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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Montag, 28. Juli 1924

«r. 1?5 Zweites Blatt

Franz Xaver Mitterer zum 100. Geburtstag.

Don F. 5). Reimes ch.

Am 28. Juli feiert derDeutsche Schal- derein" in Wien und mit ihm derVerein für das Deutschtum im Arslande" zu Berlin, den 100. Geburtstag des Mannes, der den Anstoß zu der Schuhvereinsarbeit gegeben hat. Xaver Mit­terer heißt der hervorragende deutschsüdtiroler Geistliche, der am 28. 7. 1824 in Laurern im deutschen Ronsberggebiet als Sohn wohlhabender Bauern geboren wurde. Als er im Jiahre 1856 irr der Rachbargemeinde seines Geburtsortes, rn Proveis, zum Pfarrer gewählt wurde, erkannte er schnell, daß sowohl das geistige als auch das wirtschaftliche Leben dieses auf vorgeschobenen Posten lebenden Deutschtums schwer gefährdet war und von der Berwrlschung bedroht cvirde. 1400 Meter über dein Meer, arm, vom Gesamt­deutschtum durch Gebirge getrennt, dagegen offen nach dem wohlhabenden aber welsck^n Süden, wohin die Iungmannschaft aust, Arbeit 50g bröckelte langsam aber stetig das Deutschtum ab. Immer mehr welsche Worte fanden Raum in der Mundart der Ronsberger, vornehmlich der Proveiser, die nicht nur kernen deutschen Geist­lichen hundert Jahre hindurch gehabt 'hatten, sondern auch von Eies aus von österreichischen Beamten umverständlicherweise italienisch verwal­tet wurden. 1

Was tat nun Mitterer?

Zuerst ermöglichte er durch einen Kirchenbar, für den er das Geld in allen katholischen Teilen Oesterreichs und Deutschlands gesammelt hatte, die Erweckung eines neuen religiösen Lebens. Seine KirchenTinder wurden nicht nur darch den schönen Kirchen bau angelockt, sondern die Be­wunderung, die dem schönen Gotteshaase von allen Seiten gezollt wurde, dann aber der präch­tige Mann, der auf der Kanzel stand, zogen sie fest an die Kirche heran. Der moralische Un­tergrund zu Mitterers großen Arbeit war ge- 4egt. Reben der Kirche förderte Mitterer in allererster Linie die Schule. Seiner Gemeinde mußten vor allem aber auch wirtschaftliche Gnt- wicklungsmöglichkeiten geboten werden. Er schuf eine, Spitzenklöppelschule für die Frauen and Mädchen, für die Männer aber eine Korbflech­terei, die beide dank des ausgesprochenen kauf­männischen Talents, das er besaß, wirtschaftlich blühten und die Gemeinde zu bescheidenem Wohl­stand gedeihen ließen. Genossenschaft und Rarff- eisentasse folgten später.

Solche Avbeit erscheint uns heute nicht son­derlich. Bor 50 bis 60 Jahren aber gab es noch kaum ein System auf dem Gebiete der Caritas und sonstiger Hilfe. Ruch hatte man nicht erkannt, daß allein nur die Selbsthilfe zähe macht und be­sonders im GreMlande dringend notwendig ist. Wer überhaupt hatte in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Auge auf die Grenzländer deutscher Art, wer wußte etwas davon, daß Slawen und Italiener anfingen, die alte deutsche Ostmark Oesterreich zu benennen? Kaum jemand. Erst als Bismarck das Reich gründete, wurde der polttische Blick unseres Volkstums etwas schärfer, um dann freilich nur zu bald mit dem Gefühl der Sattheit weiter hinzudämmern. Die Reichsgrün- dung aber hatte tn Oesterreich eine Menge von Menschen aufgerüttelt, denn sie waren außerhalb geblieben! DerDeutsche Verein" wurde gegrün­det und aus ihm heraus entwickelte sich die Par­ier, die gewillt war, selbst als Opposition, die Rechte d«8 Deutschtums zu verteidigen. Bedroht aber war es hauptsächlich an den Sprachgrenzen. Der Frankfurter Arzt Dr. Statz brachte zur selben Zeit ein Büchlein über eine Rerse im südtiroler Grenzgebiet heraus. In ihm schilderte er Mitte­rers Wirken, und diese bisher in weiteren Kreisen unbekannt gebliebene Dolkstumsarbeit zündele in Wien.

