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Bauernstand und Demokratie

von allen produzierenden Ständen (und von den Lohn- 'und Gehaltsempfängern, angesichts der Minderung ihres Einkom­mens) erhoben werden, sind begründet zum Teil in den Schwie­rigkeiten des Übergangs von Inflation zu stabiler Mark. Sie werden behoben, wenn wir neues Cparkapital an­

mache?"

Das haste getroffe, Eck-Wilbelm," meinte der Schmied- Jakob im Weggehen.Ich seh' dich, wie du mit der Heu- gawwel feindliche Flieger herunncr holst. Uu alle die Groß­mäuler, die vor 5, 6 Jahr lamentiert hawwe: ach, wär doch der Kram vorbei, die nemmes auf amol mit der ganze Welt auf un Wenns mit'm stumpfe Besem wär."

Un Steuern brauchst dann iict, das besorgt Dr. Helfserich alles umsonst," ergänzte der Müller-Auto n.

Scherzt nicht mit so bitter ernsten Dingen," mahnte zum Schluß der Lehre r.An sich wär's nicht weiter schlimm, wenn das Voll sich einmal auf die andre Seite legen und probieren

tcn an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes, der deutschen Republik, das ist

unsere nationale Aufgabe und Bestimmung.

Es gibt zwar auch einen o ch nationalere" Jugend, die sich täglich alschristlich" unddeutsch" undnational" plakatieren läßt, die jedoch in den Wahlkämpfen ein sonderbaresVor­bild" des Anstandes und derfeinen Bildung" abgibt. Der Knüppel ist ihr Beweismittel .Dazu kommt noch politische Un­reife, die verdeckt wird durch unheilvollen Mißbrarrch gesunden Nationalgesühls. Mit dieser Jugend haben wir nichts zu tun.

Deutsche Jugend! Glaube nicht denen, die die Weimarer Verfassung, ohne sie je gelesen zu haben, verächtlich machen, die des Reiches Ehre besudeln, die da sagen, die ganze Rot und Entbehrung brachte uns die Republik, das-ist ge­meine Demagogie. Sie rührt von dem Irrweg, den die früherenFührer" des alten Obrigkeitsstaates unseligen Angedenkens uns geführt haben, von dem verlorenen Krieg mit all seinen Folgen. Deutsche Jugend! Laß uns gerade in Zeilen der Not getreu zur Republik und zur Verfassung stehen, Zu­sammenhalten in unserem Wollen, für unsere Ideale kämpfen. Es muß einmal ganz offen und klar und deutlich gesagt werden, daß wir jene partikularistische bayerische und preußische Jugend, die obendrein noch die Stirne haben, sichdeutschnational" oder deutsch-völkisch" zu nennen, mit geistigen Waffen ck- sichtslos bekämpfen.

Jugend der Republik! Die wachsenden Anstürme der Reak­tion werden unseren Kampfesmut stärken. Je größer der Druck, je härter der Kampf, desto größer ist unser Siegcswille. Rüstet zum Kampf, kämpft im Sinne und Geiste unserer großen Weg- bereiter Ernst Moritz Arndt, Freiherr vom Stein, Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Uhland und all der deutschen Vorkämpfer deutscher Einheit?

Habt Mut und Geduld, einst kommt der Tag, da wird gespannt ein Zelt ob allem deutschen Land.

Steht fest im Glauben und laßt euch nicht irre machen, ihr habt nur e i n Vaterland, drum wählt am 4. Mai die Partei, die das Erbe Friedrich Naumanns und Walther Rathenaus an­getreten hat; Wählt deutsch-demokratisch!

T,e D em okratie ist keine Klassen- und Jnteressenpartei. Darum sieht sie mit Bedauern, wie durch den Landbund und ähnliche Organisationen der Bauernstand in einen radikalen Gegensatz zum heutigen Staat hineingelrieben wird, der für den Staat wie den Bauernstand verhängnisvoll ist. An diesem Wider st reit haben die Nutznießer des alten Staates, bte Großgrundbesitzer voran, ein Interesse der Bauernstand, der seine Frei­heit g e g e n s i e e r k ä m p s t h a t, w a h r h a f t t g n t ch t. Ter Bauernstand gehört zu den demokratischen Schichten des deutschen Volles.

Demokratie und Bauernstand haben früher miteinander gekämpft; sie werden sich wieder finden.

