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Nr. 24

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|Ufatvtonto reefferl c. Bl. 11666.

Erster Blatt

U4- Zahrgong

Dienstag, 29. Januar 1924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

tmd ob Derlei vrühl'sche UwlotrfiläU'Bud) und Sttindniderci H. £anqe in Gieren. Sdfriftlelhing und 6efd)jft$Me: 5chul8raße 7.

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Preu ।Ar 1 -nm .pge fÄr Jlnjeigen aon 27 mm Srrtu r hd)Ü,ausiMrts lOtBoIbpfennij, für Ät» Mamt- Jinjeigeno.70 n n 'breite lk> ti>albp|<nnig, Via oari4)ri|t-j , JUr schlag. - LlerantmariUch |ur Politik u. J^uificton; Dr. $nebr.lDiib. dangt- für den itangen x.-d. (traft dlum d)ein; ar bei Mn)tiatnied. >oa> dex amllt 4 << ejta

Iwei Verträge.

Dem Dölkerbunde gehen in diesen Tagen zur allerhöchsten Billigung zwei Inter­nal tonale Verträge zu. die L.toe der vorigen Woche Schlag auf Schlag unterzeichnet und veröffentlicht wurden: Das tschecho-fran- zösifche Abkommen und die i takte- nlfch-füdslawifche Verständigung Die PariS-Prager Vereinbarung zwischen Pol nc ar 6 und Dr. Benes6) ist natürlich offiziell angeblich ein ganz harmloses Instru­ment. das nur wirtschaftlich-friedlichen und militärisch-defensiven Zielen dient. Herr Ve- nesch hat eine Reihe von beruhigenden Erklä­rungen abgegeben, um vielleicht etwas hell­hörige Kreise in Deutschland einzulullen. Er konnte damit die Erkenntnis nicht verhindern, dah er durch seinen Pariser »Bündnis- und FreundschaftSvertrag" die beginnende Isolie­rung Frankreichs hilfreich wieder aufgehoben. Der Dank wurde ihm quittiert in dem sKom­munique«, das am Tage der Pariser Unter- Zeichnung (25. Januar) vom französischen 2Iu- benamt herauSgegeben wurde. Darin ist, kaum noch verhüllt, alles Wissenswerte gesagt: Der Vertrag dient der »Erhaltung der durch die Friedensverträge geschossenen rechtlichen und politischen Forderungen". ES handelt sich auch um äuheie »Mahnahtnen" zur »Sicherheit". Die beiden Mächte halten an der »Unabl>tngig- keil Oesterreichs", das hecht an der D e k ä rn p- fu ngdeSAnschluhgedankensfest und werden gegen jeden Versuch der Wiederkehr der Habsburger oder Hohenzollern fest und treu Zusammenhalten. Rur notdürftig verber­gen fid) unter diesen Schlagworten die Fäden und Rege, die Herr Benesch als Vasall lFrank- reichS zur abermaligen Einkreisung Deutschlands spinnt. GS können Stolper­drähte für seinen Staat werden, wenn er <iuf solche Art forts ährt, den »Frieden zu sichern", wenn er sein Vaterland auf Gehech Fran- reich zum polltisd>en oder gar einmal zumstnili- tärtschen Kampfplatz macht.

Sv paradox eS klingen mag, es stimmt. Auch der Dertraa von Rom, den einen Tag später Mussolini mit Pasitsch und Rintschitsch abgeschlossen hat, ist ebenfalls ein Erfolg Frankreichs! Man lese nur die Pariser Presse, die ausnahmslos die italie­nisch-südslawische Verständigung freudig be­grübt. Der »TempS" erklärt, day Italien sich durch das Bündnis mit Jugoslawien gerade so für die Erhaltung deS Status quo in Eu­ropa verpflichte, wie Frankreich eS durch das Bündnis mit der Tschechoslowakei getan habe. So seien die größten und stärksten Staaten des europäischen Kontinents durch eine Reihe von Verträgen aneinander geschmiedet und die Sicherung der durch die Friedensverträge ge­schaffenen Lage erzielt worden. Das soll hei- hen: England ist vor die Tatsache eines starken kontinentalen Blods gestellt und kann nur zu der Politik der »splendid Iso­lation" zurüdkehren

