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Nr. 305 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)

Montag, 21. vezenwer jy2H

Soll Deutschland dem Völkerbund beitreten?

Eine große Frage des Jahres 1925. Von Dr. Frih Kern, o. Professor der Geschichte an der Llniversität Bonn.

CS verlautete im Herbst 1924, daß gewisse Hin­dernisse. die Dem Eintritt des Deutschen Reiches in den Völkerbund bisher entgegenstanden, be­seitigt seien. Man scheint Dee formalen An­erkennung unseres Großmachtrangs keine Schwie­rigkeiten^ machen und uns einen ständigen Rats- fitz einräumen zu wollen. Auch kommt eine er­neute Anerkennung des vielfachen uns seit Ver­sailles angetanen Llnrechts nicht in Frage; wir brauchen unsere Proteste nicht zurückzuziehen. Je­doch damit wäre erst der kleinere Teil der Be­denken gegen einen Beitritt zum Völkerbund weg­geräumt.

Durch unseren Beitritt wird dieses Rumps- varlament der Menschheit, dem immer noch nicht Rußland und die Vereinigten Staaten angehören, keineswegs aufhören, ein Machtinstrument der französischen und der bri­tischen Politik zu sein, die ihre Kompromisse hinter geschlossenen Türen vereinbaren und die schwächeren Staaten dabei als Kompensations- nbjekte verwenden. Wir brauchen, um die hohn­volle Parteilichkeit des Genfer Intrigenzentrums zu beweisen, nicht bis in die Tage der oberschle- fischen Entscheidung zurückzuschweifen, die der ..mitverantwortliche" Lloyd George erst vor kurzem wieder ein »zum Himmel stinkendes Un­recht" genannt hat. Die allerletzten Wochen zeig- len die angebliche Menschheitsorganisation ihren gehässigen Ueberlieferungen treu. 3m Dezember 1924 ernannte der Völkerbund die Ausschüsse, die die Ohnmacht der besiegten Staaten durch Ueber- wachung ihrer militärischen Knebelung verewigen sollen. Man nahm Abstand davon, über die Bul­garen als Harrptkontrolleur einen Serben zu setzen und gab ihnen statt dessen einen neutralen Schwe­den. Ebenso den Ungarn keinen Rumänen, son­dern einen Engländer. Man scheute sich also, das Ehrgefühl und den Lebenswillen der ins Unglück gestürzten Völker für unabsehbare Zeit unerträg­lich dadurch zu reizen, dah man ihnen den Erb­feind zum Oberaufseher gab. Aber was man diesen Völkern ersparte, gerade das mutete man dem deutschen Volk zu. Mit der ^unpar­teiischen" Leitung der Ueberwachung wurde ein Träger des feindlichen Vernichtungswillens, ein Franzose, betraut. Damit nicht genug, wurde auch materiell die A r t der Völkcrbundsüberwachung Deutschlands ganz nach den französischen Wün­schen verschärft und insbesondere in die künftige Ueberwachung des Rheinlandes der Faktor der geheimnisvollenstabilen Clemente" eingeführt. Darunter sind ständige Organe zu verstehen, die für alle Ewigkeit die Souveränität des Deut­schen Reiches nicht nur zentral, sondern auch lokal, an der Westgrenze beschränken dürfen. Sollte sich Deutschland einmal so weit erholen, dah die Poin- careschule französischer Politiker einen neuen Vor­stoß zur Schwächung des Rachbarlandes für zweckmäßig erachten, dann sollen wohl diest a - bilen Elemente" (man muß sich dies neuste Schlagwort schon merkenI) für neue separatistische und Ruhrmanöver die Ausgangsfläche bieten. Dah der Völkerbund auch sonst, was Deutschland betrifft, nicht viel mehr ist als eine Deck- adresse Frankreichs, zeigte so nebenbei die Abweisung der Beschwerde über die Schul­politik im Saarland, wo 5000 deutsche Kinder in französische Regierungsschulen gelockt sind. Ueber- haupt hat die winterliche Tagung des Völker­bundsrates in Rom die kahle Wirklichkeit ent­hüllt, und manchen goldenen Phrasennebel zer­streut, der über der Herbstvollversammlung in Genf lag und inanchem Deutschen die gesunde Ver­nunft benebelte. Das bestreitet niemand, dah dem Völkerbund, namentlich solange Rußland und Rordamerika draußen stehen, die elementare Grundlage eines Gleichgewichts der Mächte fehlt, und dah insbesondere Deutsch­land, solange es selbst ohnmächtig bleibt, nicht an eine erquickliche Stellung denken darf. Cs wird in Genf einen steten Kampf zu führen haben, um das Recht gegen d i e Macht durchzu- sehen. Die ideale Schönheit eines solchen Kamp­fes sei nicht bestritten, aber wie steht es mit den Aussichten auf Erfolg?