DerDeutsche Schulverein" wurde gegründet und nun begann man überall nach ähnlichen Ge­sichtspunkten zu arbeiten, wie Mitterer dies tat. Hunderte von Schulen wurden gegründet, tausende unterstützt, zusammen mit dem kurz darauf in Ber­lin gegründetenVerein für das Deutschtum im Auslande". Diese Schulvereinsgründung aber wurde der Anstoß für das Entstehen vieler an­derer Schuhvereine. Die Gefahren wurden stetig größer, mit ihnen aber wuchs, gefördert durch die Cchuharbett, der Abwehrwille. Wievrel schlechter stünde es aber heute um die Grenzen unseres Volkstums, hätten diese Vereine nicht gearbeitet.

So ganz aber kann der Reichsdeutsche die Ar­beit nur erfassen unb verstehen, wenn er die Zeit der Abstimmungen im Osten übersieht und das, was in den letzten Jahren in den abgerissenen Gebieten an Schuharbeit geleistet wurde. Der nur auf staatlichen Schutz eingestellte Reichsdeutsche

der Ausschluß Deutschlands von der pariser Aunstgewerbeausstellung.

Das deutsche Kunstgewerbe ist vor dem Kriege bahnbrechend gewesen, und die Pariser, die in der dekorativen Kunst sehr rückständig waren, haben erst nach dem Kriege von ihren Gegnern gelernt und sind in der neuesten Entwicklung rhres Kunst- gewerbes den Spuren der Deutschen gefolgt. Es mußte ihnen daher recht Pein ich sein, wenn die Vor­bilder auf der Internationalen Ausstellung deko- rattver Kunst, die 1925 in Paris stattfindet, in bedenkliche Rähe neben die französischen Rach- ahmungen gerückt worden mären, und sie Haven daher beschlossen, Deutschland und Rußland von der Ausstellung auszuschließen. Diese Ausschlie­ßung hat eine recht interessante Vorgeschichte. Man veranstaltete eine Rundfrage unter den füh­renden Künstlern, die sich in ihrer Mehr^hl für die Beteiligung Deutschlands ausspracheii und ganz neuerdings hat auch das Komitee des Herbstsalons mit überwältigender Mehrheit die Beteiligung Deutschlands gefordert. Trotzdem kam man aus naheliegenden Gründen zu dem Beschluß, die gefährliche Teilnahme der deut­schen Künstler zu verhindern. Wie in dem von Pcml Westheim hevausgegebenenKunstblatt hervorgehoben wird, empfinden auch SranöOfen, daß dtts eine Blamage für ihr Land darstellt. Sv bespricht Waldemar George in der Zett- schristParis-Journal" den gegenwärtigen Stand der deutschen Architektur und sagt:IDenn Deutschland auch keine ganz großen Architekten hat so hat es doch das, was uns 'fehlt: eine Architektur. Ganze Städte sind dort tn einem ausgesprochen modernen Geist erbaut. Bahnhöfe, Theater, Konzertsäle, Kinos, Cafes, Hotels zeugen allerorten von seiner fruchtbaren vielformigeni

hat im ersten Jahre der Besetzung deutschen Stan» des fast versagt. In dem Augenblick aber, in dem der Schuhvereinsgedanke auch auf dies Gebiet übersprang, wurden die weichenden Fronten fester und heute stehen sie überall, wenn auch noch lange nicht gesichert, so doch von geschulten Kämpfern verteidigt.

Die ersten Lehren für den Grenzlandskampf verdanken wir Franz Xaver Mitterer und des­halb sei sein Rame mit goldenen Lettern in die Geschichtsbücher dieses Kampfes eingetragen!

Körper und Geist: jedem das Seine.

Don Prof. H. Wickenhagen -Dessau.

Zurück zur Natur! Der Ruf lenkt die Blicke auf Rousseaus RomanEmile", nach Goethes Urteilein Raturevangelium der Er­ziehung". Es ist das wuchtige Mahnwort an die Zeitgenossenschaft, die, in einem Pfuhl von Ansittlichkeit und Genußsucht versunken, in ihm, wie die folgenden Jahre der französi­schen Revolution zeigen sollten, umkam. Nur aus abnormen Zuständen erklärt sich die geist­voll vvrgetragene, aber zu radikale Philo­sophie des Autors.

Alles ist gut, wie es aus den Händen des Urhebers aller Dinge hervorgeht; alles ent­artet unter dem Einflüsse des menschlichen Zu­sammenlebens. Die Seele des Neugeborenen rein und bleibt rein, so lange sie der Obhut der Mutter Natur überlassen ist.

