In Dem ungeheuren Lärm sind die Schmährufe I amten flammten, der noch im Dienst oder dem der Streitenden nicht mehr ,u verstehen.
IM -iiamen vec (jiuuiunen vkl vuöiuvuiihuuuihi, der Demokraten und des Zentrums durch den
über
on.
। strahe: Zwei Lustspieltage. — Palast-Lichtspiele l Die Nibelungen, Kriemhilds Rache.
Ich
bin .
zwingen." Kaum daß
nimmt. —
Nun
Ich trage
1
Es folgt
das deutsch-polnische Abkomme»
Don der Publikumstribüne werden Pfuirufe auf die Abgeordneten gerichtet. Hm 7 Hhr
. . die Müdigkeit will mich be- man Giulias Stimme noch Der»' friert sie auch.
Euch empor."
Ihr Lächeln dankt. Sie hort daS Klopfen seines Herzens, wie er sie zu ihren Zimmern trägt. Wie schön. . .
Sie liegt nun. Lichter brennen. Er malt.
Sie sieht ihn an und lächelt.
„Geliebter Mann. .
Will sie es murmeln? Sprach sie es?
Lichter brennen. Michelangelo malt mit versunkenem Blick... Er weih es nicht einmal: Giulia starb.
wird die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen.
Kurz vor 8 Ähr eröffnet Dizepräsident Dr. Rieher die dritte Sitzung des Tages. Er teilt mit, daß der Aeltestenrat zu der Heberzeugung gekommen ist, daß die Abwehrhandlung eines Abgeordneten, der sich Raum verschaffen wollte, den Glauben hervorrief, daß es sich um einen Angriff handelte. Der Aeltestenrat sei der Heberzeugung, dah hier also ein M ih v erst ä n d n i s vorliege, und dah damit die Angelegenheit zunächst erledigt sei. (Lärm bei den Kommunisten.) Der Aeltestenrat gebe aber dem Wunsche Ausdruck, dah solche Szenen sich im Reichstag nicht wiederholen werden. Darauf erhält der Abg. Dr. Roth das Wort. Die Kommunisten rufen: „Der Mörder darf weiter reden!" Sie verlassen in der Mehrzahl den Sitzungssaal. Der Redner sucht dann die Veranstaltung von Regimentsfeiern und Deutschen Tagen zu rechtfertigen.
Staatssekretär Joel vom Reichsjustizministerium
widerspricht einer allgemeinen Amnestie, da sie im Volke den Glauben an die Rechtspflege ertöte. Die Wiederaufnahme von Strafverfahren sei aber zulässig und solle erwogen werden.
Abg. Rosenfeld (S.) erinnert an den heutigen Todestag Walther Rathenaus und wirst der Rechten die geistige Hrheberfchaft an diesem Morde vor. (Stürmischer Widerspruch rechts.) Levinä sei als tapferer Mann in den Tod gegangen. Damit schließt die Aussprache.
Abg. Dr. Roth nennt in einer persönlichen Bemerkung die Behauptung des Abg. Rosenfeld, er habe sich von der Front gedrückt, eine unverschämte Lüge, und wird zur Ordnung gerufen. Sämtliche Anträge werden darauf den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 2 Hhr. (Beamtenfragen. Schluß gegen 9 Hhr.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 8 Hhr: „Clavigo". — Ortsgewerbe- verein: 8y2 Hhr, im Gewerbehaus Mitgliederver- ammlung. — Rundfunkhaus Löberstrahe: 8y2 Hhi Beethoven-Abend. — Lichtspielhaus Bahnhof-
„Meister! — kehrt heim, die Kranke ruht!" — Ein Zornesblick. Beginnt denn nie der Tag — ?
„Meister, stärkt Euch, die Sonne brennt . . .“ Bun ist es Mittag schon. Wann kommt das Weib zur Wiese?
Der Abend naht. Wird sie der Abend bringen? „Gut, Fernando, noch will ich eine Stunde warten. Tritt sie dann nicht heraus — — ich stürme das Haus." Sein Atem brennt. Die gelben, langen Finger fliegen.
„Meister, zurück! harter den Daum! . . . Sie wendet sonst ihren Schritt."
