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Nr. 173
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Erstes Blatt
17^. )ayrgang
zrenag, 25.3111t 1924
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Polen an der Arbeit.
Aus Oberschlesien schreibt man uns:
Die Anberaumung von Rachwahlen im ober schlesischen Wahlkreis hat hier bei den deutschen Parteien noch kein hörbares Echo gefunden. Alm so geschäftiger machen sich die Polen bemerkbar. Daraus möge man auch im übrigen Reich erkennen, daß es sich um hartumkämpftes Grenzgebiet handelt, wo ein nochmaliger Wahlkampf stattfinden soll. Kaum war der Beschluß ,des Wahlprüsungsgerichtes bekannt geworden, als das Berliner Polenblatt, der „Dziennik Derlinski", seine Propagandafanfaren lvslieh, um nrit allen nur möglichen agitatorischen Mitteln die Auftncrk- isamkeit der polnischen Organisationen in Deutschland — und die Polen verstehen es, sich zu organisieren! — auf Oberschlesien zu richten. Zurück- greifend auf das Wahlergebnis vom 4. Mai wurden als charakteristische Merkmale seitens des Polen organs eine Zunahme der kommunistischen Stimmen von 37 Oll auf 125 408, ein Rückgang der Sozialdemokratie von 75 574 auf 24 795 irnd weiter ein polnischer Stimmenrückgang von über 50 OOO auf 48 264, d. h. um 2000 Stimmen, festgestellt. Den polnischen Stimmenverlust schob maa dem deutschen „Terror" zu — natürlich, überall hat der deutsche „Hakatismus" mit seinen „kreaz- ritterlichen" Methoden die Hände im Spiel! —, nicht zuletzt aber gedachte man auch der Kommunisten! In den Industriebezirken erlitt man im Mai „empfindliche Verluste", während sich in den landwirtschaftlichen Bezirken „eine beachtenswerte Zunahme der polnischen Stimmen (im Kreise Oppeln um 4000, im Kreise Ratibor um 2000 und im Kreise Reustadt um 650 Stimmen) wahr nehmen lieh," wie der „Dziennik Derlinski" seinerzeit meldete. Dak Blatt erklärt es nunmehr für eine Schicksalsfügung, dah die Wahlen in dem Bezirke, der „für die polnische Bevölkerung von entscheidender Bedeutung" ist, von neuem statt- sinden, und wendet sich nunmehr vor allem an den „Landsmann-Arbeiter", der am 4. Mai „die Ursache der nationalen Riederlage" war, indem »r „Illusionen" unterlag, d. h. kommunistisch wählte. Die Zentrale des Polenbundes in Deutschland'bzw. der „Dziennik Derlinski" gibt schließlich der Hoffnung Ausdruck, dah der polnische Arbeiter bei den Reuwahlen den Kommunismus, „diese wertlose Waffe im Kampf mit dem deutschen Kapitalismus, in die Rumpelkammer werfen wird" und sein polnisches Herz entdecken möge.
Ob dieser Appell Erfolg haben wird, bleibt rbzuwarten, zumal man im Zweifel sein kann, ob es polnischerseits hier und dort nicht ungern gesehen wird, dah der „Landsmann-Arbeiter" die Reihen der Kommunisten verstärkt, um auf diee Weise die Front gegen das Deutschtum zu stärken. Wie dem auch sei, offiziell und in der wenn auch aussichtslosen Erwartung auf ein polnisches Mandat wird man alle Künste spielen lassen, um den Arbeiter für die Liste der „Polnischen Volkspar- tei" zu gewinnen. Alm zu wissen, wie das geschieht, genügt ein Blick in die polnischen Wahlaufrufe, die, was die Besprechungen gerade für die Arbeiterschaft angeht, benen nichts nachgeben, die wir seitens der Sozialdemokratie oder der Kommunisten sonst kennen. Hervvrgehoben werden muh allerdings in diesem Zusammenhang, dah bei den Maiwahlen das Polentum in Deutschland sich von der Rechten biseinschliehlich der pol nische nSozialdemokratie zur Polnischen Volkspartei zusammen geschlossen hatte - was allerhand Vergleiche anregen könnte betreffs des Verhaltens der deutschen Sozialdemokratie an den Grenzen. Man denke z. B. an die diesbezüglichen politischen Verhältnisse der Deutschen im Memellande, oder an das berüchtigte dänisch-deutsche Grenzabkvmmen der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.....
