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Dureau wird uns geschrieben: Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die morgige Aufführung von „Lampenschirm" um 8 Hhr beginnt. Für besondere Rückbeförderung des Personals nach Bad-Rauheim, unabhängig von der Eisenbahn, ist Sorge getragen worden, damit in keiner Weise der Eindruck einer überhasteten Vorstellung hervorgerufen wird.
— Eine Protestkundgebung gegen bieKriegsschuldlüge soll, wie schon in anderen Städten, morgen abend auch hier stattfinden. Der Veranstalter, der Hochschulring deutscher Art an unserer Landesunivers itä t hat als Redner Prof. Dr. P l a h h o f f aus Frankfurt a. M. gewonnen. Die dankenswerte Kundgebung, der wir einen zahlreichen Besuch wünschen, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarten statt. (Siehe Anzeige.)
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diefer Tage Oec Kriminalpolizei, in einer alten verlassenen Werkstätte am Rödelheimer Wehr eine Falschmünzergesellschaft in voller Tätigkeit zu überraschen und fe st zunehmen. Die Bande fertigte falsche Fünfzigpfennig st ü ck e in großen Mengen und hatte von den Falschstücken bereits bedeutende Partien tn Umlauf gesetzt. Das dazu erforderliche Metall hat die Gesellschaft aus einem bekannten Werke, das die Rohstoffe für die amtlichen Prägungen herstellte, gestohlen, vermutlich mit Hilfe von Helfershelfern. Als Haupttäter wurden verhaftet der 42jährige Musiker Rudolf Lackner aus Bommersheim und der 32jährige Spengler Emil Backhaus aus Offenbach. Außerdem nahm man in der gleichen Dache den 53jährigen Metzger Kreß von hier fest, der «wegen Falschmünzerei eine längere Strafe zu verbüßen hatte, kürzlich aber mit Bewährungsfrist aus dem Gefängnis entlassen worden war. Die Affäre zieht noch weitere Kreise. — Bei einem Streit in Bocken heim wurde ein Fuhrmann von seinem Gegner mit einer Mistgabel derart zugerichtet, daß er schwerverletzt dem Krankenhaus zugeführt werden mußte. — Zu einer Lahmlegung der Frankfurter Milchversorgung ist es bisher nicht gekommen, da die meisten Erzeuger ihre Milch zu den voltzeilich festgesetzten Preisen nach Frankfurt schicken. Auch die Groß- und Kleinhändler begnügen sich mit den amtlich festgesetzten Preisen. Trotzdem seht die Frankfurter Milchversorgungsgesellschaft ihre Bemühungen um Beschaffung dänischer Milch eifrig fort
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„Frau Magister, paßt mir auf Eure Ruth auf. 3st ein kleiner" — Satansbraten, wollte er sagen, aber verbesserte sich noch rechtzeitig: „Racker. Hat's, glaub' ich, faustdick hinter den Ohren." Wobei er noch einmal feste in das niedliche Öhrchen hineinkaiff, bis das Kind „Au!'° sagte. Da mußte er lachen und gab sie frei.
Langsam und gemessen, im Talar, dir Bibel im Arm. trat der Pastor aus der Kirche, zog die Kalotte. „Untertänigsten guten Sonntag, gnädiger Herr."
Das war eigentlich auch ein Ch.igrin, daß der Magister das .untertänig' nicht lassen konnte: schickte sich für den Bauer, doch nicht für den Gvttesmann. Aber so war Ehrenpüttner nun mal, da half kein Reden. Gehörte wohl auch zur Demut, dacht' er am End'. Die Demut —
Wie allsvnntäglich gingen sie jetzt über die Dorfstrahe, bis zum Pfarrhaus, Hnd da könnt' es der Gestrenge doch nicht übers Herz bringen, ganz zu schweigen.
„Hat sehr schön und eindringlich gepredigt, mein Lieber. Don der Sanftmut und D?r Demut ... ja. Aber es gibt doch auch Streitbare unter Euch. Kennt Ihr die Geschichte von Eurem Amtsbruder in Königsberg . . . Dem Herrn Hospre- Diger Arnoldt an Der dortigen Schlosskirche, von der die neuesten Gazetten erzählen? Qla, dann laßt Euch's sagen. Dem hatten die Russen befohlen, nach “Der Hnglücksschlacht eine Siegesund Dankpredigt zu halten. H . . . und wißt 3hr, welchen Text der Brave. Tapfere sich erwählet? Aus Micha, Kapitel Heben: «Freue dich nicht, meine Feindin, daß ich daniederliege, ich werde wohl wieder aufkommen.' Run, Chrwür- den, wie gefällt Euch das?" (Forts, folgt.).