Giulia schreitet der Wiese zu. Der Wiese, die in brennend scheidender Sonne ruht. Weihe Narzissen duften . . . Hnd nun hebt die Kranke in verzweifelter Sehnsucht nach dem Leben die Hände der Sonne zu.
Fernando hält Michelangelo nicht mehr zurück. Er stürzt dem Weibe zu, befiehlt: „Bleibt mir so stehen. Den Kopf mehr rechts!"
Giulias Blick flammt auf. „Was stört Ihr mich! Fort von der Wiese, die meines Vaters rjt. Ich sagte jenem, daß ich Euch nicht feil bin Michelangelo!"
, Sie schreitet fort . . . Da schallt des Meisters Stimme, ist 'Befehl und Donner. Er hält sie fest Cisenklammer ist die Hand. Sie will sich wehren' Fällt. Von seinem linken Arm gehalten liegt sie Seine Rechte zeichnet Linien in die Luft Jetzt lächelt sein Mund, der eben noch fluchte
, Sie wehrt sich nicht mehr. Gebarmt ist sie. Sein Blick ist Feuer — die Stirne Fels . der Hände wunderbares Ebenmaß ... das zu erleben...»
Der Meister zeichnet — Fernando, zusammengekauert, dient ihm zum Tisch. Gut, dah sein Rücken breit ... Die linke Hand umfängt noch immer Giulia. Sie starrt gebannt in sein Gesicht: wie wild ist es, wie schön in seiner Leidenschaft. Man sagte ihr, dah er den Namen tpige „Der Schreckliche", ihr aber ist, als dürfe sie ein Wunder sehen . . . Nur einmal, als der letzte Sonnenfunke verglimmt, bäumt sie sich auf. „Laßt mich! Im Weiher unseres Gartens glüht sie noch. Ich muh dorthin — die Sanne sehen . . . denn wenn ich sterben muh . . .“ Grauen tritt in die Züge des Madonnengesichts. Doch Michelangelo bettet den Frauenkopf an ferne Brust.
Da lächelt sie, Lächelt unsagbar schön . . Sein Stift gräbt das Lächeln in wrißes Pergament . . . Er zeichnet, zeichnet, bis ihm die Licht- lvsigkeit des Firmaments den Griffel aus den Händen zwingt.
Hessischer Landtag.
Don unsererDarmstädter Redakti
Bekannt
Das unterzeichn (öeschäftsaufsichten a 1. ApparatenbauMl am 20. Mai 1924 Aufsichtsperson: 2 Biehen.
2. Firma W. Theisel am 30. Mai 1924 Aufsichtsperson: 2 Bietzen.
3. Lackfabrik Bebrii schäft in Bietzen, abends 6 Uhr.
Aufsichtsperson: ; «Ma Löwenstein F^ab Theisebach MM, am 6. Juni Aussichten: B Netzen, Lubwigstn * SW*
Ww Blitzen, uuttags 12 Uhr.
Mchkpechn: 2 MM.
Oberschlesien.
Der Vertrag wird in erster und zweiter (Beratung angenommen. Die sofortige Vornahme der dritten Beratung scheitert an dem Widerspruch des Abgeordneten Wulle (Nationalsozialist).
Em Gesetzentwurf über militärische Quartierlei st ungen wird debattelos in erster und zweiter Beratung angenommen. Der dritten (Beratung widerspricht auch hier Abg. Wulle. Er erklärt dazu, seine Fraktion werde grundsätzlich in solchen Fällen immer Widerspruch erheben wegen der unerhörten Behandlung, die ihr in diesem Reichstag, zuteil werde.
Die Novelle zum Gesetz über Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden wird auf sozialdemokratischen Antrag an den H a us ha l ts a u s-- schuh überwiesen.
Ein nationalsozialistischer Antrag auf Aufhebung des Disziplinarverfahrens gegen den Abg. Dr. Frick wirb ohne Debatte dem Geschäft s- ordnungsausfchuh überwiesen.
Zur gemeinsamen (Beratung kommen hieraus kommunistische Anträge auf Aufhebung der Ausnahmebestimmungen, auf Freilassung der politischen Gefangenen und Gesetzentwürfe über Straffreiheit für politische Straftaten, die von den Kommunisten, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten eingebracht worden sind. Von den Sozialdemokraten ist weiter ein Gesetzentwurf eingebracht worden, der die Wiederaufnahme der durch Urteile bayerischer Bolksge» richte abgeschlossenen Strafverfahren verlangt.