Wo soll er denn sonst hingehe? Zu Euch Pazifiste, die kei Kurasch im Leib hawwe und nix höheres kenne als Steuern

Deutsche Jugend auf zum Kampf für Reichsehre, Neichseinheit, Rcichsverfassung!

Die durch den verlorenen Krieg verursachte Umwälzung brachte den Zusammenbruch des alten Rechts und des alten Staates. Aus einer einzigen Quelle konnte damals neues Recht und eine neue Staatsform geschöpft werden, aus der Demo­kratie. So entstand die demokratisch-parlamentarische Repu­blik der Weimarer V e r f a s s u >i g .

Es genügt nun aber bei toeitem nicht, sich mit tiefster unb innerster Begeisterung zur Weimarer Verfassung unb zur Repu­blik z u bekennen, mit diesem Bekenntnis fängt erst unsere Arbeit an. Wir müssen neue, lebendige Kräfte in die Republik hineinführen, wir müssen mithelfcn unb mitarbei-

Die Rentenmark

Welcher Sturm der Entrüstung brach in den sogenannten nationalen Kreisen, bei der Schwerindustrie, dem Großgrund- besitz unb anderen Kriegsgewinnlern los, als nach dem Kriege eine scharfe Besteuerung der großen Vermögen durchgeführt werden sollte! Erzberger mußte daran glauben. . . .

Was aber war die Inflation?

Die schrecklichste Steuer, die es gibt. Ganze Stände, gerade die, die den Bestand und Zukunft des Volles garantieren, sind untergegangen. Die Inflation war das Hauptkennzeichen der Wirkung des außenpolitischen Druckes. Aber auch verantwortlickst Männer haben ein vollgerütteltes Maß von Schuld. Dr. Becker und Dr. Cuno mußten erst aus der Rcichsregicrung verschwinden, H a v e n st e i n mußte erst das Zeitliche segnen, ehe eine Reform durch den Demokraten Dr. Schacht möglich wurde. Wer also hat das deutsche Volt aus dieser entsetzlichen Marter befreit?

Unser Schacht hat's gemacht!

Ein p lu m p c r S ch w i n d e l der Deutschnationalen, daß sie Helfserich als

Vater der Rentenmark

in Anspruch nehmen. Gerade die Partei Helfserichs hat durch dauernde Obstruktion das Zustandekommen der Verordnungen verhindern wollen. Nur unbeküiilmertes, energisches Vorgehen der Reichsregierung hat eine Stabilisierung der Währung trotz der Quertreibereien der Deutschnationalen herbeigeführt und wieder Gleichgewicht in den Haushaltungsplan des Reiches ge­bracht. Gott sei Dank, daß wir die furchtbaren Leiden der In­flationszeit, die das Volk zermürbt hat, schnell vergessen. Aber die V e r d i e n st e der Männer, die das selbst dem Ausland unbegreifliche

Wunder der Rentenmark

ferti ggebracht haben, wollen wir nicht ver- I geffen ! >

will, ob eine Regierung der Rechtsparteien nicht bessere Ver- hältnisse schaffen kann. Als guter Demokrat füge ich mich dem Wlllen des Volkes, auch wenn ich ihn für falsch halte. Das Volk wird bald erkennen falls bei der Parteizersahrenheit überhaupt eme Regierung zustande kommen kann, daß a u ch eine andere Regierung mit Wasser kochen und die Dinge nehmen muß, wie sie sind. Auch sie wird nichts andres tun können, als demokratische Politik machen aus der Grundlage der Weimarer Verfassung unb Steuern heben von jedem, der noch etwas bat. Dann wird die Stimmung bald wieder umschlagen. Das ist also nicht das Bedenkliche. Gefähr­lich wirds nur, wenn außenpolitische Dummheiten gemacht werden, die Deutschland ins Verder­ben stürzen und unsere früheren Gegner erneut gegen uns zusammenschmieden. Das kann das Ende des Reiches sein. Darum sehe ich dem 4. M a i mit Besorgnis entgegen Nicht, weil wir verlieren könnten, das ist nicht entscheidend sondern weil zu befürchten steht, daß dem deutschen Volke die kühle Ueberlegung mit gefährlicher Stimmung durchgeht und daß das Volk diese Stimmungsnachgabe bitter büßen muß Wenn nur wenigstens die den Kopf oben behalten, die sich ein klares Denken bewahrt haben! Und nun, gute Nacht, meine Herren!"

bem Maul rettet, awwer des Steuerzahle grundsätzlich als Dummheit ansieht."

