Wirtschaft nach öte frische Lust des freien W e t t b e tpe rbs hinein. Wir kommen nicht anders dmrch, wenn nicht überall die wirtschaftlichen Gesetze ihre Geltung haben. Dazu gehört in der Lage, in der wir uns augenblicklich befinden, der völlig freie Wettbewerb.
Rückgabe von Regiezechen.
Gelsenkirchen, 28. Oft. (Priv.-Tel > Die gesamten ÄnKigen des Kotereibetriebes auf der Zeche Rheinelbe, die der Gel'enlirchener Dergwerts-A.-G. gehörten, sind gestern von der französischen Verwaltung geräumt und dem deutschen Eigentümer zurückgegeben worden. Für heute oder morgen erwartet man die Aeber- yabe der drei noch von den Franzosen und Belgiern betriebenen Zechen.
Bayern zum „Consul"-Prozeß.
München, 28. Oft. (LU.) Dvn amtlicher Seite wird der „Telegraphen-Union" mitgeteilt: Für die Hauptverhandlung, die in der vorigen Woche vor dein Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik stattfand, ist nach Pressemitteilungen die Berufung der Mitglieder in Äner Weise erfolgt, die mit dem Abkommen zwischen der bayerischen Regierund und der Reichsregie runZ über die Bildung des süddeutschen Senats des Staatsgerichtshoses nicht vereinbar zu sein scheint. Die bayerische Regierung hat unverzüglich die erforderlichen Schritte bei der Reichsregierung unternommen.
Hitlers Staatszugehörigkeil.
Wien, 27. Oft. (TU.) Auf eine Anfrage der Groh deutschen Dolkspartei über die Staatszuge- hörigkeit Hitlers antwortete der österreichische Bundeskanzler, dah die bayerische Regierung die Absicht geäuhert habe, Hitler aus Bayern nach Oesterreich abzuschieben und dah diese Absicht von der österreichischen Regierung nicht ohne weiteres akzeptiert werden forme. Seine Staatsangehörigkeit sei nicht geklärt. Polittsche müsse er wohl als Bayer angesehen werden, weil er sich in hervorragender Weife in Bayern politisch betätigt habe und solche Eingriffe in das politische Staats leben Bayerns gemacht habe, dah die bayerische Regierung ihn wohl als Staatsangehörigen betrachten müsse. Rach dieser Mitteilung Seipels ist anzunehmen, dah der Uebertrttt Hilters auf österreichisches Gebiet nicht gestattet wird. Blutiger Znsammanstoß in Striegau.
Berlin. 27. Oft. Der „Derl. Lok lan z." meldet aus Striegau: Zu Zusammen stö hen zwischen S t ci h l h e l m l e ut e n und Mitgliedern des Reichsbanners kam es am Sonntag in Striegau. Auf beiden S.i ei sind Schweiversetzte festgestellt worden Die Polizei nahm Bei. Haftung en vor. Der Zusammen stoh ereignete sich nach einer Vers ammlung des Stahlhelms. Als sich der Zug über den Markt bewegte, wurde er von Reichsbannerleuten beschossen.
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Rußland leugnet weiter.
Eine zweite russische Note zum Konflikt mit England.
London, 28.Oft. (TU.) Der russische Geschäftsträger in London, Rakvwsfi, hat gestern im Auswärtigen Amt eine zweite ^Protestnote übergeben. Die Sowjetregierung »Wäre für die Handlungen der kommunistischen '3ntemationale nicht verantwortlich. Die Sowjet- ^regicrung wäre in der Lage, kategorisch zu erklären, dah der angebliche Brief der kommunistischen internationale, der als Grundlage der englischen Rote dient, eine unverschämte Fälschung darstelle, deren Zweck es sei, den englisch-russischen Derttag unmöglich zu machen und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ruhland und England zu zerstören. In anbetracht dieser Fälschung einer offiziellen Urkunde werde die ©otpjetregierung auf einer entsprechender Entschädigung sowie Bestrafung der Privatpersonen und der Beamten bestehen, die an der Fälschung beteiligt wären. Rakowsky schlägt die Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts zur Klärung des Tatbestandes vor.
