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Erstes Blatt

\W Jahrgang

Montag, 28. Jun |924

vnick und Verlag: vr«hl',che UnIversttSts-vuch- und Stcinörutfcrci N. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschäftrftelle: Lchulftratze 7.

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Nr. 175

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GietzenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Der Schatten Poincares.

Nach einer Londoner Meldung desBerliner Tageblatts" soll Herriot auf die Frage, ob ec den Derrnittlungsvoischlag der Bankiers in der Sanktionsfrage annehmen wolle, geantwortet ha­ben:3a, wenn er den Frieden und die Regelung brächte. Aber alles, was er bringen wird, ist ein neues Kabinett Pvincar6I"

Dieser Ausspruch des derzeitigen französischen Ministerpräsidenten umfaßt in wenigen Worten die ganze tragische Verkettung nicht nur des Re­parationsproblems, sondern der gesamten euro­päischen Politik überhaupt, mit der Person Poin- cares, des bösen Geistes Frankreichs und der ganzen nach Frieden lechzenden europäischen Welt. 3n der Tat, noch immer steht der Schatten des Lothringers wie dos Gespenst eines riesengroßen Dämons des Hasses und der Vernichtung über allen Versuchen, die von Staatsmännern der euro­päischen Völker zur Liquidation des Krieges und feiner unheilvollen Folgen unternommen werden.

3n London lähmt der Geist Poincares den französischen Unterhändlern Wille und Zunge, insofern er nicht in den Personen Peretti della Roccas, Seydoux' und wohl auch Rollets ver­körpert, selbst das Wort führt. Die Vertreter der Sukzessärstaaten des europäischen Ostens, Macht­bildungen von Gnaden Poincares, sind auch in London willige Verkünder Poincareschen Geistes. Sogar das alte England, den großen Traditionen seiner einstigen Staatskunst in unbegreiflichem Versagen untreu werdArd, war nahe daran, vor Poincares Schatten zu kapitulieren und nur die wirtschaftliche Vernunft des jungen Amerikas hat wirklich entschlossen den Kampf mit Europas Dä­mon ausgenommen. Roch ist dieser Kampf nicht entschieden. Der Geist Poincares, hartnäckiger fast als der vierkantige Lothringer selbst, sträubt sich verzweifelt, vor t>er klaren Logik der ameri­kanischen Geldgeber zu kapitulieren. 3hm ist es zuzu schreiben, daß die Konferenz von einem toten Punkt zum anderen gleitet, daß eine ergebnislose Beratung der anderen folgt, daß die enttäuschte Welt, daß vor allem das aus tausend Wunden blutende Deutschland noch immer des Heiles war­ten muh, das aus London kommen soll. Wird es überhaupt kommen oder werden nicht am Ende doch die Beschwörungsformeln des finsteren Loth­ringer Hexenmeisters den Heiltvank, der in Lon­don gebraut werden soll, in ein Giftgemisch ver­wandeln.

Auch über den besetzten Gebieten Deutschlands lastet noch immer der Alpdruck des Poincaröschen Schattens. Als der Sozialist Herriot. von Deut ch- lands demokratischem Volk mit aufrichtiger Wärme begrüßt, den Befehl zur Aufhebung der Auswei­sungen gab, da erschien er allen gutgesinntem Deutschen gewissermaßen in der Gestalt eines licht- brinaeaden, fiiedenverkündeiOen Daldr. Es sieht beinahe aus, als ob auch diese Hoffnung trog, als ob Herriot-Baldr in dem Schatten Poinca­res seinen Höder gefunden habe. Die Desatzunqs- bürokratie und Generalität nahm die Befehle des französischen Ministerpräsidentea zwar entgegen, aber die Ausführung der Befehle zeigt immer deutlicher, daß der Sinn der Herriotschen Frie­densbotschaft von denen, die sie ausführen sollten, nicht verstanden worden ist, absichtlich nicht ver­standen werden wollte. Geist vom Geiste Poin­cares setzten die de Metz, dir Tirards und De- gouttes den Anwcisungen Herriots passive Resi­stenz, wenn nicht offene Sabotage entgegen.

