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Kt.U6 Zwetter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 29. Juli (924

Vor zehn Jahren.

3n diesen letzten Juli tagen vor zehn Iah- lren braute sich am Wiener Dallhausplatz das jdunkle Anheil zusammen, das zum Weltkrieg führte: Strafexpedition gegen Serbien wegen des Mordes von Serajewo, Ultimatum, Lo- Ikalisierung des Konflikts und andere Schlag­worte schwirrten wie schwarze Nachtvögel um- Her. Ahnungslose Urlaubsreisende bestiegen indessen Berge oder sonnten sich am Meeres- strande, bis dann Plötzlich aus scheinbar blauem Himmel der Blitzstrahl herniederzuckte.

Am 25. Juli 1914, abends 6 Uhr. war das achtundvierzigstündige Ultimatum abge­laufen, das der österreichisch-ungarische Ge­sandte im Namen seiner Regierung in Del- jgrad überreicht hatte. .Das Ultimatum wurde nicht angenommen, der Kriegsausbruch war unvermeidlich geworden. Der Krieg begann, ohne daß irgend.jemand, auch keiner von den großen Schuldigen, ahnen konnte, welchen Um­fang er annehmen, wie lange er dauern und welche Folge er zeitigen werde. Namen und iBegriffe wie Kriegsziele. Annexionen, Re- Paratton ruhten damals noch im Schoße dunk­ler Unbekanntheit. Was wußte man über­haupt vom Krieg? Für die meisten Europäer war Krieg eine phantastische Erinnerung ge­worden, ein Ding, das langst abgetan, der Vergangenheit angehörte und von dem man niemals geglaubt hätte, daß es wieder Wirk­lichkeit werden könnte. Deutschland war um jene Zeit ein friedliches Land. Niemand wollte den Krieg. Jeder ging seinen Geschäften oder seiner Erholung nach. Keiner dachte während jenes letzten Friedensjulis daran, daß der Ort, wio er lebte, daß er selbst und die Seinen in härteste Mitleidenschaft gezogen würden und daß eine Weltenwende für Europa bevorstand. Die meisten man hatte ja noch keine Ein­berufung erhalten, der Militärpaß schlummerte in irgendeiner vergessenen Schublade be­trachteten die Ereignisse mehr mit Neugier als mit Schrecken. Man war gespannt, ob es wirklich möglich sei, daß in Europa so etwas wie ein bewaffneter Zusammenstoß Tatsache werden könne. Man gab sich dem blinden Ge­fühl hin, eS fei eigentlich ganz recht und in der Ordnung, daß dieses Serbien, das die Attentäter hervorgebracht, seine Bestrafung erleide. Eine Strafexpeditton, weiter nichts, werde es geben, so mutmaßten die meisten und waren beinahe geneigt, um deren Abwicklung zu wetten.

Das ist jetzt alles abgetan, erledigt, ver­gessen. Man schämt sich, daran zu denken. Wie ein böser Traum liegen die Ereignisse der zehn Jahre hinter uns. Aber, so wird man fragen, was hat Europa aus seinen grausigen Erfahrungen gelernt? Die Antwort muß lau­ten: Nichts! Oder so gut wie nichts. Es hat nicht einmal verstanden, Frieden zu machen. Heute, Ende Juli 1924, nachdem die Waffen längst niedergelegt sind, zerbricht man sich in London darüber die Köpfe, wie man die Rech­nung endlich abschließen könnte. Man kommt nicht zur Einigung. Man kompromisselt. An der Spitze der englischen Politik steht ein So­zialist und Pazifist, Frankreich wird von dem angeblichen Versöhnungspolitiker Herriot re­giert. Aber die alten Mächte des Krieges und der Vernichtung sind noch am Werke. Pvin - care führt die Opposition und schreibtHeh- artiEet. Er höhnt über denüppigen Schuld­ner" Deutschland, der keine Staatsschulden habe, seine Finanzen infolge unerschöpflicher Reichtumsquellen rasch wiederherstellen und die Alliierten übers Ohr hauen werde. Sn dem französischen BlattParis Soir" erklärt der bekannte lothringische Schwerindusttielle mit dem deutschen Namen Schmi d t es als ein dringendes Interesse Frankreichs, daß die Londoner Konferenz ergebnislos bleibe gF

Zwei Hauptwerke mittelrheinischer AunstinGesahr!

