übrigen ML-t-e die nalltärische Räumung des Ruhrgebiets verlangten, jenes _ Mort ent» gcgenzuhalten, das die größte Finesse aller Diplomatie fei: Wieviel?
Eine englische Meldung.
L v n d o n. 28. 3ult Wie der Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, wurde H e r r i o ts zweiter Beschluß beglich der militärischen Räumung des Ruhrgebiets durch ein Schreiben Ramsay Macdonalds hervorgerusen, in dem letzterer namens der britischen Regierung bei den französischen Kollegen in freundschaftlichster Weise anregte, daß der Augenblick gekommen sei, in dem die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets aufgeworfen werden könne, da es schwierig sein würde, sie noch zu rechtfertigen, wenn die wirtschaftliche Räumung sendet sein würde. Der Berichterstatter nimmt an, daß Macdonald äußerte, daß eine Fortsetzung der militärischen Besetzung dazu führen toüibe, den Fluß der Ärebite nach Deutschland und Europa im allgemeinen zu gefährden und daß er infolgedessen bei Herrivt darauf drang, daß es angemessen sei, eine bestimmte 3 e i t g r e n z e für die Beerdigung der milltäri- scheu Räumung anzugeben. natürlich vorausgesetzt. d.ihDeutschland denDawesbericht durchführe. Diese Frage wurde von Macdonald, Herriot und Theu- nis auf ihrem Rückwege von der Flottenrevue am Samstag erörtert. Herrivt wies darauf hin. daß in Anbetracht der Tatsache, daß die Frage der militärischen Räumung weder im Dawesbericht noch in der englisch-französischen Rote vom 9. Juki enthalten sei, die Erörterung außerhalb der Konferenz selbst zwischen den alllierten Premier- Ministern und den Besatzungsmächten und Deutschland geführt werden sollte.
Der Berichterstatter weist ferner darauf hin. daß Deutschland unter dem Versailler Vertrag am 10. Januar 1925 seine kommerzielle Freiheit wiedererlangen soll. Er Trimmt an, daß Frankreich Ku einer Becangung der baldigen militärischen Räumung d:s Ruhrgebiets machen werde, daß Deutsch- land sich bereit erlläre, mit Frankreich einen Handelsvertrag abzufchließen, der den Erfordernissen berInbustrie Frankreichs, vorallem Elsaß-Lothringens, vollauf'Genüge lei st en würde. Das sei ehre Frage, die von beträchtlichem Interesse für den britischen Handel sei und Die fest an das Problem der herrischen Repara- Itonen und Sachlieferungen geknüpft sei.
Die „Erholungsreise" des Staatssekretärs Hughes.
London, 28. Juli. Der „Times" zufolge nahm Staatssekretär Hughes gestern mit Mac- dvnald und dem amerikanischen Botschafter in Chequers das Frühstück ein. Hughes fährt heute nach Paris ab.
Einer Drähtmeldung aus Berlin zufolge wird der amerilanische Staatssekretär Hughes auf feiner Europareife am Sonntag in Berlin ein- • treffen.
Der Kampf gegen die Schuldlüge.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 29. Juli. Wie aus Kreisen der Regierungsparteien mitgeteilt wird, beabsichtigt die Reichsregierung, keine regierungsamtliche Erklärung in Sachen derSchuldlüge abzugeben, bevor riichtdieLondonerKonferenzgreif- zbare Resultateerzielthat.Den weiteren Kampf gegen die Schuldlüge denkt ^sich die Reichsregierung im Einverständnis mit .den Regierungsparteien folgendermaßen:
Dem Reichstag wird demnächst ein von den Regierungsparteien und der Sozialdemokratischen Partei unterzeichneter Antrag zugehen, der die Wiederaufnahme der Arbeiten des Untersuch ungsausschusseS über die Llrsache des Weltkrieges verlangt. An der Annahme dieses Antrages besteht kein Zweifel und der Ausschuß soll baldigst eingesetzt werden und seine Arbeiten bis zum Herbst zum Abschluß bringen. Alsdann würde ein Schluß Protokoll des Ausschusses in einer kurzen Erklärung die Resultate dieser Untersuchung zusammenfassen und die Reichsregierung würde sich dieses Ergebnis zu eigen machen und es in amtlicher Form den europäischen Regierungen bekanntgeben. Lieber die Beteiligung
Der Alie aus Topper.
