Ausgabe 
30.6.1924
 
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schwerkriegSbeschädigte, am Ruhrkamps beteiligte I gründet einen Antrag, der die Aufwertung vor Eisenbahner, abgebaut habe. (Hört, hört!) Der allem für Kleinrentner, Kriegsanlerhezeichner und

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dem An-

beantragt, 28 Mit. der Auf.

langen vor.

Abg. Feder (Ratsoz.): Wir halten die Auf- ioertungsvorschriften der dritten Steuernotverord­nung für ein unerhörtes Anrecht. Grundsätzlich müsse eine lOOprozenttge Aufwertung durchgeführt werden.

Abg. Dernburg (Dem.) weist darauf hin. das) die melften Opfer der Geldentwertung ohne jede eigene Schuld ihr Eigentum verloren hätten. Die traurige wirtschaftliche Entwicklung lasse srch nicht mit einem Gesetz umkehren. Die Aufwertungs- Vorschrift der dritten Steuernotverordnung habe die Lösung des Problems nur erschwert.

Abg. Dr. Emminger (Bahr. Dp.) bezeich­net die Aufwertung als eine Forderung des pri­mitivsten Gerechtigkeitsgefühls. Der Redner be-

solche Gläubiger verlangt, deren Guthaben durch gesetzlichen Zwang mündelsicher angelegt werden

Redner schließt mit dem Wunsche, daß Frank­reich nunmehr auch die Unterstützung der Separa-

^bg. Fehrenbach (Z.) stimmt _____ ....

trotz auf Einsetzung eine^ besonderen Ausschusses zu wird behalt sich die sachliche Stellungnahme zur Aufwertungsfrage für die Ausschuhverhand-

Abg. Stinnes als unfair zurück. Er die Einsetzung eines Ausschusses von gliedern, der unverzüglich die Lösung wettungsfrage in Angriff nimmt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Juni 1924.

Das Schwimmen.

Reben dem Turnen, das den gcui^en Körper harmonisch durcharbeitet und durchbildet, gibt es kein System der Leibespflege, das in gleicher Weise ertüchtigt und kräftigt wie das S ch w i m - men. Wenn man die rein gesundheitliche Wir­kung betrachtet, muß man sogar sagen, daß das Schwimmen von allen Leibesübungen an erster Stelle steht; kommt doch hier zu Luft, Licht und Bewegung noch ein weiterer Heilfaktor, das Wasser.

Schwimmen befördert die Tätigkeit des Blut- kreislaufes und regt 'hervorragend zu neuer Blut- bildung an. Schwimmen bewirkt eine gründliche Hautreinigung, deren Bedeutung für die Gesund­heit Wohl nicht erst näher ausgeführt zu werden braucht. Schwimmen kräftigt die Muskeln, ins­besondere die wichtigen Bauchmuskeln. Schwim­men "heilt und stählt das Rervensystem und er­zieht außerdem, wenn man es sportmäßig be­treibt. zu all den geistigen und sittlichen Eigen­schaften, welche die Begleiterscheinungen jeden vernünftig betriebenen Sports bilden. Schwim­men kräftigt aber in allererster Linie die Lungen durch die mit ihm zwangläufig verbundene Atem­gymnastik. Schwimmen dehnt den Brustkorb und stärkt damit auch den Herzmuskel. Ramentlich ein kühles Schwimmbad ist von ausgezeichnetem Ein­fluß. aus eine gesunde und kräftige Entwicklung des Herzens. Diese Einwirkung ist besonders grob in der Zeit des Wachstums zwischen dem 13. und 20. Lebensjähr.

