Giehener Konzertverein.
Missa solemms von L. van Beethoven.
Mit Beethovens Missa solernnis gab der Konzertverein den Darbietungen des laufenden Konzertjahres den krönenden Abschluß. Der rnethaphysischc- Charakter dieser Tonsprache, der vollkommen transzendentale Gehalt des nach Form und Gedankentiefe riesenhaften Werkes, in welchem die Bewußtheit der poetischen Idee in Andacht und Verklärung getaucht ist, werden immer und überall Erschütterung und Ergriffenheit auslösen. Die bildhafte Kraft des lateinischen Messetextes war dem Künstler und Menschen Beethoven, dem Kämpfer, der müd geworden war der Erdcnftürme, nur die Brücke zu der persönlichsten und zugleich gewaltigsten Auseinandersetzung eines Erdgeborenen mit dem Göttlichen auf dem Gebiet kirchlicher Musik und innerhalb der christlichen Weltanschauung, die Ausgangspunkt und trotz aller subjektiven Kunst d-r Darstellung und gefühlsmäßigen Gestaltung rua. Endziel dieser einzigarttgen Messe ist.
Die diesmalige Aufführung der Messe stand, r.cn; ifcn an den übergcwaltigen Anforderungen des Werkes und den sehr großen Schwierigkeiten materieller Natur, die den Klangkörper, be nders den Chor bedrohten, auf durchaus achtbarer Höhe. Btt streng abwägender kritischer D. un tung verdichtet sich das Arteil mehr und mehr zu einer rückhaltlos bewundernden Aner-
Die Varbarenherrschast in der Pfalz.
London, 22. Mai. (Wolff.) Der bekannte Publizist und ^>rausgeber der „Westminster Ga° zette", Hugh S. Spender, berichtet in der bekannten Wochenschrift „The Nation" über die Eindrücke seiner Reise durch die Pfalz und seines Besuches bei General de Metz. Spender bezeichnet die Taten der Separatisten wie die Verwüstung des Regierungsgebäudes in Speyer, dessen Wiederherstellung 100 000 Goldmark gekostet hat, wie der Vertreibung von 20 000 Bürgern von Haus und Hof als ein Rückfall in das barbarische Zeitalter. Die weitere Anwesenheit der Separatisten in anderer Form wie unter dem Ramen der „Rheinischen A r- beiter Parte i", führe zu Zwischenfällen, wie der des Bürgermeisters H e l s f e r i ch.
Die Vertreibung der Separatisten sei die natürliche Folge der in der Bevölkerung herrschenden Anruhe gewesen und nicht — bei General de Metz sei dies zu einer fixen Idee geworden — das Werk der rheinischen Nationalisten.
General de Metz suchte seine Ausweisungsbefehle Spender gegenüber dadurch zu recht- fertigen, daß die Rückberufung der Ausgewiesenen nicht seine Sache wäre, sondern die der interalliierten Rheinlandkommission. General de Metz meinte, Spender habe als englischer Pressevertreter das Recht, ihn darüber zu befragen, da in der Rheinlandkommission nicht nur Delegierte Poincares, sondern auch solche des Königs von England sähen. Er fühle sich England gegenüber ebenso verantwortlich wie Frankreich Dieser Hinweis des französischen Provinzdelegierten auf die englische Derantworüich- keit führt Spender zu folgender Schlußfolgerung: Wir können also nicht beiseite stehen und sagen, was in der Pfalz vvrgeht, geht uns nichts an. Die pfälzische Bevölkerung betrachtet uns als seine ^»ffrnrng.
England und das künftige deutsche Kabinett.
