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25 000 OlCann, fo datz es sichaTfo um 175 000 Ar- beiter handelt, die von der Krise betroffen sind.

Lieber den Erzbergbau im Lahn- und Dillgebiet im Juni toirD berichtet: QSknn vor Monatsfrist über Anzeichen einer ge­ringen Besserung auf dem Rvteisensteinmarkt les Lahn- und Dillgebietes berichtet werden konnte, io muß jetzt leider festgeslellt werden, das) wäh­lend des ganzen Monats Outri leine ähnlichen Beobachtungen zu machen waren. Aach wie vor liegt die große Mehrzahl der Eisensteingruben still, und der Erzversand ruht fast völlig. Aur ganz wenige Gruben können auf Grund älterer Abschlüsse noch kleine Mengen absetzen. Eine Herabsetzung der Erzfrachten auf die al.en Sätze erweist sich immer mehr als notwendigste Dvr- aussetzung für die Aufrechterhaltung der Lebens­fähigkeit sämtlicher bergbaulicher Betriebe.

* D i e Auhrkohlenförderung im Juni. Im Monat Juni wurden auf den Zechen des gesamten Auhrgebiets 7 325 712 Tonnen Kohle gefördert und 1 379 107 Tonnen Koks erzeugt (6 821 544 und 1 837 641 im Juni 1923 und 9 308 741 Tonnen und 1 158 236 Tonnen im Jahre 1913). Die Brikettherstellung belief sich aus 240 991 Tonnen (281 571 bzw. 419 765). Die arbeitstägliche För­derung stellte sich auf 315 084 Tonnen (287 223 bzw. 372 350 Tonnen). Die tägliche Kokserzeugung betrug 45 970 (61 255 bzw. 61941). An.Briketts wurden arbeitstäglich hergestellt 10 365 (11856 bzw. 16 791 Tonnen). Die Gesamtzahl der Beleg­schaftsmitglieder betrug im Derichtsmonat 447 707 (516148 bzw. 302 151). Bei allen diesen Zahlen sind die von der Regie betriebenen drei Zechen und 7 Kokereien unberücksichtigt geblieben.

* Lieber 2000 Firmen unter ®e- schäfts aufsicht. Die Zahl der unter Ge- schäftsaufsicht stehenden deutschen Firmen ist nach den bisheitgen Feststellungen des Zentralverban- des des Deutschen Großhandels auf weit mehr als 2000 angewachsen. Die tägliche Zunahme be­trug in i>en letzten Tagen durchschnittlich 26 Fir­men. Erfreulicherweise macht sich die Wirkung der Aovelle zur Geschäftsaufsichts-Berordnung da­durch bemerkbar, daß jetzt täglich durchschnittlich 21 Geschäftsaufsichten ausgehoben werden, so daß zu hoffen ist, daß in Kürze alle unlauteren und konkursreifen Elemente aus der Geschästsaufsicht ansgeschieden sein werden.

* Clektrizitätsgesellschaft Frank­furt A-G., Frankfurt. Die G.-B. der Elek- trizitätsgesellschaftFrankfurt" A-G. in Frank­furt genehmigte den Vortrag des Gewinnes von 67 868 Bill. Mk. für das Jahr 1923 (i. D. 25 Prozent Liv. pl. 50 Proz. Bonus). Der Antrag aus Liquidation wurde zurückgenommen. Der in 6 Wochen zwecks Aufstellung der Goldbilanz ein» zuberufenden ao. G.-B. sollen auch Prüfungsbe­richte der Bücher vorgelegt werben, da der Ge­sellschaft vorgeworfen wurde, es seien Buchungen zugunsten der ihr nahestehendenAvag", Allge- nt?ine Industrieverkaufs-A. G.. vorgenommen w.r- den. Aach dem Bericht der Gesellschaft war s.e in den ersten 9 Monaten 1923 gut beschäftigt; be­sonders treffe dies auf das Auslandgeschäft zu. Der ungünstigere Schluß des Jahres konnte am Ergebnis nur wenig ändern. Das laufende Ge­schäftsjahr sei unerfreulich. Der Inlandabsah stocke, nur das Auslandgeschäft sei bedeutend, und dadurch die Beschäftigung des Werkes, das mit stark vermindertem Personal arbeite, für die näch­sten Monate sichergestellt.