Oft es nach Aufzählung dieser unbestreitbaren Vorteile des Schwimmens also nicht eine selbst­verständliche Forderung, daß. jeder Mensch, wie er lausen lernt so auch schwimmen ler­nen muh? Jahr für Jahr ertrinken in Deutsch­land 810 000 Personen, die meisten, weil sie des Schwimmens unkundig waren. And weiter haben die Feststellungen ergeben daß, den größten Prozentsatz der Ertrunkenen die Jugendlichen bilden. Man rechne sich nur einmal den unge­heuren wirtschaftlichen Schaden aus, den ein Volk durch den Ausfall so vieler arbeitskräftiger Men­schen erleidet, ganz abgesehen von dem unend­lichen Leid, das durch, solch gewaltsamen Tod in Tausende Don Familien getragen wird. Was be­deuten da gegenüber dem hohen gesundheitlichen Ruhen des Schwimmens, gegenüber dem gar nicht meßbar hohen Schaden der durch. Richtschwimmen- tönnen herbeigeführten Verluste die bureaukra- tischen und finanziellen Bedenken, die gegen die zwangsmästige Erteilung des Schwimmunterrichts an unsere gesamte männliche und weibliche Jugend immer wieder erhoben werden? Es ist hier leider wie bei der Forderung nach der täglichen Turnstunde: viel schöne Worte, viel schöne Erlasse von Ministerien und anderen Behörden; aber es geschieht nichts oder wenig. Erfreulicherweise haben in neuerer Zeit eine Reihe von großen städtischen Gemein­wesen den Schwimmunterricht als Pflichtfach an ihren Schulen eingerichtet: andere sorgen wenig­stens für Förderung des Schwimmunterrichts durch Einrichtung von Kursen und Anterstuhung

mußten. .....

Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Dgg.) verlangt, daß sich die Aufwertung nicht nur aus die Hypo­theken, sondern auch auf ihr Objekt, das Haus, beziehen müsse. Auch der Wert der Häuser fei durch die Zwangswirtschaft zerstört worden. Der Hausbesitz könne die Zinsen der ausgewerteten Hypotheken nur dann zahlen, wenn die 'Vertrags^ freiheit im Wohnungswesen wieder hergestellt wird.

Damit schließt die Aussprache. Angenommen wird der Antrag auf Einsetzung eines Sonderausschusses von 28 Mitgliedern zur Prüfung der Aufwertungssrage. An diesen Aus­schuß gehen die vorliegenden Anträge.

Abg. Graf Reventlow beantragt die Anberaumung einer neuen Sitzung, in der noch heute zu der Antwort auf d i e Militar- kontrollnote Stellung genommen werden soll. Er spricht dabei von der sogenannten Re­gierung und erklärt, wir hätten jetzt gar keine deutsche Regierung, sondern nur ein ausführendes Organ des inlernationalen Kapitals. Bei diesen Worten entsteht große Anruhe im Saale. Diele Abgeordnete rufen:Zur Ordnung!"

Abg. Katz unterstützt den Antrag Revent­low und verlangt auch die Besprechung der Affalre in der russischen Handelsdelegation. Er erhält einen Ordnungsruf, weil er von den Re­gierungskulis gesprochen hat.

Abg. v. Gusrard (Z.) bezweifelt die Be­schlußfähigkeit des Hauses. Dadurch erreicht die schwach besetzte Sitzung um 3/<7 Ahr ein Ende. Der Präsident wird Termin und Tagesordnung der nächsten Sitzung bestimmen.

listen einstellen möge.

Minister Dr. Hoefle

schließt sich im Ramen der Regierung dem Dank an die Bevölkerung des besetzten Gebietes an; er dankt auch besonders dem Roten Kreuz für seine getreue Mitarbeit. Er teilt dann mtt, daß General Degoutte verfügt habe,

daß die auS dem besetzten Gebiet Ausgewiese­nen, deren Zahl 142 000 beträgt, sämtlich zu- rückkehren können mit Ausnahme von 75 na­mentlich Aufgeführten, meist höheren Be­amten.

Der Minister betont die Schwierigkeiten, die sich einer aus.eichenden Hilfeleistung des Rerches für die Devöllerung des besetzten Gebietes entgegen­stellen. Er geht dann auf die einzelnen Maß-- nähmen der Regierung ein und spricht die Er­wartung aus, daß nach dem Abbau der Regie und der Besetzung schneller und wirksamer als bisher die Schäden ausgeglichen werden können. Er begrüßt die Einsetzung des Sonderausschusses und erhofft von ihm ein gedeihliches Zusammen­arbeiten mit der Regierung zum Besten der be­setzten Gebiete. (Beifall.)

Abg. Kalle (D.Dpt.) dankt den Rhein­ländern für ihr treues Ausharren trotz Willkür und Drangsalierung. Jetzt müsse dem Recht der Weg gebahnt werden, damit das Rheinland vor neuen Sanktionen bewahrt bleibe.