Roman von Hanns t>on Zobeltih.
28. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Er lachte, daß es dröhnte, schnob einmal wieder zu seinen Orgelpfeifen hinüber.
„Müht wissen, zwei von denen da sind Sachsen, die wir bei Pirna gefangen, und einer ist österreichischer Lieberläufer. Stecken mm alle in Friedrichs Rock, möchten aber lieber heut wie morgen heraus, trotzdem das Ach*groschenstück doch nirgends so pünktlich auf die Stunde fällt, wie bei uns. Ja . . . eine tolle Bandel Aber wo soll der Rex die Soldaten herkriegen, muß sie halt nehmen, wo er sie findet. Beim Zeus und allen Göttern des Olymp, die Minerva tnBegriffen! Die Kantonisten werden rar, die Werber bringen immer weniger aus dem Reich. So müssen's solche Himmelhunde tun, die nur die Angst vor der Gasse hält. Der Schwarze da, der Kerl, hat schon achtmal Gasse lausen muffen. Dos kitzelt. Seither muckst er nicht mehr. Was macht Ihr für ein Gesicht. Herr Junker? Euch gruselt wohl? Ja . . . die Spießruten . . . solch ein zerfetzter Rücken ist zum Oammern. Aber was wollt Ihr! Es geht nicht anders. Lind man wird hart mit der Zeit. Werdet's auch noch erleben, Ihr junges Blut."
„Lind dann laßt's Such sagen: wie sorgt der Friedrich für seine blauen ftinber! Ist noch keiner in der Armee Hungers gestorben, auch nicht in der Zeit der größten Rot. Um alles hat er persönliche Sorge, um die Kranken, um die Blessierten. Lind wenn er so am einem vorüberreitet, mit den großen Auaen einen anguckt — Donner
der Deutschnativnalen an den Arbeiten des Ausschusses schweben zur Zeit noch Verhandlungen. Die Deutschnativnalen werden ihre Mitarbeit voraussichtlich abhängig machen von der Haltung der Reichsregierung auf der Londoner Konferenz und von dem Ausgang der Verhandlungen Über das Gutachten. Die Reichsregierung wird dem Ausschuß alles nur denkbare Material zur Verfügung stellen und nach Abschluß der Arbeiten einen Appell an die früheren Kriegsgegner richten, auch ihrerseits die Archive zu prüfen und einer internationalen Kommission die Einsicht zu gestatten, um ein abschließendes Urteil über die Kriegsursache zu gewinnen
Anfragen im englischen Unterhaus. Die Pfalzausgewiescueu. — Der Ga- rantiepakt. — Die Abrüstung. — Jn- duftriesorgen wegen der deutschen
Konkurrenz.
London, 28. Juli. (WB.) Unterhaus. Morell fragte, ob der Premierminister mitteilen könne, ob die Einwohner der Pfalz, die von den französischen Behörden ausgewiesen wurden und deren kürzliche Rückkehr gestattet wurde, t a t= sächlich zu ihren Heimstätten zurück- gelassen worden seien.
Macdonald erwiderte, nach den in seinem Besitz befindlichen Informationen habe die Rückkehr der aus der Pfalz Deportierten nach der Heimat bereits begonnen. (Aber General de Metz streicht die Ramm der ihm und seinen Separatistenfreunden mißliebigen Personen: Die Schristl.)
Ein Mitglied fragte, ob einige andere Mitglieder des Völkerbundes bezüglich ihrer Haltung gegenüber dem vorgesehenen Garantiepakt eine Entscheidung getroffen hätten.
Premierminister Macdonald antwortete, daß Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland und Lettland stch im allgemeinen günstig geäußert hätten, wenn auch Belgien und Finnland zahlreiche Anregungen betreffs Abänderungen gemacht hätten. Die Union der Sowjetrepubliken und die Vereinigten Staaten von Amerika hätten erklärt, nicht in der Lage zu fein, zuzu stimmen. Die Frage, ob die französische Regierung allgemein ihre Zustimmung geäußert habe, wurde von Macdonald verneint.
Kennworthh stellte eine Frage wegen der geplanten Abrüstungskonferenzen.
