Die Bantiger.
Vornan von Herman n Stegemann.
9. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Lupo, der Schäferhund, begleitete sie. Hart neben ihr herschreitenb, jenseits dec Drücke von ihrer Hand am Halsband gehalten, geleitete er seine Herrin durch den dunklen Herbstabend. Leh-- tes verwischtes Rvtgold schmolz über den Hügeln der schwarzen Runs.
Agnes und Pvonne hatten wenig Gemeinsames, um so leichter floh die Unterhaltung. Die Reise des Vaters blieb unberührt. Auch Lenz, den der Taumeister noch telephonisch von seiner Abwesenheit benachrichtigt hatte, bli?b dem un-- ausgesprvchenen Grundsatz treu, darüber nicht zu reden. Erst am anderen Abend fiel zwischen den Geschwistern das erste Wort über den Abwesenden. Lorenz fuhr mit dem Automobil auf den Altmarkt hinüber, sah mit der Schwester rasch die Briefschaften durch, die sich auf die Geschäfte bezogen, und fragte mitten im Gespräch über die nächsten großen Fälligkeiten:
„Hast du Nachricht, datz der Tater erst morgen abend heimkehrt?"
Gns warf erschreckt den Kopf in die Höhe.
„Tlachricht? Morgen? Das — ist doch nie geschehenI" antwortete sie tonlos.
„Das Baubureau in Eggstetten hat das Telegramm an mich weitergegeben. Ich erhielt es soeben."
„Ura> deshalb bist du gekonnnen? Richt wegen der Briefe da! Du willst es mir schonend bei° bringen. Ich danke dir für die gute Meinung, aber nötig war's nicht. Sicher nicht."
Sie trat von dem Tisch von dem Bruder
weg und macyte sich an den 'Dücherfchränten zu schaffen. Er sah, daß sie blasser war als sonst.
Ein beklemmendes Schweigen fiel ins Zimmer. Plötzlich wandte sie sich um und ihre Stimme war voller Angst, als sie sagte:
„Es wird ihm doch nichts zugestoßen sein, Lenz?"
Törichte Frage, schoß es ihm durch den Kopf, aber er biß auf die Lippen, zuckte die Achseln und fagte schließlich:
»Vielleicht ist er noch in Geschäften aufs Eisenbahnamt. Das Bahnprojekt lastet auf ihm."
Da lächelte die Schwester überlegen:
„Lastet auf ihm? Rein, Lenz, das hat noch kein älnternehmen getan. Es hält ihn frisch, erwächst wieder an ihm, und er führt auch dieses, sein größtes Werk zu Ende."
Sie hatte den Anlaß ihrer Sorge vergessen Aber dann schoß es ihr wieder heiß ins Bewußtsein, und plötzlich schlug ihr die Scham ins Gesicht.
„Er ist noch dort, ist noch auf dem älniers- berg, und deshalb läßt er uns, läßt er mich ohne Rachricht."
Lorenz Bantiger schwieg zu dieser Erklärung. Er wußte keine bessere. Er kramte noch eine Weile in den Papieren und entschloß sich dann, zu gehen.
„Kommst du wieder zu uns in die Sonnhalde? Wollen wir zusammen hinaufgehen, Ens?"
Sie lehnte die Einladung ab.
„Fahr nur allein und schone dich noch. Ich bin müde."
Er wußte, daß sie keine Müdigkeit kannte, und sah, daß jeder Rerv an ihr gespannt war, ließ ihr aber den Willen und ging.
Es war spät geworden. Da brachte ein Bote ein Telegramm aus Zell am See, in dem der
'Tater RgneS mitteilte, daß er erst am nächsten Abend zurückkehren werde.
„Morgen abend zurück Bantiger," las sie langsam und prüfte unwillkürlich, unsinnigerweise die Schrift, als könnte sie daraus auf die Gründe der Verspätung schließen.