Das englische Auswärtige Amt steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dah der Brief e ch t sei, doch hat sich Macdonald in einer Rede in Cardiff in dieser Beziehung mit einem Vorbehalt ausgesprochen und seine Aeuherungen über die Echtheit des Briefes klingen nicht absolut überzeugend. Er müsse aber, ehe das Gegenteil bewiesen ist, an dem ihm zur Der.ügung stehenden Deweismaterial fest halten, zumal, da er nicht ferne . eigenen Beamten tm Auswärtigen Amt opfern und sie zum Sündenbock erküren kann. Auch Lloyd George hat sich in einer gestrigen Rede wiederholt mit dem Brief beschäftigt. Er Der trat den Standpunkt, dah es sich um ein echtes Dokument handle und dah die Svw'etregierung bereits früher einwandfreie Beweise, die gegen sie sprachen, einfach abgeleugnet habe.
Frankreich erkennt Rußland an.
Paris, 28. Oft. (TU.) Wie „Journal" heute morgen mitteilt, soll die Entscheidung der französischen Regierung übrr die de jure Anerkennung noch heute der russischen Regierung und der Reichsregierung scheinlich, so meint das Blatt, da>h die französische Regierung Her bette nach Moskau als Vertreter entsenden wird. Der offizielle Vertreter Ruhlands, Rakvwsfi, der sich gegenwärtig an der Spitze der russischen Handelsdelegation in London befindet, hat in Frankreich studiert und gilt deshalb als genauer Kenner der französischen Verhältnisse
Gegen die Zarenkandidatur Kyrills.
Paris, 27. Oktober. (WTD. Funkspruch) „Temps veröffentlicht einen Brief der Kaiserin-Witwe Maria von Rußland, in dem sie sich zunächst gegen den Grvhf'ür- sten Kyrill, der sich vor kurzem in Kvburg zum Zaren aller Reuhen erklärt hat, wendet Sie gibt der Befürchtung Ausdruck, dah hierdurch eine Spaltung eingetreten sei und die öagr der in der Verbannung lebenden Russen sich verschlechtere. Auch Grvhsürst Ricola i Aicolaijewitsch, ber diesen Brief der Zeitung übermittelte, spricht sich gegen den Grohsürsten Kyrill aus.
Die revolutionäre Bewegung in Indien. Englische Sicherheitsmaßnahmen.
K a I f u 11 a, 28. Oft. (TA.) Englische Truppen sind gestern krtegsgrrüstet durch den indischen Stadtteil von Kalkutta marschiert. Panzerwagen durchfuhren die (Straften. Es galt, die Anruhen zu beschwichtigen, die durchs die Verhaftung einer groben Ai^ahl von Revolutionären entftanben sind. Die Bevölkerung hat die Maßnahmen äufter* lich ruhig ausgenommen. Eine Meldung der Uni» ted Pveh besagt, dah eine starke .Unter» ftrömung von Unzufriedenheit vorhanden wäre, die auch vorgestern bei den Massenversammlungen in Kalkutta zum Ausdruck kam. In den Versammlungen wurden schärfste Protestresolutionen gegen das Vorgehen der Regierung angenommen.
Der nächste Samstag wird als Trauertag in der ganzen Provinz Bengalen begangen werden. Der gestrige Tag war ein Festtag der Hindus und es ist daher schwierig, ein zutreffendes Bild von der Stimmung der Bevölkerung 8u_ erhalten. In europäischen Kreisen ist man über den Ernst der reoolut nnären Bewegung in Indien überrascht. Der Führer der Amb.)ängigkeis- bewegung in Indien yat sich gestern nach Kalkutta begeben. Er verurteilt das Vorgehen der Regierung in Bengalen, das er als Angriff auf das politische Leben in Indien und besonders gegen die Unabhängigkeitsbewegung bezeichnet.
