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Blatt

K4. Jahrgang

Montag, 2). Dezember 1924

ilchenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Prnrf un» Dtrldg: vrLHI'sche univtrfitälsGuch- und Skinörntfcrci «.Sangt in Siesten. Schnstlettun, und Seschüfiriteile: Lchn"ttaste 7.

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. für Politik u. Feuilleton: Dr. Frietr. l^3,ll). Lange! für den übrigen Teil: Ernst Blums6)cin; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gicgen.

Der Vertragsbruch bestätigt.

Pari«. 27. Dez. (WTD.) Ministerpräsi­dent Herriot hat heute vormittag Marschall § o ch und seinen Generalstabschef D e st i g e t empfangen.

Der deutsche Aotschaster von H o e s ch wurde heute vormittag von dem Vorsitzenden der Bot- schafterlonferenz. Jules C a m b o n, empfangen.

Die Votschafterkonferenz ist danach unter dem Vorsitz von Jules Cambon zufam-- mengetrelen. Eie konnte, wie offiziell mitgeteilt wird, das einstimmige Einverständnis der französischen, englischen, belgischen, italieni­schen und japanischen Regierung in der Frage der Kölner Zone festftellen. Sie hat sich als­dann über das Verfahren geeinigt, das hin­sichtlich der Notifizierung an die deut­sche Regierung cingeschlagen werden soll. Die Botschafterkonferenz hat den Inhalt der Note besprochen, die die alliierten Negierungen nochvor dem 10. Januar an die beut» scheRegierung richten werden. Die Botschas- terkonfereuz wird noch einmal zusammentreten, um den endgültigen Text der Note fest­zulegen. Der Beratung der Dv^chafterkonferenz wohnten nicht nur Marschall Foch, sondern sämtliche militärische Sachverstän­dige der in der Dotschafterkonferenz vertretenen Mächte bei.

DasJournal des DebatS" betont ausdrück­lich, daß der Vorsitzende der Interalliierten Kon- irollkommission in Berlin, Grtteral Walch, an den Beratungen nicht teklgenommen hat. Die Beratungen haben um 11.45 Ahr begonnen und waren nm 12.35 Ahr zu Ende.

Die Botschafterkonferenz hat also doch noch am Samstag getagt und bestätigt in dem Kom­munique, das sie über den Verlauf ihrer Sitzung herausgibt, dasvollständige Einvernehmen der verbündeten Regierung in der Frage der Kölner Zone". In welcher Richtung aber sich dies Einvernehmen betätigt, darüber schweigt sie sich aus, man erfahrt nur, daß eine Note abgefaßt werden soll, die vor dem 10. Januar an die deutsche Regierung zu rieten ist. Allerdings diese Fristsetzung läßt wohl den Beschluß zu, daß man beschlossen hat, am 10. Januar Köln noch nicht zu räumen: wobei neben­bei bemerkt sein darf, baß Köln auf deutscher und hoffentlich auch auf französisch-englischer Seite nur herausgegriffen wird als der wesent­liche Begriff der ersten Zone, benn tatsächlich handelt es sich ja nicht allein um die Stadt Köln, sondern um ein volles Drittel des besetzten Gebietes, das von englischen, französischen und belgischen Truppen beseht ist.

Wir werden also zur Noti.; nehmen müssen, dah die hohe Entente nicht die Absicht hat, ihren Verpflichtungen nachzu- kommen und die erste Zone am 10. Januar zu räumen. In dieser Zielsetzung waren Eng­land und Frankreich schon seit langem einig. Die Absichten aber, die sie dabei verfolgten, gingen sehr weit auseinander, man könnte hier direkt von einer französischen und von einer eng­lischen These sprechen. Die französische ging darauf hinaus, die Gelegenheit zu benutzen, um mit einem salto mortale über die Räu- mungsfrist überhaupt wegzukommen und die französischen Truppen weiterhin auf unbegrenzte Zeit an den Ufern des deut­schen Rheins zu verankern, also lediglich in Form eines Diktats Deutschland mitzu- leilen, dah die Räumung der ersten Zone nicht möglich sei, weil Deutschland die Verpflichtungen der Entwaffnung nicht erfüllt habe. Punktum.

