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Nr. 280 nfler

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postscherNonto:

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Blatt

N4- Jahrgang

Donnerstag, 27. November 1924

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick und Verlag: vrühl'sche Uriiverfltätr-Vnch- «nd Stclnöruderei H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulfttatze 7.

Annahme van »n,e.^..: für bit lagesnummct bi zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichkcit.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite ortlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- Klame-Anzeigen v 70nmi Breite 35 Goldpfennig, Plotzvorschrift 20"^ Aus. schlag. - Derantworllich für Politik u. Feuilleton Dr. Friede. Wilh Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den Anzeigenteil; Hans Bell«, sämtlich in Gießen.

Der Kampf um den Sudan.

3n einer feinet durchschlagendsten Wahlreden bat der neue englische Premier Baldwin die Richtlinien her britischen Wirtschaftspolitik da­durch aus dem ChavS der englischen Interessen herauSgehvben, texf) er alS die natürlichen Märkte Englands seine Kolonien. Südamerika und den Osten, mit Ausnahme Rußland«, bezeichnet hat. Schon in jenen Tagen war daS Sudan°Pro° blem wieder einmal sichtbar geworden, und wenn wir uns heute vergegenwärtigen, mit wel­cher Hast und Zähigkeit England sich die Er­mordung des Generals Stack zunutze macht, so tritt der Sudan, wie überhaupt das ägyptische Problem, auf dem strategischen und Wirtschaftsweg London-Gibraltar-Suezkanal-Sin- aaporv-Pcuistc als überaus wichtiges Bindeglied für den englischen Im­perialismus an den Tag.

DaS Ultimatum der Baldwin-Regierung ist denn auch in der Hauptsache vorn wirtschaft­lichen Standpuntt aus zu bewerten. Richt de Inschutznahme der F ernt)en in Aegyptm, nicht so isehr auch die Anwesenheit englischer Truppet in Aegypten selbst, als die wirtschaftliche OdeyerrschungdeSSudans undAegyp- 1 en « ist zur Beurteilung des englisch-ägyptischen Konflikts von ausschlaggcbttrder Wichtigkeit. Ach Vie englischen Hinwei e auf di: sogenannte Un­mündigkeit des ägyptischen Boltes und der ägyptischen Regierung, in welche.' Frage der Völkerbund dem Londont Kabnett offen­sichtlich sekundiert, können als nebensächlich be­trachtet werden. In W rklichkeit handelt es sich um die weitere Verankerung zunächst der wirt­schaftlichen Interessen Englands im Sudan und in Aegypten und im engen Zusammenhang damit Her strategischen.

Der Sudan ist seit 1899 englisch-ägyptisches Kvndomini um. Die Verwaltung des Landes geschieht durch England, angeblich im Auf­trage AegyptenS und tatsächlich auf Ko­sten Aegyptens. Bei solcher Verwaltungs­gliederung erinnerte England die ägyptische Re­gierung immer wieder an die Schattenseiten der früheren ägyptischen Verwaltung im Sudan. Zur gleichen Zeit betrieb es die Umstellung der suda­nesischen und ägyptischen Landwirtschaftsproduk- tton so. dah die frühere Kornkammer der Welt heute iricht unerhebltch auf die Einfuhr von Rahrungsmitteln angewiesen ist unb bei Ver­wirklichung der groben britischen Pläne in Zu­kunft möglicherweise ganz non solcher Einfuhr abhängig sein wird. Zur selben Zeit auch machi sich England die geringen Produttionskosten im Sudan und die vorzügliche Eignung des Landes zur Daumwollkultur zunahe, um das sudane­sische Gebiet zum B a u in te o l l z e nl r u m der Welt zu machen. Dah die ägyptische Daum­wollkultur in den Hintergrund gedrängt wird, ist für die britischen Wirlfchastspolitiker von nebensächlicher Bedeutung, ist es ihnen doch nicht möglich, Aegypten ganz zum engl.schen Kolonial­gebiet zu machen.