Der Völkerbund wird die Entwicklungen der Dölkerwelt Widerspiegeln, solange er existiert. 3m Vordergrund wird immer der Kampf derjenigen Völker stehen, die sich zur Freiheit und Selbstregierung berufen, aber von fremden Be­herrschern bedrückt fühlen. Das Ratio nalt- tätenprinzip , das im 19. Jahrhundert Europa umgestaltete, hat heute in verschiedenem Grad, aber überall zunehmend die gewaltige Völ­kermenge erfaßt, die von China und 3ndien bis nach Marokko herüber auf dem Weg zur Europäisierung steht. Aber der Weltkrieg hat auch mehrere europäische Völker in diese Klasse der um ihre Selbständigkeit ringenden Völker zu­rückgeschleudert, allen voran das deutsche D o l k s t u m , von dem fast ein Drittel außer­halb der heutigen Reichsgrenzen leben muh und dessen Mutterland in Fesseln liegt. Den Völker­bundsmitgliedern dieser Klasse bietet der Völker­bund unter ilmftänöcn die Platttarm für cha­raktervolle und mutige Proteste, wie die mora­lische Wirkung des Auftretens LI n g a r n s in der letzten Vollversammlung gezeigt hat. Freilich, als kürzlich Aegypten,vollberechtigtes" Mitglied des Völkerbundes, seine Streitfrage mit England, die sich wie kaum eine zweite für ein überstaatliches Tribunal eignete, an den Völker­bund ziehen wollte, hat ein schroffes Rein Eng­lands diesen Weg versperrt und das Diktat des Herrschers, der über die größere Kraft der Ka­nonen verfügt, an die Stelle des Schieds­spruchs gesetzt.

Trotzdem Aehnliches immer wieder erwartet werden muß, dürfte Deutschland doch durch sein Schicksal berufen sein, schon als Anwalt seiner abgetrennten Volkstumssplitter, den Kampf im Rahmen des Völkerbundes aufzunehmen. Als größtes Kulturland in dieser benachteiligten Döl- kcrgruppe, welche die Mehrheit der Menschheit, wenn auch nicht der Machtmittel, umfaßt, muh bas deutsche Volk, wenn es seine Aufgabe richtig ersaßt, vorbildlich werden für die Teile der Menschheit, die im Schatten leben. Daneben hat Deutschland auch seinen Anspruch anzumelden, bei der Verwaltung jener dritten Kategorie von Erdgebieten, welche tropischeErzeugungs- gebiete mit unmündigen Bevölke­rungen umfaßt, Bevölkerungen, die ntcht wie

die asiattschcn und nordafrikanischen zur eigenen Staatlichkeit heranreisen, mitbeteiligt zu fein.

lieber diese Gebiete soll ja der Völkerbund durch sein Mandatsystem zum Rutzen der ver­waltenden wie der verwalteten Teile verfügen.