Das zeigt sich vor allem in der Praxis der Ausgewiescnenfrage. Abgesehen davon, daß kaum mehr als die Hälfte dec erlassenen Ausweisungs­befehle bisher aufgehoben worden ist. machen die Besahungsbehörden namentlich im altbesehten Ge­biet von ihrer Befugnis mit einer geradezu raffi­nierten Systematik nur soweit Gebrauch, daß sie die gesamte Intelligenz und namentlich die Be­amtenschaft, auf deren Wiedereinsetzung in ihre früheren Aemtec Deutschland im Interesse der Wiedererrichtung seiner Derwaltungshoheit den

en Wert legen muß, beinahe ratlos von der ehr ausschalten. Den Vogel hat natürlich in dieser Hinsicht wieder General de Metz abgeschos- sen, indem er nachgewiesenermahen aus einer ihm von der Rheinlandkommission zugehenden Liste aufgehobener Ausweisungsbefehle eine ganze Reihe von Ramen von Persönlichkeiten, die ihm unangenehm waren, selbstherrlich ausstrich.

Vergegenwärtigt man sich ferner, daß der teilweisen Aufhebung der Ausweisungen noch keine einzige andere Milderunasmaßnahme gefolgt ist, bah im Gegenteil die Beschlagnahmungen von Wohnungen, die Eingriffe in die deutsche Rechts­pflege und Derwaltungshoheit, die Verbote von Zeitungen und Versammlungen munter weiter­gehen, daß die französischen Kriegsgerichte weiter wüten, daß auch noch nicht eine einzige der wider­rechtlich erlassenen Ordonnanzen aufgehoben wor­den ist: so wird man die Richtigkeit unserer Be­hauptung, daß der Geist Poincares in den De- sahungsbehörden weiterlebe und wie ein Alpdruck noch immer auf dem Rheinland laste, zweifellos einsehen.

Poincares Schatten am Rhein und in Lon­don, Poincares Schatten über ganz Europa. Am Rhein entschied sich schon immer das Schicksal des Kontinents. Auch die Konferenz in London Mht daher letzten Endes um den Rhein, dessen Stromgebiet in Deutschlands Besitz sein muß, wenn Deutschland überhaupt am Leben bleiben will. Solange Poincares Schatten, als der letzte Ausdruck der Jahrhunderte alten traditionellen Eroberungspolitik Frankreichs, der den Rhein nicht aus lebensnotwendigen Gründen, sondern nur der Machterweiterung wegen erstrebte, über dem Rhein lastet, solange gibt es in Europa keinen Frieden. EL gilt, diesen Schatten für immer zu verbannenl

Dre militärische Räumung.

Tin Brief Macdonalds. Franzosen und Belgier verlangen weitere

Das Wochenende hat naturgemäß keine nach außen hin bemerkbare Aenderung der auf ein totes Geleise gefahrenen Londoner Konferenz gebracht. Um so mehr dürften bei der Zusammenkunft der Delegierten gelegentlich der britischen Flottenschau die Versuche fortgesetzt worden sein, eine befrie­digende Formel zu finden. Tlnd es ist immerhin nicht unwahrscheinlich, daß Macdonald, wie der nachfolgende Pariser Bericht besagt, die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets angeschnitten hat. Der deutsche Standpunkt in dieser Angelegenheit ist klar, und es wurde an dieser Sleihe des öfteren ausgeführt, daß be­sonders nach den Erfahrungen mit den Sabotage­versuchen der französischen Bejahung gegenüber den Veisöhnungsmaßnahmm Herriots die wirt­schaftliche Befreiung der widerrechtlich besetzten Ge­biete ohne die militärische Räumung sinn­los ist. Deutschland muh auf einer ra­schen Befreiung dieser Gebiete von den Schikanen und dem Terror franko-belgischen Militärs bestehen, und es ist eine echt französische Verdrehung der durch den Wortlaut des Sach­verständigenberichts klar gekennzeichneten Tat­sachen, wenn Herriot behauptet, der Dawesplan habe mit der militärischen Räumung nichts zu tun. Dieser Versuch, die Anschauung und Meinung der Poincaristen sich zu eigen zu machen, trägt er­freulicherweise dem französisch. Ministerpräsidenten selbst im eigenen Lager scharfe Kritik ein, wie über­haupt ein täglich wachsender Teil der Pariser Presse der durch die amerikanisch-englischen Fi­nanzleute geschaffenen Lage gerecht zu werben ver­sucht. Die heutigen Besprechungen in London und die morgen beginnenden Debatten in der Pariser Kammer und im Senat werden zeigen, welche praktischen Ergebnisse der heute noch unent­schiedene Kampf um die amerikanischen Versuche, der Vernunft zum Siege zu verhelfen, zeitigen wird. Es ist immerhin eine interessante Entwicke­lung, wenn das führende Pariser Blatt, der Temps" sich gestern aus London drahten läßt, daß das Vertrauen in den Erfolg der Konferenz, das einige Tage hindurch erschüttert war, wieder­zukehren beginne. Man bemerke, daß man sich zu lange mit Fragen aufgehalten habe, deren In­teresse nicht aktuell sei, wie die Frage der Sank­tionen im Falle einer Verfehlung. Man erkläre, die beste Garantie gegen den Gebrauch einer Ak­tionsfreiheit, die Frankreich für gewisse Eventuali­täten sich Vorbehalte, sei, den Reparationsplan erst einmal zur Ausführung zu bringen. Der heutige Tag ist nach demTemps" von großer Bedeutung. Die englischen Tlnterhändler seien sich ihrer Ver­antwortung und der ernsten Folgen bewußt, die ein teilweiser oder vollkommener Mißerfolg der Konferenz nach sich ziehen werde. Manseijeht entschlossen, den Bankiers alle Ga­rantien wirtschaftlicher Art, die für die Anleihe wünschenswert scheinen, zu geben.