London, 22. Mai. (WTB.) Funkspruch In hiesigen polittschen Kreisen werden die inner- politischen Entwicklungen in Deutschland a u s - schliehlich vom Standpunkt ihres Einflusses auf die Frage der Annahme des Sachv er st ä n digenberichts kmrch Deutschland betrachtet. Es wird nicht verhehlt, dah die diesbezügliche Lage in Deutschland hier gröbere Besvrnis verursacht als die Lage in Frankreich Es wird erneut hervorgehoben, dah von englischer Seite in der Annahme des Sachverständigenberichts a l s Ganzes der einzige Weg zur Lösung der Reparationsfrage gesehen wird. Englands Stellung- '»ahme zu den in Deutschland darüber herrschen- **en Meinungsverschiedenheiten wird in die Worte zusammengefatzt: Wir vertrauen auf den gesunden Menschenverstand des deutschen Volkes!
Die britische Wirtschaftskrise.
London, 22. Mai. (WTB.) Im Anterhaus hat heute bei der Eindringung der Voranschläge des Arbeitsministeriums durch den Arbetts- Minister Shaw die mit grober Spannung erwartete Debatte über die Arbeitslosenpoli- t i k der Regierung begonnen. Shaw sagte u. a., «die internationale Lage sei bei dem Amtsantritt der Arbeiterregierung heikel und schwierig gewesen. Das Prestige Grvhbritanniens sei geringer als seit Jahrhunderten gewesen. Mohammedaner und Hindus hätten sich im Widerstand gegen England vereinigt. Wenn nicht die englische Baumwollindustrie wiederhergestellt werde, könne der englische Handel nicht gedeihen. Ebenso mühten vollkommen neue Ausfuhrindustrien entwickelt werden oder die LÄite, die Englands Feinde geworden seien, zu Freunden gemacht werden. Macdonald habe bas britische Prestige in der Welt erhöht. (Lautes Gelächter bei der Opposition.)
Es.komre nicht erwartet werden, daß die Regierung in wenigen Monaten die riesigen Fehler ihrer Vorgänger im Osten wieder gut machen könne, sie hoffe jedoch, daß sie durch ihre Politik, die zur Befriedung Europas führe, in der Lage sein werde, die Türkei zu befriedigen und die britischen Markte wieder herzustellen.
Die Regierung habe in ihrer Innen- und Auhen- politik Vertrauen und Sicherheit geschaffen, so das) das englische Volk in Frieden arbeiten könne. Der Handel bessere sich und die Arbeitslosigkeit nehme ab. — Der frühere konservative Minister Johnson Hicks erklärte, Die Regierung habe zur Arbeitslosigkeit keinen neuen Plan vorgebracht. Die Regierung habe die dem Lande gemachten Versprechungen nicht erfüllt. — Der Liberale Mae- terman erklärte, er nehme mit den meisten in diesem Streit eine neutrale Stellung ein. Es sei jedoch Ansinn, vorzugeben, daß Die Arbeiterpartei sich eine Stellung in den Angelegen
heiten der Wett geschahen have. Der Antrag Hicks bedeute jedoch ein Mißtrauensvotum, das er nicht unter st ühen werde.
Englands Luftverteidigung.
London, 22. Mai. (WTB.) Im Anterhaus wurde heute der Anterstaatssekvetär im Luftmini- sterrum Leach gefragt, ob er wisse, daß ein französisches Syndikat sich gebildet habe, um die als To des strahl bekannte (Si-finDung dos britischen Gelehrten Grindel! Matthews zu erwerben, und ob Schritte getan worden seien, um vom Standpunkte der Luftverteidigung das Patent für England zu sichern. Leach erwiderte, dah das Luftministerium mit Matthews in Verbindung stehe, dah es aber gegenwärtig nicht ratsam sei, eine eingehende Erklärung über die Frage abzugeben.
Painleve und Deutschland.
