Ausgabe 
24.10.1924
 
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Blatt

Zrettag, 24. vttoder 1924

174. Jahrgang

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Dr. Arthur Osann f

Der Beginn der Wahlschlacht

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Standpunkt gestanden, daß Eachversländigen-Gutachtens nationale Reichstagsfraktion

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recht interessant sein, zu sehen, was bei ter stellung der Kandidatenli te eus de 1 43 lagern" werden wird, irm denen nach de

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Annahme van 2;.i)e.y«.ii fürbie lagtsnummerbi» zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite orllichL, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Plahvorschtist20" .Auf­schlag. - Berantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Wilh Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin;sur den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Der Rücktritt des StaatZministrrs Dr H r t von der Parteilci ung b .-.miet eine loyale Einlösung seiner nach der Absttm iru g übw die Lawrs» frage gegebenen Erklärrrn^,er. Die Zersplit­terung ter dcutschnati n al n 'io.t.'i muct\ um sich nun einmal in prli.ische r und besonders im Parteileben zu entwickeln, auch auf di.' Parte.» leitung ihre Wirkungen ausüben. Es ist kein Geheimnis, dah eine s ly: erheb! che Za'l te deutschen Wähler bestürzt über das3a" de: 43 einen Teil der Schuld ai die'em Vorgang der Regierung zuschob.m. Der .. rsenku r ier" schreibt: Er vertrete die Auffassung, dah Hergt zum Rücktritt gezwungen worden sei.

Das Zentrum für den Eintritt der Deutschnationalen.

Berlin, 24. Oft. CSU.) Von den Zentrums» abgcordneten G u 6 r a r d und Lammers, die das Zentrum bei den Verhandlungen um die Rcgierungscrweiterung vertraten, wird eine Er­klärung veröffentlicht, die sich gegen die Be­hauptung wendet, das) die Zentrumsfraktion ihr über nicht gehalten habe. Die Zentrums- verpfändetes Wort den Deutschnationalen gegew- fraktion hat im Mai einstimmig auf dem

Die ganze Dankbarkeit und Zuneigung Mitglieder der Deutschen Dollspartei kam der Nachricht von der schweren Erkrankung Osanns zum Ausdruck und b-sonders noch

unserer Darmstädter Redaktion.)

Wie wir schon in einem Teil der gestrigen Auslage meldeten, ist der Führer der Deutschen Dolk-.-partei im Landtag, Iustizrat Dr. Osann, an den Folgen eines Schlaganfalls ver­storben.

Hessischer Landtag.

Don unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 23. Oft Der Landtag stimmt Beginn der Sitzung einem Antrag der Abgg. r n b a u m und H a t t e m e r über die Ge°

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Chrenvorsihenden der Partei ernamrte. ihm di: höchste Würde verlieh, die die Partei vergeben kann. Die Mitteilung davon traf bereits ei c mit dem Tode Ringenden. Dr. O'ann war scho frank seit der Zeit, als die Ausich-e tungen im 3uni 1922 gegen ihr im Zusammenhang m l te 1 Rathenau-^lndgVurgen stattfand:n 3n £?ug .n \ wo er Genesung zu finden hoffte, suchte ihi ein Bluterguß in das Gehirn heim, und wenn sich sein Ee'undh.itszustand anfangs auch weder zu bessern schien, so sollten das trügerische Hoff­nungen bleiben. Der Tod setzte einem Leben ein Ziel, das ausschließlich dem Wohle te) te fischen Volles gewidmet war. An der Bah e Dr O anns könnten keine trefflicheren Worte g^prochei w.r- den, als die Gustav Freyt.ngs, der einmal sag' Ein tüchtiges Menschenleben wirkt segensreich und endet auf Erden nicht mit dem Tod', cs dauert in Gemüt und Tun der Freunde, wie in den Gedanken und der Arbeit eines ganzer Dolkes."

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Dr. Jarres darf nicht zurückkehren.