Man spricht im Leben der Tierwelt vom Instinkt". Der Ausdruck, über dessen Be­griffsinhalt noch nicht das letzte Wort ge­sprochen ist, bezeichnet einen Naturttieb, der unabhängig von Verstand und äußerer Be­einflussung zu Handlungen führt, die dem Wohle und Fortbestände des Individuums dienen. Rousseau möchte dieses geheimnisvolle Wirken auch auf die Menschennatur übertra­gen sehen. Aber wie? Die Lehre von der Rein­heit der Kindesseele läßt sich mit dem Bibel- wortDas Dichten und Trachten des Men­schen ist böse von Jugend auf" nicht in Ein­klang bringen; sie steht für jeden Sehenden auch im Widerspruch mit den Gesetzen der Na­tur; denn wie im Schoße der Mutter Erde neben der nährenden Frucht die Keime ver­giftenden Llnkrauts gedeihen, so liegt im Her­zen unseres Geschlechts neben dem Samen des Guten der böser Triebe. Die Lehre zerstört auch den Segen und Ansegen des Gemein­schaftslebens mit seinen mannigfachen Er­scheinungsformen; sie läßt den Menschen als Zoon politikon" nicht mehr gelten.

Sein Zeitalter hatte Rousseau zum Mi­santhropen gemacht. In ihren Folgerungen aber besitzt seine Lehre eine gewalttge Zünd­kraft, die bis auf unsere Tage wirkt. Auf dem Boden leiblicher Ertüchtigung und Le­bensführung, das Ringt aus ihr heraus, er­wächst am sichersten das sittliche und geistige Gut:je schwächer der Leib ist, desto mehr be­fiehlt er, je stärker, desto mehr gehorcht er." Haben es nicht alle Zeiten der Geschichte bis auf unsere Tage gelehrt?

Wenn Rousseau eine planmäßige Aus­bildung aller leiblichen, sinnlichen und geistt- gen Organe fordert, aus der allein die Waffe gegen teuflische Kräfte sich schmieden, ein zu­verlässiger Wertmesser des Nützlichen und Schädlichen gewinnen läßt, wenn er das An- schauungsvermögen geschärft, das Deobach- tungsbedürfnis genährt sehen will, weil da­mit Selbsttätigkeit, Eigengesetzlichkeit, das Ar­beiten auf selbst erschlossenen Wegen, die Hochachtung vor den Leistungen Gleichstte- bender gefördert wird, so ist er noch heute un­ser Mann. Aber solche Güter lassen sich nur durch Erziehung, Kräftemessung und -aus­tausch gewinnen, und die größte Schule für diese Aufgaben ist der Staat. Die Aufstel-

Lebenskraft. Deutschland hat sich oft geirrt. Es hat unheilbare Irrtümer begangen. Aber es hat eine Bewegung ins Leben gerufen, deren Ent­wicklung die Welt gehört. And gerade jetzt, wo es seinen eigentümlichsten Ausdruck ftndet, wo es zur Reife gelangt, weigert sich Frankreich, es aus? un eh men zu einer Ausstellung, auf der Chile und Guatemala reichlich vertreten fein werden." Zum Schluß wirst er die Frage auf:Darf eine Ausstellung, wie sie fürs Jahr 1925 geplant ist, Anspruch auf den TitelInternational" erheben, wenn Deutschland dort fehlt? Ist es zu spät, den schweren Fehler, der begangen wurde, wieder gut zu machen? Wenn nicht, was zögert man noch, Deutschland einzuladen? Ich wiederhole es: ein französischer Sieg in Abwesenheit Deutschlands des einzigen Gegners, der zählt, wäre Hohn.'

War Robespierre geisteskrank?

In Robespierre haben nicht nur die Schrecken der großen französischen Revolution, sondern hat der revolutionäre Terror überhaupt Gestalt ge­wonnen. Die Persönlichkeit dieses kleinen Advo- taten, der zum falten Massenmörder und Fana­tiker des Machtttiebes wurde, ist von unheimlichen Rätseln umsponnen, die zu lösen bisher auch den größten Darstellern dieser Geschichtsepoche nicht gelungen war. Haben wir es hier mit einem großen Verbrecher oder einem armseligen Geistes­kranken zu tun? Diese oft aufgeworfenen Fragen werden nun mit allen Mitteln der modernen Psychiatrie und Seelenkunde in einem bedeutenden Werk beantwortet, das der bekannte Münchener Kriminal-Psychologe Hans von H e n 11 g Im Ver­lag von Julius Hoffmann zu Stuttgart veröffentlicht. Heutig deckt die geheimsten Gedan- lengänge und Schwächen dieses durchaus anorma­len Charakters auf und findet eine Fülle von

hing eines allbefriedigenden Lehrplans ist sicherlich nie leicht gewesen: Wer soll den Vor- ttitt haben, lautet die Kardinalfrage, Geist oder Körper? Wozu Vvrttitt? fragen wir; einem jeden das Seine!

