Einzelbild herunterladen

Mißgeschick; die euren dürfen schon früher

be-

Laßt uns ganze Menschen sein!

H.

*

Gießener Wochenmarktpreise

im 26. Juli (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 1,801,90 Mk.. Matte Psd. 30-35 Pf., Käse Stück 5-6 Pf., Eier Stück 13 Pf., Wirsing Pfd. 20-25, Werk­kraut Psd. 2025 Pf., gelbe Rüben Pfd. 10 bis 15 Pf., rote Rüben Pfd. 1015 Pf., Römisch- W Pfd. 10 Pf., Dohnen Pfd. 1015 Pf., Blumenkohl Stück 1050 Pf., Salat Stück 310 Pf., Salatguicken Stück 850 Pf., Einmachgurken Stück 34 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 510 Pf., Erbsen Pfd. 1520 Pf., Tomaten Pfd. 50 Pf., Zwiebeln Pfd. 1520 Pf. Rettich Stück 515 Pf., Pilze Pfd. 20 Pf., Kartoffeln Pfd. 6 Pf., Frühäpfel Pfd. 20 Pf., Dirnen Pfd. 25 Pf., Kirschen Pfd. 40 Pf., Heidelbeeren Pfd. 35 bis 40 Pf., Stachelbeeren Pfd. 2530 Pf., Johan­nisbeeren Pfd. 3035 Pf., Honig Pfd. 25 bis 30 Pf. i

Aus Stadt und Land.

Sieben, den 28. Juli 1924.

Halbe Menschen.

Wir haben ein feines Gefühl dafür, ob einer 'ein ganzer Kerl ist oder ob es rhm 'am Letzten, Besten, Wichtigsten fehlt. Erne Wette kann er wohl feine Mängel verstecken, aber dann offenbart er schließlich doch, daß er einHalber" rst, kerne Dollnatur, kein Mensch, der unser Mitgefühl za -fesseln tveih, sondern einer von den vielen, deren es allzuviele gibt. i

i 1 Das Leben spielt oft sonderbar mit den Menschen. Es hebt die einen hoch empor und drückt die andern in das Dunkel zurück, aas dem sie sich nutzlos rns Lrcht sehnen; dre einen! begünstigt es, ohne daß sie es verdienen, sie habenGlück" die andern verfolgt es mit

** Ermähigung der Sonder st euer vorn bebauten Grundbesitz. In unserer Mitteilung unter dieser äleberschrift in der Sams­tag-Rümmer ist durch ein Versehen bei der Aus- roechselung von Korrekturzeilen im vorletzten Sah eine bedauerliche Verstümmelung der wichtigen Nachricht vorgekommen. Zur Richtigstellung geben wir den fraglichen Sah hier noch einmal wieder:Wenn z. B. der Steuerwert des be­bauten Grundbesitzes 20 000Mk. ist, die Belastung am 1. Juli 1914 nicht höher als 4000 Mk. (20 Prozent) war und die Friedensmiete beispiels­weise 800 Mk. betragen hat, so ist die Sonder- steuer .zu erlassen, soweit fie 20 Prozent der Friedensmiete = 160 Mk. übersteigt." Daran schlieht sich dann der Schluhsatz, wie er am Sams- tag zu lesen war.

* Hessische Filme. Die Hessische Film­stelle gibt mit der Lehr- und Kunstfilmgesell­schaft in Wiesbaden von den verschiedensten Tei­len Hessens Filme heraus, die im In- und > Aas­lande verbreitet werden sollen. Insbesondere soll der Blick auf die charakteristischen Schönheiten der Landschaft und der wichtigsten Orte, außer» dem aber auf die leistungsfähigen Prodakttoas- flätten der heimischen Indurie und des Hand­werks und vor allem auf die angenehmen Krr- und Erholungsmöglichkeiten in unserem Lande hingelentt werden.

