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stellt fest, daß beide @rfoti>ermffe für öle Annahme eines verfassungsändernden Gesetzes: <M>elörittel-Präsenz und Zwerdrittel-Mehrheit erfüllt sind. Abg. v. Graefe (Rat-Soz.) ruft: ufcrräterbanbcl

Da? Reichsbahnpersonalgefetz wird Mlt 270 gegen 163 Stimmen angenommen. Von den Kommunisten wird den Deutschnationalen zu­gerufen: Jetzt stimmen Sie wieder tapfer mit Nein, wo es keine Wirkung hat.

Bei der dann folgenden

Abstimmung über das Mantelgeseh

Reicht die für die Durchsetzung der nament­lichen Abstimmung erforderliche Zahl der Kom­munisten und Nationalsozialisten nicht aus. Das Gesetz wird in einn facher Abstimmung angenommen. Dafür stimmt auch ein großer Teil der Deutsch-National en. Damit sind sämtliche Gutachtenge« sehe angenommen.

Die Kommunisten beantragen nunmehr den nach Artikel 72 der Reichsverfassung mög­lichen EinspruchgegendieVerkündung der angenommenen Gesetze. Wird ein solcher Ein­spruch von einem Drittelder Abgeord­neten unterstützt, so hat er die Wirkung, bah die Inkraftsetzung der Gesetze sich um zwei Monate verzögert und der

Volksentscheid darüber vorgenommen werden muh, wenn nicht der Reichstag und der Reichspräsident die Ge­setze für dringlich erklärt.

Die Kommunisten und Nationalso­zialisten stimmen für den Einspruch, die Deutschnationalen geben blaue Ent­haltungszettel ab. Für den Einspruch stim­men 73 Abgeordnete, dagegen 274, 89 Abgeord­nete enthalten sich der Stimme.

Das zur Wirksamkeit des Einspruchs er­forderliche Drittel der Stimmen ist nicht er­reicht.

Die Entschließung der Vvlkspartei, dH sich au fdie Schuldfrage und die künftigen Handelsvertragsverhandlungen be­zieht, wird gegen Sozialdemokraten und Kom­munisten angenommen. Die Kommunisten beantworten die Ablehnung ihrer Anträge und Entschliehungen, denen meist nur die National­sozialisten zustimmen, mit Schmährufen gegen die Mehrheit. Die Entschliehung der D e u t sch- nationalen über Ruhrräumung und Handelsvertrags - Verhandlungen toirb abgelehnt. Damit ist die Beratung der Gutachtengesetze endgültig erledigt.

Die namentliche Abstimmung über das Miß­trauensvotum der Nationalsozialisten führt zur Ablehnung. Dafür werden 94, dagegen 251 Stim­men abgegeben, bei 85 Stimmenthaltungen der

Deutschnationalen.

Es folgt der Bericht des Haushaltsausschusses über die Fürsvrgemahnahmen zu­gunsten der Ausgewiesenen und der im besetzten Gebiet Verbliebenen.

Der Minister für das besetzte Ge­biet, Dr. Hvefle, erklärt die Bereit­willigkeit der Regierung den Vorschlä­gen des Ausschusses gemäh dem besetzten Gebiet zu helfen. Die Gefangenen und Ausgewiesenen seien des Dankes des Vaterlandes ge­wiß. (Beifall.)

Abg. Hvf f m a nn- Ludwigshafen (Zentr.) schließt sich im Namen der Mittelparteien und der Sozialisten im wesentlichen den Ausführungen be8 Ministers an.

