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iener Kabinett

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Sille. 21. Rod. (Sil.) Die Verhandlung gegen General von Rathusiu« schloß mit der Ver­urteilung M AngeNagten zu einer Strafe von einem Jahr Gefängnis und Tragung der Kosten. Die Verurteilung erfolgte entsprechend dem An­trag de« Anklagevertreter«, der die Entwendung von Tafelgeschirr durch die Aussage eine« der Zeugen al« erwiesen ansah, während in allen anderen Punkten die Anklage fallen gelas- fen wurde. Da« Richterkollegium stimmte mit 4:3 Stimme» für da- Urteil.

rück. Ricolai gelingt es. Widersprüche in Aussagen der Jeugen festzustellen.

General v. Rathusius erklärt, Laß er schuldig sei und die mvi.ten Gegen Le, die

seien vorzüglich. Die Regierung we-de tei Aus­bau der guten Beziehungen zum AuSlande und insbesondere zum Deutschen Reiche auch

KU' den

Das neue 5

Überwachen.

Ein vierter Zeuge, Siebet, sagt aus, er habe ^eichfalls eine Kiste gesehen, öle adressiert war: von Rathusius-Koblenz. Er wußte ober nicht, was sie enthielt. Dann traten die Entlastungs­zeugen vor, als erster der Bankier Becker aus Vionpille. Er erklärte, er könne nicht Worte

deutsche Offiziere früher gefällten Urteile. DasBerliner Tageblatt" schreibt: Der Spruch des Kriegsgerichtes kann nur mit einem Wort bezeichnet werben, das in der französischen Sproche ebenso vorhanden ist wie in der deutschen und von allen Kulturnat onen verstunden wird, mit dem Wort:Infamie". Der Vorwärts" schre.bt: Der Gedanke, daß der alte General zu Unrecht verurteilt ist und seinen 70. Geburtstag im Gefängnis ver­leben soll, ist schwer zu ertragen. De französ sche Reg erung wird menschlich und poli­tisch Bug handeln, wenn sie diesen Fall durch einen Am ne st i ee r laß erledigen würde. Der ..Tag'' schreibt: Das Urteil gegen den Ge­neral v. Rat Huf us ist

eine eene Schmach für die französische Justiz.

DieD. A. Z." schreibt: Wenn Frankreich über­haupt jemals eine Spur des von ihm so oft ge­priesenen Sieges besessen hätte, so wäre ihm mit .diesem Vorfall in Lille das letzte Blatt Lorbeer von der Stirne gerissen worden. DieKre u z- zeitung" : Die Verurteilung de- Generals zu einem Jahr Gefängnis ist ein ungeheurer

Das Schandurteil von Lille.

General von Nathusius zu einem Jahr Gefängnis verurteilt

insbesondere zum « durch den Abschluß g e n zu heben trachten. Die Regierung lei sich des Ernstes der Lage bewußt und trete mit

Das Attentat in Kairo.

Die Unzufriedenheit der Aegypter mit der englischen Oberhoheit hat sich in einem Attentat Luft gemacht, das gestern g-gen den Oberbefehls­haber der ägyptischen Armee und den Gouver­neur öeä Sudan, Sir Lee Stack, in Äatro ver­übt wurde. Ein Teil der englischen Presse versucht zwar das Attentat auf die Unzufriedenheit politischer Führer mit den inneren Derhältnifsen in Aegypten zurückzuführen und bringt das Attentat auf Stack in einen gewis­sen Zusammenhang mit dem Attentat, das auf Zaglul Pascha verübt wurde, bevor er seine Reise nach Europa anhat. Ei -e solche Darstellung dürfte aber nur eine Verschleieru ng der wahren Gründe darstellen, die ja die Unzu­friedenheit der Aeghpter mit dem Verhal­ten Englands, besonders im Sudan, hin­länglich &efannt. Die Unruhen im Sudan wer­den in Aegypten als ein Werk der Engländer be­zeichnet, um Gelegen heit zu militäri­schem Vorgehen und zur Entfaltung ihrer Wacht zu schäften. Wan weiß in Aegypten genau, daß die Unabhängigkeit, die Erfand im Jahre 1922 Aegypten zugestanden hat, solange eine leere Form bleibt, als Eno and mit Ge­walt den Sudan in seiner Hand halt und die Vereinigung dieses reichen Landstriches mit Aegyp­ten verhindert. , ., _ _ ,