Soweit wollten de Engländer nich gehem Sie haben zwar den fvanzös schen Einflüsterun­gen Gehör gegeben, dah Köln nicht geräumt werden kann, solange bfe Ruhrbes tzung dauert, gingen aber dabei immer von der Voraussetzung aus, dah sich eine mittlere Linie finden lassen würde, etwa um den Mai herum, wobei bann die erste Zone zusammen mit dem gesamten Ruhrgebiet uns zurück'eae'en werden solle. Herr Herriot, der vv. Wochen eine ähnliche Möglichkeit in Erwägung zog. ist inzwischen so stark der Gefangene des na­tionalen Blocks gewo den, daß er es schon rar nicht mehr wagt, solche Anregung zu er­wägen. Er hat längst vergessen, daß die Frist von einem Jahr für die Räumung der Ruhr, die in London verabredet war, nur als Marimal- frtft gedacht wurde, daß auch ec selbst Zusagen gemacht Hit, aus denen man entnehmen muß e, bah er die französ schen Truppen wesentlich frü­her zuiückrufen würde. England dagegen war nur bereit, den Ze.tpunkt der Räumung etwas hinauszuschieben, bis der Bericht der Kont o l- Kommission vorlag, und darüber mit Deutsch­land zu verhandeln.

W lche bicf?t beiden Anschauungen s ch schließ! ch durchgesetzt hi', darüb r t poen w r vorläufig noch im Dunkeln: vermutlich werd n als Erg bnis dieser G heimn s.rämerei die ver- schi den rt gsten Lesarten heraus o nmen, zumal da h:nt'r den Kul ssen bis zun l y ei 2tug n- blick noch e n sehr schiefer Ka.npf zw s hen Paris und London auSg fochten wurde, en Ktmp', de - uni so schärfere Formen annahm, als zu! yt auch Die Vereinigten Staaten in die öffentliche Diskussion eingiif n und von amt­licher Stelle laut und d utiich verkünden le en, d^ß für sie die Hinauszögerung b ' r 'S ä t! m u n g eine ernste Gefäh rdung d v G.undlage des Dawes-Gutach- tenb'be.'.t te. Mit vollem Recht.

Es ist unvermeidlich, daß in Deut schland das Verbleiben der Desatzungstruppen als eine Brüskierung empfunden wird, zumal wenn man etwa wirklich versuchen wollte, uns einfach die Tatsache mitzuteilen, und dah dadurch ganz automatisch der Kreis aller derer wachsen wird, die den Standpunkt vertreten, daß alles Ent­gegenkommen gegen die Wünsche der En­tente zwecklos ist, weil man unsere Zahlungen gern entgegennahme, aber immer nur den Ver­such machen wird, uns tiefer in die Knechtschaft Au verstricken. Deshalb wäre vielleicht auch er- wägensu-ert gewesen, ob nicht vielleicht der Reparationsagent von sich aus hätte ein­greisen müssen, um Herrn Herr io t klar zu machen, daß er durch seine Politik dem Frieden Europas jede Grundlage entzieht. Immerhin ist die War­nung von Washington her auch nicht mihzuver- stehen. Wenn man sie in Paris und London nicht hören will, wird sich vermutlich auf der Dis­kussion der Ententeschulden in Amerika Gelegen­heit geben, sie noch unmißverständlicher zu wie­derholen.

Reichswehrmini^er Getzöer gegen denseindlichen Schwindel.

