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sxt»Journal üee DtzvorS" schreibt: Da die belgischen Minister vorher mit Macdonald unterhandelt hätten und einer der Zwecke ihrer Reise mach Mailand darin bestanden hätte, Mus­solini die Ergebnisse ihrer Lvick»ner Reise mit­zuteilen, dürfe man annehmen, dah

die in Mailand erörterten Pläne mit denen des Foreign Office in Einklang ständen.

Man dürfe auch hoffen, das) wenigstens in den großen Zügen älebereinstimmung bestehe. Des­halb erwähne das Kommunique den Wunsch, daß entsprechend der wohlbekannten Absicht Macdo­nalds eine interalliierte Konferenz einberufen werde. Aber man erkenne in England an, dah eine Konferenz dieser Art unmöglich sei, eh: der Deutsche Reichstag die Richtlinien der deut­schen Politik 'habe erkennen lassen, und ehe man wisse, welche Männer im Rumen Deutsch­lands sprechen werden. Diese Erwägung hindere indessen nicht, dah die Besprechungen zwischen den alliierten Kabinetten fortgesetzt werden, im Gegenteil.

Der Bergarbeiterausstand«

Essen, 21. Mai. (Priv.-Tel.) 3n einer Versammlung der Landräte und Ober­bürgermeister des rheinisch-westfälischen Industriebezirks unter Teilnahme der Be­zirksregierungen wurde mitgeteilt, dah die preußische Staatsregierung nicht in der Lage ist, während der Dauer des gegenwär­tigen Kampfes im Ruhrbergbau irgend­welche Mittel zur Verfügung zu stellen. Rach Wiederaufnahme der Arbeit sei jedoch damit zu rechnen, dah von den berufenen Stel­len alles geschehen werde, um den wieder arbeitenden Bergleuten ihre wirt­schaftliche Lage bis zur nächsten Lohnzahlung nach Möglichkeit zu erleichtern. 3n Bochum hat die Polizei eine Haussuch­ung im Bureau der kommunisti­schen Union der Hand- und Kopfarbeiter abgehalten. Zahlreiche Mitglieder der Organi­sation wurden verhaftet. Das Vorgehen der Polizei ist wegen des kommunistischen Be- triebsrätekvngresses vom letzten Sonntag er­folgt, dessen Verlauf die Polizei als Auf­reizung zum Klassenkampf und als eine schwere Gefährdung der öffentlichen Ord­nung und Sicherheit betrachtete.

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Aus dem Hessischen Landtag.

Don unsererDarmstädter Redaktion.

D a r m ft a d t. 20. Mai. Der Finanz a u s- s ch u h setzte die Becatung des Staatsvoranschlags bei Kap. 27 (Ministerium des Innern) fort, das gencHmigt cvurde. Bei Kap. 28 (Stell­vertretungen und Aushilfskosten) wurde bei der Regierung angeregt, wegen der schlechten Finanz­lage des Staates nur in dringenden Fällen Dec­sehungen von Beamten vorzunehmen. Die Kapitel 29 (P ostgebühren) 30 (Regie- rungsblättX 31 (Provrnzialdirek- t i o n e n) 32 (Gendarmerie) und 33 (L a n - bespolrzei) wurden genehmigt. Bei Kap. 33 wurde Ungefragt, wie es möglich gewesen sei, dah Kriminalkommissar Weber In Darmstadt dre Frau Hofmann auf dem Polizeiamt so miß- handeln konnte; ferner daß niemand den Vor­fall der vorgesetzten Behörde zur Kenntnis ge­bracht hat. Die Kap. 34 (Arbeitsha us Die­burg) und 37 (Zentrale für Landes st ati- st i k) wurden genehmigt. Bei Kap. 38 (Zuschüsse für die Religionsgemeinschaften)wurde angefragt über den Stand der Angelegenheit der staatlichen Zuschüsse. Die Beträge wurden niedri­ger angeseht als früher. Genehmigt wurden hier­auf die Kap. 39 bis 44 (Aerztlicher Dienst, Tierärztlicher Dienst, Hebammenlehranstalt. Lan- b^sheil- u. Pflegeanstalt. Anstalt für Schwachfin- rnge, Polksgesundheitspflege). Es wurde angeregt, vb nicht die staatliche An st alt für Schwach­sinnige mit der in Rredervamstadt ver- schmolzen werden könne. An die Regierung wurde die Bitte gerichtet, die Ausführungsbesttm- mungen zum Landeswohlfahrtsgeseh nicht zu er­lassen, ohne vorher den Landtag zu hören. 3n Kap' 46 (Staatliche älnterstühungs- kassen) sind enthalten die Schäden im be­setzten Gebiet sowie die Schäden bei Tumulten und älrrcuhen: es wurde nach der bisherigen Regelung gefragt. Kap. 49 (Fonds für öffentliche und ge­meinnützige Zwecke) wurde ohne Debatte geneh­migt. Ebenso wurden die Kap. 50 bis 52 geneh­migt, die sich mit dem Bau- und Kunst­straßenwesen beschäftigen. Es wurde nach der Revision der allgemeinen Bauverwaltung ge­fragt und gerügt, daß die Bauverwaltung zu viel akademische Beamte habe. 3n

