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5. Beide Regierungen ernennen an, bafji durch Öen Zwischenfall die Rechtsstellung der Handels- vertretung, wie sie sich aus den geschlossenes Vertragen ergibt, nicht geändert wurde. Da sich jedoch Meinungsverschiedenheiten über bte Tragweite der nach diesen Verträgen der Han­delsvertretung zustehenden besonderen Vorrechte ergeben haben, sind die beiden Regierungen über- eingekomnren, daß von der Gesanttheit der gegen- nxirttg zur Handelsvertretung gerechneten Räum­lichkeiten ein zusammenhängender Komplex von Räurnlichkoiden der eigentlichen Handelsvertretung, der- einen eigenen S trabeneingang besitzt, alsunverlehlichabgesondert wird. Als eigentliche Handelsvertretung gilt die Gesamtheit der exterritorialen Mitarbeiter mit den zugehöri­gen Räumlichkeiten.

6. Beide Regierungen werden dafür Sorge tragen, daß die beteiligten Dienststellen etwaige aus Anlaß des -Zwischenfalls getroffene Maß­nahmen beseitigen, den durch diese Maßnahmen veränderten Zustand, wie er vor dem Zwischenfall bestand, wieder Herstellen und keine Neuen der­artigen Maßnahmen mehr treffen.

Die deutsche Industrie und das

Abkommen mit Rußland.

(Eigener Znfvrmationsbericht.)

Berlin, 30. 3ult Aus Exportkreisen der deutschen Industrie wird mitgeteilt, daß in den­jenigen IiÄustriezweigen, die schon bisher Wirt- '.schaftsbeziehungen zu Rußland unterhalten ha­ben, auf eine sehr willkommene Wiederbelebung des deutschen Exportgeschäftes gehofft wird. Es hat sich herausgestellt, daß die russische Regierung in anderen Staaten nicht das nötige Entgegen­kommen in wirffchastlicher Hinsicht gefunden hat, und daß die Einfuhr nach Rußland aus anderen Ländern während der Periode des Boykotts deut­scher Erzeugnisse sehr gering gewesen ist. Da nun der Bedarf in Rußland, besonders in bezug auf landwirffchaftliche Maschinen, inzwischen sehr gesteigert ist, ist damit zu rechnen, dah das deut­sche Ausfuhrgeschäft binnen kurzem eine erhebliche Wendung erfahren wird. Dazu kommt noch, dah 1 in den neuen Abkommen, die infolge der Bei­legung des Konflikts zwischen Deutschland und Rußland vorbereitet werden, eine ganze Reihe von Erleichterungen für den Warenaustausch zwi­schen Deutschland und Rußland vorgesehen sind. Ein neuer bedeutsamer Erfolg

der deutschen Wissenschaft.

Der frühere Leiter der Erdbebenwarte Bo­chum und Lehrer an der Bochumer Berg schule, Dr. M i n d r o p. hat einen Apparat erfunden, mit Hilfe dessen es möglich ist, K o h l e n -, Erz-, Salz - und Oelvorkvmmen in der Erde fest zu st eil en. Alle bisher mit dem Apparat -gemachten Versuche haben vollen Erfolg ge­habt. Die holländische Etaatsbergbaudirek- tion will mit Hilfe des Apparats ihre Kohlen­felder .Hendrik" und »Maurits" untersuchen Mssen.

