Ausgabe 
24.7.1924
 
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Lage in Hessen Stellung zu nehmen. ES wurde eine Entschließung angenommen, die in sehr scharfem Tone gehalten sein soll und der Sozialdemokratischen und der Demokratischen Partei zugestellt wird. Wie verlautet, soll darin DerAuStrittaus der Koalition angekündigt sein, wennnichtdenZentrumSforderun- gen entsprochen wird.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 23. Juli.

3ur Beratung kommen mehrere Anträge ver­schiedener Parteien, die sich mit der Invaliden­versicherung, Unfallversicherung, Kriegsbeschädig­ten- und Ertverbslvsenfürsorge, sowie mit der Fürsorgepflicht befassen. Der Ausschutz beantragt folgende

Aenderung der Reichsversicherungsordnung:

Der Reichszuschutz beträgt jährlich 48 Gvldmark für jede Invaliden-, Witwen- und Witwerrente und 24 Gvldmark für jede Waisenrente. Diese Aenderung soll am 1. August dieses Jahres in Kraft treten.

Rach einem weiteren Ausschuhantrag sollen in der UnfallVersicherung an die Stelle der alten einheitlichen Renten Renten treten, die dem wirllichen Arbeitsverdienst entsprechen. Wer aus der Unfallversicherung zwei Drittel oder mehr der Vollrente bezieht, soll vom 1. Juli ab eine Sonderzulage von 15 Goldmark monatlich erhalten.

Zur Kriegsbeschädigtenfrage bean­tragt der Ausschuh. die Rentenerhöhung bei Ren­ten und Zusahrenten von 40 auf 50 Proz. fest­zusehen. Die Renten der Kriegsteilneh­mer von 1870 und früher sollen von 10 auf 15 Gvldmark monatlich erhöht werden. Daneben werden zahlreiche Verbesserungen in den einzelnen Zweigen der Kriegsbeschädigtenfürsvrge beantragt.

Die Höchstsätze der Erwerbslosenunterstützung sollen nach einem weiteren Antrag des Ausschusses in der Hauptunterstützung um 20 bis 25 Proz., die Familienzuschläge um 50 Proz. erhöht wer­den. Für Jugendliche soll die Fürsorge ein Jahr früher, also mit dem 17. Lebensjahre eintreten.

Weiter wird die Aufhebung der S teuer bei weiblichen und männlichen Erwerbs­losen verlangt. Schließlich ersucht der Ausschuß die Reichsregierung in einem Anträge, um­gehend Vorschriften über Verfahrensbeschwerde und Aufsicht über die Fürsorgepflicht nach dem Sinn und Zweck der bisherigen reichsgesehlichen Regelung durchzuführen.

Abg. Hartz (Dntl.) verlangt eine Umgestal­tung des Systems der Sozialversicherung. An die Stelle des bureaukratischen Betriebs muß die Selbstverwaltung auf berufsständiger Grundlage treten. Bei der Erwerbslofenfürsorge hatten die Deutschnationalen eine Erhöhung der Familien­zulage um 100 Prozent verlangt, denn die Rot der Familie erheischt in erster Linie schnelle Hilfe. Das ist leider vom Ausschuß abgelehnt worden. Das Arbeitslosenproblem kann mit Renten nicht gelöst werden, es ist notwendig, Arbeit für die Erwerbslosen zu schaffen.

Abg. Hoch (Sr^.) bezeichnet das Ergebnis der Ausschußberatung als eine bittere Enttäu­schung für die Armen. Ein alter Invalide, der jetzt für sich und ferne Frau eine tägliche Rente von 43V2 Pfennig bekommt, soll nun dazu eine Zulage von ganzen 3r/2 Pfennig täglich be­kommen. Wir verlangen zur Ermöglichung höherer Renten eine fühlbare Steuer für die Aufsichtsräte. Als Sparmaßnahme verlange seine Partei eine Einschränkung der kostspieligen Reichswehr­übungen (lebhafter Widerspruch rechts) und einen Zuschlag zur Dermögensteuer bei Vermögen über 100 000 Gvldmark. Unter stürmischen Pfuirufen der ^^Nationalsozialisten und Deutschnationalen macht der Redner in seinen weiteren Ausfüh­rungen für die jetzige Rot des Reiches und die Inflation, in der sich Großkapital und Industrie am Volke versündigt hätten, dir Kriegshetzer und Lu.dendorff verantwortlich.

