Einzelbild herunterladen

rene

gütigen,

Ochern, erleben Ne oft

R W? und ^un?e;: bW»n5 ^tA ;(tatnhV' das ÄS

JS* Xu,wi*>

-< e r öp«

4VL QjMonu der w*n, nicht S unb - ^lgt werde.

_ & H. A

Bw Ewald Haufe.

eunoi wurde. Der Zunge Singt, nicht unseren Brüdern Süden aus der

er aus Felsen in ) n dem Abc-Schütz Derben soll? Hause ^hrzednlen an be» SelWterlebtem und 6 er in Feierstun> 1 vemwchten ibn zv lachvelt zu hmler» rchr als die gegcv Imnächtnis and

man ton Otto ich2framde.j Otto m Boman in bte anb Lenirns. Die axri) in chrer uner» Mert durch da der in reifem Stet» i, in die dke Den» K Lösung unb $r* Rande bei Uns* as Lmpsindrn da

Handlung enchvi» eik, und die zvan» z zum DvppelquÄl : zu nuM die den alle Sreuba Mensch M it f> erfühlt und ve^ Heit M M

i sein -L.\ für^ls

r vtr ßutffc urT1 ^Inibra^ . ^fen ewZt zv > '-L A-in-

rt UN" 'S die, jtr *?(*** s5%F

Äh«* werben

iHaaenldbJtniptangj, pybdföWIl

e nrtt, «*« H""-

r.na Text .bcMskhnuraitte

T>r K

^"2rt ha^ .fein ^nonMe ein wenig :r nmner lrum -neiden i hi't «L aus

tf-ls

'chen yais iÄP ist n Oec W

Ic. lw

Nr. U6

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GietzenerFamilienblätter Monats-Lezuarprels:

2 Goldmark u. 20 Gold­pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach­richten: AnzeigerSiehen.

Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686.

Erstes Blatt

174. Jahrgang

Dienstag, 29. Zull 1924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vruck »Md Verlag: vrühl'sche Uiilversitäts-Buch- »Md Steindruckerei ii. Lange in Lietzen. Schristleiiimg und Seschäsi5!telle: Schulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichKeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Plohvorschrift 20°/ Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Steuerlast und Steuerstundung.

Don Minister a. 5>. Dr. Decker, M. d. R.

3n der ersten Sitzung dcS Steuerausschas- ses hat der Dersasser dieser Ausführungen der Regierung die schweren steuerlichen Lasten vor- gctiagen, über die die Wirtschaft zur Zeit mit Rücksicht auf die Bestimmungen der 2. Ste ier-- notvervrdnung vielfach zu klagen hat. Er ging dabei vor allem auch auf die Verhältnisse im besetzten Gebiet und die Röte des Kleinbauers ein und verlangte insbesondere, so lange sich nicht eine materielle Aenderung der Steuernotverord- mmg ermöglichen lasse, Herabsetzung der Zins he für verspätete Zahlungen und weit­gehendste Rücksichtnahme auf die derzeitigen Verhältnisse bei Gewährung von Stundung der geschuldeten Abgaben. Es ist erfreulich, fest stellen zu können, daß diese Wünsche, die rn jener» Sitzung bei den Vertretern der Reichsftnanz- verwaltung und insbesondere bei dem Reichs­finanzminister selbst wenrg Gegenliebe fanden, nun doch nicht ganz ungehört verhallt sind. Unter dem 15. Zull d. Zs. hat das Reichsfinanz- ministerium zunächst eine Verordnung erlassen, nach der die Zuschläge für verspätet gezahlte Steuern von 5 auf 2 vom Hundert für geben angcsangenen halben Monat herabgesetzt werden. Auch dieser Zinssatz, der einer Verzinsung der rückständigen Steuer von 48 v. H. im Hahrs entspricht, ist natürlich noch außerordentlich hoch. Dabei ist indes zu beachten, daß bei Stun­dung von Steuern Verzugszuschläge überhaupt nicht erhoben werden. Außerdem ord­net eine Verfügung des Reichsfinanzministers vom gleichen Tage ausdrücklich an, daß Stun- dungsgesuche stets alsSosortsachen" zu behan­deln sind und der gleiche Erlaß macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Stun­dungsgesuche. die rechtzeitig eingereicht seien, in der Regel auch so zeitig erledigt werden müs­sen, daß dem Steuerpflichtigen eine etwaige Ab­lehnung so frühzeitig zugeht,daß er noch einige Tage Zeit hat, den geschuldeten Steuerbetrug ohne Verzugszuschlag äu zahlen". Der Erlaß ordnet weiter an, daß dort, wo rechtzeitige Er­ledigung ausnahmsweise nicht möglich ist, der Steuerpflichtige möglichst umgehend durch einen Zwischenbescheid auf die voraussichtlich eintre­tende Verpflichtung zur Zahlung von Verzugszu­schlägen aufmerksam gemacht wird. Endlich läßt der Ministerialerlaß auch zu, daß bei gering­fügigen Fristüberschreitungen die Einziehung be­langloser Verzugszuschläge unterbleiben kann, eine Anordnung, die ganz besonders erfreulich ist in einer Zeit, in der Behörde und Steuerzahler sich mit Bagatellen wirklich nicht abgeben sollten.