Die gukunst des Reichswirtschaftsrates. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 30. Juli. Za der Eingabe der Gewerffchaften an die Reichsregierung, ein Ge- s-.r vo.>ulegen, wonach der Abbaa des Reichs- wütschastsratts verhindert und die Defagnisse di-ser Körperschaft endgültig geregelt werden sol­len wird von unterrichteter Seite erklärt, daß diese Eingabe einer sorgfältigen Prüfung ber den maßgebenden Stellen unterzogen werden wird. Es kann weiter bereits mitgetält werden, daß auch von anderer Seite Anregungen und Bitten ,an die Regierung gelangt sind, die sich internem ähnlichen Sinne aussprechen. Richt nur von Ar­beitnehmerseite, sondern auch von beachtenswer­ten - Stellen der Arbeitgeber-Organisationen würde man es bedauern, wenn die Einrichtung des Reichswirtschaftsrates, der auch in der nächsten Zukunft wichtige Aufgaben erfüllen könnte, verschwinden und damit ein Werkzeug aus der Hand gegeben würde, das in der Zu­sammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitneh-. mern teilweise schon erfreuliche Ergebnisse gezei­tigt hat. Es wird wesentlich davon abhängen, wie sich das Reichsfinanzministerium aus simin- ziellen Gründen zur Wetterführung dieser Ein­richtung stellt, ob der Reichswirtschaftsrat bereits in absehbarer Zeit wieder mit seinen früheren

Der Blutsteck.

Zch sitze auf dem Dach eines jener klotzigen Auto buffe, die mit wütendem Gehupe über den AsphaltBerlms rattern, fauchen, schütteln und toben. Immer haarscharf geht es an den elektri­schen Bahnen vorbei, den einzigen Verkehrsmit­teln, die es an Gewicht mit den elefantenhasten Autoornnibufsen aufnehmen können. Das kleine Geziefer der Privatmaschinen wird kaum beachtet. Das muß ständig auf der Hut sein, solch einem Koloh nicht unter die Walzen zu kommen.

Da oben also sitze ich und halte mich fest, so fleipn foul. Ich beuge mich etwas über das umfriedigende Gitter, um mir eine passende Stelle für die Asche meiner Zigarre auf dem Fahrdamm auszusuchen. And sehe, ja wirllich, uiid sehe, wie em Herr von der vorderen Plattform einer Elek- Irischen herauskippt, herausschlägt, heraussaust wie ein gefällter Baum und der Länge nach auf bei Straße liegt. Das Sonderbare ist, daß ich den Herrn kenne. Ich kenne ihn bestimmt, er. . . warten Sie einmal ... wie heißt er doch? . . .

Es geht alles sehr schnell. Ein Schlächter­wagen bremst dah der Gaul einen Augenblick ^nkreaft auf der Hinterhwtd steht. Ein darauf folgendes Auto bremst, dah es wie ein Gummi- ball etwa einen Meter zurückfedert und in eine Qostkarre hineinprellt. Die Himbeerkörbe kollern herunter und streuen ihren Inhalt unter die Reifen.

Meine Milfahrenden sehen über die Brüstuna des Verdecks. Keine Miene verzieht sich. Riemand sagt ein Wort.

Der Hevausgefallene hat blitzschnell den Kopf eingezvgen. Sein neuer Strohhut liegt zwischen den Füßen des Fleischevgaules. Der schwarzglän­zende Spazierstvck mit silberner Krücke wirkt auf

DDer gar noch daruver hinauSgehenden Aufgaben betraut werden kann. Jedenfalls wird von amt­licher Seite versichert, es könne keine Rede davon sein, daß die Regierung ein Interesse daran habe, den Reichswirtschaftsrat gänzlich abzubauen, was schon aus verschiedenen verfassungsrechtlichen Gründen unmöglich sei.

Kleine politische Nachrichten.

Was die Besatzung nicht gestattet.

Rach einer Meldung aus Düsseldorf hat die Besatzungsmacht eine einfache Feier anläßlich des Verfassungstages gestattet. Verboten dagegen bleibt die für den 3. August geplante Gedenkfeier für die Gefallenen, die von der Reichsregierung angeordnet war.

( Falsche Gerüchte über den Kaiser.

Amsterdam, 29. Juli. Zu der vomPa­ris Midi" verbreiteten Rachricht, daß der ftühere Kaiser Wilhelm Holland verlassen habe und sich bereits auf hoher See an Bord eines trans­atlantischen Dampfers beftnde, erfährt die Rie­derländische Telegvaphenagentur aus zuver­lässiger Quelle, daß diese Meldung nicht den Tatsachen entspricht. Der ftühere Kaiser be­findet sich nach wie vor auf Schloß Doorn.

