Erster Blatt
N4- Jahrgang
Mittwoch, 30. Juli |924
vnick und Verlag: vrShl'sche UulverfitSts-vuch- und St-indruck-rei H. Lange in Sietzen^ Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllftratze r.
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheflen
Er. UZ
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Französisches aus Polen.
Wie im besetzten Gebiet.
Wie aus Warschau gemeldet wird, haben die Abgeordneten der Deutschen Vereinigung in Sejm, Karau, Atta und andere an den polnischen Minister für Kultus und an den Innenminister eine Interpellation gerichtet, in der gegen das Aufbrechen der Türen des Schulhauses und -es Betsaales seitens polnischer Polizei im Dorfe Orlowv, Kreis Lipno, Beschwerde geführt wird. Aus der Interpellation ergibt sich folgender Sachverhalt:
In dem Dorfe Orlowv hat seit über 100 Jahren eine von der deutsch-evangelischen Bevölkerung gegründete und von ihr unterhaltene öffentliche Volksschule mit deutscher Anter- richtssprache bestanden. Im April ds. Is. hat der Schulinspektor des Kreises Lipno, indem er die augenblickliche Vakanz -er Schule ausnutzte, in dem Schulgebäude eine katholische Schule mit polnischer Unterrichtssprache für 29 Kinder untergebracht. Die Wohnung des evangelischen Lehrers und Kantors besetzte der neu angestellte katholische Lehrer. Aeber 100 deutsch-evangelische Kinder blieben also ohne Unterricht. Die zu der oben erwähnten Schule gehörende deutsche Bevölkerung bemühte sich um einen Lehrer, und da sie einen Kandidaten im Auge hatte, wehrte sie sich gegen die Besetzung der Schule und verteidigte ihre Rechte auf dem gesetzlich vorgeschriebenen Wege. Der Schulinspektor wollte jedoch die Enffcheidung der höheren Behörden nicht abwarten und wandte sich an den Starostan um Zustellung von bewaffneten Kräften zwecks gewaltsamer Durchführung seiner Anordnungen. Am 24. April 1924 kamen nach Orlowv 6 bewaffnete Polizisten und verlangten von dem Schulvorstand Julian Trenkler die Herausgabe der Schlüssel vom Schulhause und Bethaus. Trenkler antwortete der Polizei, daß die interessierten Kolonisten Schritte unternommen haben zwecks Aufhebung der Anordnung des Schulinspektors und bat, von irgendwelchen Gewaltmahnahmen bis zum Eingang der Antwort des Schulkuratoriums abzusehen. Die Polizei legte aber seine Hände in Ketten und brachte ihn über die anliegenden Dörfer nach Orlowv zurück. Nachher erbrach die Polizei mit Den Seitengewehren die Tür des Beffaales und von dort aus die Türen des Schulraumes und der Wohnung des Lehrers. Die auf dem Schulhofe anwesenden Personen H. Gatzke, A. Schmidt, G. Tietz und A. Prill, welche die Absicht hatten, das Scheunendach zu reparieren, stellte die Polizei der Reihe nach an die Mauer. Die Ankunft einiger Wagen mit Polizei lockte die katholische und evangelische Bevölkerung herbei. Die Katholiken lieh man durch, dagegen stellte man die Evangelischen gleichfalls an die Mauer. Daraufhin richtete man gegen sie den Lauf der Gewehre und unterzog sie einer genauen Leibesrevision, wobei es ohne Beleidigungen und Stöhe nicht abging. Darnach wurden diese Personen in das Polizeigefängnis in Wielgie gebracht. Am nächsten Tage fesselte man die Kolonisten H. Gatzke, Adolf Schmidt • und G. Tietz und führte sie nach der Polizeistelle! in Dentlewo. Erst nach einigen Tagen wurden die Verhafteten fteigelassen. Im Zusammenhang mit diesem Vorkommnis wurde am 25. April 1924 der Gemeindevorsteher Gustav Golke aus Orlowv von dem Polizeiwachtmeister aufgefordert, auf die Polizeiwachtstube zu kommen. Als Golke die Schwelle des Lokals überschritten hatte, kam ihm der Poli- zeiwachtmeister Jurkiewicz mit dem Schrei entgegen: „Bist du ein Schulze?! Verfluchter Schwabe!" und schlug ihm achtmal ins Gesicht, bann versetzte er ihm noch mehrere Fußtritte. Nachher wurde Golke in Poltzeiarrest längere Zeit festgehalten. Auf ähnliche Weise wurde der Kolonist G. Fröhlke aus Orlowv, ein Kriegsinvalide, mißhandelt. Diese Gewalttat xief große Entrüstung und Erbitterung hervor.
