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vom 24. Juni brs 15. Juli Vie Lage ver Dank weiter g ü n st i g entwickelt hat. Der Zah- lungsmittelumlaus zeigte faxu eine mäßige Er­höhung, bewegte sich aber noch immer unter 3 Milliarden Goldmark.

Heber die Lage am Geldmarkt sprach sich der Veichsbankpvasident dahin aus, daß die Situation nicht mehr so kritisch anzusehen sei wie vor einigen Wochen. Die Zinssätze zeigen eine sinkende Tendenz und die Einlagen bei den Ban­ken eine erfreuliche Entwicklung. In der Zeit von Ende Dezember bis Ende April ist ungefähr eine Verdoppelung der Kreditoren eingetreten; inzwi­schen dürste sich das Anwachsen fortgesetzt haben. Wenn auch grundsätzlich an der bisheri­gen Politik der K r e di t b e s ch r ä n k u n g fest gehalten werden muh, so ist doch die Reichsbank iiach wie vor bestrebt, in allen Emzel- fällen, in denen ein Kredit angebracht und vom Standpunkt der Währungspolitik vertretbar ist, zu helfen. Auf dringende Vorstellungen des Reichsministers für Ernährung und Wirtschaft hat sich die Reichsbank entschlossen, außerdem der Landwirtschaft die Finanzierung der Ernte dadurch zu ermöglichen, daß sie der Seehandlung eine Rückendeckung bis zur Höhe von 200 Millionen Goldmark für an die Landwirtschaft zu gewährende Kredite gegeben hat.

Mm eine Kapitalbildung für län­gere Sri ft en zu begünstigen, will die Reichs­bank den Kreis der lombardfähigen Papiere durch Einbeziehung von auf Sachwerten basierenden Anleihen erweitern. Diese wertbeständigen Wert­papiere sollen zu denselben BÄüngungen beließen werden wie bisher die Anleihen des Reichs und der Länder, d. h. unter Zugrundelegung einer Quote von 50 Prvz. des amtlichen Kurswertes bei Wertpapieren auf der Basis von Gold, oder einer ausländischen Währung und von 40 Proz. des amtlichen Kurswertes bei Wertpapieren auf Warenbasis. Darlehen köniren im allgemeinen auf die Dauer von 6 bis 8 Wochen erteilt toer= den. Für Danken und Geldinstitute wird die Ent­nahme auf höchstens 3 Tage beschräntt. Die dem Zentralausschuß vorgelegte Liste der dastir in Frage kommenden Wertpapiere wurde gebilligt.

Zum Schluß machte der Präsident noch ver­trauliche Ausführungen über die neue Gold- notenbank und die Liquidierung der Rentenbank.

* Deutsch-spanisches Handelsab­komme n. Zwischen der deutschen und der spa­nischen Regierung ist ein Handelsabkommen ge­schlossen worden, durch das die spanische Regie­rung der deutschen die zweite Kolonne des Zoll­tarifs für ihre Waren einräumt ohne irgend­welchen Aufschlag. Außerdem gewährt sie ihr für eine nennenswerte Reihe von Waren Zollermäßi­gungen bis 20 Prozent unter der zweiten Ko­lonne. Tie deutsche Regierung hat der spanischen Degrerung gegenüber die allgemeine Meistbe­günstigung und für eine Reihe von Waren Er­mäßigung bzw. Konsolidierungen von Positionen des deutschen Zolltarifs zugestanden. Das Ab­kommen ist bis zu seiner Ratifizierung vorläufig durch Rotenaustausch als modus vivendi vom 1. August 1924 ab in Kraft gefetzt.

* Die Zahl der Feierschichten im Ruhrgebiet wegen Absatzmangels hat in den letzten Tagen wieder stark zugenommen. Seit 23. Juli (in vier Arbeitstagen) muhten auf 82 Zechen 151 475 Feierschichten eingelegt werden. Am Samstag waren auf 29 Zechen 51840 Arbeiter zum Feiern gezwungen. Wie die Leitungen aus Horde melden, ist der Phönix-Ge­sellschaft für ihre dortigen Betriebe vom Re­gierungsvertreter eine Verfiirzung der Sperrfrist zugestanden worden. Somit werden schon in den nächsten Tagen mehrere Betriebe st i l l g e I e g t uab über 2000 Arbeiter entlassen.