Abg. v. Ramin (Rat.-soz.) bezeichnet es als eine Schande, daß Deutschland sich die unerhörten Defangenenmißhandlungen immer wieder gefallen lasse.

Abg. Dahevsdoerfser (Bayer.Dpt.) be­klagt die bureaukratische Einstellung der Behörden zu den Leiden der Bevölkerung des besetzten Ge­bietes.

Damit schließt die Aussprache. Die Anträge werden dem neugebUbeten S onderauss chuß für das besetzte Gebiet überwiesen.

Oßne Debatte werden dann die Der träge mit Estland und Litauen in dritter Lesung endgültig angenommen.

Hierauf folgt die gemeinsame Beratung der

Anträge zur AufwertungLfrage,

hx denen die Aenderung oder Aufhebung der dritten S te u e r n o t ve r or d n u n g verlangt wird.

Abg. Hergt (D.-R.) begründet einen An­trag auf Aushebung der dritten Steuernotver- vrdnuNg. Die Sachverständigen betrachteten die inneren Schulden Deutschlandss als getilgt durch die Entwertung. Darum glaubten sie Deutschland so stark belasten zu können. Seine Partei beantrage die Aufhebung der 3. Steuernotverördnung und für den 1. August ein neues Gesetz, das eine gerechte Lösung der Auftvertungsfrage bringe.

Abg. Dr. Hertz (Soz.) richtet an die Deutsch­nationalen die Frage, warum sie denn nicht die von den Derbänden der Inflationsgeschädigten längst ausgearbeiteten Gesetzentwürfe als Antrag übernommen haben. Der Redner begründet den sozialdemokratischen Antrag wonach die in der Steuernotve.ordnung enthaltene Mietsteuer sowie ihr Ertrag zur Förderung des Wohnungsbaues verwendet wird, durch eine Wohnungsbauabgabe in Höhe von 10 Prey. der Friedensmiete ersetzt werden soll.

Abg. H ö klein (Komm.) bezeichnet die On- flativnsperiode als einen beispiellosen Raubzug der Großkapitalisten gegen das arbeitende Volk und den Mittelstand. Stinnes habe betoußt den Sturz der Mark bet beigeführt und seinen Raub so geschickt untergebracht, daß das Reich bei seinem Ableben von dem ungeheuren, dem Volke ge­raubtem Vermögen nicht einmal Erbschaftssteuer erhalten habe.

Abg. Dr. Düringer (D. Vp.) weist die Angriffe des Vorredners gegen den verstorbenen

AusstellungKrantfurter Künstler" int «unstoerein.

Diese Ausstellung zeigt wieder einmal mit erschreckender Deutlichkeit das Regative, Anschöp- serische unserer heutigen Kunst, das im letzten Grunde auf dem Mangel an Persönlichkeit beruht, der allmählich zu einem Kriterium (nicht nur der Kunst) der Zeit, die wir miterleben, zu werden scheint. Da wir also den Maßstab der absoluten Persönlichkeit nicht anlegen können, begnügen wir uns mit dem der relativen, der die einzige Mög­lichkeit gibt, hier überhaupt kritisch zu werten.

Entschieden das stärkste Talent zeigen die Sachen von Julius Bogel. Seine zwei stili­sierten Landschaften.Höhenblick" undTraum­land", sind bewußt persönlich gestaltet. Der Künst­ler seht bei beiden den Hauptteil des Bildes aus mosaikartig nebeneinandergesetzten Farbenflächen zusammen, die durch den im wesentlichen ein­farbigen Hintergrund Aufamrnengefaßt werden. Bei beiden führt eine stark bewegte Schlangen­linie, in die Tiefe die das Chaotisch-Bewegte, das Hauptmotiv der Bilder, in reiner Abstraktion vor Augen führt. Das eigentliche Wollen und die Grenzen des Künstlers kommen deutlich in der unorganischen Art zum Ausdruck, wie der Hin­tergrund gleichsam als Abschlußwand die Be­wegung des Hauptteiles gewaltsam stoppt. Far­big-dekorativ sind beide Bilder gut.

