SuO<m ctn armer Landstrich, toüti>e itzn «snAand niemals herauSgeben, um ferne Stellung im ganzen Orient nicht zu gefährden, um nicht den Zusammenhang seimS afrckanischen Weltreiches vom Kav der guten Hoffnung bs zum Suezkamü zu zerreißen. Run aber ist der Sudan ein reiches Daumwollgebiet, dessen Ettragsfähigkeit durch große Kunstbauten immer mehr gesteigert wir). Ein Grund mehr, daß (Sngtanb niemals die Sehnsucht Aegyptens nach dem Sudan erfüllen wird. Rcrtürlich können solche Attentate wie in Kairo niemals den festen Willen Englands brechen, im Gegenteil, fte werden es zum Anlaß neuer militäris cher Mahnahmen machen. Und daz uwird sich die neue ton- -fervative Regierung noch geneigter finden als ■öie Arbeiter regierung. Bezüglich Indiens lie en bereits Erklärungen der Regierung vor, dah der Zustand dauernder Unruh n mit aller Energie ein Ende finden müßte und würde, wenn auch Zaum anzunehmen ist, daß diese durch Gandhi großausgezogene Bewegung dadurch beendet werden kann.
6ir Loe Stadt
Kairo, 21. Rod. (TU.) Sir Loe Stack ist gestern an den Folgen einer Operation, der er sich nach dem Attentat unterziehen mutzte, tm Hospital gestorben. Die Bestürzung in amtlichen ägyptischen Kreisen ist außerordentlich groß. Man defürchtet für die ägyptisch-englischen Deziehüngen da- schlimmste.
Bor englischen Entschließungen.
London, 21. Rov. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter melden, dah sich em Kabinetts- r a t eingehend mit der Lage in Aegypten besaht hat. Heute oder spätestens morgen werde eine Mitteilung an die ägyptische Regierung abgehen. „Westminster Gazette" tritt dafür ein, daß das Verbrechen in Kairo die Regierung nicht von ihrem Kurs gegenüber Aegypten abbringen sollte. „Daily Rews" zufolge müßten strenge Maßregeln ergriffen werden, deren Charakter eher ein vorbeugender als strafender sein folle. Eine Aufhebung der Deklaratton vom Jahre 1922, in der die Unabhängigkeit Aegyptens anerkannt wird, komme nicht in Frage, jedoch sei der Ausschluß derägyptischen Untertanen aus dem sudanesischem D i e n st e möglich.
Reuter veröffentlicht folgende halbamtliche Rotiz: Man nimmt an, daß die ägypttsche Regierung strenge Maßnahmen gegen öie Verbrecher ergreifen wird. Aber in zuständigen englischen Kreisen wird gleichzeittg fest- gestellt, daß ein Feldzug gegen den Sudan im Gange ist. Es ist Ausgabe der ägyptischen Regierung, dem ein Ende zu bereiten. England müsse nunmehr handeln.
Wiederaufnahme der deutsch-sranzöfischenwittschasts- verhandiungen.
Der deutsche Botschafter bei Herriot.
Paris, 21. Rov. (TU.) Botschafter von Hosch ist gestern vormittag von S e h d o u f , 5>erh Leiter der Wirtschaftsabteilung am Quai L'Orseh, und nachmtttags von Herriot empfangen worden, von Hösch hat beiden Herren auf Grund der Staatssekretär von Trendelen- vur gaus Berlin mitgegebenen Instruktionen Aufschlüsse erteilt, die nach ihrer Auffassung die Wiederaufnahme der Besprechungen ermöglichen. Staatssekretär' von Trendelenburg wird sich zu diesem Zweck heute mit dem Handels- ,Minister R a h n a l d i in Verbindung setzen. Die Pariser Presse schenkt der Wiederaufnahme der 'Wirtschaftsbesprechungen große Beachtung.