Denr steh: schon das klägliche Versailles ent­gegen. Heute freilich sind wir erst am Beginn ides Konkurrenzkampfes zwischen der sudanesisaien und ägyptichrn Baumteclllultur. A'er di: Au - Wendungen Englands für die Bewässern.ig des zur Baumteclllultur tauglichen Deiens und d e Ausnukung politischer Situationen, in der sich die engli chen Orient-Diplomaten durch besonde cs Geschick bervortun, bel.h.en. dah Grohbritannien wirklich draus und bixtn ist, die Bäumte llprv- duktion des Sudans so zu steigern, dah sie im nächsten Iahr eine Ausfuhr von 60 000 Ballen gegen 40 000 in diesem Iah' möglich macht. J$ür die fernere Zu tunst g;rt wird errr: viel ach: Stei­gerung erwartet, an deren Spitze schlich ich eine Million Ballen im Werte von 20 003 000 eng­lischen Pfund steh n soll.

Somit ist der Kamps um den Sudan in ferner heutigen Form die deutlichste Voraussage für das Endzicl des britischer. Ringens. Unter solchem Gesichtswinkel betraget, kommt auch das Erschei­nen englischer Kriegsschiffe vor dem ägyptischen Daumwollverladeze ttrum Alerandrien in das rechte Licht. So auc^eihöl' der S u e z ° K a - n a l, der Durchgangsweg der sudanesischen Baum­wolle. für England eine arohere Bedeutung. Punkt 6 des Londoner Ultuna ums beansprucht die Vergröberung des BewäsferungS- gebreteS in der Ebene von G e z i r e h im Su­dan bis ins Endlose. Damit rührt England an einer anderen schweren Sorge Aegyptens, das wohl nicht zu Unrecht die Benachteiligung feiner Daumwollkultur durch die eng- lifch-fudanesifchen Stauwerke befürchtet. Im Kriegsfälle jedenfalls würde die englische Armee im Sudan nicht vor der Dämmung der Rillluten zu ilngunften Aegyptens Halt machen.

Parallel mit diesen Fragen geht das Problem der orientalischen Freiheits­bewegungen. die sich allmählich aus der früher nur auf Die Türkei beschränkten orien­talischen Frage und feit der Proklamierung der Völterrechte sehr zu llngunften des britischen Imperialismus entwickelt hat. Mehr noch als bei uns konzentrier: sich heute das Interesse der ganzen morgenländischen Welt auf Den eng- lifch-ägvptischen Konflikt, ist man doch bis in Die fermsten Teile Asiens an einer Entscheidung über Das künftige Schicksal der unterDrüdtcn Völler interessiert. Der Geist des Illarn steht dem Geist der Knebelung entgegen, ilnö sollte Heuer das Los zeitweillg auch gegen Aegypten entscheiden, so rückt der Orient-Kampf Damit doch einen bedeutsamen Schritt Der Lösung Der Probleme entgegen, Die auch von England als

ernstliche Gefährdung seiner Vormachtstellung im Osten angesehen werden.

Die aegypttsche Krise.

(£in neuer Vertrag zur Knebelung AegyptenS.

London, 27. Rod. (TA.) Das neue ägyp­tische Kabinett ist jetzt vollständig. A m u d M u s a Pascha, der bisherige Oöerrichter am Berufungs­gericht, ist Iustizminister, Ali Gamal Eddin Pascha, der bis vor einem Monat Antsrstaats- feZretär des Innern war, wurde toicDer in sein Amt eingesetzt. Die Räumung des Sudans wird fortgesetzt. Das 4. Bataillon ist ab­transportiert. das 3. Bataillon wird demnächst folgen. Die Engländer sehen die Truppen­transporte nach Aegypten fort. Auch das East Kent-Regiment ist von Gibraltar nach Kairo aufgebrochen. In Kairo ist gegen­wärtig alles ruhig. Die Garnison demonstriert weiter in den Straßen, gestern sogar mit aufge» pslanztem Seitengewehr. In Alexandrien werden zwei Urlaubet des KriegsschiffesDalliant* ver­mißt. Eie sind vor zwei Tagen auf Arlaub an Land gegangen und man befürchtet, daß sie ge* w allsa m entführt wurden.