Es ist kennzeichnend, dah angesichts des neuen Wahlkampfes besonders die polnische Presse in Oberschlesien, so die Oppelner „Rowina God- zienne", der Meinung Ausdruck gibt, dah dieser Kampf „weit scharfer und erbitterter sein wird als der vorherige". Worauf es ankommt, wird mit folgenden Worten gesagt, die es verdienen, im Reiche die gebührende Beachtung zu finden.
„Wir müssen zeigen, dah sich die Reihen des Polentums nicht nur nicht verringern, wie die letzten Wahlen dargetan haben, sondern daß sie sich sogar vergröbern. Der Wahlkampf ist ein Kampf um die Erhaltung des polnischen (!) CHarakiers unseres Landes. Alnd es geht uns nicht um ein Mandat, sondern uaji die Sammlung unseres (?) vberschlesischen Volkes unter einer (!) Fahne, zu seinErn und ünsers Landes Wohle. Auf die Zahlder PvlnischenStimmen im Oppelner Schlesien sieht das ganze Ausland. Alm ihre Aufrechterhaltung und Vermehrung Müssen wir fortwährend kämpfen." Diese Auslassungen des Oppelner Polenblattes sind sicherlich zum Teil der Wahlpsychofe zuzuschreiben und typisch für das größenwahnsinnige Polentum von Frankreichs Gnaden; aber, wir werden gut tun,, die polnischen Aspirationen niemals zu unterschätzen, im übrigen aber dem Passus, der von dem Interesse des „Auslands" am Wahlausgänge spricht, den Ernst entgegenbringen, der ihm zukommt. Hoffen wir, dah zu den Reuwahlen die oberschlesischen deutschen Parteien die nationalpolitische Linie finden werden, die wir nötig haben im „Kampf um die Erhaltung des deutschen Eharakters unseres Landes." E B.
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Keine Fortschritte in London.
Die Finanzmänner bleiben fest. - Beginnende Einsicht in Frankreich.
Die Pariser Boulevard-Preffe ist in gedrückter Stimmung. Andererseits beginnen die Her- rivt und den Sozialisten nahestehenden Blätter die Lage mit jener Erkenntnis ihrer Airsachen zu behandeln, die wir bisher vermiht haben. Womit allerdings bei der schwachen Stellung des Kabinetts Herriot noch keine Gewähr für einen befriedigenden Ausgang der Londoner Verhandlungen geboten ist, die vorläufig auf einen toten Punkt angelangt sind. Hinter den Kulissen allerdings wird nach den zahlreichen vorliegenden Berichten von den belgisch-französischen Drahtziehern der Politik gegen Deutschland um so eifriger gearbeitet. Wir können um so mehr auf eine Wiäergabe dieser Meldungen verzichten, als bereits die nächsten Stunden eine Aufklärung über die Ergebnisse dieser „Arbeit" bringen werden, die mindestens die Verhandlungen mit den deuffchen Vertretern auf ein Gebiet zu schieben versucht, auf dem das „Prestige" Frankreichs nach auhen hin gewahrt bleibt.
Die gestrigen Besprechungen.
Kein Diktat.
London, 24. Juli. (Wolff.) Heute früh hat eine erneute Besprechung zwischen Mac- d o n a l d und den anderen Konferenzführern in der Downing Street stattgefunden. Die britischen und französischen Rechtsratgeber waren damit beschäftigt, zu erörtern, welche sich aus dem Sachverständigengutachten ergebenden Fragen die Z u» sammenarbeit mit den Deutschen notwendig machten. Beiläufig bilden die dem Rechtsausschuh zugewiesenen Aufgaben für Deutschland einen genügend deutlichen Wink, dah die Alliierten nicht wünschen, ihre Entscheidungen den Deutschen zu „diktieren", imi) da h die in Deutschland ausgesprochenen Befürchtungen in dieser Hinsicht sich legen können.
Es fft im übrigen bisher noch nicht möglich, feflzustellen, dah die Verhandlungen durch die heute auch zwischen den Konferenzmitgliedern uüd den Bankiers fortgesetzten Besprechung^ fort» gesckritten wären. Es laßt sich nur sagen, daß oie Konferenzkreise fortgesetzt Zuversicht- l i ch sind, dah eine Einigung zustandekvmmen dürste, die eine genügende Alnterstühung für ein Zustandekommen der 800-Millionen-Anleche gewährleistet. Die Ausschüsse treten morgen wieder zusammen. Der Zweite Ausschuh hielt um 8 Alfyr abends eine Sitzung im Auswärtigen Amt ab. Alnformelle Besprechungen wurden zwischen den Bankiers und Iuristen gepflogen. Der Dritte Ausschuh tnagte heute und wird morgen früh wieder zusammentreten.
