Die Bantiger.
Roman von Hermann Stegemann.
8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Gr legte die Schrift auf daS Bett zurück und reichte dem Sohne die Hand.
„Latz dich gut pflogen von der kleinen Vvonne und geh nicht ins Gelände, bis der Arzt dich freigibt."
Lorenz unterdrückte jede Antwort, und der Baumeister atmete leichter, denn er fürchtete eine Erwiderung, die ihn wieder in Harnisch gebracht hätte. Er war müde. Ein Gefühl der Vereinsamung ging mit ihm, als er das Haus verlieh. Er war der einzelne, der Einsame, der Alternde, dem die Zeit unter den Händen zer- vann. Helbst Dvonnens Abschiedsgruh, der leicht und gefällig durch das kinderlose blumengefüllte Haus klang, verhallte ungehört in seinem stumpf gewordenen Ohr.
Erst auf der Drücke, angesichts des grünen, talwärts schiebenden Wassers, kehrte ihm der Sinn für die .Autzenwelt zurück. Unb da packte ihn plötzlich das Verlangen nach Leben, rüttelte ihn die Begierde, sehnte er sich nach einer Stande frohen Genusses, und als er die weihe Vans in ihrem glasklaren Sturz unter der Brückenwölbung hervorbrechen sah, um zwischen den G<a- nitmauern des künstlichen Bettes dem Bodensee zuzustreben. erfahte ihn der Wunsch es dem wilden Wasser gleichzutun. Er wollte der Zeit einen Tag rauben und in seinem Landhaus auf dem Untersberg am Ufer des Untersees Einkehr halten.
ging scyneller, er freute sich seines Entschlusses und des Gefühls, dah seine Unterneh- mungen keinen Schaden litten, sondern von selbst liefen, wenn er rasch gefaht alle Anordnungen traf und einen Tag dem Vergessen opferte.
Gr veLsäumte keinen Augenblick, griff am Altmarkt ein Automobil auf, fuhr zu den Werken hinaus, ordnete alles Nötige, eilte nach Hause und rief Agnes zu sich, um ihr zu sagen, dah er seewärts reise, aber in vierundzwanzrg Stunden wieder zurückkehre.
Agnes kannte die Formel. Als sie noch in kurzen Kleidern ging, hatte sie ihn einmal gebeten, er möge sie wieder einmal mitnehmen auf den Untermberg, aber sie hatte keine Antwort erhalten, als ein wild hervorgeslotzenes: »Dich -Unfinn!" Dann war ihr von bösen Zungen zu- getragen worden, dah der Vater dort allein sein wolle, und als sie als erwachsen galt, hatte Tonte Els ihr bei einem Besuche tm Fräuleinstift zu Eoldingen voll altjüngferlicher Entrüstung zu verstehen gegeben, dah der Vater auf dem Untcr8= berg mit guten Freunden und geputzten Frauen tafle und Freilager halte.
Damals hatte sie trotzig Partei ergriffen und geantwortet: »Der Vater'kann tun was er Willi" Aber sie war eifersüchtig geworden auf die Frauen, die sie nicht kannte, von denen sie nichts wuhte, und hatte nie mehr nach dem Hause gefragt. von dem ihre Phantasie schrankenlos Besitz ergriff, obwohl sie es nie wieder betreten hatte.
Auch heute kam keine Frage über ihre Lippen, aber ihre Brauen schoben sich hart zusammen, und sie ertappte sich auf dem Wunsche, dah das Haus am Hintersee in der Nacht vor der Ankunft des Vaters niederbrennen möge. Ha, sie sah es bren
nen unb Den Bvanv wett über den See leuchten i Als Gottfried Bantiger ging, begleitete sie ihn stumm, in eifersüchtigem Zorn an die Dahn.
»Wenn ich jetzt der neuen Spur folgen könnte, statt den Nunser Talweg hinabzufahren, mär' ich in drei Stunden dort," sagte der Baumeister auf dem Wagentritt und bot Agnes die Wange zum Abschied.
Kalt, flüchtig, wie hingeworfen war ihr Kuh. Er spürte das Zucken ihrer Lippen: aber er hatte keine Zeit, sich noch einmal nach ihr umzusehen, denn der Zug setzte sich in Bewegung und ritz ihn und seine Gedanken mit sich fort.
Agnes starrte der dunklen Schlange nach, bis sie hinter der Blvckstation verschwand. Dann ging sie rasch nach Hause. Ihre Schritte spannten das enge Kleid und zeichneten die schlanken Beine im Spiel der Glieder. Der frische Wind trieb ihr die Haarwellen ton den Schläfen, dah das rotbraune Gelock sich unter der breiten Hutkrempe bauschte, und ihr Atem flog. Sie fühlte sich einsam und setzte ihren Trotz daran, es zu sein. Eie hatte keine Herzensfveundinnen, keinen Freund, keinen Geliebten, und mancher, der sich der Tochter des Gottfried Bantiger genähert hatte, um, zwischen Flirt und Begehren schwankend, den Weg zu ihrem Herzen zu suchen, war von ihrer Kälte, ih.em verschlossenen, abweisenden Ween zurück- geschlagen worden. Ihr ga.rzes Fuhren kreiste am ben Vater, und ihr ganzes Liedesbedürfnis lag in dem Verhältnis zu seiner starken, rücksichtslosen Natur gebunden. Ihr Blut drängte noch nicht zum Mann. Die ganze Leidenschaftlichkeit ihres Wesens verzehrte sich in dem Kampf um das völlige Aufgehen in dem, dessen Vorbild jeden Bewerber in den Schatten stellte. Die Erinnerung
an Die Mutter war verblatzt, und sie Hatzte alle Frauen, von deren Bemühungen um den Baumeister sie hatte raunen hören.