vret Tagen wird voraussichtlich die erste tielung des Staats Voranschlags beendet sein, svdann wer­den die Beratungen mit den Vertretern der Re­gierung ausgenommen.

Der Abg. H v f m a n n - Seligenstadt hat fvl- gende Anfrage an die Regierung gerichtet:Ist der Regierung bekannt, dah bei der Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1923 und der hessischen Verordnung vom 31. Ian. 1923 betr. Unterbringung Aus­gewiesener von vielen Gemeinden, sowie auch von einigen Kreisämtern Schwierigkeiten gemacht werden? Was gebentt die Regierung zu tun, um die Durchführung der im Interesse der Unter­bringung der Ausgewiesenen erlassenen Bestim­mungen zu sichern?" In der Begründung der Anfrage wird nur ein Fall angebslicher äleber- tretung der Verordnung aus Groh-Bieberau erwähnt.

Die Minderheiten in Polen.

Kattowih, 20. Mai. (WTD.) Rach dem Oberschlesischen Kurier" ist gestern in Warschau die Sachverständigenkommission für Minderheitsangelegenheiien unter dem Vorsitz G r a b s k i s zusammengetreten. Das Endziel der Kommission liegt in der Schaffung eines Autvnomiegesetzes, das sich aber nur auf solche Gebiete beziehe, in denen Minderheiten in zusammenhängenderMenge wohnen. Für die Ostgebiete ist ferner ein S ch u l g e s e tz ge­plant, wie man es für die Deutschen im westlichen Gebiet wünsche. Hiematch sollen Iklassige fremd­sprachige Schulen errichtet werden, in denen aber auch! die Verpflichtung bestehe, die polnischeSprache zu lehren. Die Sozialisten haben beschlossen, den Sitzungen der Kommission ^emzubleiben, da sich in der Kommission kein Mitglied der Minder­heiten befindet.

DaA britischeEmpire"

London, 20. Mai. (WTD.) Der polittsche Beobachter desDaily Telegraph" schreibt, das Zugeständnis, das an den Irischen Frei­staat 'm der Frage des unabhängigen bevollmächtigten Ministers in Wa­shington gemacht worden sei, habe bereits gewisse Folgen nach sich gezogen. Die kana­dische Regierung habe erklärt, dah sie sich rncht mit der Ernennung eines Vertreters zufrieden­geben werde, der Mitglied der britischen Bot­schaft in Washington sei. Wenn es einen irischen Vertreter in VKishington gäbe, weshalb dann nicht einen kanadischen in Parrs oder einen australischen in Tokio? Eine Konttolle der aus­wärtigen Beziehungen des Reiches aber werde dann unmöglich werden. Die brittsche Regie­rung hat beschlossen, einen aus Mitgliedern aller Parteien zusammengesetzten Ausschuß zu er­nennen, der den Vorschlag, für England, Schott­land und Wales .Unterparlamente einzu­richten, prüfen soll.

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Kleine politische Nachrichten.

Don deutschnativnaler Seite ist im preuhischen Landtag eine kleine Anfrage eingebracht worden, in der auf die große wirtschaftliche Rot der Studenten fcha ft, die zum großen Teil nicht in der Lage sei, die Kolleggebühren zu zahlen, hingewiesen und gefragt wird, ob die Staats­regierung bereit sei, zunächst für das Somme r- semester weitgehende Erleichterungen zu gewähren.

