Nr. (78 Swettes Statt
GietzenerAnzeiger (tvenecat-Anze^er jur (Dverheyen)
Samstag, V August 1925
Das 32. Mittelrheinische Kreisturnfest.
Herzlichster Empfang der Turnerinnen und Turner aus dem besetzten Gebiet. — Lin glanzender Begrühungsabend
zahlreicher Weise von der Laar hiechergetom- mcn sind, nicht allein um mit uns Giehnern gemeinsam das 32. Mittelrheinische Kreisturniest zu begehen, um hier ihre Kräfte in friedlichen Wettlampfen zu messen, sondern auch, um zu bekunden, daß sie mit uns eines Herzens und eines Sinnes sind. (Bravo.) Wir alle kennen ihre Sorgen und Tlöte; wir wissen, wie sie unter dem Druck einer feindlichen Besatzung zu leiden, was sie zu erdulden haben, und wir nehmen lebhaften Anteil an der wirtschaft- lichen Rot. die so sehr unsere Schwestern und Brüder im Saargebiet bedrückt. Aber es ist hoch- erfreulich. zu sehen, wie sie. allen Gewalten zum Trotz, Treue halten zur Deutschen Turnerschaft, deren Ziel Ausdruck findet in unserem Wahl» sprach: Frisch, Fromm. Fröhlich. Frei.
Unsere turnerische Bewegung stützt sich auf alle Schichten des deutschen Dolles. Wir kennen nur ein Ziel, durch körperliche Liebungen unser deutsches Bolk, besonders aber unsere deutsche Jugend, zu kräftigen und zu ft ä r - f e n, unser deutsches Bolk zur Einigkeit aufzu- rusen unb diese Einigkeit zu beleben. In diesem Sinne arbeiten wir in unserem Mittelrheintreis, der ja nur ein Glied ist in der groben Kette, die unsere Turnerschaft umschlingt. Daß unsere Brüder und Schwestern aus dem besetzten Gebiet diesem Ziel nachgestrebt und nachgelebt haben und sich durch nichts beirren lassen in ihrer Treue zur deutschen Lurnsache, das erfüllt uns mit großer Freude
Aber wir richten an sie die Ditte und zugleich die Mahnung, pflegt diesen guten Turn- geist so wie seither. Haltet fest an dem, das ihr für gut und richtig befunden, die Treue zur deutschen Lurnsache. Seid versichert, wir hier im unbesetzten Gebiet werden diese Treue mit gleicher Treue vergelten.
Lind nun darf ich wohl namens aller, die heute abend hier in Gießen aus dem unbesetzten Gebiet zusammengekommen sind, nochmals unserer Freude Ausdruck geben über den überaus zahlreichen Besuch aus dem besetzten Gebiet. Lassen sie unseren Dank diesen Schwestern und Turnbrüdern drüben vom Rhein, von der Saar und der Mosel dadurch Ausdruck geben, daß wir ihnen unser erstes Gut Heil! widmen. Ich bitte sie, sich zu erheben und mit mir zu rufen: Unteren lieben Turnschwestern und Turnbrüdern aus dem besetzten Gebiet, ihnen gilt unfer „Gut Heil. Gut Heil, Gut Heil!'^
Die Vereinigten Gießener Gesangvereine
' unter der Leitung des Chormeisters G örlach erfreuten sodann durch die vortreffliche Wiedergabe des prächtigen Chores „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", und ernteten verdientermaßen lebhaften Beifall. Hierauf sprach
Oberbürgermeister Keller:
Hochgeehrte Turner und Turnerinnen aus dem besetzten Gebiet! 3m Damen der Stadt Gießen und ihrer Bürgerschaft und im Auftrage der Provinz Oberhessen und des Kreises Gießen heiße ich Sie herzlich willkommen. Es war für die Gießener Turnerschaft und die Gießener Bürgerschast eine besondere Freude und Ehre, den Turnern aus dem besetzten Gebiet diesen Ehrenabend zu bereiten. Mit aufrichtigem Dank und mit echter, deutscher Bruderliebe strecken wir Ihnen die Hand entgegen, mit heißem Dank für Ihre treudeutsche Gesinnung, Hingabe und Ausdauer, mit echter deutscher Bruderliebe in dem Gedanken, daß wir alle eines Dolkes sind und alle e i n Vaterland haben, das wir lieben mit aller Glut unserer Herzen.