Ein englisches Kriegsschiff für Brasilien.

London, 29. Juli. Im Oberhause teilte Lord Parmoor mit, daß das britische KriegsschiffCurlew" den Auftrag erhalten habe, nach Brasilien in See zu gehen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Juli 1924.

Fliegen und Mücken.

Ich habe mich in die Berge geflüchtet. Ich habe mir auf einer wunderschönen Blumen- matte in einem kleinen Häuschen mein Heim aufgeschlagen. Hier will ich ungestört träumen und ausruhen von der Last des Alltags. Hier ist gut sein. Aber nun geht die erste los; die erste große Brummfliege nämlich, die sich in meine schöne KlauSnerei verirrt hat. Gradlinig geht fie brummend durch den Raum, rennt mit einem jähen Krach irgendwo an, summt einen Augenblick etwas höher und kommt auf der gleichen Dahn zurück. Amsonst, dah ich Tür und Fenster öffne. Sije will doch hinaus; aber sie sieht nichts; sie fliegt immer in der gleichen Linie unter der Decke, fünfzigmal. Run ist sie erwischt, fort Aber da ist auch, wie programm­mäßig sich einstellend, schon die zweite. Was wirst du dich durch einen solchen Drummer stö­ren lassen? Aber warte. Bei dem siebenten Drummer, der fünfzigmal die gleiche Aebung mit gesteigertem Drummwn macht, gebe ich mutlos den Kampf auf.

Ich eile hinaus und klettere in die Derge; fernab von allen Menschen. Ein köstlicher, ein­samer Pfad über Granitblöcke nimmt mich auf, in einen Dergkessel, wo der blaue Eisenhut blüht und ' ' ene nordische Steinbrecharten sich erhal­ten .. en. Aber plötzlich merke ich Begleiter. Ein Schwarm kleiner, schwarzer Fliegen geht mit Er umkreist meinen Kopf, wie ein Haufen Monde seinen Planeten, unermüdlich. Amsonst alles Schlagen, Wedeln mit dem Taschentuch. Das ist wie Pech, das man fortstöht und zu­gleich wieder heranzieht.

Ich halte es nicht mehr auS; ich flüchte in die Ebene hinab, an das blaue Meer mit seiner reinen Salzluft. Mückenschwärme, Meteor­ringe von Mücken durch die ganze Atemluft, bei Tag, bei Rächt. Der Staub der Landsttahe, der würzige Kiefernduft, das heilige Schwei­gen des Buchenwaldes, der Salzatem der See alles durchsetzt, versetzt, verstopft sozusagen mit Mücken. Jedes dieser Anglückswesen ist ein wahrer Spektakelapparat, ein ganzes Or- chesttion am einzelnen Leib: es lärmt mit den Flügelschwingungen, mit den aufeinander gei­genden Hinterleibsringen, mit besonderen Stimmorganen der Brust. Dabei besitzt jedes eine zu langem Rüssel verlängerte Lippe, in der Rüsselröhre stecken die Kiefern in Gestalt jener spitzen Stilettdolche. Mit diesem raffi-

bem grauen Asphalt wie ein Ausrufezeichen. Da steht er plötzlich auf den Beinen. Die Aktenmappe an die Brust gedrückt, die Bügelfalten tadellos. Ich kenne. . . ihn . . . doch . . .?

Er hebt feinen Hut auf, greift fernen Stock und sprmgt auf die Elektrische, von der er eben heruntergefallen ist.

Kein Wort fällt. Kein Gesicht zeigt Anteil- nahme.

Plötzlich neben mir ein Schrei! Ein entsetzlicher Schrei der die Stille in tausend kleine Fetzen zerreißt.

Eine Frauenstimme gellt:Ein Blutfleck!!" Ein abwehrend ausgestreckter Frauenfinger deutet auf die Stelle des Asphalts, wo unter dem Auto der Himbeersaft eine große rote Lache bildet.

