vergießen gegeben Haven, bet Dem öle Kommu- niffcn unter die Räder gekommen wären. Die körn- munistischen Demonstranten standen nicht nur im Verdacht, die völkische Demonstration stören zu wollen, sondern sie hatten genaue Anweisungen von der kommunistischen Zentrale, in denen deutlich zur Gewaltanwendung aufgefordert wird. Oeffentliche politische De- nionstrationszüge kann sich Deutschland nicht leisten in dieser Zeit, in der wir nach der Fnfla- tionsnot die Kreditnot mit ihren Folgen haben. Wir können uns nicht den Luxus erlauben, jeden Sonntag die Schuhpolizei in Massen aufzichieten, um die Ruhe und Ordnung gegen Demonstranten zu schützen.
Hoffentlich kommen wir bald wieder zur freiwilligen Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, damit die Polizei nicht den Büttel zu spielen braucht.
2lbg. Hehdenreich (D. Vp.) weist als Teilnehmer des Deutschen Tages in Halle die kommunistischen und sozialistischen Angriffe gegen den Minister und die Polizei zurück. Die Schutzpolizei Habe in mustergültiger Weise die Ruhe und Ordnung gewahrt. Minister Severing habe durch sein Verhalten in diesem Falle an Kredit außerhalb seiner Partei erheblich gewonnen. Die Stadt Halle habe fünf Jahre lang unter dem roten Terror gelitten. Die Bevölkerung freue sich, bah jetzt statt der roten die schwarzweihrote Fahne gezeigt werde. Mit dem Minister ist der Redner der Meinung, dah politische Demonstrationen nicht gestattet werden durften. Die Enthüllungsfeiern von Denkmälern mühten natürlich gestattet werden. Das Hakenkreuz sei ein altgermanisches Wahrzeichen und die vaterländischen Verbände mühten der Sammelpunkt für alle natio- nalgesinnten Deutschen fein.
Abg. von Lindeiner-Wildau (deutschn.) erkennt die Rotwendigkeit an, in erregten Zellen große politische Demonstrationen zu verhindern. Das dürfe aber nicht Aum Verbot von überparteilichen nationalen Kundgebungen führen. Das Verbot von Regimentsfeiern und Denkmalsenthüllungen sei geradezu ein Beweis für die Sch wäche der Republik. Minister Severing habe selbst indirekt dies anerkannt durch die Aufstellung neuer Grunds ätze, die sich dem deutschnationalen Standpunkt erheblich nähern.
Minister Severing: Die Vorgänge in Hall' "haben mir gezeigt, dah so etwas sich nicht wiederholen darf, unb dah ich künftig diese Dinge allein in die Hand nehmen muh.
Streikunruhen im Ruhrrevier.
Gelsenkirchen, 21. Mai. (Priv.-Tel.) Heute nacht haben sich im Ruhrgebiet die ersten ernsthaften Zusammen st öhemitden streikenden Bergleuten ereignet. Auf der Zeche 2 r a s s e r t bei Marl, der nördlichsten Zone des eigentlichen Ruhrgebietes, hatte sich eine mehr- tausendköpfige Menschenmenge annesammelt, unter der sich auch viele Frauen befanden. Die Massen versuchten die Rotstandsarbeiter zu hindernundzumihhandeln. DasZechsi- tor wurde gesprengt. Schließlich muhte Polizei herbeigeholt werden, die dann auch mit blanker Waffe vorging, nachdem sie mit Steinen tunb Schüssen empfangen worden war. Die Kämpfe dauerten bis 11 Mr nachts, wobei die Massen immer neuen Zuzug auch von Recklinghausen her erhielten.