Auch die ergebnislosen Verholungen Zoglul Paschas nft Mac dona l d gatten bi^er für Aegypten l benswchtigen Fr.-ge Sv ®nz-eit des Rittales ist die Forderung der Aegyvter. die England niemals ^ugeftefjen w-rd, und Ware der

Der Pariser Mitarbeiter der ^Frankfur­ter Zeitung" bezeichnet den Spruch tei Lil e KliegSgerichts gegen General v Rat u ;u4 äls Tendenz-Urteil schlimmster Art Do, den in der Anklage gegen Gener rl v. RathusiuS erhobenen Beschuldigungen sei nichts übrig geblieben die be'astenden Aussagen bei Zeugen s.icn kläglich ^u am nengebrochen 3n teresse der deutsch sianzösisch-'". Tcrftänbiaun,] bl'ibe zu hoffen. Laf) der Ger er L bei Wiede aus- nahme des Verfahrens gerechtere Richter f in Den werde.

Uvischen, daß nach erfolgter Haussuchung ein Protokoll abqefafjt wurde, das van Ra:hufius von jedem Verdacht freisprach. Der Zeuge stellt dies in Abrede. Es entspinnt sich zwischen ihm und tem Verte-chlger em kurzer erregter Wortwechsel. Der Zeuge behaup:et. daß das Protokoll l.d g'.ich daS Sr^Bcks der Haus­suchung verzechn.t Die Verurteilung d S Ee e- rals von Rath fiud scheint in der Hauptsache auf Grund der Aussage des dr.tten Zeugen Bour- go isie erfolgt zu fein. Dieser behauptet, c. habe im Vorzimmer des Generals eine offene Kiste mit Tafelsilber bemerkt. Daneben standen vier Flaschen Wein. Diese Feststellung habe er am Vorabend der Abreise von Rathu- srus' in Roubaix gemacht. General von Ra- thuf ius erllärt, daß diese Kille nicht zusernem Gepäck gehörte und er überhaupt nichts von ihr gewußt habe. Der Ankläger richtete an den Zeugen die Aufforderung. vonRathasias irgendwelche Widersprüche nachzuweisen, w.S der Zeuge nicht kann. Der Richter läßt von Ra.husius fragen: Wußte der General, daß er für die Hand­lungen seiner Untergebenen haften mußte? Don Äächufius erwidert, daß es in erster Linie Pfltcht der subalternen Offiziere war, die Soldaten zu

Eigentlich merkwürdig, wie tue ng sich die internationale Welt über Den erdgültigen Rück­tritt D r Seipels in Wien aufregt. Es scheint fast, als wenn man draußen für die wahre Bedeutung der letzten Vorgänge im ö'tcaeidji- schen Parlament noch nicht das richtig: Ver­ständnis hat. Seipel kämpfte gejen eine doppelte Krise: den eigentlichen Anlaß für daS erste Rücktrittsgesuch bildete der Eisen­bahn e r st r e i I, der längst beigelegt ist, die tiefere Ursache aber bedeu e e die Unterhöhlung seiner Stellung aus der Christlichsozialen Partei heraus, und hier ist er unterlegen. Es ist ihm nicht gelungen, die Widerstände zu besei­tigen, dte von dort aus gegen seine Politik gelttmd gemacht wurden, cs war also nur log ich. wenn er die Konsequenzen zog und demtsiio- nierte. Damit aber wird sein Abgang mehr als ein Wechsel von einer Regierung zur ante n, er w rd daS Anzeichen einer Dersassungs- kr i f e, die Oesterreich in schwere Konflikte hinein- führen muß.

