Ausgabe 
27.10.1924
 
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siertenKomplotts notwendig geworden, um revolutionäre Verbrechen in Bengalien zu unter­drücken. Die gefährliche anarchistische Bewegung sei schon tief eingewurzelt.

Ein ruffisch-japanisches Abkommen über China?

Reuvork, 26. Oft. ($11.) Der Bericht­erstatter derChicago Tribüne" erfährt aus authentischer Quelle, daß Ruhland und Japan einen Vertrag zur Wahrung ihrer gegen­seitigen Interessen abgeschlossen haben. Sn Moskau rechne man damit, daß dieser Ver­trag noch in der laufenden Woche unterzeichnet wird. Der Pakt sei hauptsächlich gegen die Politif der offenen Tür gerichtet, und Tschitscherin hofft, dah Amerika durch ihn ge­zwungen wird, in direkte Verhand­lungen mit der Sowjetregierung zu treten.

DieChicago Tribüne" gibt ferner eine De­pesche auS Konstantinopel w eder, wonach der Dolkstcmm.ssar,für das Kriegswesen Trotz kl gestern das Kaukasusgebiet ve.lieh. um an der chinesischen Grenze den Oberbefehl über die dort zusammengezogenen Sowjettruppen zu übernehmen. De Moskauer Snt.rnat'onale kündig? eine intensive Propaganda, ve b .nden m t der militärischen Dwhang der S^wftts an, um China zu bol- s ch e w i s i e r e n. 50 000 Mann der Kaukasas- armee würden unter dem Befehl Trotzkis eiligst an die chinesische Grenze beordert.

Die französische Armeeresorm.

Nollets Pläne zur Schaffung der bewaffneten Nation.

Paris, 26. Oft. (TU.) Sm »Matin" ver­öffentlicht Jules Sauerwein ein Snterdiew mit dem Kriegsmini st er Rollet, in dem sich dieser über seine Pläne zur Reugestaltung der französischen Armee äußerte. Rollet erklärte u. a. folgendes: Sch sehe, dah man in der Presse vor allen Dingen meine Erklärungen über die Ein­schränkung der militärischen Diensb- p f l i ch t wiedergibt. Sch habe sie aus r ei n militärisch-technischen Gründen vvr- geschlagen. Man muh dem Lande ein festes mili­tärisches Statut geben. Das System der Ver­teidigung darf nichf durch die äuhere Lage oder durch die Bewegung nuferer Bevölkerung umgeworfen werden. De nationale V?r.eidigu g eines Landes stützt slch auf zwei Kräfte: Die erste ist 'die Vorbereitung auf einem Verteidigungskrieg. Dazu g hört die Schaffung der bewaffneten Ration. Sch denke h e.bi hauptsächlich drran, von jetzt ab ein engcs 3- Lmun narbetten zwischen Miss nfchaft und Militär zu schaßen, und zwar derart, dah jede Erfindung zur Stärkung unser er Sicherheit angewandt teirb. @b:n|o müssen die Sndustrie und die Danken be­reits im Frieden zu der Rolle hiitzugozogen wer­den, die sie in einem Kriege spielen. Diese Organi­sation durchzuführen, bedarf es der Snstruk- 1 i o n s a r m e e. Diese muh ebenfalls zu ihrer zweitwichligsten Aufgabe bereit sein, nämlich zur m i litä rischen Ausbildung der Be­völkerung und zum Schirm, hinter dem der Rest der Ration sich mobilisiert. Diese Armee muh auch den Bedürfnissen unserer Kolo­nien entsprechen.

Frankreich und der Vatikan.