Zwischen 11 und 12 Uhr griffen auch die Belgier ein.
aber auch in ihrer Anwesenheit ging der Kampf noch eine Stunde weiter. Die Belgier haben die Zeche jetzt besetzt und werden sie auch den Tag über in der Hand behalten. — Die Zahl der Verwundeten ist sehr schwer festzvstellen, da die Arbeiter ihre eigenen Samariterkolonnen bei sich hatten, die die verwundeten Leute sofort wegbrächten. 3m Kranken Hause wurden zwei schwerverletzte Arbeiter eingeliefert. Auch in Wattenscheid kam es gestern zu einem Zu- sanrrnenstoh zwischen Polizei und Streikenden. Die Streikenden versuchten, eine Konditorei zu stürmen, j?on der das Gerücht ging, sie habe der SchuK> ein Lastauto zur Verfügung gestellt. Die Polizei war auch hier gezwungen, von der blanken Waffe Gebrauch zu machen, und es gelang, die Ordnung wiederherzustellen.
Das Gutachten im Ruhrkonflikt
Berlin, 21. Mai. (Wolff.) 3m Reichsarbeitsministerium sind heute vormittag die vom vorläufigen Reichswirtschaftsrat vorgeschlagenen Unparteiischen zur Abgabe eines Rechts- gutachtens zusummengetreten. Der Reichsarbeitsmini st et eröffnete im Beisein von Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Verhand- luftgen persönlich. Er bezeichnete die zu begutachtende Frage dahin, welche Arbeitszeit im Ruhrbergbau unter Tage nach Ablauf des Manteltarifvertrages und der Vereinbarung vom 29. Rvvember 1923 am 1. Mai 1924 z u Recht bestand. Es handelt sich allo nicht, wie in der Oeffentlichkeit anscheinend vielfach irrig angenommen wird, um die Beurteilung der gesamten Rechtslage, sondern lediglich um die Begutachtung eines einzelnen Streitpunktes, der nach den bisherigen Erklärungen
Das Busecker Tal.
Von Dr. H. Kraushaar.
Oestlich von Gießen, zu beiden Seiten der kleinen Wieseck, breitet sich bis nach Reiskirchen hinaus das Busecker Tal aus. Mit seinem herrlichen Wi?sengrunde und den waldigen Höhen links und rechts darf es als eine der schönsten Gegenden Oberhessens angesehen werden. Wer einmal oberhalb des Dorfes Alten-Duseck oder gegenüber bei Rödgen stand und von dort seinen Blick über das liebliche Tal schweifen lieh, wessen Augen sich nur ein einziges Mal im Anblick des malerischen Hintergrundes: der Stadt Gießen und weiterhin des Gleibergs, Vetzbergs, Düns- bergs und 6er übrigen Höhen des Weslerwaldes erquickten, vergißt nie wieder die „oberhessische Schweiz" unb begreift unseren Stolz, hier unsere Heimat zu haben.
3nmitten des Dusecker Tales, umgeben von einem Wald an Obfl bäumen, bespült von der reihenden Wieseck, liegt das kleine Dörfchen Trohe. Der Rame Trohe bedeutet: Das Dorf an dem wirbelnden Dache. So klein es auch ist — es hat nur 26 Häuser unb etwa 150 Einwohner — so alt ist es aber doch. Bereits in Urkunden aus dem Jahre 1210 wirb es erwähnt. Seine meistens kleinen Häuser lagern sich friedlich um den alten Burgberg" herum, der sich wie ein Kegel haushoch erhebt. Hier wohnten einst die Herren von Lrohe, deren Wappenzeichen drei Kleeblätter
Der ^Parteien für die Entstehung des Kampfes von entscheidender Bedeutung war.
Auf die vom Reichsarbeitsministerium vorgelegte Frage haben die Sachverständigen geantwortet.
Arn 1. Mai 1924 war die Arbeitszeit in folgender Weise geregelt:
1. Die Rvrmalarbeitszeit betrug 7 Stunden nach Maßgabe des § 2 des Manteltarifs,
2. zugleich bestand die Verpflichtung zur Leistung einer lieber stunde nach Maßgabe des Tarifabkommens vom 29. Ruvember 1923,
3. bei der Schwierigkeit ber rechtlichen Beurteilung ist nicht anzunehmen, daß die Weigerung der Arbeitnehmer zur Leistung ber lieber- stunden auf ein schuldhaftes vertragwidriges Verhalten zurückzuführen ist.