Die Frage, ob Deutschland in den Völker­bund eintreten soll oder nicht, kann weder mit einem einfachen 3a noch einem einfachen Rein beantwortet werden. Cs hängt alles von dem Takt, von dem Gei st der Persönlichkei­ten ab, welche Deutschland dort vertreten wür­den. Bei ungeschickter Vertretung würde der Völ­kerbund nur eine Fessel mehr für Deutsch­land als Beutegegenstand der We.'therrscher sein. Werden dagegen die richtigen Methoden gefun­den. so bleiben zwar schwere, bittere Erfahrungen sicher nicht aus, und wir werden gleich den an­dern Völkernunserer" Gruppe weit von dem ruhig gesicherten Dasein etwa Hollands oder der Schweiz abstehen. Aber es würde uns doch nicht unmöglich sein, den so viel mißbrauchten Idealen der Menschheitsorganisation und Menschheitssoli­darität dann und wann zu einem bescheidenen Anfangserfolg zu verhelfen, ohne daß wir unser Hauptziel, die Wiedergesun­dung unseresDolkstums aus den Augen verlieren.

Schwarz-rot-gold und blau-weiß-rot.

Nachdem die Wogen des Wahl­kampfes fich wieder geglättet haben und man von einer sachlich vorge­tragenen Meinung auch erwarten darf, daß sie sachlich aufgefaßt wird, geben wir folgender Zuschrift aus unserem Leserkreis um so lieber Raum, als auch wir in der Politisie­rung der Jugend eine große Gefahr für die Eharakterisierung dieser Ju­gend selbst sehen. ES bedarf keiner besonderen Betonung, daß sich dieser ernste Appell an die Jugend und ihre Führer aller Parteien und aller Stände wendet und von a l l e n, die eS angeht, beherzigt wer­den sollte. D. Red.

Es ist durchaus kein Druckfehler, ich meine bl au-weiß-rot, picht schwarz-weiß-rot! Zum Vergleich mit der alten Reichsfahne konnte das Banner schwarz-rot-gold der alten Burschenschaften schmerzlos herangezogen wer­den. Unsere neuen Reichsfarben haben mit den zwei alten Fahnen gleich wenig zu tun. Ich habe einen altenFreischärler" gekannt, der zwischen 80 und 90 Jahren voll Stolz sein Konterfei in der Uniform des signifer manipuli der 48er Jahre an seine jungen Freunde verteilte. Am Sedanstag wehte von seinem Haus die alte schwarz-rot-goldene Fahne im schönen Verein mit den Farben des neuen Reiches. Wer würde heute die Geschmacklosigkeit begehen wollen, mit den Fahnen des alten und des neuen Deutschlands zugleich zu flaggen? In der Idee haben die alten Farben mit unserer neuen Fahne eben durchaus gar nicht das geringste mehr gemein. Auch wenn jede geschichtliche Einsicht uns fehlt, sollten wir dies ganz naiv erkennen. Viel näher verwandt ist nach Ursprung und Inhalt unserer republikanischen Flagge die französische Trikolore. Erhoben in bewußter Betonung des Gegensatzes zu allem Gewese­nen, aus der Erkenntnis heraus, daß die alten Farben nicht willens und nicht fähig waren, das Reue, wie es im Chaos des Entstehens sich darbot, zu decken. Aus der gewollten Ad­der Sucht des Revolutionierenden heraus, alles, aber auch alles vor allem einmalan­ders" zu machen. So hat die Trikolore die weiße Fahne der Monarchie überwältigt, wie bei uns das Schwarz-rot-gold die alten Reichsfarben. Die Trikolore hat sich durch alle Wandlungen der französischen inneren Politik hindurch behauptet, die französische Re­publik ist nach Kaiserreichen und Königreichen immer wieder neu erstanden und wir fragen uns heute, wie das begründet ist. Die Geg­nerschaft gegen diese Republik, die im Gegen­satz zu einer großen Zahl des französischen Volkes geschaffen und erhalten worden ist, sie war bitterer, leidenschaftlicher als alles, dessen wir deutschen Gemüter überhaupt fähig sind. Wodurch also ist sie am Leben erhalten worden? Durch den nationalen Stolz der Franzosen! Die französisch' R v"bllk war gerettet in dem Augenblick, da bas Aus­land sich einzumischen und ,te zu vek^mp.en begann. Von diesem Augenblick an war diese Republik für jeden Franzosen eine französische Rationalangelegenheit, so bitter er sie vorher vielleicht bekämpft hatte. Das damalige Ban­ner blau-weiß-rot hat sich nicht mit der drei­farbigen Kokarde begnügt: der wahre Pattiot trug blau-weiß-rote Hosen! Aber und hier kommt der grundsätzliche Unterschied zu unse­rem Schutz der Republik diese dreifarbigen Hosen setzten sich in geschlossener Front nach der Grenze zu in Bewegung und sicherten vor allem ihr Vaterland. Darum ist diese Repu­blik am Leben geblieben, weil die ftanzösischen Machthaber jeder parteilichen Schattierung die eine große Linie zu bewahren wußten di? da heißt: nationale Verteidigung. Und weil ihre staatsmännische Einsicht einen Widerhall fand in der Seele eines jeden Franzosen, darum konnten sie, ttotz der fürchterlichen inneren Parteiungen, die neue Republik zu einer so festgefügten Einheit zusammenschweihen. daß nichts und niemand sie hat auf die Dauer zer­stören können. In der klaren Erkenntnis, dah ein Staat nur dann sich behaupten kann, er nenne sich wie er wolle, wenn er fähig und gewillt ist. sich nach außen hin durchzusetzen, haben sie dem ftanzösischen Volle eine gemein­same Idee gegeben, eine Idee, die heute noch so wirksam ist. daß wir die Trikolore am deut­schen Rhein flattern sehen: Blcm-weiß-rot!

