Einzelbild herunterladen

Nr. 70

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertag«, mit d Samstaqsbeilaqe: ©icfcenerjomilitnt lütter Monatr-dezvorpreir:

2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerloh«, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Vertag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für vrahtnach» richten rinzetgerStetze». pa-fchecktonto:

Zrantsurt a. M. U8M.

Erstes Blatt

174- Jahrgang

Samstag, 22. März 192$

GietzenerAn;eiger

General-Anzeiger für Oberhessen

ümtf tmt Derlog: Vrlihl'fche rlniversitäts-vvch- tmö Steinörudcrei K. Sanne in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: SchulM'aße 7.

Annahme von Anzeigen fürdieTagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichh, auswärts 10 (Bolöpfennig; für Re­klame-An eigen d 70mm Breite 35 Goldpfennig, Plotzvorfchrift 20" Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r Friedr. Will) Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für Den Anzeigenteil Hans Beck, sämtlich in ffiießen.

Die Plaidoyers im Hitlerprozeh.

München, 21. März. (WB) Am heutigen 19. Verhandlung«rag des Hillerprozesses wurde unter allgemvtirer Spannung mit den Plaidoyers begonnen. Zu Begnrn der Sitzung gab der Vor­sitzende im Flamen des Geiich:es eine Erklärung ab, die auf eine Volt.; in der .Frankfurter Zei­tung" Bezug nimmt, wonach Kronprinz Rupprecht im Hintergrund des Prozesses ste­hen soll. Sn der Erklärung heißt es u. a.: Die Verhandlungen im Hitlerprozeß haben feiner­lei Anhaltspunkte dafür erbracht, daß Kronprinz Rupprecht irgendwie den Ereignissen vom 8. oder 9 Rovember nahegestanden habe Sm Urteil im Fuchs°M<ichhaus-Prozeh ist ausdrück­lich wiederholt festgestellt worden, dah Kronprinz Rupprecht an der damaligen Angelegenheit völ­lig unbeteiligt war. Weiter gibt der Vor­sitzende dann bekannt, dah die Anträge der Staats­anwaltschaft und der Verteidigung die letzten Re­den der Angeklagten zunächlsl in öffentlicher Sitzung angehört werden sollen. Das Gericht halte sich aber vor, gegebenenfalls die Oesfentlich- keit zu schliehen. Daraus beginnt

Der Erste Staatsanwalt Dr. Etenglein

mit seinem Plädoyer. Für die Ereignisse vom 8. und 9 Rovemder und der zu ihnen führenden Entwicklung treten für uns vor allem zwei vom Standpunkte des Vaterlandes tief bedauerliche Erscheinungen hervor, nämli-ch die Zerrissen­heit und die Zerklüftung der vaterländisch ge­filmten Kreise und die Ungeduld, de in den nationalen aktiven Kreisen zu beobachten sei. Die Weimarer Verfassung bilde die Grundlage des Retäies Die Gegnerschaft gegen diese Verfassung dürfe niemals Da,yi führen, dah sie mit Oe» waltzu ändern oder zu beseitigen versucht werde. Freilich war das, was im Rvvember 1918 ge­schehen ist, ein Verbrechen des Hochverrats. Allerdings damals ist die neue Regierung in kurzer Zeil im ganzen Reiche vollständig durch gedrungen und damit ist der tatsächliche Zu­stand ein R e ch t s z u st a n d geworden. Die glei­chen Strafbestimmungen, die bis dahin im mt>» narchischen System angewendet wurden, sind nun­mehr unvermmdert auf die republikanische Staats­form übe,gegangen. Herr Hitler hat Recht, wenn er ausgeführt hat, dah der Hochverrat das ein­zige Verbrechen ist, das nur dann bestraft wird, weim es mißlingt. Dieser Grundsatz muh auch auf die Angeklagten angewandt werden.

Ihre Lat ist nicht gelungen und daher straf­fällig.