Die Dame neben mir fällt in Ohnmacht. Der Autobus rattert los. Die Elektrische zieht frei» J$enb cm. Die ganze aufgehaltene Schlange von Verkehrsmitteln setzt sich rasselnd in Bewegung. * kenne ahn doch, den Heron, der die Akten­tasche so fest an sich preßte, als er da unten lag imb beinahe überfahren worden wäre? Das geht mir durch den Kopf, während ich mich um die Ohnmächtige bemühe.1

?ie Dame kommt langsam zu sich. Hätte ich sie nicht festgehalten, wäre sie sicher irgendwohin gefallen. Sie schlägt die Augen auf:Entsetzlich, .toaß lag? ich,Him­beersaft. Da stoßt sie mir mit der Säuft vor ^^Vistm und schreit:Sie Rohling!" Dann rafft sie die Rocke und flettert die Wendeltreppe herunter. Ich höre, wie sie immer das Wort entsetzlich murmelt.

Ich steige etwas später aus. And ich denke: die wohl den Leuten von dem Blutfleck erzählen wird! Wie doch Gerüchte in dieser Stadt entstehen! Aber den Herrn mit der festgehaltenen Aktenmappe kenne ich doch? Es ist. . ." Sakra

menen Henrerwertzeug fairen sie übe> ...icy her. In jedem Einzelfall kann das Werkzeug tödlich vergiftet sein, diese Räuberoperateure kennen ja keine Antiseptis.....

Wenn ich mich mit Flügeln der Morgenröte flüchten könnte! Ich schließe mich im Geist den kühnsten Wanderern dieser Erde an. Mit Sven Hedin ziehe ich durch Asiens Wüsten zum Wundersee Lop-nor, der im Lauf der -Zeiten seinen Platz wechselt wie ein kriechendes Tier. Aber ich lese bei Sven Hedin:Flußabwärts nehmen Bremsen, Mücken und Moskitos in beängstigendem Grad zu, und wo sie sich zu­sammentun, hat man keine sonderliche Freude am Dasein. Sie sind außerordentlich gesell­schaftlich und übertreffen einander an Auf­merksamkeit. Doch gegen sie zu kämpfen, ist ganz vergeblich; man zieht dabei in jedem Fall den kürzeren."

Zieht den kürzeren!" sagt Sven Hedin, der sich als Pilger verkleidete, um das un­nahbare Lhassa in Tibet zu erreichen, wo man Fremde, wenn sie erkannt wurden, lebendig röstete oder zerhackte...

** Eine Kreistagssitzung findet am kommenden Samstag, vormittags 10 Ahr, im Sit­zungssaal des Regierungsgebäudes statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Aus­schlag der Kreis um lagen für das Rj. 1924; 2. Wahl der Mitglieder der Körkommission.

** Auf geh obene Straßensperre. Die Sperre der Kreisstvaße GießenSteinberg ist wieder aus gehoben worden.

** Schulgeld-R eure gelang. Die Stadtverwaltung gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß das Schulgeld an der Höherei, und Erweiterten Mädchenschule mit Wirkung vom 1. August an neu festgesetzt wurde. Es ha.rdett sich um eine Erhöhung der Sätze entsprechend dem Vorgehen des Staates für die staatlichen Lehranstalten.

** Bes ch werden in Versorgungs­angelegenheiten. Es wird halbamtlich da­rauf hingewiesen, daß es unzweckmäßig ist, wenn sich Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene bei Beschwerden über das VersorgungSamt an das Deichsarbeitsministerium oder auch an andere Dienststellen, in Fragen der Abfindung für Ver­sorgungsanwärter beispielsweise an den Reichs­finanzminister, wenden. Durch diesen unrichtigen Weg wird die Bearbeitung der Beschwerden un­nütz verzögert; denn sie werden lediglich dem Hauptversorgungsamt als der dem Versorgungs­amt zunächst vorgesetzten Dienststelle zugeleitet, ohne daß der Beschwerdeführer mit einer Abgabe­mitteilung rechnen kann.