Rach dem „Petit Journal" wurde am Quah d'Orsay nach langem Meinungsaustausch beschlossen, die Frage der 26Dro’entigen Ausfuhr- abgctbc dem Transfer-Ausschuß zu unter» breiten. Dis zur Entscheidung durch den Ausschuß soll sie von den Besprechungen ausgeschlossen sein. Die Besprechungen werden, wie das „Journal" meldet, heute nachmittag im Handelsministerium wieder ausgenommen werden. In französischen maßgeb;nben Kreisen vertritt man die Auffassung, daß eine Derständi- e noch vor dem 10. Januar 1925 zustande len werde. Der „Matin" glaubt melden zu können, daß die französischen Vertreter gleich bei Anfang der Verhandlungen die M e i st o e g ü n - Tilgung für die elsaß-lothringische Eisen - undStahlindustrie durch Deutschland zur Sprache beingep werde. Ein Meinungsaustausch habe bereits stattgefunden und lasse daraus schließen, daß in dieser Frage ein Einvernehmen erzielt werden fönne.
Der deutsch-englische Handelsvertrag.
London, 21. Rov. (WTB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" berichtet: In Erwartung der Ankunft der deutschen Sachverständigen habe gestern eine wichtige Sitzung im Handelsamt stattgefunden, die sich mit der Erörterung des Entwurfes des deutsch-englischen Handelsvertrages beschäftigte. Zur Fvrge der Wiedereröffnung von Filialen der führenden deutschen Banken in England werde darauf hingewiesen, daß diese Maßnahme unvermeidlich sei, wenn die vollen Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern wieder ausgenommen werden sollen. Wahrscheinlich werden deutsche und brittsche Danken sich Gegenseitigkeit gewähren. Ernsteren Einwänden werde wahrscheinlich eine Forderung der Einreihung deutscher Seeleute und Stewards in die britische Handelsschiffahrt begegnen. In der Frage der26prozentigen Abgabe werde die britische Regierung auf keinen Fall nachgeben.
Der deutsch-italienische Handelsvertrag.
Berlin, 21 Rov. (Priv.-Tel) Wie Mir hören, finden in den nächsten Tagrn im Reichs-- wirtfch)f.«Ministerium Besprechungen mit Sachverständigen der Industrie und des Handels statt über die Beziehungen zwischen Deutschland und Itctt en auf dm etn^einen Wirtschaftsgebieten. Die Beratungen dienen als Vorbereitung Oe demnächst beginnenden deutsch-italienischen Han» debsvertraasverbandlunaen
Bayern und Reich.
Eine Rede des Ministerpräsidenten Held.
M ü n ch e n, 20. Rov. (TA.) Im bayerischen Landtag erllärte der bayerische M i n i st erst räs ident Dr. Held, die bayerische Regierung lege großen Wert daraus, daß der lands- mcmnschastliche Charakter unter dem Ofsizier- korps des bayerischen Kontingents unter allen Hmständen gewahrt werde. Die bayerische Regierung sei der Meinung, daß die Infanterieschule in München bleiben müsse, weil nicht einzusehen sei, daß Bayern ober München bestraft werden sollen wegen eines Putsches, der von solchen gemacht worden sei, die mit Bayern gar nichts zu tu nhatten. (Wieder- sstruch bei den Völkischen.) Wir wollen, so fuhr der Ministerpräsident fort, unter allen Hmftän- den einen starken, selbständigen Staat haben in einem großen Deutschen Reiche, das alle Deutschen umfaßt, und was wir Föderalismus nennen, zeigte sich wesentlich in den letzten Tagen. Es wurde mir vorgeworfen — amch in einer gewissen Presse —, daß ich nur zum Scheine Monarchist sei und den Posten eines bayerischen Staatspräsidenten anftrebe. Davon ist jedes Wort eine Verleumdung. In Tuntenhausen habe ich ausgeführt, wie ich mir den christlichen Staat denke, und wer Gegner dieses Staates ist, der ist meiner Ansicht nach staatsfeindlich.