* * Frühzeitige Beschaffung des Winterbrandes. Von unterrichteter Sette wird uns geschrieben: Der Abbau der Brikett- preife ist inzwischen erfolgt. Beim Einsehen des .yausbvandbedarfs in den Herbstmonaten sind er» sahrungsgemäh große Stockungen im Verkehr der Eisenbahn und Verzögerungen zu erwarten. Diese Schwierigkeiten werden erhöht durch die Tatsache, daß infolge des Geldmangels nur geringe Be­stände auf den Kohlenlagern vorhanden sind. Den Hausbrand-Verbrauchern muß daher zur Sicher­stellung ihres Bedarfes dringend empfohlen wer­den, schon im August mit einer teilweisen Ein­deckung zu begannen, zumal beim Eintritt der Ernte bei den Gruben bekanntlich der Leerwagenmangel einseht, da dann zunächst die Eisenbahnwaggons der Landwirtschaft zur Verfügung stehen müssen.

* * Die Erleichterung bei Geldein­zahlungen am P o st s ch al ter, die wir vor einigen Tagen als bevorstehend meldeten, wird seht mit der nachstehenden amtlichen Mitteilung bekanntgegeben: Bei Einzahlungen auf Zahlkarten und Rentenmarkpostanweisungen sowie bei Ein­lösung von Nachnahmen und Postaufträgen, die auf Rentenmark lauten, werden von den Post­anstalten fortan bis auf weiteres Beträge bis 50 Rentenmark für jede einzelne Zahlkarte oder Rentenmarkpostanweisung auch in Reichsbanknoten oder anderen Zahlungsmitteln, die zu Zahlungen an Postkassen zugelassen sind, entgegengenommen.

Schnelle Aburteilung der Feld- ttnb Forst diebe in Preußen. Wie der ^mrkliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der

preußische Iustizminister aus Anlaß der bevor­stehenden Ernte eine allgemeine Verfügung an die Strafverfolgungsbehörden erlassen, wonach- Per­sonen, die bei Felddiebstahl auf frischer Tat er­tappt werden, zweckmäßig nach Möglichkeit in einem beschleunigten Verfahren nach dem § 212 der Strafprozeßordnung abzuurteilen sein werden. Auch gegen Forstdiebstähle soll in Anbetracht der Drennstoffknappheit schnell und energisch einge­schritten werden.

* * Reichsbanner Schwarz - Rot - Gold. Dir Gründungsvecsammlung, die am Freitagabend im Katholischen Vereinshause statt­fand, war so starf besucht, daß der große Saal voll besetzt war. Gewerftchaftssekretär Ottilie sprach nach kurzen Degrüßungsworten überZweck und Ziel des Bundes", der zum Schutze der Republik gegründet sei. Studien-Assessor Schö-n schilderte die Gründung und die Entwicklung des Bundes, der aus kleinen Anfängen entstanden sei. Die Gründung habe erst im Februar statt­gefunden und heute zähle der Bund schon eine Million Mitglieder. In 31 Gauen des Reiches sei der Aufmarsch fcyon vollzogen, nur in den Gauen des besetzten Gebietes habe noch nichts geschehen können. Redner schilderte dann das Streben des deutschen Volkes nach Herstellung der Reichseinheit, besonders seit 1813, und gab bann der Hoffnung Ausdruck, daß, einst das Deutsche Reich alle Deutschen vereinigen werde. Richt durch Kampf und Gewalt wolle man das Ziel erreichen, sondern durch das Selbstbe- sttmnrungsrecht der Völker. Das Ideal des Bun­des sei ein Großdeutschland, das alle Menschen deutschen Stammes und deutscher Sprache um- fasse. Alle Grenzpfähle innerhalb dieses Gebietes müßten einmal fallen und nur ein Danner werde dann wehen über Groß,deutsch land: Schwarz-Rot-Gold. Die Organisation, so erklärte der Redner, umfasse alle wehrfähigen Männer, besonders die Frontkämpfer, aber die Kriegs­teilnehmer würden einmal aussterben, und des­halb seien Iugendgruppen zu gründen. Monar­chisten und Kommunisten müßten ausgeschlossen sein, weil sie Gewaltpolitik trieben. Der Bund wolle den Dürgerkrieg verhindern, er sei gleich­sam die politische Rothilfe der Republik. Die Mitglieder sollten sich nicht scheuen, die Ab­zeichen des Bundes zu tragen: Blaue Sturm­mühe, schwarzrotgotdenes Dand und Windjacke. Redner schloß mit einem dreifachen Frei Heil auf die Republik. Rektor Schmidt erklärte, die Republik müsse gesch-üht werden, denn sie würde rwch Jahrzehnte gefährdet sein. Er sprach sich für die Organisation von Iugendgruppen a :s, die Jugend müsse unbedingt diszipliniert werden. Bloch» Lollar gab der Ansicht Ausdruck, daß nicht nur in der Stadt, sondern auch a if -dem Lande gearbeitet werden müsse. Es sollten deshalb überall Kveiseinteilungen neben den Stadtaus­schüssen gebildet werden. Gr könne als Vertreter des 1. Vorsitzenden Kreiling-Heuchelheim feststel­len. daß die Werbetätigkeit auf dem Lande schon Verständnis gefunden und Erfolge gebracht habe. Auf Vorschlag des Reallehrers Hebermtzhl als Vertreter der Demokratischen Partei wurde ein Vorstand gewählt, der aus folgenden Herren besteht: 1. Vorsitzender Studien-Assessor Schön. 2. Vorsitzender Regierungsbaumeister Schnei­der, Beisitzer Ottilie, Beckmann jun.» Kreiling -Heuchelheim, Bloch- Lollar. Der Versammlungsleiter gab zum Schluß, noch be­kannt, daß die Formierung der Truppe etwa in Form von einer Kompagnie noch vor dem Dersassungstage erfolgen solle, sie werde am Ver­fassungstage aufmarschieren. Dieser solle am 10. August gefeiert und zugleich das erste Dun» desbanner eingeweiht werden.