Angesichts dessen fragen die Anterzeich- neten an: 1. Sind den Ministerien die geschilderten Gewalttaten und Mißhandlungen der ftiedlichen Bevölkerung bekannt? 2. Wurden die Schuldigen obiger Gewalttaten bestraft? Z. Ist das Unterrichtsministerium bereit, Anordnungen zu treffen, damit die Schulinspektoren die bestehenden Gesetze respektieren und zu solchen traurigen Vorfällen keinen Anlaß geben?
Sicherheit und Abrüstung.
Deutsche Vorschläge an den Völkerbund.
Berlin. 29. Iuli. (WB) Der Völkerbund hat, wie gestern gemeldet wurde, den von einer seiner Kommiisionen ausgestellten Entwurf eines Vertrages'über die gegenseitige Unterstützung auch der deutschen Regierung zur Stellungnahme übersandt. Das Auswärtige Amt hat den Entwurf einem Gremium von Sachverständigen zur Begutachtung unterbreitet, das sich aus den Professoren Hvehsch, Kaas, Kahl. Ministerialdirektor z. D. Kriege, Prof. Meinecke, General a. D. Graf Montgelas, Reichsminister a. D. Zchiffer und Prof. Schücking zusammensetzte. Die Sachverständigen haben ihre Auffassung in der Denkschrift vom 5. Iuli dargelegt, die nunmehr vom Auswärtigen Amt dein Genera lsekretariat des Völkerbundes mit dem Hinzufügen mitgeteilt wurde, daß die Reichs reg ierung sich die Ausführungen der deutschen Sachverständigen zu eigen mache. Die Denkschrift unterzieht zunächst den Grundgedanken des Völkerbundsentwurfs einer eingehenden Kri- t i f. Der Entwurf geht von dem uneingeschränkten Verbot der Angriffskriege aus. Äe Frage aber, ob ein Angriffskrieg vvrliegt, unterliegt ausschließlich der Entscheidung des Völker bundsrates, der auch die Befugnis haben soll, Maßnahmen gegen die Angreifer, insbesondere die Aufbietung militärischer Machtmittel zu organisieren. Darüber hinaus gestattet der Entwurf, daß der allgemeine Vertrag durch Svnderbündnisse zwilchen d n einzelnen Vertragsstaaten oder einzelnen Mächtegruppen ergänzt wird.
Die deutschen SachverstLndiTen erklären ein solches System für ungeeignet,
das erstrebte Ziel der allgemeinen Sicherheit der Staaten und der dadurch ermöglichten Rüstungsbeschränkungen zu erreichen. Die Ausführungen der Denkschrift begegnen sich hierbei in wesentlichen Punkten mit der Kritik, die inzwischen auch seitens der amerikanischen und der englischen Regierung an dem Völkerbundsentwurf geübt wurde. Von besonderer Bedeutung ist der von der Denkschrift geführte Rachweis, daß Deutschland angesichts seiner völligen Entwaffnung in eine unmögliche Lage geraten würde, wenn es in einem bewaffneten Konflikt zwischen anderen Staaten auf Grund einer Entscheidung des Völkerbundes seine Neutralität aufgeben und sich an kriegerischen Maßnahmen beteiligen müßte.
