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Nr. 169 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Montag, 2\. Juli |92|

schlechter stehen als Deutschland. Erwähnt

lernen und dann, nun, und dann sind sie

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fahren Sie nach der neuen Continental

3m übrigen kann man noch eine weitere interessante Berechnung aufstellen. Nach den bestimmten Zusagen der Alliierten sollten die Reparationszahlungen keine Kriegsentschädi­gung darstellen, sondern nur einen Ersatz für die Kriegszerstörungen und für die interalli­ierte Verschuldung. Nun sind die bisherigen deutschen Leistungen allermindestens auf 25 Goldmilliarden zu schätzen (amtliche deutsche Schätzung ca. 45 Milliarden); mit diesem Be­trag sind die Schäden in den französischen zer­störten Gebieten, die von Keynes auf 20 Mil­liarden veranschlagt worden sind, mehr als

für

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Kraftrad ' Fahrrad

Du kannst soviel mitnehmen wie du willst zum Nachschickenlafsen bleibt immer noch etwas übrig.

Geknipste Fahrkarten sind gute und feste Freundinnen. Man kommt aus der Sperre, die sie über uns verhängen, nur heraus, wenn sie an den richtigen Mann abgebea.

veröffentlicht einen Driefauszug eines Eisen- dreherS, der in Orville arbeitet, wonach die Arbeitsverhältnisse jeder Beschreibung spot­ten. Bei 12- bis 14stü.ndiger (!) Arbeitszeit ist die Bezahlung, in Kronen umgerechnet, schlechter als in der Tschechoslowakei. Die Be­hörden behandeln den Arbeiter, vornehmlich den ausländischen, hart, und zwingen ihn, je­den zweiten Sonntag zu arbeiten. Den Fran­zosen schildert der Driefschreiber als arbeits­unlustig, weshalb die Fabrikanten, speziell für die schlechte und schwere Arbeit, sich AuSlän-

Mancher hält es für sportmäßige Ausrüstung, wenn er im Gebirge die Kleider anlegt, die er daheim anzuziehen sich nicht getraut.

Es ist leichter, im Nichtraucher-Abteil rauchen, alS im Naucher-Abteil nicht zu rauchen. Das eine ist nur vorschriftswidrig, aber das andere ist unerträglich.

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3m Lexikon kommt Sonnenschein hinter Som­merfrische. Das ist leider zumeist richtig.

Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg Wenn man aber nun fern Maultier ist??

Ferien-Gedankensplitter.

Von einem zur Geistesruhe Verurteilten.

Mit Nadel und Faden kann man »roch eher einen Vries schreiben, als mit Tinte und Feder einen Knops annähen.

Die ältesten Anzeigen.

Der große AnKeigen-Kongreß, der jetzt viele Tausende von Vertretern der Ztttungsre.lame in Öonbon vereinigt, bietet ein imposantes Bild von der Bedeutung, die die Annonce im Wirtschafts­und Kulturleben erreicht hat. Die Anzeige kommt einem Bedürfnis innerhalb der menschlichen Ge­sellschaft entgegen, das uralt ist, aber zunächst freilich nur in unvollkommener Weise befriedigt werden formte. Bekanntmachungen wicht g r ^inge waren in jedem Gemeinschaftsleben notwendig, und man bediente sich dazu natürlich zunächst der mündlichen Übermittelung. Bei den alten Grie­chen war es z. B. üblich, Listen von gestohlen Dingen an den Bildsäulen der unterirdischen Go^ ter aufzuhängen, um einerseits dadurch denFluch auf den Dieb herabzubeschwören, andererseits die Dvrübergeh^iihen auf den Diebstahl aufmerksam zu machen, damit sie den gestohlenen Gegenstän­den nachforschen könnten. Die schriftliche Anzeige wird erst in der römischen Kaiserzeit aügemein üblich, und wir finden im wiedererstandenen Pom­peji eine Fülle solcher Anzeigen an den Iäuser- wänden ausgeschrieben. Erst kürzlich wurde eine solche in Not und Weih gemalte Anzeige entdeckt, die lautet:Decimus Puntatus Lucreclus wird 10 Gruppen von Gladiatoren am 10. April oei den pompejischen Spielen kämpfen taffen. Außer diesen Sportanzeigen fanden sich auch vielerlei andere Annoncen an bestimmten Stellen der Mauern, die für diesen Zwecr reservlertwaren. Sm Mittelalter kehrte man zu der -Urform der

Zweierlei Recht.