** Bund der Versicherungs- Vertreter Deutschlands. Der in frühe­ren Jahren schon bestehende Verband Gießen hat sich in einer für Freitag nach dem Eisen­bahn-Hotel einberufenen Versammlung nach einem von dem Generalsekretär des Bundes E. M ü l l e r -Berlin gehaltenen Vortrage neu gebildet. Die Vorstandswahl ergab das fol­gende Resultat: H. Reinschmidt, Vor­sitzender; Kurt Mohr, stellv. Vorsitzender; Alois Pe tzel, Schriftführer; Carl Schwalb, Schatzmeister. Außer dem Wiederbeitritt früher ausgeschiedener Mitglieder konnten mehrere neue dem Dund zugeführt werden.

Vor nvtncu.

Tageskalender für Montag. Rundsunthaus, Löberskvaße, 8V2 älhr: Kammer­musik. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.:Zalamort, die Erlebnisse einer schönen Fcau".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wir weisen nochmals dar­auf hin, daß die Vorstellung am Dienstag,29. Juli, um 8 äl h r beginnt. Gegeben wird das reizende LustspielDie Dame mit dem Schridungsgrund", das in Bad-Rauheim einen glänzenden Erfolg erzielt hat.

M. T. V. Morgen abend Jugend-Ver­sammlung. (Siehe Anzeige.)

Landkreis

D Großen-Linden, 28. Juli. Der GesangvereinHarmonie" wird nächsten Sommer sein 7 5. Stiftungsfest feiern und damit einen größeren Gesangwett st reit ver­binden, der für jeden Gesangverein offen ist. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange.

" Ettingshausen, 27. Juli. H:ute feierte unter Beteiligung des Radfahrgaus Ober- hesfen H der hiesige Ra d f a h re r ver ei n W a n d e r l i e b e" sein Stiftungsfest, das mit der Banner weihe verbunden war Ein stattlicher Festzug, dm die hiesigen Schulllassen, die Ortsvereine und die Mädchen unseres Dorfes eröffneten, denen die verschiedenen Radfahrcrver- einc folgten, imd den der feiernde Verein schloß, bewegte sich um 2 älhr durch die Straßen nach dem Fest platz. Rach einem Liede des hiesigen MännergesangvereinsConcordia" begrüßte der Dereinsvorsitzende Ernst Keil die Festteilnehmer und bot ihnen herzlichen Willkomm. Der Gauvorsihende und nach ihm Gastw rt Jakob von Ober-Dessingen verbreitern sich über die Bestrebungen der Ra dfahrervereine und such­ten das sportliche Interesse zu wecken. Die An­sprache zur eigentlichen Dannerweihe schil­derte die Dedeutung dieses Symbols als Wahr­zeichen deutscher Treue, als Mahner zu deutscher Zucht und Ordnung, als Lehrmttlter echter Kame­radschaftlichkeit und Einigkeit und als Wegweiser rechten Zielbewußtseins und Strebens. Mädchen aus der Gemeinde begrüßten daun den jubilieren­den Verein durch sinngemäße Ansprachen in Poesie und Prosa und überreichten die schöne