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Utfort.
Oer Alte auf Topper.
Roman von Hanns von Zobelti h.
21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Als er so dachte, erschrak er vor sich selber. Sah zur Seite, auf Frau Beate: die weinte auch in ihr Sacktüchlein. Der Detter Egid, der niderte natürlich: Hütte nichts geschadet wenn der Ver- worrner, der mit dem langen Stock hinter ven Sitzreihen Herumschlich, um die Schläfrigen anzu- stoßen, sich auch mal ins rschuftsgestuhl ge
traut haben würde. Drauf sah sich ^erGestrenge zufällig nach dem Junker um. Lind da sah er. daß der sehr unachtsam war: hatte die beiden Hände hart auf die Stuhllehne gestemmt urck> Maule mit großen heißen Augen ü^cwea^- „Kaspar! Ich bitt' mir aus!" Ha, der Schwingel zuckte wohl zusammen und toutbe rot wie Blut Aber im gleichen Augenblick drüben die Ruth ^anit der Aufmerksamkeit ging "un doch nicht recht weiter, obschon gerabe jetzt der Pastor die Stimme mächtig hob. Diese K.mder! Waren es denn noch Kinder? Hier - im Hause des Herrn - guckten sie sich in die Augen! Ruten müßten sie haben>
Indem kam Verworrner mit dem Klingel beutel und holte sich daS allwöchentliche Acht- groschenslück aus dem Herrschaftsgestuhl, darüber wachte Detter Egid auf. mit einem Ruck, und nickte mit dem Kopse. Lind dann hatte die Predigt ein Ende, und der Magister sprach das Gebet für des Königs Majestät und das Königliche Haus und daß Dec gnädige Gott dem Herrn den Sieg geben solle. Seltsam: wie sich daS wohl
lind alle Hautunreinigkelten u. Hautausschläge, wie Mitesser, Pickeln, Blütchen usw. durch tSgl. Gebrauch d. allein echten Stedtawferd-SeersthroefeV?eifb von Bergmann & Co., Radebeul. Überall zu haben.
Kranz-Drog. Augunt Noll, P. J. Blöbs, Drog. Georg Walleniels, Drog. 0. Wlnterholf. 4146c
Auf dem Gottesanger vor der Tür blieb er stehen mit den Seinen. Wie jeden Sonn- und Feiertag.
Die Männer mit den harten, von Sonne und Hnwetter gedunkelten und zerrissenen Gesichtem zogen an ihm vorüber und die Frauen und Mädchen. Hnd jeder und jede beugte sich and sagte: „Untertänigsten guten Sonntag, gnädiger Herr!" Wie eine kleine Revue war es. die er über die Seinen abhielt. Den einen und die andern rief er an, sprach ein paar gute Worte, fragte, gab einen guten Rat, sagte eine Hilfe zu. Dabei kam der bessere Humor wieder hoch in ihm, daß er Len Derdruß vergaß, Den er vorhin gefühlt. Es war doch schön, selbst in diesen Lüuften oder grabe in diesen, so als Herr auf eigener Scholle zu stehen, raten und sorgen zu müssen —
Tie kleine Frau Magister kam, 'hatte die Ruth an der Hand, und sie knicksten beide.
War zu hübsch, das Kind! Sah auch wirklich so kindlich aus! Hätte ja eine derbe Standpauke verdient —
So nahm er sie denn am rechten Ohr und kniff ordentlich hinein und schüttelte sie ein'wenig: halb noch wie zur Strafe und halb doch auch wie eine Liebkosung. „Mädel — Du! Du hast ja nicht aufgemerkt, wie 03ater so schön predigte hm . . . von der christlichen Demut! Daß dich! Muht du Denn allzeit Allotria im Kopfe haben?!"
Rot wurde die Ruth wieder, bis unter die Haarwurzeln. Aber dabei sah sie ihn mit ihren großen Kinderaugen so unschuldig an, knickste noch einmal, hatte seine Hand gefaßt und küßte sie respektvoll.