Sicher ist, und Havas bestätigt es, daß die deutschen Vertreter nicht vor Abmachungen ge­stellt, sondern Gelegenheit haben werden, über den Fragenkomplex mit den Alliierten zu verhan­deln. Von ihrer Haltung wird letzten Endes nicht nur das Schicksal der Londoner Konferenz, sondern auch die Entwickelung der innerpolitischen Lage in Deutschland abhängen. Die Rede, die am Sams­tag im Reichstag der bedeutende Außenpolitiker de'- Deutschnationalen, Professor Dr. H ö tz s ch, gehalten hat, gibt verschiedenen Fragen und Er­wartungen Raum. Wenn die Zeichen nicht trügen, stehen wir auch in bezug auf die Gestaltung un­serer innerpolitischen Verhältnisse vor bedeut­samen Entscheidungen.

(Ein Brief Macdonalds.

Paris, 28. Juli. (WB.) Der Sonderbericht­erstatter desPetit Parisien" meldet: Die Frage der m i l i t ä r i s che n Räumung des Ruhrgebiets sei in einem Brief aufgeworfen worden, den Macdonald den französischen und bel­gischen Delegierten am Freitag abend geschrie­ben habe. In dieser sehr kurzen Mitteilung er­kläre der englische Premierminster klar: Ange­sichts der von den Bankiers geforderten Ga­rantien scheine der Augenblia gekommen zu fein, die Frage der militärischen Räumung aufzuwerfen, deren Regelung vielleicht einen Ausweg aus der Lage, in die man fetzt geraten fei, bringen könne. Macdonald frage deshalb, zu welchem Datum die Regierungen von Paris und Brüssel sie vorzunehmen gedächten. Angesichts eines solchen direkten Angriffs hätten sich Herriot und Theunis nur schwer entschließen können, als sie mit Macdonald im Sonderzug nach Portsmouth zusammengetroffen fein, vom ersten Augenblicke an zu präzisieren, daß die militärische Besehungsfrage nur Frank­reich, Belg ien und Deutschland an­gehe, daß die Frage der Räumung des Ruhrgebiets nicht offiziell in einer Vollsitzung der Kon ferenz be­sprochen werden könne und daß auf keinen Fall die Räumung des Ruhr­gebiets durch die französischen und belgischen Truppen, die für die Durch­führung des Dawesplanes nicht notwendig seien, erfolgen werde, wenn nicht entfpre- chendeweiteceKonzession en geboten würden. Soweit sei die Diskussion über diesen Punkt fortgeschritten. DemIntvrnsigeanten", dessen Aachrichten mit Vorsicht aufzunehme i sind,

Konzessionen.

wird aus London gemeldet, Ministerpräsident Herriot habe als Gegenleistung für die schrittweise Räumung des Ruhrgebiets und gewisse Zugeständnisse hinsichtlich der Vollmachten der Repurationskommislion in Sachen der Verseh un- gen und der Sanktionen diemilitärischeüln- terstühung Englands unter gewissen Vor­aussetzungen 8ugejagt erhalten. Die Verhand­lungen h.erüber seien im Gange, doch werde weit­gehende Diskretion gewahrt.

Das Rechtsgutachten über die Einladung Deutschlands.