Herr Herriot ist rn den ersten Zeiten j einer Ministerpräsidentschaft mit den Repavationss>rgen si> überlastet gewesen, dah er nicht dazu kam, die Mehr parteipolitisch ihm obliegenden Aufgaben zu mfüllen. Er hat zwar, als er sein Amt antrat, bereits erklärt, dah er die alte radikale kirchenfeindliche Politik fortsetzen würde! damals eine überflüssige Festlegung, die nur dazu beitrug, ihn zu belasten und ferne Stel­lung unnötig zu erschweren. Setzt, nachdem er das Londoner Abkommen unter Dach und Fach ge­bracht hat, kehrt er dazu wieder zurück. Er hat im französischen Kammerausschuß durchgeseht, dah die 'Botschaft beim Vatikan mit zwanzig gegen zwölf Stimmen gestrichen wurde and wird auch im Plenum nut feiner Mehrheit diese Forderung durchsetzen. Der Vatikan hat bereits erklärt, dah er die Abberufung des französischen Botschafters als eine Kriegserklärung auf- fassen würde, Frankreich geht also neuen Kul­turkämpfen entgegen, und das ist innerpvli- tisch für Herrn Herriot nicht ganz ohne Bedeu­tung, gerade wegen der Rückwirkungen auf Els ah-Lot bringen, das, in deutschen Tra­ditionen aufgewachsen, ganz andere Auffas­sungen als das freimaurerische Frankreich hat.

Aushebung des Ausnahmezustandes.

Berlin. 25. Ott. (TA.) Der Reichs- Präsident hat den noch bestehenden Aus­nahmezustand aufgehoben. Die für die Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen bisher zulässige Beschränkung der Persönlichen Frei­heit und der Pressefreiheit ist damit beseitigt. Auch das Verbot von Ber­fa mmlungen unter freiem Himmel, sowie von Umzügen ist dadurch aufgeho­ben.

Rachdem bereits im Frühjahr ein Teil der Best immungen des Ausnahmezustandes aufgehv- ben wurden, ist jetzt endgültig die Dersammlungs- und Pressefreiheit wieder hergestellt worden. Ur- spvmrglich, und zwar im Oktober vorigen Sahres, sah sich die Reichsregierung zur Verhängung des Ausnahmezustandes gezwungen, da sowohl staats­feindliche Elemente der äuhersten Rechten als auch der äuhersten Linken am Werke waren. Der militärische Ausnahmezustand konnte aber bald in einen zivilen, den man in die Hand des Reichsinnenministers legte, umgetoanMt wer­den. Aber auch dieser erwies sich bald als über­flüssig und höchst unzweckmäßig, so dah man seine Aufhebung die zwar reichlich spät kommt, doch nur begrühen kann.

Hergis Rücktritt.

Die Deutschnationalen haben die Parteikrise, bee ja doch schon seit der Abstimmung über das Londoner Abkommen auf ihnen lastete, zu Beginn des Wahlkampfes in einer nachahmenswerten Form gelost, obwohl die Gegenlätze bei ihnen sicherlich nicht so groß sind, wie bei den Demo­kraten, und doch jetzt bei den Demokraten bw Partei darüber cnlseinanderbricht. Allerdings war die Ärife, genau genommen, ja nur «ne Par-

Der britisch-russische Konflikt.

London, 26. Oft. (WTB.) Die Sowjet­vertretung hat die bereits mitgeteilte britische Protestnote nach Moskau gefabelt und erwartet unverzüglich Antwort. Wie derStar" berichtet,- hat Macdonald die Rote an Moskau am letzten Dienstag entworfen: hat aber feine Rote an Rakowski nicht abgefanöt, ohne einen voll­ständigen Beweis für d i e Echtheit des wichtigen Dokuments zu haben, das über Riga nach London gekommen ist und im Hauptpostamt von dem Geheimdienst abgeschrieben und photographiert, hierauf wieder versiegelt und an den Zentralausschuh der britischen kom­munistischen Partei weiterbefördert wurde. Weber Macdonald noch feine Minister würden weiter für den Vertrag mit Ruhland oder für eine An­leihe eintreten, bevor nicht volle Genug­tuung für den gegen England verübten Täu­schungsversuch geleistet werde.