Berlin, 27. Dez. (WTB.) Reichswehr­minister Dr. Gehler gewährte einem Mitar­beiter desD. T." eine Unterrebung, worin er sich über den ganzen Komplex der Entwaff­nung und Räumung der ersten Zone aussprach. Dr. Gehler führte aus:

Die Frage der Räumung von Rhein und Ruhr ist eine Frage der hohen Politik. Frankreich sieht in dieser Besetzung die Grundlage seiner ganzen Rheinland­politik. Die Frage der Abrüstung soll jetzt für diese Politik nur den Vorwand bergeben. Poincare hätte seinerzeit die durch das Gutachten von Hurst und Fromageot schon in London ad absurdum geführte These aufgestellt, dah die im Vertrag von Versailles für die Räumung vor­gesehenen Fristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen hätten. Die französische Politik hat angesichts des Widerstandes der ganzen Welt gegen eine solche Argumentierung einen an­deren Weg eingeschlagen. Man sucht jetzt Stimmung dafür zu machen, dah Deutschland nicht abgerüstet habe. Dazu werden Tag für Tag

Schauermärchen über deutsche Rüstungen in die Welt gesetzt, die stark an die Kriegs- greuelpropaganda erinnern, und denen gegenüber die jetzt maßgebenden Pariser politi­schen Kreise leider den nötigen Abstand zu ver­lieren scheinen. Dabei hofft man, alte Zwie­tracht in Deutschland zu säen und neue Helfershelfer zu gewinnen, denn man weih, wie leicht es ist, Deutsche gegen Deutsche zu hetzen und aus der Frage der auswärtigen Politik eine innere deutsche Frage zu machen. Die französische Presse gebärdet sich in den letzten Wochen, als ob tatsächlich eine Reihe ganz schwerer Verfehlungen von der Kommission festgestellt worden seien. Der Versuch, diese Ver­fehlungen zu präzisieren, kann uns nur angenehm fein, denn dadurch können wir den sogenannten Fällen nachgchen und sie auf ihren Tatsachentern zu ück ühren. Die e ft - ranz allgemeine Behauptung war die von einer Ob = struktionDeutschlands gegen die G ne a> Inspektion. Da nun fast 1 8 0 0 Kontroll- besuche meistens ohne Reibung durch- geiührt sind und ba die interalliierte Mi.i:är- kontrollkommission zugeben muß daß sie in jede Kaserne, jedes Gebäude, jede Fabrik und jeden Raum Zutritt gesunden hak, läßt sich diese Er­findung witk.ich nicht ausrech e h l en. Dann hat man ganz allgemein bel-auptet, es seien große heimliche Waffcnlager au'ge'un- den worden. Die Wahshei- ist. daß Äe Kommission

keinen Fund von irgendwelcher Bedeutung gemacht hat. Daran ändern auch nichts die aller- neuesten Dehauptungen, die ich Fall für Fall mit Ihnen durchgehen möchte. Die erste große Sensation war die Nachmcht von einem gro­ßen Geschühfund auf dem großen Truppen­übungsplatz Königsbrück. Es hakt sich hier herausgestellt, daß die angeblich verheimlichten Geschütze vierzehn alte Zielgeschütze waren, die seit langen Jahren als Ziel­scheiben dienten und auch Spuren dieses Ge­brauchs zeigten. Die nächste große Nachricht war ein angeblicher Fund von Ausrüstungs­mat e r'i a l für drei D i v i s i o n en. Den Kern dieser Sage bildete ein Fund von 20 alten Sätteln. 43 verrosteten Ka­rabinern und Gewehren und 15 alten Maschinengewehrge st eilen ohne Gewehre und ei igem Zubehör bei einem Dresdener Reiterregiment. Merkwürdigerweise wurde ein Fund von 277 Seitengeweh en und 31 Laufen in Dessau wenig ausgeschlachtet: da­gegen reizte es die Phantasie der französisch n Berichterstatter, dah in einem alten man denke zugebauten! Gang der Schießstänbe- in Ruh - leben ein Fund gemacht wurde. Es handelte sich allerdings nur um verrostete Wasser- kästen für Maschinengewehre, die nicht einmal mehr das Einschm l en lohnten.