Der Vertrag von Rom ist aus der Belgra­der Konferenz der Kleinen Entente hervorge- gangen und war eine äleberraschung. Der Kernpunkt des Vertrages ist die Lösung der Fiume-Frage. Fiume fällt an Italien, der BarvShafen an Jugoslawien. Diese Lösung schaff! die Gegensätze zwischen den beiden Völ­kern nicht aus der Welt, Gegensätze, die in der Rasse und in der Politik begründet sind. Doch muh man sagen, bah Mussolini den günstigen Augenblick benutzt hat. um einen diplomati­schen Meisterstreich zu führen. Am 27. Dezem­ber des vergangenen Jahres war die erste Rachricht von dem Bündnis zwischen Frank­reich und ter Tschechoslowakei bekannt gewor­den und hatte auf der Belgrader Konferenz grohe Verwirrung hervorgerufen. Die jugo­slawische Regierung wurde geneigt, sich dem Drucke Italiens zu fügen. Mussolini lieh den jugoslawischen Gesandten zu sich rufen, ja er (oft einen Brief an den KönigAlexander geschrieben haben, ganz im Stile Rapoleons I.: Jetzt oder nie! Entweder ihr seid unser fcr- Härter Feind oder ein aufrichtiger Freund. Einen Mittelweg gibt eS nicht. . . . Gleich­zeitig entsandte Mussolini den General G a r - b i n o nach Fiume, wodurch die Besprechungen rascher in Fluh kamen.

Tritt Italien durch den Vertrag von Rom m den Kreis der Kleinen Entente? Das nicht. Das täte es nur. wenn eS die zuverlässige Führung in die Hand bekäme. Aber infolge des mit Belgrad getauschten Händedruckes sitzt es künftig nicht mehr als verdächtiger Beob­achter am Konferenztisch. Es ist der Kleinen Entente zweifellos näher gerückt, genau wie Frankreich durch den Vertrag mit Prag! Man sieh:, w.e sich Linien zu Kreisen runden. Den Zirkel dieser tastenden Kreise hat der französische Imperialismus in der Hand, ilnb dies ist für deutsches Empfin- i den eben das Atembeklemmende. Wohin führt I diese Politik»

Die Berliner Reise der Sachverständigen.

Der Gegenstand der Untersuchungen. Die Rentabilität des deutschen Eisenbahnnetzes.

Parts. 28. Ian. lWvlsf.) Der Erste Sachverständigenausfchuf, hat deute vormittag vor seiner aus freute abend festgesetzten Abreise nach Berlin Die le tzte Sitzung ab- gehalten Wie die HavaS-Agentur beridye:, fand freute eine allgemeine Diskussion über da» Pro­gramm der in Berlin durchzuführenden Unter­suchung statt Der AuSfchuh beschäftigte sich namentlich mit Danks rag en. Einige Mitglie­der deS Zweiten Sachverständigen- a u « s ch u s s e s reifen freute abend ebcnialLs nach Berlin Die anderen verlassen Pari» morgen abend Man glaubt, bah Mac Kenna, der Vorsitzende bei Zweiten Ausschüsse», der sich in London auffrält. über Ostende und Brüssel nach Berlin reifen und Mittwoch abend dort ein- treffen wird. Die Sachverständigen werden von französisch n, englischen und belgischen

Experten begleitet

sein, deren Ausgabe eS fein wird, die deutschen Statistiken eingehend nachzuprüsen. Bride Aus­schüsse. die je etwa 40 Personen umfassen, werden gemeinsam in einem Hotel unter gebraut werden. Die Reichsregierung hat den Ausschüssen zur Unterbringung ihrer Dureauraume und zu Sit­zungen ein RegierungSgebäude zur Der- fügunq gestellt