In Londoner Regierungskreisen hofft man immer noch auf eine friedliche Bei­legung der Krise, ist jedoch über die antienglische Haltung der französischen Presse besorgt. Man betont aber, daß die Ansicht der französischen Presse nicht mit der Meinung der französischen Regierung übereinstimmt, denn Frankreich würde bei einem ähnlichen Dorsall in M a t o k k o mit denselben Mitteln borgegangen sein. Das eng­lische Kabinett hat sich gestern lerneut mit der ägyptischen Frage besaßt. Rach demEvening Standard" beabsichtigt das Auswärtige Amt, die künftigen englisch - ägyptischen Beziehungen in einem neuen Vertrag zu regeln. Aegypten wird als Monarchie weiter bestehen. Eine an­gemessene Autonomie wird ebenfalls zuge- standen. Großbritannien überwacht den Suezkanal. Die Rechte des Sudans sollen so gesichert werden, daß ägyptische Aebergriffe ausgeschlossen sind. Außerdem wird die Einführung einer Presse- zensur in Kairo geplant.

Eine Erklärung giwar Paschas.

Paris. 26. Aov. (211.) Der neue ägyp­tische Premier Ziwar Pascha hat nach der gestrigen Kabinettssitzung dem Vertreter des Petit Parisien" in Kairo im Beisein sämtlicher Kabinettsmitglieder nachstehende Erklärung ab­gegeben: Wir haben die Geschäfte in einem schweren Augenblick übernommen. Das Erbe Zaglul Paschas, des populärsten Man­nes in Aegypten, ist für mich und meine Kollegen eine sehr drückende CBürbe. Wir haben aber angesichts der ernsten Ereignisse, die sich seit der Ermordung des allgemein beliebten Sirdars und fcer Intervention Eng­lands abspielten, es unter Hintansetzung unserer Person für unsere Pflicht geh allen, uns in den Dienst unseres geliebten Königs und des Vater­landes zu stellen. Wir hoffen, daß wir mit Unterstützung der Ration und der Zusammen­arbeit mit König Fuad, der stets ein treuer Hüter der Verfassung war, Abhilfe schaffen und. wie erst heute früh Zaglul Pascha sagte, das retten können, was noch zu retten ist. Wir wollen die Gemüter beschwichtigen. Wir haben im Laufe der letzten Ereignisse viel verloren, hoffen aber, uns mit den Engländern in der Dewässerungs frage zu verständi­gen. Wir rechnen auf das Entgegenkommen der englischen Regierung. Die abendländischen Ko­lonien haben nichts zu befürchten. Ihre Sicher­heit wird respektiert werden. Die Regierung ist entschlossen, im ganzen Lande die Ordnung auf­recht zu erhalten. Wir verfügen über die nötigen Gesetze, und wir sind hinreichend ausgerüstet, um Ruhestörungen engegcnzurtteten. Wir toerben nicht die Popularität Zaglul Paschas erlangen, wir suchen sie aber auch nicht. Wir werden einfach unsere Pflicht tun, ohne uns um Kund­gebungen zu kümmern.

Die Bewässerungsfrage.

Gin amtliches Kommentar zum britischen Ultimatum.