Die Dinge sind ja insofern in Deutschösterreich seltsam gelagert, als die CH istlichsozialen im Parlament und überall außerhalb W e is die Mehrheit haben, während in Wien die So­zialdemokraten das F ld beheirschen. He r Seipel sah nun tontmen, daß sein ganz.« Sanie­rungswerk kaputt geh.m müßte, w.nn die ein e.n<n Landesregierungen ihre finanzielle Selbständigkei-t zu stark ausbauten, er wollte deshalb eine stärkere Zentralisie­rung. Und das haben ihm die Christi chsozral n abgelehnt, ncht nur aus einen angeborenen Partllularisrnus heraus, sondern auch weil sc fürchten, daß ein s Tages die Sozialdemokraten s.ch wieder darchsohe.n und bann von W^en aus das ganze Land sozialisieren könnten.

Der Rachfvlger Seipels stammt daher aus den Kreisen, die st ä r f c r partikularistisch ab­gestimmt sind, und auch der neue Außenminr- fter wenn er auch den Drvßdeutschen gegen­über betont Hal, daß er Seiprls Programm svrt- setzen würde gilt als Anhänger der Reu- errichtung einer Donauföderation, also als Feind des Anschlusses. Aber das ist mcht einmal das Entscheidende. Viel wichtiger für d.e allgemeine Politik ist, daß der Rücktritt Se.pels vermutlich den Zusammenbruch des gan­zen internationalen Sanierungs- Werkes bedeutet. Er war der Vertrauensmann des Völkerbundes, er war der einzige, der sich als stark genug erwiesm hatte, benj dauernden Ab­sacken der österreichi'chen Währung entgegenzu- arbeiten Wenn er fällt, besteht zum mindesten Die Gefahr, daß jetzt die destruktiven Ten­denzen einen Vorstoß wagen, dem dre öster­reichische Währung mcht gewachsen ist. Deutsch- Oesterreich m feiner heutigen Gestaltung ist nach unserer Aufsagung ein lebensunfähiges Gebilde Es kann nur gehalten werden, solange sich das Wohlwollen der Großmächte akttv durch- seyt die ja schließlich ein Interesse daran hauen, w beweisen, daß ihre Fiiedensverträge nicht gegen alle Vernunft sind. Das konnten sie nur zur Rot mit Seipel, ob sie es ohne Seipel können, ist sehr zweifelhaft. Man muß sich deshalb daraus einstellen, daß der Abgang Seipels auch d a e Ende der Stabilisierung eines lebens- fäbiacn Deutsch-Oesterreich bedeutet nicht von heute auf morgen, aber doch in absehbarer Zeit, und daß dadurch die eu r opä is che Kri se von Wien aus neu aufgerollt wird.

Das Kabinett Namek vor dem Nationalrat.

Wien 20. Rov. (2.11.) Die neue Regierung Olamef ist heute vom Ratton-olrat mit 91 Stimmen Der Christlich-Sozialen und der Großdeutschen ge- aen 60 Stimmen der Sozialdemokratie gewählt worden Die Sozialdemokraten haben leere Stimm- aettel abgegeben. Die neuen Minister wurden nach älnterbrechung der Sitzung des Rationalrates vom Bundespräsidenten vereidigt, woraus ein Ministerrat statlsand. Vizekanzler und Leiter des Zustrzministerrums ist Dr. Leopold

Waber Die neue Regierung setzt sich durchweg aus Chttstlich-Sozialen und den iwei großdeutschen Abgeordneten Waber und S chü r ff zusammen.

Im Rat.vnalrat entwickelte der neue Bun­deskanzler

das Programm der Negierung.