Die Mossulsrage vor dem Völkerbund.
Brüssel, 27. Oft. (Havas.) Der Dölfer- bundsrat ist hier unter Leitung Hymans zur Erörterung der Mossulftage zusammengetteten. Lord P a r m o v r als Vertreter Englands er- Härte, es handle sich keineswegs um die Feststellung der Grenze zwischen Irak und der Türkei, d. h. um die Regelung des Schicksals von Mossul und seines Dilajets, sondern einzig und allein um die Aufrechterhaltung der Lage, die der Friedensvertrag von Lausanne in der Gegend festgelcgt habe, durch die die neue Grenzlinie gehen würde. Die vom Völkerbundsrat eingesetzte Kommission für die Regelung der Mossul- angelegenheit könne ihre Mission nicht erfüllen, weim eine andere Lage geschaffen würde als die, die im Jahre 1923 bestanden habe, zu welchem Zeitpunkt sich die beiden Parteien bereit erklärt hätten, die genannte Frage dem Völkerbundsrat zu unterbreiten.
Fethi Bey, der Vertreter Angoras, erklärte, in Lausanne sei von den beiden Regierungen keine andere Verpflichtung übernommen woroeu, als dab 'das Schicksal des Dilajets von Mossul Vorbehalten bleibe. Infolgedessen habe die türkische Regierung das Recht, ihre Souveränität über die benachbarten Gebiete auszuüben, die ihr gehörten.
Der Völkerbundsrat hat alsdann beschlossen, dah der schwedische Ministerpräsident Dran- ting die beiden Thesen prüfen und Sachverständige anhoren soll, um dem Plenum die Möglichkeit einer Entscheidung zu geben.
Die Lage in China.
Peking, 27. Oft. ($11.) Der Staatsstreich vom Donnerstag hat noch keine Klärung geschaffen, wie man ursprünglich erwartete. Wubei- fu gewinnt an Boden. Er ist am 26. zu einem Besuch in Tientsin eingetroffm. Daraus ergibt sich, daß General Fengyuahsiang wohl Peking aber nicht Tientsin beherrtcht und dah Wupeifu die Verbindung nach dem Süden offen steht. Er steht auch in telegraphischem Verkehr mit den ihm freundlich gesinnten Provinzen und er soll in der Lage sein, seine Anhänger außerhalb der Zerckralprovinzen zusammenzubringen. Er richtete an das diplomatische Kov-s eine Erklärung, in der Fengyuahsiang als Verräter bezeichnet wird. Er tellte weiter mit, dah er eine Armee von 100 000 Mann zusammenbringen werde, um Fengyuahsiang zu beseitigen und die Ordnung wiederherzustellen. Wupeifu hat einen Teil der Eisenbahn nach Peking im Besitz.
Feng soll seine 40000 Mann aus Peking zurückgezogen haben. In Peking ist eine Bewegung im Gange, die Tu an T s ch i I u i zum Präsidenten ausrufen wlll. T s ch a n g T s v Lin hat sich noch nicht entschlossen, Peking zu besuchen. Er fordert die Ausweisung Wu P e i Fus und soll die Führer von Tschili nach Mulden zu einer Besprechung eingefaben haben. Wellington Koo, der Minister für auswärtige Angelegenheiten und frühere Premierminister, soll von den Truppen des Generals Feng OJu Hsiang verhaftet worden fein.
Aus aller Welt.
Weitere amerikanische Ehrungen für Dr. Eckener.