Präsident König bauer stellt noch fest, daß weder die Frocktion des Völkischen Blocks noch der Abgeordnete Strasser ein Wort des Bedauerns für die gröbliche H n« gezogenhe.it in Cer gestrigen Satzung gefunden hätten: Erne solche ©rflänng wäre die Fraktion Yes Völkischen Blocks dem Anse en des Landtages und seiner Mitglieder schuldig gewesen. Weiter teilte der Präsent mit, daß von den Kommunisten ein Mi-ßtrauensvotum gegen den Ministersträsike.itcn eingelaufen fei, das er nicht zur Abstimmung bringen lasse, da, es einen beleidigenden Inhalt habe und meßt von der vor geschriebenen Anzahl von 30 Abgeordneten unterstützt sei.
Ausbruch einer Revolution in Ruhland?
Paris, 21. Rov. (TH.) Pariser Morgen- blätter HMeichnen in großer Aufmachung eine Meldung, wonach in Rußlaich gegen die S o w- jet-Reg ieru ng eine Revolution aus- gebrochen fei. „Eve Rouvelle" bringt Gerüchte, wonach Ma trosen in Kronstadt gemeutert haben und sich Trotzkis bemächtigten, der sorgfältig bewacht wird. Es ist zur Zeit unmöglich, eine offizielle Bestätigung dieses Gerüchtes zu erhalten, eine Bestätigung bleibt abzuwarten.
Großreinemachen.
,3n der Rächt vorn Samstag zum Sonntag hat die Regie ihren Rückzug angetreten und die einzelnen Strecken, die seit über einem Jahre unter ihrem Einflüsse die Gebrauchsfähigkeit mehr und mehr eingebüßt haben, an die Deutsche Reichsbahn zurückgegeben. Die ilßren zeigen wieder die deutsche Zeit und bald werdsn auch die Bahnhöfe wieder die Sauberkeit auftoeifen, die sie immer wohltuend von den ausländischen Bahnhöfen unterschied. Es ist bezeichnend, daß der erste Tag nach der Hebergabe zu einem Groß-Reinemachen verwendet werden mußte, weil die französischen und belgischen Beamten die Bureaus In einem sehr unsauberen Zustand hinterlassen haben.
Abgesehen von kleinen Schikanen scheint sich die llebergabe ziemlich reibungslos vollzogen zu haben. Das ist aber kein Verdienst der Regie, sondern des deutschen Eisenbahnpersonals, daß sich auch ohne Einarbeitung, die von der Regie nicht gestattet wurde, der Betrieb von der Minute der ilebergabe an glatt abwickelte. In welchem Zustande sich die Dahnen befinden, darüber wird man naturgemäß erst in einigen Tagen näheres erfahren können. Daß diese Derichte nicht glänzend ausfallen werden, läßt sich jetzt schon ermessen, da es die Regie abgelehnt hat, eine ordnungsmäßige Hebergabe an der Hand von Destandsnachweisen au vollziehen, wie sie von der Reichsbahngesellschaft gefordert wurde. Die Begründung ist sehr spassig. Dir Regie behauptet, sie hätte bei der Hebernahme auch nicht auf ordnungsgemäßen Verhandlungen bestanden, sondern die Eisenbahnen bei Beginn des passiven Widerstandes übernommen, wie sie sie vorfand. Infolgedessen könne sie auch für Schäden nicht verantwortlich gemacht werden. Aber schon damals seien umfangreiche Zerstörungen vorhanden gewesen.