Paris, 23. Mai. (WTB.) Wie der „Ma- tin" mitteilt, ist der Abgeordnete Painlevä gestern nachmittag um 4 Ahr zu einer 11/4stündigen Anterredung vom Ministerpräsidenten Poincare empfangen worden. Beim Verlassen des Quai d'Orsay hat er einem Vertreter des Blattes erklärt: „Ich bin für eine streng vertrauliche Anterredung gebeten worden, die in keinem Zusammenhang mit irgendeinem kommenden Kabinett steht." Poincare und Painleve haben nach dem „Matin" die außenpolitische Lage besprochen. Auch die Frage der Beziehungen zu Rußland sei nicht unerwähnt geblieben. H e r- riot sei für eine offizielle Fühlungnahme mit den Sowjets. Wahrscheinlich werde es eine der ersten Regierungshandlungen des künftigen Kabinetts sein, eine Mission nach Moskau zu schicken. Auch die politischen Vorgänge in Deutschland seien länger besprochen worden, die Lage in Deutschland beunruhige nicht allein Poincare, sondern auch die künftigen Minister. Ihre Stellungnahme sei bekannt. Das Hervortreten der Rationalisten und die etwaige Aebernahme von Ministerposten durch markante Persönlichkeiten des deutschen Imperialismus seien Anzeichen, deren ernste Bedeutung auch denen nicht entgingen, die in einigen Tagen die verantwortliche Leitung der französischen Politik übernehmen würden. Sie seien nach wie vor der Ansicht, daß die Deutschen nicht allein die Verantwortung dafür haben, dah das Alldeutschtum in Deutschland selbst gewissermaßen fernen Revanchezug genommen haben. Poincare habe vielmehr zu wiederholten Malen öffentlich erklärt, die bis heute betriebene Politik Frankreichs fei nicht dazu angetan gewesen, die Erstarkung der Linksparteien in Deutschland zu fördern und die Freunde Frankreichs und des Friedens zu ermutigen. Wie dem aber auch sei. man könne die Stimmung in Deutschland nicht außer acht lassen. Die Politik der neuen Regierung werde dadurch heikler und schwieriger gestattet werden. Vonnöten sei eine Geste der Menschlichkeit, aber man könne sich nicht täuschen, es werde keine Geste des Schreckens sein. Cs müsse der deutschen Demokratie ermöglicht werden, dah sie die Oberhand gewinne. Aber dem französischen guten Willen müsse ein gleich guter Wille von fetten Deutschlands gegenüber gesetzt werden. Es sei von Wichtigkeit, dah Berlin die Haltung der neuen französischen Regierung nicht mißverstehe. Wenn Deutschland dies nicht begreife, so sei ihm nicht zu helfen und dem französischen Kabinett auch nicht.
Das französische Sparprogramm.
Paris, 22. Mai. (WB.) In dem Miinster- rat, der heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehalten wurde, hat der Finanzminister die Vorschläge für Ersparnisse in dem Haushalt für 1924 vorgelegt, die, wie das offizielle Communi- que besagt, am 21. Mai festgelegt worden sind. Sie beziehen sich ausschließlich auf Dudgetabstriche mittels einer sparsamen Verwaltung in den verschiedenen staatlichen Dienststellen und halten sich im Rahmen Der bestehenden Gesetze, so daß das Ermächtigungsgesetz nicht in Anspruch genommen zu werden braucht. Alle übrigen Er- sparnismahnahmen sind bis zur Bildung des neuen Kabinetts zurückgestellt wordm. Die vorgesehenen Abstriche belaufen sich, wie bereits gemeldet, auf 420 Millionen Franken.
Aus dem Hessischen Landtag.