Nach weiterer Aussprache werden die An­träge des Ausschusses angenommen. Es folgt dann

die Beratung der Amnestievorlage l Abg. Frau Pfülf (SPD.) erstattet den Gericht des Rechtsausschusses. Der Aus- »schuh beschäftigte sich mit den Anträgen der ^Kommunisten und der Nationalsozialisten auf 'Amnestierung der polittschen Gefangenen und mit einem sozialistischen Antrag, der Straffreiheit ver­langt für die Teilnehmer an den Weimarer An ruhen von 1919 und für Straftaten, die 1923 bei den Lebensmittelunruhen oder bei der Ab­wehr monarchistischer Bestrebungen begangen worden sind. Der Ausschuß empfiehlt öle Ab­lehnung aller Anträge. Die Reichs­regierung hat im Ausschuß erklärt, sie könne keine allgemeine Amnestie be­willigen, werde sich aber mit den Ländern in Verbindung setzen, um für Begnadig ingen zu wirken. Die Erklärung des Auh.'nmini.lers Dr. Stresemann im Auswärtigen Ausschuß bei der Vorbereitung der Gutachtengesetze sei nicht als das Versprechen einer Amnestie aufzufassen.

Abg. Haas (Demokrat) gibt im Namen der Vvlkspartei, des Zentrums und der De­mokraten eine Erklärung ab des Inhalts: Die der Regierung leider aufgezwungene Am­nestierung der Separatisten begründet nicht eine Ausdehnung der Amnestie auf alle politischen Straftaten im gan- Reiche. In einzelnen Fällen sei eine wohl­wollende Anwendung des Begnadigungsrechts er­wünscht. (Lärm bei den Kommunisten.)

Abg. Dr. Frick (Nat.-Svz.) wendet sich, ge­gen die Regierungserklärung im Ausschuß.

Abg. Katz (Komm.) führt aus, ein Hochver­rat gegen den gegenwärtigen Staat sei gar nicht möglich, denn die Leiter des jetzigen Staates hätten ihre Macht erlangt durch Taten, die er­folgreicher Hochverrat waren. Als der Redner den deutschen Richtern bewußte Rechtsbeugung vorwirst, rügt der Vizepräsident Dr. Bell diese Bemerkung. 3n den Gefängnissen würden die politischen Gefangenen in sadistischer Weise ge­quält, so daß schon viele sich erhängt hätten. (Stürmisches Hört, Hört der Kommunisten.) Die Die schlimmsten Quälereien wurden auf Anord­nung des preußischen Polizeimiinsters Seve­rin g an den politischen Inhaftierten verübt (Bei diesen Worten schreien die Kommunisten, dem Abg. Severrng zu: Da sitzt der Lump der Hen- ker!) Vizepräsident Dr Bell muh wiederholt um Ruhe bitten. Noch niemals sei die Arbeiter- schäft so brutal verfolgt worden, wie unter dem Regime SevenngS. (Neue Schmährufe der Kom­munisten gegen Severing.) Deutschland sei kein Rechtsstaat mehr. Der Ruf Amnestie dürfte nicht mehr verstummen. Die Arbeiterschaft werde die Bastvlle des Reichstages stürmen. (Lebh. Hände­klatschen der Kommunisten.)

Vom Zentrum, der Vvlkspartei den Demokraten und den Sozialdemokra­ten ist ein Antrag eingegangen, der die Regie- rung ersucht, iXe verfassungsrechtliche Frage der Lttchsamneslie bezüglich ihrer Wirksamkeit durch Urteil der Länder der anderen Klärung durch den ^«tsseochtshvf zuzuführen.

i Abg. Lohmann (Dtschnat.) weist die An- I griffe des Abg. Katz gegen den Richterstand zurück.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) schließt sich den Beschwerden des Abgeordneten Katz über die Justiz und den Strafvollzug an. Es gäbe viele Richter, die aus polittschen Motiven das Recht beugen.

Staatssekretär Joel vom Reichs- innenmintsterium weist die Angriffe der Abgeord­neten Katz und Rosenfeld gegen den deut­schen Richterstand zurück.

Abg. Wunderlich (D. Volksp.) verwahrt gleichfalls unter lärmendem Widersprach der Kommunisten den Richterstand gegen die An­griffe der beiden Redner.

Abg. Dr. Rosen feld (Soz.) erklärt, er habe den Richterstand nicht in seiner Allgemein­heit angegriffen. Aber er halte daran fest, daß es Richter gibt, die aus politischen Mottven bewußt das Recht beugen.