Tie Sachverständigen werden zu diesem Gutachten eine Begründung ausarbeiten, die ber Oeffentlichkeit gleichfalls mllg.teilt w.rden wird. Reichs- unb Staatskommissar Mehlich hat nunmehr die Parteien des Ruhrbergbaues auf Freitag vormittag 10 Uhr nach Essen zu einer Besprechung ber zwischen ihnen strittigen Fragen eingeladen.
Die Pariser Verhandlungen.
Paris, 21. Mai. (Havas.) Entgegen den Erwartungen hat heute kein Ministerrat ftaügcfunben, jedoch hatte P o i ncar ö mit dem Finanzminister Marsal eine längere Unterredung, in deren Verlauf die verschiedenen Regie-- rungsmahnahmen .^ur Besserung des Franlen- kurses besprochen wurden. Rach Schluß dieser Besprechung begab sich Ministerpräsident Poin- care in das Elisse, um mit dem Präsidenten ber Republik Millerand zusammenzutreffen. Er war begleitet vom Finanzminister Marsal. Kurz nach ihnen trafen die Abgeordneten Her- riot unb Painleve im Elysee ein, denen PoincarH und Marsal im einzelnen die Finanzlage Frankreichs darlegten.
Die Besprechung im Elysöe dauerte annähernd 2 Stunden. Es wurde folgendes Communiquä ausgegeben: Auf Veranlassung des Ministerpräsidenten Hat im Kabinett des Präsidenten der Republik eine Sitzung stattgefunden. Ministerpräsident Poincare und ber Finanzminister Francois Marsal haben den LDgeorbneten Herri )t unb Painleve im einzelnen bie französif che Finanzlage auseinandergeseht. Painleve und Herriot haben die Heberzeugung ausgesprochen, daß ein
strenger Ausgleich des französischen Budgets
für jede Regierung, wie sie sich auch zusammensetzen möge, geboten sei. Rach dem „Matin" haben sich Herriot und Painleve auf den Standpunkt gestellt, daß es nicht möglich sei, die Steuerpolitik festzulegen, die sie zu befolgen gedenken, ohne daß sie mit ihren politischen Freundqn gesprochen hätten. 3m übrigen interessiere diese Steuerpolitik m keiner Weise die ausländische Finanz, vorausgesetzt, dah das alleinige Ziel, nämlich ber Ausgleich im Budget ohne Anleihe mit dem Geld ber regulären Steuereinnahmen vor sich gehe. Finanzminister Marsal habe während der Tage, die er noch im Amte bleibe, freie Hand. Er sei nicht allein von dem Präsidenten Mille- ranb unb dem zur Zeit noch im Amte befindlichen Ministerium, sondern auch von dessen im voraus bestimmten Nachfolger ermächtigt, die nötigen Maßnahmen zu treffen. Niemand habe nach ber gestrigen Besprechung im Elysee sagen können, daß die französische Finanzpolitik des kommenden Kabinetts gefährdet werden könnte. Havas ertlärt ferner, man könne aus ber Erklärung, bie nach dem offiziellen (Kommunique die beiden Abgeordneten abgegeben hätten, den Schluß ziehen, daß ber Grundsatz, der bie Finanzpolitik Frankreichs nach der Frankenkrise im Frühjahr bestimmt habe, nämlich, daß keine Ausgabe ohne die Bewilligung entsprechender Einnahmen durch bas Parlament gemacht werden sollen, aufrechterhalten ble'.bm. Auf diese Weise seien die Absichten ber verantwortlichen Führer der kommenden Mehrheit ’ genau festgelegt.
Das kommende Pariser Kabinett.