Rerchsarbeftsmmifter Dr. Brauns sucht zahlenmäßig nachzuweisen, daß die in den verschiedenen Anträgen verlangte Erhöhung der Leistungen in der Sozialversicherung in der ge­forderten Höhe für das Reich, für die Arbeit­geber und Arbeitnehmer nicht tragbar sei. Wenn man die fehlenden Mittel durch neue Steuern aufbringen will, so verläßt man damit den Boden der Versicherung und geht über zur öffentlichen Fürsorge. Die Reichsregierung wird nunmehr für die Ausführung der Fürsorgep'lcht Grund­sätze aufstetten. die sie vorher Len Sozialpolitt- schen Ausschuß des Reichstags vorlegen wird. Eine Verdoppelung der Invalidenrente ist un­möglich. In der Frage der Erwerbslosen­fürsorge wird die Regierung den Vorschlägen des Ausschusses folgen. Wenn die Londoner Kon­ferenz zu einem für uns Halbwegs erträglichen Ergebnis kommt, dann ist zu hoffen, daß un& die

Der Alte auf Topper.

Roman von Hanns von Zobeltih.

24. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Ein weniges ratlos stand der Junker, zupfte an der Weste. Cs gurgelte ihm etwas im S)a[fe, und zwischen den Wimpern fühlte er widerwillig das Ratz. War ihm sehr recht, datz der Stabs- tapitän ihn mit dem gesunden Arm umsatzte: 3d) neid' dir's, Kaspar. Glück auf! Und so du die Kameraden vom Regiment Zastrow siehst, grütz' die Braven von mir.

.Will ich, Ohm."

Von der andern Seite kam der dürre Eerisius: Gehabt Euch wohl, Herr Junker, und laßt all den guten Samen, so ich Euch in die Brust zu legen beflissen, nicht dorren."

Will's versuchen, Herr Informator."

Großvater und die Frau Mutter standen schon draußen am Wägelchen, und als er nun hinaustrat, nahm ihn der Alte bei beiden Händrn, sah ihm scharf in die Augen und sagte feierlich: Geh mit Gott aus unserem Hause, Kaspar. Der Herr behüte dich. Du aber mach' uns und unserem Rumen Ehre." Umarmte ihn und küßte ihn auf beide Wangen.

Jetzt weint sie doch, die tapfere Frau Beate. Kann zuerst gar nicht sprechen, hält den Einzigen nur lange, lange an der Brust. Sagt dann leise, ganz leise:Vergiß, deine Mutter nicht! . . . Bleib brav und gottesfürchtig! . . . Sei gehorsam und treu und barmherzig . . . nicht leichtfertig . . . datz ich dich gesund Wiedererhalte, gesund an Leib und Seele." Kam nur stohweise, mühsam heraus.

Der Großvater war an den Kutschbock ge-

wirischaftucye Gesundung auch sozialpolitische Fortschritte ermöglichen wird.

Reichsfinanzminister Dr. Luther

führt die Zahlen aus dem Etat an, aus denen er zeigen will, daß Deutschland heute für die Sozial­politik mindestens ebensogrohe Mittel aufbringt, wie in der Vorkriegszeit. Wer jetzt eine weitere Erhöhung der sozialpolitischen Leistungen fordert, der seht das Reich der Gefahr aus, daß sich die furchtbare Inflation des Vorjahres wiederholt, unter der die Arbeiterschaft am meisten gelitten hat. Wenn das Reich jetzt 15 Millionen für sozialpolitische Zwecke aus dem Haushalt ver- wendetz so tut es damit alles, was möglich ist. Aus den au erwartenden Einnahmen werden wei­ter dafür 60 Millionen verwandt, 40 aus der Umsatz- und 20 aus der Kapitalverkehrsst euer. Die Erhebung neuer Steuern würde in dresem Moment kaum möglich sein. Sie Santiemenfi euer für Aufsichtsräte verspricht keine wesentliche Ver­mehrung unserer Einnahmen, sie würde überdies auf die Gesellschaften abgewälzt werden. Es Ware ein furchtbares Schicksal, wenn gerade jetzt, wo eine außenpolitische Kons ilidierung zu erwarten ist, die deutsche Währung wieder erschüttert würde.