Darmstadt, 22. Mai. Der Finanzausschuß des Landtags setzte seine Beratungen bei ^Kap. 94 (Dampfkesselprüfungen) fort; dieses sowie die Kap. 95 (Eichwesen) und 96 (Zentralstelle für die Gewerbe) wurden genehmigt. Bei Kap. 97 (Chem. Anter- s uchungsamt in Darmstadt) wurde bemerkt, dieselben Institute in Ober Hessen und Rheinhessen hätten Anspruch auf die gleiche oder ähnliche staatl. Anterstützung. Hierauf wurden die Kap. 98 und 99 (GewerbbAnterrichts- anstalten und Kunstgewerbl. Zwecke) genehmigt. Bei Kap. 108 und 109 (Ministerium der Finanzen und Hausverwaltung) wurde von einem Mitglied Der Wunsch geäußert, das Hauptsteueramt in Offenbach möchte veräußert werden; wegen der guten Geschäftsftme des Platzes könne die Regierung ein gutes Geschäft machen, das Amt
könne anderwemg untergebracht werden. Bei einigen Acmkern, z. D. Der Oberrechnungscanuner, Dem Dettvattungsgerich t shof, könnten die Kanzleien ^ufvimmengc^egt werden, um sPer- svnal zu sparen. Das Kapitel sowie Kcipuel 110 (Ha u p t st aa t s ka s f e) werden genehmig!. Bei Kap. 111 (Landesvermessungs- Wesen) wurde ungefragt, warum Der Zuschuß so hoch sei? Man habe in Aussicht gestellt, daß sich das Amt selbst erhalten werde, auch seien Die Gebühren erhöht worden. Bei Kap. 112 (Dau- wesen) wurde gefragt, wie Die Vereinheitlichung Der Baubehörden gedacht sei und wann diese geschehen soll? Bei Kap. 113 (Brücken und Aeberfahrten) wurde gefragt, wie weit die Verhandlungen über frühere Wünsche gediehen sind. Die Kapitel 114 (Landesamt für Wetter und Gewässerkunde), 116 (Stellen- wechs^- und Aushilfskosten), 117 (Postgebühren), 118 (Ausgleich und Staatsschulden) wurden ohne Debatte genehmigt. Ferner wurden Die noch rückständigen Kap. 90 (Bergbau) 91 61 (Kausm. Anterrichtswesen), 92 (Technische Privat-Anterrichtsanstalten) und 77 (Schutzpolizei) genehmigt. Das Finanzgesetz soll morgen mit Der Regierung besprochen werden. Ferner wurde über eine Vorlage beraten, wegen anderweitiger Eingruppierung der S ch w e ft e r n in Den Heil- und Pflegeanstalten. — Morgen werden Die Beratungen mit der Regierung ausgenommen und am Montag, Dienstag und Mittwoch fortgesetzt.
Kleine politische Nachrichten.
Zum zweiten Bürgermeister von Berlin ist Der Bürgermeister von Charlottenburg, Scholtz (D. Vp.), mit Den Stimmen Der Deutschen Volkspartei, Der Wirtschaftspartei, der Demokraten und der Deutschnationalen gewählt worden.
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Der Schlichter für Baden hat in der Frage Der Lohnregelung in der Mannheimer Metallindustrie Den Schiedsspruch des Mannheimer Schlichtungsausschusses vom 17. Mai für verbindlich erklärt.
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Macdonald und Der österreichische Gesandte von Frankenstein 'haben im Parlamentsgebäude den englisch-österreichischen Handelsvertrag unterzeichnet. Der u. a. Die Meistbegünstigung Vorsicht.
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Im braunschweigischen Landtag wurde ein Antrag der Rechten auf Auflösung mit 32 Stimmen der Sozialdemokraten und ®em> traten abgelehnt. Ein Abgeordneter der D.V.P. verkündete daraus die Obstruktion der Rechten, Die geschlossen den Saal verließ.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Mai 1924.
"Vom Schwurgericht. Der Vorsitz für Die Schwurgerichte der Drei Provinzen Hessens ist nach Maßgabe Der neuen Bestimmungen bis Ende des Jahres geregelt worden. Den Vorsitz des Schwurgerichts Gießen während des lausenden Vierteljahres führt Landgerichtsdirektor Wiener, in der Zett vom l.Iuli bis 1. Oktober Landgerichtsdirektvr Schudt und während des letzten Vierteljahres Landgericküsdirektor Cramer. Die Sitzungen ftnden künftig nicht mehr nur vierteljährlich, sondern jeweils nach Bedarf statt, der Präsident des Landgerichts setzt diese Termine fest. Die zuzuziehenden Geschworen eft wurden bereits für das ganze Hahr ausgelost, und es wirken stets sechs, sowie drei Berufsrichter einschließlich des Vorsitzenden mit. Beratung und Entscheidung dieses neunglied-- rigen Gerichtshofes geschieht im Gegensatz zu früher, wo Schuldbeurteilung und Straffestsetzung bzw. Freispruch geteilt waren, nunmehr gemeinsam.