Macdonald erwiderte, die Angelegenheit werde erwogen und es werde darüber verhandelt.
Auf die Anfrage Kennworthys, ob irgendein Fortschritt in der Richtung auf eine Bermin- derungderRü st ungen zur See durch eine Vereinbarung zwischen den hauptsächllchsten Seemächten festzu stellen sei und welche Schritte die englische Regierung in der Angelegenheit zu unternehmen gedenke, erwiderte Macdonald, die Verminderung der Rüstungen werde von der englischen Regierung als eine der wesentlichsten Bedingungen der nationalen Sicherheit betrachtet. Sie müsse indessen durch eine Politik vorbereitet werden, die unter den Rationen Vertrauen schaffe. Ein ungeschickter Schritt würde unberechenbare Schäden anrichten.
Sir WilliamDull unterbreitete eine Petition des nationalen Verbandes der Fabrikanten, worin gebeten wird, dem Plan, der jetzt die Aufmerksamkeit der alliierten Konferenz bezüglich der Anleihe von 40 Millionen Pfund an Deutschland in Anspruch nimmt, sorgfältige Erwägungen vom Standpunkt der Frage aus zu widmen, daß die britischen Industrien, von der Textilindustrie abgesehen, davon berührt werden. Der Plan möge einem Ausschuß, der die SPntereffen der Unternehmer wie auch der Arbeiter vertritt, zur Untersuchung überwiesen werden, bevor eine bindende Vereinbarung eingegangen werde.
Lord Birkenhead hat im Oberhause dieselbe Petition, die von 1700 britischen Firmen ausgeht, unterbreitet.
Eine deutsche
Garantiepakt-Denkschrift.
Genf, 28. Juli. (Wolff.) Die deutsche Regierung ließ heute dem Völkerbunds!ek.e- tariat eine Denkschrift überreichen, in der der deutsche Standpunkt zu dem von der letzten Völkerbundsversammlung ausgearbeitetcn Garantiepakt, d. h eines Vertrages fifoer gegenseitige Unterstützung, bargefegt wird. Verfasser der Denkschrift sind namhafte deutsch juri-
wetter! — das hilft über alles fort! Unser großer König!
»Junker, habt Ihr schon von den schönen Liedern CineS Grenadiers gehört? Manchmal flattert solch Blatt ins Lager und mahnt unser- einen, der mehr als bloß lesen gelernt, ganz, seltsam an vergangene Sage, wo man griechische Heldenlieder traktierte. Gleim soll der Dichter heißen, möcht' ihn Wohl leirnenlernen. Das Herz lacht einem, wenn er so singt:
Auf einer Trommel sah der Held Und dachte feine Schlacht, Den Himmel über sich als Zelt Und um sich her die Rächt."
Jetzo bramarbasierte der Korporal, der geweste Studio aus Gießen, nicht mehr. Ran leuchtete die Begeisterung aus seinen Augen. „Hab' Wohl auch mal ein Carmen probiert," meinte er bann, fast traurig. „Aber es langt nicht Frau Muse pariert dem Korpvralstock nicht. So, und jetzt muß ich meine Bursche auf ihr Stroh bringen!“ Stand auf und reckte sich „Auf, ihr HimmelhundeI Rechts um! Marsch! . . . Gute Rächt, Herr Junker, und du vorn Regiment Zastrow! Und wenn ihr träumt, so sei's vom Alten. Divat Fridericus Rex!"
Tags darauf, um die Mittagsstunde, sind sie zu Hirschstein eingeritten, wo kurz vorher der König zu feiner Armee gestoßen war.
Das Herz pochte dem Junker Zabeltitz doch gewaltig gegen die Rippen, wie er das Bauernhaus sah, rn dem Friedrich quartierte. Ein moosbe- dachtes Haus, ein wenig größer als die anderen, mit zwei Posten vor ter Tür. Sonst nichts Be- svlrderes, bloß ein ewiges Kommen und Gehen von Offizieren und Ordonnanzen darin scheu.
striche Persönlichkeiten. — Die deutsche Regierung war seinerzeit, wie alle anderen Regierungen, zur Stellungnahme zum Garantiepattentwurf au f gefordert worden.
Kleine politische Nachrichten.