Die Denkschrift beschräntt sich indes nicht auf negative Kritik, sondern macht wenigstens in großen Zügen auch
positive Vorschläge,
wie nach deutscher Auffassung das Problem der Sicherheit und Abrüstung gelöst werden könnte. Dabei wird u. a. folgendes ausgeführt:
Rur ein organischer Ausbau, nicht ein äußerlicher Anbau verspricht den Erfolg. Richt Häufung von Verträgen und Abmachungen neben dem Völkerbundsvertrag, sondern vertiefte Ausgestaltung tut not. Diese Ausgestaltung kann nicht in der Richtung erfolgen, daß man der Gewalt lediglich durch Gewalt begegnet. Die unrechtmäßige Gewalt kann man nur dadurch aus der Welt schaffen, daß man ihr das Recht entgegenstellt. durch das die zur Abwehr des Anrechts angewandte Gewalt erst gerechtfertigt und geheiligt wird.
Man verbiete die gewaltsame Austragung von Streitigkeiten und die gewaltsame Durchsetzung vermeintlicher Ansprüche schlechtweg. Man schaffe neben dem für reine Rechtsstreitigkeiten bestimmten Weltgerichtshof eine Schlich- tu ngsin stanz für politische Konflikte mit allen Garantien einer richterlichen Llnabhängigkeit ihrer Mitglieder. Man gebe beiden Stellen das Recht und die Pflicht zum Erlaß einstweiliger Verfügungen zum Zwecke des Besitzschutzes, insbesondere auch gegenüber an geb'! ich friedlichen Besetzungen fremden Staatsgebiets. Vor allem mache man für alle Staaten die A b r ü st u n g o b'l i g a t o r i s ch. Man sorge endlich dafür, daß berechtigte Wünsche der Bevölkerung wegen Berichtigung der Grenzen auf dem Wege eines geordneten Recfstsver ährens ihre Lösung finden; denn die Entwicklung steht nicht still. Rur so wird man die Voraussetzung für eins kraftvolle Wirksamkeit des Völkerbundes schaffen, nur so die Möglichkeit für eine starke Erweiterung seiner Kompetenzen herauf führen and nur so auch jener älnrversalltät seines Mttglre- derkreises den Weg bereits, ohne den er seine große Aufgabe niemals voll erfüllen kann. Auch Deutschland brauchte alsdann nicht zu zögern, in die Gesellschaft der im Völkerbund vereinigten Rationen, selbstverständlich unter der Voraussetzung voller Gleichberechtigung, einzutreten, am auf dem Boden des Rechtes an der Erhaltung eines dauernden Friedens mitzuarbeiten.
Der Tagesbericht über London.
Noch keine Einladung an Deutschland.— Der neue französische Vorschlag. — Die Ruhrräumung.
London, 29. Juli. Wie Reuter erfährt, kann nach Ansicht eingeweihter Kreise der gegenwärtige Stand der Konferenz als hoffnungsvoll bezeichnet werden. Was die Einladung an Deutschland betrifft, so ist darüber noch nichts bekannt. Sie wird erfolgen, wenn dieHaupt- delegierten den Zeitpunkt für gekommen erachten.
Die Tätigkeit der alliierten Konferenz beschränkte sich heute auf die Zusammenkunft der Hauptdelegierten am Vormittag und auf die Sitzung des Inristenkomitees am Rachmittag. Wahrscheinlich findet morgen keine Vollsitzung der Konferenz statt, aber eine Sitzung der Hauptdelegierten. Am morgigen Rachmft- tag wird die französische Delegation damit beschäftigt sein, den Entwurf einer Formel auszuarbeiten, die der Konferenz unterbreitet werden soll, zu bem Zweck, die Vertreter derDan- kiers zuf riedenzu st eilen. Sie hofft, daß diese Bemühungen für jedermann befriedigend sein werden.
Der neue französische Vorschlag.