fehlen, die andern müssen ewig ducken und ge­horchen.

Das Glück ist eben scheinbar blind, und man hort recht kluge Leute oft sagen: eine Handvoll Glück sei mehr wert als ein Kopf voll Verstand.

Ich glaube, daß auf die Dauer die klugen Menschen doch Glück haben werden, soweit sie Persönlichkeiten sind, d. h. ganze Menschen. An die Rockschöße eineshalben" sah ich noch nie das Glück sich lange hängen. Sie könnten es 'nießt ertragen, und würden es in ihrer Laune ab» schütteln, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Jeder Stimmung laufen sie nach; jede Reuig- leit erfüllt sie ganz; ihr Auge ist nicht scharf genug, das Unwesentliche von der Hauptsache zu unterscheiden; sie stehen einmal auf dem einen Dein, das andere Mal wieder auf dem andern; nur höchst ungern aif beiden zugleich, so daß sie hinken und humpeln, wie einer, der in den Hüften lahm ist. I

Sie taugen nicht zur Freundschaft, Liebe, zum Opfern und zu heiliger Begeisterung. Wohl können sie aufflammen, aber nur wie ein Strohfeuer wohl können sie ihr Herz verschenken, aber nicht lange wohl können sie sich für etwas ein» sehen, aber der Zweifel kommt zu früh, ob «nicht ihre Hingabe nutzlos ist. Es fehlt ihnen bieyinnere Gleichgewichtslage, auf die sie sich stützen könnten. [

SolchenHalben" geht es wie den Schissen, die kein Kielblei in sich haben: fte schaukeln hin und her und neigen sich vor jedem Wind.

Freilich, der Charakter ist eine Belastung, aber eine, die fähig macht, die Lasten des «Lebens mit Gleichmut und Sicherheit zu tragen. Mag man oft denLeichtsinn" dieser Ewig-Gedanken- iüfen beneiden letztlich behält die Lebens­weisheit Goethes recht, die da sagt:Höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persön­lichkeit."

Faynenschleife als Gave der Jungfrauen Unterer Gemeinde. Da nach den Regentagen das Wetter sich aufgehellt hatte, entwickelte sich auf dem schön gelegenen Festplatze bald ein frohes Treiben bei den Klängen einer gutbesetzten Musikkapelle.

0= Ober-Bef fingen, 26. Juli. Dor- einigen Tagen zog ein Trupp Zigeuner hier durch, der von einem dressierten Hund be­gleitet war. Beim Dorfe angelangt, schnüffelte der Hund alle Holz- und Reiserhaufen ab. Sehr rasch meldete das Tier, daß in dem Holz etwas verborgen sei, und kurz daraus kam er mit einem Igel heraus. So ging es von Holzstoß zu Holz­stoß. Als Iagdresultat ergab sich ein ganzer Sack voll Igel. Wir mißgönnen den braunen, oft recht unbequemen Gästen, denleckeren Braten" nicht. Doch möchten wir die Behörden auf dieses Trei­ben aufmerksam machen, damit in solch sinnloser Weise nicht einer der besten Freunde der Land­wirtschaft, der Igel, mit der Zeit gänzlich ver­nichtet wird. Einesteils wäre es schade um das harmlose Sier, andemteils erwächst durch die Aus­rottung ein nicht unerheblicher Schaden, denn der stachelige Geselle ist unstreitig unser bester ünge» zieservertilger.