Den deutschen Behörden wird es ja keine Schwierigkeiten machen, die Hnhaltbarkelt derartiger Behauptungen nachzuweisen, da nicht unvergessen ist, wie bie Franzosen damals gehaust haben. Daß in einzelnen Bezirken z. D. die Morseapparate entweder demoliert oder überhaupt weggeschafft sind, wird selbst von Franzosen mit Abnutzung nicht erklärt werden können. Das teilweise vollständige Fehlen von Bahntelephonen und -Tele» graphen gibt aber eine Erklärung für die zahlreichen Hnglückssälle, die die Regiebabn auf ihr Konto sehen muß. Der Reichsbayngesellschast werden ungeheureKosten erwachsen, ehe die bisherigen Regiebahnstrecken wieder in Öen Zustand versetzt sind, Öen öer gesteigerte Betrieb in Öen Inöustriegegenöen erfordert. Denn öle Regle hat toäßrenö ihrer ganzen Dauer Raubbau schlimmster Art getrieben, well Ihr leölgllch daran lag, aus dem Betrieb möglichst viel heraus- zuwirtschasten, und weil sie nur die allernotwendigsten Ausbesserungen vornahm. Den ausländischen Mitgliedern des Verwallungsrates der Reichsbahn werden diese Tatsachen besonders nahcgelegt werden müssen. Trotz aller dieser Schwierigkeiten b'eibt aber das Verschwinden öer Aegie besonöers für öle Bevolketung öer noch besetzten Gebiete ein erfreuliches Ereignis, weil damit viele Scherereien und Derkehrshemmnlsse ver- i schwinden und weil c5 ein Zeichen dafür ist, daß s'.ch der Londoner Pakt mehr und mehr auswirkt.
Die völkerbunoiertsche Rüstungskontrolle.
Wann die Alliierten dleGeneralinspek- t i o n in Deutschland für beendet erklären wer.en, läßt sich nicht lagen, da sie vollkommen Plan- l o s arbeiten. Soviel steht ab.r fest, daß sie bestimmt dann ihr Ende finden w.rd, wenn dir vor einigen Monaten in Genf vcm Völkerbundsrat be chloisene Rüstungsüberwachung ii Deutschland, Oesterreich, ilnga n und Bulgarien in Kraft treten wird. Dis dahin werden noch Monate vergehen, in Genf bereitet man sich aber auf diesen Termin vor und studiert eifrig das gesamte zur Verfügung stehende Ma'erial. So ist jetzt vereinbart worden, für die einzelnen Kategorien, auf die sich die militärische Heber« wachung erstrecken soll, besondere Kommissionen zu ernennen, deren Aufgabe es sein wird, ein Kontrollprogramm auszustel en und die Personen, die mit der Ausftihung dieses Programms beauftragt werden sollen in Vorschlag zu bringen. Schon jetzt sickert durch, daß der Völkerbund, in dem sich seinerzeit bei Behandlung dieser Frage Frankreich restlos durchzuset.en vermochte, die Absicht hat, seine Rachforschungen nicht nur auf das Gebiet militärischer Rüstungen zu brschränton, fonLern auch Hnter.'uchungen über die wirtschaftliche u d industrielle Mobilisation anzustellen. Da weiter geplant ist, eine „ständige' Kontrolle auszuüben, darf man Wohl damit rechnen, daß die jetzige Heberwachung eine Verewigung erfahren wird, wie es auch gar nicht aus- gefchloffen erscheint, daß die Persönlichs ten, die wir heute gerne los sein wollen, morgen als Dea uftrag te des Völkerbundes zurückkehren. da m Genf fe tg-legt wurde, die Kontrolle durch Sachverständige ausüben zu lassen.
Kamerun.
Seit Wochen versucht die deutsch-feindliche Pros e Englands (Stimmung gegen die Wiede rzulassung deutscher Siedler in Kamerun zu machen. Die Regierung bitte nämlich die Versteig rung ehvmal.ger deut ch.r Farmen ausgrich i b.n, ab.r hi.zugefügt, daß auch Deutsche als Käufer zugelassen seien. Hieraus folgerten nun Blätter, wie die „Mor-- ningpost". daß das Deutschtum sich aufs neue in Kamerun festsetzen unö das englische Imperium dadurch Schaden l'tsen werde. Die Hetze gegen Deut ich land nahm sch i . ßlich bergr ge Firmen an, daß sich jetzt der ne ;e Staatssek etäc für die Kolonien im Kab.n tt Baldwin, Herr A m e r y, veranlaßt sah, offiziell mit'uteilen daß es im Interesse'der britischen Staatsangehörige liege, die Anspruch an Deut ch'and erhoben hätten, wenn der Verkauf der Farmen ein freier sei und gute Preise erzielt würden. Im letzten Augenblick Te'chränkungen wieder auszulege ', sei unmöglich. Diese Entscheidung des britischen Staatssekretärs für die Kolonien berührt doppelt angenehm, da er einmal der „Morri igpvst"-He e einen Riegel vvrschiebt und zum aibern die Entwicklung der anglo-deutschen Hall>'lsb^iehu>rg u durch die Wiederzulassung deutscher Kolonisten in günstigem Sinne beeinflußt.