Reuhork, 28. Oft. (TA.) Anlählich des 25jäfjrigen Stiftungsfestes der Vereinigten deutschen Gesellschaften Reuyorks hatten sich mehr als 5000 Amerikaner deutscher Abstammung im großen Dcillsaal des Waldorf-Astoria-Hotels versammelt. Die Feier gipfelte in einer groben Ehrung für Dr. Eckener und die gesamte Besatzung des Z. R. III. Offizielle Vertreter der Stadt hielten Ansprachen, in denen sie das deutsche Luftschiff und seine Mannschaft feierten. Nachdem dann Dr. Eckener einen Vortrag über den Verlauf der Ozeanfahrt gehalten hatte, wurde unter allgemeinem Beifall eine Resolution angenommen, in der Präsident Coolidge gebeten wird, den Einfluh der Vereinigten Staaten auszuüben, um die Zerstörung der Zeppelin- werftin Friedrichshafen zu verhindern. In der Resolution wird daraus vermiesen, dah hervorragende amerikanische Luftfahrtofsiziere ertlärt haben, eine Zerstörung ber Friedrichshafener Werke würde den Fortschritt in der Luftschifffahrt um 50 Jahre zurückwerfen.
Wiedereröffnung des deutschen Archäologischen Instituts in Nom.
Rom, 27. Oft. (WTD.) Das deutsche archäologische Institut in Rom, welches durch den Krieg fein altes Heim auf dem Kapitol verloren hatte, hat nun im evangelischen Gemeindehaus ein An- terfommen gefunden. Am 30. Oktober findet eine interne deutsche Eröffnungsfeier statt. 2lb 3. Ro°
vemver wtro Die veruymie Bibiwryer Den Studierenden wieder zugänglich fein und am 9. Dezember, dem Geburtstage Kinckelmanns, wird die erste feierliche Sitzung mit internationalem Charakter stattfinden.
Tödlicher Absturz Münchener Dergststeiger.
München, 27.Oft. (TA.) In den bayrischen Bergen auf den Ruchenköpfen ist der bekannte Münchener Bergsteiger Gartz und fein Begleiter namens Cohen gestern abend abgestürzt. Die Leichen sind bereits geborgen.
Aus Spielerei zum Mörder.
In München setzte ein Handlungsreisender der Tochter seiner Wirtsleute, der 23jährigen Verkäuferin Erna Fischer, eine eben gekaufte Pistole auf die Brust und drückte, in der Meinung, dah sie nicht geladen sei, ab. Das Mädchen wurde durch den Schuh sofort getötet.
Bergmannstod.
Aus ber Zeche Arenbeck bei Gladbeck wurden drei Bergleute von herabfallenden Gesteinsmassen verschüttet. Zwei von ihnen konnten mit schweren Verletzungen noch lebend, der dritte nur als Leiche geborgen werden. Aus dem Dvaunkohlenschacht bei Elsnig wurden zwei Bergleute durch hereinbrechendeErd- massen begraben. Beide konnten nur als Leichen hervorgezogen werden.
An verdorbenem Impfserum gestorben.
Wien, 28. Oft. (T. A.) In dem Kinder- säuglingsheirn in Baden bei Wien erkrankten zwei Kinder an Diphtherie. Sechs andere im Alter von zwei Monaten^ bis zwei Jahren, die mit den Crttankten in Berührung gekommen waren., mürben vorsichtigerweise m i t einem Schutzserum geimpft. Das Serum war offenbar verdorben, denn innerhalb weniger Stunden sind a11e 6 Kinder gestorben. Die Erhebungen in der Angelegenheit sind im Gange.
' 21 Personen ertrunken.
London, 28. Oft. (TA.) Reuter meldet aus Stockholm, dah der schwedische Dampfer F tz l g i a" der Svenska- Llohd- Li nie während eines schweren Sturmes bei Oe'-esund gesunken ist. Die Besatzung von 21 Mann ist ertrunken.
Aus Stahl und Land.
(Sieben den 28. OIL 1924.
Zum Todestag Boelckes.
(28. Oktober 1916.)