Abg. Mastowski (Komm.) bezeichnet die von den übrigen Parteien getriebene Sozialpolitik als reine Heuchelei. Am meisten werde vom Zentrum geheuchelt.

Abg. Gerig (Z.) weist die Angriffe des Abg. Maslowski gegen seine Fraktion zurück. SHe schwierige Lage der Invalidenversicherung lasse sich nicht durch die sozialdemokratischen Anträge bessern. Am Verwaltungsapparat mühten Er­sparnisse zu machen sein. Der Redner tritt für die Ausschuhanträge ein.

Abg. Dr. Moldenhauer (D. Dpt.) Werst auf die Rotlage der Wirtschaft hin, die zu ge­wissen Grenzen in der Sozialpolitik zwinge. Die Feststellung dieser Tatsache sei keine Stellung­nahme für das Grohkapital. Die Anträge auf Verdoppelung der Invalidenrenten sei finanziell undurchführbar. Die Sozialpolitik werde gefährdet, wenn man bei ihrer Durchführung die Gesetze der Wirtschaft und der Finanzwirtschaft nicht beachte. . Redner wendet sich dann gegen die Bemerkung des Abg. Hoch überDeutsche Kriegshetze". Das sei eine während der Londoner Konferenz sehr bedauerliche Aeuherung, die daran vorbeigehe, dah Deutschland in den Krieg hineingezwungen worden sei.

Abg. Stöhr (Rat.-Soz.) erklärt: Wir dürfeii nicht wieder in den Fehler verfallen, durch so­zialpolitische Rückständigkeit Mlllionen deutscher Arbeiter dem Staatsgedanken zu entfremden. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat durch seine Zustimmung zum Gutachten die Meinung widerlegt, daß die Industrie durch die sozialpoli- schen Lasten erdrückt werde. Ehe Tribute dem Auslande gezahlt werden, muß für die deutschen Arbeiter gesorgt werden. Abg. Hoch hat mit seiner Bemerkung die Schuldlüge wiederholt, die die Grundlage des Versailler Vertrages bildet. (Stür­mische Pfuirufe und Rufe der Rationalsvzialisten: Das bringt bloß ein Jude fertig! Hochverrä­ter!") Wir werden trotz unserer weitergehenden Wünsche schweren Herzens den Ausschutzanträgen zustimmen.

In dritter Lesung werden noch Heinere Vor­lagen erledigt.

Um 8 Uhr wird Vertagung auf Donnerstag, 2 Uhr, vorgeschlagen. Die Äbgg. Koenen (Komm.), v. Graefe (Rat.-Soz.) und Schulze-Bromberg (Dn.) verlangen Fortsetzung der Beratung. Das Ab­stimmungsergebnis bleibt zunächst zweifelhaft: beim Hammelsprung führen die Mittelparteien und die meisten Sozialdemokraten durch Richtbeterli- gung Beschlußunfähigkeit herbei.

Vizepräsident Dr. Dell vertagt die Weiter­beratung auf Donnerstag

Albert Dürklin

Exz. Dr. Albert Dürklin ist ver­gangene Nacht 2 Uhr in Heidelberg, wo er seit einigen Wochen im Schloßhvtel zur Er­holung weilte, an den Folgen einer schweren Unterleibsoperation gestorben.

Mit Dürklin ist einer der im politischen und kulturellen Leben Dadens und der Pfalz hervorragendsten Persönlichkeiten dahinge­gangen. Dr. Dürklin war längere Zeit 1. Vor­sitzender der Dadischen Kammer und Vize­präsident des Reichstags und vertrat als Ab­geordneter den Wahlkreis NeustadtLan­dauEdenkoben im Reichstag, in dem er der Nationalliberalen Partei angehörte. Unter Grohherzog Friedrich belleidete er das Amt eines Intendanten des Hostheaters in Karls­ruhe, wo er seit einer Reihe von Jahren sei­nen Wohnsitz hatte. Dorthin werden auch die sterblichen Ueberreste übergeführt, um in der Familiengruft beigesetzt zu werden.

treten, auf dem die Marzankes, Vater und Sohn, faßen.Daß Ihr mir gut für den Junker sorgt!" Er muhte sich Lust machen irgendwie. So b.kam der Vogt ein kleines Donnerwetter:Hast wähl heut nicht Zeit gehabt, ordentlich zu striegeln! Schweinisch sieht der Schecken aus! Jagt mir den Gaul nicht heih! Kommt immer noch zeitig genug!" Und dann wandte er sich um, fuhr ein paar Mal mit dem Handrücken über die Augen. Also . . . vorwärts, Kaspar. . ."