Goethe hat einmal gesagtwir wollen hoffen und erwarten, wie es in einem Jahr­hundert mit uns Deutschen aussieht, und ob wir es sodann dahin gebracht haben, nicht mehr abstrakte Gelehrte und Philosophen, son­dern Menschen zu sein". Nun, wie denn?

Der Staat macht den Schulbesuch für je­den zur Pflicht. Werden nicht noch immer Sitzarbeit und Stubenkultur weit über Gebühr bevorzugt? And wirklich stets mit gutem Er­folge? Der Junge, das Mädchen wird in der Lernstunde erzogen, erzieht dann selbst, hat sich ein Arteil gebildet und hält dieses für das allein richtige! Die deutsche Parteien­bildung ist in ihren zarten Wurzeln gezüch­tet! Der Geschulte, Halbgebildete nimmt um so mehr am Bestehenden Anstoß, wenn das körperliche Wohlbefinden, die Berufsfreude, der Schaffensmut abnimmt. Schillers Wort: Es ist der Geist, der sich den Körper baut", hat sich wahrlich am Dichter selbst am wenig­sten bewährt. Im Hochflug seines Denkens und Schaffens vernachlässigte, ja, knechtete er den Körper und sank im besten Mannesalter ins Grab.

Wie ganz anders sein Geistesverwandter, Goethe, der imFaust""dem Schüler die Worte in den Mund legt:

Ich wünschte, recht gelehrt zu werden And möchte gern, was auf der Erden And in dem Himmel ist, erfassen: Die Wissenschaft und die Natur!

Sein Lebensweg war fast doppelt so lang wie der seines Freundes, weil er stets auch dem Körper seine Steuer gezahlt hatte!

And doch machen noch immer in der neue­ren Pädagogik sich psychische und physische Er­ziehung gegenseitig den Rang stteitig, wenn auch ein Prozeß der Versöhnung unter der Not der Zeit sich anbahnt. Herbart als Ver- tteter der ersteren, bekennt sich zu der Lehre, daß der Unterricht die Grundlage der Er­ziehung abgeben muß:Die Lugend ist ein Wissen." Gewiß: die Darbietung der edelsten Lehrstoffe, der Hinweis auf die biblischen Heilswahrheiten, auf die Geistesgrößen und Heldengestalten der Geschichte, auf die wunder­baren Früchte tiefgründiger Verstandesarbei­ten haben eine nachhaltige Wirkung auf das Seelenleben und sind Imponderabilien der Jugendpflege, die uns teuer und wert blei­ben; aber ob diese idealen Schätze die allein tragenden und treibenden Mittel zu einem kraftvollen Wollen, zu einem erfolgreichen Tun bieten, bleibt eine offene Frage. Nicht nur Kenner, sondern auch Könner brauchen wir. Der Daum der Erkenntnis ist nicht der des Lebens! Die körperliche Schulung hat ihren Hauptvertreter noch immer in Lud­wig Jahn. Die Gymnastik soll nach ihm die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leib­haftigkeit zuordnen, die Aeberfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das notwen­dige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen um­fassen und angreifen.

Wem Deutschland über alles geht, der prüfe, wie er sein Leben sich zu gestalten hat; wir leben in Zeiten, die hohe Ansprüche an jeden einzelnen stellen! Er erinnere sich der Wahrheit des Dichterworts:In Fährden und in Nöten zeigt erst ein Volk sich recht", beher­zige aber vor allem dje Mahnung des Gro­ßen Friedrichs:Der liebe Gott geht nur mit den starken Bataillonen!"

