ist sich wohl jedermann klar, aber es fehlt meist Oie nötige Entschlußkraft, ulm sich als Gegengewicht die notwendige Bewegung in frischer Luft zu schassen. Besonders schädigend wirkt die dau­ernde Sihhaltung bei unseren im Wachstum be­griffenen Kindern. Der Ruf nach der täglichen Turnstunde erschallt daher immer dringlicher, und es ist zu hoffen, daß mit ihrer Einführung, die von der Reichsschulkonferenz schon 1920 emp­fohlen wurde, endlich Ernst gemacht wird.

Die von Groh und Klein langersehnten Ferien leeren Bureaus und Schulstuben und bieten die Gelegenheit, die steifen Glieder wie­der geschmeidig zu machen und Herz und Lun­gen. Rerven und Sinne in Feld und Wald, in den Bergen und an der See zu erholen und zu kräftigen. Der günsttge Einfluß von Ferien­wanderungen ist allbekannt. Die Furcht, Den Anstrengungen derartiger Wanderungen nicht ge­wachsen zu fein, ist meist unbegründet. Unter ärztlicher Kontrolle durchgeführte mehrtägige Schülerwanderungen haben zu ausgezeichneten Erfolgen hinsichtlich der Kräftigung und Ge­sundung geführt. Besonders haben die blutarmen und muskelschwachen, skrofulösen Grohstadtkinder auf diesen kräftigen Dewegungsreiz und den dauernden Aufenthalt in frischer Luft ausgezeich­net reagiert und an Gewicht, Gröhe und Brust­umfang ganz bedeutend zugenommen. Selbstver­ständlich müssen Kinder mit ernsteren Krank­heitserscheinungen von den Wanderungen aus­geschlossen werden, dagegen gelten Blutarmut, allgemeine Körperschwäche. Skrofulose, Reur- asthenie, Pulsbeschleunigung, Herzgeräusche und ausgeglichene Herzfehler bei sonst guter Kon­stitution usw. nicht als Hinderungsgrund für die Teilnahme an den Wanderungen.

Heute wird von den Fachärzten bei der Behandlung der Tubertulose, unserer verbrei­tetsten Volksseuche, auf die Vereinigung von Sonnenbädern und Leibesübungen der größte Wert gelegt. Bei der Knochentuberkulose ist die Heilgymnastik (Gymnastir--Racktübung) be­sonders durch A. Bier, den berühmten Ber­liner Chirurgen und Rektor der Hochschule für Leibesübungen, Allgemeingut der ärztlichen Be­handlung geworden. Aber auch bei der Lun- .gentuberkulose sind, tote neuerdings G. Simon berichtet, sportliche Llebungen häufig von aus­gezeichneter Wirkung. Daß diese Llebungen nur auf Anordnung und unter dauernder ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden müssen, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Bei der modernen Be­handlung der Tuberkulose dürfen die Leibes­übungen daher nicht fehlen. So ist denn auch von Prof. 3 e s i o n e k bei der Erweiterung des hiesigen Lupusheimes, das der Bekämpfung der Hauttuberkulose dient, neben Sonnenbädern eine Sportplatzanlage geschaffen worden.

Weit energischer als bet uns int Tieflande ist die Wirkung von Licht, Luft und Sport auf Lunge, Herz und Gemüt im Hochgebirge. Das Hochgebirgsklima wurde zuerst von Dr. R o l - Her in Leysin mit bestem Erfolge als Heil- faktor in die Behandlung der Tuberkulose ein­geführt. Er erkannte auch frühzeitig den gün­stigen Einfluß der Leibesübungen auf tuber­kulöse Prozesse und ließ seine Patienten Gymna­stik und besonders Atemgymnastik auf dem Turn­plätze treiben und sie auch nackend dem Skisport huldigen.

Durch Körperbewegung wird die Wirkung des HochgedirgSklimas ganz bedeutend verstärkt, denn die Leibesübungen wirken im gleichen Sinne tote dieses. Die Organe werden daher zu er­höhter Tätigkeit gezwungen. Dieselbe Körper­arbeit erfordert im Hochlande statt im Tief­lande ausgeführt eine bedeutend größere Ener­gieleistung. Dementsprechend konnte durch viel­fache Versuche nachgewiesen werden, daß der gesamte Energieverbrauch int Hochgebirge gegen­über dem imTieflande bei derselbenMuskelleistung um 25 bis 30 Prozent und mehr vermehrt war.

Die Wirkung des Hochgebirgsklimas auf den Menschen ist im Laufe der letzten 3ahrzehnte besonders Im 3nstitut für Hochgebirgsphh- siologie in Davos hinreichend erforscht. Wtr wissen daher, daß sich der menschliche Körper bei planmäßig geleitetem Training im Hoch­gebirge viel rascher an die erhöhten Leistungen anzupassen vermag, und daß der Energiever-

fort, während in der Mitte dieses einst von der rnisera plebs streng abgefperrten Platzes eine Fon­täne in die blaue (Sommerluft steigt und ihre licht­funkelnden Kaskaden spielen läßt. Ströme von Be­suchern fluten durch die Tore ein und aus; in das Plätschern der Silberstrahlen fallen die fröhlichen Klänge der nahen Magdalenendult, und wehmütige Walzermelodien wiegen sich auf den glitzernden, leise fallenden Wassern. H. Schede.

