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ceitimmtett bewerben (Schuhfadrrkn, Schoko- ladefabrikeu, Textilindustrie) die Entlassungen schon die Nachfrage. Dor allem ist aber wesentlich, daß bei manchen Gewerben ein stark spekulatives Moment die Entwicklung beeinflußt zu haben scheint. So z. B. ist die bessere Beschäftigung in der Eisenindustrie zum guten Teil daraus zu erklären, daß die Besorgnis vor kommenden Preissteigerungen auch zu solchen Bestellungen geführt hat, die den eigentlichen Bedarf überschreiten. Auch die Beobachtung läßt sich machen, Laß in manchen Gewerben Preissteigerungen zu verzeichnen waren, die bereirs zu Absatzschwierigkeiten führten und die dadurch die Deschästigungsmöglichreiten wieder ungünstig beeinflußten. Ganz allgemein gesagt, lähr sich überhaupt seststellen, daß die Jnlandkonjunktur stärker zu sein scheint als das Auslandgeschäft. Die Befürchtung liegt deshalb nahe, daß die Auslandkredite nicht immer rein produktiv verwendet werden und daß auch daraus eines Tages neue Schwierigkeiten entstehen können.
Völlig ungelöst ist nach wie vor das Problem der Verpflanzung solcher Arbeitskräfte, die in einem Gewerbe bzw. Bezirk überflüssig geworden sind. Schon die räumlich eigentlich nicht übermäßig schwere Aufgabe der Umsiedlung von Bergarbeitern von den Südzechen in den Vörden des Ruhrreviers bereitet außerordentliche Schwierigkeiten. Voch viel komplizierter ist die Uebersuhrung überflüssiger Industriearbeiter in die Landwirtschaft, die größtenteils stark unter Arbeitermangel leidet. Eine solche Ueberführung kann nur dann gelingen, wenn die zu verpflanzenden Erwerbslosen mit landwirtschaftlichen Arbeiten wenigstens bekannt und wenn sie arbeitswillig sowie bereit sind, sich in die besonderen Verhältnisse der ländlichen Arbeit hin- einzufindcn. Solche Personen sind aber nur in recht geringer Zahl vorhanden: sie find auch bereits vielfach in die Landwirtschaft abgewandert, während der große verbleibende Rest landwirtschaftliche Beschäftigung kaum wird finden können.
* Vermittelung einer amerikanischen Anleihe durch die A. E. G. Die A. E. G. vermittelte der Stadtgemeinde Bad Kosen eine amerikanische Anleihe von ZOO 000 Mark zu 7 Proz. und 85 Proz. Ausgabekurs sum Veubau eines Elektrizitätswerkes. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß bereits die Annahme. Die A. C. G. erhält den Bauauftrag, wenn ihr Angebot denen von Siemens-Schuckert und Bergmann gleichwertig ist.
* Amerikanischer Goldtransport für Berlin. Die Firma Morgan verschiffte weitere 2,5 Millionen Dollar Gold nach Berlin.
Buntes Allerlei.
Geschichten von Xaver Scharwenka.
Der Tvd des bekannten Komponisten, Pianisten und Klavierpädagogen Taver Scharwenka hat ein selten glückliches, von reichem Humor erfülltes Leben beendet. Die liebenswürdige Persönlichkeit dieses Musikers, der durch Liszt und Brahms gefördert wurde und Mit vielen berühmten Männern in freundschaft- t kicher Beziehung stand, kommt so recht zum Ausdruck in den Lebenserinnerungen, die er 5wor zwei Iahren unter dem Titel „Klänge „ aus meinem Leben" bei K. F. Koehler in ? Leipzig herausgab. Sehr lustig war die Art und Weise, auf die er sich beiLiszt einführte. Er hatte ihm eine seiner Kompositionen, einen polnischen Tanz, zugeschickt. Als er sich nun in Ilmathen bei dem Meister melden ließ, bat Liszts ungarischer Kammerdiener Spiridivn im unverfälschten Mikosch-Dialekt um eine Karte. „Leider hatte ich mein Bisitsnkartentäschchen nicht mit mir," erzählt Scharwenka, „aber halt — da kam mir ein genialer Gedanke! In meinem Klappzylinder hatte ich anstelle des üblichen Monogramms die Anfangstakte meines polnischen Tanzes geklebt, um so einer Verwechselung mit ähnlichen „Behauptungen" vorzubeugen. Schnell entschlossen klappte ich die Angströhre mit hörbarem Ruck zusammen
Die rote Kaschgar.