No, ich glaub, ich bezahl wahrhaftig mehr als genug bei benc gesunkene Getreide- und Viehpreise" entgegenete der Zu- rechtgewiesene.

Das gebe ich gerne zu," lenkte der Lehrer ein,der Dauer ist nun auch in den Kreis der Schwerbedrüclten einbe- -ogcn. Das ist hart. Aber ist's ein Unrecht, solange andre große Teile des Volkes mindestens gleich schwer belastet sind? Nicht darum handelt es sich, ob die eine ober die andere Steuer richtig deranlagt ist, ob die Wirkung immer gerecht ist, sondern darum, ob das deutsche Volk in allen feinen Schichten ernstlich gewillt ist, die Opfer zu bringen, d i e heute nötig und die einzig möglichen sind, um ihm seine Zukunft unb seine Freiheit z u sichern. Uebrigend wuuderts mich einigermaßen, daß Sie sich über die Rede des Herrn Dr. Werner so begeistern, Sic sind doch D auer nbündler unb an ber Spitze Ihrer Kandidatenliste Jtebt nicht Herr Dr. Werner, sondern Herr Dorsch und Herr Dr. klöbius. Sind denn das auch Deutschnationale?"

Das kann ich Ihne «et sage," entgegnete ausweichend der Eck-Wilhelm,unsere Leut sind Bauernkandibate."

Aber im Reichstag gibt*» doch keinen Bauernbund. Herr Dorsch war bisher bei den Deutschnationalen, da wird er wohl auch bleiben."

Arbeit und Arbeiter

Auf einem von der Demokratischen Partei in Tarnt» stabt kürzlich veranstaltetenDeutschen Abend" sprach über obiges Thema Prof. Dr.-Ing. H e t, b c - brock, der Rektor der Technischen Hochschule der bekanntlich an zweiter Stelle auf ber Kandidatenliste der hessischen Demokraten für den Reichstag steht. Seine Rede bewegte sich in folgendem Gebantcngang: Wiederaufbau des Vaterlandes heißt Arbeit unb tvieberum Arbeit. Nutzbringende Arbeit, die uns Brot und Freiheit schaf­fen soll, muß Qualitätsarbeit sein. Zur Qualitäts- arbeit gehört aber ber Qualitätsarbeiter, unb um ihn, ber in Deulschlaubs Arbeiterschaft in hohem Maße vertreten ist, zu erhalten, muß er zu seiner Arbeit toieber in ein gesundes Verhältnis gebracht werben. Tas Werk, bas er schafft, muß ihm Befriedigung gewähren. Jetzt steht ihm der Arbeiter bet der auf die Spitze getriebenen Schematisierung fremd, ja fast feindlich gegenüber. Die Errungenschaften der Staatsumwälzung, Achtstundentag, Lohilerhöhung unb erweiterte Rechte in ben Betrieben, sinb verloren oder bedroht. Ein großer Teil der Arbeitgeber kehrt den schroffen Herrenstandpunkt hervor; die Geldentwertung hat die Kraft der Organisation zer­schlagen, der Hunger zwingt ben Arbeiter zur Unterwerfung. Die A r b c i 1 s l o s i g k e i t ist der schlimmste Feind; sic bemo- ralisicrt bei längerer Dauer auch den besten Arbeiter. Diese Ent- Wicklung birgt eine große Gefahr. Fünfzig Jahre ging ein R i ß durch unser Volk. Die Arbeiterschaft, die durch die Industriali­sierung Deutschlands ein besonderer Stand geworden war. stand g e t r e n n t von den übrigen Volksgenossen. Ausgeschlossen von der Mitarbeit am Staat, traten sie diesem Gebilde feindlich gegenüber. Helfen hier nicht alle, die dazu be­rufen sind, unb bas sinb letzten Enbes alle, so besteht bie große Gefahr, baß bieser Riß sich erneut auftut, sich vertieft und erweitert, daß ber Ruf:H i c B ü r g e r, bicArbcit-r!" zum Kampf­ruf wirb, die Volksgemeinschaft zerstört, die Staatsgesinnung bes Arbeitnehniers gefähr-