** Der Anbedenklichkeitsvermerk des Finanzamtes. Das Finanzamt stellt jedem, ber zu geschäftlichen Zwecken oder zur Er­holung ins Ausland reifen will, gegen eine Ge­bühr von 10 Mk. den Anbedenklichkeitsvermerk aus, der für eine Dauer von vier Wochen -gilt Es bestehen aber in weiten Kreisen noch Anklar­heiten über die Gültigkeitsdauer dieses Vermerks. Diese vier Wochen haben nämlich mit der Aufent­haltsdauer des Reisenden im Ausland nichts zu tun. Wenn er die Grenze überschritten hat, kann er so lange im Ausland bleiben, als ihm das ftxmde Visum gestattet. Er muß nir die Reife innerhalb der vier Wochen, für die ihm der Anb.'denklichkeitsvernrerk g'geben ist, antreten. Wurd^ ihm z. B. der Vermerk am 28. -Juli ge­geben, so ist der 24. August der letzte Tag, an dem er die Grenze ins Ausland überschreiten darf. Fährt er später, so braucht er einen menen Vermerk und muß neue Gebühren bezahlen. Rach Deutschland kann er nach beliebigem Aufenthalt, z. D. auch erst im September, zurückkehren.

** Leichenländung. Die Leiche des Mädchens, das vor einigen Tagen in selbst­mörderischer Absicht in die Lahn gegangen war, wurde jetzt gelandet. Es handelt sich um ein Mädchen aus Lich, das hier in Stellung war.

** Festgenvmmen wurde hier ein junger Rkann, der sich an zwei verschiedenen Stellen je ein Fahrrad erschwindelte und diese dann zu einem außergewöhnlich niedrigen Preise wieder absetzte.

** Ein herrenloses Fahrrad, das vor einigen Tagen vor einem hiesigen Hotel ge­funden wurde, nahm die Polizei in Verwahrung. Das Rad tragt die Fabr.-Rr. 86 766, ist ohne Markenschild und rührt vermutlich von einem Diebstahl her. Der Eigentümer des Rades möge sich bei der Kriminalpolizei melden.

** Diebstähle in der Badeanstalt. In letzter Zeit wurden in einer hiesigen Bade-

da hatte ich beinahe unter dem Autobus gelegen. Der Fahrer flucht mir ein Donnerwetter auf den 5>alä. Er schließt:Olla Dussel, beinah hätt ick dir zu Blutwurscht verarbeit!"

Hm, der Dag fängt scheint's blutig an.

2Iber den Herrn muß ich doch kennen? Oder .... sollte es mir mit dem Herrn so gehen wie der Dame mit dem Blutfleck? Ich erschrecke. Bin ich ebenso urteilslos wie jene Ohnmächtige, der ich so turmhoch überlegen war vorhin?

21m Ende . . . . o Menschenkirü», armes stol­zes Hascherl, miserables ....

Der Blutfleck hat mich beinah zum Philoso­phen gemacht. Hannes.

*

Die Massenvergistung durch Erdbeerspeise.

Aus den Antersuchungen anläßlich der Mas­senvergiftung, die sich in einer der bekanntesten Lungenheilstätten Deutschlands ereignete, und die bei 4 Personen darunter den Stellvertteter des ärztlichen Leiters zum tödlichen Ausgang führte, geht hervor, daß es sich bei der plötzlich aiifgetretenen Massenerk'.ankung umParatyphus- B handelt, hervorgerufen durch Bazillen, die in der genannten Evdbeerspeise in ungeheuerlichen Mengen gefunden wurden. Diese Krankheit tritt gewöhnlich bei Massenvergistungen durch verdor­benes Fleisch von Schlachttieren auf, die infolge großen Wachstums desBazillus Parathphi-B" oder des diesem nahverwandtenBazillus Gärt­ner enteridis" erkrankt sind. Rur wenn das Fleisch rah oder nicht genügend durchgekocht ist, können Fleischvergiftungen auftreten. Gelegentlich kann jebod) das Fleisch noch nach der Schlachtung mit den genannten Bakterien infiziert werden. Denn die Erreger der Fleischvergiftung find auheror-

