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Sturmszenen tm Bayern­landtag.

Parlamentarische Sitten derVölkischen

München, 19. Nov. (WB.) Das Plenum des Bayerischen Landtags begann heute vormit­tag die Ausjprcrche zum Etat des Ministe­riums des Aeußern. Probst (Dayr. Vp) trat tür die Beibehaltung dieses Ministeriums als Ausdruck der Etaatspersvnlichkeit Bayerns ein, ferner für die Notwendigkeit der Erhal­tung der innerdeutschen Gesandt­schaften. Auch die bayrische Gesandtschaft beim Vatikan müse aufrechterhalten bl.iben. Redner wünschte weiter, day der landsinän- nische Charakter der Reichswehr in Bayern aufrecht?chalen bleibe. Gen Etate des Amßern w.-rde seine Partei genehmigen, schon als Ausdruck des ungekbrnälertcn VertraueicS um Ministerpräsidenten. Adg Dill (S.) er­klärte namens seiner Partei, daß diese gegen die Gesandtschaften in Stuttgart und beim Vati­kan stimmen werde. Aus politi chen Gründen lehre seine Partei auch das Gehalt des Minister­präsidenten ab. Redner betonte, dah in dem 'Dahlausruf der Bahr. Volkspar.ei vom Jahre 1920 die inner deut! chen Ge'andtsch'f en als Luxus hingestellt werden seien. 'Gill wandte sich dann gegen die 'Demerku"g7n des Minister­präsidenten Held in Tuntenhausen und erklärte, dah die Sozialdemokraten jederzeit den Staat und die Republik mit Rägeln und Zähnen ver­teidigen würden.

3m weiteren Verlauf kam es zu erregten Szenen während der Rebe des vöMschen Abg. Duttmann, als dieser, gegen den Ministerpräsidenten gewen­det, es als eine Llngeheuerlzchkeit bezeichnete, dah Hitler noch in Landsberg schmachte. Don den Bänken der Völkischen wurden beleidigende Zurufe gegen den Ministerpräsiden- t c n gerichtet. Der DrM'che Strasser ric- dem Ministerpräsidenten wiederholt zu:Pfui über diese Klassenjustiz!" Die völkischen Ab- geordnetrn stimmen im Chore ein. 3n de Zwi­schenzeit kam es zu lebhaften Auseinandersetzun­gen zwischen Mitgliedern der Bayerischen Volks- Partei und des Völkischen Blocks, die in einen wirren Lärnr ausarteten. Ein völkischer Abgeord­neter rief im weiteren Verlaufe, zum Regierungs- lisch gewendet:Bayern wird von einer Saubande regiert!" Präsident König- bauer tonnte sich im Hause kern Gehör verschaf­fen. Der Ministerpräsident verlieh schliehlich den Saal: ihm folgte Prä­sident Königbauer. Die Sitzung wurde hierauf unterbrochen.

Nachträglich konnte sestaestellt werden, dah es der völkische Abg?ordnete Strasser war, der, zum Regierungstisch gewendet, gerufen halle: Bayern wird von einer Saubande regiert!", wo­rauf der Ministerpräsident den Saal verlassen hatte. Um 12.40 Hhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen. Präsident Königbauer wandte sich an das Haus mit der Erklärung, ein so schmähliches Vorkommnis, wie es sich eben ereignet habe, sei im Landtage noch nicht da­gewesen.

Der Präsideiit erklärte, dah der völkische Ab­geordnete derartig beleidigende. ungezogene Aeuherungen gegen die Staatsregierung und den Ministerpräsidenten gemacht habe, dah ein Ord­nungsruf nicht mehr in Frage kommen könne und i)ofj er Strasser auf Grund der Geschäftsord­nung wegen gröblicher Störung für Dm Rest der heutigen Sitzung aus- schliehe. 2luf die Aufforderung des Prä­sidenten, den Saal zu verlassen, erhob sich Stras­ser und rief dem Präsidenten zu:Der Schrei nach Gerechtigkeit wird damit nicht unterbun­den werden." "Daraus verlieh er unter Heilrufen den Sitzungssaal. 3n Abwesenheit des Mi­nisterpräsidenten und der Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei setzte hierauf der völ­kische Aba. Luttmann seine Rede fort. Er er- Hätte', daß die Völkischen das Gehalt des Mi- msterpräsidenten ablehnen, um damit zu zeigen, dah sie in der s ch ä r f st e n K a m p f st e l l u n g gegen ihn seien.