Zn einem längeren Erlaß vom 15. Zuli d. Zs. hat der Reichssinanzmrnister ferner, den in jener Steueraussch-Sihung geäußerten Wünschen fol­gend. klargestellt und ausdrücklich ungeordnet^ daß ' nicht etwa, wie vielfach geglaubt wurde, nur die Erbschaftssteuer, sondern auch die Ver­mögenssteuer sowie die Vorauszah­lungen auf die Einko mmen- und Körperschaftssteuer vollständig oder teilweise gestundet werdenkönnen. Wenn glaubhaft gemacht wird, daß die zur Be­gleichung der Steuern erforderlichen Mittel nicht flüssig gemacht werden können und daß die Ver­äußerung von Gegenständen des Betriebsver­mögens entweder die Aufrechterhaltung des Be­triebes gefährden würde oder nur zu Preisen erfolgen könnte, die dem Steuerpflichtigen brl- ligerweise nicht zugemutet werden können. Aus­drücklich wird in dem Erlaß daraus hingewie- sen, daß die in Betracht kommenden Verhältnisse mit Verständnis für die wirtschaftliche Rotlage zu prüfen seien. Es wird ferner gesagt, daß überall dort, wo der Steuerpflichtige nicht gleich­mäßig laufende Einnahmen habe, bei Bemessung der StundungSfrist vor allem darauf Rücksicht zu nehmen sei, wann der Steuerpflichtige voraus­sichtlich in der Lage sei, Teile der gestundeten Beträge abzudecken; bei der Landwirtschaft wird es sich nicht immer vermeiden lassen. Stundun­gen wenigstens eines Teiles der Steuerschuld bis zu dem Zeitpunkt zu bewilligen, in dem größere Einnahmen aus den Ver­käufen landwirtschaftlicher Erzeug­nisse zu erwarten sind. Vielfach schei­nen die Finanzämter einen förmlichen Beweis darüber verlangt zu haben, daß Mittel zur Steuerzahlung nicht flüssig gemacht werden ton» nen. Der Minister sagt ausdrücklich, ein solches Verlangen gehe oft zu weit. Es müsse in 'dieser Hinsicht eine Glaubhaftmachung ge­nügen. Auch für die Prüfung, ob durch die Ablehnung der Stundung die Aufrechterhaltung des Betriebes gefährdet werden könne, gibt der Erlaß entgegenkommende Anweisungen. Znsbe- sondere macht er darauf aufmerksam, daß bei der Landwirtschaft durch W e g n a h m e d e r Zug­tiere einschließlich der für die Einbringung der Ernte erforderlichen, der Betrieb regelmäßig gefährdet werde und daß Maschinen, die zum Anlagekapital gehören, im allgemeinen als unentbehrlich für den Betrieb anzusehen seien, selbst wenn sie infolge der gegenwärtig en Wirtschaftslage vor­üb ergeh end stilliegen. Zn jener Sitzung des Reichstages war darauf hingewlesen woroen daß die Steuern von Ländern, Gemeinden und Kommunalverbänden den Steuerzahler zur \>ei fast härter drückten als die an das Reich >zu entrichtenden Abgaben und es war gebeten wor­den die Reichsregierung möchte doch auf Lan­der usw. dahin einwirken, daß auch sie St indungs- aesuchen gegenüber entsprechend mtgegenvoin^ mend sich verhielten. Erfreulicherweise sind auch diese Anregungen nicht ohne Erfolg geblieben, das

Die dritte Bollkonferenz.