In den ersten Jahren des aufgelösten Reichstags stand die Beseitigung der am Anfang des Krieges auf Anraten der Vor- sitzenben bes Bunbes ber Lanbwirte eingeführten Zwangs- wt.ktfchaft im Vordergrunbe bes Kampfes. Politische Aengst- Ukeit unb egoistftcheS Interesse ber in ben Wirtschaftsstellen gut »k o0ttn tiefer Verbitterung zwischen Stabt

i ai,/0cbrctleter Korruption nnb schlechter, ungleich- rÜff*der Konsumenten viel zu lange fließen lassen. Jetzt, nachdem wir in ber freien Wirtschaft stehen, begreift man kaum mehr das lange Festhalten an ber Zwangswirtschaft, ^^rgangsschwterigkeiten für die Verbraucher mußten natürlich entstehen unb ubertounben werden

sollte ein demokratischer An- !ja.p cf betriebe bis 10 Hektar von ber Gerste- unb Haferwirt- L40«! mifrelc^i H°)er gelang es. Als bei ber Zuteilung bc8 verbilligten Mais zahlreiche Großgrunbbesitzer mehr erhielten als . zur Viehsüttenlng notwendig war unb mit ihren Bezugs­scheinen ein einträgliches Börsengeschäft trieben, war es ber demokratische Abgeordnete Landwirt K e r f ch b a u m , der im Reichstag dagegen vorging, allerdings mit ähnlichem Erfolg wie bei ben Pferbeverkaufen währenb beS Ktteges, wo heute noch eber Bauer in Hessen em Lieb zu singen weiß, wo unb wie man Pferbe bekam.

Im August 1920 würbe ein b e m o k r a t i sch e r Antrag auf Beseitigung ber Kartoffelzwangswfttfchaft in ber Kommission mit 16 gegen 12 Stimmen angenommen; im gleichen Monat ein ?on J^cmofTat) gestellter Antrag auf Beseitigung

ber Fleischwittschaft. ö

Eine wahre Komödie war cs, als im Plenum deS Reichs- tags der Antrag auf völlige Beseitigung der Zwangswirtschaft Mit lc0 gegen* 158 Stimmen abgelehnt wurde; denn es fehlten bei der Abstimmung 6 D e m o k r a 1 e n, 19 D e u t sch- nationale, darunter 8 Landwirte, und 18 Deutsche D olksp urteile r. Zentrum und Sozialdemokraten stimm- ten für die Zwangswirtlchaft.

Während des Umlageverfahrens bemühten sich die Demokraten unter Führung Dr. Böhmes um eine die kleineren unb mittleren Betriebe schonende Staffelung. So lautete ber berühmt gewordene Antrag Nr. 256:Landwirtfchastlich ge­nutzte flachen bis zum Umfang von 10 Hektar bleiben von ber Umlage frei, sofern sie zu Betrieben bis zur Größe von 50 Hektar gehören " gür ben Ausfall sollen bie Walbbesttzer, bte große Holzgeschaste machen, herangezogen werden. Außerdem sollten Betriebe von über 50 Hektar Getreideanbaufläche mit bem breb wchen Satz pro Hektar belegt werben, wie bie betriebe von 3 bis 10 Hettar.

Alle diese Anträge würben durch daS Zusammengehen von rechts unb links abgelehnt. Der Landbund schonte den Grosrbcfitz und belastet die Bauern.

Im Oktober 1922 wies Dr. Böhme im Reichstag nach, daß der Führer des Landbunbes in Kvttbus, von Natzmer, eine Herabsetzung seines Umlaacsolls von 2400 auf 250 Zentner er­wirkt hatte, während ein Bauer mit 28 Morgen 28 Zentner zu liefern hatte.

_ Als bann im Reichstag b l e neuen Steuern eine Immer größere Rolle spielten, bemühten sich bie Demokraten um die Be­seitigung des schreienden aus der Zelt des alten Systems mit ber

In ben letzten Monaten leibet ber Bauern- ltan<Lrau ^,rorbcntIi$ unter hohem Steucrbruck, unter bem Mißverhältnis zwischen ben Preisen für Getreide unb Vieh einer,cits unb für inbustriell-gewerbliche Probuktc anbererfeitd* besonders auch unter zu teurem Kredit. Diese Beschwerden bie

summ ein unb ausländische Kredite bekommen. Zum anderen Teile ist eine Senkung der durch Trusts und Kartelle hochgcbal- ftnen Preise für Jndustrieprodukte unbedingt nötig. In der §rage der firebitberbefferung ist ber Demokrat Dr. Schacht, in ber rage ber Preissenkung ber bcmokratische Rcichswirtschafts- Minister Hamm tätig.

