Einzelbild herunterladen

bereits überlageren Oteucrsapicr guruafanen würde.

® ar Din erklärt imObseroer", das Schei­tern der Konferenz wäre eine K a t a st r o p h e und würbe veryangntsvoll für Her - riots und Macdonalds Regierung. Die Bankiers müßten die Staats­männer zur Vernunft bringen. Das Ruhr gebiet sei eine Wolke, ine die Kon­ferenz überschatte. Darvrn spricht die Hoff­nung aus. daß die Bankiers auf ihrer wesent­lichen Bedingung b e st e h e n werden. Eine k)l° leLtive finanzielle Htlfe bedeute eine k ) l l e k - tive Kontrolle der Sicherheit. Der Dawes­bericht sei unvereinbar nut der Luhrmethode.

Protest der deutschen Eisenbahnbeamten.

Der Dorstand der Reichsgewerkschas t Deutscher Eisenbahnbeamten wendet sich in einer Zuschrift an denVorwärts" ent­schieden gegen den Plan, französische und belgische Eisenbahner im rhein.- we st fäl. Eisenbahn nehzubelassen. Die Zuschrift betont, daß bei Anwesenheit dieses Fremdkörpers nur gefährliche Konflikts- stvffe und stetige Reibungsflä chen im deutschen Eisenbahnwesen entstehen würden. Das deutsche Eisenbahnpersonal denke nicht daran, im schwierigsten Cisenbahngebiet der Welk sich dau­ernd fremdländische Eisenbahnbedienstete einschie­ben zu lassen.

Gerverkschastsring und Reparationsproblem.

Berlin, 26. Juli. (WTD.) Am Freitag abend veranstaltete der Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamten- verbände im Reichswirtschaftsrat eine öffentliche Kundgebung zu dem Problem der Repara­tionspolitik und ihrer Auswirkung auf die deutsche Sozialpolitik. Rach eingehenden Darlegungen des demokratischenReichstags- abgeordneten Erkelenz auf Grund seiner poli­tischen Erfahrungen in Frankreich sowie des Ge­neralsekretärs des Gewerkschaftsrings, Lemmer, als deutscher Delegierter auf der letzten inter­nationalen Arbeitskonferenz in Genf nahm die Dersammlung unter lebhaftem Beifall eine Ent­schließung an, in der u, a. erklärt wird:

Die Ordnung Europas und die endgültige Wiederherstellung des Rechtszustandes unter Öen Völkern ist nur möglich auf dem Bo den der sozialen und politischen Demokratie freier Völker. Die deutsche Unterneh­merschaft ist bereit, an dieser Regelung zu helfen. Ein Weg zum Ziel ist die allgemeine Durchführung des Sachverständigenberichts. Die deutschen Arbeitnehmer werden ihren Anteil an den Reparationslasten tragen, um die nationale Freiheit Deutschlands zu sichern. Der Versuch, die Reparationslasten auf die Arbeit­nehmerschaft allein abzuwälzen, würde die gesamte europäische Arbeitnehmerschaft verelenden, und nur zu weiteren Hochschutzzöllen für die deutschen Waren führen. Die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens ist erfor­derlich, falls gleichzeitig England, Belgien und Frankreich diese Rati­fizierung vornehmen. Die Regelung der Reparationen macht ein ehrliches Abkom­men zwischen Llnternehmerschaft und Arbeitnehmerschaft notwendig. Wir sind zur Mitwirkung an einem solchen Abkommen bereit, sobald in der deutschen Llnternehmerschaft der Geist ehrlicher Verständigung und Arbeits­gemeinschaft mit den Gewerkschaften wieder leben­dig wird.

Nie wieder Krieg."

* Mannheim, 27. Juli. (WTD.) Eine Mas­senkundgebung unter der LosangNie wieder Krieg!' hat im Anschluß, an eine stark besuchte Versammlung die Friedensgesellschaft Mannheim und Ludwigshafen auf besetztem Mannheimer Gebiet veranstaltet. Es sprachen Professor Pal­main von der französischen Liga für Men­schenrechte und der sozialdemokratische Rcichstagsabgeordnete S t r o e b e l. Wegen des außerordentlichen Andrangs zu der Veranstal­tung mutzte noch eine Parallelversammlang abge­halten werden.