Paris, 28. Juli. (WTB.) Heber den In­halt des Rechtsgutachtens der Sachverständigen Fromageot und Sir Cecil Hurst über die Einladung Deutschlands meldet der Lon­doner Korrespondent desPetit Pansien":

Der Bericht umfaßt fünf mit der Maschine geschriebene Setten. Er beginne mit den Ausfüh­rungen über den Friedensvertrag, insbesondere über den Brief, den Clemenceau im Jahre 1919 an den Grafen Brockdorff-Ranhau richtete, als er ihm den Text des Vertrages über­mittelte. Dieser Brief enthalte die Erklärung, daß die Alliierten zu keiner Einmischung in die deutsche Gesetzgebung befugt seien. Die Sachver­ständigen stellen fest, daß der Dawesplan Zah­lungsmittel vorsehe, die im Friedens­vertrag nicht in Betracht gezogen worden seien, und die eine Einmischung in die deutschen Regierungsangelegonheiten vor­an s s e tz e, namentlich was die Goldnoten- bank, die Eisenbahn-Gesellschaft, die Industrieobligativnen und die Ab­gabe von Zollerträgen anlange. In einer Entschließung hätten sich Fromageot und Sir Cecil Hurst auf den Standpunkt gestellt, daß die Londoner Konferenz ihren Abschluß i n drei Protokollen finden müsse, die im An­schluß an die Unterhandlungen aufzustellen seien, je nachdem, ob sie zwischen der Repko und den Deutschen, Franzosen und Belgiern einerseits und den Deutschen andererseits, oder zwischen den Alliierten sich abspielten.

Die Einladung der Repko nach London.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 28. Juli. Rach den letzten In­formationen, die das Auswärtige Amt aus Lon­don erhalten hat, muß damit gerechnet werden, daß entsprechend dem Gutachten der juristischen Sach­verständig n ein?® n a uni der Repa ations- kommission nach London erfolgen wird. Rach der Meinung der Juristen hätte die Reparationskommission sich mit denjenigen Teilen des Sachverständigen-Gutachtens zu beschäftigen, die nicht über den Versailler Vertrag hinaus neue Bestimmungen für Deutschland erhalten. Die­jenigen Maßnahmen des Sachversländigen-Gut» achtens, die über den Versailler Vertrag hinaus­gehen, sollten danach nicht zur Zuständig­keit der Repko gehören, sondern sollten der Tleberwachung durch einen des onderen Kontrollausschuh unterliegen. Rach Ansicht der deutschen Regierung ist dieser Stand­punkt gänzlichunhaltbar, weil das Dawes» Gutachten e in unteilbares Ganzes bildet, wel- ches nicht in verschiedene Teile zerrissen werden kann, die von verschiedenen Kontroll-Instanzen überwacht toerben. Die Reichsregierung würde sich keinesfalls einverstanden erklären, daß der Reparationskommission wiederum die Befug­nis zuerkannt würde, irgendwelche Sanktionen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Deutschlands zu verhängen. Die Reichsregierung sieht daher in diesen Beschlüssen eine verhängnisvolle Erschwerung der Verständigung und hofft, daß die englischen und amerikanischen Ban­kiers sich einer solchen Regelung ebenso energisch wider seh en werden, wie sie es bisher in der Sanktionsfrage getan haben. Die Gesetze zur Ausführung des Sachverständigen-Gutachtens über die Ausgabe der Industrie-Obligationen und die Umwandlung der Reichsbahnen werden in kürzester Zeit von der Repko genehmigt fein. Man erwartet nicht, daß irgendwelche grundlegenden Aenderungen an den deutschen Entwürfen vor­genommen werden.

Kritik in Herriot-Lager.

Paris, 27. Juli. DieEre Rouvelle", die dem französischen Ministerpräsiden- ten nahesteht, veröffentlicht einen Leitartikel, in dem sie sagt, man würde ein Tinrecht begehen, wenn man verheimlichen wollte, daß der Verlauf der Londoner Konferenz in steigendem Maße die republikanischen Kreise beunruhige. Alle diejenigen, die am 11. Mai gegen die Politik Poincares gestimmt hätten, wunderten sich, daß derSchattenPoin- caräs noch bei den Debatten in Dow­ning-Street entdeckt werde. Aus Höf­lichkeit und Rücksicht habe Herriot nicht brüsk mit der Politik seines Vorgängers brechen wollen. Er habe sich bemüht, eine Llebergangsmethvde zu verfolgen zwischen der Formel Poincares und der vadikalen und sozialistischen Politik, die die wirt­

schaftliche Frage in den Vordergmnd stelle. Jetzt f/aufe der französische Ministerpräsident Ee^ fahr, das Opfer dieser Methode zu werden. Er sei in ein Dilemma gerat.-n, das durch die Haltung der amerikanischen Tan- kiers jafl unlösbar geworden sei. Entweder müsse man die deutsche Schuld koin - merzialisierenundaufpolitischeund militärische Sanktionen verzichten oder aber man müsse das Recht aus Sa'tt.ktionen beibehalten und auf die Kommerzialisierung der deutschen Schuld, d. h auf Re para- tionrszahlungen verzichten. We n Pro- bleone von solcher Wichtigkeit ausg.-worfen se en, dürfe man, fügt dieEre Rouvelle' hinzu, lein Kompromiß suchen. Es wäre nach der An­sicht des Blattes besser gewesen, vor der- Ab­halt ung der Konferenz die Bankiers aller Rationen einschließlich der deutschen Ba tkiers zu konsultieren. Man hätte nach Von* doq- mit dem bestimmten Willen gehen müssen, zuerst die wirtschaftliche Frage zu teg ein. Vielleicht sei das auch die Absicht der fca .nzösischen Tlnterhandler gewesen.