Dasselbe gilt von all seinen übrigen ausge­stellten Werken. Sic lassen sich in zwei Gruppen leMen: Biblische Stoffe, die in gewissem tnnne

literarisch-illustrativ gebunden sind, und reine Figurenkompositionen. Zunächst die erste Gruppe: Auch bei derAnbetung" ist die Masse noch im Fluß. Hier fallen die harten, starken Farbkontraste besonders auf. Das Wollen des Künstlers bricht elementar durch in der Komposition des Kreises der Hirten und Engel um das hl. Paar, der dop­pelt gebrochen wird durchs das von oben kommende himmlische Licht, das nicht ganz glücklich fast das ganze Bild durchschneidet. Unbefiizbigenb und fast oberflächlich ist die Anlage des BildesChristus und die Frauen", sowohl in der Gesamtheit wie in den Einzelheiten. Es fehlt hier jeder innere Zusammenhang zwischen den einzelnen Gruppen. Typisch dafür ist die äußerliche, primitive Art wie allein durch die Blickrichtung der Engel auf die Gruppe unten die Verbindung zwischen beiden hergestellt wird. Gleichfalls nicht sehr stark ist die Kohlezeichnung derBeweinung". Auch hier wie­der das Beschränken quf die äußerlichsten Mittel. Wir ipachen, als charakteristisch für die Art des Künstlers nur darauf aufmerksam, wie hier durch den Felsblock im Hintergrund einerseits die ein­zelnen Figuren zusammengefaßt werden, und an­dererseits das Lastende der Trauer symbolisiert wird.

Zur zweiten Gruppe leitet dasMysterium der Liebe über, das gewisse äußerliche Anklänge an Munch zeigt. Auch hier finden wir wieder die äußerliche Zusammenfassung der zwei Figuren, ebenso fehlt auch wieder der letzte Gesühlsaus» druck. Wenn wir nun den Kreis schließen, freuen wir uns, noch ein paar gute Sachen nennen za können. Farbig glänzend sind »Die Fischer". DaS

der Schwimmvereine. Es soll anerkannt werden, daß dies einen erfreulichen Schritt nach vorwärts bedeutet. Es soll auf der anderen Seite auch nicht einfach weggeleugnet werden, daß an zahlreichen Orten, wo es an Schwimmgelegenheit in freier Landschaft fehlt und Hallenbäder nur ungenügend zur Verfügung stehen, die Schwierigkeiten der Einführung eines obligatorischen Schwimmunter­richts besonders groß sind. DaS alles darf aber nicht davon abschrecken, dem .Ziel, daß jeder deutsche Qlta n n und jede deutsche Frau schwimmkundig sein müssen, mit allen Kräften zuzustreben. Werbewochen müssen der Bevölkerung den Rutzen und die Rotwendig­keit des Schwimmens immer wieder vor Augen führen. Die Behörden, namentlich die Schulbe­hörden, dürfen nichts unterlassen, die Elternschaft auszuklären und darauf hinzuweisen, daß Schwimmen eine Volkspflicht ist.

Die Elektrische hatte gestern einen ausgezeichneten Detriebseröffnungstag. Schon in den ersten Stunden ihres Wiedererscheinens hatte sie allerlei Zuspruch, in den Rachmittags- und Abendstunden aber gab es Massenverkehr, der sich hauptsächlich zum bzw. vom Trieb abwickelte, wo die kraftfahrsportlichen Veranstaltungen der Hauptanziehungspunkt waren, während aber auch vielfach die dortige Haltestelle zum Ausgangs- bzw. Endpunkt von Spaziergängen gewählt wurde. Bei dieser Gelegenheit konnte man sehr häufig Aeußerungen der Genugtuung darüber hören, daß die Dahn nun wieder fährt, und aus ihnen konnte man erst in vollem Umfange erkennen, w i e sehr die Bürgerschaft dieses Verkehrsmittel doch vermißt 'hat. Run, da sie es wieder besitzt, muß sie es aber auch eifrig benutzen, damit der städ­tische Zuschuß im Interesse des Ganzen möglichst niedrig gehalten wird. Uebrigens wollen wir bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß die liebe Bahn in punkto Fahrpreis doch nicht so duckmäuserig ist, wie am Samstag hier' zu lesen war. Sie hat die Höhe des Fahrpreises der Oefsentlichleit am Samstag vor der Detriebsauf- na'hme nicht verschwiegen; sie nimmt für die Kurzstrecke 15 Pfg., für eine große Fahrt 20 Pfg., also Beträge, die man schon ertragen kann. Von diese Reuigkeit hatte uns der hinterhältige Setzer­lehrling, der uns häufig auch mit Rachrichtenstoff aus den Bürstenabzügen der Annoncen versorgt, am Samstag ausnahmsweise mal nichts mit- geteilt. Wir selbst sähen den Salat erst, als uns Vie serttggevruckte Samstag-Zeitung auf den Tisch gelegt wurde, und da wars so gerade d i e Zeit, wo wir das angestellte Malheur nicht mehr gulmachen konnten. s