anjiair eine silberne 3>errenubr mit feinglie­driger Kette, ein braunledernes Geldmäppchen mit Inhalt, ein silbernes Halskettchen sowie ein Reisepaß und Studentenkarte, auf den Ramen Ernst Axt" lautend, gestohlen. Sachdienliche Mit­teilungen zur Ermittlung des Täters erbittet die Kriminalpolizei.

Bornotizen-

Tageskalender für Mittwoch. Rundfunkhaus, Löberslraße, 8V2 Ahr: Literarischer Abend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Scheik".

Die Modelle für das Ehren­denkmal des 1 1 6er-Berbandes werden in den Räumen des Kunstvereins im Turmhaus am Brand öffentlich ausgestellt. (Räheres siehe im heutigen Anzeigenteil.) ;

AbonnementskonzertderReichs-' Wehrkapelle. Man schreibt uns: Mit dem 8. Abvnnementskonzert am morg. Donnerstagabend finben diese ihren Abschluß. Für diesen Abend hat Obermusikmeister L ö b e r das Sarosche Ton­gemäldeErinnerung an die ruhmreichen Kriegs­jahre 1870/71" in die Musikfolge aufgenommen, und zwar unter Mitwirkung der Spielleute des Bataillons. Das Programm ist wieder sehr ge­schickt gewählt und bringt außer -CCÖerten von Wagner, Weber, Ricolai die D'Alberffche Fan­tasieTiefland". (Siehe Anzeige)

Landkreis Gießen.

A Klein-Linden, 29. Juli. Der älteste hiesige GesangvereinEintracht" feiert nächstes Jahr fein 60jähriges Bestehen In ferner gestrigen Hauptversammlung beschloß der Verein, aus Anlaß des Jubiläums Anfang Juli nächsten Jahres einen großen Gesang- wett st r e i t in mehreren Stadt- und Landllassen abzuhalten.

)) Lich, 29. Juli. Gestern wurde der Som­mermarkt, verbunden mit Schweine- und Krämer markt, Bullen- und Schaf- bockauktion hier abgehalten. Zum Auftrieb gelangten ca. 500 Ferkel, 45 Zuchtbullen und 25 Schafböcke. Der Markt war sehr gut besucht und ein reges Geschäftstreiben zu beobachten. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel wurden mit 10 bis 15 Mk 9 bis 12 Wochen alte mit 16 bis 30 Mk. bezahlt' Jin Mittelpuntt des Marktes stand die von dem Landwirtschaftskimmerausschutz für Ober Hessen in Gießen geleitete Bullenauktion. Zum Verkauf standen 45 schöne Tiere. Von weither waren zum Ankauf beauftragte Kommissionen der Gemeinden erschienen. Der Höchsterlös für ein Exemplar be­trug 1040 Mk. Für die von der Stan des Herrschaft Lich zur Auktion gelangten 25 Schafböcke wurde pro Stück bis zu 300 Mk. gezahlt. Es darf als sicher angenommen werden, daß in Lich ein der­artig großer Marktbetrieb noch nie beobachtet worden ist.

Kreis Friedberg.