9 * Z toä ngsvergleich bei Stahlwerk D,eder A.-G. in Willich. Wie dieKölnische Zeitung" berietet, dürfte in dieser Woche ein Zwungsvergleich auf der Grundlage zustande kom­men, daß die Gläubiger 40 Prozent erhalten, und zwar sofort 15 Prozent in bar und in zwei Monaten 10 Prozent, während die restlichen 15 Prozent in auf das Werk eingetragenen Obliga­tionen gegeben werden können. Bei der industriel­len Dankgesellschaft in Düsseldorf soll eine Sanie­rung auf der gleichen Grundlage erfolgen.

* Benz & Co., Rheinische Auto­mobil- und Motorenfabrik Mannheim, A.-G. Die Gesellschaft legt jetzt den Bericht für das am 30. April endende 25. Geschäftsjahr vor, der nach 208 335 Billionen Mark Abschreibungen mit einem rechnungsmäßigen Heberschuh von 39 671 Billionen Mk. abschließt (im Vorjahre 300 Proz. Dividende aus 1 959 Mill. Mk. Reinge­winn), der vorgetragen wird. Heber den Ge­schäfts!) erlauf besagt der Bericht, daß das Ge­schäftsjahr unter der Auswirkung der verschie­denartigsten Störungen zu leiden hatte. A^e- sehen von umfangreichen Betriebreinschränkungen um> Aussperrungen, die von Mitte September bis gegen Ende des Betriebsjahres dauerten, sei der Zusammenbruch der Währung von den un-

Der Alle aus Lopper.

Roman von Hanns von Zobeltih.

27. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Wie er nun dem Lottchen seine Visite macht, jammert die auch und sieht mvrdselend aus.Du hust gewiß von dem Bin de Champagne getrun­ken, Lottchen!" meint er mitleidig. Sie lacht da­rauf, aber es klingt ganz anders als sonst. Es war eigentlich zwischen Weinen und Lachen Hnd bann erzählt sie, daß sie heut in aller Früh eine Post aus Topper erhalten, und zwar einen Schreibcbrief von der Frau Mutter.

Don meiner Mutter? Wegen mir? fragte er bestürzt.

Da hatte sie wieder ihr wunderliches Lachen. Wegen dir ach nein! Frau Beate weiß ja gar nicht, wo der Herr Sohn sind. Es ist wegen . . . wegen meines Bräutigams . .

Geht es Ohm Christian schlechter?"

Ich weiß nicht recht. Mag sein mag nicht sein. Wie man's lesen will."

Kann ich den Brief nicht sehn?"

Was willst du damit? Rein nein! Der ist wahrhaftig nur für mich bestimmt!" Hnd wie­der lachte sie, und plötzlich wird aus dem Lachen ein Schluchzen, und dabei setzt sie ein feines Ba- tistmouchoir in hundert kleine Stück.

Mach', daß du fvrtkommst!" Es war alles in einem.Ich will dich nicht mehr sehn!" Hat ihn dabei doch beim Wickel, häll ihn fest mtt Heiden Armen, preßt ihn an sich, küßt ihn rechts vnd links, bis ihm ganz wirblig im Kopfe wird.

Topperschen! Shr Topperschen!" Mnb singt plötzlich Halblaut vor sich hin:

günstigsten folgen für oas Jayresergevnis ge­wesen. Hebet die neuere Entwicklung wird nichts gesagt, nur, daß die Interessengemeinschaft mit Daimler zu den besten Erwartungen berechtige.

Turnen und Kunst.

Diese beiden, scheinbar so weit auseinander­liegenden Gebiete menschlicher Betätigung stehen doch in engerer Verbindung miteinander, als ge­meinhin angenommen toirb. Jetzt ist viel von Kunstturnen" die Rede, und man meint damit gewöhnlich das, was früher einfacher und unmch- verst SüdlicherGipfelturnen" oder Wett-Turner- schulung genannt wurde. Die Kunst in diesen Zu­sammenhang mit dem Turnen zu bringen, ist frei­lich abwegig, denn Kraft und Gewandtheit an sich sind noch nicht Kunst. Man sollte überhaupt auch in anderen Fällen vorsichtiger und sparsamer mit diesem Worte umgehen.