** Eine oberhessische Tagung für evang. kirchliche Jugendarbeit wird von heute bis Mittwoch in unserer Stadt abgehalten. Der erste Vortrag findet heute abend in der Stadtkirche statt. Landesjugend­pfarrer Zentgraf spricht über ein sehr zeit­gemäßes Thema. Alle evangelischen Ge° meindemitglieder sind dazu willkommen. Räße­res im Anzeigenteil unserer SamStag-Rum- mer.

** F ahrplanänderung auf der Strecke Ridda Schotten. Dom 1. Juli 1924 ab treten auf der Strecke RiddaSchotten folgende Fahrplanänderungen ein: Zug 4183 (S), Ridda ab 9.35, Schotten an 10.16 vm. verkehrt täglich, die Züge 8965 (W) und 8966 (W), Ridda ab 9.28, Schotten an 11.09 vm., ab 12.30, Ridda an 2.02 nm. fallen aus. An Werktagen wird folgender Zug, 4186 (W), Schotten ab 12.55, Ridda an 1.39 nm., neu eingelegt.

Dornott;cn.

Tageskalender für Montag. Rundfunkhaus, Löberstraße: Rezitativnsabend Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Golibri". Asto- ria-Lichtspiele:Die Qltagßarenfürftin. Palast­lichtspiele: nachrn. 4 älhr Bismarcks ilm, abends 8 -Uhr Gesangskonzert.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der morgige Tanzabend von Hanne Lore Ziegler wird dadurch noch ein besonderes Gepräge erhalten, daß in Herrn Joses Streif feier von Köln ein Pianist von hervorragenden Qualitäten zur Begleitung der Künstlerin gewonnen worden ist. Herr Streisseler wird die älmkleidepausen des Gastes durch wohlangepaßte Vorträge auf dem Flügel ausfül­len, wie er das bereits in Bonn und Aachen mit geradezu außerordentlichem Erfolge getan hat, so daß das Tanzgastspiel sich zugleich als interessenter Konzertabend darstellt.

Landkreis Gietzen.

* Klein-Linden, 29. Juni. Unter sehr starker Beteiligung feierte heute der hiesige Po­saunenchor sein siebzigjähriges Be­stehen. Zweihundert Musiker aus 12 auswärti­gen Posaunenchören hatten sich eingefunden, um die Jubelfeier des ältesten Drudervereins ver­schönern zu helfen. Selbst aus dem entlegenen Vogelsberg waren Bläser erschienen. Unter den

Energische Angespannte, der Anstrengung des Reheinziehens kommt gut in der Gestaltung der Bewegung der Figuren heraus. Gut ist auch die unterschiedliche Gestaltung des Lebensgrfühles weiblicher und männlicher Jugend in derJugend am Strande" und denBadenden".

Die ausgestellten Werke Bogels zeigen, als Ganzes betrachtet daß für ihn, wenn er sich,, frei vom Literarisch-Illustrativen, auf das rem Landschaftliche und auf das rein Figürliche be­schränken wollte, die Möglichkeit einer Synthese in Zukunft nicht ausgeschlossen ist, und somit aus dem Chaos ein. Kosmos werden kann.