Aus aller Wett.
Welche Sprachen werden am meisten gesprochen?
Die Engländer erheoen A sp:uch daraus, daß ihre Sprache als Wtttspoact^ gilt, weil sie unter den Kullurnattonen am meisten g.spreche i wird. Die Zunahme der Engliichsprechenden im letzten Jahrhundert gibt ihnen dazu f eilich ein Recht. Wahrend im Jahre 1800 nur 20 Millionen Menschen englisch sprach.-n, waren es 1890 te eits 111 Millionen und sind es h.ute HO Millionen. Mehr als 10 Prozent der ganzen Bevölkerung der Erde hat Englisch zur Muttersprache, und wenn die Gntwicklu.ig so wri e geht, dürfte im Jahre 2000 Engll ch das VerständigUTrgsmitt.l für ein Viertel allee Erdbewohner sein. D rl uf'g freilich toirö Chinesisch noch von bedeute, d mbhr Menschen gesprochen; denn man schätzt be Bevölkerung Chinas gegenwärtig auf etwa 420 Mill. Aber Chinesisch dürfte In dem Wettkampf um die Weltsprache ausscheiden, denn eS ist woi,l für die Zungen des Abendlandes zu schwierig. Rächst Chine ich und ©nglifd) kann als die von den meisten Men'chen gesprochene Sprache Russisch gellen, da die Devölke ung dieses Landes über 100 Millionen beträgt und in bei m isten Gebieten des Wei en Reiches auch Russisch gesprochen wird. Aber auch Russisch hell wenig Aussicht darauf. Weltgeltung zu gewinnen. Friher war Französisch die unbestrittene Weltsprache, aber es ist stark ins Hintertreffen geraten. 3m Jahre 1801 belief sich die Zahl der Französisch- sprechenden auf 31 Millionen; atn nächster Stelle stand Rußland und an dritter Stelle Deutschland mit 30 Milli nm; Dpaii ch sprachen g gen 26 Millionen und Italienisch 15 Millionen. Im Laufe von 120 Jahren hat sich bie Zahl derer, die Französisch als Muttersprache haben, nur um ein Viertel vermehrt. Man zählt hm e etwa 70 Millionen Deutsche, 50 Millionen Spanier, 40 Millionen Franzosen und 30 Millionen Sta» liener. Diejenige Sprache, deren Ausbreitu-g heute nach der englischen am schnellsten vor sich gehen dürfte, ist die spanische, b'irn es ist Öle Haupttorache der sübamettkanlschen S'aaten, die sich lehr rasch vermehren. Unter den eigentlichen Weltsprachen stehl jedensn-lls E-g'lch an der Spitze. Wie eine kritische S'atist'k stolz her- voih'bt. ..werden gegentoä-'i-r drei V er el al er D iefe und Postpakete der Welt mgli ch ad e^s art; mehr als die Hälfte all r Zci u'gen werden in Englisch gedruckt, und ihre Verbreitung ist etwa dreimal io groß als die aller in anderen Sprachen gedruckten Blätter."
Wettervoraussage.
Westliche bis südliche Winde, milder, leichte Regenfälle.
Wahlversammlung unterPolizei- schutz. — Und doch aufgelöst!