Deutscher Reichstag.

Vertrauensvotum für die Regierung. Annäherung der Deutschnationalen au die Regierung.

Berlin, 26. Juli.

Abg. Schultz (D.-R.) führt Beschwerde dar­über, daß, im Ausschuß das Verkehrsministerr rm bei Der Erörterung der Verkehrsfrage nicht ver­treten war, ebenso wie jetzt im Plenum. Ersboan- tragt, daß. der Reichsverkehrsmini ft er sofort zum Erscheinen veranlaßt we.de. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit an­genommen.

Darauf beginnt

die dritte Beratung deS Notetats.

Abg. Dietrich (Dem.) berichtet über die Etatsb^alung im Haushaltsaasschuß. Die Aleb:r= sicht über die Finanzlage des Reiches sei jetzt mach der Abtrennung der Post und der Eisenbahn von der allgemeinen Finanzrerwaltung sehr er­schwert. Im Ausschuß fei bedauert worden, daß über die Anlage der Gelder dec Reichsbahn eine ausreichende Auskunft nicht za erlangen war.

Nerchsvertrhrsminifter Oeser, der während der Berichterstattung erschienen ist. erklärt zu der Frage der Verwendung der Gelder "der Reichsbahn: 3n der Zeit vom 5. Rovember bis zum 1. April hätten die Einnahmen der Reichs­bahn 1.138 Milliarden Goldmark betragen, denen Ausgaben in Höhe von 1,097 Milliarden gegen« übergestanden hätten, so daß ein Aleberschuß von rund 40 Millionen Mark erzielt worden sei. Dieser Aleberschuß ist verwendet worden zur Einlösung des Notgeldes der Eisenbahn und zur Abtiagung anderer dringender Schulden. Die Finanzen der Reichsbahn würden vor allen Dingen belastet durch die besetzten Gebiete, in denen die Derwallung noch hohe Ausgaben, aber keine Ein­nahmen zu verzeichnen habe. Deshalb könne auch mit der Tarifermaßigung noch nicht weiter fort­geschritten werden. Für den neuen Eiat werde ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von85 Mil­lionen Goldmark ausgewiesen.

In der Aussprache über den Rotetat äußert Graf von. Lerchenfeld (Bayer. Dollsp.)

icywere roeventen gegen oas Dawes- gutachten. Die deutsche Regierung müsse der Kriegsschuldlüge ein Ende machen, nur dann könne sie auf die Alnterstüyung der Bayer. Dolkspartei rechnen.

Abg. Dr. Dred t (Wirtschaftspartei) st i m m t der Erklärung öer Mit telpar teien zum Dawesgutachten zu. Die Wirtschaft­liche Vereinigung habe aud sachlichen Gründen für die Resolution zugunsten des Gutachtens ge­stimmt, aber sie lehne es entschieden ab, wenn daraus gefolgert werde, daß sie der Regierung dadurch ihr Vertrauen ausgesprochen habe. W i r stehen politisch in entschiedener Op- Position zur Regierung.

Abg. Hoetzsch (Dtschntl.)

bedauert, daß der Reichsauhenminister noch nicht zum Reichstag gesprochen habe. Wir haben im Wahlkampf und nachher erklärt, daß die be­dingungslose Unterzeichnung des Sachver­ständigengutachtens ein zweites Versail les bedeutet. Verhandlungen über das Gat- achten dagegen haben wir nie abgelehnt. Später hat aber die Deutsche Volkspar- t e i unter Mitwirkung des Außenministers Strese- mann Beschlüsse gefaßt, die sich unserem Stand­punkte sehr näherten und die die Annahme des Sachverständigengutachtens von sichtba­ren Bedingungen abhängig machen sollten, und aus der gestern von dem Abg. Fehrenbach verlesenen Erklärung der Regie­rungsparteien kann man eine ganze Reihe u n - verzichtbarerDedingungen für die An­nahme des Sachverständigengutachtens heraus­lesen. Für uns ist eine der Grundbedingungen die Wiederherstellung der fiskali­schen Oberhoheit und der Verwal­tungseinheit nicht nur in dem neu besetzten Gebiet, sondern auch in den a l t besetzten Gebieten. Die militärische Räumung des besetzten Ge- bretes ist überhaupt noch nicht auf der Tagesordnung der Londoner Konferenz erschienen. (Hört, hört rechts). Herrivt hat sich ganz dem Standpunkt seines Vorgängers angeschlossen und erklärt, daß die Räu- mungsfristen überhaupt noch nicht zu laufen begonnen haben. Wir müssen aber die unbedingte Einhaltung des Rheinlandabkommens verlangen, das auch die Unterschrift Amerikas trägt. Das sind