I'itlerpeUationen in derKammer.

Paris, 28. Juli. Dem Kammerpräsidenten gingen bereits drei Interpella tionen zu,, die sich auf die Londoner Konferenz beziehen. Sre. gehen aus von dem Radikalen dllar» g a.i n e , dem Sozialisten Blum und dem K7ommunisten Marcel Cachin. Im Hin» b(W auf die Beratung dieser Interpellationen mrüdeten sich bereits zwei Redner der Rechten r die Diskussion zum Worte, der ehe- mt'ilige Vorsitzende der Reparationstommrssron Liniis Dubois und der ehemalige Kolonial- mtznister des letzten Kabinetts Porncaro, Fabry.

Herriot erscheint nicht zur Aussprache.

Paris, 27. Juli. (WB.) Die in Paris zu­rückgebliebenen Minister werden am Dienstagvor- miUag einen Kabinettsrat abhalten, um sich mit der Tagesordnung des Parlaments, das am gleichen Tage seine Arbeiten wieder beginnt, zu beschäftigen. Inzwischen ist der Generalsekretär des Ministerpräsidenten, Israel, heute vormit­tag aus London zurückgekehrt, nachdem er sich m it Herriot verständigt hat. In einem Coin­an u nique wird mitgeteilt:

Angesichts der Verhandlungen in London könne Ministerpräsident Herriot am Dienstag beim Zusammentritt der Kammer und des Senats nicht in Paris anwesend fein

England zeigt der Konferenz seine Macht.

London, 27. Juli. (WB.) Der König mohm gestern die große Flottenparads bei Spühead ab, an der 19 6 Kriegs­schiffe jeder Art und Größe und zahlreiche Flugzeuge mit einer Besatzung von zusammen 30 000 Mann teilnahmen. Die königlich? Bucht, Iler mehrere Schiffe mit den Führern Wer alliierten Missionen der Londoner Reparationskcnferenz, den Mitgliedern des Ka- Ibinetts und zahlreichen Parlamentsmitgliedern sjvlgteni^uhr die Reihen dec Kriegsschisje ent­lang, die eine Front von etwa 400 Mei­len bildeten.

Die englische Sonntagspresse zur Lage.

London, 27. Juli. DerSundah Times" zufolge besteht aller Grund zu der Annahme, daß während des Besuches der Konferenzteilnehmer in Spithead Besprechungen von einer gewissen Bedeutung st attfanden und daß diese eine wesentliche Wirkung auf die Vollkon­ferenz am Montag haben werden. Der Rach­druck, mit dem die Ba n k i e r s auf ihre Forde­rungen bringen, verursache eine gewisse Be­sorgnis. In Konferenzkreisen glaube man je­doch, daß eine befriedigende Kompro - mißf ormel möglicherweise bis morgen verein­bart werde. Daher werde die allgemeine Zu­versicht auf ein günstiges Ergebnis aufrecht­erhalten.

DerObserver" schreibt, gestern sei allgemein erwartet worden, daß Macdonald den to­ten Punkt durch einen kühnen Schritt überwinden werde. Man habe gefragt, ob die britische Regierung es nicht wagen könnte, selb st für die Anleihe zu haften un­ter der Bedingung, daß Herriot die erste Theunis-Formel annehme und dadurch Frankreichs Recht zu einer Sonderaktion opfere. Reuhork sei offen genug, nicht zu ver­heimlichen, daß es abgeneigt sei, Geld in irgend­einen europäischen Konzern zu stecken, wenn nicht die britische Regierung die letzte Sicherheit biete. Die Frage werde erörtert, ob d i e Anleihe nicht ohne Amerika ausgegeben wer­den könne. Die Schwierigkeit sei jeboeb, daß der Erfolg einer derartigen Losung ausschließlich von London abhänge, und es sei zweifelhaft, ob die Regierung ein derartiges Risiko übernehmen könnte, das letzten Endes auf die Häupter der