Roman von Fcdo r von Zv be l t i h.
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Er setzte sich an den Schreibtisch, schnitt das Kuvert auf und nahm eine Anzahl dünner Briefbogen heraus, die ohne Rcmdlassung mit winzig kleinen Buchstaben bedeckt waren. Ader es war ein flottes Englisch. Es waren auch Dinge von Wichtigkeit. In Peking lebte ein achtzigjähriger ehemaliger Groywürdentrüger Ramens Ching Sh an. der gegen Ende seines Lebens die gefährliche Angewohnheit angenommen hatte, ein Tagebuch zu führen, das er seinem Sekretär Sho-yin zu diktieren pflegte. Dieser Mann, der Sohn eines Mandschu und einer englischen Mutter, war ein genialer Lump. Er verkaufte die Geheimnisse feines Herrn an den, der ihn am besten bezahlte.
Gert durchflog vorläufig nur die Blätter. Sie bildeten d:? Fortsetzung dessen, was er vor etwa vierzehn Tagen erhalten hatte, ein umfangreiches Manuskript, das im Januar des Iah res begonnen worden war Als Erzieher des Prinzen Tucin war Ching Shan nicht nur mit diesem, sondern auch mit den übrigen Führern der Bo erbewcgung imngst befreundet, und so gab das Tagebuch, von Sho-vin sinngetreu in das Englische übertragen, mannigfachen Aufschluß über die Augenblickslage und gewährte auch gewisse Ausblicke auf das, was zu erwarten stand, wenn Prinz Tuan bei der Kaiserin an Einfluß gewann.
Gert hatte die Absicht, das Ganze am nächsten Tage zu bearbeiten und es seinem Gesandten vorzulegen. Vorläufig schob er die Blätter in den Umschlag zurück, warf das Manuskript in das obere Gesuch seines Schreibtisches und nahm sodann den Brief zur Hand, den er am Vachmit cig begonnen hatte und den er beenden wollte, bevor er sich zur Ruh? legte.
Der Brief war an Heilmut von Metz ding gerichtet. Durch ihn härte er zuweilen Vach', aus der Heimat. Thrdas Lei ?n hatte sich nicht gebessert, im Gegenteil, der Er-chopfungszustano nahm zu, so daß sich auch die geplante Ueb sührung in das Goslarer Sanatorium noch nicht hatte ermöglichen lassen. Der alte Geisbach erstickte ;einen Kummer in erhöhter Arbeil Die
unD überreichte den zum Präsentierteller gewordenen Deckel dem etwas malittös lächelnden Spiridivn mit der Bitte, die ungewöhnliche Visitenkarte seinem Herrn und Gebieter zu übermitteln. Er tat, wie ich verlangt, und bald daraus öffnete sich die Tür — Liszt stand mit ausgebreiteten Armen, herzlich lach?nd, vor mir; glückstrahlend flog ich ihm entgegen. Meine eigentümliche Visitenkarte hatte es ihm angetan. Er, der Unvergeßliche, hatte nicht vergessen; er erinnerte sich beim Anblick der kurzen paar Takte im Zylinder ganz genau meines Ramens, bat mich vollends hinein in sein Allerhcil'gsteS und erkundigte sich mit liebenswürdigstem Interesse nach allem, was mich betraf." Als Scharwenka auf einer Konzerttournee nach Amerika war, hatte er im Speisesaal des Dampfers während der Ueber- fahrt sich in einer stillen Ecke niedergelassen, um etwas zu komponieren. Ein Mitreisender, ein Dutterhändler en grvs aus Baltimore, sah ihm dabei interessiert zu. Schließlich fragte er ihn, was er da eigentlich mache. „Ich schreibe Roten," erwiderte Scharwenka. „Mell, well," meinte