Bekanntlich schulden die Alliierten den Bereinigten Staaten von Nordamerika außer­ordentlich hohe Summen. Auf Dollar zurück­geführt betragen diese z. D. bei England 4,6 Milliarden, bei Frankreich 3,1 Milliarden, bei 3talien 1,7 Milliarden und bei Belgien 0,7 Milliarden Dollar. (Unsere Belastung aus dem Sachverständigengutachten läßt sich auf einen Gegenwartswert von ca. 10 Milliarden Dollar zurückführen, wobei allerdings zu be­achten ist, daß wir bisher schon Leistungen in mindestens der gleichen Höhe ausgeführt ha­ben.) Alle Staaten, mit Ausnahme von Eng­land, behaupten, dah ihnen eine Rückzahlung dieser Kapitalien völlig unmöglich sei, und daß sie auch nicht einmal die Zinsen aufbringen könnten. Besonders temperamentvoll hat immer Frankreich diesen Standpunkt vertreten. Dabei befindet sich die Wirtschaft Frankreichs in einem durchaus befriedigenden Zustand. Der Gewinn Elsaß-Lothringens, die Einbe­ziehung des Saargebietes und Luxemburgs in die französischen Wirtschaftsinteressen brach- | ten ihm nicht nur reiche Bodenschätze, sondern auch große, pon Deutschland aufgebaute 3ndu- strien. Der in modernster Weise durchgeführte Wiederaufbau von 22 000 Fabriken und ihre Ausrüstung mit den neuesten Maschinen hat die Erzeugungskraft von Nordfrankreich stark erhöht. Frankreich ist das Land, das über die wenigsten Arbeitslosen verfügt, dessen 3n- dustriebevölkerung die bestbeschäftigte und dessen Erzeugung auf den meisten Gebieten nur durch den Menschenmangel beeinflußt ist. . England hat mit den Bereinigten Staaten ein Abkommen getroffen, nach dem die Rückzah­lung seiner Schuld von 4,6 Milliarden Dollar (75 Millionen Dollar haben die Amerikaner abgelassen) auf 62 Jahre verteilt werden soll. Die ZtnSleistung soll in den ersten 10 Jahren 3 Prozent und von da ab 3,5 Prozent betra­gen; die Tilgung soll angemessen vom 1. bis 62. Jahre steigen, in welchem sie 175 Millio­nen Dollar betragen wird. Durchschnittlich wird sich die Iahresbelastung an Zinsen und Tilgung für die nächsten 10 Jahre auf 160 Millionen Dollar und in den folgenden Jah­ren auf rund 180 Millionen Dollar belaufen. Mehr und schneller zu zahlen hat sich England außerstande erklärt. Dabei hat die englische BolkSwirtschaft auch nach dem Kriege noch er­hebliche Ueberschüsse erzielt. Der Ueberschuh der englischen Zahlungsbilanz betrug auch im Jahre 1922 immer noch 155 Millionen Pfund Sterling gegenüber 181 Millionen Pfund

belaufen gegenüber Jugoslawien auf ungefähr schenrechte ....

Wie schön es dort ist, kann jeder m der Mittagsfolge des tschechischenRude Pravo" vom 17. Juni nachlesen. Das genannte Blatt