Wer die Vogelsbergbahn von Stockheim nach Lauterbach hinauffährt, kommt, bevor er bei Ge­dern die Schwelle des hohen Vogelsberges über­schreitet, an Hirzen Hain vorbei, das land­schaftlich reizvoll im oberen Tal der Nidder liegt, die hier seit kurzem zu einer kleinen Talsperre gestaut ist.

Allen, die dort durchfahren, wird das große Eisenwerk auffallen, das zur Seite der Bahn liegt. Wenige werden nach der alten Kirche sehen auf der anderen Seite der Bahn, und noch wenigere ahnen, welche Werte sie enthält. Sie wurde als Klosterkirche des Augustiner-Chvrherrnstiftes von Hirzenhain (Hirschenhain) um die Wende des 14. und des 15. Jahrhunderts errichtet.

Schon die wundervolle Einheitlichkeit der Raumwirkung dieser Hallenkirche nimmt den Cin- tretenden gefangen. Der künstlerische Eindruck wird noch vertieft durch die feingefühlten Formen des Maßwerkes und den reliefgeschmückten Qettner. Zwischen den Säulen des Lettners aber im Halb­dunkel enthüllt sich das letzte und größte Wunder, die überlebensgroßen Figuren einesHl. Anlo- ntuS" und einesJohannes des Täufers", beide um 1515 entstanden.

Es handelt sich hier um zwei der hervor­ragendsten Werke, nicht nur der mittelrheirrischen, sondern der spätmittelalterlichen Holzplastik über­haupt. Wer einmal vor diesen Figuren gestanden imb ihnen ins Gesicht geschaut hat, der wird die

und fehlschlage:Lieber Sanktionen als Repa­rationen!"

And wie steht es auf dem Balkan, wo vor 10 Jahren der Friede in Flammen aufging? Dort gärt es nach wie vor. Die Staaten kau­fen Gewehre. Geschütze, Tanks. Bombenflug­zeuge und rüsten. Die Skodawerke, heute eine Filiale von Schneider-Creuzot, arbeiten eben­so wie die österreichischen Staatsfabriken und Daimlerwerke Tag und Nacht für die Bewaff­nung von Polen, Rumänien und Südslawien. Die Kleine Entente bereitet sich für einen neuen Dalkankrieg vor, hinter dem drohend der zweite Weltkrieg herandroht. Der eng­lische Abgeordnete E. D. Morel hat diese furchtbare Gefahr aufgedeckt und der Anter- staatssekretär im Auswärtigen Amt, Pon- sonby, hat ihm erwidert, daß England nur warnen könne . . .

Kann England nicht mehr tun? Kann es nicht auf der Londoner Konferenz, unterstützt von den Amerikanern, dem Poincarsismus endlich ein energisches Ultimatum stellen? Oft die Erinnerung an die letzten Iulitage vor 10 Jahren nicht Warnung genug?

Kölner Messe-Pläne.

Ans wird aus Köln geschrieben: Sn stiller Ruhe mit geschlossenen Toren liegt der weite Meflekompbex: Die dritte Rheinische Literatur­und Buchwoche, die seit Pfingstsonntag unzählige Besucher anlockte, hat ihre Pforten geschlossen. Verschwunden sind die Fahnen, die Wimpel, die so lustig vom Deuher Afer herübergrühten. Köln ist wieder das alte Köln, hat augenblicklich andere Sorgen, präsentiert sich als die lebens­lustige rheinische Metropole, die Messestadt schläft. Doch nur für den flüchtigen Beschauer, der am schönen Sommeoabend unter den schat­tigen Blumen auf der Deatzer Seite lustwandelt oder im flinken Motorboot rheinabwärts flitzt. Hinter den verschlossenen Toren regen sichtau­send fleißige Hände", eine neue Messehalle wächst auf und vergrößert den vorhandenen Ausstel­lungsraum um rund 12 000 Quadratmeter: in den übrigen Hallen werden Verbesserungen getroffen; die Verkehrs- und messetechnischen Anlagen er­fahren eine llmgeftaltung, welche die Aebersicht- lichkeit der Messe wesentlich erhöht, kurz, zur kommenden Herbstmesse vom 14. bis 19. Septem­ber wird die junge Rheinländerin mit allerhand Aebervaschungen aufwarten.