Duisburg, 24. Oft. (SU.) DemDuis­burger Generalanzeiger" wird gemeldet, dah die belgische Dekahungsbehörde die Rück­kehr von Dr. 3arres in sein früheres Amt als Oberbürgermeister von Dujsburg ab­gelehnt hat. Rach dem gle'chen Blatt wird die Reichsregierung bei der belgischen Regierung Vorstellungen erheben, dah nach den Londoner Abmachungen die deutsche Verwaltung im Ruhr­gebiet restlos wiederhergestellt werden muh.

Der sich hier anbahnende Führerwechsel, der offenbar in die Ersetzung Hergts durch den Groß­admiral v. Tirpih ausmündcm wird, ist in der ge­samten Presse Gegenstand lebhafter Erörterung. So schreibt der deutschna ionaleLokal-An z.": Dieser Wechsel in der Leitung der Deutschna'wna- len Volkspartei ist jedenfalls dazu geeignet, die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei, die in der Abstimmung vom 29. August zum sichtbaren Ausdruck kamen, zu über­brücken. DieDeutsche Zeitung" wür­digt den Führcrwechsel folgendermaßen: 3n der Zeit der Revolution wäre er, der kluge und ge­wissenhafte Erbe altpreußisch:r Beam entradi'ion wie vielleicht nur wenige dazu berufen gewesen, eine große staatserhaltende Par ei mit Erfolg zu leiten. Den Ausgaben eines Führers vaterländi­scher Bewegungen im heutigen Deutschland wäre er jedoch nicht gewachsen. Niemand werde aber Exz. Hergt als Menschen Vorwürfe machen Sorgfalt, Umsicht und Pflichttreue genügen nicht in einer vorwärtsstürmenden Kampfzeit, die rücksichtslose Entschlossenheit und kühnen Wagemut von den Leitern politischer Parteien verlangt.

DerVorwärts" hält den A'?gwrdn:ten Hergt für eine Konzessionan dem Rechts- rad i ka lismu s DieVo ss. Zt g" fcrirgt

sprechende Vertretung in der Reichs­regierung erhalten müsse. Die Fraktion des Zentrums hat ihr möglichstes getan, um eine Mitarbeit der Deutschnationalen in der Reichs­regierung herbeizuführen. Die politischen Vorkommnisse haben deutlich gezeigt, dah Oie Erweiterung der Reichsregierung nicht an der Haltung des Zentrums, sondern an anderen Ur­sachen gescheitert ist.

Die Demokratische Partei an die Abtrünnigen.

Berlin, 24. Olt". (TU.) Reichsminister a. D. Koch hat an den bekanntlich ausgetretenen Pro­fessor Verland ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: 3ch bitte zu entschuldigen, wenn ich der Meinung Ausdruck gebe, dah es auf einer Selbsttäuschung beruht, wenn Sie glauben, daß Gegensätzlichkeiten Ihrer Anschauung nicht zu den Grundsätzen, sondern nur zu der H a l t u n g der Partei bestehen. 3hrerseits hat die Partei ihre Grundsätze verlassen. Es ist falsch, dah die Partei es grundsätzlich ablehnt, die Deutschnatio­nalen in der Regierung zu sehen. 3ch habe in der Fiaktion als Grund unserer ablehnenden Haltung wiederholt hervorgehoben, dah die deutsch­nationale Partei noch nicht reif sei, an den Geschäften der Reichsregierung teilzunehmen und habe namentlich ihre unklare und unzuver­lässige außenpolitische Haltung, die eine schwere Gefahr für die Räumung der Ruhr und den deut­schen Auslandkredit darstellt zur Begründung an­geführt. Aehnlich hat sich der Abgeordnete Kei­nath geäußert. Auch der Wahlaufruf unserer Partei stellt diesen Gesichtspunkt in den Vorder­grund.