Einen letzten Kuß noch

Der Schecken zog an, der Vogt knallte mit der Peitsche. Jetzt heulte der Junker doch. Es kam wie ein Gewitterschauer.

Aber gleich, als der Wagen auf die Darf­st vatze einbog, raffte er sich zusammen. Pfui Geier der Junker Zabeltitz, balde Page Seiner Maje­stät, und flennen! Sitzt gerade und aufrecht, Kops hoch, grüßt, wo ein Weiblein aus dem Haus ge­treten ist, ein wenig nachlässig, von oben herab.

Einmal freilich, einmal, da will das junge Blut wieder aufzucken.

Denn es stehen im Pfarrgärtchen vor dem niederen Hause der Herr Magister und die Frau Pastorin und haben das Ruthkind zwischen sich. Die Alten winken, aber der Rotkopf hat sein Tüchlein vor den Äugen.

Da ruft er:Auf Wiedersehen! Ruth, schau auf! Auf Wiedersehen!" Recht laut und kräftig ruft er's und schwenkt den Hut. Als ob er von Herzen froh wäre und tut ihm doch so weh da drinnen, zwischen den Rippen.Auf Wieder­sehen! Vivat Fridericus Rex!"

* * *

Eine Odyssee,' hat nachmals der Informator, Herr Cerisius, gesagt, als er von der Reise seines

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Iull 1924.

Vom Tennis.

Wenn Fuhball und Handball sich anschicken, zur Ruhe zu gehen, dann tritt meist der kleinerq Bruder, der Tennisball, an ihre Stelle. Seine Geschichte ist nicht allzulang, wenn man vom bloßen Spielen mit Beinen Bällen ab sieht. Ten­nis stammt aus Italien und wurde dort als ein Spiel betrieben, bei dem es darauf anfam, den Ball solange wie möglich in Bewegung zu hal­ten. Aber erst England und Frankreich haben ein wirtliches Sport- und Wettspiel daraus gemacht. Es wurden bestimmte Regeln fest gelegt, der Platz eingegrenzt und eingeteilt usw. Am Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sind nach diesen Regeln zum erstenmal in Wim­bledon Meisterschaften ausgesuchten worden.

Tennis ist so recht geeignet, den Körper durch- zuarbeiten und ihn durch die ausgiebigste Be­wegung geschmeidig und kräftig zu gestalten. Da das Spiel außerdem überwiegend im Freien be­trieben wird, kommt noch die gesundheitliche Wir- kung der frischen Luft dazu. Aber nicht die Be­wegung allem ist es, die Tennis so wertvoll als Leibesübung macht, sondern auch die Technik und Taktik dieses Spieles wirkt überaus erziehe­risch. Schon beim Aufschlag kommt es darauf an, den Ball genau und scharf zu setzen. rMan plaziert ihn in die Ecken, well er dann besonders schwer erreichbar ist, oder man seht ihn dem Gegner direkt vor die Füße. Diese Tattik hertzk .es bei jedem zurückzugebenden Ball aus allen mög­lichen Stellungen heraus immer wieder durch­zuführen. Der Gegner wird umspielt oder über­spielt usw. Beim Wettspiel heißt es die Ruhe bewahren, die Schwächen des Gegners ausauhen, die eigenen Kräfte schonen oder bis zum Letzten einsehen, je nachdem. Unermüdlich muß das Auge den Ball verfolgen, blitzartig müssen die Nerven jede Situation erfassen.