Vorherrschaft ber Großgrundbesitzer stammenden Unrecht- der fifr rmgeren Besteuerung dcS Groß- unb bes stärkeren des KleinbcsitzeS. Im Apnl 1921 wies Dr. Böhme (Dem.) nach, daß vorn Rcichs- notopser her ber Großgrunbbefitz eine starke Bevorzugung cr- Inbre. RnSbcfonbere durch bie (oft von einem Büro, fern dem -betriebe, auf allgemeine Angaben hin, landwirtschaftliche Buch- ftihrung rechneten sich große Betriebe statt Einnahmen Verluste heraus, damals erklärte der zuständige Mini- st er 'uldirektor im Reichsfinanzministerium, die Minderbelastung des Großgrundbesitzes fei °JL -Es wurde festgcstellt, daß 14 Bauern mit einer czn-tt'0ro&e von 100 Morgen mehr Steuer zahlten, als die 30 Großguter und Domänen des Bezirks. Als dann Tr. Böhme beantragte, die Güter, die buchmäßige Unterbilanzen hätten, soll­ten in erster Linie für bie Sicbelung von Bauern benutzt werden, fand ber Antrag gegen bte Rechtsparteien An­nahme.

Der Wehrbeitragswert ist als Grundlage für viele (steuern angenommen worden; aber infolge derbesseren" Ver- anlasM lst er ZU einer schreienden Ungerechtigkeit für die West- und süddeutschen Bauern geworden. Er beträgt pro Hektar: in Ostpreußen, abgerundet, 550 Mark, Pommern 780 Mark, Hef- senl320Mark! und Badenl450 Mark! *

Immer und immer wieder haben die Demokraten auf die­ses Unrecht hingewiesen, derAbgeordneteDorschhat es bis heute noch zum er st en Malezutun. Er schwieg wie seine fübbcutfdKn deutschnationalen Kollegen!

Me stehen wir zu den anderen Parteien?

r Die Deutsche Demokratische Partei wird von allen wideren Parteien gehaßt, teils offen, teils versteckt, je nach der polittschen Konstellation. Das hindert uns nicht, rein sachlich und unvor­eingenommen zu den anderen Parteien Stellung zu nehmen.

Grundsätzlich: Politischen Haß kennen wir nicht; jeder Andersdenkende soweit er persönlich ein anständiger Mensch ist, hat Anspruch auf Achtung feiner Ueberzeugung und seiner Persönlichkeit, nichts anderes verlangen wir für uns. Unser Kampf gilt ber Anschauung unb nicht der Person, er ist ein rein politischer.

Politisch: Für unS gibt eS keine Gemeinschaft mit Parteien, die der demokrattschen Republik feindlich gegenüberstehen, die die Weimarer Verfassung nicht anerkennen und die nicht auf bem 23oben der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung aller Staatsbür­ger stehen. Darum besteht schärfster Gegensatz zu den Extremen rechts unb links: zu ttomunisten einerseits und zu den Deutschnationalen, den Deutschvölkischen unb ben Antisemiten aller Schattierungen andererseits.

Die Parteien ber breiteren Mitte wollen wir nach ihren hessischen Spielarten betrachten:

Mit der Sozialdemokratie stehen wir und daS Zentrum seit mehr als 5 Jahren in ber gemein,amen Verantwortung für bie Regierung. Tiefe gemeinsame Arbeit war gut und nützlich für das Lanb, das kann ehrlicherweise niemand bestreiten. Das poli­tische Zusammcuarbeiten war nicht immer leicht, es gestaltete sich aber mit den verständigeren und verantwortungsbewußten Füh- rcrn besser, als der Ton einzelner fozialdemolratifcher Zeitungen vermuten läßt, die das Bedürfnis haben, ihren radikaler gesinnten Anhang darüber hinwegzutäufchen, daß die Panci für die Re­gierung und ihre Handlungen mitveraniwoNlich ist. Trotz unsrer grundsätzlichen Gegnerschaft zum sozialistischen Programm unb Sur klassenkämpferifchen Einstellung ber Partei halten wir eS als eine Lcbensnotwenbigkeit für Reich unb Staat, daß bie Sozial- demokratische Partei an der Mitverantwortung beteiligt wird, so lange sic ihre wichtigste Gegenwattsaufgabe in ber Erhaltung ber demokratischen Republik sieht. Jebcr Versuch ber rechts gerichteten Parteien, die Nation wicber inzwei seinbliche Heerlager zu spalten, inbür- und .sozialistische" Parteien, ist ein Unglück fürs Volk und ist darum zu bekämpfen.

