Ausgabe 
26.4.1924
 
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cun« « »vracht hat. Franrreuy nxa also die tn den Eutachten Mrgcicgten Grmllrsätze zu seinen Gunsten im Interesse seiner impeNinlistischenRhein­politik in ihr Gegenteil verdrehen. Die von den Sachverständigen al8 Voraussetzung für die Ausführung ihrer wirtschaftlichen Konklusionen geforderte Befreiung der besetzten Gebiete von den Militärlasten, die Wiederherstellung dec wirt­schaftlichen Einheit Deutschlands will Frank.eich von der vorherigen Durchführung dieser Konklusionen abhängig machen, also mit anderen Worten, das Pferd beim Schwanz aufzäunen. Deutschland soll zunächst einmal die erforderlichen Gesetze und Verordnungen erlassen. Dann müßten erst die Emissionsbank und die Reichseisenbahn» gesellschaft gegründet werden, dann die Hypothek oer deutschen Industrie errichtet werden, fchließ- lich die verlangten neuen Steuern ausgeschrieben werden. Wenn so Deutschland eklatante De- weise seines guten Willens gezeigt hat. dann, ja dann Kime man weiter reben, aber nicht etwa über eine Räumung deS Ruhrgebiets, keineswegs, nein, einzig und allein über den Aus­tausch des wirtschaftlichen Ruhrpfandes gegen ein anderes Kontrollsystem. Dste franzosiiche Phantasie ist im Er innen immer intensiverer Kon­trollmittel unersätllich Porncare will das in dem Gutachten offen gelassene Problem der Ga­rantien und Sanktionen von neuem aufwersen, um endlich das langerstrebte interalliierte Ab­kommen für einen gemeinsamen Vormarsch unter Dach zu bringen, im Falle Deutschland die ihm ouferlegten Bedingungen nicht erfüllt. Also wie­derum ein Schrecken ohne Ende, ein neues fein­maschiges Retz von Sanktionen, das in der ent­schlossenen Hand des Pariser Gladiatoren zu einer furchtbaren Waffe wird. In der ursprüng­lich als vssizielle Antwortnote gedachten3a- fl ruf tim für Darthou verlangt Poincare über­dies, daß die ReparationStommission ein präzises und vollkommenes ReparationsProgramm auf dec Grundlage der Sachverständigenberichte ausardeite. Dem Deutschen Reiche müßten dann seine Verpflichtungen bekanntgegeben werden, den alliierten Regierungen die Punkte bezeichnet werden, über die diese noch zu verhandeln hätten.

Für Macdonald stellt sich das Problem naturgemäß wesentlich anders dar. Er wünscht die politische Atmosphäre von jedem Mißtrauen zu reinigen, das bisher den Verkehr Zwischen ; Deutschland und seinen Gläubigern b<mf der fccm- zösi chen Einstellung so unheilvoll vergiftete. Des britische Kabinett will die Gutachten en b Io - angenommen wissen und so rasch wie möglich in Wirksamkeit gesetzt sehen. Die Frage der Sank­tionen kann nach englischer Auffassung erst dann zur Debatte gestellt werden, wenn tatsächliche deutsche Verfehlungen vorliegen.

In seiner großen Rede vor der LabvurPartei in Vvrk hat Macdonald das erlösende Wort ge­funden, das ihn allerdings von seinem Pcrrsier Kollegen fast unüberbrückbar scheidet.Wenn totr aufhören, als Kerkermeister zu handeln", sagte der Premier,dann können die von Deutsch­land gegebenen Bürgschaften angenommen wer­ben. Laßt uns zu Deutschland sagen: wenn ihr erklärt, daß ihr diese Berichte annehmen werdet, dann werden wir euch bei eurem Wort nehmen. Wir haben keinerlei Vorbereitungen getroffen, um irgend einem Verzug auf eurer Seite zu begegnen. Wenn ihr nach dieser feier­lichen Verpflichtung in Verzug geratet, bann werden wir unseren Alliierten näher stehen als je und wir werden auf das Ergebnis warte, . Aber wir vertrauen euch.