der verschreiben. So waren in dem Dettieb des Briefschreibers neben 6 Franzosen 14 Tsche­chen, 3 (Italiener, 2 Spanier und 4 Luxembur­ger tätig. Fürchterlich sind der Schilderung des Briefschreibers nach die Verhältnisse unter den Arbeitslosen. Die abgezehrten, in Fetzen ge- hüllten Gestalten hungern tagelang oder näh- , < ren sich bestenfalls von einer Schwarzbrot- , rinde, die ihnen gandenweise in einem der Herbergshäuser gereicht wird, wo sie gegen Bezahlung auch schlafen, d. h. nächtigen kön­nen. Der hygienische Zustand dieser von Un­geziefer strotzenden Räume ist ein unbeschreib­licher. Die Herbergswirte sind Wucherer schlimmster Sorte, die dem Arbeitslosen seine letzte Habe um einen Pappenstiel abkaufen. Zum Schlüsse warnt der Briefschreiber alle Auswanderungslustigen, sich ja nicht von Werbern betören zu lassen oder sich einzubil­den, in Frankreich bestünde die Möglichkeit, viel Geld zu verdienen.

Dieser Brief spricht derart für sich, daß wir uns auf einige Randbemerkungen be­schränken können. Zunächst möchten wir wieder einmal fesfftellen, dah der sog.National­staat" der Tschechoslowakei 7 Millionen Tsche­chen zählt, denen eine etwa gleiche Zahl natio­naler Minderheiten gegenübersteht, unter ihnen über 3V- Millionen Deutsche. Ange­sichts dieser Lage und im Hinblick darauf, daß die Prager Regierung mit allen Mitteln be- sttebt ist, Deutsche, Magyaren usw. nicht zu­letzt auch die Slowaken! zu tschechisieren, eigentlich also anzunehmen wäre, daß jede tschechische Seele im Inlande alsunabkömm- j lief) eben wegen dieserArbeit anzusprechen wäre, wundert es uns, daß man noch über so ! viel überschüssige Kraft verfügt, dah man tschechische Arbeiter an Frankreich vergeben kann. Wie man die Tschechen in Frankreich be­handelt, geht aus dem oben wiedergegebenen Briefe desRude Pravo hervor, und Sache des Tschechischen Arbeitsamtes in Prag, das diesen Menschenhandel in Richtung Land der Menschenrechte wohlwollend protegiert, dürfte es sein, dazu Stellung zu nehmen.

Uns interessiert an jener Darstellung aber noch etwas ganz anderes. Und zwar etwas, was nicht in dem Bericht steht aber für je­den Kenner der Dinge offenbar ist, nämlich dieses: Genau so wie Frankreich auf die pol­nischen Emigranten mit Unterstützung der Ar­beitgeber, der Lehrerschaft und der Geistlich­keit seineKulturpropaganda los läht, auch dafür sorgt, dah die polnischenBrüder keine Möglichkeit haben, sich für kulturelle oder wirtschaftliche Zwecke in Frankreich zusam- menzuschliehen genau so wird Frankreich | mit den Tschechen verfahren! Es sind uns pol- nische Stimmen bekannt und sie wurden be­stätigt durch solche aus ftanzösischen Gewerk­schaften, die jenerKulturpropaganda ziem­lich gleichgültig gegenüberstehen, jedenfalls sie nicht hindern, aus denen mit aller nur wün­schenswerten Deutlichkeit hervorgeht, dah die Liebe Frankreichs zu den in seinem Lande arbeitenden Polen recht reale Hintergründe hat: genau so wie die Polen in Frankreich einem Entnationalisierungsprozeh ^unterworfen werden, genau so wird man wiederum auch mit den Tschechen in Frankreich verfahren!

So sieht dieLiebe Frankreichs zu Po­len und Tschechen aus, was man ebensogut wie wir auch in Warschau und Prag weih. Aber man schweigt darüber, zieht es vielmehr vor, von den unterdrückten nationalen Min­derheiten in Deutschland zu reden, eineser­bische Bewegung (Wendei) an die Wand zu malen oder vom unterdrückten Polentum in Deutschland zu phantasieren. Mögen die Landsleute in Frankreich vor die Hunde gehen I das französische Geld in der Tschechei oder in Polen wiegt schwerer, und im übrigen hat man alle Hände voll zu tun, um die West über die angeblicheDeutsche Gefahr in I Arem zu halten.....