Zügen in seinem Wesen, die auf eine geistige Erkrankung schließen lassen. Zweifellos trug Ro­bespierre von früh an Keime der Geisteskrankheit in sich. Der Wandertrieb seines verschollenen Vaters läßt auf eine Vererbung solcher Anlagen schließen; vielleicht auch die Neigung der Mutier, einer Bierbrauerstochter, zu einem kräftigen Trunk. Da er mit 36 Jahren hingerichtet wurde, so kann man nicht entscheiden, ob er sich in den letzten Jahren seines Lebens im Anfang einer fortschreitenden Geisteskrankheit befand: aber feit seinem 32. Jahre gehen deutliche Veränderungen mit seiner Persönlichkeit vor. Während seine Schrift vor 1790 klar und sicher gewesen sein soll, so seh In wir im letzten Jahre seine Manuskripte voll von Druchstreichungen, Wiederholungen und neuen Durchstreichungen; Buchstaben werden aus­gelassen; es enstteht ein wüstes, unleserliches Durcheinander. Dafür wird das Selbstgefühl ge­steigert, indem an die Ramensunterschrift ein ge­waltiger Schnörkel angehängt ist. Eigentliche kli­nische Symptome lassen sich schwer feststellen.

Seine häufigen Abwesenheiten von allen Staatsgeschäften im Februar und Juli 1794 müs­sen auf Derstimmungszustände zurückgeführt werden, die sich dann regelmäßig in leidenschaft­lichen Vorstößen gegen die polittschen Gegner ent­luden. Rach diesen Zuständen einer Bewußtseins- ttübung treten impulsive Triebhandtangen hervor, wie z. B. der Mord an Danton. Wir sehen ihn, den ängstlichen, vorsichtigen Zauderer, der sich ftüher immer im Hintergrund hielt, sich unter einem geistigen Zwang in die gefährlichsten An- Überlegtheiten stürzen. Es wird erzählt, daß ihm nach heftigen Szenenübel" wurde, daß er bei aufregenden Mitteilungenwie von einem elek- trischen Schlage getroffen" war. Das sind Züge eines Epileptikers, ebenso wie seine peinliche Pe­danterie, feine Aebereleganz, die amokartige Reiz­barkeit. die Mischung von Süßlichkeit und böS-

Wirtschaft.

Die Ruhreiseninduftrie vor der Stillegung?

Von unserem Essener Mitarbeiter wirk uns geschrieben:

Die Geldknappheit ist immer noch ausschlag« gebend für die weitere Entwicklung der Etsen- preise, denn bei dem teuren Geld wird die Nach­frage künstlich zurückgehalten und die gewaltsame Verringerung noch vorhandener Läger fortgefetzt. Das Arbeiten auf Vorrat bei den Werken findet seine Beschränkung ebenfalls in der Geldknapp­heit, so daß die geringe Nachfrage zu einer sehr erheblichen Einschränkung der Produktion (teil­weise bis zu 40 Proz.) bei den maßgebenden Werken bereits geführt hat uird weiter führen wird. Die schwierige Stage hat sogar schon dahin geführt, daß offizielle Verhandlungen über weit­gehende Detriebseinschränkungsn bei der gesam­ten Eisenindustrie ftattgefurtben haben; nur aus sozialen Erwägungen hat morn von diesen Plä­nen bisher Abstand genommen. Wenn nicht bald eine durchgreifende Besserung der Stage eintritt, wird man aber doch wohl wieder auf sie zurück­greifen. Die Anpassung der Produktion an den Bedarf ist notwendig und wirtschaftlich gesund, trotzdem sie nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für die Werke und 'die Verbraucher große Hätten mit sich bringen wird.

Die Preise stehen bei wettern nicht im Ein­klang zu den Produttio.iskosten. Selbst eine wei­tere Herabsetzung der Kohlen- und Kokspreise würde es den Werken nicht ermöglichen, Stab- eisen zu einem Grundpreis von unter 120 Mk. die Tonne zu produzieren. Auch nach einer etwa­igen befriedigenden Beendigung der Londoner Konferenz und nach Annahme des Dawes-Gut- achtens werden vermutlich die Selbstkosten der Werke nicht erheblich zurückgehen. Die Kohlen- und Kotspreise werden zwar, sobald die Mr- cumlasten auf breitere Schaltern gelegt werden, vermutlich herabgesetzt werden; aber wir wer- dcn anstelle der Micumlasten so viel neue Lasten aus dem Gutachten eintaaschen, daß alles in allem die Herabsetzung der Kohlen- und Koks» preise nicht nur ausgeglichen, sondern daß wahr­scheinlich sogar noch eine Erhöhung der Selbst­kosten eintreten wird. Abgesehen davon sind die Eisenpreise in den letzten Monaten bereits der­art gesunken, daß dadurch eine Kohlenpreiser­mäßigung weitgehend bereits berücksichtigt worden ist. Auch wird allgemein übersehen, daß bei der Ermittlung der Selbstkosten heute ein sehr wichtiger Faktor überhaupt keine Berücksichtigung findet, nämlich die Verzinsung der von allen großen Anternehmungen aufgenommenen hohen Auslandskredite. Wenn die Industrie, wie es sich'gehört, bei der Ermittelung der Selbstkosten hierauf Rücksicht nehmen würde, müßte sich viel­leicht manches Werk, das heute noch an einer ver- hättnismäßig großen Produktion festhält, schnell zu erheblichen Einschränkungen entschließen.