*

Die Veröffentlichung des Briefes Sinowjews hat in England unheures Aufsehen erregt und, wie nicht anders zu erwarten war, am Vorabend der Wahlen Liberale und Konservative zu einem heftigen Sturm lauf auf d i e Regierung Macdonalds vereinigt, die sie für die gesamte Aussenpolitik verantwortlich machen und mit den schwersten Vorwürfen über­häufen. Es muh auffallen, dah die Regierung Macdonalds gerade im gegenwärtigen Augenblick mit diesem Brief hervorgetreten ist, zumal sie sich doch selbst sagen muhte, dah er von allen bürger­lichen Parteien zum Gegenstand einer lebhaften Wahlprvpaganda gemacht werden wird. An­scheinend war aber das Vorhandensein dieses Briefes bereits auherhalb' des Foreign Office bekannt geworden, so dah Macdonald es vorzog, Entstellungen von vornherein den Boden zu ent­ziehen.

Wichtiger rft aber wohl die Te wi'ung, dah !dve britische Regerung sich ta.übec klar g w. rden ist, dah die Zeit für ein englisch-rus­sisches Abkommen doch noch nicht an­gebrochen ist und dah durch bic e Veröffent­lichung das Rückzugsmanöver ter englischen Regierung eingeleitet wird. Don einer Fäl­schung dieses Schriftstück, s, wie die Russen es behaupten, fcnrn jedenfalls keine Rede fein, da alle die Staaten, die bisher mit Ruhland in Fühlung traten, die aller chlechtesten Erf hm gen machen muhten. Ga z besonders D e u t f ch l o« n d kann hiervon ein Lied singen.215er auch auf Fran kreich wird die Veröffentlichu g des Briefes Sin wjttos nicht ohne Einw.rlu g blei en, da Frankreich unmittelbavor der A e fen u g

der Sowjet-Regierung steht und ebnen Botschafter in allernächster Zeit nach Moskau entsenden will. Gerade in Frankreich ist heute die Angst vor dem Bolschewismus noch am ausgeprägt­sten, io dah Herr Herriot wegen des Senow er- Driofes noch mancherlei Anfeindungen ausgesetzt sein wird.

Die Veröffentlichungen haben in den eng­lischen Wahlkampf wie eine Bombe eingeschlagen. Die Arbeiterpartei hat eine ausführliche Erklärung zu dem Fall Sinowjew heraus- gegeben, deren wichtigste Punkte sind:

1. Es wird b e ft r i 11 e n , dah das Kabi­nett denBriesveröffentlicht hat,

2. dah ein Deamter des Postamts den Brief abgefangen, photographiert und weitergesandt habe,

3. daß Snftruftionen an die Kandidaten der Arbeiterpartei über den Wahlkampf heraus­gegeben worden seien, wonach sie sich einer Erör­terung der Russenfrage und des Russenvertrages zu e n t h a l t e n hätten.

Der Premierminister wird, wie es heißt, erst Montag nachmittag Gelegenheit neh­men, sich zu der Sachlage zu äußern. Amtliche Mitteilungen sind nicht erfolgt außer einigen auf amtliche Stellen zurückgehende Meldungen der Zeichnungen, wonach an der Echtheit des Driefesnichtzuzweifeln ist.

Die russische Antwort.

Das kommunistische Manifest als plumpe Fälschung hingeftellt.