reichlich gedeckt. Die für Frankreich allein ver­bleibenden Berpflichtungen (einschl. der Schul­den an England) in Höhe von ca. 20 Milliar­den werden durch die auf Grund des Sachver- ständigen-Gutachtens uns auferlegten Lasten mehr als doppelt überdeckt. Die Forderung ist mithin nicht unbillig, dah Erleichterungen, die Frankreich durch Schuldennachlah erhält, im angemessenen Verhältnis auch uns zu­gute kommen. Das ist um so notwendiger, als die Lasten aus dem Sachverständigen-Gutach- ten für uns untragbar sind. Sie können von uns nur aufgebracht werden durch Steige­rung der Ausfuhr. Nun schlieht aber das Stre­ben nach Steigerung der Ausfuhr automatisch den Zwang zur Steigerung der Einfuhr in sich, da Deutschland als rohstoffarmes Land die Produkte, die es für die Ausfuhr veredeln will, erst als Rohstoffe einfuhren muh. Auf diese Weise kommen wir zu einer Ausfuhr von 1516 Goldmilliarden, die unmöglich ist.

Wirtschaft.

Die Krise in der Montanindustrie Polnisch-Oberschlesiens.

Die schon lange kritische Sage der polnisch» vberschlesischen Kohlen- und Eisen­industrie hat eine Verschärfung dadurch er­fahren, dah die Werke infolge der immer stärker auftretenden ausländischen Konkurrenz vor der Gefahr der gänzlichen Detriebseinstellung standen. Tie Unternehmer haben nun den Arbeitern ge­kündigt und ihnen gleichzeitig mitgeteilt, daß sie die bisherigen Löhne kürzen müssen und nach Ablauf der .Kündigungsfrist nur m.h solche Ar­beiter einstellen können, die sich bereit erklären, statt der bisherigen Achtstundenschicht eine zehn­stündige Schicht zu fahren. Damit soll eine An- . gleichung der Arbeitsbedingungen an jene des benachbarten deutsch-oberschlesischen Reviers an­gebahnt werden. Es bleibt abzuwarten, tpie Oie Arbeiterschaft des Reviers die'e Forderung der Unternehmer aufnehmen wirb. Weiter Haber die Kohlenwerkbesitzer an die Regierung das Ver­langen gestellt, die Kohlmsteu r aufzuheben und Fiachtenermähigungen zuzugestehen.

3n Kohle ist das oberschlesische Revier in der letzten Zeit auf den Auslandsmärkten einigermaßen ins Hintertreffen ge.ommen. Die Ausfuhr nach Deutschland, die im Mai wegen der Streiks in den deutschen Revieren vorüber­gehend gestiegen war, ist im 3uni stark gesunken. Sie betrug in der dritten Iuniwochr nur m hr 108 000 Tonnen. Auch nach Oesterr ich gehe . jetzt gelinge Mengen oberschlesischer Kohie. während Oesterreich im Januar noch etwa 335 030 Tinnen ostoberschlesischer Kechlen auf genommen halte, ist der Bezug jetzt aus lb0 000 Tonnen u.üäg gangen. De, icnftigv Auslanoabsah ha,. dau Revier keine besondere Bedeutung. Nun tritt, noch d e verschärfte Konkurrenz der Rrh kohle hin.iu. Das Micum"-Abkommen wurde verlänger und das Ruhrsyndikat hat sofort eine 20orozenUge Er­mäßigung der Kohlenpreise verfügt Gleichz iäg läßt das Syndikat Mitteilen, dah es nunmehr I den Kampf um die Wiedereroberung des Ber­liner Marktes und anderer Plätze energüch auf- nehmen werde. Dieser Kampf rächtet sich ins­besondere gegen die rberschlestsche u.id engli che Kohle, von denen besonders die erstere Marie während der vorjährigen Ruhrkrise in Bettln und Umgebung Vordringen konnte. Die Förde­rung des osttberschlefischen Reviers konnte sich schon bisher nicht günstig entwickel., und schwankte in den einzelnen Monaten des lausen.en Iah es zwischen 2 bis 2,3 Millionen Tonnen 3m Juni ist die Förderung noch weiter zuräickgegangen, im Durchschnitt wurden wöchentlich nur mehr 375 000 Tonnen gefördert.