Einiges vom Feuerschutz.

In gegenwärtiger Zett ist es mehr denn je not­wendig, das Bestehende zu erhalten. Ganz be­sonders ist es das Feuer, das jährlich unge­heure Werte vernichtet. Dieser Schaden muh bei unserer Armut unter allen Umständen verringert werden. Der Frage des Feuerschutzes wird aber wider nicht immer jene Aufmerksamkeit zugewandt, i^e ihr gebührt. Im Gegenteil, die Allgemeinheit s^ht der Frage des Feuerschutzes noch ziemlich teilnahmslos gegenüber.

Bei frühzeittgem Entdecken eines Schaden­feuers und sofortigem Angriff durch geschulte Feuerwehrleute kann nur bei ganz ungünstigen Verhältnissen ein Grohfeuer aufkommen. Vielfach wird aber dadurch gesündigt, daß man bei Aus­bruch eines Brandes versäumt, die Feuerwehr zu benachrichtigen; man glaubt das Feuer selbst lö­schen zu tonnen und die Feuerwehr erfährt erst davon, wenn das Feuer, das bei sofortigem Herbeirusen der Feuerwehr durch einen an der richtigen Stelle angebrachten Eimer Wasser za löschen gewesen wäre, sich zu einem Großfeuer entwickelt hat. Vielfach trifft man auch die Mei­nung, das Anrufen der Feuerwehr wäre mit Ko­sten verknüpft. Brandhilfe ist stets vollstän­dig kostenlos.

Die ganze Tätigkeit der BerufSwehr spielt sich fast geräuschlos ab. Brach früher ein kleiner Brand aus, so wurde Sturm geläutet, Hornisten und Trommler durcheilten die Straßen, kurz, die ganze Stadt geriet in Aufregung. Wenn heute in unserer Stadt nachts ein Feuer ausbricht, drückt man den nächsten Feuermelder, dadurch wird die Wache alarmiert und innerhalb weniger Sekun­den saust die Wachmannschaft dem Felde ihrer Tätigkeit zu. Dort gibt der Führer telephonisch die Meldung zur Wache, ob er noch Hilfe braucht. Wenn diese lautlose Arbeit zu der Meinung ver­führt,es brenne nicht ordentlich", so wird man dem eittgegenhalten müssen, daß es nur dem auf das feinste ausgebildeten Meldewesen und der Schlagfertigkeit der Feuerwehr zu danken ist, wenn die Bürger durch den Brand nicht in ihrer Aacht- ruhe gestört toerben. Oftmals erfährt noch nicht einmal der Aachbar rechts oder links etwas von dem Feuer.

Ein wesentlicher Teil des Brandschutzes ist die Bauart der Gebäude und das Einhalten aller feuerpolizeilichen Vorschriften, besonders bei Umbauten. Man darf z. B. nicht leichtsinnig Ofen­rohre Durch mit leicht brennbarem Material ge­füllte Rumpelkammern legen, oder durch Bretter­wände führen, oder aber, wie es schon vorgekom­men ist, in hölzerne Abzugsschächte leiten. Auch erschwert Gedankenlosigkeit unD falsche Sparsam­keit bei einem ausbrechenden Brande der Feuer­wehr die Arbeit. So werden z. D. in Holzbearbei­tungswerken oftmals Hydranten zugestellt, durch Holz und Kistenstapel die Zugänge versperrt. Aus Sparsamkeitsgründen fehlen in vielen Holzlagern überhaupt Hydranten, oder wenn das Lager am Wasser liegt die Zufahrsttaße der Feuerwehr zum Wasser. Benzinlager haben oft keine Schutzgas­anlage usw. Hier bedarf es in vielen Fällen gründlicher Abhilfe, um der Feuerwehr ihre schwere Aufgabe zu erleichtern.