Nls sie ins leere Haus trat, begannen die Abendschatten zu fallen. Sie wollte lesen, aber der Inhalt des Buches lag tot vor ihr, und als das Telephon rief und sie zu einer Teestunde aufforderte, war sie kaum imstande, eine artige Absage zu finden. Unruhig strich sie durch die Räume und flüchtete sich zuletzt in das Arbeitszimmer vor dem Kamin. Hier satz sie und sann.
Jetzt näherte sich der Zug, der den Baumeister entführt hatte, der Seeniederung. Ens fuhr im Geiste mit. fuhr schneller, eilte ihm voraus, sah den Unterfee zwischen seinen grünen, von herbstlich bunten Hügeln überschatteten Ufern liegen und sah das schwerfällige Landhaus mit seinem breitgeschwungenen Dach aus gilbenden Reben tauchen. Sie war feit sieben Jahren nicht mehr dort gewesen, aber sie sah den Fahrweg vor sich, der sich in einer groben Kehre durch feuchtes Gelände zur Höhe zog, sie roch den herben Duft der Spiräen und des Fingerhutes,, der alle Mulden und Schrunden füllte, sie hörte den Brunnen rauschen, der sein Wasser aus vier Delphinenmäulern in das Muschllbecken gvh, und hörte das schlechtgefügte Parkett des Gartensaales knacken, in dem h.ute abend alle Kerzen brannten.
Mit einem unterdrückten Schrei schnellte sie auf, schlug die Hände vor die Augen und suchte die quälende Vorstellung zu verscheuchen. Als es ihr nicht gelang, eilte sie and' Telephon und rief die Sonnhalde an. -
"Pv, c'est toi? Ich komme zu euch Ja' Danke."
(Fortsetzung folgt.)
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Ab Morgen:
Max Murray
In dem Roman einer caprlciöaen jungen Dame
Fascination
Der Taumel einer »facht. 8 Akte.
^.Fascination!“ — Wer kennt nicht die aufreizenden Melodien dieses Boston-Walzers? In hundert Cafös gespielt Millionen tanzlustiger Mädels bis zur Raserei begeisternd---
scheint dieser Boston „Fascination“ nicht ein Symbol des Tanzteufels, der seine fascinierten Opfer in Tollheit und Taumel treibt, mag um sie herum auch die Welt zu Grunde gehen? —
Auch die kleine Doris de Lana unterliegt der Fascination. Schmal und biegsam Ist ihr gertenschlanker Mädchenkörper — und fieberheiß durchzuckt es sie, wenn sie nur irgendeine Tanzmelodie hört.
Der Film, einer der spannendsten und interessantesten des Jahres lief wochenlang In den ersten Theatern der Haunt- städte der Welt. 4201c
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Bekanntmachung.
Beim Stadtbauamt liegen Verdingungsunterlagen über Vergebung von Glaserarbeiten für die Wohnungsneubauten am Riegelpfad offen. Verding- ungstermin Montag, den 26. Mai d.I.» borm. 10 Uhr. Näheres siehe Aushängekasten. 4186B
Gießen, den 19. Mai 1924.
Stadtbauamt Giehen. Braubach.
Gras Versteigerung.
Die diesjährige Grasnuhung auf den Schneisen und Mähplatten des Gietzener Stadtwaldes soll Montag, den 26. Mai 1924, nachm. 2 Uhr, im Hofe des Stadthauses Gartenstratze in 17 Losen öffentlich meistbietend versteigert werden.
Giehen, den 19. Mai 1924. 4185B
DerOberbürgermeister.IV.iDr.Rosenberg.
Holz-Submissionsverkauf.
Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll folgendes Holz auf dem Sub» missionsweg verkauft werden:
Kiefernstämme 3. Kl., 3 Stück 2,47 Fstm., 18 Stück 4. KI., 14,18 Fstm., 54 Stück 5. Kl., 17,35 Fstm.; Fichtestamme 1. Kl., 1 .Stück 0,98 Fstm., 2 Stück 2. Kl., 1,76 Fstm., 5 Stück 3. Kl., 4,74 Fstm.; Fichtestämme 4. Kl., 5 Stück 3,23 Fstm., 5a Kl. 8 Stück, 2,65 Fstm., 5b Kl. 109 Stück, 22,46 Fstm.; Fichtederbstangen 1.-2. Kl., 6 Stück, 0,57 Fstm.; Eschestämme 6.Kl., 2Stück 0,18Fstm.; Eschederbstangen 1. kl., 5 Stück 0,41 Fstm.
Das Holz ist mit Rinde gemessen, der Kaufpreis ist nach Klaffen und pro Fest- meter anzugeben. Die Offerten sind ver- schloffen bis Freitag, den 23. Mai, nach, mittags 2 Uhr auf unterzeichneter Bürger» meistere! einzureichen, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet.
Die Kausbedingungen werden vor der Eröffnung bekanntgegeben.
Annerod, den 17. Mai 1924.
Hessische Bürgermeisterei Annerod.
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