Utrd nun zu uns. Auch wir haben es für nötig gefunden, innerhalb unseres StaalSge- bildes einen Stoßtrupp zum ganz besonderen Schutz unserer Republik zu begründen. Mit der ganzen politischen Einsicht des Deutschen haben wir damit unser Volk glücklich in zwei getrennte Hälften zerlegt: in Republikaner erster und zweiter Ordnung! Eine gemeinsame Idee vermögen wir nicht auszubringen. Die aus dem Gewesenen gebliebenen, noch lebens­fähigen Kräfte glauben wir überwinden und niederhalten zu können, indem wir sie ableh­nen. Wir haben nicht Zeit, abzuwarten, bis die Treue sich umgestellt hat, bis dasVater­land" an sich all diese alte Treue aufgesogen hat. Bewußt wenden wir uns von jeder ge­schichtlichen Erkenntnis ab. Die republikanische Elite besteht aus Pazifisten, die jeden Ge­danken an Verteidigungskämpfe nach außen ertränken in internationalem Idealismus. Was sie unter dem Schutz der Repu­

blik eigentlich verstehen ich will eS nicht ahnen! Die Jugend aller Parteien, die noch alles zu lernen hat und die, im Krieg ohne väterliche Autorität aufgewachsen, so dringend der Erziehung bedarf, diese Jugend sehen wir zu einer Wich'.igtucrei erzogen, die nachgerade bcdenllich stimmt. Als wir acht­zehn Jahre alt waren, hatten wir zu schweigen, wenn ältere Leute redeten. Jeder wußte und wir selber wußten, daß wir bei den Geschicken unseres Staates nicht mitzureden hatten. Der Gedanke allein, wir wollten uns in Wahlver­sammlungen einmischen, wäre lachhaft gewesen. Heute ist es die OugenD, die Beifall und Mißfallen gröhlt! Auf Kommando natürlich. Ich meine, es ist Zeil, daß wir damit auf­räumen. Den Staat zu lenken, sind die Män­ner aller Parteien berufen, wenn die Jugend zuhören und lernen will, so ist sie willkommen mitzureden hat sie nicht. S.