Dad-Rauheim, 29. 3yli. Die Stadt- verordnetenversammlung hatte in ihrer jüngsten Sitzung über denGas-undElektrizitäts- Preis zu beschließen. In Anbetracht der herab­gesetzten Kohlenpreise schlug der Lichtwerksaus- schuh vor, den Preis für Gas auf 20 Pf. Hera b- zusehen und, da der Staat den Preis für elektrischen Strom ab 1. April um 33/8 ermäßigt 'hat, für Licht 50 Pf. und für Kraft 40 Pf. AU erheben. Diese Sätze sind Anfangspreise für Kleinabnehmer, die Großabnehmer erhalten auf Gas und Elektrizität enffprechenden Rabatt. Der neue Gaspreis wurde vhie wesentlichen Einspruch gutgeheißen. Bei Elektrizität stellte die Ar­beitsgemeinschaft der Mitte den Antrag, daß den Verbrauchern eine Rückvergütung auf die feit 1. April gezahlten Beträge gewährt würde. Auf Einspruch des Vorsitzenden wurde dieser Antrag abgelehnt und der, Vorschlag des Ausschusses an­genommen. Die schon seit langem geplant- Herstellung eines geräuschlosen Strahen- Pflasters in der Kurstrahe will man jetzt verwirklichen. Zunächst soll ein Kostenvor- anschlag eingeholt werden. Von der in der vorigen Sitzung beschlossenen Klage gegen den Polizeirat Schildwächter wird Abstand'ge­nommen, da das Mieteinigungsamt mittlerweile zu seinen Gunsten entschieden Hut.

Kreis Schotten.

8 Alr ich st ein, 29. Juli. Der Jakobi- markt stand dieses Jahr im Zeichen der deutschen Wirtschaftslage. Der Großviehmartt wie der Schweinemartt brachten vielfach den Verkäu­fern nicht den Erlös, der erwartet war; dazu wa- ren die Preise zu niedrig. Der dritte Tag brachte dann einen ausgedehnten Krämermarkt; auch das beinahe ausgebliebene Karussell drehte sich emfig und die Tanzmusik erscholl bis spät in die Aachü Leider war das Wetter recht ungünstig.

* Götzen, 30. Juli. - Am Freitag, 1. August, vormittags, findet hier eine vom Landwirtschafts- kannnerausschuß veranstaltete Schafbockauk- deutlich verbreitet. Einige Stunden nach dem^Ge^ nutz einer verdorbenen Speise austretende Ver- gistuitgserfcheinungen sind nicht auf die Wirkung des Paratyphusbazillen selbst, sondern auf die von ihnen abgefonoerten tierischen Gifte sog.

zurückzuführen, die übrigens auch nach Erhitzen auf höhere Temperaturen noch wirksam Eben können, während sich die dem eigentlichen "Typhus' ähnelnde Form desParatyphus" nur allmählich entwickelt und auf das Wachstum und Wirken der Dazlllen als solche zurückzuführen ist. Die vorliegende Massenvergiftung ist nun un­zweifelhaft durch den Genuß von Erdbeerspeise hervorgerufen, die aus Eiern, Erdbeeren, Gela­tine, Zucker und nachgewiesenermahen einwand» freier Milch hergestellt war. Wie sind nun die Bazillen in die Speise hrneingeraten? Da Milch Eier, Zucker, Gelatine als Träger des Krankheits­stoffes ohne weiteres ausscheiden, so bleiben nur die Erdbeeren übrig, die wahrscheinlich von Rat­ten im Garten mit Bazillen verseucht wurden. Das vor der Zubereitung erfolgte zweimalie Ab­spülen hat natürlich nicht die Bazillen beseitigt Bazillenträger, wie z. B. Küchen>angesteNte, kom­men als Infekttonsguelle nicht in Frage, da amt» licherseits nachgewiesen wurde, daß sich hn letzten halben Jahre feine Bazillenträger in der Anstalt befanden. Die mit den Erdbeeren in der Speise gelangten Bakterien haben sich nun, während die tags zuvor bereitete Speise ca. 18 bis 20 Stunden im Kühlraum stand, in dem hervorragenden Rähr- boden aus Eiern, Zucker, Gelatine und Milch ungeheuer vermehrt und nach dem Genuß dann die schweren Vergiftungen verursacht. Das ge­schilderte Ereignis gibt uns Anlaß, nachträglich darauf hinzuweisen, daß im heißen Sommer mög­lichst nur frisch gekochte Speisen genossen werden sollen.