Es wird schwer fein, den französischen Staatslenkern und dem französischen Volk Rar Zu machen, daß nur diese Atmosphäre des Ver­trauens, die Macdonald verlangt, es Deutschland möglich macht, die ungeheuren Lasten aus sich zu nehmen, die die Sachverständigen-Gutachten ihm zumuten.

Wiederum ist es Belgien, das den Ver­such unternehmen will, zwischen den beiden so di­vergenten Auffassungen seiner großen Alliierten zu vskinitteln, während Mussolini offenbar die Sache auf sich zukommen lassen will. Die bel- Sischeä Staatsmänner Theunis und der neue luhenminister Hymans wünschen eine inter­alliierte Ministerzusammenkunst. In den Fragen einer Räumung des Ruhrgebiets und einer Locke­rung des wirtschaftlichen Drucks nähert sich ihr Standpunkt bedenklich dem französischen. Das er­schwert natürlich ihre Vermittlerrolle außeror­dentlich. -Man kann nicht gut in den ausschlag­gebenden Problemen die Meinung des einen Kontrahenten vollkommen teilen und dann glau­ben, durch einen gelinden Druck denselben auf eine mittlere Linie mit dem anderen bringen zu wollen.

Was die belgischen Minister vor allem ver­anlaßt hat, diese Sisyphusaicheit zu übernehmen, ist die Aussicht auf eine amerikani­sche Anleihe für Deutschland. In einer Rede auf dem amerikanischen Pressebankett, die nebenbei als Auftakt zu der kommenden Wcchlschlachl in den Vereinigten Staa.en be­merkenswert war, hat Präsident C o o l i d g e die

VteWMWWs-khsii.

Ein Roman auS dem 21. Iahrhundert von HanS Dominik.

80. Fortsetzung (Rachdruck verboten.)

Hin die Mittagsstunde war die Kälte so ge­stiegen, daß jeder Weitermarsch zur Hnmögllch- teil wurde. Schon seit Stunden säumten dis fort- geworfenen Waffen die breiten Heerstraßen. Die Hände der abgesessenen Berittenen vermochten Nicht mehr die SNel zu Leiten. Führerlos zer­streuten sich die Tiere über die Ebene.

Hetzt lösten sich die letzten Bande jeder Ord­nung. Es bedurfte nicht mehr des Befehles, Hoh aas den Wäldern zu holen und Feuer an- -uzünden. Instinktmäßig strebten die Massen von 6er kahlen Straße fort zu den Gehölzen. An Ort unb Stelle, dort, wo die erstarrten Arme nach einen Stamm zum Fallen brachten, entzündeten sie das Holz und drängten sich in wildem Kampf ums Leben an die rettende Wärme.

Tvghon-Khon ritt allein auf der verlassenen Heerstraße vorwärts. Riemand folgte ihm mehr. Die todbringende Kälte hatte alle Bande der Treue und des Gehorsams zerrissen.

Mit gebeugtem Haupte ritt er vorwärts. Er s»ah nicht die Haufen Sterbender und Gestorbener zu beiden Seiten der Straße. Er sah nicht die weggeworsenen Waffen. Er sah nicht die slecken-- gebliebenen Geschütze. . . auch nicht die bren­nenden Fahrzeug» und die irrenden Tiere.

Der schneidende Wind zwang ihn, die Lider halb zu fchüeßen. Die dunkle Glut seiner Augen war erloschen. In ihrem starren Blick lag mchts «ehr von der Energie des Welteroberers, des

Bellinzona, 25. Aprll (WB.) In der Stadt herrschte schon um 1 Hhr mittags ein außer­ordentlich reger Verkehr anläßlich der durch die Gemeindebehörden veranstalteten

Srauerfeier für die Opfer der Eifenbahn­katastrophe.