Paris, 22. Mai. (WTD.) Das Bureau des geschäftsführenden Ausschusses ber radikalen Partei hat gestern abend unter dem Vorsitz des Abgeordneten Herriot eine Sitzung abgehalten. Es hat bie nötigen Vorkehrungen für den Zusammentritt des geschäftsführenben Ausschusses am Sonntag den 1. unb Montag den 2. Juni in Paris getroffen. Bei dieser Tagung, die sämtliche Abgeordnete und Delegierte ber Partei aus dem Lande beiwohnen werden, wird die Lage geprüft werden. Der Abgeordnete Herriot yat geftern abend hervorgehoben, von welcher Wichtigkeit es für Land und Partei sei, alles zu tun, um aus dem Wahlsieg der radikalen und radikalsozialistischen Partei alle Konsequenzen zu ziehen. Es ist beschlossen toorben, daß bie radikal unb radikal- I
waren. Das heute lebende Geschlecht hat ein- gedenk ber stolzen Vergangenheit seiner Heimat dieses Wappen an dem Glocken türm chen des neuen Schulhauses anbringen lassen.
Die Burg in Trohe war eine Wasserburg, b. h. sie war rundum von Wasser umgeben unb somit gegen etwaige Feinde gesichert. Roch heute kann man die Spuren des alten Grabens erkennen. Wie so viele herrliche Burgen in unserem lieben Daterlande, zerfiel auch sie im Laufe der Zeit, und die Bewohner der llmgegenb holten sich die Steine zum Häuserbau. Heute läßt nur noch ein riesiger Schutthaufen bie einstige Herrlichkeit ahnen. Erhalten ist allein ein großer Keller, den die freundliche Durgvellerwirtin zum Aufbewahren ihrer Vorräte benutzt. Aber immer wieder versucht ein oder ber andere Anwohner, mittels Graben in den Berg zu gelangen, um vielleicht Schätze zu finden, die darin verborgen sein sollen. Doch nur ein riesiger Schlüssel unb ein paar alte Hufeisen sind bis jetzt zutage gekommen. Meterdicke Mauern machen alle Anstrengungen zuschanden unb ein Weiterellidringen unmöglich. Es ist, als wolle bie alte Ruine niemand ihre Geheimnisse schauen lassen.
Nur zwei bis drei Minuten vom Dorfe entfernt nach Gießen zu soll — wie man mir erzählt hat — mitten in den Wiesen noch eine ttemere Burg gestanden haben. Reste sind von ihr nicht mehr zu sehen. Nur nach starkem Regenwetter bleibt auf einem rechteckigen Platze das Wasser
sozialistische Parlamentsfraktion sämtliche der Partei angehörenden Mitglieder, aber auch nur diese umfassen werbe. — Das „Oeuvre" ist in der Lage, festzustellen,
Herriot fei entschlossen, das Kabinett mit oder ohne die Sozialisten zu bilden,
unter dem alleinigen Vorbehalt, daß diese die Verpflichtung übernehmen, seine Regierung zu unterstützen und ein vorher aufgestelltes P r v- gramm zum Erfolg zu verhelfen. Wenn bie Sozialisten bereit wären, in das Kabinett einzutre- ten, werde er ihnen einen starken Einfluß einräumen. Wären sie nicht dazu bereit, so werde er ein homogenes radikales Kabinett bilden. 48 Stunden vor dem Zusammentritt des sozialistischen Kongresses vom 1. Juni werde ber Führer der radikalen Partei den Sozialisten den Wortlaut des Programms mitteilen, bas er auf alle Fälle durchzuführen entschlossen sei. Die Sozialisten könnten dann in voller Kenntnis ber Sache sich entschließen, ob sie es für opportun halten, dieses Programm zu unterstützen und an seiner Durchführung gegebenen Falls als Mitglieder ber Regierung mitzuwirken.
Coolidge
und das Einwanderungsgesetz.
Paris, 22. Mai. (WB.) Nach einer Meldung des „Reuyvrk Hevalb" aus Washington beabsichtige Präsident Coolidge, bas Einwande- rungsgeseh, das mit Wirkung vom 1. Juli b. 3- die Japaner von der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten a u s s ch l i e h t, dem Kongreß mit einer Botschaft zurückzuschicken, in der die Abänderung ber Ausschluhbestim- imungen verlangt wird, so daß Zavan Darin keine Verletz u ng erblicken kann.
Aus dem Hessischen Landtag.
Von unsererDarmstäbterRedaktion.