Der Staatsanwalt erörtert dann das Problem Kahr-Lossow-Seisser Die Frage, ob die 3 Männer in ftrafbarer Weise sich an der Tat der Angeklagten beteiligt hätten, sei für die Schuldsrage belanglos. Es sei selbstverständlich, dah die Frage einer strafbaren Beteiligung der drei Männer gewissenhaft verfolgt worden sei. Auch dafür, dah sie sich vorher an den Vor­bereitungen für das Vorhaben der Angeklagten beteiligt hätten, sei kein R^weis erbrach worden. Es sei also der Tatbestand des Hochverrats nicht festgestellt. Bei dem Verhalten der Herren Kahr, Lcssow und Seisser am 8. November dürfe nicht vergessen werden, daß diese sich damals in einer furchtbaren Zwangslage befanden und dah sie rücksichtslos in den Staatsstreich hin­ein g e st o h e n wurden. Die drei Männer be­strebten. nach ihrer Darstellung, im Verein mit anderen norddeutscl-en Politikern die Errichtung eines nationalen Reichsdirektorrums auf dem Wege der Reichsverfassung. Ein Direktorium mit dem Ramen Hitler-Ludendorff war nie zwischen ten Angeklagten und den drei Männern verein­bart worden. Sn der Besprechung vom 6. Ro- vember hätten die Diei unzweideutig angekündigt, dah sie fest entschlossen seien, jeder gewaltsamen Llmwälzung mit Waffengewalt zu begegnen. Cs ergebe sich der Schluß, dah die Urheber der Ak.ion sogar entschlossen gewesen seien, nötigen­falls auch bei einer Weigerung der drei Männer das Unternehmen durchzuführen.

ob die Qlngetlagten nur eine Olenberung der regierenden Persönlichkeiten, oder ob sie eine Aenderung der Verfassung anstrebten.

Mit dem Marsch nach Berlin sollte eine völlige Shsternänderung im Reiche hrrbeigefuhrt werden. Sn erster Linie sollte die bayerische Verfassung und die Regierung gewaltsam geändert werden. Das Kabine t sei abgesetzt, die Minister verhaftet und der Land ag ausgeschaltet worden. Das alles bedeute die B seiiigu >g der Paragraphen 2, 3 und 4 der bayerischen Verfassung Sm Reiche sei die Regierung derRovemberverbrecher" und Der Reichspräsident als abgeseht erklärt worden. Cs sei also eine gewaltsame Verfas­sungsänderung in Bayern u n d im Reiche unternommen worden. Darauf ging der Staatsanwalt zu den einzelnen Angeklag en über, wobei er sich zunächst mit Hitler befähle, dessen Ehrlichkeit er einleitend rühmte. Sn seiner Hem­mungslosigkeit liege seine tragische Schuld. Shn treffe die Haupt verantwormng an den Gescheh­nissen, die er selbst nicht leugne. Der Angeklagte Ludendorff habe sich auch da, wo er gegen das Ges tz veisstich als ganzer Mann und tapferer Soldat gezeigt; sein Floherrnruhrn sei unberührt geb liebe, i. Laren do rss habe sich schließlich an die Spitze des u h i Id ollen Zuges gesetzt, obwohl er mit der Moglichk.it eines Zusammenst her gerech­net habe. Daher habe er das Gesetz verletzt und dies müsse daher auch ihm gegenüber zur An­wendung kommen. Mit offenen Augen hibe Lu- dendorfs gssehen, dah es sich hier um einen g e - Walts um en ül m stürz handelte. Der Ange-

FrankreichsSicherheit".

(Ein neuer französisch-britischer Briefwechsel? - Deutschland und der Völkerbund. - Ein Sicherheitsvertrag zwischen Deutschland und der Entente.

Paris, 21. März. (Wolfs.) Der Londoner Berichterstatter derChicago Tribüne" will wissen, dah trotz der Versicherungen Macdonalds im Parlament, es würden keine weiteren Ver­handlungen mit Poincars geführt werden, bis die Sachverständigen ihren Bericht veröffentlicht hätten, zwischen den beiden Premierministern be­reits wieder ein Austausch von Briefen stattgefunden habe, die noch für einige Zeit ge­heim gehalten werden sollen. Macdonald habe Poincarö etwa folgendes mitgeteilt:

1. daß Frankreich das Recht habe, eine Regelung der Sicherheitsfrage zu ver­langen, da es in der Luft schwebe, seit Eng­land und die Vereinigten Staaten den mili­tärischen Garantiedectrag nicht unterzeich­net haben;

2. daß die deutsche Bedrohung heute für Frankreich ebenso bestehl, wie für Deutschland nach 1870 die französische Be­drohung existierte, und daß dagegen etwas geschehen müsse;

3. erhebe Macdonald Einspruch ge­gen militärische Verträge nach, der Art, wie sie vor dem Kriege abgeschlossen wor­den seien, denn nach seiner Ansicht trügen sie zum Ausbruch von Stiegen bei und er schlage deshalb vor, daß Deutschland in den Völkerbund eintreten soll, damit Deutschland und Frankreich in der gleichen Weise gedeckt seien.