Abg. S a e n g e r (ö.) e.cklärt, die Rechte dürfe sich nicht über mangelndes Entgegenkommen der deutschen und besonders der ketzerischen Justiz beklagen. Der Eisnermörder Graf 21 r c o fei aus der Haft entlassen und werde sogar in Versammlungen der Bayerischen Dolkspartei als bccheri- scher Nationalheld bezeichnet. Die bayerischen Dolksgerichte hätten sich in politischen Prozessen unerhörte Fehlsprüche geleistet. Solange ein Lude n d o r ff im Reichstage sitze, dürfe Bein Teilnehmer an der bayerischen Räteregierung mehr im Gefängnis schmachten.
Abg. Schölern (Komm.) meint, es würde eine Schändung der politischen Gefangenen sein, trenn man diesen Reichstag um Milde für die Opfer der bürgerlichen Klassenjustiz bitten wollte.
Abg. Dr. Roth (Nattonalsoz.) begründet die Anträge seiner Fraktion auf Amnestie der wegen des Kapp-Putsches, der Küstriner Unruhen und des Münchener Prozesses Verurteilten. 2Lif einen Zwischenruf der Kommunisten erklärt der Redner: Levinh hat mit vollem Recht die Kugel bekommen. — Hierauf entsteht bei den Kommunisten
ungeheurer Lärm.
Einige Kommunisten werfen mit Heften nach dem Redner. Vizepräsident Rießer versucht vergeblich den Lärm zu beenden.
Als Abg. Roth feine Rede sortsehen will, erneuert sich der Lärm bei den Kommunisten. Vizepräsident Dr. Riester erteilt einige Ordnungsrufe. In dem andauernden Lärm vertagt schließlich um 6,40 Uhr Vizepräsident Riester die Sitzung auf 10 Minuten. Um 6,50 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet.
Abg. Eichhorn (Komm.) gibt folgende Erklärung ab:
Die rohen Beschimpfungen des Märtyrers der Revolution Levinß durch den ehemaligen bayrischen Iustizminister Dr. Roth rechtferttgen die Entrüstungskundgebungen meiner Freunde, und sie würden es rechtfertigen, wenn sie Roth nicht weiterreden lassen würden Qlber aus Rücksicht auf. bie 10 000 politischen Gefangenen wollen wir Herrn Roth mit seinen Gesinnungsgenossen, diesem erbärmlichen Gesindel, hier allein lassen.
Vizepräsident Dr. Rieher ruft b:n (®sbncr zur- Ordnung. Die Kommunisten verlassen den Saal.
r Abg. D r. Roth fährt in seiner Rede fort: Don rohrn Beschimpfungen kann feine Rede sein. Levin« ist durch Urteil des Standgerichts ordnungsmäßig verurteilt worden.
Abg. Dr. Rosenfeld (S.) springt auf und ruft dem Redner zu: „Ich protestiere gegen diese Fälschung. Levin6 ist nicht ordnungsmähig verurteilt worden. ES war ein Justizmord!" Im Saal kommt es wieder zu erregten Szenen, Schimpfworte und Ordnungsrufe schwirren durcheinander. Inzwischen stohen die Parteien in dichtgedrängtem Knäuel vor dem Tisch des Haus-?s zusammen. Der sozialdemokratische 2Ibg. Ecker st edt -Kiel wird dabei von dem deutsch- nationalen Abg. Laverrenz gestoßen. Verschiedene Sozialdemokraten stürmen auf Lave » renz ein. Der sozialdemokratische Abg. Simon-Franken packt dabei einen der Abgeordneten neben Laverrenz an der Kehle.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 25. Juni 1924.
Steuerstundung und -Pfändung.