** Die letzte feierliche Immatrikulation findet morgen mittag 12 Ahr im Aniversitätsgebäude statt.
** Ernannt wurde am 14. Mai Der Polizeiassistent Oskar Kraus aus Metz zum Pvlizeisekretär beim Polizeiamt Gießen mit Wirkung vom 1. Juni 1924.
** Gegen die A-uto- und Motorraserei, die zu einer immer größeren Gefahr für das Publikum wird, macht nach dem Frankfurter Beispiel nun auch unsere Nachbarstadt Wetzlar energisch Front. Die dortige Polizei wird nach einer amtlichen Mitteilung künftighin eine sehr scharfe Kontrolle aller Autos und Motorradfahrer ausüben und rücksichtslose Fahrer unnachsichtlich zur Anzeige bringen. Es könnte nichts schaden, sondern nur dem allgemeinen Besten dienen, wenn auch in unserer Stadt die Polizei die gleiche Energie gegen wilde Fahrer entwickeln würde, die auch hier häufig in einem Tempo durch die Straßen rasen, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit sicherlich erheblich übertrifft
und eine starke Gefährdung der Straßenpassanten bedeutet.
*• Eine herzliche Begrüßung rhei- rnscher Sänger fand Heute vormittag auf Veranlassung Der Reichsba'hndirektion Trier auf Dem hiesigen Bahnhofe statt. Dort kam in einem Sondeizug gegen 9l/2 Ahr Der in ganz Deutschland und a>cit über unsere Grenzen hinaus rühmlichst bekannte Kölner Männergesang- verein an, Der sich auf einer Konzertreise nach Vaden-Vaden und durch Die Schweiz befindet. Eine große Menschenmenge hatte sich zur De-^ grüßung der Sänger auf dem Bahnsteig eingefunden. Reichsbahndiiettionspräsident Lohse von Der Trierer Direktion entbot Den Kölnern Die herzlichen Grüße Der aus ihrer rheinischen Heimat vertriebenen, jetzt in Gießen ireilenDen Volksgenossen. Er gelobte Den Brüdern vom Rhein, daß Die Vertriebenen auch fern Der rheinischen Heimat dieser die Treue bewahren würden, wie sie überzeugt seien, daß auch Die Brüder am Rhein ihnen Die Treue hielten. Gegen Dan feindlichen Aebermut und die Gewollt werde man gemeinsam aushalten, bis das Recht siegen und die rheinische Heimat wieder frei werde. Der Rhein fm Deutschlands Strom, aber nie Deutschlands Grenze. In diesem Sinne gelte sein Gruß Dem Kölner Männergesangverein, Dem er Glück und reichen Erfolg auf seiner Sängersahrt wünsche. Als sichtbaren Gruß Der Ausgewiesenen überreichte Der Redner Dem Verein einen mächtigen Lorbeer- kvanz mit Schleife in Den Kölner Farben und Der Inschrift: „Den treuen Rheinländern — Die vertriebenen RheinlänDer." Diese Schleife-solle im Archiv Des Vereins aufbewahrt werden und allezeit verkünden, welches Anrecht und welche Rot uns Deutschen angetan worden sei. Die Worte des Präsidenten Lohse fanden bei den Kölner Brüdern begeisterten Widerhall. Die Sänger unter Der Geltung ihres Chor Meisters Pvof. Schwarz erfreuten Die Erschienenen hierauf mit dem prachtvollen Gesang des „Deutschen Gruß vom Rhein" und mit einigen Versen eines Volksliedes. Vollendete herzliche Acberein- stimmung in Der vaterländischen Gesinnung zeichnete Die Zusammenkunft aus, Der nach etwa 20 Minuten Aufenthalt em freundlicher Abschied ein Ende bereitete.