Ferner wurde nach dem Vorschläge Mac­donalds die gesamten englischen Land-, See- und Luststreitkräfte die Verpflichtung haben, gegen das Land vorzugeheu, das einen Kon­flikt herbeiführen würde, ohne vorher die An­gelegenheit dem Völkerbund unterbreitet zu haben. Macdonald wolle diese Sicherheits- frage aber erst nach der vollkommenen Re» gelang der ReparatianSftage aufwerfen.

Dem Pariser Vertreter des Wolff-Bureaus ist heute vormittag in englischen Kreisen erklärt worden, dah von einer von Ramfay Macdonald eingeleiteten neuen Korrespondenz, wie die ^Chi­cago Tribune" sie airkundigt, nichts bekannt ist. Der diplomatische Redakteur der Havas- Agentur bestätigt auf Grund von Informationen von autorisierter Seite diese Feststellung. Sn Wirklichkeit, fügt er hinzu, habe Poincarä seit dem am 2. März veröffentlichten Schriftwechsel keinerlei persönliche Schreiben feinet englischen Kollegen erhalten und ihm seinerseits keines zugehen lasset). Dagegen werde zwischen den beiderseitigen Kanzleien ein eifriger Mei­nungsaustausch über die Sicherheits- und Repa- vationSfrage gepflogen. Abgesehen von diesen Unterhandlungen, die durchaus normaler Art seien, existiere jedoch kein neuer Schriftwechsel zwischen den beiden Ministern. Merkwürdig be­rührt bei dieser Feststellung lebhafter Verhand- tungen zwischen Paris und London, das der Temps", der mit dem Fortschreiten der Sachverständigmarbei en immer dringender an die französische Regierung die Aufforderung rich­tet, Verhandlungen mit den Alliier en, besonders mit England, aufzunehmen. E> schreibt heute in einem Lci arli'el zur Sicherhesssfrage: Wenn man den Versuch mache, das Problem schon jetzt völlig zu lösen, so müsse man zugeben, daß es stch zum mindesten aus zwei (Siemen.en zusammensetze.

In erster Linie handele es fk't, die gemein­samen, dauernden Interessen der Besatzungs­mächte im Rheinlands festzustellen.

Es feien noch feine zehn Jahre her, daß ein und dasselbe Ereignis, der Einfall Deutsch­

lands, für Belgien, Frankreich und England zu gleicher Zeit eine vitale Frage aufgeworfen habe. Dieser Lehr T der Erfahrung dürfe man Rechnung tragen, ohne irgendwie jemand zu bedrohen oder zu beleidigen, und man form e nicht vergessen, ohne eine Art Selbstmord zu begehen. Aber die Her­stellung des Friedens in Europa Eonne nicht aus­schließlich darin bestehen, daß man Vorsichtsmaß­regeln gegen Deutschland treffe.

Man müsse den Vorsichtsmaßregeln eine Maßnahme überordnen, die beruhigend wirke, mit anderen Worten: man müsse der S'dee der Gegenseitigkeit und der Idee der Soli­darität Sinkt 1) verschaffen. Die Sicherheits - frage würde, wenn man sie schon jetzt in ihrem ®ej<vrti tum fang erfassen wollte, noch ein zweites Clement enthalten, die Rotwendigkeit, innerhalb des Rahmens, den der Völkerbund biete, über den gegenseitigen Sicherheits- »ertrag zwischen Deutschland und seinen Rachbarn zu verhandeln, wobei Eng­land und Italien naturgemäß als Rachbarn Deutschlands zu betrachten feien. Am Vorabend der Verhandlungen über die Reparationen und unmi.t.tbar vor dem Einsetzen der Wahlkampagne in Frankreich und Deutschland sei es vielleicht noch notwendiger, schnell zu handln, als alles mit einmal zu tun. Wäre es in dieser Lage nicht das Bllte. wenn man darin über einkäme, daß Foankr ich und England entschlossen eine Aenderung der Verträge mit Gewalt verhindern sollten und geneigt wären, einander mit allen Kräften zu unter,lügen gegen einen Angriff, der die Satzung des Völkerbundes verletzen könnte?