Darmstadt, 22. Mai. Der Gesetz ge- bungs ausschuß na'fjm den Gesetzentwurf über die Wanderung des Gesetzes betr. bie Brand- versicherungsanstaltfürGebäubean. Diese Vorlage ^zweckt, die Versicherung bei ber Drandversicherungsanstalt unb insbesondere auch die Leistungen auf der Golbmarkbasis wertbe- ftänbig festzulegen Es ist dies erforberlich, nachdem allgemein die Golbmarkrechnung eingeführt ist. Sie Abschätzung unb Feststellung Der Versicherungssumme unb Brandschäden erfolgt auf der Grundlage ber burchschnittlichen ortsüblichen Daupreise vom 1. August 1914. Der von bem Abg. Fenchel gegebenen Anregung auf schnellere Auszahlung ber Brandschäden an Die Beschädigten (statt wie bisher 1/4, nunmehr^/g ber Summe innerhalb 14 Tagen) würbe von dem Re- gierungdbertreter zugestimmt. Der Antrag bes Abg. Mann, Die Vergütung für erhöhten Feuerschutz von x(a Pf. auf 1 Pf. zu erhöhen, 'tourDe abgelehnt. Dasselbe geschah mit der Vorstellung des Bürgermeisters Denkert von Reu-3sen- burg, ber dieselbe Erhöhung wünschte. Die Vorstellung des Hermann Holzapfel und Bruno Wittig in Butzbach wurde durch bie Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Regierungsvorlagen zu dem Gesetz über die Umlegung von Bauland die hier für bie Gemeinden Eberftadt, Viernheim unb Weisenau m Frage kommen, wurden angenommen, ©ine eingehende Aussprache veranlaßten bie beiben Vorstellungen der Schuhgemeinschaft f-ür die höheren Schulen und bie Vorstellung des Bundes der Freunde der humanistischen Bildung in Alzey über bie künftige Gestaltung des höheren Schulwesens. Die beiden Vorstellungen der Schahgemeinschaft wurden der Regierung als Material überwiesen. Die Vorstellung ber Freunde ber 'humanistischen Bildung wurde durch Die Regierungsantwort für erledigt erklärt.
Der Finanzausschuß des Landtags setzte seine Beratungen bei Kap. 53 (Landes- aint für Dildungswesen) fort das genehmigt wurde. Ebenso wurden genehmigt die Kap. 54 bis 57 (Stellvertretungen und. Aushilfs- kosten, Postgebühren, Lehrerseminare, Volksschulen). Bei Kap. 57 wurde allgemein vom Ausschuß gewünscht, den Fortbildungsunterricht zeitlich günstiger zu legen, besonders die Landwirtschaft bittet Darum. Bei Kap. 58 (Turn- und Zeichenunterricht) ist Die Stelle des Lanbesturninspektors aufgehoben. Der Ausschuß wünscht dah Diese Stelle nicht wieder geschaffen wird oder mit einer ©Jette für Fortbildung Der Le'hrer (Kap. 63) verbunden wirb. Die Kap. 59 (Taubstummenanstalt) unb Kap. 60 (Blindenanstalt in Friedberg) wurden genehmigt. Bei Kap. 61 (Gymnasien) wurde wegen der Der- wenbungsmöglichkeitderAssessoren angefragt. Don einer Seite wurde beanstandet, daß die beiden Söhne des Großherzogs ohne Examen in die Unterprima aufgenommen worden sind. 3n diesem Kapitel ist auch ein Betvag für ärztlich e Untersuchungen von Kindern Der Volks- unb höheren Schulen ausgesetzt; es wurde gefragt nach Deren Ergebnissen. Die Kap. 62 bis 66 (Höhere Bürgerschulen, Fortbildung der Lehrer, Jugendpflege Volksbildung, Förderung
zwei bis drei Tage stehen. Dort soll noch das Mauerwerk der „Weihburg" im Boden sein. Von ihr erzählt man folgende Sage:
»Die Stadt Frankfurt war in früheren Zeiten verpflichtet, Den Herren von Trohe jährlich eine Fuhre Wein zu liefern. Der Fuhrmann mußte aber nicht nur Den Wein, sondern auch sein Gespann zurücklafsen unb mit der Peitsche allein zurück nach Frankfurt gehen. Das ging durch viele Jahre hindurch, bis einmal ein jähzorniger Mann die Fahrt nach Trohe antrat, -lieber den Schimpf, nur mit der Peitsche in der Hcnzd armselig weggehen zu müssen, erbost, steckte er die Burg in Brand, daß sie bis auf den Boden abbrannte."