Die Einladung an Deutschland wird den fünf Delegierten überlassen. Die Ruhrrmuung als Tauschgeschäft. Optimismus in Berlin.

Die gestrige dritte Plenarsitzung der Londoner Konferenz hat nur das eine bemerkenswerte Er­gebnis gezeitigt, daß die Frage der Einladung an Deutschland insoweit geregelt wurde, daß die Großen Fünf" die Vertreter Englands, Frank­reichs, Belgiens, Italiens und Amerikas den Zeitpunkt der Besprechungen mit den deutschen Delegierten bestimmen sollen. Da morgen eine neue Vollsitzung stattfindet, dürfte in ihr der Termin bekannt gegeben werden. Gleichzeitig ist als Pflaster auf die dem französischen Prestige geschlagene Wunde die Einladung der Repa- rationskvmMission nach London beschlossen worden, die mit den deutschen Vertretern über die zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehörenden Bestimmungen des Dawesplanes beraten soll. Wichtigere 'Dinge sind inzwischen hinter den Kulissen vor sich gegangen. Die von Macdonald angeschnittene Frage der militärischen Räu­mung des Ruhrgebiets von der Räumung der anderen vertragswidrig besetzten Gebiete hat man anscheinend noch nicht gesprochen ist weiter behandelt worden. H e r r i o t hat diese De- sprechungen außerhalb des Rahmens der Konferenz nicht abgelehnt, er versucht jedoch ein großes Tauschgeschäft dabei aufzumachen und von England Zugeständnisse be­züglich der interalliierten Schulden, von Deutschland einen Frankreich besonders gün­stigen Handelsvertrag herauszuschlagen. Man wird nicht überrascht sein dürfen, wenn bei der näheren Bekanntgabe der diesbezüglichen französischen Wünsche die ganze Ruhrattivn sich immer mehr als der Machtkampf der französischen Schwerindustrie gegenüber Deutschland erweist, als der sie von uns wiederholt dargestellt wurde. Man wird auch nicht überrascht sein dürfen, wenn Herrivt versucht, auf dem Wege des Kuhhandels eines der Ziele Poincar^s zu erreichen, nämlich die Ruhrkohlenproduktivn dauernd unter französi­schen Einfluß zu bringen und darüber hinaus durch Zugestänonisse Deutschlands bezüglich der Anfang 1925 ablaufenden Bestimmungen über die zollfreie Einfuhr elsässischer Waren dasLoch im Westen" dauernd offen zu halten.

Lieber einen Handelsvertrag an sich wird die deutsche Regierung gerne mit den Franzosen ver­handeln. Daß sie dabci der ihr drohenden Gefahren bewußt ist, beweist die unterstehende Meldung unseres Berliner Vertreters. Das deutsche Volk, besonders der deutsche Handel und die deutsche Zndustrie müssen erwarten, daß diese Verhand­lungen mit der gebotenen Vorsicht und energischen Betonung unserer Znteressen geführt werden.

Die militärische Räumung des Ruhrgebiets ist eine fundamentale Forderung Deutschlands. Der Versuch, durch die Wiederherstellung des nor­malen Rechts- und Vertragszustandes schwerwie- gende Zugeständnisse zu erpressen, müßte deutscher­seits zurückgewiesen werden.

Die Einladung an Deutschland.

London, 28. Juli. (WTD.) Der hie­sige Vertreter des Wolfsbureaus erfährt, daß der Zuristische Ausschuß in der heuti­gen Vollsitzung der Konferenz seinen Be­richt erstattete, der an genommen wurde. Die Konferenz beschloß,dieChefs der Delegationen zu ermachtigen, so­bald Aebereinsttmmung zwischen den Alli­ierten erzielt worden sei, eine Einladung an Deutschland abzuschicken, Dele­gierte zum Zwecke der Erörterung nach Eng­land zu entsenden. Die Konferenz beschloß fer­ner, die Reparationskommission auf­zufordern, sich nach London zu bege­ben.