Das Jahr 1924 in seiner Bedeutung für Deutschlands Flugwesen

Don Hauptmann a. D. Schreiber.

II.

Hand in Hand mit unserer Luftfahrzeug- Industrie hat sich die nicht minder strebsame, opferfreudige und erfolgreiche Gruppe der Luft­verkehrsunternehmungen weiter ent­wickelt. Rach wie vor teilten fich 1924 in den deutschen Luftpoftverkehr die beiden miteinander konkurrierenden Lu tverkchrs'onzer ie der Deut­schen Aero-Lloyd A-G. und Junkers Luftverkehr A.-G. Mit staatlicher Unter» stühung wurden die großen Haüptlinien: Lon­donAmsterdamHannoverBerlin und Rotier- damAmsterdamBremen-Hamburg Kopen­hagen und Malmö, sowie BerlinDanzig- KönigsbergMoskau und außerdem Memel RigaHelsingfors beflogen. Für den Ferndienst auf diesen Strecken waren Dornier-, Fokker-, Junkers- und Udet-Derkehrs- bzw. Zubringer- Limousinen in den Dienst gestellt worden, von denen meist jede Maschine durchschnittlich fünf bis sechs Fluggäste zu befördern imstande ist und nach einem den wichtigsten Eisenbahn- Durchgangszügen angepaßien Anschluß-Flugplan verkehrte. Im Winter sind natürlich einige Linien, die nicht von besonderer Bedeutung sind, ausgefallen. Mit der in diesem Jahre von der von deutscher Seite gegründeten Trans-Eu­ropa-Union ins Leben gerufenen Fluglinie BerlinMünchenGenf über Zürich und Ber­lin-Budapest über Wien hat somit zum ersten Male ein umfangreicher internationaler Luft­verkehr über größere Strecken stattgefunden, dessen Wirtschaftlichkeit aussichtsvoller war. als die aller bisher beflogenen kurzen innerstaatlichen Linien. Daß sich Deutschland daran in so hohem Maße zu beteiligen vermochte, spricht in erfreulicher Weise für seine Leistungsfähigkeit und Eignung, wozu feine geographisch günstige Lage als ,.Herz­stück Europas" selbstverständlich erheblich beiträgt. Aus diesem Grunde fürchtet man besonders jen­seits der Dc>gesen die deutsche Konkurrenz, was schon daraus hervorgeht, daß man sich nicht scheute, kürzlich gerade diese Luftverkehrslinie als deutsche Luftrüstung" zu bezeichnen, nur weil man wieder einmal Stoff nötig hatte, um die Forderungen nach französischer Luftrüstung als berechtig! hinzustellen und man außerdem dieses Unternehmen als lästigen Konkurrenten der Franco Roumaine. welche die Strecke Straß­burg-PragWarschau betreibt, empfand. Vor­nehmlich zur Unterstützung dieser französischen Luftverkehrsgesellschaft, die seit längerem unter ständiger Verletzung unserer Lufthoheit einen regelmäßigen Luftdienst über deutschen Boden hinwegführt, macht sich wieder seit einiger Zeit in der Pariser Presse eine anmaßende Propa­ganda und Hetze gegen Deutschland bemerkbar, auf die wir nicht genug aufmerksam machen können. Ueber das Ansehen von Frankreichs Luftfahrt wachen eben mit eifersüchtigen Blicken seine militärische und zivile Fliegeret und deren Presse. Die Methoden allerdings, mit denen man sich unangenehmer Gegner und Wett­bewerber zu entledigen sucht, lassen unverhüllt durchblicken, daß jedes Mittel recht ist, wenn es gilt, französische Luftsahrtinterefsen vor Rieder-

lagen oder peinlichen Zuständeii zu bewahren. Erinnert sei hier nur an die plötzliche Abreise der französischen Teilnehmer anläßlich der Prager Interra io a c.i £uf saft lau. fiel u g ctt'gesu de­nen Flugveranstaltung. bei der iid) Die Fran­zosen durch die Leistungen der deutschen Flug­zeugführer auf ihren ausgezeichneten Kleinflug­zeugen in den Schatten gestellt sahen.