Turner vom Rhein, von der Saar und von der Mosel! Vor kurzem schallte bei Ihren 3ahr- tausendfeiern durch alle Ihre Städte und Dörfer flammende Begeisterung und unverbrüchliches TreuegelobniH zum deutschen Vaterlande. Wenn heute der Geist des Turnvaters 3 a h n her- niederstiege, er würde die Turner aus dem besetzten Gebiet segnen und preisen, daß sie gelitten und gestrebt haben für das einige, freie deutsche Vaterland — wie er! (Bravo.)
Verehrte Anwesende! An Festtagen, wie diesen, lebt die Liebe auf, die im Alltag ihr Lied nicht so laut hören läßt, an Festtagen, wie diesen, fallen die Schranken, die sonst Stand, Glaube und Partei nach leidiger, deutscher Gewohnheit aufrichken, an Festtagen, wie diesen, schlägt das Herz des deutschen Turners den rascheren Schlag reiner, glühender Liebe zum deutschen Vaterland e.
Verehrte Anwesende! Linser deutsches Vaterland ist in Rot, und die Rot ist am größten da, wo feindliche Mächte die Desehung ausüben. Wollen wir darum verzagen? Wollen wir darum den Glauben aufgeben an die deutsche Zukunft? Wollen wir darum die Hoffnung schwinden lassen, daß die Kraft des deutschen Geistes uns dereinst wieder freimachen werde? Wir fingen im Deutschlandlied: „Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Llnterpfand." Rur die Einigkeit gibt uns das Recht und die Gewähr, die Freiheit zu erlangen, die allein des deutschen Dolkes würdig ist! (Bravo.) Dur das Zusammenwirken aller zu einem einzigen, hohen Ziele kann uns aufwärts führen, nur das Bewußtsein unzertrennlicher Volksgemeinschaft kann uns das erhalten, was durch allen Wechsel und Wandel der Zeiten uns geblieben ist: das Deutsche Reich, das deutsche Vaterland.
Darum muß es unsere Aufgabe fein, den Glauben zu bewahren an die deutsche Zukunft, den Glauben, daß aus dunkeln Tälern der Weg wieder emporführen wird zu lichten Höhen, den Glauben an den Sommertag des deutschen Volles, an die Zeit, da wir dereinst wieder fingen und sagen werden: „Vaterland ich muß versinken, hier in deiner Herrlichkeit". (Bravo.)
Die Grundlagen für diesen deutschen Zukunftsglauben finden wir bei I dem Dichter der Freiheit und der Einigkeit:
' Gießen, 31. 3uli 1925.
Die obcrhesslsche Prooinzialhauptstadt Gießen, bte sich bei den Turnern als lumerfefiffaöt des besten ‘Rufes erfreut, hat sich Aum 3 2. Mittel- rheinischen Slreisturnfeft in würdigster Weise geschmückt. Ein Fcchncnmccr von reicher Viel farbigteit flattert von den Häusern oller Straßen, Wimpel in großer Zahl dazwischen, frisches Tannen- grün als Hausschmuck und Girlanden und viel sonstige Zier bringen die freudige Anteilnahme aller Kreise und Stände der Bürgerschaft an diesem großen Turnfest äußerlich zum Ausdruck. Daß aber auch die Herzen Mitschwingen, beweisen die vielfachen festsroh geftimmten Gespräche, in deren Mittelpunkt tius Hrcistumfefl steht. So ist die ganze Einwohnerschaft Gießens in Wirklichkeit eine Fest- gemeinde im Bonne der edlen lumerei.
Der erste Tag.
Der heutige Auftakt des Kreisturnfestes war trotz des regnerischen Wetters glänzend und rief allenthalben große Begeisterung hervor. Als die fünfte Nachmittagsstnnde herannahte, in der der Sonder- zug mit den Saarturnern hier eintreffen sollte, setzte eine wahre Völkerwanderung zum Bahnhof ein. Bald hatten sich auf dem weiten Platz und feinen Zugangsstrahen Tausende von Einwohnern ein- gefunden, und viele, die nicht schnell genug zur Stelle waren, mußten wieder Kehrt machen und schleunigst Aufstellung in den Marschstraßen des Zuges nehmen. Eine dichtgedrängte Menge bildete aus diese Weise vom Bahnhof bis zum Xianbgraf- Philipp-Platz, wo der Saarttirner-Einzug fein Ende erreichte, Spalier
Der Empfang der Saardeutschen.