Dor dem Ende des deutsch-russischen Konflikts.
Wie aus Berlin gedrahtet wird, steht der deutsch-ruffische Konflitt über den Vorfall in der russischen Handelsvertretung in Berlin vor seiner Beilegung. Minister des Aeuhern Dr. Strese- mann habe den derzeitigen russischen Geschäftsträger in Deutschland, Botschaftsrat Brodowski, zur Unterzeichnung eines zwischen Rußland und Deutschland vereinbarten Protokolls über den Zwischenfall empfangen. Die Unterzeichnung des Protokolls sei jedoch noch nicht erfolgt, da noch einige kleine redaktionelle Aenderangen vvrgenom- men werden sollen. Die Unterzeichnung soll jedoch an einem der nächsten Tage in dieser Woche erfolgen.
Deutschland in der Türkei voran.
H a v a s meldet aus Angora, daß das Innenministerium die Absicht habe, zwölf aus- ländischeSpezialistenzuengagieren, darunter einen Italiener für die städtischen Betriebe von Angora, drei Oesterreicher für den Sicherheitsdienst, fünf Deutsche für Post und Telegraph, zwei Belgier als Standesbeamte und einen Engländer als Mitglied der Aufsichtsbehörde für den öffentlichen Unterricht. Für das Gymnasium Galatho Serail sollen vom Kommissar für den öffentlichen Unterricht neunzehn Professoren engagiert werden.
Amerikanische Sühn »-Forderungen an Persien.
Rach einem Kabelbericht aus Washington wird heute eine entschieden gehaltene amerikanische Rote wegen i>er Ermordung des amerikanischen Konsuls in Teheran der persischen Regierung überreicht, in der eine formelle Entschuldigung und angemessene, Entschädigung für die Familie des Konsuls gefordert werden. Ferner wird die feierliche Verwarnung an die persische Regierung gerichtet, daß eine Wiederholung derartiger Verbrechen ernsteste Folgen nach sich ziehen würde.
Flucht der Aufständischen aus Sao Paolo.
Buenos Aires, 28. Juli. Fanksprach. Rach einer Meldung aus Rio de Janeiro fliehen die Aufständischen, nachdem sie Sao Paolo verlassen haben, in das Innere des Landes. General Gvsta hat die Stadt 40 Meilen südwestlich von Sao Paolo besetzt und will die Flucht der Aufständischen verhindern.
Jur Lage in Italien.
Anschuldigungen gegen französische Blätter.
Rom, 29. Juli. „Messagero" behauptet,. daß das Verbrechen an Matteottivon Pseudo-Faszi st en begangen wurde, die die Regierung Mussolini bekämpfen. Hinsichtlich der Gründe des Verbrechens, das von den Feinden Italiens aus geheckt und bezahltwurde, glaubt das Blatt auf die Tätigkeit der französischen Blätter „Oeuvre" und „Q u v t i d i e n" Hinweisen zu müssen. Andererseits bezweifelt das Blatt die Echtheit der von der Presse veröffentlichten Aussagen von Eetare Rvtti und sagt, über das ganze UntersuchungSverfahren werde das strengste Sttllschweigen bewahrt.
Maßnahmen gegen die Presse.
Rom, 28. Juli. (WTB.) Der Präfekt von Romhat eine Verordnung für die Zeitungenerlassen, in der er jede Veröffentlichung in der Sache Matteotti untersagt. Der „Mondo" schreibt hierzu, es sei "Har, daß man damit Stillschweigen über den Prozeß Matteotti schaffe, wie auch über die anderen Prozesse, die mit dem Verbrechen der Tscheka im Zusammenhang stehen. Das Blatt fragt, ob man damit das Linker- suchungsverfahren auf eine falsche Bahn leiten wolle.
Die heutige Ausgabe des Mittagsblattes „Sereno" ist wegen Veröffentlichung von Einzelheiten aus der Vernehmung der Angellag- ten Filipelli und Dumini, also tragen Lleber- tretung der in dem Erlaß des Präfekten enthaltenen Bestimmungen, beschlagnahmt worden.
Er hatte sich das ein wenig anders gedacht: ein großes Gezeit etwa mit wehenden Fahnen und gewaltigem Troß ringsherum ober ein ragen- des Schloß. Run war's eben ein Bauernhaus. Aber darin wohnte er: der König.