Man wirft dem Tennis vielfach vor, es |et ein feudaler Sport, der nur von wohlhabenden Leu­ten betrieben werden könne. Diese Anschauung trifft nicht zu. Gewiß erfordert die not.vendrge Spielkleidung und das Spielgerät Aufwendungen, die Spielplätze sind zudem meist wert draußen, die Plahmiete ist teuer; aus diesen Gründen, mag der Tennissport auch nicht die große Volks­tümlichkeit errungen haben, wie der Fußball. Trotzdem seht er sich durch und gewinnt eine immer größere Ausbreitung. In Berlin z. B. be­stehen mehr als 40 Tennisklubs, von denen jeder über mehrere Mannschaften verfügt. Der Berliner Tennisverband hat jedes Jahr eine ungeheure Arbeit zu leisten, um alle diese Mannschaften, die wieder in Klassen und Gruppen eingetellt sind, in Verbandsspielen zu beschäftigen und sie durch­zuführen. Frankfurt a. M., Köln, Bremen, Ham­burg sind weitere Plätze, an denen der Tennis- spori in Deutschland in Blüte steht, und kaum eine größere Provinzstadt ist ohne Tennisklubs, ganz abgesehen von den vielen Spielern, die nicht in Vereinen sind. Die Spielstärke der Ten­nisspieler wird alljährlich festgestellt durch die sogenannte Vorgabe-Kommission des Deutschen Tennisbundes. Diese Kommission berechnet und schätzt nach genauer Prüfung aller von dem ein­zelnen Spieler im Laufe des Jahres getätigten Wettspiele seine Klasse und stellt danach eine Rangliste auf.

Kaum ein Spiel ist so über die ganze 'Welt verbreitet, wie Tennis. Deshalb gibt es auch zahlreiche Wettbewerbe, die international aus- getragen werden. Der wichtigste davon ist wohl der Länderkampf um den Davispokal, der seit 1900 ausgetragen wird. Zurzeit verteidigt ihn Amerika. Dazu kommen die Weltmeisterschaften. Auf Rasenplätzen wird sie seit 1877, für Damen feit 1884 in Wimbledon ausgespielt, während Die Weltmeisterschaft auf Hartplähen seit 1912 in Paris zum Austrag kommt. Es ist der höchste Ehrgeiz eines erstklassigen Spielers, sich in die Siegeiliste von Wimbledon einzeichnea zu können. Der Krieg hat Deutschland aus allen internatio­nalen Wettbewerben ausgeschallet. Man mag dar­über denken, wie man will, für Die Entwicklung der Spielstarke unserer ersten Klasse kann eine solche Fern Haltung von Spielen mit internatio­nalen Dennisgrößen natürlich nicht von Vorteil sein. Die nordischen Länder, Holland und Spa­nien, jetzt auch Italien, haben jedoch die tennis- sportlichen Beziehungen mit Deutschland längst wieder angeknüpft; dazu kommen Oesterreich und Ungarn, so daß der Betätigung unserer Spieler schon weite Grenzen gesteckt sind.

Roch ein Wort Darüber, ob sich Tennis auch für die Frau eignet. Da ist die Antwort ziemlich einwandfrei: Tennis ist zweifellos der­jenige Sport, der sich, abgesehen von Turnen und Schwimmen, am besten für den Frauenkörper eignet, ihn beweglich gestaltet, der zur Gewandt­heit und Kraft die Anmut fügt. Eine englische wissenschaftliche Sportkommission hat sich vor eini­

weiland Zöglings des näheren erfuhr. Frau Beate sagte:Verarme Junge"; der Stabs kapitan:Das ist im Felde nicht anders, und ich wollte, ich wär' dabei gewesen"; der Gestrenge endlich:Eine verfluchte Schweinerei, wobei Wohl die Dukaten, so ich gegen das schlechte Geld mit großem Ver­lust einwechseln muhte, braiufgegangen fein.

Ein jeglicher aber hatte rocht.

Am Morgen des Äufbruchs hatte Großvater noch genau instruiert:Der Marzanke führt euch bis Frankfurt, von dort schickst du ihn sogleich retour, sintemalen ich ihn und den Schecken brauch' wie das liebe Brot. Den Schecken noch.iger denn ihn. In Fvaallfurt meldest du dich bei dem Herrn Kommandanten, so es solchen nach dem Abzug der Moskowiter schon wieder gibt, sonsten beim Herrn Bürgermeister. Der oder jener wird schon wissen, wo Seine Majestät im Felde steht, und wohin du dich weiter wenden muht."