Die Berichte, di« der Reichsbankpräsidrnt Dr. Schacht und die Mitgl.eder der KriegSlasten- kommission in Paris der Reichsregierung und dem Auswärtigen Amt über die bisherigen Be­ratungen der Sachverständia-nausfchüls.' crfriWi ?t haben, lassen darauf schließen, bah fct? beiden Ausschüsse während ihres Aufenthaltes in Berlin eine sehr eingehende Untersuchung über die finanziell« mrt wirtschaftliche Vage deS Rei­ches, der Länder und der Gemeinden vornehmen werden. Dazu wird ein; Nachprüfung der Bestimmungen über die Kapitalflucht und eine Untersuchung über das Verhältnis des Reiches zur R« i ch s ba n f hnnö zur Ren t en - bank kommen. Die Reichsvegierung bat insbe­sondere im Auswärtigen Amt. im Reichsfinanz- ministerium und im ReichsaRrtschattsministerium alle Dorbereitungen für die Zusammenarbeit mit den Sachversländigenausfchüsscn getroffen, so dah die Schwierigkeiten der gegenseitigen Derstän- bigung unb ber Zusammenarbeit, bie bei ber Einladung der Reparati ms Kommission xrtiy Ber­lin durch daS Kabinett Wirth eine grobe Rolle gespielt haben, nicht eintreten können.

Die bisherige Arbei' der Sachverstänbigen- aussclrüsse hat, abgesehen Znoon, bah rin bestimm­te» Programm für di? Ausgestaltung der Unter­suchungen in beiden Ausschüssen feTt geleit ist, im ersten Sachverständg mausschuh dazu g fährt .bafr die ReparattonSfrage zunächst un er dem Ge­sichtspunkt der 6tabiltf:erunfl der deutschrn

Währung betrachtet

werden soll. Rur insoweit ist auch zwischen dem Plan de» ReichSb in'Präsiden en inib den Ansich­ten de» SachverstänbigenauSschustes in Pari» ein Einvernehmen sestgestellt. Heber die Einzel­heiten ber Sanierung ber deutschen Währung sind etng'bcnbc Te Handl ingen er'! für den Aus­enthalt des Aussch/usseS in Derlin oorgefehen. Der Ausschub wird aber frier sicher sehr eingehende Vorarbeiten und ilnterfud'-urgen vornehmen, che er sich endgültig zu dem Plan de» Rcichsbankpräst- benten äutzerl. DaS Komitee DaweS. baS stch in ben letz en Tagen ins besondere mit der Frage ber Rentabilität ber beutschen Eisenbah­nen beschäs igt hat. soll nach bem .Rew Port Herald" zu der bemerkenswerten Feststellung ge­langt sein, bab

die Einnahmen deS Eisenbahnnetzes ber besetz­te Eehiete als ein in egrierender Bestandteil der deutschen Budgeteirnahmen anzi-schen seien, deren Cetvefrunq jede auf das Gesamt­gebiet des Deutschen Reiche- an trennbare Lö­sung des Reparationsproblems illusorisch machen muss«.

Diese Aussttssung ber Sachverständigen würde sich mit bem von der deutschen Regeran, zuletzt in der Denkschrift zu den belgifchm Reparations- ftubten vertretenen Standpunkt bedert Anderer- feit» sollen die beiden von den Grperirn zu Rate gezrgei-.cn Sachverstän^ igen ein sehr günsti­ge» Urteil über die Rentabilität der deutschen Eisenbahnen abg-geten hiben Da daS Anlagekapital durch die Entwert der Mark so gut wie völlig amortisiert sei. hätten nach deren Anstcht die Tarife g:g:nbärtig lediglich die laufenden Ausgaben auszubrinen. wäh­rend jn England unb Frankreich 40 Prozent der Beförderung »preise von der TerVnfung und Til­gung deS Är.lagekapitalS absorbiert würden. Die deutschen Eisenbahnen formten infolgedessen al» Ausgleich eine entsprechende Belastung zugunsten ber Reparationen übernehmen

England

und bie Pariser Konferenz.