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In München sind in den letzten Tagen wei­tere Derha ft ungen von Führern dec Orga­nisation C o n s u l v)rgenommen worden. So ist ein Leutnant Friedmann festgenommen wor­den, der bei dem Leiter des Bayrischen Ordnungs­bundes tätig war.

Zur Einstellung des Der fahrens gegen Kahr, Lossow und Seiher teilt der Staatsanwalt des Landgerichts München mit, dah nach abermaliger Prüfung des Verhaltens der Genannten nicht erwiesen sei, dah sie am 8. Rovember den ernsten Vorsatz Hutten, bei dem hochverräterischen Unternehmen Hitlers mitzulun und dah sie sich somit des Verbrechens des Hoch­verrats oder der Beihilfe schuldig gemacht hätten. Auch sei nicht erwiesen, dah ihr Verhalten vor dem 8. Rovember den Tatbestand einer straf­rechtlichen Handlung erfüllt hat.

Der Führer der Rationalliberalen Vereini­gung, Dr. Marehkh, ist derDeutschnatio- n a l e n Dolkspartei beigetreten.

Der bisherige dänische Gesandte in Berlin, Graf M o l t f e , wurde jx>m Reichsprä si- Renten in Gegenwart des Ministers des Aeu- hern Stresemann zur Ueberceichung se-'nes Abberufungsschreiberis empfangen. An den Emp­fang schloß sich ein Frühstück an, an dem auch der Reichskanzler teilnahm.

Aus Stadt und Land.

Giehen, den 21. Mai 1924.

Eine Verarmungs-Statistik.

Die von dem preußischen Statistischen Landes- amt herausgegebene Statistische Korrespondenz bringt Mitteilungen über den Fleischver­brauch in Preußen im Jahre 1 923. Es ergibt sich danach für 1923 gegen das Jahr 1922 ein Rückgang der Schlachtungen bet Rindern von 37,82, bei Kälbern von 18,87, bei Schweinen von 17,37 und bei Schafen von 39,25 Prozent. Don 1913 bis 1923 ist die Gesamtzahl der Schweineschlachtungen auf 94,71 Prozent zurückgegangen. Im Jahre 1923 kam auf den Kopf Der Bevölkerung ein Gesamtverbrauch an Fleisch von 49 Kg., im Jahre 1923 ein solcher von 26,07 Kg. 1923 hatte also jeder Einwohner Preu­ßens 47 Prozent seines Fleischverbrauchs vor dem Kriege eingebüht. Geht man von der richtigen Voraussetzung aus, daß die Landbevölkerung an diesem Rückgang des Fleischverbrauchs nicht be­teiligt ist, so vergrößert sich der Rückgang im Fleischverbrauch bei den Städtern, da die Landbevölkerung etwa 25 bis 30 Prozent der fGesamtbevölkerung ausmacht, auf 6 6 bis 67Prozent. *

Z_ Sonntags- Fahrkarten 3. und 4. Klasse, die für den Ausflüalerverkehr stark in Betracht kommen, werden an den Fahrkarten­schaltern des hiesigen Bahnhofs ausgegeben nach Bad-Rauheim, Braunfels, Dillenburg, Frank­furt a. M. Hauptbahnhof, Grünberg, Herborn, Katzenfurt oder Braunfels, Laubach, Lich, Mar­burg, Ridda, Schotten, Wetzlar.

^ReueZügeabl. Juni. Dom 1. Juni ab sind neu eingelegt: D 27 FrankfurtBerlin in Gießen ab 1,05 Rm., D 28 BerlinFrankfurt in G i e h e n ab 5,24 Rm., D 126 GiehenDieden- hvfen über Koblenz in Giehen ab 8,08 Vm., D 125 DiedenhofenGiehen über Koblenz in Giehen an 11,22 Rm., Pz. 557 GiehenFulda (werktags) in Giehen ab 3,40 Rm., Pz. 562 FuldaGießen (werktags) in Gießen an 4,27 Rm., Pz. 474 -GiehenWeilburg inGiehenab 10,05 Rm. Verlegt sind Pz. 555 nach Fulda in Giehen ab 12,30 Rm. (statt bisher 12,33), Pz. 556 von Fulda in Giehen an 7,34 Rm. (statt bisher 7,37 Rm.), D 57 FrankfurtKöln über Hagen in Giehen ab 6,43 Rm. (statt bisher 5,54 Rm.).