Englands ßuftDerteihigungspro-ramm.

London, 21. März. (Wolff.) Sm Unter­haus kam die Frage der Luftverteidigung wiede­rum zur Erörterung. Einer der liberalen Füh­rer, Sir John Simon, erklärte, jeder vernünf­tige Mensch, der die auswärtige Lage unparteiisch prüfe, müsse zu dem Schluß kommen, dah der Voranschlag, der eine Erhöhung der Ausgaben um 2*/-2 Millionen Pfund aufweise, vollkom­men angemessen sei. Keine Regierung, welches auch ihre Politik sei, dürfe die Rüst­ungen Frankreichs in der Luft unberück­sichtigt lassen, wenn er auch den Versicherungen Poincarc-s Glauben schenke, daß sie zum Schutz Frankreichs gegen einen deutschen Re­vanchekrieg gedacht seien. Rach dem Kriege sei die Luftwaffe' Englands planmäßig herab­gesetzt und auf das zulässige Mindestmaß be­schränkt worden. Eine solche Einschränkung aber müsse allgemein sein und internationalen Charakter haben.

Sm Ober Hause brachte der Luftfahrtsekretär Lord Thomson den Gesetzentwurf zur Errich­tung einer Hilfsluft st reitmacht und Luftreserve in zweiter Lesung ein und sagte, die Hilfsmacht entspreche in ihrem Charakter bem der territorialen Armee.

Der Zweck der Vorlage sei, dem Luftfahrt- Ministerium die Ausdehnung der Dekrut.erung zu ermöglichen.

Zunächst sei beabsichtigt, sechs Geschwader aufzustellen. Man hoffe die Rekrutierung für zwei Geschwader im Gebiet von London im Som­mer und eventuell für ein weiteres Geschwader bei Glasgow im Herbst, zu beginnen. Aus-erdSin sei beabsichtigt, sieben anaere Reservegeschwader jur den Schutz der Heimat zu bilden. Der Mar guts von Londonderry begrüßte die Vor­lage tm Rainen der Konservativen Par-ter und sagte, fie werde die Zustimmung sämtlicher Parteien finden. Hieraus wurde die Vorlage in zweiter Lesung angenommen. Sm Unterhaus

klagte fei daher schuldig der De i h i l f e zum Ver­brechen des Hochverrats.

Hierauf erhob sich

der Zweite Staatsanwalt Ehart, der die Anklage gegen die übrigen Angeklagten vertrat Der Angeklagte Knebel habe durch das Schreiben vom 7. Rovember bewieseit, daß et zu denjenigen gehörte, die am Entschiedensten zu der gewaltsamen Lösung der deutschen Frage drängten. Gr habe insbesonde e für das Gelingen des ^Vorfalls im Burgerbräu eilet gesorgt. Kne­bel fei des in Mittäterschaft der übrigen An­geklagten begangenen Verbrechens schuldig Der Angeklagte P ö h n e r habe sich gleichfalls der Mittäterschaft des Verb eche is des Hochverrats schuldig gemacht. Er habe den ihm angetrageien Pcsten als Ministerpräsident angenom­men und sich sofort nach Beendigung der Ver­sammlung in seinem neuen Amt betätigt. Der Angeklagte Frick sei zweifellos von den Ereignissen und vor den Ereignissen eingewetht gewesen uni*habe seine Bereitwilligkeit zur äl über­nähme des Amtes fest zugesagt Der Ange­klagte Dr. Weber war sich gleichfalls Elar Dar­über, daß die Reichsverfassung gewaltsam ge­ändert werden sollte und habe sich aus eigener Mittäterschaft an der gewaltsamen OleiDe u ig Dir bayerischen und der Reichste Fassung beteiligt. Er sei daher der Mittäterschaft schuldig, aber es werde anerkannt, daß er aus Begeisterung für I die deutsche Sache gehandelt habe. Die An­geklagten Röhm, Brückner, Wagner und dornet seien der Beihilfe zum Hochverrat schuldig.