unverzichtbare Dorbehaltex

deren Klärung erst erfolgt sein muß, ehe über das Sachverständigengutachten selbst verhandelt werden kann. Auch die deutschnationale Fraktion ist bereit, für die Repara­tionen Opfer zu bringen: aber das ist nur möglich, wenn unsere wirtschaft­liche Leistungsfähigkeit, unsere na­tionale Würde und unser bißchen Autorität bestehen bleibt, das wir noch haben. Die fu n damentale Bedeutung der Kriegsschuldfrage kann bei dieser Gelegen- heit nicht übersehen werden. Wir haben zu der jetzigen Reichsregierung mit ihrer schmalen Dasis nicht das Vertrauen, daß sie die von uns gestellten Bedingungen so ver­treten wird, wie wir es verlangen müsseit. Wir müssen unbedingt daran festhalten, daß gewisse Teile des Gutachtens unbedingteineZwei­drittelmehrheit erfordern. Abmachungen, die diesen unseren Bedingungen nicht entsprechen, werden wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen. Der Herr Außenminister solle bedenken, daß wir bei wichtigen Entschei­dungen einen sehr langen Hebel haben, und daß unsere Mitwirkung sehr wichtig ist.

Abg. Bartels (Komm.) wendet sich gegen das Dawesgutachten.

Abg. Sch roeder (R.-S.) betont gleichfalls, daß das Dawesgutachten zur schlimmsten Aus­beutung der Arbeiterschaft führen werde.

Damit schließt die Aussprache.

Der R o t e t a t wird in der Schlußabstim­mung in der dritten Lesung gegen die Kommunisten, Sozlatisten und Rationalsozialisten angenommen.

Ein Antrag der Kommuni st en auf Er­teilung der Ausreiseerlaubnis für 800 unterer» nährte Kinder nach Frankreich wird gegen die Antragsteller und die Sozialisten abge­lehnt. (Die Kommunisten rufen darauf dem Zentrum zu:Kindermörder".)

Es folgt die namentliche

Abstimmung über den Mißtrauensantrag der Nationalsozialisten

Vor der Abstimmung gibt Abg. Schultz (Dntl.) die Erklärung ab. die de u t s chn a t i o - n a l e Fraktion habe nach der Ablehnung ihres letzten Mißtrauensvotums gegen die Regierung keinen Anlaß vor dem Abschluß der Londoner Konferenz ihre Stellung zu der Regierung erneut zum Ausdruck zu bringen. Sie werde sich deshalb der Stimme enthalten. (Rufe bei den Kommunisten:Das ist der Almfall'")

Für den Mißtrauensantrag stimmen die Kommunisten und die Rationalsozialisten Stimmenthaltung üben die Deutsch- nationalen und die Wirtschaftler.

Der Mißtrarrensonttag wird darauf mit 172 gegen 62 Stimmen bei 79 Stimmenthaltungen abgelehnt.

Die Anträge der Rationalsozialisten und Kom­munisten auf Aufhebung des Ausnahme­zustandes werden dann, dem Antrag des Rechtsausschusses entsprechend, abgelehnt. Alm 1/46 Alhr schließt Präsident Wallraf die Sitzung und erhält die Ermächtigung, Termin und Tages­ordnung der nächsten Sitzung selbst zu bestimmen.

Die Unwellerschäden in in Oberhessen.