Der Besitzstreit um die Pole.

Mit der Neubelebung der Polarforschung durch die Flugkunst ist auch die Frage nach dem poli­tischen Besitz der Polargebiete in ein neues Sta­dium eingetreten. Seit langem war es Brauch unter den Forschern, die Landesfahne auf dem von ihnen entdeckten Gebiet zu hissen, ja, sogar auf der zugefrorenen Oberfläche der Ozeane. Aber das war mehr ein Zeichen des Stolzes als eine politische Handlung. Heute aber streiten sich ein halbes Dut­zend Staaten um die Hoheitsrechte über das Land rings um beide Pole, und selbst die eisbedeckte Oberfläche der Arktis wird mit Beschlag belegt, wie z. B. aus Amundsens Bericht hervorgeht, dem­zufolge er in demnorwegischen Sektor" des Nord- polarbecfens kein Land gefunden hat. Die Natio­nen, die sich hauptsächlich an dem Streit um die Pole beteiligen, sind im Norden Kanada, die Ver­einigten Staaten, Norwegen, Dänemark und Ruß­land, im Süden Neuseeland, Australien, Groß­britannien und Frankreich. Der Wettbewerb ist im übrigen nicht so bedeutungslos, wie man nach dem unwirtlichen Charakter dieser Gegenden anneh­men mochte. Spitzbergen mit seinen großen Koh­lenschätzen ist nicht das einzige Polargebiet, das große Bodenreichtümer aufweist, sondern Grön­land und die arktischen Inseln gewähren mit ihrem reichen Pflanzen- und Tierleben Möglichkeiten der Besiedelung, und in den Gewässern findet sich ein großer Reichtum an Walfischen, Robben usw., der den Aufbau von Industrien gestatten könnte. In den Südpolarmeeren bietet die Fischerei ebenfalls große Möglichkeiten, wie die kürzlich dorthin zum

LiLitud) daselbst unter obiger Voraussetzung feQM bald auf den Rormalumsah ftnft Das aber für den Betreffenden eine ganz bedeutend- Erhöhung der Leistungsfähigkeit seiner Organ- die zu einer Allgemeingesundung und Kräfti­gung des Gesamtorganismus führt.

Der größtmöglichste Nutzeffekt wird also catiB dem Hochgebirgsaufenthalt gezogen bei fory fällig gewählten, dem einzelnen angepaßten, dosierten Leibesübungen, die von kleinen Lei­stungen allmählich zu größeren überleiten. .Wird diese Anpassungskur gar noch verbunden mit einer gesundheitsmäßigen Regelung der gesam­ten übrigen Lebensweise, in Diät, Schlaf. Aufenthalt in frischer Lust In Form von Luft- und Sonnenliegekuren, verbunden mit den ver­schiedenen Formen der Hydrotherapie, alles wenn möglich durchgesührt in einer naturwarmen und ruhigen Hochgebirgslandschaft, dann muß daraus die erhoffte Gesundung und Kräftigung des Ge­samtmenschen mit fast logischer Selbstverständlich­keit und in der denkbar höchstmöglichen Form erreicht werden."

Alle diese Lieberlegungen veranlaßten schon im 3ahre 1913 Prof. Erb in Heidelberg, die Anregung zur Errichtung zweckentspve^nder Hochgebirgssanatorien zu geben, wo schwächliche, anämische, nervosbelastete Kinder und 3ugenb- liche, solche mit Haltungsfehlern infolge musku­lärer oder allgemeiner Schwäche, pder infolge überstandener Rachitis, Jugendliche mft ungün­stig entwickelter Thorarform, mit asthenisch- physischem Habitus, Asthmatiker mit großem Vorteil behandelt werden können.

Bei Erwachsenen kommen besonders Fälle von reinen Funktionsstörungen in Betracht, schwere anatomische Organveränderungen scheiden auS.

Es handelt sich hier vorzüglich um die zahl­reichen Gruppen der Kranken und Erholungs­bedürftigen mit sogenannter allgemeiner Körper­schwäche, mit mehr oder weniger ausgesprochener Anämie, darniederliegendem Appetit und schlechter Verdauung nach schweren akuten Krankheiten.

Hierher gehören auch die eigentlich »Richt- kranken", aber der Erholung und Kräftigung und des Ausruhens Bedürftigen, die durch ange­strengte Berufsarbeit, durch Entbehrung der frischen Luft rnd Bewegung, durch geistige Lieber­anstrengung, Aufregung, Sorgen, Kummer tit ihrer Ernährung und Leistungsfähigkeit Geschä­digten.