Damit schließt die zweite Beratung. Gegen 10 Uhr Schluß der Sitzung.

Nächste Sitzung Samstag vormittag 11 Uhr. Zollvorlage.

Feierliche Kundgebung der Regierung.

Dank an den Reichstag. - Gegen die Schuldlüge.

Berlin, 29 Aug. (WB.) Amtlich. An­läßlich der Verabschiedung der Gesetze über die Londoner Vereinbarung hat der Reichskanz­ler namens der Reichs regierung folgende Kundgebung erlassen:

Der Reichstag hat mit den heute, gefaßten Beschlüssen sein Siegel unter die Londoner Ver­einbarungen gesetzt. Damit ist die Entschei­dung getroffen, die für das Schicksal des deutschen Volkes auf Jahre hinaus von maßgebender Bedeutung sein wird. Der Reichsregierung ist es Bedürfnis, allen Mitgliedern des Reichstages, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, ihren Dank aus­zusprechen. Alle Beteiligten haben schwere Bedenken überwinden und vielfach sogar persönliche Ue ber ze u gu n g e n zurück stellenmüssen, um zur Annahme der Londoner Qkreinbarungen zu gelangen.

So schtver der Entschluß auch jedem Einzelnen geworden sein mag, so mußte er doch gefaßt, werden, wenn unserem Vaterlande der Weg in eine bessere Zukunfteröffnet wer­den sollte. Die Reichsregierung kann und will aber diesen bedeutsamen Augenblick, in dem sie in Durchführung des Versailler Vertrages schwere Verpflichtungen auf sich nimmt, nicht vorüber- gehen lassen, ohne in der Kriegsschuld­frage, die seit 19 19 mit s ch wer ein Druck auf der Seele des deutschen! Volkes lastet, klar und unzweideu­tig ihren Standpunkt darzulegen. Die uns durch den Versailler Vertrag unter dem Druck übermächtiger Gewalt, auferlegte Feststel­lung, daß Deutschland den Weltkneg durch seinen Angriff entfesselt habe, widerspricht den Tatsachen der Geschichte.

Die Reichsregierung erklärt daher, daß sie die Feststellung nicht anerkennt. Es ist eine gerechte Forderung des deutschen Volkes, von der Bürde dieser falschen Anklage befreit z u werden. Solange das nicht geschehen ist und solange ein Mitglied der Völker^melltschaft zum Verbrecher ander Menschheit gestem­pelt wird, kann die wahre Verständi­gung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet werden. Die Reichsregierung wird Anlaß nehmen, diese Er­klärung den fremden Regierungen tur Kenntnis z u bringen.

Bürgerblocki-Negterung?

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 30. Aug. Die Neubildung der Reichsregierung soll, wie wir hören, nach Be­endigung der demnächst beginnenden Parlaments­ferien erfolgen. Man rechnet damit, daß Anfang Oktober alle Verhandlungen abgeschlossen wer­den können und bis dahin das Kabinett M a r x - Stresemann formell zurücktritt, um einer Regierung des Bürgerblocks Platz zu machen. Nach den vorläufigen Vereinbarungen scheint es, daß Reichskanzler Marx nach wie vor die Leitung des Kabinetts beibehalten wird. Auch Außenminister Dr. Stresemann dürfte auf den dringenden Wunsch seiner Partei­freunde hin die Leitung des Außenministeriums in der Hand behalten.

Ein Dementi.

> ^erJjn- ,^9 (Wolff.) Aus Kreisen der Deutschen Vvlkspartei wird mitgeteilt daß die Mitteilung derDeutschen Zeitung", daß die Deutsche Vvlkspartei der Teutschnativnalen Volks- Partei vier Ministersitze und den Reichs» kanzlerpvsten ungebeten habe er- f u n d e n i st. Die Deutsche Vvlkspartei hat der Deutschnationalen Vvllspartei keinerlei Mi­ni st e r s i tze oder den Kanzlerpvstenan- ge boten.