Aus den meisten Häusern wehten Trauer­fahnen: die Gäben waren ohne Ausnahme geschlos­sen. Der Trauerzug verließ um 1 Hhr 30 das Spital von Bellinzona. Den drei Leichenwagen ging eine Abteilung Feuerwehrleute und Poli­zisten, sowie Bischof Monsg. Bacciarini, be­gleitet von der gesamten Geistlichkeit der Stadt voraus. Auf dem ersten Wagen befand sich ein Sarkophag mit den LeichenDr. Helfferichs und seiner Mutter: auf dem zweiten Wagen die sterblichen Lieberreste der identifizierten Opfer, und auf dem dritten Wagen diejenigen der bis jetzt noch nicht erkannten Leichen. Sämtliche auslän­dische Konsuln, die Tessiner Regierung und die Gemeindebehörde in corpore, Vertreter des Großen Rates, des Gemeinderates, eine Gruppe mit 25 Fahnen, die Gemeindeschule, die kantonale Handelsschule, Vertreter der Vereine, die Tessiner Studentenschaft und eine Volksmenge von ca. 4000 Personen bildeten den langen Trautezug. In der Kathedrale zelebrierte der Bischof die religiöse Feier.

Bei den TrauerfeierllchLeiten hielten u. a. auch der Bürgermeister von Bellin­zona und der deutsche Generalkonsul ht Lugano, Francken, Ansprachen. Der Bürger­meister gedachte besonders Helfferichs als eines glühenden Vaterlandsfreundes, und der deutsche Generalkonsul verlieh der tiefen Beweg­ung über daS allgemeine Mitgefühl, das keine Landesgrenzen kenne, Ausdruck Reben dec Wi we nahmen an der Stau er feier die drei Brüder Helf- serichs und der Schwager des Verstorbenen, Kon­sul A s ch m a n n, teil. Außer den Telegrammen des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, des preußischen Ministerpräsidenten, des Reichsfinanz- Ministers und des Ministers für die besetzten Ge­biete, Hvesle, waren zahlreiche Beileidstelegramme aus Deutschland und dem Auslande eingetroffen. Prinz Eitel Friedrich, Staatssekretär a. D.

Wahnschaffe, der frühere Botschafter Mühl­berg und andere Persönlichkeiten, die sich in Tessin oder in Oberitalien befanden, statteten der Familie Helfferich Beileidsbesuche ab.

Die Särge Helfferichs und seiner Mutter wurden am llkachmittag nach Zürich geführt und sollen von dort nach Mannheim gebracht werden, wo hie Beisetzung Mitte nächster Woche vacauS- sichtlich stattfinden wird. Bundesrat Ha ab und der Generaldirektor der schweizerischen Eisen­bahnen statteten der Familie Helfferich ebenfalls Beileidsbesuche ab.

Die Haltung der gesamten Tessiner Bevölke­rung war während der imposanten Trauerfeier­lichkeit eine äußerst würdige. Ganz Bellinzona nahm an der Trauer der Hinterbliebenen teil, denen zahlreiche rührende ^weise des Mitge­fühls entgegengebracht wurden.

Das Beileid der deutschen Reichsbahnleitung.

Berlin, 25. April. (Wolff.) Reichsver- kehrsminister O e s e r richtete anläßlich des Eisen- bahnurgl_cks in Bellinzona an den Gene­raldirektor der Schweizer Bundes­bahnen in Bern, Schrasl, folgende Beileids- depesche: Mit tiefftem Mitgefühl erfahre ich von dem schrecklichen ilnglüd, das die Schweizer Bundesbahnen durch den Unfall In Bel­linzona betroffen hat. Mit Ihnen beklagt die deutsche Reichsbahn die schweren Opfer, ole es gefordert hat und versichert Sie ihrer wärmsten Teilanhme. Reichsverkehrsminister O e s e r, Ge­neraldirektor der deutschen Reichsbahn.

Ein wichtiges Ausklärungs- mittel über die Grenze.