London, 26. Rov. tllDD ) Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, ist ine Forderung Lord Allenbys betreffend die Ausdehnungdes Bewässerungsg'eländes Gezira viel­fach mißverstanden worden. Als vor mehreren Iahren der Plan einer Bewässerung der dortigen Gegend auftauchte, wurde in Aegyp.en dagegen geltend gemacht, daß Die Dammarbeiten am blauen Ril Aegypten denWasservorrat entziehen würden, den es für die Ernten benötigt. Es wurde ein Sachverständigen- fcmitec eingesetzt, i>ai zu dem Beschluß kam, eine derartige Gefahr für Aegypten bestehe nicht. Zu beachten ist dabei, daß während der Hochwasser­zeit ungeheure Wassermengen. die nach wirtschaft­lichem Gesichtspunkt a u f g e ft a u t werden sollten, um in Der wasserarmen Zeit Aegypten ^u bewäs­sern, nutzlos dem mittelländischen Meere zuströ- men. Dieser Verlust würde durch zwei Mei­len langen und stellenweise 90 Fuß hohen Damm bei Makwar verhindert werden.

Der Damm wird nach Fertigstellung durch die Regierung des Sudans und zwar mit Geldmitteln, die von ter englischen Rege- rung garantiert werden eins Der größten Werke der Technik in der ganzen Welt bilden. Den ägyptischen Behörden wurden die e Tatsachen dargelegt, aber in Aegypten mach e sich eine rein auf gefühlsmäßigen M.me tei ge- g ünbete Bewegung gegen Den Plan gel end. Tiefe Bewegung to.ir so stark, daß Allenoy aus freien Stücken der vorläu igen Regelung zu­stimmte. wonach 'Die am Makwardamin aufge­tauchte Wassermenge nur so,grvß sein sollte, daß sie zur Dewäss ru-g von 300 000 2k e 3 aus- reichte, obgleich 3 Millionen für tei Daumwoll-' anbau' bei Gcz.ra zur Verfügung stänken. Die Forderung Alleabys will ledig ich <ir Hi d r is für Die wirtschaftliche Entwicklung des Sudans beseitigen. Die ägyptisch.n Ackerb.uer würden durch die Anlage in keiner Weife der Wasser­menge beraubt werden. Die sie jetzt empfangen.

Optimismus in London.

LonDvn. 27. Rov. (WTD. Funkfprach.) Der parlamentarische Korrespondent desDaily Telegraph" meldet, in hiesigen ministeriellen Krei­sen fei man zufrieden mit der Entwicklung Der Dinge in Aegypten. Der M i nist e r wech sel habe für Die nächste Zeit eine entschiedene Besserung gebracht und man glaube, daß Die Wiederherstellung normaler Zustände nicht lange auf sich warten lassen werde. Die Minister seien der Ansicht, daß die Krise vorüber sei und daß es. wenn es nicht zu neuen Zwischenfällen komme, unnötig sein würde, neue Maßnahmen gegen die Erklärung des Belagerungszustandes zu beschlie­ßen. Der Korrespondent desDaily Telegraph" in Kairo meldet, ägyptische Kreise hoff­ten, daß die brllifche Regierung die Aufgaben des Premierministers durch Abänderung ihrer Forderungen erleichtern werde. Der Ton, Den das neue Kabinett gewählt habe, fei ein entschieden versöhnlicher. *

Der aegyptische Protest ad Scta".

Genf, 26. Rov. (TU.) Die heute in Genf eingelaufene Rote des ägyptischen Parlaments wird vom Völlerbundssekretariat den QUitqlieDem deS Bundeszur Information" überreicht werden. Da bie Rote nicht von Der neuen ägyp­tischen Regierung, sondern vom Parlament abg cf a n Dt ist, wird sie nach dem Völkerbund- patt nicht alsoffizielle Rote" an- gefehen werden. Auch eine evtl. Rote Der ägyptischen Regierung wird nur Dann Dem Völkerbunds rat unterbrlltet teerD.m, wenn Dec von einer im Völkerbund vertrete­nen Macht offiziell bllm VölkerbundSselretariat erngereicht würde.

Frankreichs unfreundliche Kritik.