Wer den Raummangel, die qualvoll fürchter­liche Enge der Eröffnungsmesse mitgemacht hat, wird diese Erweiterung freudig begrüßen, vor allem die Aussteller, die zu der ersten Messe wegen Platzmangels nicht zugelassen werden konn­ten. Den verschiedenen Branchen steht diesmal weit mehr Raum zur Verfügung, weil im Herbst die Braunkohlenmesse in Fortfall kommt und erst im Frühjahr wiederholt wird, zum Vorteil der technischen Messe; besonders Solingen mit seiner weltbekannten Stahlwarenindustrie wird als Hauptaussteller auftreten, und es ist seitens des Messeamtes eine Studienfahrt der Pressevertreter in das Gebiet der bergischen Stahlwarenindustrie geplant, um dem 3n° unb Ausland die Bedeu­tung dieser Industrie, deren wichtigster Absatz­markt die Kölner Messe ist, ihre Leistungsfähig­keit vor Augen zu führen.

Auch dem Aebennah der auf der ersten Messe geradezu unheimlich wirkendenSeh-Leute" will das Messeamt durch Einführung des Ausweis- zwanges steuern, so daß der Eintritt vorerst nur Käufern und wirklichen Interessenten gestattet sein wird; ein oft gerügter Mißstand, der den be­rechtigten Anwillen von Aussteller und Einkäufer erregte, der aber andererseits kaum verwunder­lich war, wenn man die Spannung und Erwartung von Köln, ja des gesamten Rheinlandes bedenkt, die dieser^ ersten Messe vovaufgingen. And wel­cher Kölner hätte Wohl den unverzeihlichen Vor­wurf auf sich laden wollen,seine" Messe nicht gesehen zu haben?

Das sind die vorläufigen Pläne für die Sep­tembermesse; doch wivd im August (vorn 30. Au­gust bis 7. September) voraufgehend eine große Landwirtschaftliche Messe alles das in sich vereinigen, was mit Landwirtschaft, ©arten» und Weinbau in Zusammenhang steht. Mit dieser Landwirtschaftlichen Messe wivd eine Jagd- und Forstausstellung verbunden sein, alles, was des Weidmanns Herz erfreut: Iagdtrvphäen (die ne­benbei noch prämiiert werden mit silbernen, bron­zenen Medaillen und Ehrenpreisen), Iagdaus- rüst ungen, jagd- und forstwirtschaftliche Geräte, Meßinstrumente, Wildpflege, Waldbau, Vogel­schutz, Iagdgemälde. Aussteller sind der Allge­meine Deutsche Iagdschuhverein, Weidmanns- Macht des Ausdrucks, die aus ihnen spricht, nicht vergessen.

DerJohannes" Predigt. Er ist ein Fana­tiker, der die ganze Gewalt seiner Leidenschaft für seine Sache einsetzt. Die Wucht des Kampfes und des Ringens zeigt das heftig bewegte, stark geknitterte Gewand, die eckige gewaltsame Bie­gung der Füße zueinander. Der Mund ist geöff­net; der Täufer spricht nein, mehr als das, die' Rede ist nicht allein Mittler des Gedankens, fie ist Träger des Gefühls, sie will, sie muß er­schüttern. Die fanatischen, tiefliegenden Augen des Ekstatikers sitzen hart in dem straffen Gesicht mit den hervorstehenden Backenknochen, das umwallt wird von dem prachtvoll spätgotisch bewegten Haupt- und Barthaar.

Während sich so das aktive Temperament des Täufers" nach außen entladt, gibt derAnto­nius" den mehr rezeptiven Typ des geistigen Men­schen. Gin Kops, der alles Leid der Welt gesehen, und es hinnimmt als Ausfluß des Göttlichen. Der nach innen gekehrte Blick des Mystikers spricht aus den schwimmend-glänzenden, scharf umrän­derten Augen. Die feinen Falten, die dieses Ge­sicht durchziehen, sind bleibende Zeugen seelischer Erschütterungen. Wer denRodin" von R. M. Rieke gelesen hat (denMann mit der zer­brochenen Rase"), wird verstehen, was wir hier sagen wollen.

Die Stärke des künstlerischen Temperamentes, die sich in beiden Figuren zeigt, ift dem >Grüne­walds ebenbürtig, des großen Meisters desIsen- heimer Altars". Grünewald fiel es schwer, sich der andrängenden Fülle künstlerischer Gesichte zu er»

schuh, Hubertus-Köln. Jäger, Forstmann und Na­turfreund werden gleichermaßen an dieser Aus­stellung interessiert sein.