Acht Jahre ist es her, als an einem trüben Herbsttage, am 2 8. Oft ob er 1916, die un- fahl che Kunde vom' Tode unseres Meister- f Lege bä Doelcke von Mund zu Mund eilte. Kurz nachdem er das 40. feindliche F ugzeug zur Strecke gebracht h.ttte und sich zu neuen Angriff anschickte, ereilte ihn durch einen tückischen An- glücksfall sein Geschick. Fliegerlos! Kein Feind konnte sich rühmen, ihn bezwungen zu haben. Flir- wahr, ein Heldentod im wahrsten Sinne des Wortes, ein erhobener Opfertod. In unvergleichlicher Heldengröhe steht Doelcke auch heute vor uns. Nichts vermag das strahlende Bild zu schmälern, das wir Deutschen alle von ihm im Herzen tragen Ansterblich ist unser Doelcke!
Worin liegen nun aber die besondere Bedeutung und hervorragend-en Verdienste, die sich der junge Volks Held um unser Vaterland erworben hat? Richt bloh wegen der ganz neuen Angrtfss- tartck und Technik, die er damals in die Iagd- fL.egerei cingcfuljrt hat, feiern wir in besonderem Mähe sein Andenken, sondern vor allem,, weil er uns Deutschen und zumal unserer Jugend immer und immer wieder em unvergängliches Vorbild gegeben hat in allem und für alles, was Treue und Tüchtigkeit, Mut und Mannhaftigkeit heiht. In unsagbar schwerem Kampfe lagen im Sommer 1916 unsere tapferen Truppen an der Somme, unsere Flieger kämpften gegen eine gewaltige Aebermacht. Da wurden einige zum Symbol für alle. Euer war Oswald Boelcke. Er zwang durch die Macht seiner Persönlichkeit das Schicksal. Seine eiserne Pflichttreue, die ihm ste.s neue Kraft verliäh, machte den Jüngling frühzeitig zum festen Mann der Tat. Er führte die Seinen immer wieder durch finstere Täler auf lichte Höhen. Von neuem siegten wir im Banne dieses Führers. Aber trotz seiner einzig dastehenden Leistungen und aller ihm zuteil gewordenen Ehrungen ging Doelcke still und bescheiden feinen Weg und fand sein Herzensgenügen in dem Bewusstsein, für bas Vaterland seine Schuldigkeit getan zu haben. Wir haben deshalb gerade an seinem Todestage die Ehrenpflicht, ihm erneut zu danken für das, was er vollbrachte und für uns getan hat. Wie er uns ernst bei Lebzeiten führte, soll für uns und unsere Jugend ber Rame „Doelcke" ein leuchtendes Flammenzeichen auf dem weiteren Weg in eine glückliche Zukunft fein. Einpslanzen wollen wir in die Herzen unseres Nachwuchses sein siegreiches Kämpfen und sein ritterliches Sterben. Ohne ihn waren ein Manfred Frhr v. Richt- hofen und all die dielen anderen Flieger mit klangvollen Rainen nie möglich getreten. Sie eiferten ihm alsMeister cm Kühnheit und Können nach und nahmen in sich den Treuschwur auf, den Oberstleutnant Thomsen als Losung unserer einstigen kampsbewährten, ruhmreichen Fliegertruppe am offenen Grabe sprach und den wir heute erneuern wollen: „Ich will ein Doelcke werden!"
Am 28. Oktober machen wir Halt und gedenken zugleich aller ber Helden der Lust, die für unsere Idee ihr ganzes, reiches Selbst dnhin- gegeben haben. Wir bekennen uns zu den Zielen, die ihnen vorschwebten, als sie in den Tod gingen, unb geloben: Sie sollen nicht umsonst gefallen sein! Das ist die Frucht, die unsere stolze Trauer an ihren Gräbern uns fragen must. Ansere Luftfahrt unb unsere Rhönerfolge fingen von neuem Werden und Hoffen. Ansere im letzten Jahre auf dem Flugfeld ber Ehre gebliebenen Kameraden:
Etandfuß-Rhön, Linnekogel-Kassel, Kypke unb Rosenstirn-Magdeburg, v. Krohn-Colum- bien sowie Gnädig-Liegnitz
sind Männer, die alle Verzagtheit und schwächliches Klagen bannten und uns ebenfalls in ihrem Heldentum zu neuem Sieg wiesen.