Hintermannschaften. Dr. BauwenS levete groß, zügig und ausgezeichnet. Mit dem Schlußpfiff ging Hannovers schwarzweißrote Flagge am Siegesmast hoch
Der gestrige dritte Sag, über den wir morgen noch ausführlicher berichten werden, brachte zahlreiche glänzende sportlich. Ergebnisse. Der Besuch aus der Stadt und Hingebung war über alle Maßen groß. Olympischer Sieger und zugleich erster Sieger im Reunkainpf wurde Isberg-Hamburg. 3n den Schwimmwettkämpfen konnten einige Gießener Vertreter noch Preise erringen.
Den Höhepunkt der durch keinen Mißklang gestörten prachtvollen Veranstaltung bildete die Verkündung der Sieger am späten Abend. Ta i- ende umfä imten den schönen Festplah um die Dismarcksäule. Tausende jubelten den Siegern entgegen, begleiteten die Ansprachen und dir Bekanntgab-! der Ergebnisse mit stürmischem Beifall, der kern Ende nehmen wollte, als der olympische Sieger die brennende Fackel aus den Händen des Rektors der Hniversität entgegennahm und den Hotzstoß auf dem Turme entzündete. Mächtig erklang das Gaudeamus, und als die wuchtigen Formen des alten Schlosses auf der gegenüber- liegenden Hohe aus einem roten Flammenmeer wie ein märchenhaftes Zauberbild auftauchten, lyatte auch die Stadt Marburg einen vollen Sieg errungen. Dies betonte auch der Vertreter der preußischen Regierung. Staatssekretär Dr. Decker, der dem Danke der Regierung für die Förderung Der Universität durch die Stadt durch die Mitteilung sichtbaren Ausdruck gab, daß das preußische Kultusministeiium 10 000 Mk. für den Dau eines Hallenschwimmbades bei» gesteuert habe.
in der Seele des guten Ehrenpüttner zusammen- leimte, dies letzte Gebet und die eigene Friedfertigkeit. die immer bereit war, einem Feinde auch die zweite Backe hinzuhalten i Mochte cr's mit sich abmachen. Schließlich muh ja jeglicher das Schwerste immer mit sich alleine abmachen. Seltsam, seltsam auch das andere, daß in allen preußischen Kirchen allsvnntäglich für des Königs Majestät gebetet wurde, wo man doch männiglich wußte, daß der ein halber Heide war. Hatte die Fürbitte freilich vielleicht doppelt nötig. Ah — dumme Gedanken, frevlerische Gedanken — gehören wahrhaftig nicht hierher —
Qtun fangen die Kinder wieder. Aber der Herr Patron brachte es nicht über sich, mit einzustimmen. Er war verdrossen über sich selber. Schier endlos mußte der Magister gepredigt haben: wahrscheinlich hatten die Moskowiter ihm die Sanduhr auf der Kanzel zerbrochen. Lind nun tarn noch die Fürbitte für.die gnädige Herrschaft ja verdiente er denn die? Schlag sich nur' jeder vor die Brust, wir sind allzumal Sünder Uni) Dann kamen die Ansagen. Don Aufgeboten gab's freilich schon lange nichts mehr zu melden, Die jungen Ke^le steckten ja alle in Der Armee. Aber Die Königlichen Edikte muß.en verlesen werden, Daß jeder Bauer vier Obstbäume im Hahr und jede Gemeinde Maulbeerbäume zu pflanzen hätte. Du mein lieber Herrgott, das las sich so ab. Wer aber hatte tn diesen Jahren bitterster Rot an Maulbeerbäume gedacht —
And jetzo der Segen.
Das kleine ©Mein im Turm lautete —
Hnd Der Gestrenge schritt neben der Schwieger gravitätisch über den Steinboden zur Kirchtür. hinter ihm Egid und der Hunker.
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Das deutsche Akademische Olympia. (Sonderbericht des „Gieß. Anz.".)
Marburg, 20. Juli.