da der Gute. „Warum machen Sie sich denn so große Mühe? Das lohnt doch gar nicht! Man kauft ja die Roten jetzt so billig." Da der Komponist es für aussichtslos hielt, ihm seine Arbeit näher zu erklären, so versprach er ihm, seine Worte zu beherzigen und bat nur, ihn die angesangene Arbeit noch vollenden zu lassen. Scharwenka hatte neben der Musik noch zwei Leidenschaften: die Iagd und das Reiten. Mit seinem vierbeinigen Freund „Cäsar" ritt er viel in der Umgegend von Berlin herum. Der reitende Musiker erregte natürlich Aussehen und gab dem boshaften Moritz Moszkowski Anlaß zu einer witzigen Bemerkung. Als man ihn fragte, warum denn der Scharwenka soviel reite, erwiderte er schlagfertig: „Wahrscheinlich wirft die Musik nicht genug ab!" Ein komisches Erlebnis hatte Scharwenka mit dem Großherzog von Oldenburg. Er hatte dort ein Konzert gegeben, und nachher erschien der Großherzog, begleitet von seinen beiden jungen Töchtern, im Künstlerzimmer und überreichte ihm ein zierliches Etui, in dem sich die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft befand. Scharwenka steckte das Schächtelchen in die hintere Fracktasche, wollte es aber wieder hervorholen, als sich die eine der Prinzessinnen erbot, ihm den Orden an die Brust zu heften. Er griff in die Fracktasche und überreichte ihr das Schächtelchen, worauf die junge Dame mit lautem Lachen dem Vater zurief: „Sieh nur mal, Papa, was Du dem Professor gegeben hast!" Darauf überreichte sie dem Großherzog eine — Zündholzschachtel. Das Rätsel löste sich sogleich: Scharwenka hatte in die falsche Rocktasche gegriffen und statt des Etuis mit dem Orden seine Zündhölzer herausgezogen.
Der Dollar-„Gotha".
Der amerikanische „Gotha" ist dieserTage in Washington erschienen. Cs ist der offizielle Katalog der größten Steuerzahler der Vereinigten Staaten, den ein großes Reuyorkec Blatt mit ironischem Humor als Adelsalmanach der Pankees bezeichnet. Ein dicker Band von 500 Seiten, in dem die Namen jener Glücklichen zu lesen sind, die jährlich über zehntausend Dollar der Staatskasse an Steuern zu entrichten vermögen. In einem kleinen Anhang reihen sich die Ramen jener bekannten Persönlichkeiten aneinander, deren Vermögenssteuer zwar unter dem Minimum von zehntausend Dollar bleibt, die jedoch ihre hohe Würde berechtigt — es handelt sich meist um staatliche Funktionäre und Kirch en fürsten — im amerikanischen Gotha verzeichnet zu sein. Der Veröffentlichung des offiziellen Katalogs der großen Steuerzahler ist noch anläßlich der letzten Sitzungen des Weißen Hau- bergmännischen Ausschlüsse und Tiefbohrungen auf dem Gebiete von Groß-Ponar hatten begonnen und unter einer Lieberlagerung von Steinsalz. Gips und buntem Lettenschiefer mächtige Schichten von Kalisalz gezeigt. An der Berglehne von Groß-Ponar wuchs eine Industriestadt aus der Erde, ähnlich so wie in Schwichelde. Graf Hora Vater, innerlich immer noch nicht aus- gesvhnt mit dem Umschwung auf seinem Besitz, tarn selten aus Schloß und Park. Er arbeitete viel an seinem Kochbuch und hatte auch eine Vervollständigung und Fortführung der Hora- schen Familiengeschichte begonnen.