Paris, 30. Iuli. (WTB.) äleber den neuen Kompromißantrag der französischen Delegation zur Frage der Verfehlungen und Sanktionen, der in der ersten Kommission behandelt wird, wird aus London berichtet, der französische Vorschlag bestehe in großen Zügen darin, daß man jedesmal dann, wenn die Repko über eine Verfehlung Deutschlands sich auszusprechen hätte und nicht imstande wäre, allgemeine dereinst irn- mung zu erzielen, eine schiedsrichterliche Entscheidung in Anspruch nehmen würde. Die Repko würde in diesem Falle die Beschlußfassung an ein Komitee von beispielsweise drei Mitgliedern, darunter einem Amerikaner, verweisen. Es verlautet, daß Macdonald die leitenden Gedanken dieses französischen Entwurfs gut ausgenommen habe. Der englische Sachverständige William Fisher, der ftüher einen ähnlichen Entwurf bearbeitet habe, werde gemeinsam mit dem französischen Sachverständigen Aaron von der Repko einen gemeinsamen 'Text vorbereiten. Rach Auffassung der französischen Delegation wäre die Annahme dieses Kompromisses davon abhängig zu machen, daß Frankreich seitens der dritten Kommission Zugeständnisse in der Frage der Sach- lieferungen gemacht würden, die einer Garantie von Seiten Deutschlands bedürften.
Die Räumungssrage.
Paris, 30. Juli. (WTB.) Der Son- derberichterstatter des „Echo de Paris" berich
tet, die markanteste Tatsache, die er zu verzeichnen habe, sei die Wandlung Herri o t s in bezug auf die militärische Besetzung des Ruhrgebiets. Das Verdienst dafür, dessen Bedeutung man allerdings nicht über- tteiben dürfe, müsse man General Rol- l e t zuschreiben, der seit drei Tagen nicht aufhöre, Herriot zu bestürmen. Es sei jetzt wahrscheinlich, daß die militärische Räumung etappenweise erfolgen werde.
Rach dem Sonderberichterstatter des „Matin" will man französischerseits verlangen, daß die progressive Räumung auf zwei Jahre verteilt werde. Man will versuchen, die britische Besetzung der Kölner Zone mit der Anwesenheit der Franzosen im Ruhrgebiet so lange zu verbinden, so lange die militärische Räumung nicht durchgeführt sei.
Der gleiche Berichterstatter meldet, daß gestern nachmittag ftanzösische und belgische Sachverständige gemeinsam die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets geprüft haben und versuchten, einen Räumungs- plan aufzustellen.
Herriots Bericht an Kammer und Senat.
Paris, 29. Iuli. (WB) In Kammer und Senat, die bttde H ute nachmittag ihrs Sitzungen ausgenommen haben, wurde ein Telegramm Herriots aus Bonbon verlesen. Zu Beginn des Telegramms wird gesagt, bie Regierung hätte gewünscht, sich heute selbst vor das Parlament begeben zu können, um ihm den Text ein s Abkommens zu übermitteln. Aber trotz der Anstrengungen seien bie Beratungen noch nicht beendet. Ministerpräsident Herriot erklärt a.s- bann daß bie Erste Kommission, die sich mit den Verfehlungen und Sanktionen zu beschäftigen hat, einmütig Beschlüsse angenommen habe, die die Vertreter der Anleihezeichner für unbefriedigend erklärt hätten, um den Erfolg dec vorgeschriebenen 8 0-Millionen--Anleihe zu sichern. Aas diesem Grunde hätten auf der Konferenz Konklusionen noch nicht angenommen werden können.
Di« französische Delegation sei bereit, den Anlekhezeichnem alle .Sicherheiten zu geben,
Die Zweite Kommission habe über bie Wie> derherstellung der fiskalischen and wirtschaftlichen Einheit Deutschlands Beschlüsse gefaßt, jedoch bleibt die Frage de r französischen und belgischen Eisenbahner die auf dem linken Rheinufer zurückgelassen werden sollen, noch zu regeln.
Die Dritte Kommission, bie sich mit den Sach- luferungen und der Transferierungsfrage zu beschäftigen hat, sei auch noch zu keinem Ergebnis gekommen. Schli^ich wird in dem Telegramm mitgeteilt, daß über die Zulassung de r De u t s che n zur Londoner Konferenz leicht ein Einvefftändnis über die Vorschläge erzielt worden sei, die ein französischer und ein britischer Iurist übermittelt hätten. Herriot gab dann Kenntnis von dem gestern gefaßten Beschluß und fuhr fort, die Verhandlungen der Konferenz, die noch viele Schwierigkeiten 6ereiten, würben noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die französische Regierung werde mit dem besten Willen die Verteidigung der Rechte Frankreichs, die. Wiederherstellung eines interalliierten Einverständnisses und die Verteidigung des Friedens fortsetzen.