Die Einladung an Deutschland.
P a r i s, 25. Juli. (WTD.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" will erfahren haben, dah Macdvnald im Einverständnis mit den anderen Delegativnsfü hrern, und nachdem er die juristischen Sachverständigen Fromageot und Sir Eecil Hurst gehört hätte, die deutsche Regie- ,tung aufgefordert hat, sich bereit zu halten, Delegierte nach London zu en tsendeu.
Die englische Presse zur Lage.
London, 25. Juli. Der diplomatische Berichterstatter der „Daily Rews" schreibt, Mac- donald habe die Frage der deutschen Beteiligung an der Konferenz auf der Dienstag- Sitzung der fünf Delegationschefs aufgeworfen, aber ziemlich unerwartet sei er auf den Widerstand Herr i ots gefloßen. Herriot habe ihn ersucht, die Gründe für einen Wunsch, die Deutschen anwesend zu sehen, schriftlich niederzulegen, damit die ftanzösische Delegation sie erwägen und ihre eigene Ansicht formulieren könne. Die Ansicht der beiden Länder solle hierauf der Vollkonferenz unterbreitet werden. Dieser Schritt erklärt sich durch die Ansicht eines Teiles der französischen Delegation, dah die Deutschen nicht vor die Londoner Konferenz, sondern vor die Rest a r a t i o n s ko m m i s s i o n gerufen werden sollen Alm die Schwierigteiten zu regeln, sei ein Iuristen-Komitjee aus Sir Cecil Hurst und Fromageot, die im übrigen zwei alte Freunde seien, gebildet worden.
Daily Chvonicle" erklärt, die Konferenz habe zweifellos ein kritisches Stadium, erreicht. Es bestehe jedoch kein Grund, für den in einem Teil der französischen Presse, äer ein Scheitern der Konferenz wünsche, ausgedruckten Pessimismus Die amerikanischen Vertreter arbeiteten mit äußerster Kraft daran, die Schwierigkeiten zu beheben.
„Morning Post" zufolge ist es vollkommen klar, dnß der wirkliche Grund Snowdens, die Alnterbrettung der Anempfehlungen des ersten Komitees, die in mancher Hinsicht die wichtigen seien, zu verzögern, auf seinen Wunsch zurückzuführen waren, vor der Vorlage des Berichtes in. der Lage zu sein, ihn in der Weise abzuändern, dah er den Einwänden der amerikanischen und englischen Bankiers begegnen werde.
Der Sonderberichterstatter des „Daily Telegraph" ist der Ansicht, dah die Zeit der Mißverständnisse anscheinend noch nicht vorüber ist. Die Alliierten aus der anderen Seite des Kanals sind, wie der Berichterstatteo schreibt, vollkommen unfähig, die feste Haltung des Gouverneurs der Boni von England
und feiner Kollegen zu begreifen, die darauf bestehen, dah jedes Sondervorgehen irgendein erMachtausgeschlosfen werde, bevor sie sich bereit erklären, eine Anleihe zu zeichnen und auszugeben. Sie sehen in dieser Haltung den vorsätzlichen ersten Schritt zur Vernichtung des Versailler Vertrages. Die gestern ernannte Jurist enkommission hat die genaue Form der Einladung an die Deutschen zu be- schliehen. Was die Punkte auherhalb des Versailler Vertrages betrifft, so handelt es sich darum, ob die Deutschen berechtigt sein sollen, auf der Grundlage der Gleichberechtigung zu verhandeln oder ob, soweit Punkte innerhalb des Friedensvertrages in Frage kommen, sie nur beanspruchen können, von der Reparationskommission gehört zu werden.
Es dämmert in Frankreich.