Der 2. Tag
brachte schon harte Kämpfe bei guten Leistungen, wenngleich noch feine Entscheidung fiel. Es gab in den Ausscheidungen folgende bemerkenswerte Resultate: Im Kugelstoßen stellte Hay- m a nn-München mit 13,125 Meter einen neuen Hochschulresord auf. Rüter - Hannover über- sprang im Hochsprung 1,78 Meter, P e l tz e r- München schuf im 400-Meter-Zwischenlauf 52 Sek., Braun-Karlsruhe 53, Renell brauchte 55,1 Sek. 3m lOO^Meter-Ztoischenlauf schufen Suhr- Karlsruhe, Pampe- Zehlendorf, Passau- München und Fricke-Draunschreig je 11,2Sek. 3m Stabhochsprung erreichten bisher L o ch n e r - München und Frenzl- Brünn 3,30 Meter. 3n die 10X100-M eterstaffelentschei- d u n g kamen Berlin, Karlsruhe, München und Jena. Die erzielten Zeiten von 1,56,4 sind nicht zu überwältigend, aber durch schlechtes Wechseln erklärlich. Wer morgen am besten wechselt, gewinnt das Rennen.
Den Schluß des Samstags bildete die Gnt - scheidung im Fußball. Hannover schlug Darmstadt 3:1 (3:0). Als Dr. Bauwens- Köln das Spiel anpfiff, umsäumten über 1800 Menschen das prächtige Spielfeld. Hannover.mit Rückenwind legte gleich mächtig los, Darmstadts Tormann mit seinen Stuhlfaut-Allüren rettete mit Glück. 3n der 14. Minute entschied Dr. Bau- Wens einen Zusammenprall norm Tor Darmstadts äußerst hart mit Elfmeter. Haas täuschte den Tormann und setzte den DaN unhaltbar ein. 1:0 für Hannover. Rach drei Minuten nahm Haas eine Vorlage des Mittelläufers Otto (Arminia Bielefeld) geschickt auf, da heißt es 2:0. Darmstadt kam auf und Oberembt (96 Hannover mußte einige Male eingreifen. Zwei Ecken in unmittelbarer Folge für Hannover brachten nichts ein, desgleichen zwei Strafstöße hart an Hannovers Strafraum. Den letzten Schuß wehrte Oberembt im Fallen, zog sich den Bruch eines Fingers zu und mußte ausscheiden. Wulf von Rechtsaußen ging ins Tor. (35. Minute.) Gleich Darau vollbrachte Haas den het-trick, indem er eine Flanke von rechts mit Dombenschlag aus ca. 25 Meter in Die Kiste jagte. (3:0.) Während der Pause gab es Zwischenläufe für 1500 Meter. 11. a. lief Der 45jährige Altakademiker Dr. Mallwitz- Berlin, Reg.-Rat im Wohlfahrtsministerium, seine 1500 Meter in 6,06 Min. und erntete reichen Beifall.) 3n der 2. Halbzeit legte Darmstadt etwas mehr los, scheiterte aber meistens an Der Verteidigung. Ein Handelfmeter gegen Hannover tmrDe auf den Mann gejagt. Der Ersatztormann, arbeitete glücklich, doch mußte er acht Minuten vor Schluß ein Volleyschuß des Linksaußen Schrof passieren lassen. Bis zum Schluß ereignete sich nichts mehr. Heberragende Leistungen brachte das Spiel nicht, Hannover ge- tr-arm verdient. Der 3nnenflurm und Mittelläufer leisteten gute Arbeit. Bei Darmstadt ragte der Verteidiger Lück hervor, der Sturm vor dem Tor hilflos. — Das Stellungsspiel war auf beiden Seiten schlecht. Das Eckenverhältnis 8:6 zugunsten Darmstadts bewies die Unsicherheit der beiden