Reichsfinanzministerium hat vielmehr über diese Angelegenheit mit den Vertretern der Lander mündlich verhandelt und überdies auch die Län- derregierungen/ schriftlich ersucht sich doch um­gehend den Reichs richtlinien über die Erledi­gung von Stund ingsgesuchsir und die Erhebung von Verzugszuschlägen anz ischließen. Hoffentlich hat dieses Ersuchen Erfolg, toenn nid)!, axTre «s Sache der Landesparlamente und der städti­schen Vertretungen, die Behörden der Reichsregr^ runa zu unterstützen. Rimmt man hinzu, daß auch für die Zwangsvollstreckung Anordnungen in jenem Erlaß des Reichsfinanzminrsters ge­troffen sind nach denen auf die Verhältnisse des Schuldners, tunlichst Rücksicht genommen werden soll und darf man nun noch dre Hoffnung chegen, daß' in«absehbarer Zeit diese formalen Mrlde- rungen einer vernünftigen materiellen Regelung des gesamten Steuerrechts folgen so darf mit Befriedigung festgestellt werden,

Besprechung im Steuerausschuß des Reichstages zwar keine vofle Erfüllung aller Wunsche ge> bracht aber doch auch nicht ganz ohne Erfolg geblieben ist. Freilich muß dabei vor­ausgesetzt werden, daß nun die ört­lichen Steuerbehörden die We ifun- gen des Re ichsf in an »Ministers tn dem Geiste ausführen, in dem sie gegeben fint*

Verhandlungsberichte.

London, 28. Juli. (WTB.) Zn der Voll­sitzung erstattete Snowden Bericht Wer die Ar­beiten des Ersten Ausschusses, die z x keinem endgültigen Ergebnis geführt hätten. Thomas verlas den Bericht des Zweiten Ausschusses und erklärte, die Frage der Ver­mischung der deutschen Eisenbahner mit den be lgisch- französischen Eisen­bahnern sei noch ungelöst. Die Verhand­lungen dariiber müßten daher weiter ge hen. Berichte über wirtschaftliche und finan­zielle Fragen sollen nicht veröffent­licht werden, bevor nicht die deutschen Ver- t r e t e r Gelegenheit gehabt hätten, über sie zu verhandeln. Kindersley berichtete Wer den Dritten Ausschuß und erffirte, die bisherigen glänzenden Fortschritte berechtigten zu der Hoffnung, daß die Arbeiten morgen zu einem Abschluß gebracht werden könnten. Der rumänische Gesandte gab für Ru­mänien die Erklärung ab, daß man heute abend der Ansicht sei, daß die Konferenz in vier­zehn Tagen geschlossen werde.

Nach Havas.

Paris, 28. Zuli. Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in London meldet: Die Voll­konferenz hat von 46 Tlhr nachmittags gedauert. Der Bericht des 2. Komitees über die Pf and- freigabe ist angenommen worden. Hefter die Frage der Eisenbahnen soll am Mitt­woch beraten werden. Das dritte Ko­mitee, das sich mit der Transferierung beschäftigte, wird wahrscheinlich morgen, Dienstag abend, zu einer Einigung kommen. Das 1. Komitee (Verfeh­lungen und Sanktionen) wird sich weiterhin be­mühen, eine Formel für eine Einigung zu finden, unb am Mittwochvormittag wiederum zu einer Sitzung zusammentreten.

Die französische Delegation wird alsdann einen neuen positiven Vorschlag unterbreiten, da die englischen Delegierten auch den neuen ameri ka n i scheu Vorschlag Logans abgelehnt haben.

Die Konferenz glaubt, daß, um die Durchfüh­rung des Dawesplanes zu beschleunigen, man schon jetzt deutschen Delegierten gestatten könne, mit der Reparationskommissivn die Fragen zu besprechen, die zu ihrer Zuständigkeit gehören. Zu diesem Zweck werden die Delegierten in der Reparationskommission von ihren Regie­rungen aufgefordert werden, der Reparationskom­mission vorzuschlagen, sich nach London zu be-^ geben, um dort zu verhandeln.