Die öffentliche Wählerversammlung, mit der die Deutsch nationale Volkspartei gestern abend in der Turnhalle an die Oeffent- lichkeit trat, nahm einen außerordentlich stürmischen Verlaus Cs gab schließlich sogar vorzeitigen Schluß und bann noch obenbretn polizeiliche Auflösung. Der Menschenandrang zu diesem politischen Abend war un°
geheuer, er überfror vei toeitern den Besuch aller bisherigen Wahlversammlungen. Schon kurz nach dem Beginn her Ansprache des ersten Redners, beS Schriftstellers H. Drewes, Berlin, begann bie Hnruf>e. Mehrere scharfe Wendungen deS Redners gegen die politische Linke, verschiedene ihrer Vertreter und gegen die Juden lösten stürmische Zurufe aus den stark besetzten Reihen der Gegner aus, worauf die Freunde des Redners mit Gegenkundgebungen antworteten. Weber der Dors tzende, noch bas Zureden verfchie« bener Versammlungsbesucher konnten den Sturm gleich beschwichtigen, so baß der Redner zeitweise unverständlich blieb. Schließlich trat wieder eine gewisse Deruhigang ein, der Redner war eine Weile verständlich, aber die Erregung zitterte auf allen Seiten stark nach und machte sich In fortwährenden wechselseitigen Zurufen Luft. Unter starkem Deifall seiner Freunde und lebhaften M.ßfallenskundgebungen seiner Gegner schloß der Redner feine Ansprache. Von lebhaftem Deifall und lauten Gegenkimdgebungen empfangen, trat nunmehr Prof. Dr. Werner, Duhbach. an das Rednerpult. Er nahm zunächst energische Frontstellung gegen die gegnerischen Zwischenruser, denen er zurief: „Je mehr Sie hier stören, je mehr Sie hier terrorisieren, desto besser für uns!" Als die Zurufe auf die Ausführungen des Ruwers gleich darauf immer stärker und stärker anschwollen, auch die Gegen- funbgebungen seiner Freunde übertönten und schließlich der mehrfache Hinweis des Vorsitzenden auf fein Haus recht ohne die erhoffte Wirkung blieb, riefen der Redner und die Ver- sammlungsleitung den Schutz der Polizei an, bie daraufhin unter lebhafter Bewegung des Publikums den Saal betrat und darin verblieb. Hierdurch trat eine erhebliche Beruhigung ein, die es sodann dem Redner gestattete, in feiner Rede überall verständlich fortjufahren, wobei nur ab und zu eine kurze Welle Dort Zwischenrufen aufkam. Erst als der Redner offensichtlich dem Schluß seiner Ansprache zusteuerte und bei bet Erwähnung der neuen Reichs färben beit Ausspruch ,Schwarz-Rot-G e l b" gebrauchte, kam die Erregung zur Explosion. Mttglieder deS Reichsbaimers Schmarz-Rot-Golb und deren politische Freunde erhoben sofort lautesten Einspruch gegen diese Bezeichnung, im Ru war wieder ein gewaltiges Durcheinander von Stimmen von hüben und drüben da, gegen das nun nicht mehr aufzukommen war. Der Vorsitzende schloß deshalb "kurzerhand die Versammlung, wodurch der Schluß bet Ansprache bes Redners und auch bie Diskussion unter den Tisch sielen. Jetzt wurde der Widerspruch der Gegner noch stärker. Diese versuchten nun, die Fortführung der Versammlung zu übernehmen, aber die Sinberufet des Abends und die Polizei traten dem entgegen, zumal die Erregung auf allen Seiten stark angewachseu war. Während unten im Saale heftige rednerische Auseinandersetzungen im Gang waren, kam eS plötzlich oben am Vorsta-ndstisch zu einer kurzen Balgerei um die Glocke des Borsitzenden, die durch das Eingreifen der Polizei erfreu fieber toeife rasch und ohne Folgen beendet wurde. Runmehr tyurbe von einem Beamten der Kriminalpolizei die polizeiliche Schließung der Versammlung ausgesprochen. Wir langsam und unter lebhaften Erörterungen räumten die Massen öen Saal, nachdem die politischen Gegner Werners ihre Freunde auf gefordert hatten, die Versammlung im Gewerkschastshaus fortzusetzen.