Gegen 41 Uhr nachmittags füllte sich der Bahn- steig 1 unseres Bahnhofs in ständig anwachsendem Maße mit einer festsroh gestimmten Menge. Die Mitglieder des Geschästssührenden Ausschusses für das Äreisturnfeft, Vertreter der Gießener Turner- schost mit den Fahnen der beiden Vereine, die Kapelle des 1. Bataillons Jnf.-Regts. 15 unter Leitung von Dbcrmufitmeifter 2 ö b c r, Angehörige des hiesigen Saarvereins und viele andere Interessenten blickten vom Bahnsteig erwartungsvoll dem Zug entgegen, der auf feiner weiten Fahrt Verspätung erlitten. Endlich um 5.15 Uhr wurde bie“Iange Wogen- schlcmge sichtbar, und losort setzte die Kapelle mit dem Spiel des Deutschlandliedes ein, unter dessen begeisternden Klängen der Zug mit seinen jubelnden Insassen in die Halle rollte, ebenso begeistert und mit jubelnden Hochrufen begrüßt von der Menge. Auf dem Bahnsteig gab es herzliche Wiedersehens- und Derbrüderungsszenen. Angesichts der großen Zahl der angekommenen Gäste — etwa 1200 — mußte der Bahnsteig jedoch schnell geräumt werden, und so aing es denn in flottem Tempo hinaus auf den in brettern Umfang nbgefperrten Bahn- Hofsplatz, wo die Gäste in Marschformation gegliedert in weitem Kreis Aufstellung nahmen, andauernd durch die Zurufe der Menge herzlichst begrüßt. Ein kurzer Willkommensgruß des Vorsitzenden des Empfangsausschusses Jean Weisel, brausendes Gut Heil, und nun setzte sich die Militärkapelle an die Spitze des Zuges, gefolgt von den Abordnungen der Gießener Turnerschaft mit den Fahnen, den Mitgliedern des Gefchaftsführenden Ausschusses, die ihren Gästen das Ehrengeleite gaben, und nun die lange, lange Reihe der Turner und Turnerinnen von der Saar, voran ein großes Schild mit der Aufichrift: „Deutsch die Saar, Deutsch immerdar!" -Auf feinem ganzen Wege vom Bahnhof durch den Seltersweg bis zum Landgraf- Philipp-Platz wurde der Zug der Gäste andauernd mit freundlichen Zurufen der Kopf an Kopf gedrängt stehenden Menge begrüßt, ebenso herzlich kamen die Kundgebungen des Dankes aus dem Munde unserer Saarbrüder und -schwestern. Dieser Einzug gestaltete ich zu einem nationalen Erlebnis, dessen Eindruck ür; alle Zeit unverwischbar sein wird. Aus dem randgraf-Philipp-Platz wurde "halt gemacht: von hier aus begaben sich die Gaste unter der wegkun- digen Fühnmg zahlreicher jugendlicher Fremden- sichrer zum Quartier.
Der Begrühungsabend in der Festhalle
z a Ehren der Turner und Turnerinnen aus dem besetzten Gebiet ging unter Beteiligung einer Menschenmenge vor sich, wie man sie in unserer Stadt in so gewaltiger Fülle wohl noch nie beisammen gesehen hat. Hier zeigte sich in überzeugender Weise, wie gut es fit, daß wir diese große Festhalle besitzen. Die Sitzplätze reichten nicht aus zur Aufnahme aller Besucher, viele, sehr viele mußten sich mH einem Stehplatz begnügen, der fast überall nur in drangvoller (Enge au finden war. Aber trotz alledem harrte man stundenlang aus in dem Bewußtsein, hier eine Feier müerleben zu können, die für unsere Heimatgeschichte von befon- derer Denkwürdigkeit ist. Die Zahl der Erschienenen wird man mit rund 3500 wohl nicht zu hoch schätzen. Erfreulich ist, daß bei den vielen Zugängen und Treppen der Halle der ganze Verkehr sich reibungslos abwickeln konnte, und daß die vortreffliche Akustik der Halle es allen Teilnehmern ermöglichte, die Redner zu verstehen und den Darbietungen der Kapelle und der Gesangvereine mit Genuß zu lauschen.