Die Hochgebirgs- und Dewegungskur in Ver­bindung mit zweckentsprechender Diät wird ferner, wie kaum ein zweites Mittel, geeignet sein, den Gesamtstosswechsel, den Eiweißansatz und den Ab­bau der Kohlehydrate (Bekämpfung der Fett­leibigkeit) günffig zu beeinflussen, und endlich wer­den die ungemein zahlreichen Zustände von ner­vöser Schwäche und Reizbarkeit, Arbeitsunfähig­keit, Schlaflosigkeit, Verstimmungs-, Depressions- Zustände, Energielosigkeit usw. hier Besserung finden können.

Auf die Anregung von Prof. Erb wurde noch im 3ahre 1913 von Hermann Gilli, einem geborenen Cngadiner, das Kurhaus Castell in Zuos erbaut, denn das Oberengadin stand nach der Meinung von Prof. Erb hinsichtlich seiner klimatischen Vorzüge an der Spitze aller Hvch- gebirgstäler Europas, ein Urteil, das von Prof. Hueppe, dem allbekannten Vorkämpfer für ge­sunde Leibesübungen, schon früher (1906) gefällt war. Auch erfüllte Zuos eine weitere Forde­rung, es liegt fernab von den modernen, luxuriös ausgestatteten Kurorten. Zuos ist talwärts die dritte Bahnstation von Devers; der Ort zählt 700 Einwohner und liegt 100 Meter über dem 3nnfluß auf einem sonnigen Hochplateau inmitten prächtiger Wiesen, die sich in herrlichen Lärchen­wäldern verlieren.

Das Kurhaus Castell liegt etwa 1000 Meter vom Dorfe entfernt, 130 Meter über der Talsohle und 1810 Meter über dem Meere auf einer Anhöhe, in der Rähe eines herrlichen, licht­durchfluteten, einem Raturparke ähnlichen Lärchenwaldes mit herrlicher Aussicht in die Täler und auf die Berge des Ober- und Unter» engodins. Es ist eins der modernsten Kurhäuser der Schweiz und enthält im Hause und seiner nächsten Umgebung alle Einrichtungen und Mög- llchkeiten, welche zu einer modernen HochgebirgS- und Bewegungstherapie gehören.

Reben den örtlichen Verhältnissen ist aber vor allem die Leitung einer berartigen Anstalt ausschlaggebend für den Erfolg der Kur. Auch in dieser Beziehung finden wir in ZuoS die gün­stigsten Vorbedingungen.

Die ärztliche Leitung liegt in der Hand deS schweizerischen, auch in Deutschland approbierten

Studium entsandte Expedition derDiscooery" ge­zeigt hat. Das Hauvtland der Antarktis ist im Gegensatz zu demfreundlicheren Norden" ohne Vegetation und folglich auch ohne Leben, mit Aus­nahme von Rooben und Pinguinen an den Kü­sten. In den Polargebieten hat nur ein einziger (Staat ein altes Recht der-Besitzergreifung, nämlich Dänemark, das feit Jahrhunderten an Der West­küste Grönlands Ansiedlungen besitzt. Als aber Dänemark vor zwei oder drei Jahren die Ober­herrschaft über die ganze Insel anerkannt wißen wollte, erhob Norwegen Einspruch, und es er- hielt Fischereigerechtsame an den Küsten. Wie Däne­mark das Hinterland dieser größten Insel der Welt für sich forderte, so verlangt Kanada nach dersel­ben Theorie alles Land nördlich von dem Haupt- land des Dominions bis zum Pol. Nach Osten hin wird eine Grenze beansprucht, die mitten zwischen Grönland auf der einen Seite und der Bassin-, Devon- und Elismereinsel bis zum 60. Längen­grad und an diesem entlang bis zum Pol geht. Im Westen fordert Kanada alles Land, das durch den 141. Meridian begrenzt wird. Telle dieses Riesengebietes sind noch unerforscht; es umschließt auch den Weg, auf dem Peary den Pol erreichte und das geheimnisvolleCrokerland" sah, nach dem jetzt eine neue Expedition unter Donald Mac Millan forscht. Kanada hat wegen dieser ameri­kanischen Expeditton eine Note nach Washington gesandt, in der es seine Hoheitsrechte festlegt. Un­ter britischer Oberhoheit stehen große Teile des Südpolargebietes, und ein Sektor davon zwischen dem 160. Grad östlich und 150. Grad westlich um das Roßmeer wird von Neuseeland verwaltet. An­dere Teile, wie Wilkes-Land und der Viktoria- Quadrant, die südlich von Australien liegen, sind hauptsächlich durch den australischen Polarforscher (Sir Douglas Mawson erforscht worden, so daß die australischen Ansprüche unbestritten sind. Sonst er­heben im Südpolarkreis nur die Franzosen An­sprüche auf das Adelieland, das von dem fran­zösischen Forscher Dumont d'Urville entdeckt wurde. Dieses Gebiet ist aber so unwirtlich, daß es Maw­son dieHeimat der Schneestürme" getauft hat.