London, 28. Ian. (W)lsf) Der Brüsseler Berichterstatter ber .Times" schreibt, er hab: Grund zu der Annahm:, bab bk ZusammrndilNt »wischen Poincar 4 unb Jaspar hcruptfäch- lich mit ber Orientierung ber britischen Politik zusammenhänge. Es scheine, bab Macbonald die technischen Berichte Belgiens al» Grunolage zu Erörterungen unb zu einer Vereinbarung an­

sieht, in Brüssel gebe das Gerücht, bah Mas­singham, der daS Vertrauen Mcxdv ralds gc- nicfK. vor einigen Tagen nach Brüssel ge­gangen sei unb dort Unterredungen mit tersch e- denen hervorragenden SoziaUten einschli.'blich DanderveldeS gehabt habe, denen :r die Ansichten Macdonalds auSein-.utdergesetzt habe. Wie verlautet, hat Danderrelde QKoffl igfram auch zum Premierminister T h e u n l S mitgenommen. Massingham soll sich 24 Stunden in Paris auf- gehalten haben, bevor er nach Brüssel gegan­gen ist.

Ein belgischer Vermittlungs­versuch.

London, 28.3an. (WTD.) Der diplomatische Berichterstatter de» .Daily Telegraph" schreibt zu dem bereits gemeldeten Ginpsang ber aus­wärtigen Botschafter am Freitag durch Macbonald. bab die Unterredungen zwischen Macbonald und dem amerikanischen Bot­schafter durch besondere Herzlichkeit gekennzeichnet waren. Der belgische Botschafter habe Mac­bonald gegenüber erneut erklärt, bah die belgische Politik in erster Linie eine Politik sei. bie niemals burch die eine ober andere Macht auSschliehlich bestimmt werden könne, die aber auf ein Zu­sammenwirken mit allen frinzielen müsse. Macbonald antwortete, dah un er den Umständen einem Einvernehmen zwischen ben beiben Länbern wenig im Wege stehen dürste

Delg'en hoffe, bafi ein vrn bet Brüsseler Re­gierung vorgeschlaeen.'r M t cltoeg zwisch n bem brit fchei und frrn^cfischrn Slandpunkt in der Frage der separat stischen Orboncn*;en für daS Pfalzgebiet sowohl für London als auch für Paris annehmbar sei, totm die Rhetn- landkommission in Koblenz die Erörterung in einigen Tagen wieder aufnehme.

Auf belgischer Seite werde behcmptet, dah bie Rheinlandkommifsion. wenn sie birekt burch eine gemilchte Körperschaft von ilnterbelegler:en die Verteilung der Arbeitslosenunter­stützung überwache, eine unparteiische Ver­teilung sicherstellen würde. Die britische Regie­rung sehe jedoch keinen Grund für irgendein berarilge» Komprvrnih in ber Ps Uzfrage. Dort wo die Separatisten nicht die Kontrolle haben, bestehe keinerlei Schwierigkeit in der Arbeits­losenunterstützung: man sei in London daher der Ansicht, bah a:le Schwierigkeiten verschwin­den würden, wenn die Franzosen die Separa­tisten dort, wo sie die Kontrolle haben, nicht unterstützen würden. Wie vermutet werden könne, wurden Paris unb Brüssel In biefem Sinne unterrichtet.

Der italienisch-serbksche Vertrag.

Rom, 28. Ian. (Priv.-Tel.) Mussolini und Pcrschitsch hatten gestern ein? cinftünMy Un <r- rebang. Bei bem Abkommen mit^strwien han­delt es sich um zwei Protokolle Da» erste bandelt über Fiume, das zweite enthalt den Freund- schastSvertrag Das Ablomme.i sieht ferner den raschen Abschluß eine» Handels- und SchiffahrtsvertrageS vor. Der Dertiag besteh: aus drei Hauptartikeln und zwei ®rgän- zur.gsartikeln, vcn denen einer die Vertrags dauer (fünf Jahre), der andere bi eRegistrierun; beim Völkerbünde betrifft. Der erste Hauptanikel setzt die gegenseitige Reutraliiät im Kriegsfälle fest, ter zweite

die gegenseitige Hilfeleistung bei et'»?m tmver- schuldcten feindlichAebeifalle.