Pariser Stimmungsmache.

Ein vielsagender Bericht desMatin".

Paris, 29. Zuli. Zur Lage nach der gest­rigen Vollsitzung der Londoner Konferenz schreibt der Sonderberichterstaltrr desMatin": Während der ganzen Sitzung sei die französische! Delegation fast stumm geblieben. Don der öffentlichen Debatte kehre man zu den Ver­handlungen hinter den Kulissen zurück, die auf dieser Konferenz die erste Rolle spielen. Viele Reden seien zusammenhanglos und unklug. Die militärische Räumung desRuhrgebietsnehmehierbeieinen sehr breiten Umfang an. Unter den ver­schiedenen Bedrohungen, die man den Fran­zosen zu hören gebe, sei die folgende, die man oft brauche, wSil man bemerkt habe, daß sie EiWruck mache. Man sage:Am 10. Zanuar, 5 Zähre nach Inkraftsetzung des Friedensver­trages, werden die Engländer die Köl­ner Zone räumen. Znfolgedessen werden die Franzosen in der Luft schweben, das heißt, ihre DerbiWungslinie reiht ab, und sie werden alle ihre Truppen zurückziehen müssen. Zst es nicht besser, wenn wir uns schon jetzt ver- flänbigen?" Zn diesen Drohungen liegen, wie bei allen Frankreich feindlichen Manövem ein gut Teil Blass.Wenn wir," so fährt der Bericht­erstatter fort,im Ruhrgebiet bleiben, ist es nicht sicher, daß die EnglänDer sich aus der Kölner Zone zurückziehen, denn dort Mitten sie nicht nur - eine strategische, sondern auch eine handelspoli- ttsche bedeutsame Stellung." Besonders bemerkt der Berichterstatter, daß die Belgier in dieser Frage nicht vollkommen mit Frankreich einig sind. Ministerpräsident T h e u n i s denke vielleicht an die innerpvli­tis ch e Lage seines Landes. Gr wolle verhindern, daß die Sozialdemokraten zur Re­gierung gelangen. Er sei auf alle Fälle gegen eine Fortsetzung der Ruhrbesetzung. Selbst in der französischen Delegation be­merke man verschiedene Strömungen. Der Berichterstatter schließt:Es ist hundertmal besser,' wenn Herriot London verläßt, die Sachverständigen arbeiten läßt, fern Parla­ment konsultiert und zur gekommenen Stunde wieder nach London zurückkehrt, anstatt inmitten von Zittrigen, die feiner Olatur zuwider sind, zu verbleiben.

Dr. Stresemann deutscher Hauptdelegierter.

(Eigener Znsormattonsdienst.)

Der l in, 29. Zuli. Reichskanzler M a r x, der sich mit der deutschen Delegatton nach London be­

geben wird, soll, ivie wir hören, nicht die hauptsächliche Leitung der Verhandliin- gen in London übernehmen. Vielmehr ist der deutsche Hauptdelegierte Außenminister D r. Stresemann, der als Leiter der Außenpolitik für die Tätigkeit der deutschen Delegation ver­antwortlich ist. Zm übrigen verlautet heute, daß der Reichskanzler nicht bis zum Abschluß in London bleiben wird, sondern nach Berlin zurück­kehrt, sobald seine persönliche Mission beendet ist. Dr. Stresemann wird dagegen bis zum Abschluß der deutschen Delegation in London bleiben und auch die Unterschrift unter das Protokoll der Kon­ferenz zu setzen haben.

DiefranzösischenKompen- fationen für die Räumung des Ruhrgebiets.

(Eigener Znsormationsdienst.)