Er sagte, daß sie Ihre Politik aus der Grund läge des Genfer Protokoll« und des von der Regierung Seipel mit dem Völkerbund getroffenen Abkommens auf bauen würde D.ese Pol.tik fei heute die einzig mögliche, denn sie habe Österreich vor dem völligen Zusammen­bruch seiner Währung und dem Rum seiner Volkswirtschaft gerettet Hm die Stabilisierung Dec Duhrung zu erreichen, sei die Herstel­lung des Gleichgewichts im Staats­haushalt und die größte Sparsam­keit notwendig Die Grenze zwischen den Kom- petenzen des D.indes und der Länder 'e bereits durch die Derfussung gezogen, d^ch sei die Aus­nahme der pol tischen Verwaltung in die Ver­fassung die notwendige Voraussetzung für die Derwaltungsresorm, deren rasche Durchführung auch aus f nanzietten Gründen e - fordert ch sei Die Bezi Hungen zum AuSlande

Heber den Verlauf de« Prozesse«, der zu diesem ungeheuerlichen Richterfpruch führte, geht uns folgende Schilderung zu: Das Kriegsgericht setzt sich wie folgt zusammen: Den Vorsitz führt Gendarmerievberst Derstraeten, die Bei­sitzer sind Major Aspe«, die Haup Heute Fantvn und Guillain, sowie Leutnant Ba­taille, sämtlich vom 43. Infanterieregiment, fer­ner Leutnant Reu bei vom Tvain-Dataillon und Leutnant Husson vom 43. Infanterie­regiment AlsöffentlicherAnkläger fun­giert der R^ierungskomm.ssar Oberst Cierre, der jüngst von .Straßburg nach Lille versetzt wurde. Der Verteidiger des Generals v. Rathu- fiu«. Rechtsanwalt Rikolai, wird von dem ebenfalls auS Metz gekommenen Rechtsanwalt I u n g unterstützt.

Die Verhandlungen gegen General v. Rathu­siuS finden in der Zitadelle der 'Festung L.lle statt. Der Zugang ist militärisch beseht. Es kann niemand passieien, der nicht nut einer Karte ver­sehen ist. Die deutschen Pressevertreter, die der Verhandlung beiwohnen, begeben sich unter Führung des Legalionssekretärs v. R i n t-e l e n in den Sitzungssaal, wo ihnen gute Plätze ange­wiesen werden. Als die deutschen Pressevertreter erscheinen, werden alle Photowaphenapparate in Bewegung gesetzt. Der Prozeß ist für Lille eine caufe cölöbre, da die Verhandlung die erste ist, die in A n wesen heit eines deutschen Angeschuldigten statfindet. Der Sitzungs­saal ist ein ziemlich primitiver niedriger Raum, in dem etwa 100 PeZonen Platz finden. Der Ge­richtshof hat auf einer Empore Platz genommen. General v. Rathusius ist schon um 12 Uhr vom Untersuchungsgefängnis nach der Zitadelle über- geführt worden, um Kundgebungen zu vermeiden. Rechtsanwalt Rikolai aus Metz bat feinen Sub- fistutodvokaten 3 u n g mi.gebracht. Unter den Zu­hörern befinden sich auch drei Dramen. Der An­drang des Publikums macht sich bis in Den Sitzungssaal bemerkbar. Es werden die Türen des Vorzimmers geöffnet, um dort etwa 100 Per­sonen Gelegenheit zu geben, der Verhandlung zu folgen. Pünktlich um > 2 Uhr eröffnet der Vor­sitzende die Eihimg und fordert das Publikum auf, keine Kundgebungen zu veranstalten. Darauf wird

General d. Rathusiu«

borgeführt, der den Raum durchschreitet, der für das Publikum reserviert ist. An seiner Seite nimmt ein Gendarmeriehauptmann Platz. Ra­thusius zeigte während der ganzen Verhar.dlungs» dauer eine unerschütterliche Haltung und antwor­tete mit schneidender und scharfer Stimme. Als erster Zeuge wurde Leon Motte gehört, der sich als ein Opfer von Rathusius bezeichnete^ Zeuge war während des Krieges abwesend und hatte in seiner Wohnung nur die Dienstboten zu­rückgelassen. Bei seiner Rückkehr will er die Diebstähle festgestellt haben. Er sandte dann einen seiner Verwandten nach Koblenz, um Rathusius zur Herausgabe der Geaenstände zu nötigen. Zweiter Zeuge ist der Chauffeur Mot­tos, Paul I o s e p h , her nach dem Kriege sich den französischen Offizieren und den amerikani­schen Polizeibeamten in Koblenz anschloß, um bei derDurchsuchungdes Hauses vonRa- thusius zugegen zu sein. Es wurde nichts gefunden.