Kirchliche Ernennungen. Ernannt wurden Oberhofprediger i. R. Pfarrer Ehr­hardt zu Gelnhaar zum Pfarrverwalter in Hirzenhain (unter Wahrung seiner Rechte als Pfarrer); Pfarrassistent Raumann zu Affolter­bach zum Pfarrvikar in Ilbeshausen; Pfarrvikar L o h f i n k zu Auerbach zum Pfarrassistenten in Affolterbach; Pfarrverwalter Rheinfurth zu Hitzkirchen zum Pfarrvikar in Auerbach; Pfarr- verwalter Lenz zu Watzenborn zum Pfarrver­walter in Hitzkirchen; Pfarrverwalter Fernges zu Dieburg zum Pfarvassistenten an der bereinig­ten evangelischen Gemeinde zu Offenbach; Pfarr­amtskandidat Hermann Schneider zu Schaaf­heim zum Pfarrvikar in Dielbrunn; Pfarramts­kandidat Hahlingerzu Friedberg zum Pfarr­assistenten in Dilbel; Pfarrvikar Goebel zu Georgenhausen zum Pfarrverwalter daselbst; Pfarcamtskandidat Guhmann zu Kirchberg zum Pfarrvikar in Offenbach (Luthergemeinde Südost); Pfarramtskandidat Wendel zu König i. O. zum Pfarrvikar in Weisenau; Pfarramts­kandidat Ze Hfuh zu Rieder-Gemünden zum Pfarrassistenten in Lollar. Dienstentlas­sungen. Dem Pfarvassistenten Emil Schäfer zu Dilbel und Dem Pfarvassistenten Leopold Sperb '0*u Lollar wurde die nachgesuchte Ent­lassung aus dem Dienste der hessischen Landes­kirche mit Wirkung vom 1. Mai gewährt.

** L andsturm-Dataillon Fried­berg. Die Vorbereitungen zur kameradschaftlichen Zusammenkunft der Angehörigen des ehemaligen Landsturm-Bataillons Friedberg am nächsten Sonntag, 25. Mai, in Bad-Rau heim, sind beendet. Der Rauheimer Gesangverein Froh­sinn", der dortige Turnverein 1860 und die Rau- heimer Feuerwehrkapelle werden zur Verschöne­rung be8 Festes beitragen. Räheres ist aus der Anzeige in unserer vorigen Samstagnummer zu ersehen.

** Der Goet hebund, der sich nicht nur der Pflege deutscher Literatur und Musik zur AufgÄe gesetzt hat, sondern vielmehr auch seinen Mitgliedern durch Vorträge aus allen Gebieten des allgemeinen Wissens Anregung und Beleh­rung geben will, veranstaltete am Sonntag abend einen sehr interessanten Lichtbilder-Vortrag über China. Der Vortragende des Abends, Herr Wag­ner, gab an Hand sehr zahlreicher und vortreff­licher Lichtbilder seine Erinnerungen an seine Wanderfahrt nach dem Rorden bed chinesischen Reiches wieber. Die sehr interessanten Ausfüh­rungen gaben Gelegenheit, einen Blick in die inneren Verhältnisse des einst so mächtigen Lan­des zu werfen: Wir sahen chinesischeHotels",

chinesische Temper mrt ihrem inneren und äußeren Schmuck, geschnitzte Seiden Häuser, die primittven Wohnhütten, den prächtigen Kaiserpalast, ver­schiedene Iagdschlösser, vielstöckige Pagoden, Ka­sernen usw., lernten das Leben und Treiben der Bewohner kennen. Ferner konnten wir bie herr­lichen chinesischen Gebirgslandschaften mit ihren gigantischen und romantischen Dergciesen, zwischen denen sich der Pai-Ho in vielen Krümmungen hin- durchwindet, bewundern. Schließlich zeigte uns der Redner das berühmte Bauwerk Der Chine­sischen Mauer, die in einer Länge von 2500 bis 3000 Kilometer sich auf den höchsten Gebicgs- kämmen wie eine mächtige steinerne Schlange von Südosten nach Nordwesten hinschlängelt. Im 3. Jahrhundert erbaut, sollte sie ein Bollwerk sein gegen die feindlichen Einfälle der aus dem Rodden und Rordwesten hereinbrechenden Rachbarvölker. Heute hat sie ihren militärischen Wert verloren und wird nur noch als ein Wunderwerk dec chine, fischen Baukunst angestaunt. Der Vortrag dürste zu den interessantesten zu rechnen sein, die im Goethe-Bund aus dem Gebiet der Völkerkunde ge­halten worden sind.o