Mißstimmung unter den Deutschnationalen.

Berlin, 30. Aug. Wie unser parlamen­tarischer Mitarbeiter erfährt, ist der rechte Flügel der Deutschnatioualen mit den getroffenen Vereinbarungen über die Annahme der Londoner Beschlüsse keineswegs einverstanden Die Mißstimmung unter den Mitgliedern des rechten Flügels der deutschnationalen Reichstags- srattion geht soweit, dahmansogar mit den Möglichkeit ernst Hafter Konflikte innerhalb der deut s ch nationa len Partei rechnet. Ein maßgebender deutsch- nattonaler Abgeordneter des rechten Flügels er­klärte unserem Mitarbeiter gegenüber, seiner Ueberzeugung nach habe die deutschnationale Reichstagsfraktion schwere Opfer gebracht, in-

lre ihre Einigkeit p r e'i s geg e ben habe. Man könne nicht annehmen, daß auf die Dauer die Cinigkett der Partei aufrechterhalten werden kann, wenn man seitens der Leitung der d«llschn attonalen Reichstagsfraktton sich dazu ent­schließen wil auf eme Politik der Kompromisse und der Koalition elnzugehen.

Schacht bei Mussolini.

W ^DT?V29/.9Iu9; Aach der .Agenzia Stefans" in 1 An Reichsbankpräsidenten Dr. ? *7 de" Wunsch ausgedrückt hatte, Mus- svlmi ferne Aufwartung zu machen, empfangen.

Tagung des völkerbundsrates.

Genf, 29. Aug. (WTB.) Die 30. Tagung des Völkerbundsrates ist heute mittag un­ter dem Vorsitz des belgischen Außen­ministers Hymans eröffnet worden. Da Leon Bourgeois und Jouvenel erst am Sonn­tag ein treffen, war- Frankreich durch den Direktor der Völkerbundabteilung am Quai d'Orsay vorläufig bertreten. An Stelle Salan° dras kam für Italien vorläufig Marchese Me­dici. Die Vertteter der übrigen Staaten sind für England Lord Parinoor, für Japan Jschi j, für Spanien Quinones de Leon, für Schweden Dranting, für die Tschechoslo­wakei Benesch, für Brasilien Mello Franco, für Uruguay Guani.

Zu Beginn der öffentlichen Nachmittagssitzung des Völkerbundsrates, wonach auch der inzwischen eingetroffene italienische Delegierte Sa landra teilnahm, widmete Hymans dem kürzlich ver­storbenen Mttglied der RegierungsLvmmission des Saargebietes Espinosadr lvs Monteros (Spanien) einpn kurzen Nachruf. Der Rat trat hieraus in die ersten Punkte der Tagesordnung ein (Berichte des Ausschusses für Bekämpfung des Sklaven­handels, des Opium- und Mädchenhandels sowie der Mandatskommissivn). Besonderes Jntrnesse bvt nur

die Frage der Kolonialmandate, über die auf Grund umfangreichen Materials der ständigen Mandatskommission des Völker­bunds Dranting ausführlich Bericht erstattete. Zu der wichtigsten dieser Fragen, der militä­rischen Aushebung der Eingeborenen in den Mandatsgebieten, hatte die Mandatskommis­sivn des Völkerbundes in früheren Beschlüssen erklärt, daß jede Aushebung eine Ver- 9 e wa ltigung des Mandatssystems sei, wenn sie anderen als lokalen Zwecken diene. Infolge englischer Einwände hatten neue Be­ratungen über diese Frage stattgefunden mit dem Ergebnis, daß die englische Regierung schließlich erklärte, auf das Recht der Einreihung von Eingeborenen zu verzichten. Die französische Regierung hat sich diesem Standpunkt angeschlossen vorbehaltlich der im Falle eines allgemeinen Krieges in Art. 3 der Mandatsbestimmungen für Togo und Kame­run vorgesehenen Rechte.