RDV. Wieder Warenautomaten aus Den Bahnsteigen. Als erfreuliches Zeichen für Die Wirkung Der wertbeständigen Währung ist festzustellen, daß von jetzt ab wieder Die Aufstellung von Automaten für Lebens- und Genußmittel auf den Bahnsteigen gestattet ist.
Vornottzcn.
— Tageskalender für Freitag: Literarische Gesellschaft: 8Vi Ahr in Der Reuen Aula Vorlesungen aus eigenen Dichtungen von Clara Viebig. — Volkshochschule: Heute Beginn des Kursus „Weltanschauungsfragen". — Rundfunkhaus, Löberstraße: 81/2 Ahr: Operettenabend „Die Fledermaus". — Radio ha lleKirchen- Plah: Tägliches neues Programm.
— Vergewaltige „Nibelungen"» Film, der in vielen Städten des In- und Auslandes als überragetides Erzeugnis der Kinokunst überaus erfolgreiche Aufführungen erlebte, wird von heute ab auch in unserer Stadt, und zwar in den P a l a st - L i ch t spie- len, gezeigt. Wer Gewicht darauf legt, ein Filmereignis allerersten Ranges zu sehen, der nehme diesen „Nibelungen"-Film in Augen- schein. Näheres in der Anzeige.
— Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag vormittag mit dem Evang. Bund und dem Wartburgverein auf dem Schiffenberg unter Mitwirkung des Pv- saunenchors Watzenborn-Steinberg einen' Waldgottesdienst. Die Predigt hat Studienrat Prof. Dr. Schmoll übernommen. (Siehe Anzeige.)
— Der Gesangverein Concordia begeht morgen abend und Sonntag auf der Liebig sh öhe sein 60jähr. Stiftungsfest, mit dem das Dundesfest des Oberh. Sängerverbandes verbunden ist. (Siehe Anzeige.)
Lanvkreis Gietzen.
ri. Li ch, 22. Mai. Anter dem Vorsitz von Bürgermeister Völker trat gestern ein aus Vertretern der Schule, der Kirche, der Gemeinde und der Vereine gebildeter Aus schuß zusammen, um über das diesjährige Iuge n d- f e st zu beraten. Da die Vereine an fast allen Sommersonntagen durch auswärtige Feste in Anspruch genommen sind, einigte man sich dahin, das Fest erst am 2 7. Juli zu chatten. ES soll, wie seither, auf dem Hardtberg gehalten und zu einem rechten, allgemeinen Volksfest für die ganze Stadt ausgestaltet werden. Vorher sott ein Festgottesdienst in der Marienstiftskirche stattfinden. Ein engerer Ausschuß übernahm die weiteren Vorbereitungen. — In der hiesigen Synagoge finden
Beratung Professor Traut manns. Wer mit aufmerksamem Ohr verfolgt hat, wie er nach Der einen orientierenden Hauptprobe alle, felbst Die kleinsten Möglichkeiten, Die sich ihm zur Befreiung von Der Materie und zu einer subjektiven Auslegung boten, mit weiser Maßhaltung uuD im rechten Augenblick anfeuemDer Energie ausgenutzt hat. Der wird Diese geistige unD musikalische Aeberlegenheit Des Dirigenten nicht hoch genug anschlagen können. Sie war gänzlich eingestellt auf Die gesteigerte Herausarbeitung Der vier Höhepunkte Der Messe: Des Gloria-Finales, in gloria, bei pcttris, amen". Der Credo-Fuge „et vttam Venturi", Des Benediktas und des „Dona nobis pacem". Eine gewaltige Leistung! Denn in diesen vier Höhepunkten offenbaren sich zugleich Die hochtragenden Ideale, um Die Beethoven mit heißer Seele ringt, jener Beethoven, Der Den Kampf nicht mehr um des Sieges willen sucht, sondern ihn besteht in Der beglückenden Zuversicht, daß Der „Ditte um inneren und äußeren Frieden" Erfüllung beschießen sei. Das verkündende Licht einer inneren thematischen Vorausahnung, Die in Den beiden Orchesterintermezzi des Dona Die Kampfstimmung des ersten Satzes und im Gloria bereits den weltüberwindenden Charakter des Finale Der Neunten Sinfonie erschmernd empfindet, strahlte auch Die gestrige stilistisch so großzügig gestaltete Darbietung aus. daß selbst Die oft als anorganisch empfundenen Mittelsätze im Sanktus: „pleni sunt
coeli" und das Osanna, mit Deren Einfügung Beethoven dem Zwang des Textes unterlegen ist, kaum auffallendes Gewicht erhielten.