Berlin, 29. Zuli. Die deutfche Regie­rung verfolgt mit größter Aufmerksamkeit die Znformationen, wonach Herriot die mili­tärische Räumung des Ruhrgebiets zu bewilligen bereit ist, wenn dafür Frankreich gewisse Kompensationen auf anderen Gebieten gewährt werden. Herriot fordert nach den vorliegenden Rachrichten von England ein größeres Entgegenkommen in der Schuldens rage, von Deutschland den Abschluß eines französisch - deut­schen Handelsvertrages mit günstigen Bedingungen für die französische Industrie. Zm Auswärtigen Amt ist man der Ansicht, daß dieser letztere Weg für Deutschland wohl gangbar wäre, vorausgesetzt natürlich, daß dieser Handelsvertrag so abgefaßt würde, daß für die deutsche Wirtschaft dabei keine schwer­wiegenden Rachteile entständen. Man betrachtet dieses Entgegenkommen als einen ersten be* grüßenswerten Schritt in der Richtung der Räu­mung des Ruhrgebiets und hofft, daß England sich bereitfinden wird, Frankreich bei fernen For­derungen nach dieser Richtung soweit wie möglich entgegenzukommen, um Herriot seinen innerpoli- tisch'en Gegnern gegenüber die Verfechtung seines Standpunktes zu erleichtern. Die R e i ch s r e - gierung beabsichtigt, auf Grund dieser Rach richten sich mit den wirtschaftlichen Sachvsr ständigen Deutschlands und vor allem mit Vertretern der Zndustrie noch vor der Abreise nach London zu besprechen, um bereits gewisse Richtlinien rnitzunehinen, die für die Besprechungen über den zukünftigen Han­delsvertrag nützliches ÜKaterial abgeben könn'en. Möglicherweise wird sich auch die deutsche Dele­gation von sachverständigen Jndustrie''len und Finanzleuten nach London begleiten lassen, um nötigenfalls schnell das erforderliche Material zur Verfolgung dieser Angelegenheit beschaffen zu können.

Die Räumung alsTauschgeschäft". Paris, 29. Zuli. Der dem Kammeraus­schuß für auswärtige Angelegenhsiten angehören^e Abgeordnete Lautier, dessen Anwesenheit in London seit Beginn der Konferenz von den ver­antwortlichen französischen Stellen nicht ungern gesehen wird, Näßt demPetit Parisien"eine Korrespondenz zugehen, die die in der gestrigen und heutigen Morgenpresse an gebeutete Möglich­keit eines Tau schges ch ä s t s im Zusam­menhang mit der militärischen Räu­mung des Ruhrgebiets präzisiert. Der Abgeordnete siihrt aus, daß die Forderungen der Bankiers keinen anderen Zweck gehabt hätten, als die Frage der militärischen Räumlmg des Ruhrgebiets an den Haaren herbei-> zuziehen. Lautier fügt hinzu, selbst 'unter der vorausgegangenen Regierung sei b e schrittweise Zurückziehung der französischen Trupren erwogen worden; man sei bereit, zu einer s o gut wie unsichtbaren Besetzung zurückz.lkehren durch die Herabsetzung der französischen Bestände aus etwa Dreiviertel der alten Mann- schaftsstärke; man s e i aus dem Wege zum völligen Abzug, wobei man sich theore­tisch das Recht Vorbehalte, wieder einzurücken. Wenn man sich schon in Etappen aus drrn Ruhr­gebiet zurückziehen wolle, warum soll dann nicht diese Bewegung beeinflußt werden, wenn ein da­hingehender französischer Einfluß einen diplv- matischen Tauschwert darstellt, der unterstrichen werden müsse? Warum solle man dann nicht den Abzug aus dem Rihrgebist gleichzeitig mit dem Abzu g der Eng­länder aus Köln Anfang 1925 vollziehen? Warum sollen dann die französischen Trippen auf vorgeschobenen Posten angesichts einer regel­rechten Gefahr im Konflittsfall zurückaelassei! werden? Einwendungen würden nicht a rsbleiften. Wenn Frankreich in der Prinzipienf age d.s rso- lierten Vorgehens nachgegeften hätte, würden England und Deutschland ihm für die bevor­stehende militärische Räumung einen Z a hu­st o ch e r oder eine Briefmarke anbieten. Gott sei Dank fei der Fehler, auf den man auf der Gegenseite gelauert habe, nicht begangen worden, und es stehe Herriot frei, den Deut­schen, wenn sie kämen und mit Unterilütuna der