Der etgenatct)c Gegensatz liegt heute nicht mehr To sehr zwischen Arbeitgeber und Arbertnehmer als vielmehr zwischen allen schaffenden Kräften und den Menschen, die mit dem Schicksal der Welt spielen. Ter Parlamentarismus ist in Dsttsch- land erschüttert. Er ist nicht, was er fnn fall, die Seele des Volkes und lebendiger Wille- Die Jugend sicht hier nach neuen Wegen und Gestaltungen. Ein ganz persönliches Wort richtete C?z. Michaelis vor allem an Dte junge Generation. Wenn sie ihre Ausgabe erfassen will, Darf sie sich nicht begnügen mit Demonstriere r. Wir müssen uns klar werden, das macht's nicht. Es ist basier die „Wacht" halten, als sie -singen. Es ist nicht gut daß wir ans dem Ausland und den Ausländern gegenüber abschließen, wir müssen mit ihnen vermehren, aber mit Würde. 3m Jahre 1922 nahm Exz. Michaelis als Vertreter der Deutschen Christlichen Stadentenver- einigung an der Weltkonferenz in Peking teil. Die Aussprachen in Peking haben in ganz entscheidender Weise der Wahrheit gedient und zur Klärung der Lage beigetragen. Wer kann Die großen Aufgaben erfaßen und an seinem Teil durchführen? Rur wer sich frei machen kann von allem, was das Gewissen belastet. Bei der Sittlichkeit beginnt der Aufstieg des einzelnen und der Gesamtheit. Ein großer Teil des Auslandes erwartet von Deutschland die Lösung sittlicher Kulturausgaben! Werden wir sittliche Persönlich»
L.U. Von der Landesuniversi- tat. Dr. Phil. Lothar Hock, der sich für das Fach der physikalischen Chemie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird morgen, Dienstag, nachm. 5Vs Ahr pünktlich, in der Kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung halten über das Thema: „Die Stellung der Kolloidchemie ,im System der physikalischen Chemie".
RDB. DieReisesparkarten. Zum Beginn Der Hauptreisezeit sind die Schalterbeamten der Reichsbahn zur Vermeidung von Auseinandersetzungen besonders darauf hingewiesen worden, daß Reisesparkarten (Eisenbahnwertzeichen) bei Lösung von Fahrkarten anstandslos in Zahlung zu nehmen sind.
” Ausländisch e Werbetätigkeit für Reisen nach Deutschland. Die Bestrebungen, den Fremdenverkehr wieder im früheren Maße nach Deutschland zu lenken, finden erfreulicherweise jetzt auch im Ausland tatkräftige Hnterstühung. Amerikanische Schiffahrtsgesellschaften machen durch ihren Pressedienst für Reisen in Deutschland wirksame Propaganda. Auf die landschaftlichen Schönheiten und Die historischen Erinnerungen Deutschlands, auf seine Kunstschähe, auf seine Fürsorge für den ausländischen Reisenden wird hingewiesen, wodurch Deutschland von jeher als Paradies der Reisenden gegolten habe. An diesen Tatsachen, die früher Deutschland zu einem so hervorragenden Fremden land machten, habe sich durch Die politische Hmwälzung nichts geändert. Deutsches Volk und deutsches Land feien die alten geblieben. Durch die Folgeerscheinungen der Dalutaschwankringen seien die Beziehungen Deutschlands zu feinen auswärtigen Gästen zwar vorübergehend etwas getrübt gewesen, die feste Währung aber habe Die früheren Verhältnisse wiederhergestellt. Der Ausländer, insbesondere der Amerikaner, werde das heutige Deutschland immer noch als ein verhältnismäßig billiges Land ansprechen. Dazu komme, daß die Förmlichkeaten für die Einreise nach Deutschland auf geringfügige Einzelheiten zurückgeführt seien, so daß Deutschland sich auch Darin von den übrigen Ländern Nicht mehr unterscheide.