Möge der Doelcke-Gedächtnistag mit dazu beitragen, den starken Fliegergeist kühnen, wagemutigen Kämpfens und selbstloser, unbedingter Aufopferung aller Kräfte für die Ehre. Macht und Gröhe unseres Vaterlandes wach zu halten bis zu dem Tag, an dem das
uhd L-genrot mer besseren Zeit unsere efjemaltgj Flieger zusammenruft, um Deutschlands Lusffahr erneut zur Geltung zu bringen.
Luftfahrt ist not! Trachten wir danach, dH deutsche Luftfahrt im Wettbewerb ber Döi» ber Menschheit neue Entwicklungsmöglichteit^. erschließt. Im Gedenken an die Pioniere deutel schen Flugwesens, die unserem unvergetzlichen Doelcke im Tode vvrangingen und ihm folgten, aber wollen wir bas Dichterwort erfüllen:
„Begrabe deine Toten Tief in dein Herz hinein Sv werden sie drin leben, Lebend'ge Tote sein."
Schreiber, Hauptmann a. D.
Gießener Wochenmarktpreife
am 28. Oktober 1924 (Händlerpreise).
Es kosteten: Butter Pfund 200—210 Pf., Matte 75, Käse 75, Eier Stück 18, Wirsing Pfb. 8. Weißkraut 5, Rotkraut 9—10, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 40, RömiscAohl 8, Bohnen 30, Blumenkohl Stück 30—150, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 8, Anter-Kohlrabi Pfb. 5, Grünkohl 15, Rosenkohl 60, Feldsalat 40. Tomaten 70, Zwiebeln 12—15, Lauch Stück 5—15, Rettich 10, Meerrettich Pfb. 30—40, Sellerie Stück 5—30. Schwarzwurzeln Pfb. 60, Kartoffeln 5, Aepfrl 7—20, Birnen 6—15, Gänse 100, Rüsse 60 Pf.
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Wettervoraussage.
Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, geringe Riederschläge.
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** Gietzen in der Desvldungs- klasse A. Bei der Reufestsetzung des Ortszuschlags für die Deamtenbefvldung wurde zugleich eine Reueinteilung der Klassen vorgenommen. Dabei wurde unsere Stadt in Klaffe A eingeorbnet. Nach der jetzigen Regelung ist Gießen, das brs- her in Klasse B war, mit Darmstadt und Offenbach gleichgestellt.
Die Besetzung der Straßenbahnwagen. Don der Direktion der Städtischen Straßenbahn wird uns geschrieben: Die schon vor der Einstellung des Strahenbahnbetrie- bes sehr oft als lästig empfundene Angewohnheit der Fahrgäste, auf der vorderen Plattform des Straßenbahnwagens stehen zu bleiben, hat sich jetzt wiederum in erhöhtem Maße gezeigt. Es kann sehr oft beobachtet werden, daß Wagen fahren, die int Wageninnern und auf der Hinteren Plattform vollständig unbesetzt sind, während die vordere Plattform vollbesetzt ist. Dieser Mißstand hat einmal zur Folge, daß das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste zum und vom Wageninnern außerordentlich erschwert wird, und außerdem wird dem Wagenführer die zur Ausübung feiner Handgriffe unbedingt erforderliche Bewegungs- sreiheit unterbunden. Es muß erwartet werden, daß die Ansammlungen auf der vorderen Plattform auf Grund dieses Hinweises verschwinden, da andernfalls die Maßnahme spruchreif würde, den Aufenthalt auf der vorderen Plattform während der Fahrt überhaupt zu unterlagen. Das diese Maßnahme gegebenenfalls durchgeführt würde, muß im Hinblick auf die außerordentlich zahlreichen Straßenbahnunfälle der letzten Zeit in anderen Städten gefordert werden, da ein Wagenführer, wenn er behindert ist, in Gefahrfällen naturgemäß nicht so sicher handeln kann, all wenn chm die volle Bewegungsfreiheit gewährleistet ist.