Wer den Wahlaufruf der Deutschnationalen Volkspartei liest und mit der Zustimmung der Deutschnationalen zu den Richtlinien des Reichs­kanzlers vergleicht, wird mir recht geben müssen. Die Deutschdemokratische Partei hat bis zum letzten Augenblick an der Politik der Mitte fest- gehalten. Sie hat den Kanzler ersucht, für die von ihm verantwortlich geführte Politik ein Ver­trauensvotum vom Reichstag zu ver­langen. Die Deutschdemokratische Partei ist nicht nach links abgerückt. Wir sind eine Partei aller erwerbstätigen Schichten. Wir kämpfen gegen die So ; al sierungsbest.-ebungen ebenso wie gegen eine Vertrustung der deutschen Wirtschaft, für eine Verbilligung der Produktion. Auch in der Zoll­frage sind wir diesem Grundsatz treu geblieben. Ich hätte es für richtiger gehalten, wenn Sie in einer Zeit, wo es einen schweren Wahlkampf um die Politik der Mitte gibt, nicht in aller Oefsent- lichkeit mit so einseitigen Vorwürfen gegen eine Partei vorgehen würden, zu deren Grundsätzen Sie sich auch heute nicht in Gegensatz stellen zu wollen erklären.

Minister Hamm lehnt eine Kandidatur ab.

München, 24. Oft. CS. U.) Die Wahlkreis­organisation der Deutschdemokratischen Partei für Oberbayern und Schwaben hat Reichs- m in ist er Hamm erneut die Spitzenfandidatur angetragen. Hamm teilte jedoch mit, dah er nach zehnjährigem auf eiben den poli ischen Schaffen aus Gesundheitsrücksichten leider nicht in der Lage sei, die Lasten eines Wahlkampfes diesmal auf sich

Ein Dementi.

Freiburg i. Dr., 21. Ott (WTB.) Die Firma Gebrüder Himmelsbach 21. = ®., F eibutg im Breisgau läßt du-ch das Wolff- bureau folgende M tteilung verbreiten: In letz er Zeit wurde von gewis en politischen Pre sen die Mitteilung verbreitet, daß die früheren Reichskanzler Fehrenbach und Wirth in engen geschäftlichen und verwandt­schaftlichen Verbindungen mit der Firma Gebrüder Himmelsbach stehen. Demaegenüber macht de Firma Gebrüder Him­melsbach die Feststellung, daß weder Fehren- bach noch Wirth im Aufsichtsrat dieser F rma sind noch waren und beide keinerlei verwandtschaftlich e Dezi Hungen zur Fa­milie Himmetsbach und keine geschäftl ichen zur F rma Gebrüder Himmelsbach A.--G. je ge­habt haben. Be de stehe i dieser F rma völlig fern und haben keinerlei Einfluß auf deren Ge­schäftsführung Was im übrigen die gegen die Firma Himmelsbach erhobenen Dorwürfe betrifft, so wurde inzwischen g-eg n die Verleumder Klage eingereicht. Man wird nun allerdings ge­spannt sein dürfen, welches Ergebnis der Prozeß für die so schwer angeschuldigte F.rma haben wird.

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Währung einer Entschädigung an die.ent- (offenen und verheirateten Beam­tinnen zu. 2lbg. Kaul (Soz.) und Gen. haben einen Antrag auf Aufhebung der Reichs«- Personalabbauverordnung und des heffischen Personalabbau- g e s e h e s beantragt. Der zuständige Ausschuß beantragt, den ersten Teil anzunehmen und der zweiten für erledigt zu erklären. Rach längerer Debatte wird der erste Teil angenommen und der zweite abgelehnt.

Präsident Adelung hält hierauf fol­gende Ansprache: Meine Damen und Herren, soeben ereilt uns die Kunde, daß eines der ältesten und bewährtesten MitgliÄ>er dieses Hauses, der Abg. Dr. Osann, feine Augen zum ewigen Schlummer geschloffen hat. Als er vor wenigen Wochen im Süden Erholung suchte, hat ihn eine plötzliche, schwere Krankheit auf das Schmerzens­lager geworfen, von dem ihn jetzt der T 0 d erlöste. Meine Damen und Herren, wir allc stehen tief erschüttert ob der Todesnachricht, die uns trifft am voraussichtlich letzten Sage der Ver­handlungen des gegenwärtigen Landtages. Seit dem Jahre 1906 gehörte er ununterbrochen der