Hierauf folgt

der Strafantrag der Staatsanwaltschaft gegen Hitler 8 Jahre Festung wegen eines Verbietens des Hochverrats, gegen Erlebet, Pöhner und Dr. Weber wegen Mittäterschaft je 6 Jahre Festung, gegen Ladendorff wegen Beihilfe 2 Jahre Festung, gegen Frick and Röhm 2 Jahre Festung, gegen Brückner und Wagner 1 Hahr und 6 Monate Festung und gegen Pernet 1 Hahr und 3 Monate Festung. Sämtlichen Angellagteii sollen mildernde ülm- stände zugeblliigt werden.

Die Rachmittagss ihung begann mit dem Plaidoyer des Verteidigers Hitlers, Rechtsanwalt Roder. Zum Verständnis der Tat des Angeklagten müsse man sich in die ungeheuer­lichen Zustände zurückversetzen, die im Herbst vorigen Jahres geherrscht haben. Schon der Be­stand des Geaevalstaatskommissariats in Bayern bedeutete auf der ganzen Linie den Kampf gegen Berlin. Herr v. Kahr habe sich nicht mehr als Vollzugsorgan gegeben, sondern er sei auch a I s Diktator weiter geschritten. Lossow und Kahr hätten die Befehle des Reichswehrministers und d^s Generals v. Seeckt einst,ch mißachtet und dm offenen Kampf zwischen München und Berlin veranlaßt. Es dürfe niemand wun­dern, wenn Hiller zu der Auffassung gekommen sei, Kahr, Lossow und ©elfter seien dar cha u s damit einverstanden, duft er sie In Dem Kampfe gegen die Berliner Regierungsmänner unterstütze.

Die Geheimabkommen.

Die neueste außenpolitische Sensation sind die Mitte der Wache vorn^Berliner Tageblatt" ver­öffentlichten, um die Jahreswende zwischen Frank­reich und der Tschechoslowakei getroffenen Geheim­abkommen. Die eiaegie Aufnahme, die fie übeiall in der ganzns WH gesunden haben, beweist, welch starke Dosis von Mißtrauen und Argwohn trotz der überallher tönenden Phrasen von Friede und Völkerversöhuiung die poli.Ische Atnwlphäre enb- hält. Die mehr robusten als beweiskräftigen De­mentis Herrn Benes chs sind ebensowenig, wie die schwächlichen Klarstellungsversuche des tsche­chischen Gesa n'Dten Tusar dazu angetan, die be­greifliche Erlegung über diese etlatan.e Bedrohung des europätzfch-en Friedens durch zwei Signalar- mächte des Völkerbundes aus der Welt zu schaffen. An der Frcige der Echtheit der veröffentlichten Dokumente wird man solange nicht zu zweifeln brauchen, qls der tschechische Außenminister sich nicht der Mühe unterzieht, zu den Publikatronen sachlich Stellung zu nehmen, sondern sie auf Grund von gänzlich belanglosen Formfehlern die sehr wohl bei der schnellen Abichrif'nähme, der lieber- miltlung oder der Ileberseyung entstairden sein rönnet: mit nichtssagenden Schimpfwortrn zurücktveisen zu können glaubt. Herr Tusar, Den man als einen der gewiegtesten Berliner Diplo­maten rühmen hört, faßt denn auch sein Hand­werk geschickter an. Sm Berliner Illlsteinblatt, der Dos fischen Zeitung", die sich ihm hierzu bereitwillig st zur Verfügung stellt, sucht er in einem, auch durch seine Länge nicht einleuchtender gewordenen Opus dieFalsifikate" nachzuweisen. Wem Tusar es für eine glatte Unmöglichkeit hält, daß die Tschechoslowakei sich Polen zuliebe ahne jede polnische Gegenleistung in ebnen Krieg stürzen werde, so vergißt er, dah der Vertrag nicht mit Pofen, sondern mit Frankreich geschlossen wurde, und daß dieses wohl für einen Ausgleich feiner beiden östlichen Satrapen Sorge getragen hätte. Die Im Vertrage im Falle eines deutsch-öster­reichischen Anschluß verfuchs vorgesel-eue Be­setzung' Oesterreichs nennt Herr Tusareine fürchterliche Erfindung", Da Oesterreich ja unter Kontrolle und Schutz des Völkerbundes stehe, wobei er geschickt üdersieht, daß dieser Schuh doch mir e ns vorübergehende Maßnahme währens» der Sanierungszeit ist. dir ftanzösssch-tschechischen Verträge aber für viele Jahre Gültigkeit haben. Schließlich fragt der Gesandte,was hat die Tschechoslowakei mit dem Mi11skmeer zu tun? Warum soll sie sich mft Italien veisseinden?", vergißt dabei aber recht- zcilig, daß ja Jugoslawien in das ftanko» tschechlssße Bünd.iis einbezogen werden sollte und unter diesem Gesichtspunkt dieser Verv-agSarlikel nicht sc»komisch" wirkt, wie Tusar glauben machen will. V>enn diese Prager Ableugnungsve'rsuche bet der staunenden Mitwelt auf so geringes Der» ständwiis stoßen, und es auch Herrn P v i n c a r e nicht ohne weiteres gelingt, die Urheber der angeblich gefälschten Dokumente zu überführen, wie Kl,aber, die Marmelade genascht und sich dabei t-i ? Fj.nger beschmutzt haben woran sich das Echo de Paris" bereits reichlich voreilig be­rauscht, so liegt Der Hauptgrund hierfür in der unleugbaren Tatsache, daß dec offizielle, beim Sekretariat des Völkerbundes hinterlegte ftanko- tschechische Vertrag vom 24. Januar 1924 ohne die jtztzt veröffentlichten Geheimabmachungen eine Schal:- ohne Kern,ein leeres Schau­gericht" ist. DerVorwärts" weist be­sonders darauf hin, daß der Wortlaut des offi­ziellen Vertrages in allen sachlich bedeutsamen Pavai-irapheu die beiden Derlragskontrahenten verpfllchtet, sich gegebenenfalls über, öle zu treffen* denD orkehru ngen" zaverständigen. DerVorwärts" bemerkt mit Recht dazu, daß diese immer wiederkehrende Formelvollkom­men nichtssagend bleibt, solange sie nicht