Der Feldjäger gab seine Papiere ab und versprach, sich zu erkundigen, wo anb wie der Junker sich melden sollte. Der machte sich unter- Hessen propper, so gut es ging, und wunderte sich, daß ihm dabei die Hände zitterten. Es wollt' sich gar nicht recht schicken mit brr Frisur, und immer wieder fühlte er das Herzklopfen bis in den Hals hinauf. Sprach sich auch immer aufs neue sein Sprüchlein vor, das ihm brr Großvater eingebleut: „Euer Majestät alferuntertänigit za melden: Junker Kaspar von Zabeltitz auf Topper zur Stelle." "Lind daß er nur nicht vergaß, des Königs Rocksaum zu küssen.
Indem kam der Feldjäger zurück. „Der Iun- fer soll sich zunächst beim General von Lentulus präsentieren."
Also los und Mut!
Was der General war und Flügeladjutant, der sah, ein großer schöner Mann, vorn im Bauernhause dicht am Herde, hatte eine Karte vor sich zwischen zwei Llnschlitckerzen und machte mit dem Crayon Einzeichnungen darauf.
Als der Junker eintrat, sah er auf, nickte thm freundlich zu. „Er ist der Zabeltitz? Kann Er reiten?“
»Zu Befehl, Herr General."
„Kann Er schreiben, gut und leserlich?"
O du grundgütiger Informator! Wenn er bas gehört hätte, der Cerisius, das Herz hätte sich ihm im Leibe umgebretyt Solcher Zweifel!
»Zu Befehl, Herr Generali"
Aus dem
Kommunistenlager.
Prozesse gegen kommunistische Reichswehrsoldaten.
Leipzig, 28. Juli. (WTB.) Am 6. August beginnen weitere Kommunist enprvz esse vor dem Staatsgerichtshos zum Schutze der Republik. Als Angeklagte erscheinen wegen Hochverrats: am 6. August Kommunist Dik, am 7. und 8. August Kommunist Fiedler und Genossen, im ganzen 11 Angeklagte, von denen vier Reichswehr Unteroffiziere bzw. Soldaten waren. Zu diesen käme als zwölfter Angeklagter der Obergefreite Graefe, der bereits am 16. Dez. 1923 im Gefängnis Selbstmord begangen hat. Die Reichöwehrsoldaten hatten Gewehre, Munition und Handgranaten gestohlen und sie der Kommunistischen Partei Deutschlands gegen Entgelt überlassen.
Hand in Hand mit der Besatzung.
Düsseldorf 29. Juli. Die Kommunist e n hatten für heute eine Versammlung nach der Städtischen Tonhalle einberufen, wo ter Reichstagsabgeordnete Katz übe r"ben Fall §a ar mann und die Hann ove r sche Polizei ein Referat halten wollte. Oberbürgermeister Lehr verweigerte bi: Versammlungserlaubnis. Sie von den Kommunisten angerufene franz ösische Be- sahungsbehörde gab den Befehl, die Erlaubnis zu erteilen and den Saal zur Verfügung zu stellen.
Moskau in Polnisch-Obcrschlefien.
KattoWitz, 28. Juli. (WTB.) Unter den verhafteten Mitgliedern des 21er Ausschuss^ befanden sich auch zwei Moskauer Kommunisten, die den Verkehr zwischen dem 21er Ausschuß und Moskau aufrechterhielten. Das Material, das bei den Verhafteten gefunden wurde, soll sehr belastend sein.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 29. Juli 1924.
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Ohne Hut.
Man schreibt uns:
In bei- Freitagsnummer des „Gießener Anzeigers" spricht sich ein verehrlicher Einsender ganj; prächtig über die Hutfrage aas. Lind wenn wir alt wären wie Methusalem, so würden wir doch unbedingt in sein hohes Lied auf die Schönheit des Haarschmuckes der jungen Mädchen inb der Frauen ein stimmen.