Das Verhältnis zwischen Turnen und Kunst läßt sich von zwei Seiten aus beleuchten. Man könnte sie äußere (objektive) und innere (subjektive) Betrachtungsweisen nennen. Wem hat z. B. noch nie das Herz höher geschlagen, wenn er eine sauber und vor allem mit tadelloser Körperhal­tung durchgeführte Hebung, sei es eine Reck-, Barten- oder Pferdübung, gesehen hat? Richt ober nur zuletzt war es die Schwierigkeit dec Hebung, sondern die Freude an der Schönheit, die uns begeistert hatte: die Schönheit der De- wegungsfolge und vor allem die Schönheit des Körpers in seinen mannigfaltigen Stellungen. Bei auch technisch einwandfreier Ausführung kann eine solche Hebung nie ihren Eindruck verfehlen. Auch der dem Turnen an sich Fernstehende, der für das Schöne empfänglich ist, wird sich diesem Eindruck nicht entziehen können, um so weniger, wenn, wie bei Vorführungen usw., Verschmelzun­gen vorgenommen werden, die die Gesetze von Ebenmaß und Taktmähigkeit beim Aufbau glück­lich anwenden. Hier ist besonders an Gemein­turnen und Gruppenstellungen zu erinnern. Auch die sogenannten volkstümlichen Hebungen (Kugel­stoßen, Springen, Laufen) sind, sofern sie gut be­herrscht werden, von hohen Schönheitswerten. Welche Quelle ästhetischen Genusses liegt ferner in den Massenfreiübungen, den kraftvollen der Männer sowohl als auch den taktmäßig betonten der Frauen. Werden diese Formen noch mit Mu­sik gepaart, so haben wir ein künstlerisches Er­leben vor uns, das gleichermaßen auf die Zu­schauer wie auf die Ausübenden wirft. Hiermit sind wir auf die zweite Betrachtungsweise, die Verknüpfung von Turnen und Kunst, geführt: Turnen als Ausdruckskunst. Da sind es vor allem die Einzelfreiübungen, wie sie im Zwölfkampf der Deutschen Turnerschaft verlangt werden, die dem Turner reichlich Gelegenheit bieten, seiner Gestal­tungskraft, ja irgendeiner inneren Einstellung durch entsprechende Körperbewegungen und -Haltungen Ausdruck zu verleihen. Es ist recht lohnend, bei den Zwölfkämpfen neben dem ästhetischen Genie­ßen Studien in der Richtung dieser Ausdrucks­fähigkeit zu machen.

Zum Schluß dieses kurzen Heberblickes sei noch darauf hingewiesen, daß durch folgerichtig burchgeführtes Turnen im weitesten Sinne des Wortes, in dem jebe Muskel zur Betätigung her­angezogen toirb, bie Körpergestalten allmählich denen der griechischen Sbsalg eftalten, die in Mar­mor unser Entzücken erregen, näher kommen. Wie­viel mehr müssen lebensprühende Körper diese Wirkung ausüben können im freien Spiel der Kräfte! Turnen und Kunst bilden also eine edle Gemeinschaft. Es ist aber noch viel Arbeit zu leisten, um bie oben bargelegte Auffassung bieses Verhältnisses Gemeingut werden zu lassen, Ar­beit von den leitenden Personen der Turnerschaft, von den Kampfrichtern, die mehr den Maßstab der Schönheit, als den der Schwierigkeit anlegen soll­ten, Arbeit von den Turnenden selbst und nicht zu­letzt vom kunstsinnigen Beschauer. 3tl

Aus aller Welt.

Der Luftpostdienst vo« Reuyork nach San Francisco.

Der regelmäßige Luftpvstdienst zwischen Reu- York und San Francisco, der seit dem 1. Juli durchgeführt wird, hat sich zu einem großen Er­folg entwickelt, über den die amerikanischen Blät­ter begeistert berichten Alle Morgen um 10HH-r verläßt ein Postflieger Reuyork. geht nach vier Stunden raschesten Fluges an einer bestimmten Station nieder und übergibt die Postsäcke einem anderen Flieger, der wieder an bestimmter Stelle abgelöst wird. Auf diese Weise ist die Post am Rachmittag des nächsten Tages um 5 Hhr 45 Minuten in San Francisco. Ebenso fliegt von San Francisco der Postbote um 5 Hhr morgens ab uiTb ist um 6 Hhr abends am anderen Tage in Reuyork. Die Abkürzung der Zeit ist bedeutend, denn auf dem Schienenwege dauert die Briefbe­förderung von Reuyork nach San Francisco 56 Tage.