Kreis Friedberg

* Friedberg, 26. Juli. In einer Be­sprechung in Rieder-Florstadt, die auf Veranlassung des La-ndtagsabg. Lux stattfand, und zu der Vertreter der Oberpostdirektion, des Kreisamts Friedberg, der Stadt Friedberg und der Gemeinden Ossenheim, Rieder- und Ober- Florstadt uno außerdem drei Vertreter der Han­delskammer Friedberg erschienen waren, wurde die Gründung eines Zweckverbandes zur Errichtung einer Automobillinie zwi- schen Rieder-Florstadt und Fried­berg beschlossen. Mit einem Anlagekapital von 33 000 Mk. soll ein Personenauto mit Anhänge­wagen, zusammen 60 Personen fassend, und ein Lastwagen beschafft werden. Die jährlichen Aus­gaben sind auf 17 650 Mk., die jährlichen ©in» nahmen auf 18 450 Mk. veranschlagt, die Ren­tabilität erscheint also gesichert. Die Berechnung ist aufgebaut auf einen Tagesverkehr von drei Fahrten hin und zurück, und zwar je zwei Fahrten für den Arbeiterverkehr und eine Fahrt hin und zurück für den übrigen Verkehr. Dem Zweckver­band gehören die Stadt Friedberg und die Ge­meinden Ossenheim, Rieden- und Ober-F^orstadt an. Die Gemeinde Rieder- Florstadt übernahm 20 000 Mk. Stammanteile, Friedberg, Ober-Flor­stadt und Ossenheim je 5000 Mk. Dem Kreisamt Friedberg wurde die Ausarbeitung des Statuts und die notwendigen Vorarbeiten übertragen. Eine fertige Halle mit Werkstatt ist vorhanden. Falls das Geld für den Ankauf der Autos flüssig gemacht werden kann, dürfte damit zu rechnen fein, daß die Lime bis zum 1. Oktober eröffnet werden kann.

fpd. Friedberg, 27. Juli. Vor einigen Rächten wurden dieKirchen von Beienheim und Melbach von Dieben heimgesucht, die die Opferst ocke zu plündern versuchten und eine Anzahl Orgelpfeifen herausrissen und beschädigten. Der Tat verdächtig sind drei Personen, die in der Einbruchsnacht in Melbach beobachtet wurden.

* H 0 ch w e i f e l, 26. Juli. Der 54jährige Landwirt Heinr. Dämon wurde beim Durch­gehen seines Pferdes vorn Wagen geschleu» dert und brach das Genick.

Kreis Schotten.

* L a u b a ch, 26. Juli. Gestern, am Frei­tag, gingen die ersten der hier untergebrach­ten ausgewiesenen Eisenbahner mit ihren Familien in die Heimat Heidesheim und Gaulsheim zwischen Mainz und Dingen zurück. Die anderen werden bald folgen, da ihre Ausweisung auch bereits zurückgenom­men ist und nur noch einige Formalitäten zu erledigen sind. Lieber ein Jahr waren die Leute ihrer Heimat fern.

* Schotten, 28. Juli. Der hiesige Som» mermarft findet in der üblichen Weise am 4., 5. und 6. August statt. Räheres ist «aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

Kreis Lauterbach-

* Lauterbach, 27. Juli. Am Freitag brachte derLauterbacher Anzeiger" einen Be­richt über die Reueinrichtung der Amts­räume der Bürgermeisterei. Darin wurde u. a. mitgeteilt, daß die Räumedurch einen schön wirkenden Anstrich und kunstvolle Tä­felung einen Zimmerschmuck erhalten haben, der sich wahrlich sehen lassen kann und an Behaglich­keit nichts zu wünschen übrig läßt. Auchder Herr Beigeordnete besitzt nun ein eigenes Zim­mer". Dieser Bericht hat bei einem Teil unserer Bürgerschaft recht gemachte Grs. hle ausgelöst, w e aus einerB e scheidenen Anfrage" her­vorgeht, die im gestrigenLauterbacher Anzeiger" in folgendem Wortlaut zu lesen ist:Mit eigen­artigem Gefühl haben wir die gestrige Beännt- maeßung .über die kostspielige, kunstvolle undbe­hagliche" Reueinrichtung d:r Arn.sräurne der Bürgermeisterei gelesen. Wie muß diese Dar­stellung aus diejenigen wirken, welche nun schon so lange vergeblich auf eine, wenn auch noch so geringe Verzinsung ihrer Darlehen warten. Mit welchen Worten wurde man wohl z. D. einen Ge­werbetreibenden bezeichnen, der behauptet, zah­lungsunfähig zu sein und gleichzeitig mit der behaglichen" Reueinrichtung. seiner Werkstatt prahlt. Mehrere leidtragende Gläu­biger der Stadt Lauter&ach." Auf der Bürgermeisterei dürfte es nun wohl etwas lange Gesichter geben üb:r diese sicherlich nicht er­wartete Wirkung des Berichts. Man darf gespannt sein, welche Antwort die erbittertem Fragesteller erhalten werden.