So erzählen sich in Trohe die Leute und erklären Damit das Fehlen jeglicher Spuren dieser Burg Was an der Geschichte Wahres ist, konnte ich trotz eifrigsten Suchens nicht hevausfinden: 3n Den geschichtlichen Quellen über das Busecker Tal wird nur immer eine Burg — eben jene mitten im Dorf — erwähnt. Jo, unlängst wurde mir sogar von einer dritten erzählt, die beim Friedhof gelegen habe. Hedenfalls handelt es sich aber auch hier, genau wie bei der Weißburg, um eine Art von Vorwerk.
So ergeht sich die Phantasie des Volkes in der Erinnerung an längst vergangene Zeiten. 3n Sage unb Lied zehrt es von Den Schihen einer ruhmvollen Vergangenheit. Selten findet man ein sangesluftigeres Völkchen als gerade im
Der Kunst) würben genehmigt, ebenso Kap. 67 (Land<suniversität). Der Beitrag ber Stad t Gießen ist jetzt auf 80000 Mk. erhöht; im Ausschuß war man der Meinung, daß bies immer noch wenig sei, Denn Gießen' brauche fein Krankenhaus und andere Einrichtungen zu unterhalten. Genehmigt wurden ferner Die Kap. 68 bis 74 (Technische Hochschule, Landesbibliothek, Gan- desmuseum, Förderung ber Lanb es geschick te, Geophysikalischer Landesbienst, Hochbauwesen, Denkmalpflege). Hierauf wurden Die Forderungen des Wirtschaftsmini st eriums (Kap. 75 bis 84) genehmigt. Bei Kap. 85 (Lanbwirt- schastskammer) wurde um nähere Auskunft gebeten, wie Die Zuschüsse Des Landes verwendet werden. Bei Kap. 86 (R e i ch s v e rs iche r u ii g) wurde Der Wunsch ausgesprochen, in Mainz wieder eine Spruchkammer erstehen zu lassen. Ferner wurden bie Kap. 88 (Soziale Fürsorge und Wohlfahrts wes en) unb 89 (La n- Deskreditkafse) genehmigt. — Am Freitag beginnen bie Beratungen mit Der Regierung.
Kleine politische Nachrichten.
Wie die deutschvölkische „G roßdeu t f che Zeitung" mitteilt, zwingen die Verhältnisse das Blatt zu einer Durchgreifenden Neuordnung des Unternehmens; das Blatt wird deshalb einige Zeit nicht erscheinen. Wie verlautet, sind insofern Schwierigkeiten entstanden, als der frühere „Völkische Beobachter“, der nach dem Hit- lerputsch von der Regierung verboten wurde, wieder erscheinen will.
Hustizrat Pfleger-Weiden bezeichnete in einer Unterredung mit einem Vertreter des „Oberpfälzischen Kuriers" die Meldung, dah er zum bayerischen Ministerpräsidenten usersehen sei. als eine Kombinatton, die zum mindesten den Tatsachen vorauseile.
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Herr v 0 nKahr soll in einem Gesuch an DaS bayerische Kabinett erklärt haben, er könne nur dann von seinem Posten als Regierungspräsident zurücktreten, wenn er bis zu seinem 65.Hahr das volle Gehalt bekomme. Mit einer Pension von jährlich 7000 Mark könne er nicht leben.
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Der frühere englische Botschafter in Berlin Sir William Göschen ist gestorben. Göschen Der der deutschen Duchhändlerfamilie Göschen entstammte, war nach einer vielseitigen diplomatischen Tätigkeit in QHabriD, Buenos Aires, Miris, Rio de Janeiro, Konstantinopel, Peking, Kopenhagen, Lissabon, Washington, St. Petersburg, Belgrad, Botschafter in Wien und dann von 1908 bis zum Kriegsausbruch in Berlin, wo er für einen Freund einer britisch-deutschen Verständigung gatt.