Si le roi m'avait donnS Paris, sa grande ville, Et quil me fallüt quitter L'amour de ma mie . . . Je dirais au roi Henri: Reprenez votre Paris! J'aime mieux ma mie, 6 que! J'aime mieux ma mie . . .

Ja, so . . . das ist ja nichts für deine Jeu- nesse. Was? Rein . . . nein, mein Jung! Schweig fein still und hol' dir deinen langen Laban. Sch eftimiere, ihr Topperschen, ihr gehört nun mal zusammen ... ihr . . ."

Verwundert hat sich der Junker wohl über bas Gehabe unb Getue vom Lottchen Lasow. aber groß den Kopf hat er sich nicht darüber zerbrochen, zumal es am nächsten Tage wieder hinausging in die weite, unruhige Welt, die der frühe Winter mit feinem sanften weißen Tuch überzogen hatte.

Es war das nun doch ein anderes Reisen mit dem Feldjäger, denn vorher. Stolz zu Roß, wenn der Gaul auch ein weniges schäbig war. unb mit vier Husaren als Eskorie. Der Gottlieb muhte mit dem Felleisen in der Karrete hinterdreinfah- ren, von Nachtquartier zu Rachtquartier, war s aber ganz zufrieden, toär* mit allem zufrieden ge­wesen, dietoeil er vorläufig einmal wieder der Korporalsfuchtel entronnen. Soldat des Großen Friedrich heißen, das war ganz schön und war ehrenvoll. Aber sich anschreien und womöglich karbatschen lassen, wenn einmal der Zopf nicht straff genug, das konnte man entbehren.

Ging auch jetzt noch ein bißchen kreuz und quer ins Sachsen land hinein, und je weiter man kam, desto mehr merkte man wieder vom Druck und den Lasten des Krieges. Des Königs Hand

Die Kaiserkrone von Abessinien als Geschenk.

Der englische König hat dem Thronerben und Regenten von Abessinien, dem Prinzen Taf- fati, bei seinem Besuch in London ein kostbares Geschenk für die Kaiserin Judith von Abessinien mitgegeben. Es ist die abessinische Kaiserkrone, die der englische Heerführer Lord Rapier bei der Eroberung der abessinischen Hauptstadt 1868 dem damaligen Kaiser Theodor abgenommen und nach London gebracht hat. Diese denkwürdige ge­schichtliche Reliquie wurde dann dem Dictoria- und Albert-Museum überwiesen und war dort ausgestellt. Runmehr kehrt dieses abessinische Ra­tionalheiligtum in die Heimat und zu seiner recht­mäßigen Trägerin zurück.

Bauliche Erschließung der Alpen.

Man schreibt uns: Sm Gebiet der deutsch- österreichischen Alpen sind trotz der Hngunst der Zeiten nun eine Reihe von Schutzhütten, bie in ben letzten Jahren zerstört worden axtren, wie­der aufgebaut, einige ganz neu errichtet worden, andere gehen ihrer Vollendung entgegen. Das Hallerangerhaus im Karwendel, durch eine La­wine vernichtet, ist soeben neu erstanden, bie Erfucterhütte im Rosan-Gebirge, die einem Brand zum Opfer gefallen war, wird ebenfalls wieder aufgebaut, ebenso das Alplhaus in der Mie- mingergruppe. Die ebenfalls durchs eine Lawine zerstörte Gaudeamus-Hütte im Wilden Kaiser soll ebenfalls wieder errichtet werden, desgleichen die auch einer Lawine zum Opfer gefallene Rich­terhütte in der Reichenspih-Gruppe. Am Elm- fee im Totengebirge errichtet die Settivn Wels ein Haus, das den Ramen ringer Hütte er­halten soll. Sn der Hafnergruppe in Kärnten baut die Sektton Kattowitz, am Hochlecken int Höllengebirge (Salzkammergut) die Sektion Vöcklabruck ein Haus. Auf dem Pyrgasgatterl (nördlich des Emstales) hat die Settion Lienz mit dem Dau eines Hnterkunftshauses begon­nen. Am Großen Duchstern im Gesäuse eröffnet bie Sektion St. Pölken eine Hütte und am Mitters­berg bei Bludenz die Sektion Bludenz. Am Wiembachgries bei Berchtesgaden ist kürzlich eine Hütte dec MünchenerRaturfreunde" dem Ver­kehr übergeben worden. Die Sektion Landeck hat am Steinsee in den Lechtaler Alpen ein Haus gebaut Auch in der Talregion werden in näch­ster Zeit Vereins-Häuser für Touristen in grö­ßerer Anzahl entstehen.