Besonders schwierig ist naturgemäß, die Lösch­hilfe auf dem Lande, besonders in Zeiten, in

denen alles auf Dem Felde beschäftigt ist. Lieberarl sind ja zwar mit großer Selbstaufopferung ar­beitende freiwillige Feuerwehren, gelingt es aber der etwa allein im Hause zurückgebliebenen Per­son nicht, das im Entstehen begriffene Feuer zu unterdrücken, so wird es sicher bis zum Grn- trcffen der Feuerwehrleute aus dem Felde schon vielleicht das Aachbargebäude ergriffen haben. Lim nicht das ganze Dorf der Gefahr der Ver­nichtung auszusehen, werden benachbarte Wehren zur Hilfe herangezogen und dadurch diese Orte von dem ohnehin schon nicht allzu großen Schuh noch mehr entblößt. Hier kann mir die -Heber» landl ö schh il fe helfen. Bayern hat dieseHiste organisiert. Dort waren bereits 1922 35 Stand­orte für Kraftfahrsprihen errichtet, zu denen noch 7 in Aussicht genommen waren. Das Melde­wesen wird ausgebaut, Der Fährbetrieb, die Wartung und Pflege der aufgestellten Lieber- landmotorsprihen ist gesichert und die Gründung von Zweckverbänden zur Kostentragung der Lieberlandhilfe durchgeführt. Welch große Be­deutung der Lieberlandlöschhilfe zukommt, bewies das Großfeuer in W i e s e ck im Juni 1919, wo es ohne ein Eingreifen der Feuerwache Gießen mit ihrer Motorspritze zweifellos zu einer riesigen Drandkatastrophe gekommen Ware. Daß man De- rufsfeuerwehren auch, aus ganz große Entfer­nungen mit Ruhen verwenden kann, bewies ge­nügend die Kasseler Derufsfeu erwehr. Sie wurde am 12. Oktober 1923, abends 8 Llhr, nach dem 58 Km. entfernt liegenden Rotenburg a. Fulda gerufen. Dort brannte eine Kunstmühle. Obwohl Die Alarmierung reichlich spät (angeblich nach einer Stunde) erfolgte und erst Erlaubnis zum Ausrücken eingeholt werden mußte, gelang es ihr, das Maschinenhaus und die angrenzenden, schon ausgeräumten Wohnhäuser zu retten. In gleicher Weise griff die Magdeburger Berufs- seuerwehr bereits zum zweiten Male beim Brand der Zuckerraffinerie Tangermünde, 62 Km. ent­fernt, ein.

Hand in Hand mit der Lieberlandhilfe muß die Verbesserung der Wasserverhältnisse gehen. Es darf nicht Vorkommen, wie in einer Ortschaft im Ried, daß die Wehr wegen Wasser­mangel ihre Tätigkeit einstellen mußte Auch die beste Feuerwehr lann mit einer Motorspritze kein Feuer ausblasen. In Gießen kann sich die Bürger­schaft auf ihren Feuerschutz verlassen. Gießen kann stolz sein auf seine mustergültigen 5euer- löscheinrichtungen. Reben der ständigen Wache, die aus städtischen Handwerkern besteht, besitzen wir noch, die freiwilligen Wehren. Die Revolution brachte den Derufswehoen zwar nicht den Acht­stundentag, sondern die 84-Stundenwoche. Der außerordentlich lange Dienst, der vorher bestand, gereichte letzten Endes keineswegs zum Vorteil Der Kommune. Man sah ein, daß ein durch Arbeit, Ausbildung, Sicherheitsdienst, Schlafen in den Kleidern und Rervenanspannung durch stete Alarmbereitschaft übermüdeter Körper auf die Dauer den hohen Anforderungen an Rerven, Herz und Lunge des Feuerwehrmannes nicht gewachsen war. Die Zahl der kranken und ver­brauchten Feuerwehrleute nahm erschreckend zu. Gegenwärtig setzt nun aber besonders im Osten des Reiches, eine rückläufige Bewegung ein. Man glaubtes brennt ja nicht", ohne habet gu be» Denken, daß dies doch, in erster Linie der Feuer­wehr zu danken ist. Hier hat vor kurzem Breslau eine derbe Lektion erfahren. Breslau baute feine Wehr ab. Kaum war der Abbau durchgeführt, als in einer großen Zichorienfabrik Feuer aus­brach. Wegen Manns chaftsmngel nur ungenügend bekämpft, konnte der Brand eine derartige Aus­dehnung erfahren, daß er z!u den größten Bränden Breslaus gerechnet werden muß. Drei Wochen hindurch, mußten Brandwachen gestellt werden, bis die ©efafyr endlich, ganz beseitigt war. Scha>er ersetzbare Werte wurden vernichtet, im Grunde durch, die kurzsichttgen Abbaumaßnahmen der Breslauer Stadtverwaltung. Darum Ausbau nicht Abbau des Feuerlöschwesens und Lieber­tragung des Feuerschutzes auf Has flache Land durch Errichtung von Kraftfahrspritzenstationen, die am besten an bestehende Derufsfeuerwehren anzugliedern wären, wofür sich, Gießen als Sta­tion sehr gut eignen würde. Das sind Fragen, die sicher einer Erwägung wert wären. H.