Der kritisch urteclenbe unparteiische Beobachter kann sich der Feststellung nicht entziehen, daß die Aeußerung Prof. Werners in öer Flaggenfrage unangebracht war und — man mag sonst rn dieser Angelegenheit stehen, wie man will. — schon um deswillen abzulehnen Ist, well es sich hier eben um die heute gültigen Reichs- farben handelt. Weiter ist zu sagen, daß bei manchen scharfen Wendungen vom Rednerpult aus Zwischenrufe einfach als sicher zu erwarten waren. Auf der andern Seite muß aber doch gesagt werden, daß viele dieser Zwischenrufe leider nicht nur unsachlich, sondern auch persönlich verletzend für die Redner waren, und das muß von jedem, dem auch öer politische Meinungskampf noch kein SchmutzhanÖwerk ist, nur be» öauert unö abgelehnt toeröen. Zwar ist zuzugeben, öaß manchem Zwischenrufer momentan öas Temperament öurchgegangen war, aber öaneben waren öoch auch anöere, bei Öen en man öie Absicht, öurch fortgesetzten starken Zuruf-Toback zu stören, nm allzu Öeutlich merken konnte. Man. muß Öoch eins sagen: Wer sich über Öen politischen Gegner nicht ärgern will, bleibe dessen Versammlungen fern, wer aber hingeht, erinnere sich daran, daß bislang die Wahlversammlungen allesamt ungestört 6lieben unö öaß jedermann ein Recht darauf hat, seine Meinung frei unö ungehinöert vorzutragen. Dahingehende Belehrungen besonnener Männer an öie gestrigen Heißsporne, sogar aus Öeren eige», neu Reihen heraus, fanöen beöauerlicherweise keine Beachtung, es sei deshalb heute, nachdem, öie Leiöenschaften etwas abgeklungen sein werden, im Interesse aller Parteien bet zur ernsten Hebetlegtmg mahnende Wunsch an die Dessentlichkeit gerichtet: Möge wenigstens künftighin bet WahlÄmps von allen (Seiten nur streng sachlich und ohne Derungllmp' fung der Person geführt werden, mögen all« Redner darauf bedacht sein, unnötige Verschärfungen bes Kampfes durch Entgleisungen zu vermeiden und mögen i*e Zuhörer immer bas vornehmste Recht jebeS Staatsbürgers, bie unbebingte Frei hett b e r Meinungsäußerung, auch in ben hitzigsten Augenblicken achten. Selbstzucht und strengste Disziplin von allen Setten her auch im Wahlkampf, das fei das oberste Sitten- gesetz in unserer Stadt!
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Der erfte Redner, Schriftsteller H. Drewes - Berlin, erklärte, abgesehen von seinen polemischen Wendungen, jetzt sei der Kampf zwischen dem deutschen Gedanken einerseits und dem internationalen Gedanken andererseits, der Kampf zwischen deutscher und jüdischer Wirtschaft, im Gange. Weiter nahm er gegen Öen Marxismus Stellung, der ja in Rußland mit dem Hungerelend von Millionen Menschen und dem Tode von Hundert- taufenöen gezeigt habe, wohin er führe. Die deutschen Arbeiter müßten durch diese Tatsachen Öoch gewarnt toeröen vor dem Marxismus. Sodann sprach öer ReÖner gegen öie Politik öer Sozial» öemofratie, ferner gegen Öas Börsenspekulanten» tum gewisser Kreise, öie er als öas „raffende Kapital" bezeichnete, unter dem öie Arbeiterschaft am meisten zu leiöen habe. Er beklagte weiter öie Zerrissenheit unseres Volkes unö warb zum Zusammenschluß aller Vvllskreise, öenn jetzt gehe es um öie Zukunft öes ganzen öeutschen Volles, jetzt komme es öarauf an, öaß wir alle unser Sinnen und Trachten nur auf eins cinstellen: Wleöer