EmKlavier-Titane".

Eine erstaunliche Leistung auf dem Flügel hat ein neuseeländischer Pianist, James Robinson, vollbracht. Wie aus Wellington gemeldet wird, spielte er ununterbrochen 100 Stunden und 10 Minuten Klavier. Als er schließlich aufhorte, war er nach den Berichten noch ganz frisch, nur hatte er Blasen an den Fingern, die ihm das Weiterspielen erschwerten. Einen Rekord hat dieserKlavier-Titane" aber trotz seiner er­staunlichen Ausdauer nicht aufgestellt. Ein an­derer Reuseelänber namens Wright spielte 106 ötunben ununterbrochen hintereinander, und er wurde 1920 von Albert Kemp geschlagen, der in Croydon mit einem Dauerspiel von 110 Stun­den die Weltmeisterschaft im Dauerklavierspiel errang und noch heute besitzt.

Büchertisch.

SvphieKlverh, Spatenrecht, Frie­sischer Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege, August Scherl G. m. b. H., Berlin. Sn harter Zett wachsen harte Menschen. Der immer gleiche Kampf mit dem Meere stählte feit uralter Zeit das freie, friesische Dauernvolk zum härtesten deutschen Stamme. Knorrig, festgewurzelt auf ihrem immerfort neu erkämpften Heimatboden stehen die rauhen, wortkargen Männer und bie herben Frauen, bie Sophie Kloerß hier im Gegen­satz zu weichen, genußsüchtigen Städtern mit männ­licher Hand geschaffen hat.

Deuts che Reden aus fünf Jahr­hunderten hat Heinz Amelung für den Dolksverbanb der Bü­cherfreunde (Wegweiser-Verlag) zu einem stattlichen und geschmackvoll ausgestatteten Bande vereinigt. Das neue Werk wird manchem ein neuer Anreiz sein, die kostenlose Mitglied- schaft des Verbandes zu erwerben, um aif diese Weise das Bezugsrecht der Bücher zu erwerben. Wie schon öfter hingewiesen, werden die Bände nur an De rbandsmttg lieber abgegeben. Der Band bringt eine Auslese des Besten, was deutsche Männer, die von innigster Daterlanbsliebe durch­drungen werden, gesprochen haben, um das Wohl des Vaterlandes zu sichern, das deutsche Wesen zu stärken. Es handelt sich um gesprochene, nicht um geschriebene Worte, und so ist dieser Band den tiefer Schauenden ein Beitrag zur Gefchichte der deutschen Beredsamkeit, deren Bedeut ing unb deren Gefahren wir auf politischem Gebiete ge­rade in dieser Zeit erkennen gelernt haben. Die Sammlung geht von Luther unb Gellert über Goethe und Schleiermacher, Lassalle und Bis­marck bis zu Trettschke und Mareks, am nur einige Ramen zu nennen.