Aehnlich liegen auch die Abfatzverhältnisse in der E i s e n i n d u st r i e. Diese w r? jetzt statt konkurriert von der deutschen und tschechischen Industrie und konnte namentlich im Export g g.n die fremde Konturrenz nicht aufkommen. Ein­schneidende Betriebseinschränkungen wurden bei den Eisenwerken insbesondeo: in letzter Zei durch­geführt. Die Kvnturrenzfähigteit der polnisch- vberschlesischen Eisenindusttie ist statt abhängig vom Preis von Kohle und Koks, und folan.e de polnische Kohle nicht eine w.s.ntt.che Beibilligung erfährt, werden auch die ostoberfchlesischen Eisen- und Stahlwerke im Wettbewerb mit der Aus­landindustrie unterliegen müssen. Die polnische Hüttenindustrie ist bei der Brennstoff Versorgung sogar wesentlich schlechter gestellt als die deu.sche Konkurrenz, da Koks für Hüttenzwecke zum über­wiegenden Teil des Bedarfes aus Deutschland bezogen werden muh. Gegenüber dem benach­barten Deutschobrrschlesien ist die vbevschleckche Industrie schon seit der Erweiterung der Arbeits­zeit im Deutschen Reiche nicht mehr konkurrenz­fähig, und nur der Umstand, dah in Ostober­schlesien meist Qualitätsmaterial erzeugt wird, sicherte den Eisenwerken bisher noch ei le Be­schäftigung für einen Teil ihrer Belegschaft.

Die ostoberfchlesischen Kohlenwerke beschäf- tigen etwa 150 000 Arbeiter, die Eisenwerke etwa

zeitungen aufzunehmen. Vielmehr gab es be­sondere Anzeigen-Zeitungen, die sog.Jntelli- genzblätter". Die Anzeigenblätter wurden von so­genannten Adreh-Kompoirs oder Intelligenzbu- ieau8 heransgegeben. Das erste Institut dieser Art begründete der Pariser Arzt Th^ophraute Renandot im Jahre 1633. 3n den politischen Blättern, die Frankreich damals besah, erschienen keine Anzeigen von Privatleuten, zuerst drang die Privatanzeige in die politische Zeitung in Eng­land, wo schon im Jahre 1647 eine der ältesten englischen Zeitung überhaupt, dasTägliche Par­lamentsjournal", Annoncen von Buchhändlern and anderen Kaufleuten brachte. In Deutschland war noch länger als ein Jahrhundert das Anzeigen­blatt von der politischen Zeitung streng geschie­den. Rach englischem Muster gab in Hamburg seit 1673 Thomas von Wieringen einen Relations- Courier heraus, der neben dem politischen Text auch viele Inserate enthielt. Die Hamburger Kaufmannschaft aber erblickte in der Veröffent­lichung von Handels- und Schiffahrtsnachrichten eine Preisgabe des Geschäftsgeheimnisses und eine schädigende Beeinflussung der Preise und setzte beim Rat ein Verbot des Courirs durch. In Prsa- hen besahen die Intelligenzblätter bis ins 19. Jahrhundert ein staatliches Privileg für die Ver­öffentlichung von Anzeigen. Aber mit dem Auf­schwung der Zeitungen gegen Ende des 18. Jahr­hunderts kam doch immer mehr der Brauch auf, einen Teil deS Blattes für Anzeigen zuver­mieten", und so entwickelte sich allmählich der An­zeigenteil

1460, Polen 850, Rumänien 960, Tschecho- Slowakei 465 Millionen Goldmark usw.