Dieser Artikel wurde von Südklawien angeregt. Der Handelsvertrag ist brreil» im Tert feftgeftelU unb soll binnen Monatsfrist in Belgrad unter­zeichnet werden. Bei dem Festbankett brückte Muslolini bie herzliche Frcund'chast Italiens für Güdslawien au». Er erwarte, bah die wirtichaft- Ild«. politische unb geistig eZusammenarbeit e n? wcsentliche Friedensbärg chasl bilden werde. Pa- schitsch bezeichnet eben Ab'chluh deS Vertrages al» ein frifwrischeS Ereignis, das bauernben Stieben und Freundschaft zwischen den l-eiden Völkern befiegrie und auch zur Erhal­tung des CGkltf liebend beitragen werde.

Zum italienisch-sübtlawischen Vertrag schreibt ber .2 ecvlo": Rächten die Fiume-Kage ge­regelt sei, frohe man bei ben De.oandlangen baS Gesa mtp r v b l e m der italienisch-südslawischen Beziehungen erörtert

Italien denke » cht daran, Eädslawien in der frirdlichen Benutzt.n^der Adria irgeudwie zu besch-änken, und da 6übfiatoien die wesentliche Bedeutung der Adria für die Sicherheit Ita­liens aneik.nre und ferner beide Regierungen die t< trigSmätzig fefig .f ch'en Grenze» 'efpek- fietten, sei ohne Schwierigkeitu festzustellen, daß zwischen beiden Ratirn m kein Anlah zum

Streit bestehe.

Der Vertrag bedeute keinen Angriff gegenüber irgend jemanden und stellt eine feste Friedens­garantie für beide Adrianationen und damit für gam Survva bat. Dem .Eorriere della Sera" wird auS Rom gemeldet, in einigen Hauptstädten spreche man von ber Möglichkeit des Be 11 r i 11» anderer Staaten zum Vertrage, unb men sprele damit auf die Aehnlichleit biee» Abkom­mens mit dem französisch-tschechisch­

slowakischen an. In amtlichen Kreisen Italien» kenne man den Tert des Pariser Ver­trages. unb man belrachie deshalb bic Angabe,, über bic Aehnlichkeit beider Verträge zum min- besten als versrüfrt Die Möglichkeit de» Beitritt» anberer Staaten e> scheint ausgeschlossen, da ber italienisch-südslawische Vertrag sich aus die grendliche Rachbarfchast beider Der- tragSteilnehmer stütze.

England

und her Denesch-Dertrag.

London, 28 Jan. Der Vertrag 5 t an b reich» mit der Tschechoslowakei wirb ooo ben .Times" anläßlich seiner Deröfsentttchunq noch einmal erörtert. Sr findet ein? wenig gün­stige Beurteilung. Man föiuie jugeben, bah ber Dertfag offen und ehrlich sei. und dem Buch- flabcn nach mit ber Dölkerbundslayuni über- cinflimmc. Aber wenn er nicht» anderes bedeute, al.' da», was er bei ber obcrflächllchen Prüfung zeigt, fo fei er ü be r f l ü f f l g; enthalte «rmefrr, so sei er em Rückschritt.

Dor allem fei der Vertrag auf Furcht und Feindschaft aufgcbau#, unb zwar auf der Feindschaft gegen DeutfchlLNd und Ungarn, die durch die K l en, die der FriedenSvertrag ihnen auferlegt habe, gefesselt werd n sollen. Eine solche Politik widerspreche ber Ansicht ber meisten Engländer, bic gcirofrirt ie cn, auch einem besiegten Fctnd bic Gelegen Helt zu geben, fick» tvtcbci aufzurichten. Obwohl auch England keine Verletzung des FriedenSoertraees zugebe, so sei doch eine Reibe von Vertragsbestimmungen, bie ohne Abänderung nicht durchführ­bar seien.