** V. H. C. Ein prächtiger Maitag in des Wortes schönster Bedeutung vereinigte am Sonn­tag rund 100 Teilnehmer zu einer genußreichen Familienwanderung des V. H. C. Gießen. Don Lollar, bis wohin die Bahn benutzt wurde, ging es über die Lahn zunächst zum Wasserfall am unteren Wißmarbach, der leider als Opfer der Feldbereinigung denmächst verschwinden wird, was vom Standpunkt der Raturfreund^'aus sehr zu bedauern ist. Der Weitermarsch erfolgte durch das idyllische Wißmarbachtal, das mit seinen vielen Windungen und Seitentälchen wohl als das schönste Tal der näheren Umgebung Gießens angesehen werden lärm und namentlich zur Blüte­zeit des Schlehdorns und des Ginsters einen überaus reizvollen Anblick gewährt. GolDener Sonnenschein strahlte über bie maienfrischen Wälder, die zum Teil noch blühenden Hecken und die saftgrünen, blumigen Wiesen, an denen sich das Auge nicht satt sehen konnte. Um den herrlichen Tag recht auszukosten, wurde an den schönsten Stellen inmitten all der Blütenpracht ausgiebige Rast gehalten, Mittags- und Kastee- rast auf dem gastlichen Forsthaus Waidhaus, das von Lollar durch das Tal in etwa zweistündi­gem Marsche zu erreichen ist. Für den Heim­weg wurde die gelbe Punttmarkierung benutzt, die durch das liebliche Gleibachtal, im oberen Teile Chattenbachtal genannt, führt, das durch seine milderen Formen einen ruhigeren Cha­rakter als das zuerst durchwanderte Tal auf­weist. Die Wißmar-Krvfdorfer Straße über­schreitend führte der Weg an den Hängen des Wettenbergs entlang, immer hübsche Ausblicke auf Vetzberg und Gleiberg bietend, bis zur See­mühle, wo die Wegebezeichnung ihr Ende findet. Ein fröhliches Wanderlied auf d«i Lippen ging es jetzt auf der Krofdorf er Straße der Heimat wieder zu, hochbefriedigt von der herrlichen Maienfahrt.

Wettervoraussage

Heiter bis wolkig, südliche Winde, warm. Regenfälle als Gewitter.

Vornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Gießener Konzertverein: 7 älhr in der Stadt­kirche: Missa solemnis. Gießener Turner­schaft: 8V2 älhr in der Turnhalle (Oswalds- garten) Festspiel und turnerische Vorführungen. Rundfunkhaus. Löberstraße 12: 8H2 Ahr Nor­discher Abend. Lichtspielhaus Bahnhofstraße; Der Kindesraub tm Zirkus Buffalo".

Der Plaut-Abend im Stadttheater muß, wie aus aus dem Stadttheaterbureau ge­schrieben wird, wegen mangelnden Interesses am morgigen Donnerstag ausfallen. Die abgeholten Karten werden am Freitag, 23. d. Mts., von mor« gens 10 bis 1 Ahr an der Theaterkasse umgetzauscht. Am Mittwoch, 28. Mai, findet ein Gastspiel des Dad-RcmHeimer Kurtheaters mit Heinrich Lilien- seinsCagliostro" statt. (Siehe Anzeige.)

Volkshochschule. Heute Beginn des Kurses Deutsch. (Siehe Anzeige.)

Südwe st deutscher Radioklub. Morgen abend ordentliche Mitgliederver­sammlung. (Siehe Anzeige.)