Turnen, Sport und Spiel. Deutscher Aerzteverein zur Förderung der Leibesübungen.

Dor einigen Tagen wurde im preußischen Ministerium für Dolkswohlsahrt in Berlin die Gründung desDeutschen Aerztever- eins zur Förderung der Leibes­übungen" vollzogen. Diese Gründung wird hoffentlich ein Markstein für das Wiedererstar­ken unferes Dolkes sein. Endlich hat sich der Aerztestand, der schon lange für die Leibes­übungen eingetreten ist, sich auch össentlich zu der Auffassung bekannt, daß die Pflege des ge­sunden Körpers mindestens ebenso wichtig ist wie die des Kranken.

Die Leibesübungen sollen unserem Volk hel­fen, sich wieder aus dem Sumpf von Maderialts- mus, körperlicher und geistiger Verwahrlosung herauszuarbeiten, in dem wir leider stecken. Ein sehr frischer Geist herrschte bei der Versamm­lung, in der durch knappe aber inhaltreiche Vor­träge die hauptsächlichen Erfahrungen auf sport­ärztlichem Gebiet ausgedauscht wurden. Einige Forderungen an die Stegterung wurden etnfhm» mig angenommen, besonders die der täglichen Turnstunde in den Schulen. Ist doch die Haupt­sache, das Heranwachsende Geschlecht zu tüch- tigen, gesunden Menschen heranzuziehen. Richt Ueberlastung des Gehirns aus Koten des Kör­pers, Studium auf jeden Preis ist das Ideal, nicht bebrillte Stubengelehrte und gebildete Hun­gerleider sollen erzogen werden, sondern ein star­kes Geschlecht, das den Strapazen des Lebens gewachsen ist und selbst wieder gesunde Rach- kommenschaft hervorzubringen imstande ist!

-Um das alles zu erreichen, dazu ist eben auch die tatkräftige Mitwirkung des Arztes notwen­dig, der einerseits U.'b?rtretbimgen eindämmen und ungeeignete Menschen ausschalten soll, an­dererseits aber auch überängstliche und schwäch­liche Individuen der für sre geeigneten Betäti­gung zuführen kann.

Dr. Erwin Schliephake.

Lurn-Derem von 1846 3. Sieger bei den Gau- verbandsspiebn im Faustball.

Bei den gestern auf dem Platze der Sport- und Spielvereinigurg Fechenheim stat gefu - denen Gauvervandsspielen mußte sch Gießen mit dem 3 Platze begnügen. Die ersten Spiele gegen Turngemet.rde Eintracht-Frankfurt a. M., Turnverein Dernbach und Durnverctn

Bürgel konnte Gießen überlegen gewinnen. Die Begegnung mit dem deutschen MeisterLicht Cuit" Frankfurt a. M. brachte dem 46er biederste Riederlage. Auch im letzten Spiele gegen die Turngesellschaft Offenbach mußte Gießen nach hartem Kampfe die Punkte den Oegnem über­lassen. Die Ergebnisse sind folgende. Licht Lust (deutscher Meister) 10 Punkte, Offenbach 8 Punkte, Gießen 6 Punkte, Dernbach 4 Punkte, Eintracht Frankfurt a. M. 2 Punkte, Dürgel 0 Punk.e.