London, 27. Rov. (WTB. Funkspruch.) .Daily Rews" betont, daß die unfreund­lich e Kritik in Der französi scheu Presse von denselben Blättern ausginge, die schon während Der Friedens-Konferenz und während der Ruhrkrise stets bemüht ge­wesen seien, den meisten britischen Aktionen widrige Beweggründe zu unterschieben. Es könne tjar und deutlich gesagt toejDcn, daß Her - riot und seine Regierung keinen Anteil hieran hätten.

Zurückhaltung der italienischen Regierung.

Rom, 27. Rov. (TU.) Amtlich. Die ita- lienftche Regierung beabsichtigt, im englisch-äeyp- tischen Konflikt Zucüäh Itung zu üben. Sie ver­folgt trotzdem mit größter Qhifmcrfiamfeit Die Vorgänge. Die fich in einer GeAnd abspielen, wo Italien große Interessen hat. Man hofft, daß der Konflikt durch direkte Verhau d- lur.gen zwischen England und Aegypten friedlich beigelegt wird.

Friedensschluß zwischen Spanten und Marokko.

Die Bedingungen Abd el Keims.

Paris, 26. Rov. (TU.) Rach einer Mel- d lng von Der spanischen Grenze, die offenbar der Zen ur erlg n ei it, scheint die spanische R-gie- lung zu versuchen, die unglücklich verlaufenen militärischen Operationen in Marokko durch einen Friedensschluß mit Abd el Krim zu li­quidieren. Dem ehemaligen Deputierten, der mit der offiziellen Sondierung bei Abd el Krim beauf­tragt war, hat dieser nach längeren Verhandlungen folgende Bedingungen für den Frieden gestellt:

1. Anerkennung der Unabhängigkeit der Rifs,

2. Räumung der ganzen spani­schen Zone mit Ausnahme von Me­lilla und Ceuta,

3. Zahlung einer Entschädigung von 20 Millionen Pesetas.

Außerdem soll Abd el Krim die Lieferung einer gewissen Menge Kriegsmaterial ver­langen.

Die Heimfahrt des Generals von Nathufius.

Äbicdcranfuahme des Verfahrens beantragt.

Lille, 27. Rov. (TU.) Di: Mitt il-ni v^n der Begnad gung ds Ge.crcllZ v Rath sius wurde Dienstag abenD d:m b eigen Miliiäc tommanDantcn vom Är cge.ni üft tum tele­phonisch niitg?teilt. Die Rich richt wurde z.inächst g e h e i rn g e h a lt e n. Den General wre se durch Bitschiftsrat v. Rintelen um II Uhr abends übeib.acht. Zugern war der Oberau eh r der Arrestanstalt. Rath:f us nahn di: M t i> lung äußerst gelassen auf und erklärte, d e Be­gnadigung bedeut: einen selbstverständ­lichen Akt der Gerechtigkeit, Di er un­schuldig sei. Um 6 , Uh: g ft ri früh wurde Ra.lh f.us voi^zwei Offizieren in Zivil und zue. Polizeiinspeltoren i m A u 1 o l un -

nach Dem Dahn h o s geb rach l Trnh D:r frühen Morgenstunde sammeltet sch Zuschauer an, die jedoch äußerste Zurück halt in i beobach­teten. Rathusius kam eine halb: 6t jn e vor Der Msahrt des Zuges auf Dem Bahnhof an. E: frühstückte im Wartesaal. Di: f ranzö iicl-e.i Herren warteten LtS zur Abfahrt und grüßtest höflich mit einer stummen Verbeugung, als sich der Zug um 7> , Uhr in B:w g mg setzte. Gestern abend um 7 Uhr laut Rathuftus durch For - bach Der Korrespondmt d:sLokalanze.qers" hotte in Saarbr-ücken eine Unterredung mit Herrn v Ro.thi.sius Der General blchr inlle sich Darauf, mitzuteilen, Daß er von Lille bis Orchies im Ariondisfement Douai zu seiner eigene t Sicher eit von einigen französischen Offizieren begleitet worden sei. Eine Wiede raup nähme des Verfahrens- sei beantragt Heute früh wird Der General seine Weiterreise nach Kassel antreten.