Da sich die Produktion infolge der bereits vorgenommenen und der noch wahrscheinlichen Ein­schränkungen der Nachfrage angepaht hat, und da auch die Lagervorräte erheblich zurückgegangen sind, ist nach einer befriedigenden Schluhverhand- lung in London ein Anziehen der Preise möglich, um so mehr, als in diesem Fall mit einer Stabili­sierung des Franken zu rechnen ist. Bisher ist das gesamte Geschäft durch Kursschwankungen des Franken beunruhigt worden. Die belgischen und französischen Werke werden aber bei einer sta­bilen Währung nicht mehr zu 6 Pfund Sterling fob. d. t. Stabeisen verkaufen können. Die bel­gische und französische Regierung wird sich bei ihren Bemühungen, ihr Budget auszugleichen, auch nicht mehr den Luxus leisten können, den Werken den Reparattonskoks zu Preisen zu berechnen, die unter den Deutschland zu erteilenden Gutschttften liegen. Auch in der Gewährung von Exportprä­mien in der einen oder anderen Form, wird man wahrscheinlich in Frankreich oder Belgien spar­samer werden. Eine sog. Konjunktur werden wir allerdings wohl nicht bekommen. Es wird im Ge­genteil bei einer (vielleicht noch weitergehenden als der jetzigen) Einschränkung der Produktion fürs Erste bleiben. Es wäre wünschenswert, daß diese Einschränkungen planmäßig im Rahmen eines Verbandes beschlossen würden, damit nicht einzelne Werke bei der Beurteilung des Verhältnisies von Produktion und Nachfrage sich krügettschen Hoff­nungen hingeben.

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Zeutralausschutzsitzung der Reichsbank.

In der am Freitag stattgehabten Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank betonte der Reichsbankpräsident Dr. Schacht, daß sich nach den Wochenausweisen für die Zeck

artiger Heimtücke, die Amständlichkett des sprach­lichen Ausdrucks, das ganze hypochondrische, streitsüchtige Wesen. Diese Veränderungen zeig­ten sich auch in seinem AeuHeren. Wir sehen auf. den späteren Bildern einen abgemagerten alten Mann mit verzerrten und gespannten Gesichts­zügen. Robespierre, der von je verschlossen und mißtrauisch gewesen war, erweist sich immer un­fähiger zum gesellschaftlichen Verkehr. Er lebt nur noch in einer Umgebung rückhaltloser Be­wunderer, und seine sozialen Beziehungen be­schränken sich in der letzten Zeit gaiii auf die politischen Versammlungen. Die Randdemerkun- gen, die sich aus seiner Feder in den Akten des Wohlfahttskomilees befinden, zeigen in ihrer Bru­talität und sinnlosen Gewaltsamkeit eine Ver­rohung, tote sie grabe für den iörperlichen Schwäch­ling mit krankhaften Zügen bezeichnend sind. Schon früh waren in ihm gewisse Mängel des Willens hervorgetreten, die er durch starre Hartnäckigkeit zu verbergen suchte. Auch seine Neigung für Symbolik weist auf eine Geisteskrankheit hin; er neigte zum Mystizismus. Dieses Auseinander- stillen der Persönlichkeit bewittt dann seinen An- tetgang. Im Augenblick der Entscheidung, wäh­rend Sieg oder schmachvoller Tod auf des Messers Schneide stehen, drängen ihn fein: energischeren Freunde, seine Anhänger zu den Waffen zu rufen. Alles kommt darauf an, wer in diesem Augen­blick des Schwankens die furchtbare Waffe der Scheinlegalität an sich reiht. Aber d:r Diktator sitzt zusammengebrochen da; er zaudert, und als man ihn zum Anterzeichnen des Aufrufs veran­lassen will, fragt er:In wessen Namen?" Seine Schrullenhaftigkeit ist in stumpfe Willenlosigkeit übergegangen, und keinem Diktator, sondern einer armseligen, geistig gestörten Antettanennalur zer­schmettert im nächsten Augenblick ein Pistolenschuß den Untertiefer.