Die oft verzweifelte Lage, in der sich gegenwärtig die Handels- und Gewerbebetriebe gegenüber den steuerlichen Anforderungen befinden, hat den Zentralverband des Deutschen Großhandels veranlaßt, beim Reichsfinanzministerium im Sinne einer Erweiterung der Stundung s m ö g l i ch k e i t e n für die Finanzämter vorstellig zu werden. Der Reichsfincrnz- minifter hat nunmehr einen Erlah an die Landesfinanzämter gerichtet, in dem zu diesem Antrag folgendermaßen Stellung genommen wird: Die Finanzlage fei noch immer so, daß Reich, Länder und Gemeinden auf regelmäßig fliehende Steuereinnahmen angewiesen seien, wenn nicht die öffentliche Wirtschaft und damit die Währung abermals in Gefahr gebracht werden solle. Der schweren Belastung, die in der gegenwärtigen Aufbringung der Steuern liegt, mühten sich alle Berufs-
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.stände unterziehen. In dem Erlah wird alsdann wörtlich wie folgt fortgefahren: „Diesem Grundgedanken, an dem unbedingt festgehalten werden muh, steht nicht entgegen, daß im einzelnen Falleauf Antragteilweiseodervoll- ständig Stundung der Steuern auf einen beschränkten Zeitraum gewährt wird, dann nämlich, wenn glaubhaft gemacht wird, dah Mittel nicht flüssig gemacht werden können, und wenn die Veräußerung von Betriebsmitteln entweder die Aufrechterhaltung des Betriebes gefährden würde, oder nur zu Preisen erfolgen konnte, die so außergewöhnlich tief liegen, daß den Steuerpflichtigen Damit ein weit über die bezweckte Steuerbelastung hinausgehendes Opfer auferlegt würde. Hier lagen auch die Grenzen für die Pfändung. Es kann keine Rede davon sein, daß Pfändungen allgemein unterbleiben sollen. Denn schon im Interesse derjenigen, die — wenn auch unter Opfern — ihre Steuern pünktlich zahlen, muß für eine möglichst gleichmäßige Einbringung der Steuern gesorgt werden. Bevor eine Pfändung erfolgt, muß aber, insbesondere barm, wenn Stundungsanträge vorliegen oder die Hnmöglichkeit der Zahlung geltend gemacht wird, gewissenhaft geprüft werden, ob eine der obengenannten Voraussetzungen — Gefährdung der Aufrechterhaltung des Betriebes, oder Veräußerbarkeit von Betriebsmitteln nur zu Preisen, die dem Pflichtigen billigerweise nicht zugemutet werden können — vorliegt. Erst wenn fest gestellt wird, daß diese Voraussetzungen nicht bestehen, darf zur Pfändung geschritten werden.
*
** Einen sehr erfreulichen Anblick bieten gegenwärtig unsere Felder. Die Halmfrucht steht durchweg sehr gut; Roggen und Wintergerste gehen der Reife entgegen, der Weizen blüht und der Hafer schießt jetzt n die Halme. Die Heuernte kommt nun allenthalben in Gang, ihr Ertrag wird von Sachkundigen als mittel bis gut bezeichnet. Ausgezeichnet stehen die Kartoffeln, die bei weiterem guten Wachswetter, wie wir es bisher hatten, eine sehr gute Ernte versprechen. Recht zufriedenstellend ist auch das Fortkommen der Rüben. Der Behang der Obstbäume gibt eigentlich nur bei Dirnen Anlaß zur Befriedigung, während namentlich die Aepfel und Zwetschen sehr zu wünschen übrig lassen.
es ihm vergönnt sei. Eure Züge für sein neues Weik zu malen." Doch sie lächelte flüchtig: „Meinen Gruß dem Meister! Mir fehle es an Kraft und auch — an Lust, ihm zu erfüllen, was er wünscht." 'Hnd still, schon im Schreiten, fügte sie hinzu: „Ich weiß, daß die Frauen in Florenz ihrer Schutzheiligen auf den Knien danken würden. von dem großen (Ranne brr Ehre gewürdigt zu sein, ich aber stehe dem Tode nah, — da lächelt man menschlicher Eitelkeit."
Sie ging . . . Doch Fernando hastete ihr nach, trat ihr in den Weg und rief: „Wollt Ihr, daß der Welt feine Schöpfung verloren geht?! Ei malt nicht mehr, er findet denn sein Traumgesicht! Schon trocknet die Farbe auf der Leinwand. Ihr gefährdet sein Werk! Florenz, ganz Italien würde Euch fluchen!"