wiurtciib...ß tinö Nheinhessen.

* Darmstadt, 26. Juli. Ein Löffel- sch lucker, der schwer vorbestrafte 23jährige Dienstknecht HansWefers aus Rheydt (Rhoin- provinz), ist aus dem städtischen Krankenhaus entwichen. Er ist kürzlich in Dortmund zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt wor­den und sollte sich jetzt vor dem Darmstädter De- zirksschofsen geeicht wegen eines Einbruchs in Lin­denfels verantworten. Er verschluckte einen Löffel, um ins Krankenhaus zu kommen, aus dem er jetzt entwichen ist.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M, 27. Juli. In dem Vierteljahr Apr-il bis Juni wurden in der Stadt 10 2 Reu bauten einschließlich Schuppen er­richtet, davon waren 14 reine W 0 hnge- bäude. Die Zahl der entstandenen Wohnungen

belieb sich auf 30. Durch Um» und Aufbauten wur­den weiter 36 Wohnungen hergerichtet. Im Rech­nungsjahr 1923/24 belief sich der Rein^ugang an Wohnungen auf 754, darunter 32 mit einem Zim­mer, 389 mit zwei und 220 mit drei Zimmern.

Hochschulnachrichlen.

Ehrendoktoren der Technischen Hochschule Darmstadt.

Darmstadt, 26. Juli. (WB.) Rektor und Senat der Technischen Hochschule haben auf ein­stimmigen Antrag der allgemeinen Abteilung den Direktor Walter Hildebrand in Freiberg in Sachsen in Anerkennung seiner hervorragen­den Verdienste um die Verfeinerung, Typisierung und den Bau geodätischer Instrumente, ferner auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Architek­tur den Architekten WilhelmMaus in Frank­furt a. M. in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die künstlerische Raumbeleuchtung die Würde eines Dr.-Ing. h. r. verliehen

Gerichtssaar.

Darmstadt, 26. Juli. Das Bezirksschöfsew gerußt verhandelte unter Ausschluß derOessentlich- feit gegen den 52 Jahre alten praktischen Arzt Dr. KarlKraus aus Lampertheim, der wegen Ver­brechen nach § 176, Abs. 3, St.G.B., angeklagt war. Er hat sich an Mädchen unter 14 Jahren vergangen. Das -Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus, abzüglich 3 Monate der Unter­suchungshaft.

Turnen, Sport und Spiel.

Die Gießener Studentenschaft beim deutsch-akademischen Olympia in

Marburg.

Von der Gießener Studentenschaft nahmen 35 Wettkämpfer und 20 Gymnasiasten an dem deutsch-akademischen Olympia in Marburg teil. Außerdem wurde die Sportausstellung in Marburg reichlich beschickt (Zeichnungen, Pläne, Photographien der sportlichen Anlagen, Semester­berichte über den Stand der Leibes-Uebungen seit 1920, Sportphotographien).

Für die Handballwettspiele stiftete die Dozentenschaft der Universität Gießen dem deutsch-akademischen Olympia einen Wan­derpreis.