Der im Jahre 1924 erstmalig eingerichtete R a ch t f l u g v e r k e h r auf der Strecke Berlin Warnemünde-Stockholm stellte lediglich einen Versuch dar und sollte dazu dienen, für 1925 die nötigen Erfahrungen zu sammeln, um einen planmäßigen Rachtverkehr cinrichten zu können. Die diesjährigen Rachtflugversuche auf dieser Linie befriedigten hinsichtlich der Wtrtschastlich' feit und Betriebssicherheit durchaus. D>e Aus sichten für die Entwicklung der Rachtfliegerei im nächsten Jähr sind daher denkbar günstig und es ist anzunehmen, daß Deutschland seine führende Stellung im internationalen Luftverkehr durch tatkräftige Weiterarbeit zu behaupten und befestigen weiß.

3m Interesse dieser Entwicklung liegt für Deutschland gleichzeitig die unumgängliche Rot- wendigkeit, seine Bodenorganisativnen und Flughäfen rechtzeitig den Erfordernissen entsprechend auszubauen: daß es hier auf dem besten Wege ist. beweisen die heute schon vor­bildlichen Anlagen in Bremen, Stettin. München und vor allem die des Zentralflughafens Der- lin-Tempelhof.

Zum Schluffe noch einige Worte über das Segelflugwesen. Die Weitersorderung die­ses von Deutschland zuerst mit großen Erfolgen aufgenommenen Sportes zur wissenschaftlichen Erforschung des Flugwesens, zur Konstruktion von Kleinflugzeugen mit Leichtmotoren und nicht zuletzt zur Ertüchtigung unserer gereiften Jugend ist für nächstes Jahr durch die reich ausgestatte- ten Veranstaltungen der Rhön-Rossitten- Flug­gesellschaft bereits sichergestellt. Deutschland kann wahrlich stolz fein auf die bisherigen Leistungen feiner Söhne gerade auf diesem Gebiete! Sie sind zu bekannt, als dah hier im einzelnen noch einmal zurückgelommen werden mühte.

Auf Grund der angestellten Betrachtungen sind die Ausblicke für unsere Zivilluftfahrt keines­wegs trüb. Die Kurve des Barogramms zeigt deutlich aufwärts. Hoffentlich kann der Staat auch in Zukunft seine Unterftütjung zuteil werden lassen, und hoffentlich wird von deutschem Unter- nehmergeist wenigstens ein Teil dessen erreicht, ws in all den technischen und lustpolitischen Anfängen und Plänen steckt. So kann man mit Recht auf den Verlauf des im nächsten Jahre im Vordergründe stehenden ..Deutschen Rund- flugs 1925", des ersten gröberen flugsportlichen Ereignisses mit Motorflugzeugen seit Kriegs­beginn. gespannt sein. Als besonders glück- verheihendes Zeichen erstrahlt am Hori ont immer wieder die erste transatlantische Zielfahrt des L. Z. 126, dieses herrlichen Werkes deutscher Tech­nik. Möge sie den Anfang eines neuen Drrkehrs- zeitalters einleiten!

Wirtschaft.

Der deutsche Außenhandel im November.