Literarische Gesells cha s t Gie­ßen. Man schreibt uns: Wie bereits angekündigt, wird Clara Viebig Freitag abend,,am 23. Mai, in der Reuen Mila der Aniversität aus eigenen Wecken lesen. Wo es sich darum handelt^ die Wirklichkeit in starken Gegensätzen zu schildern, prägt sich die Kraft der Dichterin am bedeutsam­sten aus. Die Gestaltung einfacher, triebhafter Ra- turen gehört zum Wesenselement ihres Schaffens. In all ihren Romanen und Rovellen tritt ihr soziales Verständnis für die Parias der Gesell­schaft. für die Armen und Rechtlosen hervor. Richt zuletzt ist es bas Weib, das im Vordergrund ihrer Schilderungen steht, dessen Seelenleben sich ihr im Guten und Bösen enthüllt. Das starke Temperament der Dichterin leiht ihrem Schaffen

Neue Untersuchungen über die Gesundheit der deutschen Studenten.

Die deutsche akademische Jugend ist durch die Traurigen wirtschaftlichen Derhrltni'se bcsonde s bedroht, und deshalb ist ihre körperliche Ertüch­tigung eine wichtige Aufgabe der Hygiene. Zu diesem Zwecke aber ist vor allem eine genaue älntersuchung des Gesundhstts .u tandes der S u- benten und in erster Linie der am meisten gefähr­deten Werkstudenten notwendig. Eine solche syste- rnatifche ärztliche Llntevsuchung ist bereits an= gen Universitäten versucht worden; in größerem .Umfange hat sie Dr. Hermann Rautmann an der Universität Freiburg tx>rg~nommen und berichtet über seine Ergebnisse eingehend in derDeutschen Medizinischen Wochenschrift". Was das Aller anbetrifft, so waren von den 450 untersuchten Studenten, die allen Fakultäten angehörten, e.was über 80 Proz. zwischen 18 und 23 Jahren. Das durchschnittliche Lebensalter betrug 21,1 Jahr. Die Körpergröße war verglichen mit den. im Kriege gefundenen Mittelwerten überdurchschnittlich; sie betrug 172,3 Zentimeter, während sie bei den von Rautmann auf Flugdiensttauglichkeit älntersuchten nur 169,7 Zentimeter betragen hatte. Diese über­durchschnittliche Körperlänge ist auch bei den Tübinger Studenten festgestellt worden. Das Körpergewicht war nur bei 174 normal, bei 230 niedrig und 32 sehr niedrig. Diese Unter- gewicht igkeit ist ebenfalls bei Dresdner und Tübinger Studenten beobachtet. Dieses Unter­gewicht ist itn wesentlichen auf einen Mangel an Fettgewebs- bzw. Muskelsubstanz zurückKaführen und erscheint nicht nur als ein Beweis für die

unzulängliche Ausbildung unserer Studenten dürch Sport und Turnen, sondern auch als ein Zeichen ungenügender Ernährung. Tuberkulöse Lungen­veränderungen sind 32mal festgestellt worden, und auch die Her^zUntersuchung ergab im ganzen wenig günstige Befunde. Sehr schlecht war das Resultat der Qlugenunterfudyung, die nur bei den Studen­ten vorgenommen wurde, welche Gläser trugen oder Beschwerden an den Augen hrtten. Don den 327 augenärztlich ^Intersuchten waren 127 in geringem Grade kurzsichtig, 54 stark kurzsichtig und 9 in schwerster Weise kurzsichtig; weitsichtig waren 70, farbenuntüchtig 21. Im ganzen kommt Rautmann zu dem Ergebnis, dah der Gesund­heitszustand unserer akademischen Jugend gegen­wärtig wenig günstig ist. Er weist besonders auf die ^lntergewichtigkeit bei überdurchschnittlicher Körperlänge und mangelnder Entwicklung des Fettpolsters und der Rttiskulatur hin, ferner auf die erhebliche Häufigkeit der Lungentuberkulose und das verhältnismäßig häufige Vorkommen v)n nicht genügend leistungsfähigen Herzen.Sicher­lich ist dieser ungünstige Gesundheitszustand," so schließt er,zum großen Teil nur ein Ausdruck der jetzigen so überaus traurigen wirtschaftlichen öaqe der Mehrheit unseres deutschen Volkes und insbesondere unseres deutschen Mittelstandes; aber zum großen Teil Wohl auch ein Ausdruck der vielfach noch ganz ungenügenden Ausbildung un­serer Studenten durch körperliche Betätigung jeder Art, vor allem durch Turnen und Sport. Drittens beruht aber mancher körperliche Mangel auch auf ungünstiger erblicher Veranlagung. Hieraus ergeben sich in der Hauptsache drei Wege, auf denen wir die körperliche Beschaffenheit unserer Studentenschaft verbeisern können: durch Beseiti­gung ihrer wirtschaftlichen Rot. durch zielbewußte

Pflege ihrer körperlichen Betätigung und dadurch, daß wir vernünftige rassenhygienische Bestre- bungein in ihren Reihen fördern.