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Die britisch-türkische Mossulk opferen z hat begonnen. Di» Besprechungen sind nicht öffentlich. Der erste Bericht besagt, daß die britische Auffassung bezüglich Der Lage sich von Der türkischen wesentlich unterscheidet.
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Das Präsidium des Allukrainischen Zentrol- exekutivkomitees hat das Begnadigungsgesuch im Prozeß gegen Die Kiewer Verurteilten genehmigt. Die Todes- stvase für Czebakvw, Edinewski, Jakowlew und Die Winigradow tourDe in zehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt. Die Strafe Der übrigen Angeklagten wurde um Die Hälfte getürmt Das Allukrainische Zentralexekutivkomitee stimmte zwar der Auffassung zu, daß die Angellagten des Landesverrats urtb ber Spionage schuldig seien, es war aber der Ansicht, dah sie der Sowjetunion! keinen beträchtlichen Schaden zugesügt hätten.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 22. Mai 1924.
Ein schwerer Mißstand in der frankfurter Straste.
Aus der Frankfurter Strahle oben« halb der Eisenbahn-IIeberführung sind uns in den letzten Tagen zahlreiche Beschwerden über eine ungeheure Staubplage zugegangen. Der.sehr starke Auto- und Fuhrwerksverkehr, ber sich auf dieser großen Durchgangsstraße vom frühen Morgen bis zum späten Abend abwickelt, wirbelt Staubwolken auf, Die sich sozusagen zu einem „ewigen Staubnebel" verdichten. Wenn Die Hausfrauen bei der jetzigen Drückend heißen Witterung bie Fenster Der Wohnungen offnen, finb die Möbel im Handumdrehen mit einer dicken Staubschicht belegt. Die Mehrarbeit, Die den Hausfrauen aus diesem Uebelstand bei der Sauberhaltung der Wohnungen erwächst, ist natürlich sehr aufreibend, größer noch ist aber der Schaden, der durch die fortwährende Staub- invasion an den Möbeln, der Wäsche usw. angerichtet wird. Die Regenfälle der letzten Tage haben in diesem Zu st and keine Besserung gebracht, Da Die Erde so erhitzt war, Daß sie iDie Regen- feudjtigteit schnell in sich aufsog und Die Erdoberfläche alsball» wieder ganz trocken war. Eine wirksame, dauernde Behebung Des Äebelstandes, die auch die ebenso unangenehme Schlamm-
Busecker Tal. Wie stolz es aber auf seine Heimat iß, zeigt am besten unser Rationallied, das immer wieder gesungen wird:
Ach, wär ich einmal im Dusecker Tal, ünb Die Schönheit der Mädchen, -Unb die Klugheit Der Bürschchen. Ach wär ich einmal 3m Dusecker Tal.
Das Gepäck des abessinischen Regenten.
Seine Hoheit Ras Tasfari, Der Regent von Abessinien, Der eine Besuchsreise in Frankreich, EnglanD und 3talien im Auftrage Der Kaiserin Zauditu unternimmt, wirD seinen Einzug an den europäischen Höfen mit großartigem Prunk halten. Gr wird von einem Gefolge von 30 abellinifchen Fürsten begleitet, von Denen vier Den Titel Ras ober Prinz führen und über große Provinzen des weiten Reiches herrschen. Anter den großen Massen Gepäck, die dieser exotische Machthaber mit sich führt, befinden sich viele merkwürdige Dinge, die zu Geschenken bestimmt sind. Außer großen Mengen Gold und Elfenbein bringt er sechs Löwen mit, von denen je zwei als kleine Aufmerksamkeit für Den Präsidenten Millerand und für Die Könige von England und 3talien bestimmt sind. Auch ein Dutzend wundervoller Zebras befindet sich unter seinen Gaben, und auch diese werden zu gleichen Teilen nach London, Rom und Parts gespendet werden.