Sie wußte nicht, ob der Bericht sie freute oder kränkte, und bat in plötzlich aufflackernd er Stimmung Ceiie Engler mit ihrer Mutter, Ellh Drüderlin und Mlys Brüder Franz und Heinz zu einem verspätet angesagten Abendsih zu sich. Als die Einladung angenommen wurde, ging sie selbst an die Ausschmückung des Musikzimmers und der Halle. Sie trug Wein, Früchte, Räsche- reien und Rauchzeug zusammen, sandte den Gärtner in den stichdunklen Garten, um die Tische mit Blumen zu schmücken, und ließ alle Leuchter aufflammen. Sie zog ihr leichtestes Kleid an, steckte das Haar mit einem spanischen Kamm hoch und ließ das Grammophon in die Halle stellen. Sie wallte lustig fein, sie brannte vor Begierde, sich dem Vergnügen in die Arme zu werfen, und als die Gäste kamen, fieberte sie voll älngeduld und verhaltenem Leben.
Üiti> sie ritz alle mit sich fort.
Man lachte, spielte Klavier, fang, schied sich in zwei Danzpaare, die in der matt erhallten, vom herben Duft der Herbstblumen erfüllten Halle auf und nieder glitten, und braute aus Rheinwein, Sekt und M>rtwein eine Bowle, die Schluck für Schluck eine Hemmung nach der anderen auf» Mlösen drohte «
Als der Abend vvrrückte, ergab Frau Engler sich einem fünften Schläfchen.
Franz Drüderlin zog Lene in die dunkle Ecke hinter dem Bechsteinflügel und bestürmte sie mit Zärtlichkeiten, Heinz tanzte mit Agnes, ohne Atem
zu ia-opsen, und schob tm Dorveitanzen die ‘JCafcet des Grammophons immer wieder auf den äußer- sten Rand der Platte, damit der Tanz kein Ende finde. Ellh flüchtete sich zu den Süßigkeiten und beobachtete dabei heimlich Agnes und Lene, um sich an der Entfesselung ihres von Wein und Tanz erregten Wesens zu weiden.
Da ritz Ens sich plötzlich von ihrem Tänzer los und brachte das Grammophon so hart zum Stillstand, daß die Radel brach und die Musik in einem gräßlichen Mißtvn erstarb. Heinz hatte sie erst fester an sich gepreßt, als die Sitte erlaubte, dann die Lippen auf ihren Hals gedrückt und zuletzt ihre Lipp-en gesucht. Sie hatte ihn mit einem seltsamen Gefühl der Erlösung gewähren lassen,.bis sie sich in seine Gewalt gegeben fühlte und eine heiße Dlutwelle ihr die Herrschaft über sich selbst zu rauben drohte. Da war auf einen Schlag eine wilde, ungeheure Kraft in ihr erwacht. Es war kein Erwachen zur Selbstbesinnung, keine RücSehr in die Schranken, die die Gesellschaft aufgerichtet hat, sondern ein Aufbäumen ihrer Ratur, ein Sieg ihres krampfhaft gespannten äleberlegenheitsgefühls^ über aufgepeitschte Rerven und weibliche Schwäche. Sie wollte nicht unterliegen, sie wollte sich ihren Willen nicht stehlen, sich nicht von einem anderen unterjochen lassen, sie war ihre eigene Herrin und nicht dazu gemacht, dieser Herrschaft zu entsagen. Sie war wie der Vater. Der lieh sich auch nicht verführen und schwächen, der gab sicher keinem Weib sein Schicksal in die Hand, sondern blieb ihnen auch in dieser Stunde überlegen. Sie matz Heintz mit prüfenden Dlicken, fand nichts an ihm und zog sich auf sich selbst zurück." Der Aufruhr ihrer Sinne legte sich zu bleierner Ruhe.
(Fortsetzung folgt.)
ZU BAN
Wieseck, den 17. Mai 1924
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Holzfubmission.