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Wo die Bananen Herkommen.

Bananen find die Modefrucht des Tages. Mag es nun der durch die ganze Welt verbreitete Schlager sein, derAusgerechnet Bananen" uns anpreist, oder bei uns in Deutschland das Wieder­auftauchen dieser Früchte nach langer Zeit des Entbehrens jedenfalls ist alle Welt bananen- hungrig, und der Bedarf übersteigt bei weitem die Erzeugung. Die Bananenländer machen daher die größten Anstrengungen, immer mehr Bananen zu erzielen, und das würde ihnen auch gcknz leicht ge­lingen, wäre nicht der Banane in der furchtbaren Panama-Krankheit" ein verheerender Feind er­standen. Das Hauptland der Bananenpflanzung ist gegenwärtig Jamaika, das früher wegen seines Rums und Zuckers berühmt war, sich jetzt aber hauptsächlich auf den Handel mit Früchten gelegt hat. Der durchschnittliche Wert der Frucht­ausfuhr in den Jahren 1915 bis 1919 belief sich auf 350 000 £, stieg aber 1920 auf 1700 000 £. An d esen gewalli^eri Werten sind hauptsächlich die Bananen beteiligt. 1921 betrug die Ausdeh­nung der Bananenfelder über 23 000 Hektar, und etwa 15 Millionen Bananenstocke werden jährlich ausgeführt, hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten. Alle paar Tage fahren mehrere Dampfer, mit Bananen hoch beladen, nach ame­rikanischen Häfen. Bei der großen Rachfrage machen die Pflanzer von Jamaika die größten Anstrengungen, immer größere Gebiete mit Ba­nanen zu bestellen, und das Jahr 1924 dürfte eine Rekordernte bringen. Hoffentlich macht aber nicht

die Panama-Krankheit einen Strich durch die Rechnung. Diese Krankheit der Banane, die vor 21 Jahren zuerst in Panama festgestellt wurde, und innerhalb weniger Jahre die großen Ba­nanenpflanzungen in diesem Gebiet und in Costa- tica vernichtete, hat sich überall hin ausgebreitet, wo Bananen angebaut werden. In Holländisch- Guayana, wo sie zuerst 1906 auftrat, war 1913 der blühende Bananenbau vollkommen vernichtet. Seit 1912 ist die Krankheit auch in Jamaika, und obwohl es auch hier nicht gelungen ist, die Krankheit auszurotten, so wird sie doch bisher in erträglichen Grenzen gehalten. Die Ursache dieser Bananengefahr ist ein Pilz, der zu der Art Fu­sarium gehört; er greift die Gefäßwände der Pflanze an; seine Sporen steigen mit dem <3aft aus den Wurzeln aufwärts und schaffen überall neue Zentren der Ansteckung. Der Pilz tritt durch die Wurzeln in die Pflanze und benutzt 5um Eingang von dem Boden eine winzige Verletzung des Gewebes. Die Sporen können jahrelang in der Erde leben und werden durch den Wind oder Wasser auf Pflanzungen übertragen, die bisher noch nicht von der Krankheit befallen waren. Der Pilz kann auch außerhalb der Pflanze ge­züchtet und Bananen können künstlich mit der Krankheit angesteckt werden. Die Zeichen des Llnheils, das der Pilz hervorruft, machen sich sehr rasch bemerkbar: die Blätter trocknen aus und werden gelb; die Pflanze wächst nicht mehr und verfault. Man hat versucht, Pflanzen zu züchten, die der Krankheit widerstehen, aber leider ist gerade die bekannteste Dananenart, die Gros- Michel, für den Pilz besonders empfänglich. Immerhin hofft man, eine Banane zu züchten, de» der Pilz nichts anhaben kann.