•• Exzellenz D. Dr. Michaelis, Reichskanzler a. D., sprach am Donnerstagabrnd im Auftrag der hiesigen Theologenschaft in der von zirka 400 Leuten besuchten Reuen Aula über „Deutschlands Aufgabe und Zukunft". Was die Ausführungen des Redners besonders wertvoll machte, war der Hmstand, daß ein Mensch von reichster Erfahrung, dazu beseelt von tiefer Vaterlandsliebe, zu uns sprach. Seine Worte waren ein tief persönliches Zeugnis, hinter Denen der ganze Mensch stand, von tiefem Verantwortungsgefühl getragen, frei von jeder parteipolitischen Voreingenommenheit. Blendende Trugbrl- Der malte er Den Hörern nicht vor Augen, -vielmehr wies er Wege, die in mühsamem Kampfe vom einzelnen beschritten werden müssen, auf denen wir uns aber zusammenfinden können und müssen, wenn eine Zukunft gestaltet werden soll. Don Der gegenwärtigen Stunde ging er aas und wies auf den Ernst der heutigen Lage hin, Dte Londoner Konferenz, und falls keine Lösung der außenpolitischen Probleme gefunden werde, Die Bedrohung der Rentenmark. Vor allem betonte er, daß man nur politische Entscheidungen treffen dürfe, die man vor deutscher Vorwelt und Rach- welt verantworten kann. Drei große Fragen des Volks- und Völkeriebens schenkte Exz. Michaelis besondere Aufmerksamkeit. Die Weltmächte gruppieren sich um, die Völker wachen auf. China steht vor ganz neuen Entwicklungen, ebenso Afrika Und Rußland. Für ims kommt es dann nur darauf an, die richtige Situation zu erfassen. Wir können nach Bismarcks Ausspruch letzten Endes nichts tun, als lauschen auf den Schritt Gottes, der durch die Weltgeschichte geht and dann den Saum seines Mantels fassen. Roch größere Bedeut ing für unsere Lage hat vielleicht die neuerdings einen erschreckenden Fortschritt nehmende Entwicklung Lim Großkapital.
"Ghmnastikfür Frauen. Wan schreibt uns: Gesundheit und Körperkultur, zwei Haupt- faktoren im Leben der Frau: und doch: wie wenige unter uns wissen und kennen ihren Wert, ihre Förderung und Erhaltung. Man denkt. „Kleider machen Ceute“, and vergißt, daß das Kleid nur Schale ift; und was hilft eine schöne Schale bei schlechtem 3nhalt? Durch die Gymnastik wird allgemeine Gesundung, Frische und Widerstandsfähigkeit erstrebt, sowie Selbstbeherrschung und gute körperliche Haltung erreicht. Die turnerische Starrheit und Muskelanstrengung nach dem herkömmlichen Turnshstem wird hierbei überh.r ipt vermieden: nicht ermüdet, sondern erfrischt wird man die Gymnastikslunde verlassen. Die Kardinalpunkte sind dabei „Spannung" und „Lösung", und es ist natürlich, daß die Atmung diese Hebungen beherrschen muß, daß der Atem die Hebungen trägt, „wie die Welle das Schiff", daher keine Ermüdung. Daß die Frau, besonders die berufstätige, eine solche Erholung dringend nötig hat, ist eigentlich selbstverständlich. — Die Volkshochschule will recht vielen Frauen die Teilnahme an Der Gymnastik ermöglichen. (Weiteres siehe im heutigen 3nserat.)
Landkreis Gic^rn
k Wieseck, 20. Juli. Die Sanderst eue rvomgewerblichenAnlage-und Betriebs kapital betrug nach einem früheren Beschluß des Gemeinderats 80 Pf. pro 100 Mark Steuer wert von einem vierteljährigen Hm- sah von 4000 Mk. ab. Es war dies (Der staatliche Steuersatz, der. wie der Bürgermeister in Der letzten Sitzung des Gemeinderats mittedie auf 60 Pf. herabgesetzt wurde. Der Gemeinderat schloß sich diesem „Steuerabbau" einstimmig an. \
bu. Durkhardsfelden, 19. Juli. Bei dem jüngsten Gewitter wurde unsere Kirche, die unter Denkmalschutz steht, durch Blitzschlag beschädigt. Der Kirchturm warde unterhalb der Wetterfahne vom Blitz getroffen, ein Eckbatten vollständig zersplittert und das Kir- chendach beschädigt. Der Schaden Der unserer Gemeinde dadurch e>.tstand, ist erheblich.
Hessen-Nassau.
'Dillenburg, 19. Juli. Die hiesige Jugendherberge hat man jetzt in geeignete Räume, die durch den Schulabbau frei wurden, verlegt. Don der Stadt und Dem Kreise wurden Mittel zum Ausbau der Herberge bewilligt, ferner haben Pirvatpersvnen und Geschäftskreise durch Spenden das edle Werk gefördert: u. a. haben Die Burger Eisenwerke einen ausgezeichneten Gaskocher mit 6 Kochstellen beigesteuert. Durch alle diese Gaben wurde die Schaffung einer behaglichen und praktischen Bleibe ermöglicht. Es wurden zwei getrennte Schlafraume, eine Küche, ein Brausebad und ein freundlicher, mit künstlerischem Wandschmuck versehener Tagesraum geschaffen. An Karten, Führern und anderen Aus- kunftsbüchern findet Der Wandergast Rat für Die weitere Wanderung.