Der Rat sprach auf Antrag Dranti ngS der französischen uni) englischen Regierung feine Be­friedigung über ihre Haltung aus und er­suchte die anderen MandÄsmächte, auch ihre Stellungnahme zu den Problemen der militärischen Aushebung mitzu teilen.

Der Völterbundsrat beschloß seine heutigen Beratungen mit einer längeren Geheim­st tz u n g, in der vor allem

die Abrüstungsfragen besprochen wurden. Ern großer Teil der Debatte galt der Frage der Militär kontrolle in den besiegten Staaten und dem kürzlich von dem Juristenkomitee ausgearbeiteten Gutachten über bie Nichtbeteiligung der interessierten Staaten an den Beratungen über die Militärkontrolle. Die Ständige Militärkommiffion des Völker­bundes, die gestern jufammentrat, trat ebenfalls in die Beratung der Militärkontrollfrage ein. Panik in der Dobrudscha. Die Folgen russischer Marinemanöver Bukarest, 29. Aug. (WTB.) Nach der Mitteilung des rumänischen Kriegsministers kreuzt die russische Sch warz m eerslotte im Schwarzen Meer und hält Uebungen ab. Das Geschützfeuer ist an der rumänischen imb bulgarischen Küste hörbar. Nachts nähern sich die ruffischen Schiffe der Küste und bestrahlen sie mit Scheinwerfern aus großer Entfernung..Der Bevölkerung der nördlichen Dobrudscha bemäch­tigte sich große Aufregung: sie flieht in das Innere des Landes. Die ru­mänische Schwarzmeerflotte verfolgt die Be­wegungen der russischen Flotte mit großer Auf­merksamkeit.

Sawinbow vor Gericht.

Moskau, 29. Aug. Rufs. Del.-Ag. Gestern begann vor dem Obersten Gerichtshöfe der Prozeß gegen Doris Sawinkvw. Sawinkow war der bedeutendste Führer der gegenrevo­lutionären Verschwörung gegen die Sowjetmacht. Vor Gericht machte Siwinkow um­fangreiche aufrichtige Aussagen. Er erklärte, daß er sich in den gegenrevolutionären Gruppen' ge - täuscht habe und die Berechtigung der Revolution anerkenne. Alle Emigranten, die das russische Voll liebten, sollten tne Sowjetmacht anerkennen. Er erwarte fein Todes urteil und bäte nicht um Gnade. Rach dreistündiger Beratung wurde das Urteil verkündet, ivvnach Sawinkow zum Tode berurteilt wird. An­gesichts seiner Erklärungen beschloß das Gericht jedoch, das ZentralePekutivkomitee der Sowjets um Milderung der Strafe zu ersuchen.

Aus aller Wett.

Folgenschwerer gugzusammen- stoß in Indien.

87 Tote. 102 Verwundete.

Glmla, 29. Aug. (WTB.) Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich auf der Eisenbahn- »nie zwischen Multan und Lahore. Bis jetzt find 67 Leichen aufgefunden. Man glaubt, daß sich noch 20 unter den Trümmern befinden. Die Zahl der Verwundeten beläuft sich auf 102, da­von sind 53 schwer verletzt.

Als blinder Passagier unter dem Eisenbahnzng von Oberschlefieu bis

Hanau.

Hanau a. M 29. Aug. (Wolff.) Bei der gestrigen Bahnhvfskontvolle wurde von der Kri- minalpolizei ein Ibjähriger Pole namens Ian ^aika festgenvmmen, der von Dormvw in Pol­nisch-Ober schlesien bis Hanau unter einem Eisenbahnzug gelangt war. Er fuhr anfangs bis Berlin, wo er sich 14 Tage in einer Erdhöhle am Zoo aufgehalten hatte. Bvn dort kam er, sich immer an das Un­tergestell eines Eisenbahnwagens an klammernd, bis hierher. Sein Ziel war Frank reich. daS er über Frankfurt a. M

SS6- Der Aufgegriffene verficht kein Wort deutsch In seinem Besitz befanden sich toerttwlle Driefmarten, Zigaretten und Postkar­ten, Ansichten des Berliner Zoo, die zweifellos von einem Diebstahl herrühven. Der Junge war seinen Eltern durchgebrannt, war bereits zweimal von der Polizei aufgegrtffen worden, doch gelang es ihm immer wieder, zu entfliehen.