So schrieb Hellmut und sägte in einem Nachwort an, daß er nunmehr die Horasche Finanzverwaltung übernommen habe und daß Gert sich daher in allen Geldfragen an ihn wenden möge.
Das kam Gert sehr erwünscht. Sein Verbrauch war groß, und er war nie ein braver Rechner gewesen. Aber der Geisbachsche Reichtum stand hinter ihm. und dies goldene Schild gab ihm auch Hintergrund in der Peking?r Frem- denkolonje. Man kannte die Geschichte seiner seltsamen Ehe, der Spitzname „Graf Warteman" verfolgte ihn bis an die Große Mauer. Doch der Spott verstummte bald, er verstand es. sich rasch beliebt zu machen. Die Liebenswürdigkeit lag in seiner Natur, aber auch seine Verachtung langweiliger Herkömmlich citeu. feine Neigung zu Paradoxen, selbst fein gelegentlicher Zynismus gepel. In der G esprächsatmosphäre der Gesandtschaften galt er für einen angenehmen jungen Mann von Eigenart.
Die Heimat blieb für ihn weit zurück. Schon im Augenblick der Abreise kam er sich heimatlos vor. Nichts fesselte ihn mehr an das. was hinter ihm lag, nicht die kleine kranke Frau, die ihm ganz g! ichgültig war. nicht der alte Vater, dessen Lebensstil cv nicht verstand, auch nicht einmal F'eyc Diese letzte lyrische Episode hatte j nicht mit einem Mißklang geendet, mehr mit einer raschen Wehmutsstimmung: doch nun war • sie aus. und der Rest an Wehmut wandelte I sich in beißenden S ckbstsvott. als er in einrmi
,es vor Den Wayten etn erbitterter Kampf vorangegangen. Cs war ursprünglich nur eine kleine Fraktion der Senatoren, die auf die Veröffentlichung der Namen der Besitzer großer Reichtümer drang, wahrend die Mehrheit Der gesetzgebenden Körperschaft es vorzog, daß die Ramenliste der Steuerzahler nach wie vor geheim bl.ibt. Kurz vor den Wahlen änderte die republikanische Partei ihre in Diefer S:age befolgte Taktik und ging auf die Forderung der radikalen Gruppe, die Ramen Der größten Steuerzahler zu veröffentlichen, ein. So konnte dieser Tage der „Gocha der DankeeS «^scheinen. Die republikanischen Senatoren scheinen übrigens durch Die Veröffentlichung der solange geheimgehaltenen Steuerlisten amerua= nischer Milliardäre uiid bedeutender politischer Persönlichkeiten ein bestimmtes politisches Ziel verfolgt zu haben. Aus dem Katalog geht unter anderem hervor, daß Der Gegenkandidat Eoolidges, der radikale Volkstribun Davis, der im Ramen Der arbeitenden und unvermögenden Massen das politische Programm Eoolidges bekämpft, nicht weniger als 80 0-0 Dollar Vermögenssteuer der Staatskasse zahlt, ein Bettag. Dem eine Iahresrente von 300 000 Dollar entspricht, während Eoolidges Steuer- leistung nur 6000 Dollar beträgt. Diese 6000 Dollar entsprechen einem Einkommen von 75 000 Dollar, das heißt dem Iahresgehalt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. D-e offizielle Steuerliste beweist es also klipp und klar, daß Davis, Der radikale Leader, der die großen Reichtümer bekämpft, über ein Millionenvermögen verfügt, während Coolidge, den man stets als den Champion der Milliardäre und der Großbankiers hingestellt hatte, ganz unvermögend ist und von seinem Iahres- gehalt lebt. Der amerikanische Gotha bringt auch den Eingeweihten manche Ueberraschun- gen. Aus Den statistischen Tabellen geht hervor, daß