Mer der Mann? Ich meine, da müßte man doch noch andere Gesichtspuntte gelten lassen, trotz der Autorität des erwähnten Friseurs, von dem es freilich etwas geschmacklos ist, selbst kahl- köpsig zu sein. Denn ihm, dem Künstler unb (berufenen Pfleger des Haupthaars, an dessen kräftigem Wuchs er ästhetisch und geschäftlich Wohlgefallen findet, müßte doch der Kahlkopf ohne weiteres als ein Skandalon erscheinen. Der Friseur muß hier ein Urteil ganz sai generis >haben.
Daß, aber ein „alter Kahlkopf" nicht ohne Hut soll Herumlaasen tonnen, das leuchtet auch beim größten Glanz seines Schädels nicht ein. Lind eine Perücke soll er aufsetzen? Richt geschenkt! Rein, auch der Kahlkops sei ttoh fthlea- den Lorbeers auf seine Eigenart stolz, denn er vertritt in vollendetstem Maße die menschliche Würde? Die Glatze, diese leuchtende Erscheinung, ziert alleine den Menschen ziert vor allem den Mann geistiger Arbeit, und von der Tonsur bei Mönche schimmert bie milde Idee„ die Gesamterscheinung reifer, menschlicher und wirkungsvoller zu machen. In der Abstammungsgeschichte der Tierwelt hat allein der Mensch sich einigermaßen vom tierischen Behang freigemacht, und wir wünschen bei keinem der beiden Geschlechter ein Herabsinken auf längst verlassene tierische Stufen. „Haarmenschen", wie die bekannte Julia Pastrana, werden auf Jahrmärkten gezeigt, doch als Dalldamen würden wir sie nicht gern begrüßen. Warum soll da der Mensch, und besonders der höherstrebende Geist, der seiner Zeit vorauseilen möchte, so unlogisch sein, aasgerechnet auf dem Schädel, dem edlen Gefäß fruchtbarer Gedanken, Erinnerungen an die tierische Herkunft festhalten zu wollen? Fort, fort mit diesen bedrückenden Reminiszenzen!
Betrachten wir also die Dinge trotz des erwähnten Friseurs, im Sinne der Abstammungslehre, die ja heute herrschend geworden! Lind seien wir fest davon überzeugt, daß auch ohne das niedrige Beiwerk sich das Haupt des Menschen an die Luft anpaßt und an die bescheidene Sonne unseres Klimas gewöhnt. Auch der Friseur gehört an die Lust. Doch mehr als ihm wollen wir jenem wackeren Kleriker glauben, — wenn ich nicht irre: Alasios von Selini m der
Sprach ein wenig österreichisch her Lentulus, ba er ehedem in Diensten der Kaiserin gestanden.
„Also, das ist ja halt schon, daß Er wirklich schreiben kann. Alle Junkers können es nit. Also, Sr hat doch Wohl eine Epistel zur Einführung mit. vom Herrn Vater."
„Mein Vater ist bei Hohenfriedberg gefallen, Herr General."
Der Lentulus griff an den Hut, wie zu Ehren des Toten. „Also, von wem sonsten?"
„Don meinem Herrn Großvater auf Topper."
„Ist schon gut Rehme Er das in die Hand, daß Er's gleich hat, so Majestät danach fragen sollt'. Lind antwort’ Er laut und frei, so Majestät sonsten was fragt. Ja . . . also. . . und nehm Er sich vor den Hunden in acht Hört Er! So . . . ja . . . ich will Ihn nun anmelden."
Es ging gewiß ganz geschwinde. Aber dem Junker wollte es eine Ewigkeit dünken, bis der General wieder da war.
„Also ... so komm Er!"
Sie traten beide rechts in die niedrige halb- dunkle Bauernstube. Ein großer Lisch stand in einer Ecke, auf dem brannten ein paar Kerzen, feuchteten aber grab nur im engen Llmkreis.
-Euer Majestät, der Junker von Zabettih bittet um die Permifsion, sich präsentieren zu dürfen . . ." meldete der General.
Der Junker aber sah den König nicht.
Erst nach ein paar Atemzügen, bei denen das Herz schier springen wollte, sah er auf dem Lehmboden eine kleine Gestalt, die kauerte vor einer Schüssel, hatte ein Stöckchen in der Hand, wehrte damit ein paar Windhunden, sprach fron- zösisch zu ihnen: „Attention, Biche! Sei artig, Atteste. " (SortL fofeLl
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