Seit nahezu zwei Jahren ist im Rovernber zum ersten Mal wieder, nachdem am 22. Oktober d. Is. sämtliche Zollstellen des besetzten Gebietes wieder in deutsche Verwaltung übernommen wor­den sind, aus dem getarnten deutschen Wirtschasts- gebiet statistisches Material angefallen und zur Verarbeitung gekommen. Soweit sich jedoch über­sehen läßt, ist im Rovernber der Eingang des statistischen Materials, insbesondere der Ausfuhr- anmeldescheine. unregelmäßig und unvollständig gewesen. Dies dürste darauf zurückzuführen sein, dah sowohl die Zoll- als auch die Dahnstellen im besetzten Gebiet, die nach fast zweijähriger Zwischenpause neu beseht worden sind, sich noch nicht vollständig eingearbeitet haben. Es wird sich deshalb empfehlen, auch die nachstehenden Zahlen mit Vorbehalt aufzunehmen. Da Anlah zu der Annahme besteht, daß die E.nfuhr in das besetzte Gebiet verhältnismäßig vollständiger als die Ausfuhr aus dem besetzten Gebiet ersaht ist. dürften die Zahlen auch nicht gestatten, eine einwandfreie Mvnatsbilanz des Außenhartdels zu ziehen. Es betrug (nach Gegenwartswerten in 1000 Reichsmark) die Einfuhr im Rovernber 1048 317, die Ausfuhr 643461, gegenüber Ok­tober 855 606 bzw. 611 847. Bei der Einfuhr ist im Rovernber gegenüber dem Vormonat eine weitere erhebliche Steigerung (um 192,7 Millio­nen R.-M.) festzustellen. Auch die Ausfuhr zeigt eine Zunahme (um 31,6 Mill. R.-M). Die Ein­fuhr übersteigt im Rovernber nominal den Monatsdurchschnitt 1913 ( 933,8 Mill. R.-M): auf Grund der Dorkriegswerte beträgt sie 80,5 v. H. des Monatsdurchschnitts 1913, die Ausfuhr bat bei weitem noch nicht wieder diesen Stand er­reicht. Sie beträgt aut Grund der Dorkriegs- werte 59,2 v. H. des Monatsdurchschnitts 1913.

Die Cinfuhrsteigerung gegenüber dem Vormonat erstreckt sich hauptsächlich aut Lebensmittel und Getränke (um 84,6 Mill R.-M.I Rohstoffe und Halbfertigwaren (um 81.1 Mlll. R -M.) und Fertigwaren (um 21,5 Mill. R.-M ). D.e Aus­fuhrsteigerung verteilt sich gleichmäßig auf Le­bensmittel und Getränke, Rohstoffe und Fertig­waren.

Vom Arbeitsmarkt.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat in den letzten Wochen zweifellos eine Erleichterung er­fahren. Bei genauerem Zusehen findet man aber, daß die Besserung der Arbeitsmarktlage nicht ganz ohne Kritik betrachtet werden kann. So ergibt sich z. B bei fast allen Gewerben über­einstimmend. daß von der besseren Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt in der Hauptsache nur ge­lernte Facharbeiter haben Ruhen ziehen können, während das Angebot an ungelernten Arbeits­kräften in der Regel die Rachfrage nach wie vor bei weitem übersteigt. Ebenso läßt sich feft- ftellen, daß von der besseren Beschäftigung in erster Linie die Saisonbetriebe Ruhen ziehen konnten. Besonders das Weihnachtsgeschäft hat fich bei vielen Gewerben günstig bemerkbar ge­macht. So war z. D. die Rachlrage nach Ver­käuferinnen sehr groß: ebenfalls wurden bis vor kurzem noch stark verlangt Arbeitskräfte aus der Rahrungsmittel-Induftrie, sowie aus manchen Luxusgewerben, die in der Hauptsache für Weihnachtsbedarf arbeiteten. In gewissem Grade kann man zu den Saisongewerben auch noch das Baugewerbe rechnen, dessen Beschäf­tigungsgrad von der milden Witterung günstig beeinflußt wird und bet dem der allgemeine Optimismus hinsichtlich einer kommenden Bau- konjunktur in der Rachfrage nach Acbeits- fräften jetzt schon zum Ausdruck kommt. Es läßt sich jedoch bereits jetzt erkennen, daß mit tem Weihnachtsfest manche Beschäftigungs.nög« lichkeit aufhören wird. So z. D. übertoieaen in