Enttäuschung in Berlin.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 30. Juli.
Die abermalige Verzögerung der Einladung Deutschlands zur Londoner Konferenz hat in den Berliner Regierungskreisen eine schwere Enttäuschung hervorgerufen. Die deutsche Delegation, die für Mittwoch die Abreise nach London vorgesehen hatte, wird kaum vor Sonntag oder Montag Berlin verlassen können, da deutscherseits nicht beabsichttgt ist, sich in London die Rolle eines Türstehers zuweisen zu lassen, den man auf den Eintritt warten läßt. Man verhehlt nicht, daß die Hinausschiebung der Hinzuziehung Deutschlands entwürdigend empfunden werden muß, nachdem die deutsche Regierung bereits Ende der vorigen Woche von den Londoner Konferenzmächten ersucht worden war, eine Delegatton zur Abreise bereit zu halten. Wenn die Konferenzmächte darauf bestehen sollten, sich vorerst über die Grundlagen der Durchführung des Sachverständigen-Gutachtens zu einigen, ehe man Deutschland hinzuzieht, so ist es auch jetzt noch unsicher, ob die angekündigte Einladung Deutschlands für Anfang nächster Woche nicht noch eine weitere Verzögerung erleiden sollte. Jedenfalls ist die optimistische Stimmung der Berliner polittschen Kreise erheblich gesunken, und man glaubt heute, daß die Schwierigkeiten der Lon-, doner Konferenz von Tag zu Tag größer werden. Während man bisher der Meinung war, daß ein Scheitern der Konferenz ganz ausgeschlossen sein würde, hält man es heute nicht fürunmöglich.daßinLondon über- hauptkeineErgebnisseerzielt werden. DiedeutscheRegierungi st jedenfalls nicht gewillt, sich auf eine Taktik des Feilschens einzulasse n, und man hält es daher für notwendig, auf die Tatsache hinzuweisen, daß die deutsche Delegation ihre bestimmten Vollmachten hat, über die unter keinen Umständen hinausgegangen werden kann.
Die Beilegung des Streites mit Rußland.
Gegenseitiges Entgegenkommen.
Berlin, 29. Iuli. (WB.) Heute mittag ist im Auswärtigen Amt vo.i Dr. S t r e s e m a n n und dem Geschäftsträger der S. S. R., Botschaftsrat Dratmann-Brodowski. ein Poo okoll über die Beilegung des deutsch-russischen Zwisoen- falls unterzeichnet worden. Das Abkammen besagt u. a sollendes:
1. Die beiden Regierungen sehen den Notenwechsel über den Zwischenfall als abgeschlossen an.
2. Die deutsche Regierung erflärt, daß das Vorgehen der Polizeibehörden in Berlin gegen die Handelsvertretung am 3 5. eine eigenmächtige Aktion der deutschen Polizei darstellt. Sie mißbilligt dese Aktion und Bebavert, daß der Zwischenfall dadurch eine solche Ausdehnung erhalten hat. Sie bringt der Sowet- regiecung zur Kenntnis, daß der Leiter der Aktton seiner bisherigen Diensttätigkeitent- hoben wurde. Die schuldigen deutschen Beamten werden bestraft.
3. Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, den von den deutschen Beamten in dem Gebäude der Handelsvertretung verschuldeten 91t a t e ' rials cha de n in entgegenkommender Weise zu ersetzen.
4. Die Reg ierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bestätigt, vaß sie in Heber etn’ilimmung mit den geschlossenen Verträgen auf der Grundlage bec Gegenseitigkeit allen ihren Beamten und Angestellten, also auch den Mitarbeitern der Handelsvertretung, verboten hat, in irgendeiner Weise an dem innerpolitischen Leben Deutschlands teilz anehma «i.