London, 26. Oft. (Reuter.) Der russische Botschafter Rakowski sagt in feiner Antwort­note: Die Rote des Foreign Office enthalte un­begründete Anklagen gegen die Svwjet- regierung. Er bezeichnet das der Rote bei gelegte kommunistische Manifest in sehr bestimmten Aus­drücken als plumpe Fälschung und einen dreisten Versuch, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verhin­dern. Rakowski bemüht sich, nachzuweifen, dah aus dem Sn halt, dem Kopf und der älnterfchrift des Schriftstückes genau hervorgehe, daß es die Arbeit von ßeuten darstelle. die mit den Satzungen der kommunistischen Snternationale nrcht vertraut seien. Der Snhcrlt sei ein GewebevvnSrnn- widrigkeiten, lediglich dazu bestimmt, dre britische öffentliche Meinung gegen die Sow­jets aufzubringen. Ferner spricht Rakowski dre Hoffnung aus, dah die britische Regierung Schritte unternehmen werde, um festzustellen, von wem das Schriftstück herrühre.

sonalkrise. Aber in der Persönlichkeit Hergts stritten sich eben doch die beiden Richtungen innerhalb der Deutschnationalen Partei. Er selbst hat das eingefehen und sich in vollem Bewußtsein zum Opfer gebracht, um der Partei eine möglichst einheitliche Marschlinie für die Wahlenzu ermöglichen. Wahrscheinlich hätte er bleiben können, beim niemand würde daran ge­dacht haben, ihm ein Bein zu stellen bis die Wahlen vorüber waren. Er wollte aber nur bleiben, wenn er von allen Parteiinstanzen darum gebeten wurde, und 'das ist nicht geschehen. Des­halb zog er sich zurück. Politisch bel^utungsdoll ist noch die Wahl seines Rachfolgers. Man hat versucht, daraus eine Rechtsschwenkung zu konstruieren, ganz mit Anrecht: daß man Herrn Winkler nahm, war vielleicht nur ein Kom­pliment für die preußische LandtaHsfrattion, war aber wohl auch bedingt dadurch, daß er keine Kampfnatur ist, sondern ein Mann des ru­higen Vorwärtsgehens, der deshalb in seiner ganzen Art die beste Gewähr für eine vorsichtige Haltung der Partei bot. Er ist auch sicherlich nur als Platzhalter gedacht. Der eigentliche Rachfolger Hergts wird erst gewählt, wenn nach den Wahlen die Stellung der Deutsch- nationalen zur künftigen Regierung festgelegt ist.

Das Urteil

im Consul-Prozeß.

Die Anträge des Reichsanwalts weit überschritten.

L e i p z i g, 25. Okt. (WTB.) 3m Prozeß ge­gen die Organisation Consul verkündete der Se- natspräsident Riedner folgendes Urteil: Ge­gen Hoffmann, von Killinger, Mül- l e r und Kautter8 Monate Gefängnis, Hen­rich, Schüder, Siebei, Droeren und Mahn 4 Monate Gefängnis, Henkel und Krebs 6 Monate Gefängnis, Weg elin Frei­spruch wegen Geheimbündelei, wegen Waffenbesit­zes 5 Monate Gefängnis, von Abendroth 5 Monate Gefängnis, Freiherr von Zedlitz- Deukirch, Koppe, Stobwasser, Werber und Wehrmann 3 Monate Gefängnis, Eh- renthraut und Viebig 5 Monate Gefäng­nis. Die Angeklagten Klimhsch, Seffner, Fritsch und Anders werden freigesprochen.