Fritz Roaeiy.Dcyuigeiang, 'SO* lin 1924, Trowitzsch & Söhn. Ein neues tief» gründiges Werk des durch seine Theorielehoe bekannten ausgezeichneten Methodikers unb Mu­sikgelehrten! Hier kann auf beschränkten Raum nur soviel gesagt werden, daß der Verfasser, äußerlich offenbar durch seine Tätigkeit als Ge­sanglehrer am Gymnasium zum ©rauen Kloster in Berlin angeregt, vor allem aber innerlich er­griffen von seiner Berufung als Künstler und Lehrer unter dem TitelEin Beitrag zur Revision des K1 assensing un ter- richts" eine Welt von Problemen auf reifet, die der Laie hinter diesen sechs Worten kaum vermutet. Das äußerst klar disponierte Bich Einblicke, Methodenfragen (Auf­gaben, Ziele), die Richt nger", das mit den 24 scharf formulierten Paragraphen eines Lehrplans für den allgemeinen Schulgesangunterricht" and denHu­te rr i ch t s g r u n dsä he n" seines Anhangs allein schon ein schwerwiegendes Kompendrum «rieht, enthält auf 108 Setten, manchmal in sti­listisch fein geschlissene Anmerkungen gefafet, eine Fülle z. T. entlegensten, wahrhaft univerialen Wissens. Dies und der heilige Ernst, mit dem hier Gott sei Dank ein Lech rer ben □K u fit unb nicht ein Schalpädagoge za einem mehr als aktuellen Thema das Wort ergreift, ver­langen gebieterisch, daß, die Schrift von allen maßgebenden Stellen, die über bie Reform der Schulmusikpflege za entscheiden haben, nicht nar gelesen, sondern in ihren Folgerungen und Forderungen auch wirklich beherzigt werde.

Dr . H. R

Kinberpaftelle. Ein Skizzenbuch aus dem Märchenland der ersten Jugendzeit von Josef Buchhorn. (Wilhelm-Meister-Derlag G. m b. H., Berlin SW 48.) Wir wandern mit dem Dichter in das bunte Reich seines ersten Suchens unb Sehnens, durch seine Heimat, unten am Rieberrhein. Gehen mit ihm durch alte winllige Straßen und Gassen, über Bauernhöfe, durch blühende Gärten, tummeln finberfelig über lär­mende Jahrmärkte, abenteuern in finstern Keller­gewölben ober unter Scheunendächern, erleben Märchen und erfinden Sagen. Unb in diese ost von einem schelmischen Humor überglänzten, ost aber auch von verhaltener Wehmut umzitterten Pastelle webt der lebenserfahrene Erzähler be* . herzigenswerte Ratschläge und ernste Mahnungen hinein, tote sie nur aus einem gütigen, versuchen­den Herzen kommen können.

Tiroler Bilder. Von Etoald Haufe. Geb. 3Gm. Bergverlag Rudolf Rvther, München. Ein Buch aus dem namenlosen Lande, und von einem, dem es zur ztoetten Heimat wurde. Wer sollte, wo immer bie deutsche Zunge klingt, nicht nach ihm greifen, nachdem bei unseren Brüdern unb Schwest ern im deutschen Süden aus der tausendjährigen Scholle der aus Felsen in ) Gärten verwandelten schon dem Abc-Schütz bie Muttersprache genommen werden soll? Haufe wollte kein Buch, was ihn in Jahrzehnten an be­sonders Tiefem, Eigenartigem, Selbsterlebtem und Selbstgeschautem fesselte, schrieb er in Feierstun­den nieder, erst Geistesfreunde vermochten ihn zu bewegen, diese Bilder der Rachwelt zu hinter­lassen, unb Wohl keine Zeit mehr als die gegen- to-artige, bedarf ihrer als Vermächtnis eines großen deutschen Dolkserziehers.

Abrechnung Roman von Otto Ghsa e. (Volksverband der Düchrrireunde.) Otto Ghsae schürit mit diesem neuen Roman in bie Tiefen menschlichen Fühlens unb Denkens. Die Schärfe seiner Beobachtungen wirb in ihrer uner­bittlichen Wahrhaftigkeit gemildert durch den weichen Ton des Menschen, der in reifem Ver­stehen für alle Verstrickungen, in bie bte Men­schenseele gerät, bte natürliche Losung unb Er­lösung findet. Etwas vom Rande der Hnenb- lichkett, bis zu dem sich bas Empfinben der männlichen Hauptperson der Handlung empor­hebt, weht durch bas ganze Werk, und bie zwang­volle Pein, jebem Gefühl bis zum Doppelquell in Herz und Geist nahekommen zu müssen, die den Helden des Romans durch alle Freuden anÖ Schmerzen treibt, beten ein Mensch fähig ift; offenbart sich hier, menschlich erfühlt unb ver­standen in erschütternder Klarheit. Das Buch zeigt Ott) Gysae in seiner ganzen dichterischen Gestaltungskraft unb toirb, da es a ich sprachlich ein s) fein gewebtes Kunstwerk ist dem Mit- gliederkreis des Volksverbandes der Bücher­freunde viele neue Anhänger Werbern