Eine Anleihe der deutschen Landwirtschaft in England.

London, 20. Rod. (Sil.)Manchester Guardian" brachte gestern eine Unterredung mit dem zur Zeit in London weilenden Vertreter des Reichslandbundes Baron van der Ropp. Dieser betonte zunächst die freundliche Aufnahme, die seine Bemühungen gefunden hätten, obwohl noch einige technische Schwierigkeiten zu überwinden seien, die sich aus dem Kurs des englischen Pfundes ergeben. Ropp gab dann eine Darstellung der gegenwärtigen Lage der deut­schen Landwirtschaft und sagte, dah der Man­gel an Betriebskapital die größte Schwierigkeit darstelle. Diese Kreditnot könne aus eigener Kraft nicht überwunden werden, da Deutschland keine überschüssigen Er­sparnisse habe. Infolgedessen wäre ein Zu­stand einaetreten, der zu schwerster Besorgnis Anlaß gäbe, da die Landwirtschaft den größten Teil de§ beut'chen CrwcrbLzwesgcs «sinnehme und den wichtigsten Markt für die deutsche Industrie darstelle. Der Mangel an Kapital hindere die Entwickelung, deshalb sähe sich der Aeichslond- bund veranlasst. zu tersuchen, ausländisches Kapital zu beschaffen. Man wende sich an den englischen Geldmarkt nicht nur in der Hoffnung auf Unterstützung durch das englische Kapital, sondern in der Annahme, daß ein Teil der in England angelegten deutschen Kapitalien auf diese Weise wieder nach Deutschland zu­rückwandere. Eine solche Anleihe liege auch im englischen Interesse, da jede Stärkung des Innenmarktes in Deutschland eine Verminderung des deutschen Wettbewerb sauf dem Weltmarkt dar-- stelle. Glüchzeitig würde eine Stärkung der deut­schen Landwirtschaft die Kaufkraft Deutsch­lands auf dem Weltmarkt erhöhen.

Beginn der Kriegsgerichts­verhandlung

im Fall Nathusius.

Paris, 19. Nov. (SH.) General von Aathus us wird heute nachmittag vor dem Kriegs­gericht in Lille erscheinen. Botschaftsrat von Rtttt -len. der schon Dims'ag in Lille eiig?h*o(f~n ist, hatte mit dem General eine lange Unter« rebung. Das Kriegsgericht wird nach dem Oem sich nicht auS höheren Offizieren zu­

sammensehen und der Grad des Herrn von Nathusius wird keine Rolle spielen. Der Ver­teidiger des Generals, Rechtsanwalt Dr. N i - colai, gab einem Pr.ssevertre.er gegenüber se- nem Bedauern Ausdruck, dah die Verhandlung bereits heute beginne. Er betonte, dah er nicht in der Lage gewesen wäre, sämtliche Ent­lastungszeugen, von denen sich einige in Deutschland aufhalten, rechtzeitig zu benachrich­tigen. Im übrigen sei er der festen Heberzeugung, dah die Unschuld des Generals im Verlaufe der Verhandlung ohne weiteres zutage treten würde. Frau von Nathusius wird bei der Ver­handlung zugegen sein.

Gegen Englands Herrschaft in Aegypten.

Ein Mordanschlag ans den Ober­befehlshaber der ägyptrschen Armee.

London, 20. N,v. (SH.) Auf den Ober­befehlshaber der ägyptischen Armee und General­gouverneur des Sudans, Sir L ee S t a ck. wurde in Kairo ein Attentat verübt, über das folgender amtlicher Bericht eingetroffen ist: Als sich Stack in Begleitung seines Adjutanten Campbell vom Kriegsministerium nach Hause begab, wurde auf seinen Wagen eine Bombe ge­worfen, die jedoch nicht explodierte. Darauf folgten seinem Wagen mehrere Männer, die fort­gesetzt aus Pistolen feuerten. Stack wurde von drei Kugeln in den Unterleib, an der Hand und in den Fuh getroffen. Campbell und der Kraftwagenführer wurden ebenfalls verwundet. Der Zustand Stacks, der ins Krankenhaus über- führt wurde, ist bedenklich. Die Täter ent­kamen auf zwei Kraftwagen, deren Nummern je­doch der Polizei bekannt sind. Nach einer anderen Meldung verbargen sich die Attentäter in einem Torweg. Als sie sahen, dah die von ihnen ge­schleuderte Donrbe nicht explodierte, folgten sie dem Auto Stacks in einem Auto und feuerten einige Revolverschüsse ab. Dann bestiegen sie eine in einer Seitenstraße haltende Droschke und fuhren schnell davon. Ministerpräsident Zaglul Pascha, die Minister und die Deputation der Kammer sprachen bei der Botschaft vor und drückten ihren Abscheu und ihr Bedauern über diese Bluttat aus.