Paris, 25. Juli. Das Organ Herrivts, der „Quotidien", meldet: Gestern abend hätten die Minister T h e u n i s und Hymans mit dem Finanzminister Clementel und dem Kriegsminister General Rollet verhandelt. Hierauf habe sich der Finanzminister Elemente! zu Mon- tagu Rorman begeben. Es sei entschieden worden, dah die erste Kommission um die Mittagsstunde unter dem Vorsitz des Staatsschatzsekretärs Snowden zusammentreten soll. Im ßaufe dieser Zusammenkunft werde der belgische Auhenminister nochmalsdenbelgischenVor- schlag Vorbringen und wiederholen, namentlich deshalb, um eine Diskussion hierüber herbeizufüh- ren. Denn niemand könne ableugnen, dah Vie amerikanischen und englischen Bankiers dieses Kvmprvmih nicht an nehmen werden, da sie der Ansicht seien, dah § 7 Abschnitt 2, Anhang VIII des Friedensvertrages der Repko das Recht gebe, ihre Befugnisse vollkommen auf das vorgeschlagene Komitee zu übertragen. Sie fordern, dah die alliierten Mächte auf jede isolierte Aktion zur Anwendung von Sankti onenverzichten. Die Bankiers R v r m a n und ßamont würden keineswegsheutean- nehmen, was sie gestern abgelebnt hätten. Roch gestern vormittag hätten sie neue Vorschläge zurückgewies en, denen zufolge sich jede Macht verpflichten solle, von sich aus nicht allein die Verzinsung und Tilgung, sondern auch das Kapital der Anleihe selbst zu garan- heute irgendeine neue Tatsache eintrete, z u durchführt, als sie das zweite aus fünf Sachverständigen bestehende Komitee Vorschlägen würde, dessen Einsetzung Theunis angeregt hätte. Vielleicht werden jedoch gewisse Aende- rungen in dem Te?t von Theunis die Möglichkeit geben, die Forderungen der Anleihezeichner zu befriedigen.
Die englische Delegation werde hierzu wichtige Vorschläge machen. Die Frage sei, ob dann die Franzosen neue Konzessionen verweigern werden. Auf alle Fälle sei zu befürchten, dah die erste Kommission, falls nicht heute irgend eine neue Tatsache eintrete, z i keiner wirklichen Verständigung gelangen könne. Von gewisser Seite werde angenommen, dah die Situation sich aus sich heraus entwickeln werde, und dah es genügen werde, Geduld zu haben, um in einigen Tagen zu »einer idealen Lösung zu kommen, die alle befriedige. Man könne sich aber niemals verständigen, wenn man nicht die notigen Opfer bringe. Von französischer Seite erwarten die alliierten Delegationen leineswegs einen Verzicht auf tatsächliche Rechte und die Opferung wichtiger Interessen. Die Welt wolle nur die Gewitztheit haben, dah das Ruh rabenteuer nicht wieder beginne.
Es sei schon lange her, dah man den politischen Methoden zuliebe auf alle wirtschaftlichen Tatsachen verzichtet hat. Möge man also endlich einmal mit einem kräftigen Entschluh das ganze ftivistische Formelwerk über Bord werfen, in dem wir ersticken.
Der linksradikale „Paris Soir" schreibt zu den Londoner Verhandlungen: Wir ernten heute die sicheren Früchte der Ruhr- besetzung. Pvincare glaubte, das Weltgewissen herausfordern und gegen den Rat Englands und Amerikas zu Sanktionen schreiten zi können, die ohneRuhen für uns fast die ganze europäische Wirtschaft und den schwachen, arm* seligen Frieden der Welt gewaltsam gestört haben. Jetzt, wo zu einer von Monat zu ^Monat aufgeschobenen, umfassenden Regelung die Verhandlungen wieder eröffnet werden, erwachen Befürchtungen, denen wir nicht Rechnung getragen hatten und eine Feindseligkeit, die wirfürerloschen hielten. Man verzichtet nicht auf die Politik Poinoares und man gibt uns zu verstehen, bei unseren pfäffischen Methoden auf der Hut zu fein. Die Bankiers, denen der nationale Block schließlich die Völker ausgeliefert hat, sind nicht hie einzigen, die fragen, ob der Friede!» immer und immer wieder von neuem mühselig geflickt werden muß. Auch die Republikaner und die Sozialisten werfen diese Frage auf. Sie beschuldigen Poincare, durch feine Kurzsichtigkeit und Gefühllosigkeit Frankreich noch einmal an den Rand des Abgrundes ne führt zu haben.
Undurchführbar!
Das Urteil deutscher Sachverständigere über die französischen Regiepläne. I
Berlin, 25. Juli. (WTB.) Der anfefret-1 nend immer noch betriebene französische Plan, französische und belgische Eisenbahner auch nach der Liquidation der Regie im Betriebe der rheinischen Eisenbahnen zurückzubelassen, wird uns von sachverständiger Seite für undurchführbar bezeichnet. Jedes Mischshstem, wie es die Durchsetzung des deutschen Eisen- bahnpersonals mit fremdländischen Personal darstellt, müsse unfehlbar zu schweren Reibungen führen. Derartige Reibungen machen jedoch den Eisenbahnbetrieb im höchsten Grade unwirtschaftlich; denn der Bahnbetrieb verlangt Einordnung und AInterorbnung sowie dienstfreudige Zusammenarbeit aller Personalgruppen. Hierauf mutz die Reichsbahn, wenn sie die zugedachten Re- paintionslasten tragen soll, ausschlaggebendes Gewicht legen, vor allem in dem rheinischen Verkehrszentrum, von dem aus sich der Betrieb und Verkehr des ganzen übrigen Reichsbahngebietes bestimmen. Praktisch sind deshalb beiartige französische Pläne undurchführbar und wirtschaftlich sind sie untragbar.