** Flugtag-Ausklang. Als Zeichen ihres Dankes für die sehr gute Aufnahme, die frte in unserer Stabt gefunden haben, veranstalteten die Hessenslieger gestern nachmittag noch mehrere hochinteressante Kunstflüge, die wieder einen außerordentlich starten Eindruck auf das zahlreich anwesende Publikum machten. Den wackeren Fliegern wurde auch gestern erneut unb mit Recht begeistert zugejubell. Leider brachte der Tag am Ende noch ein kleines Malheur, das durch einen Diebstahl verursacht wurde. Von den Fähnchen, die den Startplatz abgrenzten, waren einige am Flutgraben bei dem großen Gedränge entwendet worben, anscheinend wohl von Kindern. Als nun ein Flugzeug vom letzten Flug des Tages tarn, konnte der Führer beim Landen mangels der Grenzfähnchen das Ende des Startplatzes nicht schen und fuhr, glücllicher- weise in ganz langsamem Tempo (da der Motor im letzten Auslaufen war) in den flachen Graben. Hierbei brach ber Propeller zur Hälfte ab, im übrigen blieb das Flugzeug unversehrt, ebenso der Insasse. Hilfsbereite Männer waren sofort zur Stelle und brachten den großen Vogel wieder auf die glatte Dahn. Daß der Vorfall allgemein nur als eine Folge des Fähnchen diebstahls angesehen wurde, konnte man im Publikum von allen Seiten hören. Das Vertrauen zu unseren Hoffen- fHegern hat dadurch jedenfalls keine Einbuße erlitten.
** ©rünbung eines Hessischen Sängerbundes. Eine große Versammlung, die am Sonntag im Städtischen Saalbau in Darmstadt ftattfanb, zu der viele Männergesangvereine aus allen Teilen Hessens Vertreter entsandt hatten, gründete einen Hessischen Sängerbund. Dieser wird dem allgemeinen Deutschen Sängerbund angeschlossen, der in diesem Jahre in Hannover seine große Tagung abhielt, wo alle deutschen Stämme vertreten waren, außer Hessen Der neugegründete „Hessische Sängerbund" ist die an Vereinen unb Mitgliebern stärkste Bereinigung von ®efangneretnea in Hessen. DieGrün- dungsversammlling wurde von Oberregierungs- rat Dr. Siege rt geleitet. Als Ehrengäste wohnten der Gründungsfeier u. a. bei: der Minister des Innern v. Brentano, Generalmusikdirektor Dakling, der Leiter der Oper des Landes- theaters, sowie Musikdirektor W. Schmidt, der Leiter ber Etädt. Akademie für Tonkunst. Der Deutsche Sängerbund war durch Amtsrat Schlicht-Berlin vertreten. Der Gründungsakt bestand in einer akademischen Feier, die mehrere Liedervorträge von Gesangvereinen brachte. Ober- rsgierungsrat Dr. Siegert wurde zum ersten, Dr. Roon- Mainz zum zweiten unb Musikdirektor Müller- Friedberg zum dritten Vorsitzenden des Hessischen Sängerbundes gewählt: Schriftführer wurden die Herren Treu sch und Häuf, Schatzmeister Herr Bitter.
** Die Stadtkasse Gießen gibt im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes die 2kb- gaben bekannt, die bis zum 8. November bezahlt sein müssen. Wer bis dahin nicht berappt hat, muß mit unangenehmem Besuch rechnen.