Bis Frankfurt ging auch alles recht schön glatt, außer daß der Weg von Reppen an mise­rabel und die Karrete zeitweilig im Dreck stecken zu bleiben drohte, denn es hatte fast die ganze erste Oktoberhälfte mit Mollen geregnet.

In Frankfurt an Der Oderbrücke aber fing das Malheur an. Da stvmd freilich schon wieder ein preußischer Posten und schulterte; übrigens ein ruppiger, struppiger Kerl von der Miliz. Der brüllte heraus, und als Der Unteroffizier kam, der auch nicht viel besser ausschaute, und Den Gott­lieb auf Dem Kutschbock sah in Der Montierung und Dem Dreispitz, machte er:Ha!", holte mit langem Arm aus, wollte Gottlieb herunterreißen. Ein Deserteur... da gab es Fanggeld zu ver­dienen.

Der Junker kramte des Großvaters Schrift- wert heraus, in dem der Svb- und Gerichtsherr

'ger Jett einmal mit der Frage beschäfttgt, wel­cher Sport sich für das weibliche Geschlecht am besten eigne. Ueber 600 Sachverständige haben damals ihr Urteil abgegeben, und Tennis hat Die meisten Stimmen erhalten; abgelehnt hat es überhaupt niemand. Wer von Den Damen das nicht glauben wlll, der spiele selbst einmal und prüfe.

&

Gietzener Wochenmarktpreise

am 24. Juli 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf Dem heutigen Wvchenmarkt das Pfund Butter 190, Wirsing 20 bis 25, Gelbc Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10, Rörnischkvhl 10, Bohnen 10 bis 20, Erbsen 10 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 50, Zwiebeln 15, Pilze 20 bis 25, Kartoffeln 6 bis 7, Falläpfel 10, Dirnen 20 bis 25, Kirschen 40 bis 45, Heidelbeeren 35 bis 40, Johannisbeeren 40, Pflaumen 60, Mirabellen 70, Reineklauden 70, Suppenhühner 70; das Stück Käse 5 bis 6, Eier 13, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 60, Einmach - gurken 4 bis 5, Endivien 20, Ober-Kohlvabi 5 bis 10, junge Hahnen 50 bis 60 Pf.

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** Reu e amtliche Anweisungen über Stundungen unb Verzugszu­schläge bei Durchführung Der Des ih - fleuergesetze. Der Reichsfinanzminister hat, wie schon gemelDet, mit Wirkung vom 20. Juli 1924 Die Verzugszuschläge gemäß der zweiten Steuernotverordnung für Die Zukunft auf 2 v. H. des Rückstandes für jeDen angefangenen halben Monat festgesetzt. Bekanntlich betrug der bis­herige Satz 5 v. H. für jeden angefangenen halben Monat. Außerdem gibt Der Minister jetzt be­sondere Anweisungen für Die Behandlung der Stundungsgesuche und für Die Richteinziehung belangloser Verzugszuschläge bei geringfügigen Fristüberschreitungen. Da ferner Die Bestimmun­gen über Stundung Der Vorauszahlungen auf Einkommen- und Körperschaftssteuer von einzelnen Finanzämtern nicht richtig ausgelegt worden sind, weist Der Finanzminister Darauf hin, dah Die in Betracht kommenden Verhältnisse des Steuerschuld­ners mit Verständnis für die heutige wirtschaft­liche Rotlage zu prüfen sind. Andererseits sei unbedingt Daran festzu halten, dah sich niemand der Pflicht entziehen Darf, mit Anspannung aller seiner Kräfte dazu beizutragen, Staatswirtschaft und Währung vor Dem Verfall zu bewahren. Besondere Rücksichten sollen auf Steuerpflichtige genommen werden, die durch Raturereignisse (Hagelschlag, Hochwasser, Auswinterung) geschä­digt worden sind. Man könne billigerweise nicht erwarten, dah ein Steuerpflichtiger Vieh oder ähnliche Betriebsmittel zu Preisen verändert, du mehr als 20 Prozent unter dem Friedenspreise liegen.