Kredite für die Landwirtschaft.
Auf Grund von Verhandlungen, die das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit der Reichs bank und der Preußischen Staatsbank geführt hat, sind der Landwirtschaft für die Bergung der Ernte Kredite bereitgestellt worden. Die hierfür verfügbar gemachten Geldbeträge werden an die preußische Zentvalgenosfenschaftskasse, die deutsche Girozentrale und die Zentrale der Landesbanken bzw. Staatsbanken der Länder weitergeleitet. In Aleber* einstimmung mit den Wünschen der Landesregierungen werden die genannten Organisationen für die Weiterleitung des Kredites Richtlinien erhalten, damit bei der Inanspruchnahrne und Bewilligung des Kredits eine Berücksichtigung der Landwirtschaft der einzelnen Länder gesichert ist. Da es sich bei der eingeleiteten Kreditaktion um eine Maßnahme zur Behebung eines besonderen Rotstandes handelt, ist ben den Kredit weiterleitenden Kreditinstituten zur Bedingung gemacht worden, daß der Zinssatz, den ber letzte Kreditnehmer zu zahlen hat, grundsätzlich 13 Prozent sein soll. Die Gewährung von Krediten für die Bergung der Ernte erfolgt im Rahmen der verfügbaren Mittel für Landwirte, welche Genossenschaften angeschlvssen sind, durch diese Organisationen, für diejenigen Landwirte, welche mit diesen Organisationen nicht in Geschäftsverkehr stehen, durch die öffentlichen Sparkassen, landwirtschaftlichen Banken und diejenigen öffentlich lich und rechtlichen Kreditanstalten (Landesbanken und Staatsbanken), welche von den Landesregierungen bezeichnet sind. -i — *
Der Reichswirtschastsrat billigt die Schutzzollpläne.
Berlin, 24. Juli. (WTB.) Der Wirtschaf tspvlitischeundder Finanzpolitische Ausschuß des vorläuftgen Reichs- Wirtschaftsrates beschäftigten stch in ihrer heutigen gemeinsamen Sitzung mit der Weiterberatung des Entwurfs über die Zolle und Alrnsahsteuer. Dabei wurde mit 27 gegen 16 Stimmen eine Ents chließung gefaßt, in der die Absicht der Regierung, einen einheitlichen Schutz der gesamten nationalen Arbeit wiederherzustellen, gebilligt wird.
Ein Gutachten der Arbeitnehmerabteilung, das die Regierung auffordert, von der Einführung von Agrarzöllen zur Zeit Abstand zu nehmen, wurde mit 24 gegen 22 Stimmen abgelehnt. Dagegen fand ein Antrag der Arbeitgeber Annahme, der es für notwendig hält, daß der Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Agrarzölle unter Berücksichtigung der Entwickelung der wirffchaftlichen Verhältnisse des Reiches gewählt wird. Wie die „Voss. Ztg." bemerkt, bestand mit Ausnahme der Vertreter der Landwirtschaft fast einhellig die Aleberzeugung, daß der gegenwärtige Zeitpuntt nicht der geeignete sei, die alten Zölle in voller Höhe, namentlich die Getreidezölle, wieder einzuführen. Die beiden Aus- sckstffse erklärten schließlich die Herabsetzung der Almsatzsteuer auf mindestens Prozent für notwendig.
Der 3. August als Gedenktag.
Im Hinblick auf die für den 3. August von der Reichsregierung beschlvffene allgemeine Gedenkfeier für die Opfer des Weltkrieges wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß an diesem Tage genehmigungspflichtige Veranstaltungen irgenowelcher Art, gleichviel pb sie von sozialdemokratischer, deutschnativnaler, kommunistischer ober anderer Seite geplant sind, nicht zugelassen werden.
Wie aus Berlin weiter gemeldet wird, hat der Gedenktrauertag für die Gefallenen, der von der Reichsregierung für den 3. August angeseht ist, den Kirchenausschuß angeregt, daß in allen Gemeinden feierliche Gottesdienste abgehalten werden sollen, in denen ber Opfer des Weltkrieges gedacht werden soll. Die Gottesdienste sollen hei günstiger Witterung aus de» Friedhöfen abgehalten werden. .