Die Kapelle Topp leitete den Wend mit mehreren musikalischen Darbietungen ein, hierauf sprach als erster
der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses
Lehrer Gg. Kling:
Sin herzlicher, treubeutscher Willlommengruß sei namens Der Gießener Turnerschaft all den lieben Turnschwestern und Turnbrüdern sowie Miseren verehrten Gästen entboten, die heute abend uns die Ehre ihres Besuches schenken. Ein ganz besonderer Gruß aber gilt unseren Turn- brüdem und Turnschwestern, die vom Rhein, von der Mosel, besonders aber in fo überaus
„Wir wollen fein ein einzig Volk von Brüdern, 3n keiner Rot uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren."
(Bravo.)
3n dieser Gesinnung, meine Damen und Herren, wollen wir unser 32. MittelrheinischeS Kreisturnfest und dielen Ehrenabend für die Turner des besetzten Gebietes eröffnen und untere Gedanken vor allem richten aus das. waS uns allen gemeinsam ist:unserliebeSdeut- sches Vaterland!
..Es geh', durch Tugenden bewundert, Geliebt durch Redlichkeit und Recht.
Stolz von 3ahrhundert zu Iahrhundert, An Kraft und Ehren ungeschwächt!'
Verehrte Anwesende! Ich bitte Sie, erheben Sie sich von Ihren Plätzen und stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: „Unfer liebes deutsches Vaterland, lebe hoch!"
Der 1. Gauvertreter des Gaues
Hessen, Pfeisfer-Wetzlar:
Frauen und Männer vom Rhein und der Mosel und der Saar, Ihr alle aus dem besetzten Gebiet, ich will zu Euch sprechen nicht als Festredner, ich komme, um Euch zu sagen, was der Gau Hessen, was unsere Turner aus dem Gau Hessen Euch bringen wollen. Wir wollen Euch bringen unsere Hand, unser Herz, unser Willkommen. IDravo.) Das soll das kurze Wort sein, welches ich Euch zu sagen habe.
Wenn Ihr, liebe Turnschwestern und Tum- brüder, aus dem Westen kommt, von den sonnigen Hügeln der Mosel, von dem majestätischen Rhein, von der schwarzdiamantbesäten Saar, dann kommt Ihr aus den westlichen Provinzen als die, die die Wächter des Deutschtums heute sind und fein müssen noch viele Iahre. Dessen sind wir uns bewußt. Ihr kommt zu uns als dem östlichen Gau des Mittelrheinkreises, zu dem Gau, der wohl so recht eigentlich sich darstellt als das, was das deutsche Volk fein soll: eine Gemeinschaft von Stämmen. Denn aus dem Mittelrheingebiet find hier zu- sammengeströmt die Rheinländer und Hessen, die Rassauer und die Bayern, alle stehen wir hier zusammen, und wollen wir zusammenstehen wie ein einig Volk. Als Hessen heißen wir Euch herzlich willkommen. (Bravo.)
Wir wissen, liebe Turnschwestern und -brüder, was Euch da drüben beschert ist. Wir beobachten es nicht, nein, w i r fühlen mit Euch, und wir wollen fest halten mit Euch an dem, was uns alle bewegt, an unserer deutschen Turnfache, an unserem deutschen Vaterland. Die körperliche Ertüchtigung der deutschen Turner, die körperliche Ertüchtigung des ganzen deutschen Dolkes ist die Aufgabe, die uns in großer Zeit geworden ist. Dieser Aufgabe wollen wir stets eingedenk fein, und deswegen fühlen wir mit Euch, und deswegen will ich auch heute nicht von Euren Schmerzen reden. Wir kennen sie alle wohl. Ich will Euch heute nicht das Herz schwer machen. Ihr seid zu uns gekommen in ruhige Gefilde. Wir wissen, daß wir es Euch zu danken haben, wenn wir heute hier ruhig sitzen dürfen, und wir werden es Euch nicht vergessen.
Liebe Turnschwestern und Turnbrüder! Wir befinden uns am Mittelrhein insgesamt auf historischem Boden. Wir wissen, daß wir immer fein muhten und noch viele Iahre fein müssen die Wacht gegen Böller, d i e uns nicht Wohlwollen. Wir wissen daß wir so gut wie die Wacht im Osten eine Wacht i m HD e ft e n haben müssen, und Ihr von der Saar, vom Rhein und von der Mosel, Ihr seid diejenigen, die die D o r p o st e n zu dieser Wacht sind. Was Ihr getan habt, das habt Ihr für das Deutschtum, für die deutsche Turnfache getan. Lind das werden wir Euch nicht vergessen und dafür wollen wir Euch danken mit ganzem, offenem Herzen, mit Herz und Hand. Wir möchten jeden von Euch an die Brust drücken. Lind damit genug.