durch Clnzelaussührungen ausgefüllt ist". Erst

die zur gleichen Zeit. Weihnachten 1923,

zwischen Poim-care und Beaesch getroffenen ge­heimen Abmachungen geben Der Schale ihrer schwerwiegenden Kern. Mll bem offiziellen Ab« kcmmen gedachte man der Welt Sand in Die AugiÄi zu streuen, um umso ungestörter Die er­neute Einkreisung Der Mittelmächte zu betreiben. Rachdem das franko-tschechssche Krie^zsbündnis geschlossen war, das das tschechische Heer unter französischen Oberbe e'll stellte, Die Tschechoslowakei zu einer französischen öatrapie machte, fiel Poincarös commis voyageur, Herrn Eduard Benesch Die 2Iufgabe zu, auf feinen euro­päischen Rundreisen, weitere Teilnehmer zu Dem geplanten Kesseltreiben gegen DeutschlanD zu suchen. Auch gegen Italiens Mittelmeer­stellung richteten sich Die beiderseitigen müHungen Es ist gewiß nicht Herrn Beneschs Schvld, daß ec eine weniger glückliche Hand hatte, als sein gefronter Ramensveller, E)uard VII. Iwzrslawien versagte sich Dem tschechischen Liebes­weiden. Rintschitsch hielt Den italienisch-ser- bischen Ausgleich für wichtiger und wollte sich iruj- gegen Ungarn sichern. Der Sturm der Ent­rüstung, den die Enthüllungen gerade in der römi- schsir Presse entfacht haben, erscheint hiernach bcgictflid) Haben doch in Rom und London schon dize umfangreichen Rüstungskredite, Die Frankreich Dem Prager Vasallen vor wenigen Wocl>en erst gowährte, starke Bedenken geweckt. Jetzt weiß inan auch hier, was man von oein französischen Bundesgenossen zu halten hat Uno auch hier scheint man sich nicht von Den fr gwürdigen Argu- nuenten täuschen lassen zu wollen mit Denen Die Herren Benesch und Tusar Die peinlichen Doku­mente zu entkräften tersuchen. Die Welt hat einen neuen Beweis, wie Der sranzösifche Imperialismus I urtier Dem Schuhe des VöllerbunDes, unter Dem I Vorgehen der beDrohtenSicherheit" Frankreich- * zu neuen Kriegen rüstet