Die Radfernfahrt ZürichBerlin von Deut­schen gewonnen.

Berlin , 21. Juli. Bei der Radfern­fahrt Zürich Berlin siegte in der De- rufsfahrerklasse Richard Huschte- Berlin und in der Amateurfahrerklasse Peter R ö s e n - Köln.

Kirche und Schule.

* Kirchliche Dien st nachrichten. Am 3. Juli wurde dem Pfarrer Liz. Samuel G e n g- nagel zu Stockhausen die erfle evangelische Pfarrstelle zu Friedberg, dem Pfarrverwalter Philipp S ch u l t h e i ß zu Fürfeld die evangelische Pwrrstelle daselbst, dem Pfarrer Oberhofprediger i. R. Ludwig Ehrhardt zu Hirzenhain die evangelische Pfarrstelle daselbst, Dem Psarrver- tr-alter Liz. Erwin W i h in a n n zu Griesheim die evangelische Pfarrstelle zu Wenings und am 7. Juli dem Pfarrer Friedrich Ruhland zu Brauerschwerrd die evairgelische Pfarrstelle zu Beedenkirchen übertragen.

Vermischtes.

Der Siegeszug des Motorrades.

Das Motorrad, dieses kleine, so rasch dayin- sausende Gefährt, das so furchtbar viel Radau macht und üble Gerüche entwickelt, ist zwar bet den Fußgängern nicht gerade beliebt, hat sich aber in den letzten Jahren immer mehr auf allen Ströhen und Landstraßen eingebürgert. Za, das Kraftrad ist Mode geworden, und wenn gar noch hinter dem Fahrer ein hübsches Dämch«i hockt, dann steigt wohl auch trotz des unpoetischen Aus­sehens Amor als Dritter auf das pustende, knat­ternde Teufelsding. Das Motorrad ist erst während des Krieges und nachher recht in Auf­nahme gekommen, während es vorher gegen einen stattlicherengroßen Bruder", gegen den Kraft­wagen, ganz zurücktrat. Dieses billige,- völlig un­abhängige Fahrzeug, das im Kriege für die Lieber­mittlung von Rachrichten vorzügliche Dienste lei­stete, blieb auch nachher beliebt, zumal der Geld­mangel nur den wenigsten gestattete, sich ein Auto g<u kaufen. Dabei ist das Kraftrad eigentlich der geschichtliche Vorgänger des Kraftwagens, worauf Arthur Fürst in dem vor kurzem erschienenen 2. Bande feines großen WerkesDas Weltreich der Technik" hinweist. Das erste Kraftfahrzeug, das Dainkler mit feinem bis heute unübertroffen gebliebenen Motor baute, war ein Zweirad, Dem allerdings, um das Llmkippen zu verhüten, noch rechts und links je ein kleines Rebenrad beigefügt war. Dieses erste, 1886 geschaffene Auto war also ein Motorrad, und ein Kraftrad, nämlich ein Drei­rad, war auch der erste von Benz gebaute Kraft­wagen, der im selben Jahre durch die <5traben von Mannheim fuhr. Aber die beiden Erfinder gingen bald zum Dau großer Kraftwagen über, und die Idee des Kraftrades wurde zunächst nicht weiter verfolgt. Das ä l test e Motorrad, das noch ganz die Form et^pB gewöhnlichen Zwei­rades hat, wurde 1893 von den Inhabern der deutschen Firma Hildebrand & Wolfmüller erbaut; sie brachten an einem Zweirad einen kleinen Mo­tor an, hatten aber damit keinen Erfolg. Erst die Franzosen de Dion und Douton schufen das erste brauchbare Kraftrad, das freilich in seiner Halt­barkeit und Schnelligkeit von den Motorrädern un­serer Tage noch weit entfernt war. Seitdem hat man das Kraftrad außerordentlich vervollkomm­net, aber das Radaumachen hat man dem kleinen Ding nicht abgewöhnen können. Dei den großen Kraftwagen wird das Geräusch der austretenden Gase dadurch vermindert, daß man sie durch schwie­rige Wege zwingt. Der Kolben muß beim 4. Takt, währenddessen er die verbrannten Gase aus dem Zylinder drängt, einen stärkeren Widerstand über­winden, als wenn diese frei aus träten. Beim Mo­torrad kann man nun einen so starken Gegendruck nicht schaffen, und daher bleibt ihm das knatternde Geräusch. Lächerlich wirkt es, wenn man dem Mo­torrad durch lackierte Dlechstreifen den Eindruck eines Wagens verleihen wlll; es sollte bei seinem bescheidenen Aussehen bleiben; nur mit der An­bringung einesSozius-Sitzes" wird man sich ab­finden, da nun einmal der Mensch nicht gern allein ist. Roch einfacher ist das gewöhnliche Fahrrad mit Hilfsmotor, das gute Dienste leistet. Wenig praktisch aber dürfte sich das einfachste aller Kraft­fahrzeuge, der Motorläufer, erweisen, der aus dem beliebten Kinderspielzeug, demRoller", entstanden ist. Diese Ausgestaltung desRollers" mit Motor und Steuerung dürfte das bleiben, was ihr Vorbild ist, nämlich dn Spielzeug.