Bellinzona, 26. April. (WTB.) Im Gegensatz zu früheren Meldungen steht nunmehr fest, daß der Gepäckwagen, in dem das Gepäck der getöteten und verletzten Reisenden aufbewahrt ist, nicht in Bellinzona zurückgehalten wurde. Er hat im Gegenteil die Grenze am 23. Aprll passiert. Die Iden­tis i z i e r u n g der Reisenden ist dadurch be­deutend erschwert.

Die Trauerfeier in Bellinzona

Aussichten für umfangreichi? deutsche Kredite auf dem amerikanischen Geldmarkt als aussichtsreich bezeichnet und das private Kapital geradezu er­muntert, sich an einer Reparationsanleihe zu beteiligen. Im Gegensatz zu den europäischen Ländern ist Amerika an Gold übersättigt. Es muh diesen Goldübecfluß im Ausland unterbringen, um auf dem eigenen Markt wieder zweckent­sprechende Geldve.hättnifse zu schaffen.

So srnd die Aussichten für eine Lösung des Repa ratwnsprvblems auf ©runb der Sachver­ständigengutachten nicht ungünstig. Es kommt nun alles darauf an, Frankreich in die Atmosphäre des Vertrauens hineinzuzwingen, die der britische Premier mit Recht als eine unerläßliche Voraus­setzung für eute allen Parteien gedeihliche Lö­sung bezeichnet hat.

Belgiens Antwort.

Brüssel, 25. April. (Agence (Beige.) Theunis und Hyman s haben an den Vor­sitzenden der Reparattonskommission ein Schreiben gerichtet, in dem sich die belgische Regierung unter Anerkennung der hohen mora­lischen Autorität den einsttmmigen Beschlüsse der Sachverständigenberichte bereit erklärt, sich die praktische und gerechte Regelung der Reparations­frage zu eigen zu machen. Die belgische Re­gierung zählt daraus, daß die Reparationskom- mifsion die von der deutschen Regierung ihr zu unterbreitenden GeseheundDekrete, welche die vollständige Durchführung des Sachverftän» digen-Planes sichern soltten, eingehend prüfen werde: sie gebe ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die Reparattonskommission alle Maß­nahmen dorbereiten werde, deren Durch­führung ihr der Eachverständigenbericht überlasse, damit der von den Sachverständigen anempfohlene P an unverzüglich und in gemeinsamer Ar­beit der alliierten Regierungen zur Ausführung kommen kann. Eine halbamtliche Mitteilung der Ha dasage ntuc bestätigt, daß

die belgischen Minister Theunis und Hymans den Montag in Paris verbringen

werden, um Verhandlungen mit der französischen Regierung zu führen. Die Verhandlungen wür­den sich natürlich vor allem auf die Reparalions- ftage beziehen. Die französische R^irrung scheine der Ansicht zu sein, daß die Repcrcationslom* Mission vor allem die Schlußfolgerungen der Sachverständigen auSarbeiten müßte, und daß ein Meinungsaustausch zwi chen den alli­ierten Kabinetten inzwischen provisorisch ver­tagt werden könne. In gewissen alliierten Krei­sen, namentlich auch in Brüssel, g'au'. t man jedoch, man könne sich sofort über die wichtigen Fragen

verständigen, über die die Reparationskommission sich nicht aussprechen könne. DasCJoumal des Debats" glaubt auch daß während der Anwesen­heit der belgischen Minister einige neue aus­schließlich belgisch - fvad.i.che Interessen be­sprochen werden sollen.

Der Industrie- und Sandelstag zu den Gutachten.

Berlin, 25 Aprll. (WTB.) Der Vorstand des Deutschen Industrie- und Handels­tages hat heute in einer Sitzung zu dem Gut­achten der Sachverständigen Stellung genommen und einstimmig eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Obwohl die Sachverständigen die ungeheure Verarmung Deutschlands unter­schätzen und seine Leistungsfähigkeit erheblich überschätzen, ist der Deutsche Indu­strie- und Handelstag ebenso wie die Reichs­regierung der Auffassung, daß Deutschland grundsätzlich an den Plänen des Gutachtens der Sachverständigenkommission Mitarbeiten muh. Dabei müssen unbeschadet anderer noch zu äußernder Wünsche folgende Forderungen durch­gesetzt werden:

Die militärische Besetzung deutscher Gebiets­teile darf mtr innerhalb der Grenzen des Der- sailler DertrageS stattfinde». 3m ganzen deut­schen Hoheitsgebiet muß die volle wirtschaft­liche Souveränität des Deutschen Reiches wie­derhergestellt werden.