Freitag, den 30. Mai 1924, vormittags 10 Uhr, werden auf hiesiger Bürgermeisterei aus den hiesigen Waldungen» Forstwartei II, Distrikt Höllenberg, Kinnwald, Steinwald, folgende Holzsortimente vergeben:
Für die UNS anläßlich unserer Vermählung in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten danken bestens
Karl Kolb und Frau Minna geb. Deibel
Für die uns anläßlich unserer Vermählung in so großer Zahl dargebrachten Glück- und Segenswünsche, sowie für die uns durch die Gesangsabteilung des Lokomotivführervereins Gießen und auch hiesiger Sänger gewidmeten schönen Lieder, sagen wir hiermit unseren innig herzlichsten Dank
Christian Lenz
Lissi Lenz geb. Erle
Klein-Linden, den 21. Mai 1924
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Angebote find nach Klasien getrennt, mit Aufschrift versehen, bis zu obigem Termin an hiesige Bürgermeisterei verschlossen einzureichen. Angebote mit zusammengezogenen Klasien oder mit Vorbehalten und Bemerkungen versehen, werden nicht berücksichtigt
(Es wird empfohlen, das Holz vorher anzusehen, da für die Qualität des Holzes nicht gehaftet wird und spätere Einwendungen usw. in jeder Beziehung ausgeschlosien sind.
Förster Franz zeigt das Holz auf Wunsch vor.
Die Bedingungen können auf hiesiger Bürgermeisterei eingesehen werden und werden im Termin nochmals bekannt ge» geben.
Mendorf a. d. Lda., den 21. Mai 1924. Hessische Bürgermeisterei Allendorf a. d.Lda.
Rein. 4230D
Dem reitsportliebenden Publikum zur gefL Kenntnisnahme, daß von Sonntag, den 25. ds. Mts. ab die Unioersitätsreitbahn am Brandplatz unter meiner Leitung wieder eröffnet wird.
Ich halte mich zur Erteilung eines gründlichen MMWv W WMtl zum Verleihen von gut zugerittenen Pferden, fowiE zum An- und gnreiten roher oder verdorbener Pferde bestens empfohlen und bitte, mich in meinem Bestreben unterstützen zu wollen.
Ludwig Schömbs
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MkMsWlM
Samstag, 12 Uhr, ZeuOiMserne.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Grünberg vom Rj. 1924 liegt von Freitag, den 23. Mai an eine Woche auf dem Bureau der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4192V
Grünberg, den 20. Mai 1924.
Bürgermeisterei Grünberg.
3- D.: Fuldat.___________
Der Voranschlag der Gemeinde Allertshausen für Rj. 1924 liegt vom 22. d. M. ab eine Woche lang zur Einsicht und Erhebung etwaiger Einwendungen auf der Bürgermeisterei offen. Umlagen, zu denen die Ausmärker betzutragen haben, werden erhoben.
Merlshausen, den 20. Mai 1924.
Bürgermeister Reinhardt. 4193D
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Geilshausen liegt von Donnerstag, 22. Mai, ab eine Woche lang auf dem Bürgermeisterei- Bureau zur Einsicht der Beteiligten offen, woselbst innerhalb dieser Frist Einwendungen schriftlich ober zu Protokoll vorgebracht werden können. Es wird eine Umlage er« hoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
^Geilshausen, den 19. Mai 1924.
, Hess. Bürgermeisterei.
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GrSserei-Derpachtung.
Mittwoch, den 28. Mai d. Js., vorm. 11 Ubr, soll tu der Gastwirtschaft „Zum Treppchen" bei Ferdinand Kreiling zu Heuchelheim, die Grasuutzung an der Lahn in den Gemarkungen Gießen und Heuchelheim für das laufende Jahr öffentlich versteigert werden. 4228D
Mainz, den 2. Mai 1924.
HessischesWafserbauamtMainz. Pabst.
Bekanntmachung.
Die den Karl Plank I. Witwe Erben dahier zugeschriebenen Grundstücke werden am Samstag, den 24. Mai 1924, naErnittG 3 Uhr
öffentlich meistbietend, auf dem Ortsgericht Giehen, Bergstraße 20, Zimmer 15 versteigert. Ls kommen 12 Morgen Ge- lände zur Versteigerung, darunter 3/53 qm in 4 Teile und 1279 qm in 2 Teile zerlegtes Grabgelände.
Nähere Auskunft dort und bei Stilen» borfer, Kugelberg 53.
Gießen, den 10. Mai 1924.
Leo