** Aufgehobene Strahensper« ren. Die Kreisftrahen LollarDaubringen, Grvßen-DuseckBeuern und Lang-Göns Holzheim sind für Den Verkehr wieder frei­gegeben worden.

** Zum 116er Tag in (Ziehen. Vom Verband Der ehern. 116er (I.-R. 116, L.-I.-R. 116, R.-I.-R. 116, R -I.-R. 222, R.-I.-R. 254, I.-R. 186, I.-R. 418 und Ers.-Batl.) wird im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes bekannt- gegeben, daß das Programm des 116er-Tages infolge der Reichsgedenkfeier eine Aenderung er­fahren hat. Die Grundsteinlegung ist jetzt auf Samstag, 2. August, nachmittags 41/2 Uhr, festgesetzt worden. Die weiteren Veranstaltungen! sind aus Der Anzeige ersichtlich. Das ausführ­liche Festprogramm ist an den Festtagen an Dero im Inserat bezeichneten Stellen erhälllich. Man beachte Die Anzeige.

** Der nächste Viehmarkt in Gie­ßen findet am 29. und 30. Juli statt. Näheres in der heutigen Bekanntmachung.

** Selbstmord in Der Lahn. Wer kennt Die Tote? Gestern abend gegen 6V4 Uhr wurde beobachtet, wie eine bisher unbe­kannte Frauensperson oberhalb Der Denninghoff- schen. Eishalle in selbstmörderischer 2lbsicht in Die Lahn sprang und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Personen, die über die Persönlichkeit der Ertrunkenen Auskunft geben können, werden ersucht, bei Der Kriminalpolizei vorzusprechen.

** Fest genommen wurde ein junger Mann von hier, Der ein Fahrrad aus dem Erd­geschoß Der Gewerbeschule gestohlen hatte. Das Rad. das vollständig auseinander genommen aus einem Speicher unter Heu versteckt vorgefunden wurde, konnte Dem Geschädigten wieder zurück- gegeben werden. Ferner -nahm Die Polizei eine wegen Diebstahls von einem auswärtigen Gericht steckbrieflich verfolgte Person fest, die Dem hie­sigen Amtsgericht zugeführt und in Haft genom­men wurde.

auf Topper alle Königlichen Militär- und Zivil- behöiden um freundgefällige Förderung für Den Junker Kaspar von Zabeltitz ersuchte und seinen Begleiter. Der Korporal nahm es, machte ein wichtiges Gesicht hielt Die Epistel aber verkehrt in den Händen; er konnte nämlich nicht lesen. Woher und wie soll solch Korporal von der Miliz auch lesen können.

Es gab einen längeren Diskurs, und das Ende vom Liede war, daß Der Wagen von zwei Milizsoldaten zum Herrn Kommandanten eskor­tiert wurde. Wieder Dauerte es eine gute Weile, bis der Junker vorgelassen. War ein alter Herr von Lestwih, Kapitän in Pension, Der beide Deine in dicke Wattelagen gewickelt hatte, weil ihn grab das Podagra zwickte. Mächte aber martialische große Augen, strich Den eisgrauen Schnauz bart, examinierte, als ob das Wohl des Landes davon abhinge. Meckerte dabei ein wenig mit Der Stimme, was ganz wunderlich zu den Rollaugen paßte.Hm! Hm! Ja! Ja! Kenn' Den Herrn Großvater wohl. Hm! Hm! Also ins Lager Seiner Majestät wolle der Junker. Hm! Ja! Ja! Woher soll ich wissen, wo Seine Majestät sich befinden? Hm . . . h er in dieser gvttvermale- Deiten Stadt . . . wer weih es? Hm ... ich eftimier, niemand weiß es. Ja, also, da muh Er schon nach Berlin. Hm . . . kann also passieren, werd' mein Signum unter das Schreiben setzen, daß Er sich bei mir gemeldet. Hm . . . ja . . . Der Dursch auch. So? Dei Kunersdorf blessiert. Hm... ein Unglückstag. . . Hm! Also, behüt Ihn Gott, Iuiller . . . und will er exküsieren, daß ich Ihn mit Den Lappen um Die Beine ange­nommen . hm . . . das Zipperlein . . . ja..." (Fortsetzung folgt.)