Daß sich an Namen w.e Krupp L g n'cn knüpfen wurden, wir zu erwarten. De\::n= zös sch? Pre se berichtete denn auch in den etz en Tagen, baß dort 25 000 Gußstücke für G e - Wehrläuse ertb dl wurd n D ese Gere r- läufe sind tatfächl ch bei Krupp. Sie sind eine Bestellung der F.rma Simfon in Suhl, die |

uns als Wafseulieferant selbst vorgeschrie« bcn wurde und die. ebenfalls nach den De» ft i m m u n g e n b e r Ä o n t r o IH o m m i f f i on, diese Halbfabrikate bei ber F rna Krupp zu bestellen hatte. 3m ubr gen ist es c ne phan­tastische Vorstellung, bah bet b n K uppschen Werken im b s yten Geb ei, in dem es von fran­zösischen Truppen Wimm It. uberh up c ne heimliche F br.fation von Kri gsma.erial mög­lich fei. Die Pariser Presse beschäftigt sich ferner mit bem Fund einer größeren Anzahl Stahl- fl a s ch e n bei Dorsig in Tegel. U.ber biese Angelegenheit schwebt zur Zeit ein Sch istwechsel zwischen ber Interalliierten Militärkontrolllom- Mission und ben zuständigen Stellen ber Reichs­regierung.

Eine Weihnachtsüberraschung bildete bann ein angeblicher Riesenfund von 40 000 Stahi­st ä b e n für bie Fabrikation von Gewehren unbMaschinengewehren. An biesem Fall ist bie Reichswehr überhaupt nicht beteiligt. Ich kann es ihnen aber sagen, um was es sich handelt. Am 23. Dezember fand die Kontroll­kommission in den Berlin-Karlsruher Inbustriewerken in Wittenau in einem Lagerschuppen 4050 000 sog. Rohlinge. Das sind Stahlstäbe, aus denen man Gewehrläufe ma­chen kann. Nun fabriziert diese Fabrik aber Jagd- und Sportwaffen. Irgendein In­dizium, dah geplant war. aus diesen Rohlingen Militärgewehre und nicht Jagd» und Sportwaffen zu machen, liegt nicht vor. Die Stäbe waren auch nicht etwa versteckt, sondern lagen feil 1919 ober vielleicht noch länger in Latten- und Holz- verschlägen, deren Türen nicht einmal verschließ- bar waren, und bie beshalb mit einem Nagel not­dürftig Angeschlagen waren. Rund 10 020 von die­sen Rohlingen haben ein etwas größeres Format. Mm diese Stäbe verwerten zu können, schickte die Firma schon vor längerer Zeit ber3nteral li­ierten Militärkontrollkommission einige Muster st ücke davon mit Vorschlägen übet eine Verarbeitung in doppelläufige Jagdflinten. Auch das spricht nicht gerade für die Heimlichkeit dieses Lagers. Das ist Der Tatsachenkern, ber den Sensationsmeldungen der französischen Presse zugrundeliegt. Nicht orien­tiert wurde aber bie französische Presse darüber, baß

eine große Anzahl von Aeberraschungsbesuchen nicht eine einzige Waffe zutage gefordert

hat. so Desuche in dem Fort Hahneberg und Küstrin, verschiedenen Potsdamer Äare nei.- beritz, Ingo stabt. Laubenhof bei Astenstein usw. Geradezu unerfindlich ist es mir. baß bie Mel­dungen über das Fo ^bestehen einer organisierten geheimen Wasfenfabri at on in Deutsch a d nicht verstummen wollen. Die Interalliierte Militärkvntrvllkom Mission kennt jede Fabrik Deutschlands. Ich möchte sagen, sie kennt jede Drehbank und jeden Schaub- stock. Sie würde sich selbst fein glänzen­des Desähigungszeugnis ausstellen, wenn sie behaupten würde, daß nach ihrer fünf­jährigen Tätigkeit, wahrend welcher sie wahr­haftig jede nur denkbare Möglichkeit untersuchte, solche geheime Waffenfabrilat.vn in Deutschland noch möglich wäre.

Ein Dementi Krupps.