Gerechte Strafe für FriedhofSschauder.

Hagen, 29. Aug. (WTB.) Vor dem Hage­ner Schöffengericht batten sich gestern vier An- geftagte zu verantworten, die vor einigen Wochen Verwüstungen aus dem jüdischen Friedhof i n Hagen-Eilpe angerichtet haben. Nach fünfstündiger Verhandlung verur­teilte das Gericht den Fuhrmann Wilhelm de Haas zu sechs Jahren Zuchthaus und zehnJahren Ehrverlust. Dte übri­gen Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von zwei, drei und vier Jahren verurteilt.

Däuberffcher Aeberfall auf einen Eisenbahnzng.

London, 29. Aug. DieDaily Evenina" meldtt <ms Odessa, daß der Zug OdessaMoskwi 200 Meilen von Odessa entfernt von Räubern zur Entgleisung gebracht wurde. Der Zug fei in Brand geraten, viele Reisende getötet oder ver­wundet worden. Die nächste Station habe einen Hilfszug abgesandt.

Eine Amerikanerin von StraHenrünbern kn Mexiko getötet.

. Mexiko 29. Aug. (WTB.) Wie &ter be­kannt wurde, haben Straßenräuber in der Nähe von San Marios JaliScv Touristen aroqmftaL wobei eine Amerikanerin getötet wurde.

Wettervoraussage Sk

Wollig mit Aufheiterung, teerig veränderte Temperaturen, Winde aus westlich« Richttmn. zeitweise Regenfälle.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. 3hg. IBM.

Jugendfonntag.

2llles Gute und Große wächst aus dem Herzen der Jugend heraus, hat darin seine Stätte: wo Jugend ist, da ist auch Fortschritt. Alle Men^ schen sind sttll und bedächtig, junge Menschen! kaffen sich von der Begeisterung fortreifjen, erglühen für das Rechte, das Edle. In der Dichtung, du Nationalbewuhtsein eines Dolles, nicht zuletzt tm religiösen Leben sind die Jungen die treibenden Kräfte. Gotttnger Studenten waren es, die 1772 den Hainbund stifteten, die Stürmer und Dränger, aus deren Rechen Goethe hervvrging, waren Jünglinge. Ueber die jungen Literaten, die um die Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahr­hunderts gegen die sogenannte DuhenfcheKen- Poesie, gegen das französische Drama, gegen das Geschäftsmäßige in der Literatur Sturm liefen, hat man viel gespottet, heute erkennt man gern an, daß diese Bewegung, in der Dichter wie Georg Dleibtreu, Gerhart Hauptmann, Karl Henckel! standen, etwas sehr Gesundes war. Ernst Moritz Arndt hat um 1813 die Deutschen zum Nationalbewußtsein erzogen, das war nur mög­lich weil insonderheit die Studenten und bie Sumer seine Gedanken in die Bolksmaffen hinein» trugen. Daß die deutsche Jugend unserer Zeit der Jugend, die vor ihr gelebt hat, nicht unwert ist, sagen uns die Kämpfe bei Le Quesnoy, bei Langemarck und in den Karpathen. Liest man in allen Stammbüchern und Briefen, so erfährt man, tote tüchtige Jugend Frömmigkeit bekundet hat. Jugend ist wie frischgepflügter Ackerboden tm April, begierig nimmt sie alles Erhabene und Schone in sich auf. Gute Reden, dte wir tn der Jugend gehört, trefffiche Bücher, die wir ge­lesen, große Taten, an denen wir un5 aufgerichet haben, sind uns unvergeßlich. Die Lehrer der Jugend haben ein herrliches Amt, weil das, was sie vermitteln, dem Schüler für feine gan-e LckenS- zett verbleibt. Ludwig Uhland hat recht, trenn er sagt: Heilig ist dte Jugendzeit.