Der Verteidiger te« Generals wirft ba-

handen gekommen sein sollen, nicht einmal gesehen habe. Dos Tafel e vi e des Hau es Motte sei von der Kommandantur re­quiriert worden. Der Re uisitionS^hein fei von der Kommandantur ausg ft ll Nor­den. Dem Packen des Gebäcks sei '-er Truppen habe General v. Rathu ius nicht beigewohnl. Er erklärte, daß er keire Ah rung von oll dm Toi- letteng -genständen habe, Die abhanden g kommen sein sollen. Er habe aus Frankreich nichts nach Hause gebracht. In einer Mansarie habe er einmal znt chlagene ©c ciftä-be ge'cfan und bei dieser Gelegenheit seinen Untergeordneten anbefohlen, nichts aus dem Haue zu entfernen..

Der Verteidiger:

Eine Untersuchung, wie sie hier geführt wurde, müsse zusammenbrechen. Kein Zeuge habe von den gestohlenen Gegenständen gesprochen. Man könne keinen General verantwortlich machen für irgendeine Tat, die irgend einer seiner Unter­gebenen begangen haben soll. Besondere Be­achtung schenkt der Verteidiger der Tatsache, daß das Protokoll der Koblenzer Haussuchung, das den Rachweis der Unschuld enthielt, ver­loren gegangen sei. Der Beauftragte von Motte habe die Unschuld des Generals festgestellt. Der Anklagevertreter aber sage, das sei nebensächlich und dabei hat es sich doch um eine Feststel­lung Der amerikanischen Besahungs- armee gehandelt und dieses Protokoll habe ein französischer Major revidiert. Weshalb habe man den Angeklagten bi die Un­möglichkeit versetzt, seine Verteidigung schriftlich vorzubereiten? Am 1. Rovember habe man die Verhaftung vorgenommen und am 20. Rovember habe man schon verhandelt. Man habe ihn also in die materielle Unmöglichkeit versetzt, seine Ver­teidigung so durckttuführen, wie es nötig gewesen wäre. Niemals hat man von einer Tatsache gesprochen, die vor Ende September begangen worden sei. Heute aber spreche man von einer Tat, die 3 Monate vorher begangen worden sei. Die Anklage habe sich einer Tat­sache bedient, diegarnicht inderAnklage stehe Rikolai warnte darauf vor den poli­tischen Folgen, die die Aftäre Rathusius in Deutschland haben könne. Er schloß: Möge das Urteil so ausfallen, daß es Gegenstand einer Wahlparole werden kann!

Der Gerichtshof

zog sich dann zu einer mehr als ebiftünbiqc.i Be­sprechung ' zurück, nach ter er crflärte Die erste 5rage lautet- .Ist GenevU v. Ra hu ins sch l ig, gewisse Gegenstände, tarurrter Pel e, Kleidungsstücke u w. im Werte von 5500 Fran s gestohlen zu haben?" Antwort: Rein! Mit vier gegen drei Stimmen.

Zweite Frage: »Ist General v. Rathusius schuldig, Teppiche, Seidenwaren usw in Werte von 2630 Francs gestohlen zu h -ben ?" Antwort: »Rein! Mit vier gegei Drei Glimmen.

Drille Frage: »Ist Gene.al v. Rathusius schuldig, Küchengeräte und ein Tafel- service im Werte von 500 F ancs gestohlen zu Haden?" Antwort: Ia! Mit sechs gegen eine Stimme.

Dem General wurden möldemde Um­stände nicht zugebilligt. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Iahr veru r teilt. Gegen das Ur eil kann rme hllb dreier Tage Revision angomeldel werden Das Urteil wurde ohne jede Manifestadion aufge­nommen.

Berliner Presfestimmen.