Sn der Begründung des Urteils ging der Vorsitzende auf die Entstehung der O. C. ein und führte aus, daß den eh.mraligen Angehörigen der Marinebrigade im Frühjahr 1921 ein stärkerer Zusammenschluß wünschenswert war: auhenpoli- ttsch sei dafür der dritte Polnische Auf­stand und innerpolitisch der mitteldeut­sche Auf st and maßgebend gewesen. Damals schon habe man begonnen, einen Verband zu bilden, der im wesentlichen denselben Vorausset­zungen entsprach, die dann zur Gründung der O. C. führten. Die Organisation habe damals schon eine Zeitschrift, Wicking, beraubgegeben, de­ren Snhalt zweifellos erkennen lasse, daß ein Kampf gegen die Regierung, wenn auch nur in Wort und Schrift, energisch geführt werden sollte. 3m Suni 1921 wurde dann die eigentliche Organisation Consul gegrün­det. Es seien damals die Satzungen besprochen und schriftlichniedergelegt worden. Der Gerichtshof habe sich auf den Standpunkt der Ver­teidigung gestellt, daß die Satzungen damals nur ein Entwurf gewesen seien. Sn bett Satzungen sei aber nur das schriftlich niedergelegt worden, was tatsächlich die Bestrebungen der O. C. waren: sie seien also gewissermaßen ein Riederschlag die­ser Bestrebungen gewesen. Die Satzungen enthiel­ten mehrere Bestimmungen innerpolitischer Ratur. Die Organisation wurde als eine Geheimorgani- fation bezeichnet, die eine Macht werden solle, um im gegebenen Moment zur Stelle zu fein; ein wb)teres Ziel fei der Kampf gegen die antinatio- nale Weimarer Verfassung.

Die Angeklagten seien sämtlich als Teilneh­mer an einer geheimen Verbindung im Sinne des § 128 anzusehen: nur soweit ihnen das subjektive Bewußtsein gefehlt habe, an einer geheimen Ver­bindung teilzunehmen, muhten sie freigesprvchen werden. Sm übrigen sei bezüglich des Strafmaßes zu erwägen gewesen, daß die Verhandlung nicht ergeben habe, ob die O C. etwa hochverräte­rische Pläne verfolgt habe oder eine sogen. Mörderzentrale ggvesen sei Die Erzbeiger- mouber seien aber tatsächlich Mitglieder der O. C. gewesen, ebenso einer der Rathenaumörder und auch die Fäden des Scheidemann-Attentats hätten dorthin geführt. Weiterhin sei zu berücksichtigen getoefen, daß O. C. eine sehr staatsgefährliche Verbindung gewesen sei. Die Angeklagten seien sich dieser Tatsache auch voll bewußt gewesen. Wenn sich einige Angeklagte auf den Standpunkt gestellt hätten der Satzung keine Bedeutung bei» zumessen, so hätten sie etwas sehr Verwerfliches getan: vor allen Dingen hätten sie alle jungen Leute, die sich der Verbindung anschlossen, in den Strudel der Verfehlungen mit hineingezogen. Wenn auch der Vorwurf einer Mörder­zentrale sachlich durchaus unberech­tigt sei, so sei doch durch die Verhetzung, wie sie seitens der O. C. gegen die Regierung getrieben wurde, eine Atmosphäre mit geschaffen worden, in der sich solche Existenzen wie die Erzberger- mörder und die Scheidemann-Attentäter entwickeln konnten. Zugunsten der Angeklagten mußte ge­würdigt werden, dah sie in hervorragender Weise im Dienste des Vaterlandes tä­tig gewesen seien und auch zum'Schuhe der gegenwärtigen Regierung ihre Haut zu Markte getragen hätten. Smmerhin konnte der Gerichtshof diesen Milderungsgiünden nicht überwiegend Bedeutung beilegen, wie dies die Reichsanwaltschaft getan habe, beim der Staatsgeiich shof zum Schutze der Republik habe die Verpflichtung, die Autorität der Verfassung und der Regierung zu wahren: er würde diese Pflicht nicht erfüllen, wenn er.^u derartig milden Strafen kommen wollte, wie sie der ReichSamvalt Vvrgeschlagen habe.

Der Erzbergermörder Schulz geht in die Türkei.

Budapest, 26. Okt. (WTB.) Die Ausweisung des gegenwärttg in polizei­licher Verwahrung befindlichen Erzbergermör- ders Schulz soll bereits beschlossen sein. Er wird wahrscheinlich schon am Montag an die Grenze gebracht,- von wo er die Reise nach der Tütckei fortsetzen kann. Schulz hat, wie er behauptet, Aussicht, als Offi­zier in den Dienst der türkischen Ar­mee treten zu können.