Essen, 28. Dez. (Wolff.) Von ber Firma Krupp wirb uns mitgeteilt: Die Pariser Meldung, baß 47 000 neue Gewehre bei Krupp ermittelt worben seien, ist voll­st änbig aus ber Luft gegriffen. Krupp-Essen hat bekanntlich überhaupt nie Ge­wehre her gestellt. Das kleine Kruppsche Stahl­werk in Annen-Westfalen walzt von altcrsher Gew h.lau stäbe. namentlich für Iagdg w.hre, ist aber als Unterlieferant für ben D.darf b r Reichswehr zugelassen. Dementsprechend hat Annen 1924 etwa 25 000 rohe unaebohrde Lauf­stäbe für bie von ber Kontrollkommission zu- gclassenen Gewehrstäbe gewalzt. Dies ist auch ben Konttollbehvrben gegenüber niemals verheimlicht worben.

Mitteilungen e nes englischen Generals.

London, 29. Dez. (211.) General Mor­gan, der britische Vertreter in der Interalli­ierten Kontrollkommission, veröffentlicht in der Wochenschrift ,QuatcrIt) Reviewe" einen Artikel über den Stand der deutschen Rüstungen. Dec Versa: ser geht be anders ausführlich auf die Rolle des Generals v. S e e d t ein. Er nennt ihn einen zweiten Moltke, besten Silhou­ette in fünf ober zehn Jahren auf Europa viel­leicht einen gigantischen Schatten werfen könnte. Wester behauptet General Morgan, daß von Deutschland seit Unterzeichnung des Friedensver- träges in jeder Wei e versucht würde, eine Re­vision der Militärklausel herbeizuführen. Hierzu seien die kommunistischen Unruhen und andere Punkte zum Verwand genommen worden.

Die deutsche Frderung sei vollkommen un- gerccntfert gt, bc. ein ge r guläre Trup --en- bataillonc zur Nieb rw rfun; von lommu isti- schen Putschen Dell o ame.. u r ichten. Tro dem sei c-.ic Truppenausstellung bi: bie im Versailler V. rtrag festgesetzten Zi fern um bas Zweisache üb rst'ige, und e n General- ft a b für 20 D o s onm e nge achtet worden. Weiter erklär D r e gl sche Komm if ir, baß Ge­he . m b ü n b e früherer Kriegsteilneh­

mer bie Divisionen zu Armeekorps zu ertoei evn hätten. Was bie Armierung b r deutschen Artillerie and lang . so habe bie deutsche Heeresleitung in einem Fort unter Befrist'oung auf ben Versailler V rtrag ver uchi, d n B b.irf für 20 Armeekorps zu deck n De Verbündeten durchschauten jedoch das Ziel und bc'ianbcn in Spa energ sch auf c n: gerechte Erfüllung der Vertra g f auf.'ln. Dartufh n änb rt. der d. ustche Generalstab seine Takt k.

Die deutschen Militärbehörden verfuhren da­bei in der Weise, dah sämtliche verbotene Ge- heimbünde in bestimmten Einheiten ben Kom­pagnien angeschlossen wurden. General Mor­gan führt weiter aus, bie deutschen Regierungen entstünden und vergingen, General von öeedt bliebe aber stets im Amte. Er sei gegen die Re publik loyal, weil die Republit sich ihm gegen­über loyal zeige, d. h. ihm jeden Dunsck) zur Verwirklichung seiner Pläne erfülle, die aus eine gewaltige Militärmacht nach dem Deispiele Moltkes abzielen.

Weiter behauptet Morgan, daß Deutschland ein Jahr nach Aufhebung ber Kontrollkommission die Herstellung von Waffen auf ein Höchstmaß wie 1916 bringen werde. Das deutsche Oberkom­mando sei in ber Lage, allen Anforderungen innerhalb drei Monaten gerecht zu toerben. Der Gefahr ber deutschen Rüstungen könne nur be­gegnet werden, wenn nicht nur die Kontroll­kommission im Amte bleibe, sondern auch die Desehung der Brückenköpfe am Rhein, besonders des Main-er Brücken­kopfes. auf unbeftimmte Frist ausrecht­er h a 11 e n werde. Für den Fall, baß bie Kon- trole aufgelöst und bie Rheinarmee wesentlich verringert werde, könne der Fried:n in Europa für nicht länger als ein Jahr verbürgt werden.

Ein neues Tikrat in Sicht?