Rechtfertigung des Generals

Berlin, 27. Rov. (LU.) Die offizielle Mitteilung von Der Begnadigung des Gene­rals von Rathusius ist bei der Reichsregierung telegraphisch cingcgangzn. Wenn sich die Dehaup lung desMattn" bewahrheitet, daß Die fran­zösische Regierung das Urteil des Aller Kriegs­gerichtes für objektiv falsch hält, bangt es ganz von General v. Rathusius ab, ob er hat" Revisionsverfahren beim Pariset Kassationshof weitergehen lassen will oDei nicht. Unabhängig davon ist nach Bekanntwerder der Verhaftung des Generals und des Contu- maciam-Urteils aus dem Iahre 1921 auf Grunk des Gesetzes vom 18. Dezember 1919 dein Reichsgericht ein Verfahren geger Den General anhängig gemacht worden, zu Dem bereits eine Reihe von Zeugen ermittelt worden ist. Es wird sich in dem Verfahren vor- aller Welt ergeben, daß Die Ehre Des Gene­rals und fein stets korrektes Verhalten in Feindesland u n a n t a st b a r ist.

Ein weiteres Zeugnis für General von Nathufius.

Liegnih, 26. Rov. (TU ) Dem durch DaS Aller Schandurteil schwer getroffenen General v. Rathusius gilt eine weitere Ehrenerklärung aus Schlesien von einem seiner Feldzugskameraden. Posten im Ausland, aber auch von feiner Ver -- über Die tadelsfreie Ehrenhaftigkeit, Gradheit unb Schlichtheit des verurteilten Generals:Ich habe mit dem damaligen Obersten v. Rathusius zwei Iahre lang in Domange, einem Dorfe vor Bei Dun, gelegen und kann nut sagen, daß ^Oberst v. RaHhusrus Der einfachste bescheiden ste Offizier war, Den man sich nur vorstellen kann. Er hatte überhaupt leine Ansprüche. In feinem Zimmer stanD nur ein Bett und eine Kiste für Tigerchen", feinen Iagdhund. Seine einzige Pas fion war Die Iagd. Es liegt eine Ironie des Schicksals darin, daß gerade dieser Ofsi zier von den Franzosen verhaftet worden ist, von dem es ganz ausgeschlossen ist, dah er auch nur ein Möbelstück zu feiner Bequem­lichkeit von einem Quartier ins ander: mitgenom­men, geschweige denn ein Möbelstück gestohlen habe. Dieser meiner Ansicht wird jeder Angehörige des 6. Reservekorps zustimmen, der die Ehre hat, General v. Rathusius zu kennen."

Der Reichsautzenminister an Frau von Nathufius.

Kassel, 27. Rov. (Voss. Ztg.) Dec Gattin des Generals von Rathusius ist vom Reich'außen- Minister Dr. Stresemann folgeides ^chr iben zugegangen:Wie nunmehr fest^eht, hat ich Die fra zösische Regierung e-ntfchl.sen, dem Gene­ral die Freiheit wieDerzugeben und damit das ihm angetane Unrecht wie­der gutzumachen. Wenn auch Dai Gerichts­verfahren auf die Ehre des Generals keinen Schatten geworfen hat, so ist es doch eine Ge­nugtuung für uns alle, daß, so rasch wie mög­lich, .das förmliche Reha bilitierungs verfahren gesichert teerten konnte. Ich Höfte, daß die (Srinnerung an de sorgenvollen Stunden. Die Sie hoben durchmachen müssen, die Freude des bevorstehenden Wiedersehens nicht beeinttächtigen wird.

gez. Dr. Stresemann, Reichsaußenminister

Der Haushaltsentwurf für 1925.

Berlin, 27. Rov. (TU.) Aus zuverlässi­ger Quelle verlautet, daß die Reichsregie­rung dem Reichsrat den Haushaltsplan ä: das Rechmmgsjahr 1925 vvrgelegt hat. Der (nittour/

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