Aus aller Welt.

Schadenfeuer in Hagen.

Hagen, 27. Okt. (TU.) Gestern abend brach in den Bergmann-Elektrizi- tatswerken ein Schadenfeuer aus. Das große Lager, die Bureauräume und em Pri­vathaus wurden ein Raub der Flammen. Sn dem Lager befanden sich elektrische Bedarfs- arttkel, schwere Motoren u. dgl. Als Brand­ursache wird Kurzschluß angenommen.

Schweres Explosionsunglück.

Berlin, 26. Okt. (WTB.) Laut Berl. Lokalanz. ereignete sich in Stvnih, einem pom- merschen Gutsbezirk, ein furchtbares Explo- sionsungluck. Einige Sun gen spielten mit einem leeren Benzinfaß und zündeten dabei ein Streichholz an. Plötzlich gab es eine Explosion. Ein Sunge wurde getötet, ein zweiter wurde schwer verletzt und ein

dritter durch den Luftdruck über den Zaun geschleudert, der vierte verlor einen Fuß.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. Oft 1924.

Ein neues Ortsklaffenverzeichnis für die Beamten.

WTB. Sm Reichsfinanzministerium wurde im Benehmen mit den Ländern ein neues Ortsklassenverzeichnis für di e Be­amten aus der Grundlage der Wohnung s- miete ausgestellt, das dieser Tage im Reichs- besoldungsblatt veröffentlicht wird. Das bishe­rige, aus dem Sahr 1922 stammende Verzeichnis war auf den Teuerungsverhältnissen aufgebaut. Es hat sich nicht bewährt, weil praktisch die Un­terschiede der Teuerung von Ort zu Ort nicht zu erfassen sind und das Verzeichnis mangels einer festen Grundlage nirgends Befriedigung und Be­ruhigung auslöste. Don allen Seiten'wurde da- nrals die Rückkehr zum früheren System des Wohnungsgeldes oerlangt. Insbesondere hat sich auch der Reichstag in mehrfachen Entschließungen für die beschleunigte Einführung eines Orts­klassenverzeichnisses auf der Grundlage der Mie­ten ausgesprochen. Es war beabsichtigt, den gan­zen Fragenkreis im Reichstag zur Erörterung zu bringen. Durch die Auflösung des Reichstages wurde dies verhindert. Da es wegen der fort­geschrittenen Angleichung der Mieten an die Friedensmieten und den weiteren Steigerungen! nicht mehr möglich war, mit der timgeftaltung des Systems noch längere Zeit zu warten, mußte das neue Verzeichnis im Wege der Ermächtigung in Kraft gesetzt werden. Die Unterlagen für das neue Verzeichnis wurden durch Erhebungen in­nerhalb der Beamtenschaft gewonnen. She Er­hebung erstreckte sich insgesamt auf etwa 600 000 Beamte: die Unterlagen sind also denkbar breit und haben es ermöglicht, die Einstufung der einzelnen Orte auf eine durchaus sichere Grund­lage zu stellen. Die unterste Klasse E fällt künftig fort. Andererseits mußte für einzelne Orte eine besondere Klasse geschaffen werden. Herab­stufungen ließen sich bei der Umstellung des ganzen Systems natürlicherweise nicht vermeiden. Sn solchen Fällen werden die Beamten eine be­sondere Entschädigung erhalten. Uebrigens kom­men in zahlreichen Fällen auch, abgesehen von dem Wegfall der Klasse E, Höherstufungen vor. Gleichzeitig mit dem neuen Verzeichnis gelangt eine neue erhöhte Wohnungsgeld­skala zur Einführung, die das Wohnungsgeld den zu ertoartenben Mietsteigerungen anpaht. Mit den Beamtenverbänden ist es leider zu einer Einigung nicht gekommen, da die Verbände trotz der Mangelhaftigkeit des bisherigen Verzeich­nisses für die Beibehaltung des alten Systems waren.