Seid herzlich willkommen, nochmals herzlich willkommen. Wir drücken Euch die Hande und sehen Euch in die Augen, liebe deutsche Turner, liebe Deutsche. (Bravo.) In diesem Sinne fordere ich unsere Turner aus dem Gau Hessen auf: Unteren Turnerinnen und Turnern vom Rhein, von der Mosel und Saar und aus dem besetzten Gebiet, ihnen unser dreifaches Gut Heil!
Prolog eines Saartnrners.
Deutsch bleibt die Saar!
Wo man von deutscher Treue spricht, Volk an der Saar, da fehlst du nicht!
Lind wo man deutsche Treue hält, Da stehst du fest vor aller Welt.
Wie prüfte oft dich Gottes Hand, Wenn man begehrte deinen Strand — Doch hast du stets nach deutscher Art Dir rein das deutsche Herz bewahrt.
Deutsch ist dein Blut, Deutsch ist dein Mark, Deutsch deine Fäuste treu und stark.
Deutsch ist dein Herz. Deutsch ist dein Geist, Der dir den Weg zum Himmel weist.
Deutsch ist dein blutgeweihter Grund. Deutsch deiner Wälder ragend Rund. Deutsch ist dein Fluß. Lind deutsch und traut Ist deiner Sprache süßer Laut.
Ob Glück, ob LInglück bei dir haust.
Ob Sonne lacht, ob Sturmwind braust. Du willst, du kannst nicht anders fein In Herz und Sinn als deutsch allein!
Lind wenn die Treue in der Welt Einst doch den letzten Sieg behält. Dann muh der Treue Kröne bein, Volk an der Saar, zuletzt doch sein.
So hebt denn heut die Hand zum Schwur Den Brudern gleich cm Rhein und Ruhr, Lind schwört ferr heut und immerdar.
Wir bleiben derüfch! Deutsch bleibt die Saar!
Gin Vertreter
des Saarvereins Bietzen:
Werte Landsleute von der Saar! Verehrte Festversammlung! Der Bund der Saarvereine sowie unsere Ortsgruppe Gießen haben mich beauftragt, allen zum 32. Mittel rheinischen Kreis- tumfeft Erschienenen als Landsleute unser herzlichstes Willkommen zu entbieten. Gern erfülle ich diese Ehrenpflicht, um fo mehr es sich darum handelt, nur gleichgesinnte und vom Geist des alten Turnvaters Iahn beseelte Landsleute zu begrüßen. Ganz besonders gebe ich unserer Freude darüber Ausdruck, daß trotz der sehr schlechten und momentan sehr kritischen Lage, in welcher sich unser Heimatland befindet, so viele Landsleute nach der schönen Lahn- und Llnkveriität-- ftabt Gießen gekommen find, um mit den Turnerinnen und Turnern aus den übrigen Gebieten das diesjährige Kreisturnfest zu begehen. Daß dies für viele unserer Landsleute ein großes Opfer bedeutet, liegt klar auf der Hand. Aber wir wissen auch, daß diese Opfer gern gebracht werden. um einige Tage der Fremdherrschaft zu entrinnen, um diesen Sag mit den Turnerinnen und Turnern der unbesetzten Gebiete zu feiern, und um za beweisen, daß trotz der Fremdherrschaft der Geist des allen Turnvaters Iahn noch lebt und sich stets weiter entwickell.
Wir Saarländer, welche, nachdem unsere Heimat die angeblichen Sieger hat aufnehmen müssen, in das große Deutschland gewandert sind, können unsere Heimat nicht vergessen and haben un3 deshalb zu einem Bund zusammengcfchlosfen, der es sich zur Ausgabe gestellt hat. im ganzen Lande aufklärend zu wirken und die Gewissen aufzustacheln. Denn noch gibt es viele in unserem großen Deutschland, welche nicht wissen, welch schwere Tage das kerndeutsche Saarland schon seit beinahe 7 Iahren durchgemacht hat und noch durchzumachen hat. Wir wissen auch, daß unfer Saarland, wie es anläßlich der Icchrtausend- feier bewiesen hat, kerndeutsch ist und kerndeutsch bleibt, daß unjer Saarland die Treue zu unserem Vaterland Mrs bewahrt. Wir sind aber auch verpflichtet, unserem Saarvolk die Treue mit Treue zu vergelten. (Bravo.) Rehmen Sie. meine geehrten Landsleute, die Gewißheit mit nach Hause, daß alle in unserem Saarbund zufammengeschlosfenen Mit- glieder ihre Heimat nicht oergeffen. Wir wollen ihr jederzeit zur Seite stehen. Ich schließe mU den Worten: Bleib deutsch, du Saar immer bar! und bitte Sie, mit mir einzustimmen in den Rus: ■Unfer kerndeutsches Saarland Gut Heil!