Professor Srautmann hatte bei Der Ausführung Der Missa mit ganz besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie er ihrer Herr wurde, ist kennzeichnend für seine Bedeutung als Dirigent großer Sinfonie- und Chorwerke. Der man wie so oft schon auch diesmal wieder ein breiteres Betätigungsfeld wünschen möchte. Das Glück und Geschick des Dirigenten kann aber nicht Den Kritiker von einigen grundsätzlichen Bemerkungen über Den musikalischen Apparat befreien, der diesmal aus- geboten war. Ohne aus Einzelheiten einzugehen oder in kleinliche Anmerkerei verfallen zu wollen, muß offen gesagt werden, daß das Soloquartett, über Dem der Anstern Der Ambesetzung waltete, in dieser Zusammenstellung, bei toeldyer die Damenstimmen Die merkliche Ansicherhett des Basses und das stimmliche Angenügen des Tenoristen beträchtlich überwogen, wenig befriedigen konnte. Mehr als einmal mußte Die starke Hand des mit erstaunlicher Ruhe ausgleichenden Dirigenten bedenkliche Schwankungen beschwichtigen und größeres Anheil verhüten. Der Chor, der Akade- mischeGekangverein, hielt sich selbst an Den intrifateften Stellen und auch in den wegen ihrer Ansanglichkeit berüchtigten, klanglich entmaterialisierten Partien sehr tapfer und zeigte besonders in Den Fugen Die bedeutsamen Resultate Der Chorerziehung Trautmanns. Damit ist aber auch alles gu seinem Lob gesagt. Daß er in seiner äugenblick-
1 lichen schwachen Desetzung Den klanglicher Anforderungen und Den gewaltigen, oft pausenlos Schwierigkeit an Schwierigkeit reihenden Ausmaßen des Werkes, ganz besonders Dem blech- gepanzerten Orchester gegenüber nicht gewachsen ist, ist ein offenes Geheimnis. Man erspare mir Die Ausfallserscheinungen Die sich! daraus ergeben (unsichere Einsätze, Verschwinden Der Fortissimocinsähe und Ssorzatistellen, geringe Rüancierungsfähigkeit usw.), im einzelnen aufzuzählen. Ein Glück, daß Adolf Wieder durch eine subjektive Heraushebung Der Orgelpartie an mancher gefährdeten Stelle willkommene Stütze bot. Das Frankfurter S i n f 0 n i e 0 r chl e st e r, dessen erfreulich auf- steigende Entwicklung schon bei anderer Gelegenheit genügend gewürdigt wurde, bewährte sich hervorragend. Diesmal prangte vor allem das schwere Blech untadelhast in Glanz und Pracht: Den Holzbläsern Dürfte noch etwas verfeinerte Kultur, Den Kontrabassisten größere rhythmische Sicherheit zu wünschen sein. Auch Die konzertierenden Leistungen standen auf recht beachtlicher Höhe. Eine be- sondere Hervorhebung gebührt Konzertmeister Lenzewski, welcher Die rührende Anmut der Melodie Der Solovioline, Die sich in immer höher schwingendem Bogen um das Benediktus schlingt, mit warmer Beseelung spielte. Möchte Die Verbindung mit Dem Frankfurter Sinfonieorchester, Die eine weitsichtige Kunstpolitik schon für Die abgeschlossene Konzertzett zustande gebracht hätte, für
I Die Zukunft bestehen bleiben! Dr. H R