Der Verkauf einer berühmten Napoleon- Sammlung.

Die Sammlung napoleonischer Reliquien, die der Kaplan Rapoleons, der Abbs Ange Paul V i g n a l i, nach dem Tode des Kaisers von St. Helena mttbrachte, ist nach einer Meldung desKunstwanderers" von dem amerikanischen Antiquar Dr. Rosenbach erworben worden. Vig- nali brachte damals auch ben übrigen Rachbaß nach Frankreich, der für den Sohn des Kaisers bestimmt war; aber es gelang dem Priester nicht, sich mit dem in Wien befindlichen Herzog von Reichstadt in Verbindung zu setzen. Rach langen Irrfahrten Tarn der Rachlaß endlich in den Be­sitz der Bonapartes und wird augenblicklich vom Piinzen Victor Rapoleon aufbewahrt. Vignalis eigene Sammlung, die nun nach Amerika kommt, besteht aus 40 Stücken; darunter- befinden sich das silberne Eßbesteck und Der Decher, die Ra- poleon bis zuletzt benutzte, seine Totenmaske, die Kleidung, die er zuletzt trug, und zahlreiche wich­tige Briefe.

Eine Fischreiherkolonie in der Llckermark.

Richt weit ab vom herrlichen Werbellinsee in der Mark Drandenburg fristet noch eine, aller­dings nur mit etwa 30 Paaren besetzte Drut- kolonie des Prasreihers ihr Dasein in stiller Waldeinsamkeit, und Zwar auf mächtigen alten Eichen, die auf einem Höhenzuge sieben. Die Tiere sehen prachtvoll aus, wenn sie mit xurücb- gelegtem 8°Hals durch den blau m Aether über die Baumkronen dahinsegeln. In der Kolanie nistet auch ein Pärchen des roten Milans, das oft In großer Höhe über der Reihwkolmie schw.b^ und so gewiisermaßen den Aufseher macht über die Reiher. .Unter den Horsten, die sich meist in

den Wipfeln befinden oft bi« zu 8 Stück trifft man häufig auf Schwarzwild. Drennessek und Fingerhut, auch Farnkraut, wuchern hier. Die sonst immer so kraß hervorgehobene Un­sauberkeit unter den Horst-Bäumen fällt hier nicht auf. Die Reste von peruntergefallenen Iungreihern, Flügeln und Federn von Altreihern, heruntergeworfenes Ristmaterial, hin und wieder einen Fisch, sowie die blauen Eierschalen findet man unten. Vor Jahren haben hier die kaiserlichen Prinzen den Abschuß ausgeübt, die auf dem nahen ehemaligen Jagdschloß häufig wellten.