Der .,D ö r s e n k u r i e r" schreibt: Dieses Ur­teil wird in seiner Ungeheuerlichkeit nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen aSelt Entrüstung Hervorrufen. -D e u t s ch e Zeitung": Der Bericht über den Verlauf Der Verhandlung läßt erkennen, daß auch in diesem Verfahren gegen den General v. Rathus.us jeDe Spur von Gerech tigkeit fehlt. Der General sollte eben verurteilt werden, weil er ein deutscher Offizier gewesen ist. Das Urteil tritt würdig an die Sette der gegen

genug finden, um die Ehrenhaftigkeit, die Loyali­tät und die Aufrichtigkeit des Herrn von Rathu­sius zu loben. In ähnlicher Weise sagte der Zeuge Vanderpaul aus. Der Ankläger stelll fest, daß von ^Nathusius Roubaix mit einem gr öfteren Vorrat an Gepäck verlassen habe als ei bei feiner Ankunft mit sich führte. Der Um- flanb, daß bei einer Haussuchung in Koblenz nichts gesunden wurde, bedeute nichts. Der An­kläger sei überzeugt, daß die Zeugen die Wahr­heit gesagt hätten. Sie hätten die Schuld des Angeklagten zur Genüge bewiesen. General von Rathusius müßte sich seiner Hand­lungen vollauf bewußt gewesen sein, besonders da es sich um einen General handelte. Die deutsche Armee habe geglaubt, sich alles, selbst Diebstähle, Morde usw. herausnehmen zu dürfen (I). Der An­kläger verlangt darauf die Anwendung des § 401 des Strafgesetzbuchs. Darauf erhebt sich der Ver­teidiger Ricolai und weist in einer glänzen­den Rede die Grundlosigkeit der gegen von Rathusius erhobenen Anschuldigungen

festem Mute an die Lösung der ihr gestellten Ausgaben heran.

In der Debatte kritisierte zunächst der Sozia­list Dr. Renner die jetzige Regierung, die nur eine Fortsetzung der früheren sei. Er vermißte jede soziale Andeutung. Ramens der Mehrheits­partei erklärte der ftühere Bundeskanzler Dr. Seipel, daß die Regierung auf die Unter­stützung der MehrheitSpartei unbe­dingt rechnen könne und erinnerte daran, daß erst gestern Thörl von den Italienern geräumt wäre. Ramens der Großdeutschen erklärte der Abg. Dinghofer, keine Macht der Erde werde stark genug fein, den natürlichen Lauf der Dinge auszuhallen und Sen Anschluß O e st e r- reichs an Deutschland zu verhindern. Der Redner sprach der Regierung das Vertrauen seiner Partei aus, woraus die Sitzung geschlossen wurde.

Skandal, gegen den sich voll Abscheu die össentliche Meinung der ganzen Welt erheben sollte. - DieDeutsche Tageszeitung' Rach diesem neuen sranzosischen Schandurteil kann der Schwindel von dem neuen Geist in Frankreich nicht lunger mchr aufrechte, hallen bleiben D e .D o r s c n z e i t u n g": Es ist aan$ klar, daß da­wider ®er«btigfeit und Ob'ektivitat gefällte Ui teil der französischen Ossizieie, die D>8 Kriegs­gericht in Lille bildeten, ein AuSwuchS des Hasses gegen De u lschland ist und einen <5d)I.ig inS Gesicht der deutschen Ehre da.stellt. Die ,R a t i o n a l p o st" urteilt. DaS Kriegsgericht von Lille hat den im Ruhrgebiet er­worbenen Ruf vollauf bestätigt und bekräftigt, wenn e« dessen noch bedurft hätte.

Zlr. 2T5 erftes

Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags.

Beilogen:

GießenerFumilienblütter Heimat im Bild.

Blowets-BeiBflsprtU: 2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fer nspre ch-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag undGeschastsstellekl. Anschrift für Drahtnach­richten: Avzriaer Siehe«.

po*sche<ttonlo: tranff art a. M. 1168«.

Blatt

Srettag, 21. November 1924

V4- Jahrgang

letzenerAmeiger

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