Aber die Jugend ist noch ohne Erfahrung, den Weg, den der Alle schon hundertmal gegangen ist, kennt sie nicht, sie bedarf daher der Anleitung, der Belehrung, der Warnung. Jede Generation, die über diesen Erdboden zieht, hat die Aufgabe, ihren Besitz an Kultur, Frömmigkeit und Gemüts^ leben denen zu übermitteln, die nach ihr kommen, an ihnen zu handeln nach dem schönen Worte des Psalmisten: Ich will dich unterweisen unb brr den Weg zeigen, den du wandeln sollst, ich will dich nut meinen Augen leiten. Ueber diese Aufgabe cotrd morgen in den Kirchen geredet toerben, dieser Sonntag soll nach der Anweisung der Ktrchenbehörde als Jugendsonntag gelten. Nicht immer verstehen es die Alten, den Jungen Führer zu fein. Grämliche, verbitterte, unfreundliche Menschen finden nicht den rechten Ton, um zu den Jungen zu reden. Da, wo Ettelleit sich geltend macht, wo der Mensch nur von seinen Verdiensten redet, erregt er bet den Jungen Widerstand. Wer der Jugend die Wege weisen will, muh elbstverftändttch mit der Hell fortgeschritten sein, darf nicht bei dem stehengeblieben sein, da- vor dreißig und vierzig Jahren gewesen ist. Aus der anderen Seite darf man von dem fünfzig» und sechzigjährigen Manne nicht verlangen, baß er, um der Jugend zu dienen, singt und springt tote der Jugendliche. Alles Ding hat seine Zeit, alternde Männer, die Jugendlichkeit vortäuschen wollen, wirken lächerlich.

Nicht verkannt darf werden, daß Jugend­arbeit eine schwere Arbeit ist. Die unreife Jugend will in Zucht gehalten sein. Oft neigen jungg Menschen zur Ueberheblichkell, sie gefallen sich in Extravaganzen, reden große, unjugendllcha Worte, machen sich durch Aeußerllchkeiten unlieb- am bemerkbar, bis sie durch bittere Erfahrungen zur Besonnenheit und Bescheidenheit gedrängt werden. Darum muß dte Jugend zur Pietät er­zogen werden. Wer seine Eltern als allnwdische, zurückgebliebene Menschen ansieht, wer tn dem Lehrer einen Widersacher erblickt, wer dem Seel- orger, dem militärischen Führer, dem Lehrmeister, dem Vorgesetzten keine Anhänglichkell bewahrt, der ist zu bedauern. ES ist em großes Glück, toe m man noch zu anderen aufsehen kann und Heim­gegangene in dankbarer Erinnerung behält. Man ; xxrf auch von. der Ardeit an der Jugend nicht zu viel verlangen. Zum Knecht und Sllavsn der Jugend darf man den AÄteren nicht machen wollen. Und sodann: so töricht daS Wort von dem Jahrhundert des Kindes ist, am Gängelbande darf man die Jugend nicht führen wollen. Das Beste bleibt immer das Vorbild der Treue, der Ehren- hasttgkett, der Lauterkeit, eS wird auf den Gut­gesinnten niemals seine Wirkung verfehlen. Ich. Kitte einen Lehrer, der tm Unterrichte nicht nut ich scherzen liefe. Wehe dem. der ihm Deinen Gehorsam leistete oder träge und zuchtlos war, ein angenehmer Erzieher war er nicht, aber ww batten Achtung vor ihm. Er las mit uns nicht nur? die Dichter und Geschichtsschreiber der Griechen und Romer, er vereinigte tn sich auch die Tugen­den jener alten Völler, die Strenge gegen sich selbst, die Hingebung an dte Arbeit, eine