Die übrigen ausgestellten Werke bleiben meist im Konventionellen stecken. Eine gewisse Aus­nahme machen die symmetrisch und zentral kom­ponierten beiden Landschaften von Weber-Scheid, die abstrakt ihr Thema symbolisieren. Lino Salini ist mit Porträts, Karikaturen und einerItalie­nischen Landschaft" vertreten, die starke Thoma- Anklänge zeigt. Seine Porträts beschränken sich meist auf das Objektive, d. h. die Darstellung des Menschlich-Wesentlichen der dargestellten Persön­lichkeit, ohne besondere malerische Eigenwerte zu geben, was wohl aus der Anlage Salinis zum Karikaturzeichnen zu erklären ist, der man in einer ganzen Anzahl von Blättern nachgehen kann. Karl Mergell gibt herkömmlich au(gefaßte Ra­dierungen, Landschaften und Stilleben. Ebenso gehen die beiden Sachen von Gust. Schrägte nicht über den Durchschnitt hinaus, ebensowenig wie dis Radierungen von E. Quirin. Paul Kratz und Kraumann sind mit kunstgewerblich aufgefaßten Kleinplastiken vertreten H. O. D.

Gästen befand sich auch der Evgl. Arbeiterverein aus Gießen. Das Fest fand im nahegelegenen Walde statt. Der große Massenchor der Bläser eröffnete unter Leitung des Dirigenten Ioh. Ger­mer den FestgotteSdienst durch dieHymne" von Chr. Fr. Schneider. Pfarrer Ackermann sprach namens der Gemeinde und des Bereins herzlichste Degrußungsworte . Chöre des hiesigen Kirchenchors und Gesänge der Gemeinde mit Be­gleitung des Bläserchors wechselten ab. Die Fest­predigt hatte Pfarrer Germer, ein geborener Klein-Lindener, übernommen. Missionsinspektor Weishaupt aus Leipzig sprach über Heiden- mission und gab der Hoffnung Ausdruck, baß die deutschen Missionare bald wieder zur Missions­tätigkeit bei den Heiden zu gelassen werden möchten. Pfarrer Ackermann erteilte der Gemeinde den Segen, und der Posaunenchor schloß die Feier mit dem gewaltig schallenden ChorIsrael, hoffe auf den Herrn", ilm 2i/2 Ühr wurde ein Festzug aufgestellt, der sich durch das Dorf nach dem Wald« bewegte. Hier hatte sich eine riesige Menschen­menge aus der gesamten Rachbarschaft eingefun­den, so daß die Sitzgelegenheiten bei weitem nicht ausreichten. Pfr. P o t s ch a r aus Ebsdorf war der Prediger der Rachmittagsfeier. Missions­inspektor W e i s h a u p t ermahnte die Gemeinde zur ilnterftüßung der Heiden-Mission, Stifts- Dechant Lenz aus Lich, ein Klein-Lindener Kind, schilderte Werdegang und Wirksamkeit des Jubel- Vereins. Im Auftrag der obersten Kirchenbehörde und in Verhinderung des Superintendenten Dr. Petersen - Daimistadt überbrachte Psr. Groth- Rödgen als Vertreter des Dekanates Glückwünsche. Der Massenchor der Bläser schloß das schön ver­laufene Fest mit dem MusikstückGib Frieden, Herr, gib Frie "'n von Reinecke. -QUit beiden Gottesdiensten eine Kollekte für die Heiden- Mission verbun n, die einen namhaften Betrag ergab. Der Posaunenchor und Missionsverein wurde 1854 gegründet, ist also der älteste Po­saunenchor und Missionsverein des Hessenlandes. Rach seinem Vorbild haben sich im Laufe der Jahve in Oberhessen und in den benachbarten preußischen Gebieten zahlreiche Po­saun enchö re gebildet.

Kreis Schotten.

Laubach, 27. Juni. Heute mittag ver- unglürfte der Knecht des hiesigen Maurer­meisters Fritz Rühl Louis D ie tz aus Alten- Hain, anfangs der 40er Jahre stehend, auf der Staatsstraße Schotten-Laubach unw.it der Brücke des Schellenbachs. Gr fiel vom Brette oberhalb der Deichsel eines belaßenen Heuwagens. Der Rumpf wurde durch das Rad völlig in zwei Teile geschnitten.

Starkenburg und Rheinhessen.