wird ihre bisherige Politik der inneren K o n- s i l i d i e r u n g auch weiterhin verfolgen. So wie bisher die Außenpolitik der Deutschen Volkspartei eine immer größere Anhängerschatt gefunden hat, so hofft sie auch, daß die Neuwahlen die Grund­lage für eine Zusammenfassung immer größererKräfte auf der Linie der Deutschen Volkspartei in der inneren Politik schaffen werden.

Deutschnationaler Führerwechsel.

Hergt vom Partcivorstand zurück­getreten. Tirpih Mitglied der

Parteileitung.

Berlin, 24. Okt. (TA.) Der Parteiborstand der Deutschnationalen Volkspartei hielt gestern im Reichstag eine Sitzung ab, in der an erster Stelle die Frage des Wahlkampfes erörtert wurde. Der bisherige Parteivorsitzende Etaatsminister Hergt erklärte entsprechend feiner bekannten öffentlichen Ankündigung, dah er den Parteiborsih niederlege, nachdem die Derhandlungenüber die Regierungsumbildung ihr Ende gefunden hätten. Der Parteiborstand nahm mit schmerzlich­stem Bedauern den Entschluß des hochverdienten Parteiführers zur Kenntnis, sprach ihm den Herz- l i ch st e n Dank für seine erfolgreiche,, selbstlose Leitung der Partei aus und richtete an ihn die einmütige Ditte, als Mitglied der Partei­leitung weiterhin der Partei seine Kräfte zur Verfügung zu stellen, die unter ihm zur stärksten Partei Deutschlands geworden sei. Mit der Par­teiführung wurde bis zur sahungsgemäßen Neu­wahl der Parteiinstanzen, die erst Ende dieses Jahres stattfindet, der Dorsitzende der preußischen LandtagSsrattion Dr. Winkler betraut. Zu­gleich wurde Großadmiral von Tirpih einhellig zum Mitglied der Parteilei­tung ernannt. Die Vorsitzenden der Landesver­bände der Deutschnationalen Volkspartei werden Anfang November zu einer Sitzung zusammen- treten.

berar.g der Radikalen dir Pa.lei gere.n gt den soll. DieKreuz zeitung Ich eibt:

dem Parleilag der Deutschen Volkspartei letzten Sonntag in Darmstaot, als mar ihr zum

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Der Tod des Landtagsabgcordnclen Dr.Osann ist nicht allein für die Deutsche Voltspartei, son­dern für ganz Hessen ein außerordentlich schwerer Verlust. Er war ein außergewöhnlich kenntnisrei­cher Politiker, der auf eine langjährige parlamen­tarische Erfahrung zurückblicken tonnte. Immer, wenn Dr. Osann sprach, lenkte er die Aufmerksam­keit des ganzen Landtags auf sich und er besaß ein Ansehen als Politiker, das über den Rahmen seiner Partei hinausging. In früheren Jahren waren die Etatsreden Dr. Osanns parlamen­tarische Ereignisse: sie zählen mit zu den bedeu­tendsten Reden, die in diesem Hause gehalten wur­den. Sie ließen die große Sachkenntnis besonders in die Erscheinung treten und zeichneten sich durch eine maßvolle, immer das Wesen der Sache treffende Kritik aus.