„Ein Fluch, der nur über mein Grab hin- «eht. . .“
Giulia lächelte wieder flüchtig, zog schon die kunstvolle Gartentür zu, die den Hain verschloß, der zu dem Sommerhruse ihres Vaters führte...
„Meister!" flehte eine Stunde später Fernando. „Meister, bleibt und imht; das Weib ist todeskrank, wie wird sie zur Nacht auf der Nar- zissenwiefe sein."
„Sage noch einmal: glich sie dem Bilde meines Traumes, wie ich es Dir beschrieb?"
„Zug um Zug, Herr!"
„Hnd da soll Michelangelo warten! Ruhen . . ." Wildes Lachen dröhnt auf. Der hagere Damvnenkopf taucht schon im Zwielicht der Sttahe unter, die Füße eilen .. Michelangelo steht die ganze Nacht auf der Narzissenwiese, die zu Aule- cos Gärten führt
Abg. Kaul abgegebenen Erklärung bemerkt Abg. Kindt, dah darin unerhörte Vorwürfe enthalten seien. Er habe sich seinerzeit für verpflichtet gefühlt, bestimmte Vorgänge im besetzten Gebiet zur Sprache zu bringen. Er habe bereits früher das Angebot gemacht, auf seine Abgeordneten- Immunität zu verzichten, um die Dinge aufzu- klären. Jetzt wiederhole er dieses Angebot: er wünsche eine gerichtliche Hntersuchung der Angelegenheit, verlange aber, daß er auf freiem Fuß bleibe und daß den (Beamten die Erlaubnis erteilt werde, frei auszusagen. Der Abgeordnete beschwert sich über die Behauptung, bewußt die Hnwahrheit gesagt zu haben.
Schluß der Sitzung iy2 Hhr. Morgen 9 Hhr Fortsetzung der Etatsberatungen.
*
Em Kokarden-Antrag.
Abg. Sturmfels (Soz.) und Genossen haben zu Kapitel 19 des Staatsvoranschlags nachstehenden Antrag beim Landtag eingebracht: „Wir beantragen, die Regierung aufzufordern, sie möge anordnen, dah alle Landesbeam- t e n, die Hniform tragen, neben resp. über der Landes ko karde die schwarz-rot-gol- dene Kokarde zu tragen haben."
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Darmstadt, 24. Juni.
Am Regierungstisch: Staatspräsident H l r i ch und die Minister Henrich, von Brentano und Raab.
Vor Eintritt in die Tagesordnung wird Staatspräsident H l r i ch nachträglich zur Ordnung gerufen, weil er in seiner gestrigen Rede mü Be- ,ug auf den Abg. Kindt den Ausdruck „Verleum- ning“ gebraucht hatte.
Hierauf wird die
Generaldebatte über den Staatshaushalt ortgesetzt. Als erster Redner ergreift
Abg. Qöittmann (Soz.) das Wort. Er wendet sich gegen die hohen Steuerlasten, die kaum tragbar seien. Der Wohnungsbau mühte in erster Linie gefördert werden mit den Einkünften aus der Besteuerung des bebauten Grundbesitzes. Ferner fordert der Redner Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Die Frage des Abbaues des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft fei für die Sozialdemokratie undiskutterbar.
Frau Abg. Roth (Komm.) unterbreitet sodann eine Kleine Anfrage wegen des Deutschen Tages in Butzbach. Dabei h abe eine Kapelle der Reichswehr mitgewirkt. Es wird gefragt, was die Regierung dagegen tun werde.
Ein Vertreter der Regierung erwidert hierauf, dah die Reichswehr der Reichs vegierung unterstehe. Die Hess. Regierung behalte sich vor, deswegen Schritte hei der Reichsregierung zu tun.
Abg. Hauck (Dtntl.) stellt sich dem Hause als völkischer Abgeordneter vor und geht barm auf ©teuerfragen ein, die er vom Standpunkt der Landwirte aus beurteilt. Der Redner verlangt die Verstaatlichung des gesamten Kreditwesens, dann würden alle Banken verschwinden.