Bei den 55 ausgetragenen Wettbewerben wurde Gießen dreimal 1. Sieger (Hochschul­meister), fünfmal 2. Sieger, zweimal 3. Sieger und dreimal Sieger im Reunkampf und Gerätezehn­kampf. Da sich an den 55 Wettbewerben 45 Hochschulen beteiligten, hat Gießen also sehr günstig abgeschnitten. Im einzelnen sind die Gießener Sieges-Ergebnisse folgende:

H 0 ch s ch u l m e i st e r in der 4x50--Meter- Staffel im Schwimmen für Stubentinnen wurde die Mannschaft der Universität Gießen mit skud rer. Pol. Kübel, skud. Phil. Bischof, stud. Phil. R a i f e r, stud. Phil. Anbei.

Hochschulmeister im Fechten auf Flo­rett stud. chem. Hans Thomä.

Hochschulmeister im Fechten auf Säbel stud. chem. Haus Thomä.

2. S i e g e r im Schwimmen, 100 Meter Brust für Studentinnen, 100 Meter beliebig und Sprin­gen, stud. Phil. Helene Raiser.

2. Sieger im Gerätezehnkampf für Altaka- bemifer. Dr. Meyer.

2. Sieger im Fechten auf Degen stud. chem. Hans Thomä.

3. Sieger im Schwimmen-Mehrkampf (100 Meter beliebig) Springen, Tauchen) stud. med. Theo Eck.

3. Sieger im 100-Meter-Drustschwimmen für Studenten stud. med. Werner Kalbfleisch.

5. Sieger im Gerätezehnkampf für Altatä- demiker Dr. L u l e y.

Sieger im Reunkampf (Geräteturnen, Schwimmen, Leichtathletik) stud. chem. August Becker, stud. jur. Emil Geismar.

Neue Erfolge Gießener Ruderer.

Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1 8 7 7 hatte zu der gestern in Hanau stattgefun­denen Regatta nur ihre beiden Skuller, Müller und Georgi, je in einem Rennen, im Großen Einer bzw. Iungmann-Einer, gemeldet. Müller siegte mit etwa drei Längen in schöner Form, Georgi schlug seinen stärksten Gegner nach er­bittertem Kampf über dreiviertel der Strecke im Endkampf mit mehreren Längen ganz überlegen Die Gesamtzahl der von der G. R. G. gewonne­nen Rennen erhöht sich mit den zwei neuen Er­folgen auf 137.

Deutsche Rad-Meisterschaften.

Köln, 28. Juli. (WTB.) Im Kölner Stadion gewann heute die Meisterschaft für Deutschland im Radrennen über einen Kilometer Oßmella (Köln) gegen Roß­bach (Köln), der Zweiter wurde, und Walter R ü 11 jun., der Dritter wurde. Die Meister­schaft für Deutschland über 25 Kilo­meter wurde von Miethe «Köln) gewonnen. Zweiter wurde Krewer (Köln), dritter Ma- t h e i s (Mainz).

Berlin, 28. Juli. Die deutsche Be - rufs-Radsportmeisterschast gelangte gestern auf der Dahn in Chemnitz in Anwesen­heit von 20 000 Zuschauem zur Entscheidung. Die Stehermeisterschaft über 100 Kilometer gewann Saidow, bte Fliegermeisterschaft Lorenz.

Ein neuer Rekord beim deutschen Marathon­lauf.

Berlin, 28. Juli. Beim deutschen Ma­rathonlauf in Berlin über eine Strecke von 42,2 Kilometer stellte Hempel vom Sportklub Charlottenburg mit 2 Stunden 42 Minuten 5,2 Sekunden einen neuen deutschen Rekord auf.

Verantwortlich für Politik und Feuilleton: I. D.: Heinz Gorrenz.

Mit bester und reinster Alveumilch snnlcirf) näbven Sie Ihr Kind, wenn Sie ibm Nestle'S Kindermehl neben. Neitle'S .Qinbcrmebl besteht a»S reiner Allgäuer Snbnenmilcb in Serbinbung mit Rohrzucker, Weizenzwiebackmehl und Maltose. scdlänt immer nut an, krä'tigt die Binder, fcbmeifi und bekommt ihnen ausgezeichnet und vermag die Kleinen und Kleiniien über Seiten allgemeiner Manen- und Darmstörungen gut himvegzubringen. Jllustr. Broschüre über Säuglingspflege kostenlos und unverbindlich durch:Llnda"-Gesellschasl in. b.H., Abt. 5. Berlin W 57, 31528f