Die verhafteten und ausgewiesenen deutschen Staatsbürger müssen ihre Freiheit bzw. die Ge­nehmigung zur Rückkehr in die Heimat erhalten. Die vorgesehenen Kontrollinstanzen dür­fen lediglich zum Zwecke der Vereitstttlung der wirtschaftlichen Leistungen aus dem Vertrage an­gewendet werden. Die für die Sicherheit der Kriegslasten keineswegs erforderliche Gestal­tung der Eifenbahnverwaltung muh eine grundlegende Wandlung erfahren. Der Einfluß des Auslandes auf die geplante neue Goldbank muß grundsätzl ch ferngehalten und die Tätigkeit des Kommissars auf die Heber- wachung der Rotenausgabe beschräntt werden.

Anleiheverhandlungen.

Paris, 26. April. (WTB.) Heber die gestrige Vormittagssihung der Reparationskom­mission ist ein Communiqrte ausgegeben worden, wonach die Antworten der französischen, der bel­gischen und der englischen Regierung auf das Schreiben der Reparationskommission vom 17. April zur Kenntnis genommen worden sind. Die

Siegers ... Es war der Blick eines TiQgeweih- len . . . eines Toten.

Ein Surren in seinem Rücken brachte Be­wegung in die eisigen Züge. Die Starrheit wich. Die Augen öffneten sich. Ein leichter Glanz belebte sie. Tvghon zügelte fein Raß und hob die Hand.

In gestreckten Spiralen sank das Flugschiff zu ihm nieder. Es tixir derselbe schnelle Kreuzer, der ihm die Meldung aus dem Hral gebracht hatte. Er hatte ihn nach rückwärts geschickt mit dem Befehl, schnellstens alte verfügbaren Dhno- tbzrmmengen in Transportschiffen he.anzubrin.-ea. Es hatte ihn, als er den Befehl gab, nod> ein leises Fünkchen Hoffnung bewegt, mit Hilfe der wärmenden Kraft des Dtznctherms den tückischen Anfall des Gegners zu parieren.

Zwar war er sich über das Wie nicht llar. Aber er klammerte sich an diese. . . die letzte Hoffnung. Vielleicht, daß der wärmespendende Stoff, längs der Heerstraße ausgestreut, die Külte so weit paralysierte, daß ein Weilermarsch mög­lich war. . . Aber was wußte der Mongolen- feldherr von der unangreifbaren Gewalt feiner Gegner?

Das Fkugschiff stand neben ihm. Reubelebt glitt er vom Pferd und sprang in das Schiss. Automatisch schlug hinter ihm die Tür ins Schloß. Die toobtige Warme, die ihn hier umgab, wollte ihm im ersten Moment den Atem rauben. Zu groß war der Gegensatz zwischen dem todbringen­den Frost da draußen und der belebenden Tem­peratur hier drinnen.

Gr sank in einen Sessel. Endlich rang sich die Frage von seinen Lippen:

.Ist der Befehl ausgeführt?-

.Er ist ausgeführt, Hoheit. Die Schiffe sind auf dem Wege."

.Wie wett sind sie?"

Dor morgen werden sie nicht hier fein können."

Mit einem Sprung stand Doghon-Khan vor dem Sprechenden.

Morgen? . . . Morgen! . . . Heute noch müssen sie hier sein!"

Der Angeredete erblaßte vor den wutblihen- ben Augen des Regenten. Rur stotternd tarnen die Worte seiner 2btttt>ort

Zu lang . . . zu lang ist der Weg. . . Hoheit ... Dre Arbeit der Schisse, Dynotherm zu streuen, muß schon weit hinten an der Ostgrenze der Dsungarei beginnen . .