Frau Abg. Roth (Komm.) wirft dem Landtag vor, dah er keine praktische Arbeit leiste. Der Staatspräsident habe gestern in feiner Rede „nur blöde Witze gemacht". Die Rednerin wird wegen dieser Aeuherung .zur Ordnung gerufen, und als sie widerspricht, wird sie abermals zur Ordnung gerufen. Die Abgeordnete greift be° onders die Sozialdemokratie und die Deutschnationale Volkspartei an.
Abg. Schreiber (Dem.) setzt sich mit den politischen Anschauungen der Vorredner auseinander. Er wendet sich u. a. gegen eine Verringerung der Zahl der Landtagsabgeordneten und verteidigt nachdrücklich die Erzbergersche Steuerreform.
Abg. Kindt (Dntl.) gibt hierauf eine Erklärung ab zu den Ausführungen des Finanzministers in der Sitzung am vorigen Mittwoch und betont, er erkläre auf Ehre und Gewissen, dah seine Informationen nicht von einem Be-
Giulia.
Eine Skizze von Gerhard Duetz.
Seit vierzehn Tagen hing an der grauen Steinwand des Hauses, das Michelangelo bewohnte. jener von seiner Hand geschriebene Zettel, der verkündete, der Meister suche ein Modell Ein Weib mit den Augen der Sehnsucht, den Zügen der Madonna. Florenz kam. am Anschlag zu lesen, kam dem Gröhesten der Großen Weib und Tochter zuzuführen. Doch Michelangelo tat nur einen kurzen Blick vols Finsternis zu ihnen hin — schüttelte sein hageres, langliniges Haupt . . . Kein Weib in Florenz trug die Süße jener Züge, die er im Fiebertraum der Nacht erschaut. Hnorft nbet blieb fein Werk! —
Fernando (Sara, sein Schüler, der dm Meister liebte, wie man einen Gott verehrt, lief Tag und Nacht durch die Straßen, ein Weib zu finden, das die Augen der Sehnsucht, die Züge einer Madonna trug. Hnd e'nes Abends fand ,r sie. Fand sie auf der Narzissenwiese vor dem Tore, wie sie still und blaß hinter dem Lenzblau die Sonne verglühen sah-. Sie stand, als lebe sie nicht mehr und hob dann plötzlich mit der Gebärde ungeheurer Sehnsucht dem verlöschenden Lichte beioe Arme zu. Fernando teufe e: die vor ihm stand, war Giulia, die Tochter des reichen Auleco, dessen Schiffe ihre Segel an ben Küsten aller Welten spannten. Giulia, von der bekannt war, dah sie sterben mußte; dah kein Arzt ihrem Leiden half.
Fernando trat vor, grühte, die Kranke nicht zu schrecken, mit verhaltener Stimme. „Michelangelo. mein Herr, bittet Euch, edle Giulia, daß
** Ein OugenMag, der die Schulkinder zu froher Wanderung ’anb lustigem Spiel hinaus- führen sollte in die schöne Natur, wurde gestern allgemein in Hessen gefeiert. Dir Schüler und Schülerinnen sämtlicher hiesigen Schulen zogen unter der Aufsicht ihrer Lehrpersonen hinaus in die herrlichen Wälder, wo sie sich bei dem schönen Wetter mit Gelängen, Spielen und sonstiger -edler Kurzwell die Zeit vertrieben. Erst in den Nachmittagsstunden kehrte die frohgesttmmte Schar sehr befriedigt von dem Erlebten nach Hause zurück.
** Beim Baden in der Lahn ertrunken ist gestern gegen Abend der 16 Jahre alte Karl Dapper, Zohanaesstrahe5 wohnhaft. Der junge Mann schwamm verbotenerweise außerhalb der Badeanstalt in der offenen Lahn, wo ihn bei dem gegenwärtigen Hochwasser des Flusses offensichtlich die Kräfte verliehen, so dah er unterging, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte, die bei dem hohen Wassergang ohnehin etwas erschwert war. Die Leiche ist noch nicht gekündet.