Jetzt schlössen Frankreich und die Tschecho­slowakei einen neuen Vertrag ab. durch ben bic* Bedingungen be» Friedens vertrage» bem Feinde auf» neue auferlegt würden, anstatt tast man bem normal -n A i»g ang deS Wiederaufbaues Zugestänbnisie mac^ ^ne gröbere ÖUityLäl fei nötig, nicht aoei uile gröbere Starrheit.

Da aber bi« DölkerfrundSsatzung die Aeberprü- fung der Derträge verlange, die fich als tn» durchführbar ertre fen könotm, so beftnbe sich ber französisch-lfchrchifchc Vertrag, der die alten Terirafl6beftimmuT.gcn um jeden Preis aufrechterhalten wolle, keineswegs ;it ileber- cinstimmung mit dem Geiste desDölkcrbi.n)eS. Der Vertva g sei foga r ein MibtrauenS- Votum gegen ben Völkerbunb. beim e» scheine, l-ab bie Tsch'ch'slowakei sich mefrr auf btc be­waffnete Hilfe Frankreichs als aus d'.e moralische Unterst Ützun gbeSDölker- bu n des verlasten wolle. Hieran nage Eng - lanb einen groben Teil ber Schutt». Denn e» tobe bem Ansehen be» Völkerbundes einen töt- lichen Streich versetzt, als es sich während ber Korfukrise der Entscheidung ber Botschister- krnferenz füge. Damals hätten stch bic kleinen S anten von brni Vrl e b mb abg toanb ; bes'alö könne man ben fianzösifch-tsch'chilcfren Vertrag nur bebaue rn. Sine lieber rafefrung aber bedeute dieser Abschlub nicht.

Der englische Crifcnbahncrftreif.

London. 28. Ian (Priv-Tel.) D« Strcislage hat eine unerwartete Wendung zum Besseren genommen. Da» Eimgungs- komitec be» Gewerkschaftskongresses hat neue Vorschläge auSgearbritet, die den Dertre ern ber Sisenbahnges llschaften unterbreitet wurden. Daraufhin fand gestern eine Verimnmlung zwi­schen Vertretern der streikenden Lokomriiossth «» Organisation und Vermittlern unb Vertretern ber Eisenbahngescllschaften statt, die freute fortgesetzt wird. Der Führer ber streikenden Lokomitto- führerorganisaiion hat in einer Eilenst''hnerver- samrnlung erklär!, bab die Cay? bedeutend froff- nungsvcller auSsefre, bab aber bie Streikenden gerade jetzt während ter Verhandlung durch- halten mühten. Gestern verlautete, bab bi: Londoner Untergru nbba frnen in ben Stirif mit frineinbegogen würd.-n. doch hat sich dies bis freute noch nicht bewahrheitet. D? VerkohrSlage frat sich etwas gebessert, doch ktfürchtet man it hiesigen Kohlenfränblerkreisen, bab man bei einet längeren Fortdauer des Streik- mii Schwierig­keiten in ber Kofrlenversorgunz Londons zu rech­nen habe.

Die ^fretfabffimmnnq des dentschcv Eiscnbahnerverbandes.

Berlin, 28. Ian. lPriv.-Tel.) Don ben Organisationen ber deutschen Eisenbahner frat, wie bie Blätter mit teilen, nur ber Deu t sche Etsenbahnerverbanb unter bei Mftglie- bem eine Urabftimmung über bic Ver­längerung ber Arbeitszeit vvrgenom- menb. Die Abstimmung ist am Samstag abeab zu Ende gegangen. Aach ben bisher vorliegenden Resultaten bürste für den Streik die notwenbigc Zweidrittelmehrheit nicht zustande kommen. In Gegenden, wo bie radikalen Elemente die Oberhand haben, ist zwar eine Überwiegend^ Mehrheit für ben Streik Dorfranben; jedoch sind die Bezirke, die sich gegen ben Streik erklärt haben, in der Mehrheit geblieben. Rach einer Meldung deS ,B. T " au» Augsburg frat da­bayrische Geneialstaatskvmmifsariat die Vornahme einer Abstimmung unter ben Eisenbahnern