sich gerade unter den größten Steuerzahlern, unter den Besitzern von ungezählten Milliarden, ei neFüllevon unbekannten Ramen befindet. Der Katalog enthält mehr als hundert graue, Der Öffentlichkeit ganz unbekannte Namen, Deren Träger jährlich über 200 000 Dollar der Staatskasse entrichten. Diese Leute ziehen es vor, in aller Stille zu leben, obgleich sie ebenso wie die weltbekannten Milliardäre Die Möglichkeit hätten, sich Den Ruhm und die Volkstümlichkeit zu erkaufen. Nach den Ziffern der Steuertabellen ist der alte Nockefeller schon längst nicht mehr der reichste Mann der Neuen Welt. Mit beispielloser Freigebigkeit hat er den größten Teil seiner Glücksgüter Humanitären Zwecken zugewendet und behielt sich nur einen Bruchteil, auf Den nur mehr eine Steuer von 125 000 Dollar entfällt. Sein Sohn, unvergleichlich weniger freigiebig als der Dater, entrichtet jähr- lich7000000Dollarals Vermögenssteuer und dürfte der reichste Mann der Welt sein, während Fords Vermögenssteuer kaum 2 000 000 Dollar erreicht. Es ist interessant, daß der fast ganz unbekannte amerikanische Bürger Wrigley, der Die Nichttaucher der Vereinigten Staaten mit dem in Europa verpönten Kaugummi versieht, aus diesem Geschäft bereits etn Kapital heransgeschlagen hat, das ihm die Steuerleistung von mehr als eine Million Dollar ermöglicht. Unter den größten Steuerzahlern findet man Den Namen des Filmstars Fairbanks Douglas mit 225 000 Dollar, der Boxchampion Dcmpsey bleibt mit seinen 90 000 Dollar weit hinter dem berühmten Filmschauspieler zurück. Die amerikanischen Kirchenfürsten scheinen zum Teil mit Glücks-- gittern reichlich gesegnet, zum Teil bettelarm zu sein. Der Erzbischof von Neuyork entrichtet dem Staate alles in allem den bescheidenen Steuerbettag von 300 Dollar, während sein Kollege in Boston, Der Bischof Conell, eine Steuer von 35 000 Dollar zahlt.
Reckenfee noch geleugnet hatte, war also doch Wahrheit geworden, und vielleicht hatte sie es nur bestritten, weil der Bräutigam, wie Lexe schrieb, erst seinen letzten Missionsauftrag vollenden mußte, ehe die Heirat stattfinden sollte. Nun gut, auch dieser Hauch von Poesie war im nüchternen Alltag verflogen — eine der üblichen gedruckten Glückwunschkarten aus einem englischen Papierladen, mit den Worten „Good lud to you" in der Umrahmung eines giftgrünen Mist- letoezweigs, hatte den Abschluß gebildet.
Nach Hause schrieb Gert zuweilen: an alle, an Thedo, an seinen Vater und Schwiegervater, an Freye und Alcxe, aber immer nur flüchtig, Eindrücke aus der Fremde, oft mit Dem Stift eines Karikaturisten, voller Augenblickslichter, doch ohne zündende Wärme. Häufig begnügte er sich mit Ansichtskarten.
Den letzten Bries Hellmuts wollte er jedoch etwas ausführlicher beantworten. Und gerade, als er die Feder ansehte, fiel ihm ein, daß er ja noch nicht das Zettelchen geöffnet, das Clemence ihm zugesteckt hatte. Er hatte es noch in der Dasche, rollte es auf und las: „Zwei Uhr an der kleinen Pforte."
Das war die „bestimmte Stunde", die sie ichon auf dem Billett angegeben, das der Oberkellner im Hotel Peking ihm am Vormittag zu- geschlckt hatte. Er hatte gehofft, ihr auf dem Rout beim britischen Gesandten absagen zu können aber das war nicht geglückt.