** Straßensperre. Anläßlich der Ge- schwindigkeitsprüfung für Kraftwagen und Krafträder wird am nächsten Sonntag von 6 Hhr vormittags bis 1 Hhr mittags die Kreis- strahe G ießen—Garbenteich vom Ortsausgäng Gießen bis zum Ortseingang Hausen, sowie der sog. Alte Gießener Weg von der Kreisstraße Gießen—Garbenteich zum Schiffenberg für jeden Verkehr gesperrt. Der Fuhrwerksverkehr von und naH Gießen wird während der Sperre über Leihgestern, Steinberg, Watzenborn bzw. Steinbach nach Garbenteich geleitet
< Sommersonderzüge. In diesem Jahre werden von der Eisenbahnverwaltung wieder eine Anzahl sogenannter Feriensonderzüge 3. Klasse gefahren, von denen einer Gießen berührt und zwar Frankfurt —Norddeich über Gießen—Siegen—Emden am 5. Juli. Der Preis der Rückfahrkarte ab Gießen beträgt nach Borkum 40.80 Mk., Juist 38,10 Mk., Norderney 34.10 Mk.. Langeoog 41,50 Mk., Emden Außenhafen 26,80 Mk., Norddeich 28,60 Mk. Der Zug fährt in Gießen ab 7,44 vorm. und kommt Norddeich an 5,43 nachm. Außerdem verkehren Züge: Frankfurt—Basel—Konstanz am 5. Juli and 12. Juli; Frankfurt—München am 4. und 5. Juli und 9. August, ferner am 12. Juli mit Anschluß von Darmstadt; Frankfurt—Berlin über Offenbach-Hanau am 12. Juli; Frankfurt—Breslau über Fulda am 11. Juli; Frankfurt—Hamburg/ Bremen über Hanau—Bebra am 6. Juli und 7. August; Frankfurt—Dremen/Nordöeich über Debra am 15. Juli; Frankfurt—Hamburg über Debra am 17. Juli. Näheres an den Aushängen auf den Bahnhöfen.
X Das Dundesfest des Evangel. Iünglingsbundes (H essen bund), das am Samstag und Sonntag in Offenbach stattfand, war von etwa 1600 Teilnehmern aus fast allen 65 Vereinen besucht Besonders stark war auch das besetzte Gebiet vertreten. Landes^ugendp'ar- rer Zentgraf sprach am Samstag abend neben Jugend-Pfarrer Munk- Offenbach über „Die Geschichte und die Grundsätze unseres Volkes". Am Sonntag leitete der Dundesvorsitzende Pfarrer Müller- Birkenau eine von der Chorschule verschönte Morgenwvche in der Luthertirche. Play- musik der Pvsaunenchöre auf verschiedenen Plätzen ber Stadt ging den Festgottesdiensten in allen vier Kirchen der Stadt voraus, in denen in der Jugendarbeit stehende hessische Geistliche kraftvolle Worte an die mit ihren Wimpeln erschienene Jugend und die lebhaft teilnehmenden Gemeinden richtete. In der Schloßlirche überbrach e Prälat D. Dr. Diehl die Grüße des Landeskirchenamts. Glänzend verlies die öffentliche Kundgebung auf dem Wilhelmsplatz unter Mitwirkung der vereinigten Pvsaunenchöre, bei der Pfarrei Page-Hndenheim als stellvertretender Bundes Vorsitzender im Rahmen der Verse des Luther-- liedes über das Wollen der im Bunde organisierten Evang. Jugend sprach. Nachmittags trat man in zehn Gruppen zu Sondertagungen im Stadtgarten zusammen. Nichtbeteiligte besichtigten unter Führung die Stadt. Der Nachmittag brachte noch eine Festversammlung im „Stad garten" mit Musik, Spielen und einer Freilicht-Aufführung, der nach dem Schluß- und Dankeswort des Landesjugendpfarrers noch ein zwangloses Beisammensein, Rudern auf dem Main u. a. folgte. Die Tagung des jetzt 21 Jahre alten Hessen- bundes zeigte ihn als ein bedeutungsvolles Glied innerhalb der hessischen und der deutschen Jugendbewegung; sie hielt sich vollkommen alk)hol° und nikotinfrei und trug keinerlei parteipolitischen Charakter.
** Wasserwärme der Laht. Heute vormittag 17 Grad Reaumur.
den oberschlesifchen Grenzbezirk. Der Vertrag bringt Ausführungsbestimmungen zu dem Art. 238 des am 15. Mai 1922 in Genf unterzeichneten deutsch-polnischen Abkommens über