Die AbteilungLandwirtschaft" bringt alles, was sich mit diesem Begriffe deckt, vom Saat­korn und der Beize bis zur Maschine und den unverdrossen en treuen Helfern: Pferd und Zwei­hufer. Denn es ift auch eine Tierschau vorgesehen mit Prämiierung für die beste Zucht. Der Land­wirtschaftliche Verein für Rheinpreußen hat an­läßlich dieser Ausstellung ein Preisausschreiben erlassen, das drei Entwürfe vorsieht: 1. Stall- lüftungsanlage, 2. Scheunendachkonstruktivnen, 3. Beheizung eines kleinen Bauernhauses.

DerWeinbau" endlich zeigt die Arbeit des Winzers, denSegen" des Rheins, Schädlinge der Reben und ihre Bekämpfung und eine Wein­kosthalle, welche das ebenso interessante wie er­freuliche Studium der Weine aus sämtlichen Weinbaugebieten der Rheinprovinz vermittelt und zwar die Jahrgänge 20 bis 23. Die Auswahl der Weine bestimmt der Weinbauausschuß des Land­wirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen, zuge­lassen sind nur Winzer und Winzergenossenschaf- ten. And in Köln wird wiederBetrieb" seinl __Inn.

Oberhessisches Kirchengesangvereinssest.

)( Gedern, 27. Juli.

Anter freudigster Anteilnahme unserer und vieler Nachbargemeinden fand gestern hier an­läßlich des 10. Stiftungsfestes des hiesigen Kir­chengesangvereins das Oberhefs ische Kir­chengesangsvereinsfest statt. Festlich ge­schmückte Straßen und Häuser, eine wohltuende Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Bevölke­rung und seines Festausschusses empfingen die Vereine, die um 1/211 Ahr mit der Bayn wder zu Fuß angekommen waren und sich sofort in ge­schlossenem, langem Zug unter Dorantritt der Gederner Feuerwehrkapelle zur Hauptprobe in die Kirche begaben. Von guter Schulung aller De reine zeugte die Tatsache, daß der hohe An­forderungen stellende Chordirigent. Kirchenmusik- meister Prof. Mendelssohn, die vorgeschrie- benen Massenchöre nur einmal singen zu lassen brauchte. Nach kurzer Mittagspause, in der den vielen Festteilnehmern übergenug Quartiere zur Verfügung standen, begann kurz vor 1 Ahr der Fe st g o t te s die n st. Die große Kirche war überfüllt, Pfarrer Göckel -- Hungen predigte auf Grund von Psalm 57 Vers 812 und an Hand eigener ergreifender'Erlebnisse als Feldgeistlicher über die Entstehung und Bedeutung des evan­gelischen Kirchenliedes für unsere Zeit und un­sere Nöte. Wuchtig klangen die verschiedenen Massenchöre der 500 Sänger und Sängerinnen der 10 geladenen Vereine, am schönsten gelangen wohl die beiden ChöreWach auf meines Her­zens Schöne" und vor allemLob Gott getrost mit Singen", erhebend der Gesang der großen Ge­meinde, frohlockend und dankend die Schriftworte des Ortsgei st lichen, der den Altardienst versah, und jubilierend die Töne der freilich zu alten und für solche Kirche und Feier völlig ungenügenden Orgel, an der Pfarrer Stumpf- Eschenrod den Dienst versah. Nach einer sehr kurzen Kaffeepause stellte sich um 3 Ahr der Festzug am Bahnhof auf und bewegte sich unter Voran tritt der Schulkinder, der Kapelle und Spielleute und der Ehrengäste durch die Straßen Gederns nach dem herrlich gelegenen Schloßpark zu einer Nachfeier, die von vielen Tausen­den besucht war und durch ein Musikstück und einen Massenchor der Vereine eröffnet wurde. Der verdienstvolle Ortsgeistliche und Leiter des Orts Vereins, Hof Prediger