Die Schreibtischuhr wies bereits auf halb stoet Er war wütend. In der ersten Zeit nach seiner Ankunft hatte es ihm nichts gemacht sich ^mal eine halbe Nacht um die Ohren zu s'chla- gen und mit den immer von neuem auftauchenden ?3e"t.cnr fccr Geschützgießereien und großen Han- öel0haujcr ma„d>e ausdauernde Bummelfahrt auf oft gefährlichen Wegen zu unternehmen. Er war nn 45uri)uon. dem .übriggebliebenen ©arten“ in ß ^tarenftabi und beim Pienisong im west- h*cn 66tneknvicrkt mit txm jüngevm H-rr-n Qu6 Dem Gesandtschaftsquartier Stammgast ac- • cn und hotte auch die kleinen Lasterhöhlen m ter Ratze des Wassertors nicht verschmäht. -V genug war er erst in der Frühe nach Hause gefommen und trotzdem frisch und pünktlich im --'icnHc getoeje. Er konnte mit seiner robusten Gesundheit prahlen-
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Montag, den 29. Dezember:
4.30 bis 6 Uhr: Rundfunknachmittag in Musik und Wort, 6 Uhr: Wirtschaftsmeldungen, 6 bis 6.30: Die Lesestunde „Die Novelle" von Goethe, 6.30 Uhr: Vortrag von Adolf Stahk „Weihnachten", 7 Uhr: Die Besprechung (literarischer Teil), 7.30 Uhr: Funkhochschule: Vortrag von Paul Bekker „Musikgeschichtliche Wandlungen" (ein Ueberblick über die Geschichte der Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart). Dritter Vortrag: „Das erste christliche Jahrtausend". Musik und Sprache. 'Kultische und profane Musik. Der gregorianische Gesang. 8 Uhr: Englischer Unterricht. 8.30 Uhr: „Tatterich". Lokalposse von Fr. Niebergall (Darstellung einzelner- Szenen). Mitwirkende: Lene Obermeher, Hans Nerking, Theodor Volkmar. Karl Luleh (sämtlich vom Frankfurter Schauspielhaus). Alfred Mainzer (vorn Neuen Theater Frankfurt). - Das Hausorchester. 9.30 Uhr: Nachrichten, Wettermeldung. Sportbericht. 9.55 Uhr: Zeitvorbereitung. 9.56 Uhr: Drei Minuten Der Hausfrau. 10 Uhr: Zeitangabe. 10—11 Uhr: Romantiker-Abend des Hausorchesters.
Dienstag, den 30. Dezember:
11.55 Uhr: Zeitangabe. 12 Uhr: Nachrichtendienst. 4.30—6 Uhr: Rundfunknachmittag in Musik und Wort. 6 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 6—6.30 Uhr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Soll und Haben" von Gustav Freytag (Fortsetzung). 6.30 Uhr: Der Briefkasten. 7 Uhr: Uebertragung aus Dem Frankfurter Opernhaus: „Der Troubadour", Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi. Text von Cammerano. Deutsch von H. Proch. Anschließend Nachrichten, Wettermeldung, Spvrtber.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus. Dienstag, 30. Dez., nachm. 21/y Uhr: Das Waldmännlein: abends 6 Uhr: Sie Frau ohne Schatten. Mittwoch, 31., 3 Uhr: Das Waldmännlein; abends 6' -Uhr: Die Fledermaus. 1. Ionuar, nachm. 3 Ühr: Das Waldmännlein: abeiids 6V2 Uhr: Tannhäuser. 2., abends 71/2 Uhr: Der Barbier von Sevilla. 3., nachm. 3 Uhr: Das Waldmännlein; abends 7 Uhr: Pique Dame. — Schauspielhaus. Dienstag, 30., abends 8 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor. 31., abends 7'I Uhr: Das Ekel. Donnerstag, 1. Ianuar, abends ZV2 Uhr: Die Frau Rat. 2., abends Z1/« Uhr: Das Apostel- spiel; hierauf: Er ist an allem schuld. 3., abends 71/.,: Der Kreidekreis.
Büchertifch.