fpd. Weilburg, 20. Juli. 3n der „Kreiszeitung für den Oberlahnkreis" lesen wir folgende ergötzliche, nicht alltägliche Anzeige: „Die Beleidigung und Verleumdung gegen Fraulein Hermine Lang zu Ernsthaufen, Karl Kopp, Landwirt und Friedrich Schütz, Landwirt zu Winden nehme ich hiermit als mir leid zurück, und w e i l ich mein Lügenma ul nicht halten kann, müssen es andere mir verbieten. Ehefrau Dora Schneider, Ernsthaufen." — Aber Dora!
fpd. Frankfurt a. M., 20. Juli. Rach langen, sorgfältigen Beobachtungen gelang es
rersMngstages in
unb Ortschaften bestimmt: ten Ne Äretebiteb i Spitzen der Äom* [deren Städten uni cifter - sich mti (Organisationen der ler, Handelskammer, 3ngeftcllterwrgani- Nichen Deremen) ins 'c gemeinsame Feier würdige äußere ®e- ch empfiehlt es sich, jttai in Verbindung Verschiedenheit bei einheitliche Regelung ehl folgender allge- «s IeckassMgstages r/ssche unb /porttichk ähnliches an «freien
H. a chenbchvrten ar t Ne Regierung be» düng getreten jer DervrNnmg des
Februar 1924 er» nftdtungcn und Um» snd für Feiern der Lusnahmen zu ge-
Aus aller Wett.
Mord und Selbstmord elnrs abgewiesenen Liebhabers.
Berlin, 20. Juli. (WTB.) Heute nachmittag wurde der 47jährige Wächter Schiewe von dem Arbeiter Kohler e r f ch o s s e n, der sich selbst durch einen Kopfschuß tötete. Es handelt sich um einen Racheakt. Aus Wunsch ihres Vaters hatte die Tochter Schiewes vor kurzem ihr seit mehreren Hahren bestehendes Verhältnis mit Kohler aufgegebend Dieser hatte sich heute in die Wohnung ein- geschlichen, um auf die Rückkehr des Ehepaares Schiewe von der Arbeitsstätte zu warten. Gleich nachdem sich Schiewe zur Ruhe gelegt hatte, wurde er von Kohler durch zwei Schüsse schwer verletzt, die kurz darauf den Tod herbeiführten. Kohler tötete sich dann in Gegenwart Der hin- zugekommenen Frau Schiewe.
Erwischte Falschmünzerbünden.
Berlin, 21. Juli. 3n der letzten Zeit tour» den durch die Falschgeldabteilung Der Reichsbank fünf Falschmünzerbanden mit über 60 Mitgliedern verhaftet. Ein Teil der Falscher wertete Dollarnoten auf, ein anderer stellte falsche englische Pfundnoten her.
Der Straßenbahnwagen im Friseurladen.
Berlin, 21. Juli. Gestern abend sprang ein S t r a h e n b a h n w a g e n an der Ecke 5neD- rich- und Oranienburger Straße in voller Hahrl aus dem Geleise und fuhr überdenBürg ersteig in einen Fr is eurladen hinein. Dabei stießen zwei Automobile mit dem Straßenbahnwagen zusammen. Menschenleben sind nicht zu beflagen.
20 Menschen ertrunken.
Amsterd am, 19. Juli. (WTB.) Bei Dem gestern gemeldeten West sturm auf der Schelde sind über 20 Personen ertrunken.
Schiffbrüchige von Wilden übersatten und getötet.
Melbourne, 18. Juli. (WTB.) Blätter- Meldungen zufolge sind hier Rachnchten ein» getroffen, wonach der Dampfer „Douglas Mawskon", der im März 1923 Dr isbano verlassen hat, an der Rordküste QI u ft r a - liens gescheitert sei. Zwölf Qltemn der Besatzung und fünf Passagiere hätten stch an Die Küste gerettet, wo sie von Hchwarzenuber- fallen und mit Speeren getötet sein sollen, außer zwei Frauen, die gefangen genommen wurden._____________________________
Verantwortlich für Politik und Feuilleton: 3. D.: Heinz Goarenz.