Widmann, begrüßte sodann mit weithin schal­lender Stimme die Festversammlung, die erschie­nenen Vereine und die Ehrengäste, darunter be­sonders den Prälat der Hess. Landeskirche, D. Dr. Diehl, den Vertreter des Kreisamts Re­gierungsrat Dr. Weber , den Bürgermeister der Stadt mit seinem Gemeinderat, Prof. Men­delssohn und Oberreallehrer We ide -Darm­stadt als Vertreter des Hess. Hauptvereins. In­folge eines aufziehenden Gewitters mit schwerem Platzregen mußte nach einer prachtvollen Dar­bietung des Vilbeler Kirchengesangvereins die Nachversammlung in. die Kirche verlegt werden. Hier begrüßte Prälat D. Dr. Diehl mit herzlichen Worten die Versammlung und führte in bedeutsamen geschichtlichen Aussührun- §en den Vereinen ihre wahre Aufgabe im Dienst er Kirche und des Volkes vor Augen, Mitpredi­ger und Mithelfer bei dem großen Werke der Kirche zu sein. Bürgermeister Müll er sprach im Namen der Gemeinde, Oberrsallehrer Weide für den Hauptvorstand, Dekan Vvlp - Laubach für das Dekanat, Pfarrer Göbel- Büdingen für die Vereine und den Evang. Bund, dessen Einladung er für den 7. September zum Landes­fest nach Büdingen überbrachte. Dazwischen er­klangen die Cinzelchöre der Vereine Altenstadt,

wehren, die auf ihn einstürmten, und sie in Form zu fassen. Hafer Meister dagegen konzentrierte als Plastiker diese sich dort ausbreitenhe Energie mehr und brachte sie im einzelnen zum Ausdruck.

Sollen Werke von solch' hervor­ragender Qualität unter gehen? Sie müssen es unfehlbar innerhalb der nächsten Jahre, wenn sie nicht schleunigst vor der Vernichtung durch den Holzwurm geschützt werden, der in ihnen toütet. Wir sahen die Figuren vor einem Jahre und sahen sie vor ein paar Tagen wieder. Es war erschreckend zu sehen, welche Fortschritte die Zerstörung innerhalb dieser kurzen Zeit ge­macht hatte. Die Hausen von Holzmehl am Fuße der Figuren und die tiefen Locher an vielen Stel­len, an denen voriges Jahr noch nichts zu sehen war, sind die äußerlich auf den ersten Blick hin auffallenden Zeichen. Man sollte doch meinen, daß es bet dem heutigen Stande der Museums- technlk nicht schwer fallen dürste, diese Meister­werke vor der Vernichtung zu schützen und so einer der am feinsten durchgebildetsten alten Kirchen unseres Oberhessens ihren schönsten Schmuck zu erhalten. Wir sind heute doch wirklich arm genug an Gegenwartswerten, daß uns geistige und kul­turelle Vergangenheitswerte, die uns noch zu­gänglich stick», nicht auch noch verloren gehen Dürfen. H. O. D.

Kunst und Wissenschaft.

Die Tagung der Deutschen Den - drvlo gischen Gesellschaft findet heuer vom 4.Ä. Qbiguft in Münster (Wests.) statt. Vor­träge sind u. a. bis jetzt angemeldet von Pros.

Oberau, Büdingen, Ortenberg, Wallernhausen, dessen starke Männerstimmen besonders angenehm aufsielen, Oberseemen, Herchenhain, Mädchenchoi Brauerschwend und Gedern, deren Darbietungen von emsiger Arbeit der Dirigenten und viel Liebe der Mitglieder für das geistliche weltliche Lied zeugten. Auch der unter Leitung von Lehrer Heuhsel stehende Schülerchor bot in seinem LiedFrühmorgens, wenn die Hähne krähn" eine besonders prachtvolle Leistung. Am V27 Ahr konnte der Leiter des Festes die erhebende Nach- versammlung mit nochmaligen kurzen Dankes- Worten an alle schließen.

Durch die vorzügliche Vorbereitung, die hin­gebende Arbeit aller Beteiligten, durch die wun­derbare Wirkung des gcsproch.nen und gesungenen Wortes und durch die erhebende, sruchtverhei- ßende Massenbeteiligung der Gemeindeglieder ist das Fest zu dem geworden, was es fein sollte nämlich eine Dankfeier zum 400jähr. Gedächtnis an die Entstehung des deutschen evangelischen Ge­sangbuches im Jahre 1524.

Turnen, Sport und Spiel.

Reichsjttgcndabzeichcn und Lcistungsbuch.