Ein Vertreter der Saarturner:
Deutsche Schwestern, deutsche Brüder! Im Ramen der Saarturner begrüße ich Sie auf daS allerherzlichste. Zugleich danke ich für den ungemein herzlichen Empfang. Ich danke für die freundliche Begrüßung seitens der Regierung, feilend der Gemeinde, seitens deS Gaues Hcflen und seitens des Turnvereins. Ich danke den Gießener Turnern dafür, daß sie diesen Abend und ganz besonders geschenkt haben «Bravo.) Wollten sie doch damit zeigen, daß sie mit uns fühlen. Seid versichert, dteses Mitsühlen tut uns ganz besonders wohl. Und wenn wir Turner von der Saar trotz der wirtschaftlichen Rot in fo stattlicher Zahl gekommen find, fo taten wir es nicht nur, um hier das Kreisturnfest mitzu- machen, sondern ganz etwas anderes, noch vielmehr hat und hierher gezogen, nämlich das Bedürfnis, einmal frei z u fein von dem Druck (Bravo), einige Tage einmal a l s freie Deutsche im freien Deutsch lan b bei freien Brüdern au leben (Bravo) und in Gedanken und all das Elend mit allen unseren Röten vom Herzen herunterzusprechen und neue Kraft zu sammeln zum Aushalten. Denn der Kampf, den wir führen, ist schwer. Ich brauche es nicht näher zu schildern. Turner, Ihr kennt die Rot, küe und bedrückt. Jahrhunderte- lanMieht der Feind begierig nach unserer Heimat, unb jetzt glaubt er, die Zeit wäre gekommen, um unser Heimatland einzustecken. Alle Mittel wendet er an, um sein Ziel zu erreichen, aber ed gelingt ihm nie. (Lebhafter Beifall.) Das weiß er, darum will er es durch die Rot erreichen, durch die Rot will er und gefügig machen. Er will vielleicht, wenn er unser Saarland nicht erlangen kann, wiederum eine Wüste hinterlassen wie Melac. Aber mit allen Mitteln kämpfen wir dagegen. Er wird sein Ziel nie und nimmer erreichen, denn beutfeb toaren toir immer an der Saar und deutsch wollen wir bleiben, (öang- anbauember Beifall.)
Als vor 100 Iahren im ersten Pariser Stieben der größte Teil des Saargebiets bei Frankreich blieb, da ruhten die Saarbrüder nicht, bis endllch die Saar wieder deutsch war. Lind da schrieb der Berichterstatter der „Saarbrückener Zeitung": Das war der schönste Sag meines Lebens. Lind als 1866 unsere Kraft durch den Bruderkrieg gefesselt war, da schauten sie wiederum begierig nach dem Rheinland, nach der Saar, und da wandten sich die Wahlmänner der Kreise Saarbrücken und Ottweiler in einer Kundgebung an das französische Volk. In der heißt es, daß bei freier Abstimmung sich in der Grenzmark niemand finden würde, der einen Anschluß an Frankreich begehren würde (lebhafter Beifall), denn, so heißt es darin weiter, „wir sind durch und durch deutsch". Wir halten fest an unserer deutschen Eigenart, wir hängen mit ganzem Herzen an unserem deutschen Vaterland. (Bravo.) In den Leiden der Gegenwart und in den Hoffnungen auf die Zukunft und unter allen Sorgen des Augenblicks ist die Sorge die größte, losgerifsen zu werde- Q3aterlaube. Wie unsere Väter fühlten, so füllen auch wir heute 3a, die Rot in der wir leben, ha unser Vaterland noch meh über alles, über alles ii (Lebhafter Beifall.) Denn, Tu Guten, das man zu verlieren hängt man am meisten, Wit