mündlichen Anzeige zurück. Der Ausruf der von einem Trommler begleitet durch die Straßen rog und neben den Bekanntmachungen der Re- aierung auch sonst noch manches Wissenswerte mitteilte, war der Stellvertreter der Zeitung. Roch AU Anfang des 19. Jahrhunderts hieh der Doll- ziehungsbeamte, der die Pfänderversteigerung be­sorgte, dergeschworene Ausrufer. Außerdem wurden die Bekanntmachungen mit geschriebenen Zetteln an den Türen der Rathäuser oder Kirchen, an den Stadttoren usw. öffentlich angeschlagen. Lanae Zeit war der Geistliche der eigentliche Verbreiter der alltäglichen Anzeigen. Er muhte nach der Predigt nicht nur die Familienanzeigen verlesen sondern auch Nachrichten von Kauf- und Mietaesuchen, von verlorenen und gefundenen Sachen mitteilen. Das erschien den Pfarrern un­passend und lästig, und es ist daher nicht ver­einzelt, wenn ein Prediger zu Ichenhausen 1705 von der Kanzel die Tatsache, dah eine Dienstmagd ein Tuch verloren habe, mit dem Nachsatz be­gleitete:Wer es wieder find, beh.ilts, warum hat die Schlamp nicht Acht gegeben! Mit der Erfindung der Buchdruckerlunst begann auch im Annvncenwesen eine grundlegende Umwälzung. Zu den frühesten Druckerzeugnissen gehören die häufig sehr schön ausgestatteten Anzeigen der Buchdrucker über ihre neuesten Werke. Doch erst die Zeitung schuf der Anzeige den rechten Platz, obwohl es noch sehr lange dauerte, bevor der Anzeigenteil seine heutige Entfaltung erhielt. Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war eS nicht üblich, Inserate in die polttischen Tages-

Tschechen in Frankreich. Bon Dardowiek.

ES ist schon gelegentlich in der Presse darauf hingewiesen worden, wie merkwürdig eine ganze Reihe von Frankreichs viellieben Brüdern behandelt werden, wenn das Schick­sal sie in das gelobte Land derMenschen­rechte verschlägt. Die Lage der polnischen Ar­beiter in Frankreich war bereits seit langem ein besonderes Kapitel für sich und wird es wahrscheinlich auch noch in Zukunft bleiben ttotz aller offiziellen Liebesbeteuerungen zwischen Warschau und Paris. Neuerdings scheint man sich in Frankreich auch der Tsche­chen, die nach dort htnübergewechselt sind, auf seine Weiseanzunehmen. Mm zu erfahren, wie das geschieht, darf man natürlich nicht in die Mitteilungen des Französischen Arbeits­ministeriums, das diese in aller Welt und na- | türlich für propagandistische Zwecke verbrei­ten läht, hineinsehen; wer sich damit begnügen würde, mühte nämlich annehmen, dah die Lage in Frankreich für den Arbeiter einfach paradiesisch ist. Arbeitslosigkeit? Keine Spur davon! Daher denn wohl auch die Heran­ziehung einer industtiellen Söldnertruppe, na­mentlich aus den ftanzösischen Trabanten- Staaten . . . oder hält man so viele Sol­daten unter Gewehr in Frankreich, dah man unter allen Umständen zur Auftechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens auf ftemdstaat- I liche Arbeiter zurückgreifen muh, da der Mili­tarismus alle produktiven Kräfte verschlingt?!

Sterling im Jahre 1913. Mit ihm könnte Eng- Wie dem auch lei, die Dummen werden land in sieben Jahren den jetzigen Geigen- scheinbar nicht alle: in ttirzen Zwischenräumen wartSwert seiner Schulden an Amerika, der kann man nämlich tschechische Arbeiter in grö- auf 20 Milliarden Goldmark zu berechnen ist, Heren und kleineren Kolon^n mit einem adres- abttagen. Trotzdem ist England nicht in der s^rten Köfferchen "Praha-Pariz ^(wanim Lage, mehr als einen verhältnismäßig beschei- nichtPrague-ParlS ?) dem ^"Mschen denen Teil seines Cinkommenüberschusses an Paradiesezi^ilen sehen. Und wie da seinen Gläubiaer abzuführen fo geht; bis Karlsruhe fteut man sich der schö-

Siegarstaa° non Wnb ist guter ten werden überhaupt uneintreibbar sein, °b° 6en®^e"ein®^9 wohl diese Länder sich zum mindesten nicht sie hier die ftanzosisck^ .Culwre ^

7 ' 1 Male, nämlich in den Eisenbahnwagen, kennen