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lag schwer auf dem eroberten Lande, das ihm Steuern und Rekruten stellen muhte/ soviel es hergeben konnte. Die Dauern stöhnten, aber der Feldjäger machte keine Hmstände. Wo er hin­kam, der Fabricius, hieß es: Order Seiner Maje­stät. Essen unb Trinken her! Hnd bas beste Bett! Hnb die Gäule bis an den Bauch ins Stroh und die Krippe voll Hafer! Sonsten soll euch der Geier holen!

Einmal, als am Rachmittag der Junker mit seinem Gottlieb Marzanke vor einem schlechten Kätner Häuslein ftanb und in die Wolken sah. die toeiteren Schneefall zu dräuen schienen, kam ein Trupp Grenadiere vorüber, die Holz geholt hat­ten, unter Führung eines verwehrten Korporals. Wie der den Marzanke im Dorüberschreiten sieht, 6leibt er stehen, schüttelt ben Kopf:He. du da, vom Regimente Zastrow, wir müssen uns doch kennen?! Sperr' oculos, mein Sohn, haben doch zusammen in einer Mordsnacht in der Sandgrube gelegen und sind zusammen bis an die Oder re­tiriert. Möcht' wohl tvisfen, wie's dem Herrn Stabskapitän von Zabeltitz geht?"

Sft wahrhaftig der Ernst Werneberg gewesen, Bruder Studiosus ehedem, gewester Grenadier vom Regiment Prinz Heinrich, nun Korporal und ein Mordskerl, tote es schien, dem es gut ging.

Kann man bei euch noch unterkriechon? So will bloß meine Bursche anhalten. Immer muh man auf die Lausekerle aufpafsen, sonsten macht sich einer dünn, schlägt sich in die Wälder, und man verliert jegliche Reputation."

So haben sie nachher in der stickichten Stube um den Ofen gesessen, hinten an der Wand die Bursche, wie die Orgelpfeifen in der Reihe, damit der Korporal sie immer im Auge. Ab und an

donnerte er sie an, dah es nur eine Art hatte. Dazwischen aber erzählte er. Kein Renommiste konnte besser erzählen, wie er, immer ein wenig Wahrheit und festes Aufschneiden drumtunt W^nn's alles richtig gewesen, hott' er, der Kor­poral Werneberg, allein die Moskowiter aus Schlesien gescheucht. Aber vom Alten, vom Fritze, da sprach er nur mit gehobener Stimme. Das war einer, ein Groher, Ganzer, vor dem alle Pro­fessoren und Doktoren jeglicher Fakultät auf den Knien herumrutschen mühten.Hab' ich's nicht damals schon gesagt, in der elenden Sandgrube, zu dem Lumpen, dem Schwyzer, der desertieren wollte: Kennst Vater Fritze schlecht, den fliegen die Oesterreicher und Russen nicht an ter! Haben sie auch nicht, hat sie alle in Schach gehalten, trotz der Hnglücksbataille. Hnd ist front g?toeft dabei. Von Schlesien bis Sachfen hat er sich in der Sänfte tragen lassen müssen. Aber jetzo ist er wieder kesch werdet ja sehen. Junker, ich neid's Euch! So ganz um ihn sein! Hnsereiner unsereiner kann höchstens sterben für ihn!

Ja, der Kühne, mit dem wir dunnemals zu­sammen, der lebt noch Schade um den Bursche, daß er ewig salbadern muh, ist sonsten ein braver Kerl, könnt' auch schon Korporal sein. Sst zu weich, zu weich. Sn der Bataille, da tut er seine verdammte P licht und Schuldigkeit, aber vorher und nachher muh er plärren. Sst eben ein Pietist. Wir haben viele von der Sorte unb ftnb sonsten die Schlechtesten nicht. Ja . . . wer toeih ... bie erbeten sich am Enb' doch noch einen beson':eren ' Platz im Himmelreich, wo unsereiner binectiffime in die Hölle fahrt. Vielleicht aber, bah man dorten besonders gute Gesellschaft antrifft 1"

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