Arthur Osann wurde am 27. Oktober 1862 als der Sohn eines bedeutenden Vaters geboren, dessen Wirken als Abgeordneter und dessen charaktervolle Persönlichkeit noch unvergessen ist. Er besuchte das Gymnasium in seiner Vaterstadt Darmstadt und dann die Aniversiläten Straßburg, Leipzig, Bonn, Gießen und Göttingen, um Rechts­wissenschaft zu studieren. Am 1. Januar 1590 ließ er sich in Darmstadt als Rechtsanwalt nieder und trat bald darauf in das politische Leben ein. Gleich seinem Vater schloß er sich der Nationalliberalen Partei an und wenige Jahre darauf berief ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in den Hessischen Landtag. Es war dies im Jahre 1906; seit dieser Zeit hat Dr. Osann ununter­brochen dem hessiscHm Parlament angehört Seine großen Kenntnisse auf dem Derwaltungs- und Finanzgebiet brachten ihn bald in eine führende Stellung unter den Abgeordneten. E ne große Zahl von Anträgen trug feinen Nam.n, und im Laufe der Jahre hat er bei der Gestaltung viele, Gesetzentwürfe im Parlament erfolgivich mit- gearbeitet. Von 1910 bis zur Revolution war Dr. Osann Vorsitzender des Finanzausschusses, auch hier konnte er anregend und gestaltend wirken. Während der Jahre 1907 bis 1912 g? hörte er auch dem Reichstag an. Nebenher ging noch ferne Tätigkeit als Kreistagsabgeord­neter und Stadtverordneter.

Große Verdienste hat sich Dr. Ofann als Führer der hessischen Nationalliberalen Partei erworben: er hat in jahrelangem Kampfe bte Partei sicher geführt, trotz mancherlei Anfein­dungen im eigenen Lager, von Kreisen, die fein: Taktik nicht verstanden. Als die Deutsche Volks- Partei in Hessen ins Leben gerufen wurde, roai Dr. Ofann mit unter den Begründern.

um Ausdruck, dah der Rücktrst t Hergt's ein Zeichen für starke Zersplitterungser- scheinu ngen innerhalb ter deutschnationalen Partei sei. DasBerliner Tageblatt" meint: Es scheint demnach, als ob der Kurs der dcuischnattonalea Paart.i sich nach der rad.kal- völkischen Seite hin betregen teerte Es '

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Allmählich rücken die Parteien mit den Schlagworten her ans, unter denen sie den Wahl­kampf xu führen gedenken. Am freigiebigsten ist damit Die Sozialdemokratie, die ja schon feit Wochen die Parole gegen den Br 01 - Wucher audgegeben hat und in diesem Zeichen zu siegen hofft. Die entscheidende Frage aber, das muß <vus allen Llmhüllungen herausgeschält werden, ist doch die, ob das Deutsche Reich in den nächsten Jahren von einer Rechtsmehr­heit oder einer Linksmehrheit regiert werden soll, anders herum gesehen, ob nach dem Versagen Der Sozialdemokratie jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen ist, wo die D e u t s ch na­tiv n a l e n zur Mitverantwortung an der Re­gierung des Reiches herangezogen werden müssen. Der Kampf darüber ist bei den Demokraten imb dem Zen trum in erster Linie auszufechten, er wird bei der Aufstellung der Kandidaten schon eine große Rolle spielen. Für die Demokra­ten ist die erste Schlacht bereits ver­loren, dadurch, daß ein Teil ihres rechten Flü­gels nach rechts abmarschiert ist.

Vielleicht wäre ohne die Demagogie jener klei­nen, aber rührigen Gruppe um Wirth herum die Krisis gar nicht einmal so scharf geworden: es ist doch ein unbegreifliches Rätsel, dah im Früh- s 0 mmer Zentrum und Demokraten mit den Deutschnationalen verhandelten, also bereit waren, mit ihnen in die Regierung zu gehen, und daß jetzt im Herbst, nachdem die Deutschnatio­nalen in ihrer Stellung zur Außenpolitik vollkom­men umgelernt hatten, nun mit einem Male dieselben Parteien grundsätzlich die Zusammen­arbeit mit den Deutschnationalen ab lehnten. Letzten Endes nur deshalb, weil inzwischen Dr. Wirth das Wort vom Bürgerblock durch das Land getragen hatte und demokratische Prinzi­pientreue vor dem Gedanken zurückschreckte, den Deutschnationalen die Hand zu reichen, nur weil fie nach unserem alten preußischen Sprachgebrauch die Vertreter des Begriffs der Reaktion sind.