Die Zähne des Regenten gruben sich ttef in seine Lippen.

So weit . . . reichte die Hand des Feindes?

Die Hälfte muß es dort tun! Die anderen Schiffe sofort nach vorn! . . . Bevor die Dämme­rung kommt, müssen sie hier sein! . . . Geben Sie telegraphischen D.fehl. Hnser Schiff mit voller Kvafttnach vorn zum Eaisan-Ror!... Mittckhöhel

Langsam fließ, das Schiff vom Boden ab. Dom Stern des Fahrzeuges aus sah der Regent auf die verlassene Straße. Kein lebendla"s We en auf ihr. Rur sein Pferd, das treue Tier, stand regungslos mit erhobenem Haupte, dem wcg- ziehenden Schiffe nachschauend. Durch öie dichten Scheiben hindurch vermochte das Ohr des Re­genten nicht das laute, klagende Wiehern zu hören. Sein Auge las es aus den bebenden Lippen des Tieres. Sein Auge blieb darauf ge­heftet, bis es seinen Dlicken entschwand. . . Die letzte Treue, die sich ihm zeigte.

Mrrworr Der rrarrenycyen Titegterung wird morgen erwartet. Sobald sie eingetroffen ist, werden bte vier Schriftstücke veröffentlicht werden. Die Re- parationskomrmfiion hat ferner den frarizösischen Delegierten Darthou und den englischen Dele­gierten Sir Hohn Dradburh gebeten, sich verschiedenen Persönlichkeiten der Finanz­welt in Verbindung zu setzen, um deren Mei­nung über die Entschließungen der Sachverstän­digen und die Möglichkeiten der Verwirklichung ihrer Pläne kennenzulernen. Darthou und die Führer dec alliierten Delegationen der Repa- rationskommission sowie der amerllanische Be­obachter Logan sind daraus gestern abend mit

Pierpont Morgan

bei Gelegenheit eines Diners, das ihm zu Ehren gegeben wurde, zusammengetcossen, und haben seine Ansicht über die Möglichkeit der Verwirk- lichung des Planes der Sachverständigen ein­geholt. Die Besprechungen sollen heute fortgesetzt wecden. Rach demEcho de Paris" werden heute auch Verhandlungen mit dem englischen Finanz­mann Montague Ä o r m a n ausgenommen wer­ten und nach Meldungen desMattn" kann an­genommen werden, daß Verhandlungen mit den Finunzleuten anderer Staaten folgen werden, um Aufklärung zu erhalten über die Möglichkeiten dec Platzierung der nach dem Sachverständig en- bericht vorgesehenen ersten Anleihe von 800 Millionen Goldmark. - -

Die Ohnmacht des Völkerbundes.

® e n f, 25. Aprll. (WTB.) Im Völkerbunds-' fehetatiat traf ein Telegramm der deutsch« Kolonialgesellschast. Abtellung Magdeburg, uni ein Telegramm des Präsidiums dar kolonialer Reichsarbeitsgemeinschast ein, in denen gegen dar Raub bet deutschen Kolonien als Bruch dar vor dem Wassenstlllstand erteilten Zusicherungen pro­testiert und erklärt wird, daß das gesamte deutsch« Doll die Rückgabe der Kolonien fordere und nicht vasten werbe, als bis der unrechtmäßig entrissene Kolonialbesitz zurückarstattet sei. In den Kreisen des Dölkeebundssekretariats ist man bet Ansicht, daß es sich! hier um einen Protest gege n de n Versailler Vertrag handele, der -an die Signatarinachte zu richten wäre, für den bei Völkerbund aber nicht zuständig ist, Da es sich weder um einen Appell von Minder­heiten noch um ein Revisionsbegehren eines Mit- gttedstaates handele, sei der Völkerbund nicht zu- flänblg und es käme daher nur eine einfache Empfangsbestätigung in Betracht.

Die Entschädigung

der deutschen Ansiedler in Polen.