Weitere Ermäßigung der Fernsprech­gebühren ?

Wie derDeutsche Handelsdienst" von amt­licher Sette erfahrt, besteht bei der Reichspvst- verwaltung die Absicht, über die ab 1. Dezember bereits erfolgte Herabsetzung der Fernsprech­gebühren hinaus eine weitere Ermäßi­gung vorzunehrnen. Ebenso ist damit zu rechnen, daß die S ch e ck g e b ü h r e n. die schon in letzter Zett herabgesetzt wurden, demnächst voraussichtlich eine weitere erhebliche Ermäßigung erfaßen können. Diese Maßnahmen werden durch die zur Zett etwas fluftigere ©elblage der Reichs­post erlaubt.

Die Reichs-Teuerungsziffer.

Die Reichsindexziffer für Lebenshal­tungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) ist für den 2 2. Oktober nach den Feststellungen des Sta- ttsttschen Reichsamtes gegenüber der Vor­woche unverändert geblieben. Sie be­tragt das 1,23fache der Vorkriegs­zeit.

Bornotizeu.

Tageskalender für Montag: Schühenverein: 8 älhr im Schühenhaus Herbst-Ge­neralversammlung. Sozialdemokratische Partei: S1^ Uhr Turnhalle Oswaldsgarten öffentliche Versammlung. Rundfunkhaus Löberstr., 8.30 Ähr: Sinfonie-Konzert. Lichtspielhaus Bahn­hof str.:Auferstehung". Hess. Dilderbühne: Aus afrikanischen Sagdpsaden."

Der Frauenmissionsverein, eine der ältesten kirchlichen Vereinigungen Gießens, nimmt feine regelmäßigen Zusammenkünfte, die alle 14 Tage ftattfinben, am D ie nstag wieder auf. Es ist erwünscht, dah alle Frauen, die sich der Pflicht der Heidenmission mrd des Segens derselben für unser Doll bewußt sind, sich ju* sammenschließen und an den Zusammenkünften des Frauemnissivnsvereins teilnehmen (siehe An­zeige). a

* Zum Kreiswahlleiter desWahl- kreises Rr. 33 Hessen-Darmstadt bei der Reichstagswahl hat das hessische Gesamt­ministerium den Ministerialrat Bornemann in Darmstadt, zu seinem Stellvertreter den Lega- tionsrat Heinemann in Darmstadt ernannt.

** Falsche 5 0 - R en te n m a rk-Schr i ne. Seit längerer Zett werden in Baden und Württem­berg falscheRentenbankschsinezu bOReittcnmark tu Verkehr gebracht, die von den echten Scheinen er* heblich abweichen und deshalb bei einiger Auf­merksamkeit leicht zu erkennen sind. Der grüne Stofsauflauf auf dem rechten Teil der Vorderseite der echten Scheine, in dem die Fasern eingebettet liegen, ist bei den Falschstücken durch Aufträgen eines schmutzig-grauen Tones nachgeahmt, indem die Fasern durch farbige Striche angedeutet sind. Hin und wieder sind auch einige Fasern aufge­klebt. Das Wasserzeichen (Kreuz- und Ring­muster), das sich bei den echten Roten deutlich über den ganzen Schein erstreckt, ist bei den!Falsch- stücken durch einen fettartigen, bald schwächeren, bald stärkeren Aufdruck auf die nichtbedruckten Teile des Scheines vorgetäuscht. Außerdem er­scheint das llntergrunbmufter der Vorder- und Rückseite und die Wertzahl 50 in der Mitte Und auf dem Rande der Vorderseite undeutlich und verschwommen. Rur wenn das Publikum auf die angegebenen Merkmale achtet und beim Vorkom­men eines Falschscheines der Polizei sofort Rach- richt gibt, kann den Fälschern ihr Handwerk ge­legt werden.