Eine Anfrage an die Negierung.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Darmstadt, 26. Juli. Wegen der Ain» Wetterschäden in Oberhessen haben die Abgeord­neten Dr. von Helmolt, Wolf und Stein (Bbd.) eine Anfrage an die Regierung ge­richtet, worin diese um Auskunft gebeten wird, was ste zur Milderung der Rotlage der Landwirte zu tun gedenkt und ob sie bereit ist, Kredithilfe, insbesondere auch zur Beschaffung von Saatgut, zu gewähren. Wegen der Auswinterung des Roggens m dey höher gelegenen Orten Ober­hessens fragen die Abgeordneten Jost und Wolf (Bbd.) bei der Regierung an, ob sie bereit ist, für den Ankauf von Saatroggen im Herbst 1924 Mittel in genügendem Maße zur Verfügung zu stellen.

Herbsthossnungen der Separatisten.

Am vergangenen Sonntag fand in der Rach- barfchaft von Bonn eine Führerkonferenz des Rheinisch-Westfälischen Dolksbundes" statt. Die Versammlung war streng geschlossen, der Eintritt zu der Versammlung war nur mit besonderen Ausweisen möglich. Auch die Polizei der De- sahungsbehörde blieb ununterrichtet. Ein Antrag wegen vorussichtlicher Aufgabe des Ruhrgebiets, den Ramen inRheinischen Volksbund" umzu­ändern, wurdevertagt". DieRepublikanische Schuhwehr (R. E. R. O.)" soll den Alntertitet Rheinbanner grün-weiß-rot" erhalten. Inner­halb des Dolksbundes hat sich, wie dasKölner Tageblatt" berichtet, einSchutzbund der Ange­stellten und Arbeiter bei den Besatzungsmächten" gebildet, dem Regie- und Zollbeamte sowie Ar­beiter der Besatzung in großer Zahl angehören sollen. Das Referat des Herrn Matthes bewegte sich in den von ihm gewohnten großspurigen Phrasen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß sich die rheinischen Separatisten vom kommenden Herbst recht viel versprechen. Sie sind zweifellos im In- und Auslande hinter den Kulissen regsam wie die Maulwürfe.

Das französische Militär als Separatistenanwalt.

Bezeichnende Amnestiefordernngen.

Zwei bekannte Pfälzer Separatisten namens ßuöaxg Schellhaas und Ludwig Lang aus Lauterecken in der Pfalz haben an den franko» sischen Oberkommissar in der Rheinland­kommis sion ein für das fortgesetzte Zusammen­arbeiten zwischen Separatisten und französischen Besahungsbehörden charakteristisches Schreiben ge­richtet, in welchem sie unverhüllt fordern, daß Frankreich und die Alliierten von Der deutschen Regierung als Gegenbedingung verlangen sollen, daß die deutsche Regierung allen Personen, welche wegen politischer Vergehen, die sie im be­setzten Gebiet verübt haben, angeklagt oder ver­urteilt sind, in jeder Beziehung voll­ständige Amnestie gewährt. Es befän­den sich eine große Anzahl von Separatisten in Gefängnissen rechts des Rheins. Ferner seien durch die Pfalzzentrale in Heidelberg und andere ge­heime deutsche Dureaius einige tausend Per­sonen, welche im besetzten Gebiet wohnen, als Separatisten oder Pazifisten und Freunde Frank­reichs bei der deutschen Regierung denunziert. Die deutsche Regierung warte nur auf den ge­gebenen Zeitpunkt, um an diesen Leuten Rache zu nehmen. Frankreich dürfe nicht zu­geben, daß fanatische deutsche Rationalisten be­gnadigt, während seine Freunde weiter von der deutschen Regierung verfolgt werden. Weiter­hin verlautet, daß am 7. Juli in Lauterecken eine separatistische Versammlung in An­wesenheit des französischenD0lmetschers Dehler von der dortigen Bezirksdele­gat i v n stattfand, die sich mit der durch die französischen Besatzungsbehör­den zu erzwingenden materiellen und und moralischenRehabilitierung" der Separatisten auf dem Wege einer allgemeinen Amnestie befaßt. Die Se­paratisten erklärten, Frankreich müsse die Waffe der Ausweisung" solange in der Hand behalten, bis diese Rehabilitierung von der deutschen Regierung erzwungen sei.

Der demokratische Parteitag.

Der Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei hat nach einer Draht­meldung aus Berlin beschlossen, den nächsten Parteitag vom 16. bis 19. November in Bres­lau abzuhalten.