Paris, 28. Dez. (WD.) DasJournal' will wissen, daß ber gestern abenb in einer Kon­ferenz am Quai d'Orsay ausgearbeitete Ent­wurf der an Deutschland zu richtenden 9k v I c auf Artikel 249 des Versailler Derrrages Be..ug nimmt und erklärt, bie Räumung der Kölner Zone setze voraus, baß Deutschland alle Vertrags- Verpflichtungen erfüllt habe, daß man aber schon heute feststellen könne, daß sie bis 10. 1. nicht erfüllt werden könnten. Die Votschafter­konferenz habe bis jetzt zwar den endgültigen 'Be­richt per Militärkontrolllommission noch nicht er­hallen, der ohne Zweifel nicht vor dem 20. 1. vor­liegen werbe, doch hätten die eingelaufenen pro­visorischen Berichte schon die einstimmige Fest­stellung ergeben, dahzahlreichesehrernste Verletzungen gegen die Dertragsvorsd>, i t:n Vorlagen und noch fortgesetzt begangen würden. Die Rote werde dann den 3eridv des Interalli­ierten Kontrollkomitees in Versailles über den Stand ber Generalinspektion, den Marschall F o ch gestern ben Botschaftern vorgelegt habe, resümie­ren unb schließlich zu der s e h r k u r z e nS ch 1 u ß° f olger ung kommen, daß bie Räumung der Kölner Zone nicht erfolgen könne, solange Deutsch- lanb sich nicht mit dem Versailler Vertrag in Regel gesetzt habe. Diese Feststellung, so folgert das Blatt, bestätigt, daß die wesentliche Frage ber Verlängerung der Besetzung noch nicht geregelt, sondern vertagt wurde.

Auch bas3ournal des Debats" be­stätigt heute abend, daß hierüber Einigkeit zwi­schen London unb Paris noch nicht bestehe. Das, Blatt geht sogar weiter und erklärt, daß mam sich über bie Degrünbung unb bie Folgen, die die nicht getreue Erfüllung ber in Artikel 429 et* wähnten Bedingungen nach sich ziehen würden, noch nicht verständigt habe London würde es vorziehen, daß man die flagrante Verfehlung Deutschlands nicht betone, sondern vor allem die Behinderung in den Vordergrund stelle, die bie Kontrollkommission bei der Durchführung ihrer Aufgabe gesunden habe. Das Blatt hofft, daß bis Mittwoch die britische Regierung über die ernsten Ungelegenheiten einer derartigen Be­gründung nachdenke. ,

Der .SeinH dagegen will wissen, dah keine Meinungsverschiedenheit zwi­schen London und Paris besteht. Er schreibt: Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir erklären, daß sie nicht bestehen oder nicht mehr bestehen. Heber die Räumung der Kölner Zone kann es nur eine einzige Auffassung geben, weil es sich um nichts ander s handelt als darum, ob Deutsch­land feine Verpflichtungen erfüllt hat, oder ob es in Verzug ist. Man begreift sehr wohl, daß man die Konklusionen des Generalberichts ab- warten will, um endgültig die Verantwortung, bie das Deutsche Reich trifft, feftruftellen. Aber schon heute ist man über die Tatsache unterrichtet, daß Deutschland bie festgelegten Bedingungen nicht erfüllt hat, und daß infolgebeffen die Kölner Zone nicht zur vorgefchricdenen Zeit geräumt werden kann. Nach dem Blatt scheint hinsichtlich des Verfahrens, über das man sich ver­ständigt habe, nichts zu befürchten zu fein. Wenn der Hintergedanke, eventuell mit der deutschen Regierung über ein Kom­promiß z u verhandeln. in einigen Kreisen bestanden habe, so scheine jetzt alles zu bestätig?n, daß er keine Aussicht mehr habe, durch ubringen.

Aut all F llef2inichtmeh"d'eRede davon das Komprom ßabztftzließen, durch bas b_d Problem ber verz g r en Räu­mung der Kölner Zone mit b rj n g. n der beschleunigten Räumung des R u h r g e b ' e t s verbunden werbe, *S><e Räumung des Ruß?/»