* i® o r m fl a b t, 29. Juni. In den Tagen vom 28. Ouni bis 2. Juli findet hier ein großes Trachtenfest statt. Den Höhepunkt bedeutete Wohlsein Trachtenzug, der sich heute mittag durch die Hauptstraßen der Stadt bewegte. Man sah hauptsächlich oberbayerische Trachten, aber auch schwä'-zwälder und oberhessische. An dem älmzug beteiligten sich u. a. Gebirgstrachten-Erhaltungs­vereine aus Oberhessen, Mainz, Worms, Mannheim, iLudwigshchen, Frankenthal, Kaisers­lautern und Speyer. Das Fest brachte Tausende von Besuchern nach Darmstadt, so daß die Dahn- Verwaltung Sonderzüge zur Bewältigung des Verkehrs einlegen mußte. Auf dem Festplotz wer­den historische und Volkstänze von verschiedenen Tiachtenvereinen vorgeführt. Im nächsten Jahre soll Hier wieder ein Trachtenfest stattfinden, aus dem alle Volkstrachten des deutschen Sprach­gebietes gezeigt werden. Im Vorort Eber- st a d t ereignete sich während der letzten G e meinderatssihung ein seltsamer Vorfall. Ein 21 jähriger ©bemann legte unter Wut­geschrei einen Säugling aufdenTisch des Sitzungssaales und verschwand wieder. Der Schuhmann im Rathaus muß'e das schi-eiende Kind aus dem Saale tragen. Der junge Ehemann hatte nicht die freigewordene Mietwoh­nung im elterlichen Hause erhalten, da vom Kreisamt ein anderer Mieter einquartiert worden war. Der Gemeinderat sollte nun das Kind nehmen, weil er in der Wohnung, die er mit seinen Eltern schon seit einem Jahr teilt, keinen Platz mehr hätte. Der Gemeinderat war ob der plötzlichenVaterschaft" vollständig aus der Fas­sung geraten. Er war dann schließlich doch der Auffassung, daß er auf die vom Kreisamt verfügte Maßnahme keinen Einfluß hat. Das Kind wurde später wieder von der Mutter vom Rathaus ab­geholt. t

Hessen-Nassau. i

Hanau, 28. Juni. (WTB.) Am Don­nerstag nachmittag wurden am Main am rechten Ufer in der Nähe der Kesselstädter Badeanstalt zwei weibliche auSge» wachsens Kindesleichen, anscheinend Zwillinge, gefunden. Die Leichen waren in ein altes Tuch eingewickelt und mit je 8 Pfund schweren Hanteln beschwert, sowie mit isolier­tem Kupferdraht zusammengebunden.

Die Karte eines römischen Legionärs.

Ein überaus interessantes Fundstück, das bei den letzten Grabungen zu Salihiyehd in der Rähe von Damaskus entdeckt wurde, war der Gegen­stand eines Vortrages, den der französische Ar­chäologe Franz Cumont in der Pariser Akademie der Inschriften hielt. Es handelt sich um den Teil eines Schildes, auf dessen Lederbespannung eine Karte aufgemalt war, wie sie die römischen Legionäre zu ihrer besseren Orientierung mit sich führten. Der Schild gehörte einem Bogenschützen aus dem 3. Jahrhundert. Aus der Karte ist das Meer blau gemalt, Schiffe sind darauf angebeutet; das Land ist rot gegeben mit blau eingezeichneten Flüssen. Auf der Karte sind in Griechisch die verschiedenen Stationen ausgezeichnet, an denen die Legionen auf ihren Märschen Haltmachen sollten, und die Entfernungen sind in Meilen babei angemerkt. Die Route Beginnt mit dem Abmarsch von Odessas, dem heutigen Varna und geht dann über Callatis (Mangalia) und Toni (Konstanza) nach der Donau und dann quer durch Bessarabien und Südrußland nach Heraclea Cher- sonesus (Sewastopol) in der Krim. Die Karte ist ein Beweis dafür, daß die Romer unter dem Kaiser Severus Garnisonen in Südrußland, zu Tyras (Akkerman), Olbia (an der Münoung des Bug) und auf dem Chersones besaßen, die durch gute Chausseen verbunden waren, and daß sie Artaxata besetzt hielten, das also nicht, wie man b Sher angenommen, unter Lucius Severus zer­stört worden sein kann.