Die Gewerkschaften und der Achtstundentag.

(Eigener Informationsdienst.)

D e r l i n, 28. Juli. Nachdem die Frei e n Gewerkschaften ihre Bvrbereitungsarbeiten zur Herbeiführung eines Volksentschei­des über die Ratifizierung des Washingto­ner Abkommens beendet haben, werden die Führer des Allgemeinen Deutschen Ge­werkschaftsbundes, des Afa-DundeS und der Freien Gewerkschaften und des All­gemeinen Beamtenbundes am 1. August eine gemeinschaftliche Besprechung mit de nFührern derChristlichen und D e- mokratischen Gewerkschaften abhalten,um eine einheitliche Stellung bei den kommenden Reichstagsverhandlungen in dieser Frage zu erzielen. Man rechnet nicht damit, daß sich die Christlichen Gewerkschaften dem Volksentscheid anschliehen, aber man hofft, sie veranlassen zu können, im Reichstage bei der Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation über das Washingtoner Ab­kommen sich für die Beibehaltung des Acht­stundentages einzusetzen. Von der Stellung­nahme der Regierung gegenüber dieser Inter­pellation wird es abhängen, ob die Freien Ge­werkschaften im November oder Dezember den Volksentscheid beantragen werden. Die De­mokratischen Gewerkschaften werden sich in der Hauptsache dem Standpunkt der Freien Gewerkschaften a n s ch l i e ß e n.

Die Mißernte in Rußland.

Ern "Appell der Sowjetregierung.

Moskau, 27. Juli. (WTD.) Die Qeiting der russischen kommunistischen Partei richtete einen Appell an alle ßofalorganifationen, welcher Weisungen für die Bekämpfung der Folgen der Mißernte enthält. Es heißt darin:

Die allgemeine Entwicklung der Landwirtschaft ist wiederum auf ernste Schwierigkeiten gestoßen. Die Trockenheit yat die Hoffnung auf eine gute Ernte erheblich verringert und in einigen Territorien geradezu eine Mißernte verursacht. Davon sind betroffen: das mittlere und südliche Wolgagebiet, ein bedeuten­der Teil Südostrußlands, ein nicht großer Teil der Ost Ukraine, insgesamt etwa 6 bis

7 Millionen 1®tnu>ur. '^er Vorteil gegenüber der Mißernte von 1921 besteht darin, daß der Staat gegenwärtig große Drotge- treiöeDo träte besitzt. Wenn die Mißernte dem Staate auch erhebliche Schwierigkeiten Der» Ursachen kann, so kann doch nicht von einer verzweifelten Hungersnot und hoff­nungslosen Lage gesprochen werden. Auf dem Programm der Regierung befindet sich die Ge- währung von 30 Millionen Goldrubel zur Ver­sorgung der Bauernschaft mit Getreidesaat, die Gewährung einer Anleihe von 300 Millionen Goldrubel unter Verpfändung des Viehes und die Gewährung von 20 Millionen Goldrubel zur Versorgung der Bevölkerung mit Getreide, wovon 14 Millionen für die Erwachsenen bestimmt sind, und zwar in der Weise, daß ihnen Beschäftigungen bei den öffentlichen Arbeiten verschafft werden und 6 Millionen für Kinder, welche Heuer nicht aus den von der Mißernte betroffenen Gouverne­ments weggeschafft werden.

Diese Pläne sind aber, wie es in dem'Auf­rufe heißt, noch nicht Tatsachen. Damit sie solche werden, muß die Landwirtschaft selbst zum Kampfe gegen die Trockenheit und deren Folgen herangezogen werden. Die Maßnahmen der Regierung bleiben daher lediglich auf dem Papier, wenn sie nicht von der ^Landwirt­schaft wirksam unterstützt werden.

Kommunistisches.

Liebliche Zustande im Dortmunder Stadtparlament.