— Iulius DerstI, „Da s Bild im Spiege l“. Geschichte einer Leidenschaft. In Ganzleinen 4.50 Gm. (Verlag Georg Westermann, Braunschweig.) — Iulius Berstl schlägt auch in feinem neuesten Werk ein erotisches Thema an. Freilich dürfen wir von ihm kein sinnlich-schwüles Buch erwarten, das auf die Sensationslust des Lesers spekuliert. Sein „Bild im Spiegel" leuchtet mit sachlichem Ernst in die Tiefen und Untiefen der Beziehungen Der Geschlechter hinein, es bringt psychoanalytisch in Die dämmrigen Grunde seelischer Zwischenreiche, und es rührt an das Unbegreifliche im Leben, „das nicht zu umgehen, nicht beiseitezuräumen ist, jenen ungeklärten Rest des unerrechenbaren Rechenexempels". Der Roman, in seiner stofflichen wie geistigen Gespanntheit, ist eine starke dichterische Kraftprobe. 1327
Krem-Drog. August Noll, P. J. Mül,,. 3roj. Georg __Wallenfels, Prag. 0. Wmterholl. __4146a KpankQQin7Nl)inl ®e9 Leber-U-Magenleid.,sclbstlangj. ül Quaut)!J. Ilullll hilft best. Uarlrsprndel virkirchen 14
Mer das vertraute Verhältnis mit Clemence Paßte ihm längst nicht mehr. Er hatte schon in ‘Serlirt damit Schluß machen wollen, doch in Peking hatte die schlaue kleine Abenteuerin ihn Dort neuem in ihre Netze gerissen, nicht mit Den 'Waffen des Serails, sondern mit der Verführungskunst ihrer Klugheit. Sie liebte ihn, weil ihre biegsame Sinnlichkeit sich mit seinem Temperament begegnete, und sie nützte ihn aus, weil er über seine wertvollen Eigenschaften und seine Fehler hinaus harmlos wie ein Kind sein konnte. ©0 trug sie ihm denn zuweilen politische Neuigkeiten zu, die sie in Erfahrung gebracht hatte und die man auf geraden Wegen nicht zu erreichen vermochte. Sie war nicht nur in der japanischen Gesandtschaft, sondern auch bei den Bussen und Amerikanern und besonders bei Den Franzosen lieb Kind im Hause und hörte hier manches, durch Türen und hinter Vorhängen, ü>as Gert wichtig genug erschien, sich darüber Notizen zu machen. Er sammelte das, uni es bei Passender Gelegenheit seinem Chef zu unterbreiten. @r war tein schlechter Beobachter, aber doch nur ein mittelmäßiger Menschenkenner. Er wußte, daß sein Gesandter ihn im allgemeinen recht gern hatte, von feiner diplomatischen Begabung jedoch m<f)t viel hielt. Und da gedachte er ihm denn einmal ganz unerwartet gewaltig zu imponieren.
Das Clemence auch ihn aushorchte und alle Fächer seines Schreibtisches kannte, ahnte er nicht.
Tages kam Herr Sho-yin zu ihm. Kam in europäischer Kleidung und sah mit feiner großen ■oodeinafc auch ganz westlich aus. Die englische Dlutmischung triumphierte wenigstens in Dem langen Gesicht. Er berief sich auf Clemence. Wie fie mit dem Lumpen bekannt geworden war, Der- riet sie nicht. Sie sagte zu Gert, es sei in seinem Interesse geschehen, alles übrige sei ihr Ge-
Mer sie verlangte eine große Summe jur ^hre Vermittlung. Darauf kam es ihm nicht an. das Gold aus den Kaligruben von Schwichelde hatte auch in China Gültigkeit. Doch von diesem -^age ab bohrte sich Mißtrauen gegen sie in sein
Er hatte sie auch satt und hätte sie wegfchleudern mögen wie einen Federball. Doch Ke ping sich an ihn. Sie war schwer abzuschütteln, verbindendes zwischen ihnen lag, gleiq)|am ein gefährliches Tier, das beißen und Uebfofen konnte. (Fortsetzung folgt)
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