Die Briefmarkensammlung des Zaren ver­kauft.

Die russische Regierung hat. tote in englischen Blättern berichtet wird, die aus mehr als 37 000 Stück bestehende Briefmarkensammlung des letzten Zaren, die wertvollste Briefmarkensamm­lung in ganz Rußland, an die Gesellschaft der amerikanischen Markenhändler verkauft. Sie er­öffnet Damit den schwunghaften Briefmarken- verkehr, der von jetzt an zwischen Rußland und der ganzen Welt eingeführt werden solll Mit Unterstützung der Sowjetregierung ist die Weltliga der Briefmarkensammler" ins Leben gerufen worden, die einen möglichst ausgiebigen Austausch der russischen Marken mit denen Der arideren Länder in die Mege letten will. Die erste Rümmer der Zeitschrift dieses Vereins DerSowjet-Philatelisten" ist in oter verschieDenen Sprachen gebrueft und soll über die ganze Welt verbreitet werden.

Große Goldfunde in Australien.

Eine reiche Goldader ist, wie aus Sydney ge­meldet wird, in Der Rahe Des alten Adelong- Feldes im südlichen Reu-Südwales enthaft wor­den. Man rechnet bei Der Ausbeutung mit 10 Unzen Gold auf eine Tonne. Die Sachverstän­digen sind davon überzeugt, daß hier fe^r große Goldmengen zutage gefördert toerDen.

Aus dem Amtsverküudigungsblatt.

Das AmtsverkündigungS blatt Rr. 49 vorn 18. Juli enthält: DaS Beflaggen der Dienstgebäude usw. Ansteckende Gehirn- Rückenmarksentzündung der Pferde. Ver­sammlung der Fleischbeschauer. Ferren deS Kreisausschusses. Ausaewresenenfürsorge. Diehmärkte tn Hungen und Grünberg. FelD- bereinrgungen Tret- a. d. Lda. und Rieder-Bef- fingen. Dienstnachrichten.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Redaktion Dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der 6. oder der 7. Kilometerstein maßgebend?

Auf Dem amtlichen Fahrplan, Der auf Sta­tion Schiffenberg ausgehängt ist, ist die Strecke GießenSchiffenberg mit 6 Kilometer angegeben. Da nun 1 Kilometer der 4. Klasse 3 Pf. kostet, so würde die Strecke GießenSchiffenberg 6x3 = 18 Pf. kosten, abgerundet nach oben gibt 20 Pf. Das wäre rechtlich richttg. Dun kostet Die einfache Fahrt SchiffenbergGießen aber 30 Pf. Das ist ein großes Unrecht. Woher aber kommt es, daß die Dahnverwa (tung solch riesigen" Betrag von einer so Heinen Strecke nimmt? Das ist wahrscheinlich so. Kurz vor der Einfahrt auf Station Schiffenberg steht der sechste Äilometerftetn. Rur wenige Meter werter ist dann die Haltestelle. Run habe ich mir von einer maßgebenden Persönlichkeit sagen lallen, die Dahn Verwaltung rechnet diesen begonnenen Kilo­meter für einen vollen Kilometer. (Der Kilo­meterstein Rr. 7 steht hinter Hausen). Die Dahnverwaltung rechnet nm 7x3 21 Pf. und das erhöht nach oben, gibt 30 Pf. QBerai die Verwaltung es noch bei 25 Pf. gelaufen hätte! Ist das recht? Rein, niemals. Hier sollle doch die Dahnverwaltung Gerechtigkeit walten lassen 'and es mit 20 Pf. abmachen. Die Devöllerung von Haufen und von Watzenborn-Steinberg. Die die Station Schiffenberg benutzt gehört mit 80 Prvz. dem Arbeiterstande an und heute sind 10 Pf. viä Geld für einen Arbeiter. ö. H.

Büchertisch.

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