Auch mit dem Zentrum verbindet uns nur die gemeinsame Sorge für die Erhaltung der demokratischen Republik. Verläßt cs diesen Boden, dann ist keine anoers geartete Gemeinschaft denkbar, denn feine sonstige Weltanschauung ist und bleibt uns fremd. Unser polittscher Grundsatz: Gleiche staatsbürgerliche Rechte für Alle, freie und gleichberechtigte Betätigung aller Reli­gionen und Konfefsionen soll Katholiken, Protestanten unb Juben In gleichem Maße zugute kommen. Andererseits lehnen wir jede Sonderstellung einzelner Konfessionen im Staat und jeden Ein­griff in die Staatshoheit auf das bestimmteste ab. Die hessi­sch e Zentrumspresse hat sich gerade in jüngster Zeit in häßlichen unb unwahren Angriffen auf die Demokraten gefallen. W i r lehnen cs ab, ihr auf biesem Gebiet zu folgen. Soll dieses Vorgehen bie Vorbereitung für eine Rechtsschwenkung zu ben Gegnern der demokratischen Verfassung fein, bann sind nicht wir eS, die den Frontwechsel verursachen.

Die Deutsche Bottspartei gilt als unsere nächste Nachbar» Partei. Im Reiche arbeitet sie mit ber Demokratischen Pattei zu­sammen. Anbers in Hessen. Hier bestehen bie alten traditio­nellen Gegensätze fort. Daß die Deutsche Volkspartei In Hessen nicht an der Regierungskoalition beteiligt ist, liegt nicht an ben Demokraten, sondern an der Volkspartei selbst. Ihr Hochmut und ihre Zwiespältigkeit zeigen sich auch in diesem Wahlkampf. Sie tritt ein für Volksgemeinschaft unb verantwortungsvolle Mit­arbeit unb weist auf ber andren Seite bie Sozialbcmokratie zu­gunsten eines Bürgerblocks zurück. Sie stellt sich auf ben Bobcn der Weimarer Ve^sassung und kämpft doch für Schwarz-Weiß-Rot und für einVolks- latfertum". Sie bezeichnen sich als Gegner derErfüllungs- Politik", sind aber bereit,schwerste Opfer zu bringen, wenn damit dem deutschen Volk ber Weg zur Freiheit eröffnet wirb". (Wer begreift btefen Widerspruch?) Stolz rühmt sich die Partei ihrer Erfolge: Wieberaufrichtung ber Autorität bes Reiches, Ruhe unb Ordnung im Innern, eine gefestigte Währung--, ben

demokratischen Reichswehrministcr Tr. Geßler, der für Ruhe und Ordnung verantwortlich ist, ben bemo- kratischen Ncichsbankpräsidenten Dr. Schacht, bem das Schicksal der deutschen Währung nnbertraut ist, gibt cs offenbar für die Deutsche Volkspattei nicht, ber auch ber Reichsfinanz­minister Dr. Luther nickst angehört. Wohl aber gehören zur Deutschen Volkspattei ber Innenminister Jarres, ber Ver­treter derVersackungspolitik" im besetzten Gebiet, und ber ehe­malige Wirtschaftsminister Dr. Becker, der glorreiche Ver­lierer bes Ruhrkrieges.

Der Hessische Bauernbund geht auch diesmal gcsondett vor, und ihm schließt sich die freie Bauernschaft in Rheinhessen an. Das i st aber nur eine Irreführung der Wähler. Einen Hessischen Bauernbund gibt es im Reichstag nicht. Herr Dorsch war Mitglied der Deutsch nationalen Fraktion. Auch in Hessen hat ber Bauernbund eine Frak­tionsgemeinschaft mit den Teutschnationalen. Also:

Wer die Liste deS Bauernbundes wählt, der wählt deutschnational.