Dortmund, 28. Juli. Die bürgerlichen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung ha­ben dem kommunistischen Stadtvevordneten- vorsteher mitgeteitt, daß sie infolge der letzten Vorgänge den Stadtvevordneten-Sitzungen s v - lange fernbleiben a>üd>en, bis sichere Ge­währ geboten sei, daß derart unerhörte und un­würdige Zustände sich nicht mehr ereignen würden. In der letzten Sitzung hatte der Kommunist Wünnenberg der Rechten zugerufen:Die Faust der Proletarier muß sich um die Gurgel der Kapitalisten legen, die sämllich an den La­ternenpfahl gehören." Der Kommunist Hark hatte das Zentrum beschuldigt, daß es seine Politik und Religion auf Blut aufgebaut habe.

Putschpläne in Oberschlesien.

K a 11 © to i ö* 27. Juli. Wie derOber- schlesische Kurier'^ meldet, entfalten die Kom­munisten eine große Agitation, um einen Ge­neralstreik herbeizuführen. Ein Aufruf der Kommunisten fordert die oberschlesischen Insur­genten auf, mi| den Waffen in der Hand zu einem Kongreß am 27. Juli in 'Katto- witz zu erscheinen. Die ftüheren Aufständischen sollten den Hauptbestandteil der Roten Armee bilden, um die kommunistische Räterepublik in Oberschlesien zu erkämpfen.

Ein englisches Kriegsgerichtsurtcil.

Köln, 28. Juli. (WTB.) Der Kölner Kom­munist Frantzen wurde Dom britischen Kriegsgericht wegen Waffenbesitzes, ge­fälschter Stempel und einer falschen Einpfund-Note zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Fall Matteotti. Enthüllungen des verhafteten Pressechefs Rossi.

Rom, 27. Juli. Sämtliche Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Alntersuchungsverfahren in der Sache Matteotti, das nach den Aeuhe- rungen des Angeklagten Rossi und dem Briefe Farinaccis eine Wendung genommen habe. Das Unabhängige MittagsblattSereno" bringt die aufsehenerregende Nachricht, daß Rossi, der ehemalige Pressechef des Ministerpräsidenten, vor dem Alntersuchungsrichter erklärt habe, daß das, was er getan und gesagt habe, nur a u f hö­heren Befehl geschehen fei. Seine Beziehun­gen zu General di Bono, Fingi,Azerbo und Bianchi seien deshalb manchmal sehrge - spannt gewesen. Farinacci habe ferner erklärt, über Dokumente zu verfügen, die beweisen würden, daß Rossi mit hohen Persönlich­keiten der Opposition, darunter auch An« tifaszisten des Auslandes, in Verbindung ge­standen habe, die die Beseitigung Mat- teottis beschlossen hätten, um eine Krise und damit den Sturz Mussolinis herbei- zufiihren. Farinacci betont lautSereno" ferner, daß er schon seit längerer Zeit Rossi und andere bekannte Persönlich ketten des Faszismus aus gu­ten Gründen als Feinde Mussolinis betrachtet habe. Farinacci wird von fast sämtlichen Zei­tungen und selbst von mehreren faszisttschen Per­sönlichkeiten scharfangegriffen. Man wirst ihm vor, er wolle durch seine Erklärung das Alntersuchungsverfahren in falsche Dahnen leiten. Die Erklärung vor dem Alntersuchungsrichter, auf höheren Befehl gehandelt zu haben, erregt das größte Aufsehen, da damit die höchsten Persönlichkeiten der Regierung kompromittiert werden.Impero" sagt, es sei klar, daß man die Person Mussolinis verdächtigen wolle. Sollte die Oppositton durch diesen Skandal, über dem bis zur Stunde noch Dunkel herrscht, an die Tore des Palazzo Ehigi zu gelangen suchen, dann würden sie dort Schwarzhemden finden, die jeden ver­nichten würden, der die Haltung Mussolinis an­greifen würde.

Die Revolte in Brasilien.

Washington, 26. Juli. (WTB.) Der amerikanische Botschafter in Rio de Janeiro übersandte den Text der von dem brasiliani­schen KriegSminister veröffentlichten Pro­klamation, in der die Einwohnerschaft von S a v P a 0 l 0 aufgefordert wird, die Stadt zu verlassen und die Rebellen ihrem Schicksal zu überlassen. Der Minister hofft, daß die Zivilbevölkerung seinem Rufe Folge leisten wird und daß ihr somit während der Opera­tionen, die in einigen Tagen ausgeführt wer­den sollen, alle Leiden erspart bleiben.