Dah inzwischen die Schichtung des Volkes und die Lagerung der Parteien sich vollkommen verschoben hat, ist den Herren vielleicht entgangen, jedenfalls haben sie es ver-schwiegen. Die alten Konservativen waren w)hl einmal eine preu­ßische Iurckerpartei, sie sind heute im deutsch­nationalen Gewände etwa s ganz anderes geworden. In ihren Reihen sinden sich die A r - beiter, die Angestellten, Mittelstand und Dauern. And wenn auch vielleicht der Einfluß derer um Heyd^rand sich hinter den Kulissen noch geltend macht, daß er nicht mehr ausschlaggebend ist, hat gerade die Aostimmung zum Londoner Gutachten gezeigt, die doch bei der Mehrheit der Deutschnationalen den Willen zur Verantwortung auch dem gegenwärtigen Staat gegenüber deutlich zu erkennen gab. Es ist also eine innere Verlogen­heit, wenn man den Deutschnationalen nur deswegen und weil sie angeblich 2Rvn- archisten sind, die Hand vom Steuer des Reiches teegreift. Das Deutsche Reich in feiner gegen­wärtigen Lage kann sich den Lurus nicht ge­statten, die theoretische Meinung jedes einzelnen im Hinblick auf feine Stellung zur Staatsform zu prüfen. Die Deutschnationalen hober bewiesen, dah der Staat ihnen wichtiger ist als die Art seiner Spitze. Für sie ist, ebenso wie für die Deutsche Volkspartei. der Monarchis­mus nur ein Staatsideal, das sie auf verfassungsmäßigem Wege erreichen wollen, das sie aber nicht hindert, ihre besten Kräfte einzusehen zur Förderung des Staates, so wie er heute ist. Nur so kann man die Dinge an­sehen und gerade wenn man sie fo ansieht, zeigt sich das ganze Pharisäertum eine'1 Spie bir e - gefnn ni, die eine 1 g 0 c 1 Teil unsres Vol es politisch deformieren will, indem ite ihm ie.t Weg zur Regierung versperrt. Die Gleichberech­tigung der Sozialdemokraten ist durch die Re­volution anerkannt, heute sind wir so wert, daß um die Gleichberechtigung der Deutschnationalen gekämpft Werren muß. , , .,

Dieser Kamps freilich hat nicht nur ftme theo­retische, sondern auch seine eminent praftilqje Bedeutung weil die Aufgaben, die vor uns stehen, nur mit den Deutschnationalenzu- fammen zu lösen sind. Was wir brauchen, ist eine Regierung, die unabhängig ist von den Schwankungen wechselnder Parlamentsmehr­heiten, die auf eine Reihe von Jahren festen Boden unter sich fühlt und die Atempause be­nutzen kann, um unsere Wirtschaft und unsere Fi­nanzen einzustellen auf den Versuch einer Erfül­lung des Londoner Gutachtens. Das muh das Ergebnis der Wahlen fnn, die Verschiebung zwr- sch«r den einzelnen Parteien wird vermutlich nicht allzu groß sein, sie kann aber doch schon zu einer moralischen Selbstbesinnung beim Zentrum und bei den Demokraten führen und dadurch die Widerstände beseitigen, an denen der Gedanke des bürgerlichen Kabinetts geschei­tert ist.

Die Wahlparole der Deutschen Volkspartei.

Berlin, 24. Oft. (DU ) Wie das Organ der Deutschen Dollspartei, dieZeit", mitteilt, ist in der gestrigen Sitzung des gefchäfts führen den Ausschuss^ der Partei einmütig beschlossen wor­den, daß die Deutsche Volkspartei den Wahl­kampf selbständig ohne Anlehn un g nach links oder rechts führen soll. Das Blatt schreibt weiter: Die Deutsche Volkspartei

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General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag : vrühl'sche Univerfitäkz-Vuch- und Stemöruderei H. Lange in Giehen. Lchriftleiiung und Geschäftsstelle: schnlstrahe 7.

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