Der Deutsche Reichsausschuh für Leibesübun­gen wird demnächst das so vielfach geforderte Reichsjugendabzeichen ins Leben rufen, wenn die Anterrichtsbehörden der einzelnen Län­der keine Bedenken dagegen geltend machen. Die Auszeichnung ist selbstverständlich eine rein pri­vate, aber trotzdem will der D.R.A. die Einrich­tung nicht vornehmen, ohne auch die maßgebenden Landesbehörden gehört zu haben. Gleichzeitig hat der D.R.A. einL e i st u n g s b u ch durchs Leben" borbereitet, worin die Leistungen in den wichtigsten Hebungen, sportliche Wettkampferfolge und dgl. mehr für eine Dauer von 15 fahren verzeichnet werden können. Es wird vielleicht noch einmal so kommen, daß man sich in Deutschland bei den Behörden ober bei Bewerbungen durch sein sportlichesLeistungsbuch durchs Geben übet feine Person ausweisen kann oder empfiehlt.

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Deutsche Schwimmer in Dänemark siegreich.

Kopenhagen, 28. Juli. (WB.) Beim heu­tigen Wettschwimmen siegte Arno Borg im Schwimmen über 1000 Meter. Dritter Mann war Heinrich (Deutschland), vierter Grvpper (Deutschland). Im Brustschwimmen über 100C Meter siegte Rademacher (Deutschland). Im Abteilungsschwimmen für Herren siegte Deutschland überlegen über eine Anzahl dä­nischer Abteilungen. Im Rückenschwimmen über 500 Meter siegte Rademacher (Deutschland). Auch im Wasserpolo waren die Deutschen mit 7:0 gegen die Kopenhagener Mannschaft siegreich.

Wirtschaft.

Das Warenlombardgeschäft der Reichsbank.

(WTD.) Der Zentralverband des deutschen Großhandels hat in der Tagespresse den Inhalt eines ihm seitens der Reichsbank zugegange- nen Schreibens veröffentlicht, das ein Verzeich­nis der im Lvmbardverkehr der R e i chS- 5a n I beleihbaren Waren enthält. Das Reichsbankdirektvrium teilt uns dazu mit, daß es sich hierbei um ein Verzeichnis han­delt, das ohne fein Dvrteissen im Du- reautoege dem Zentral verband des deutschen Groß­handels zugegangen ist. Das Verzeichnis ent­hält eine Reihe von Waren, die zwar bei normalen Wirtschaftsverhältnissen in Einzel­fällen bei der Reichsbunk zur Beleihung

in der Reifenfabrikation war die Einführung des Cordgewebes; Cordreifen sind geschmeidiger, schneller und haltbarer als solche aus veraltetem Vollgewebe. Der

Dr. Höfker-Dortmund:Verhalten der Gehölze gegenüber den Einflüssen der Industriebezirke", Dr. Fritz Graf t. Schwerin:Heber die Möglich­keit der Verwachsung verschiedener Gehölzarten" und Garteninspektor Glogau-Geisenheim:Heber die Winterhärte immergrüner Geholze und ihre Verwendungsmöglichkeiten im Park und Garten". Außer der Besichtigung von Münster sind Aus­flüge nach Koburg, Burgsteinfurt, Coesfeld und Velen, Dülmen und Beidern, Luxemburg und Do- rentfe geplant, wo überall die herrschaftlichen Parks unter sachverständiger Führung besucht werden.

Die Kant-Gesells cha f t wird ab 1. Ja­nuar 1925 als Ergänzung zu den Kant-Studien, die nach wie vor den Sammelpunkt größerer wissenschaftlicher Abhandlungen bilden,Philo­sophische Monatshefte der Kant-Studien" ohne besondere Berechnung für die Mitglieder, heraus­geben. Diese Monatshefte werden das ständig wachsende Bedürfnis weiterer Kreise nach schnel­ler und fachmännischer Orientierung über aktuelle Fragen des Geisteslebens, besonders der Philo­sophie, durch kurze, allgemeinverständliche Auf­sätze befriedigen und gleichzeitig alle Neuerschei­nungen der Bücher- und Zeitschriftenliteratur auf dem Gebiete der Philosophie und der geistigen Kultur rasch und möglichst vollständig besprechen. Mit der Schriftleitung wurden die Herren Dr. Viktor Engelhardt und Dr. Johannes Lochner beauftragt. Die Zeitschrift erscheint ftn Pan-Ver­lag, CharlottenburH 2.