G e n f, 25. Aprll. (WB.) Die Beratungen bei Minderheitskom.tees des Völkerbundsrats in Paris Über die Frage der Entschädigung der deutschen in Polen enteigneten Ansiedler haben vorläufig zu einem Abschluß geführt. Danach wird der polnischen Regierung die Zahlung einet Pauschalsumme an die Ansiedler vorgeschla­gen, über deren Höhe ein Sachverständiger des Minderheitskomitees sich mit der polnischen Regie­rung nach Anhörung der Vertreter der Ansiedler verständigen soll. Man erwarte die Antwort der polnischen Regierung auf diese Vorschläge. Gleich­zeitig wird hier bekannt, daß die neuen deutsch­polnischen Verhandlungen über die S t a a t s a n - gehörigkeitsfrage am 28. April in Wten unter dem Vorsitz des Präsidenten des Schieds- hofeS für Oberschlesien, Kakenbeek, beginnen werden.

Der Plan einer württembergischen Tscheka.

Stuttgart, 24. Aprll. (WB.) Das gegen bte am 28. 2. verhafteten Kommunisten eingekt at« Ermittlungsverfahren ist nunmehr zum Abschuß gelangt und hat folgendes Ergebnis gezeitigt: Sieben der fest genommenen Pacsvnan bildeten unter Füh.amg eines Russen, der angeblich Go- re fs helftt, eine Tschekagruppe der KPD. und hatten den Auftrag, Verräter innerhalb der Partei und besonders gefährliche Gegner durch Mord zu beseitigen. Goreff wurde in Berlin verhaftet. Hnter dem beschlagnahmte» Material fanb man große Mengen von Spreng, stoffen unb Dumdumgeschossen sowie Alten- tatspläne gegen General von Seeckt und den württembergischen Minister des In­nern Bolz.

Kleine politische Nachrichten.

Wie verlautet, wird die Plenarversammlung des hessischen Landtags nicht vor Mitte oder Ende Iuni zusammentreten.

Die Potsdamer Stadtverordnetensitzung wählte Bürgermeister Arnold Rauscher auf zwölf Jahre zum Oberbürgermeister. Rauscher ist feit 1914 Bürgermeister in Potsdam und ge­hört polttifch der Deutschnationalen Partei an.

Mit schweren Schritten drehte er sich um und trat am den Bug des Kreuzers. Dec hatte jetzt Höhe getoennen und schoß in schneller Fahrt vorwärts. Das Auge des Regenten haftete am Außenthermometer. Mit düstere n Gesicht verfolgte er das langsame, aber unaufhörliche Fallen des Zeigers.

40 Grad... 40 Grad unter Rull!

Sv stand der Zeiger, als er ihn das erste Mal betrachtete . . . Oetzt war er schon auf 46 ge­sunken. Kitemeter auf Kilometer stieß daS Schiff nach vorn . . . und mit jedem Kllometer fiel der Zeiger.

Schon lag In nebliger Ferne der Kesiel des Saisaw-Ror. Sprunghaft fiel jetzt der Zeiger. Dom langen Hinstarren schwammen die Augen das Tvghcm-Khan. Mit diesem furchtbaren Sin­ken des Zeigers sank jede Hoffnung in Ihm, Ohne zu denken. . . ohne zu fühlen, starrte er auf den Apparat.

Ein schwerer Stoß, der das Schiff seitwärts traf, brachte ihn ins Wanken. Er packte den Fenstergriff unb hielt sich aufrecht. Das Schiff lag schwer nach Dackbord über. Er hörte wie durch Rebel, wie der Kornmandant den Befehl gab, höher zu (teigen. Er glaubte die Erschütte­rung der mit äußerster Kraft arbeitenden Trieb- schrauben zu spüren.

Dann drehte das Schisst in neuem jährn Ruck ganz nach Dackbord um

Dvlle Kraft aufwärts!"

Der Befehl des Kommandanten klang an fein Ohr.

(Fortsetzung folgt.)