Das Attentat hat in allen Kreisen g r o h e Erregung hervorgerufen. Der Chauffeur des Anlos, in den: die Angreifer die Flucht er­griffen, ist verhaftet worden. Zaglul Pascha erklärte dem Vertreter der Reuteragentur, dah die Regierung nichts unversucht lassen werde, um die Schuldigen ausfindig zu machen. Der Ministerpräsident hat an die Bevölkerung einen Aufruf erlassen, in dem er für die Entdeckung der Täter eine Belohnung von 10 030 Pfund Ster­ling verspricht. Zaglul Pascha hat weiter seinen persönlichen Abscheu über das Attentat zum Aus­druck gebracht und zu verstehen gegeben, d^h auch König Fuad das Attentat bedauere. Sir Lee Stack, der am Hnterfcib schwere Verletzun­gen davongetragen hat, ist gestern abend ope­riert worden.

Die britische Presse fordert eine energische Akt on.

London, 20. Nov. (WTB. Funtspruch.) In einem Leitartikel derTimes" heiht es, das in Kairo begangene Verbrechen sei zweifellos ein politisches. Weder die Regierung noch die Volksvertretung Aegyptens, noch Zaglul Pascha tonnten von der moralischen Verantwortung dafür freig sprachen werden. Eine sofortige energische Aktion sei notwendig. ImDaily Expresse" httßt es, die Deklaration vom Jahre 1922 mühte sofort aufgehoben werden, England müsse seine Attionsfreiheit wieder erhalten. Der Traum von einem unabhängigen Aegypten fei vorbei.

Die Kölner Jone.

London, 19. Nov. (Wolfs )Dai'h Mail" berichtet, vorausg:'eht, Deutschaad könne di: Al­liierten überzeugen, daß e3 seine Entw ffnungi- Verpflichtungen erfüllte, so würden die bri.ichen Truppen vielleicht gegen Ende Januar aus Köln zurückgezogen. Die Raumungs- fr age werde Anfang Januar erwogen leer'en. Der diplomatische Berich e.statter terDa ly Herald" schreibt, wie angenommen werde, sei man in der Downing Street der Meinung, dah die Kölner Zone am 10. Januar geräumt werden müsse. Das Quai d'O r s a y aber neige der Ansicht zu, dah die Bearungsperiode erst be­gann. als Deutschland anfing, den Vertrag zu erfüllen, also mit dem letzten Sommer. Diese Frage weree in weniger Wochen entichie- den werden müssen. Di: Ver u ft sage einem, d ß die britische Rcgerung das allgemeine Werk der Befriedung fördere, die französische dagegen es behindere.

Die Opiumkonferenz.

Genf, 20. Nov. (SH.) In der Nachmit­tagssitzung der Opiumkonfprenz wurde der A r - beitsausschuß gewählt, der aus 11 Mit­gliedern zusammengesetzt wurde. Auch Deutsch­land war unter den Gewählten. Es erhielt von 39 abgegebenen Stimmen 27. Darauf machte sich der Vertreter der Vereinigten Staaten, Brant, zum Sprecher aller derer, die von der Kon­ferenz entscheidende Mahnahmen im Kampfe g-'gen die Geisel der Menschheit, Opium und Morp hium, erwarten. Seine von hohem Idealismus getragenen Ausführungen fanden lebhaften Beifall, dem der deutsche Vertreter v. Eckardt in seiner darauffolgenden Rede Ausdruck verlieh. Vitt kommentiert wurde die Aeuherung Bischof Brents, dah das Genfer Protokoll als glänzendes Beispiel für den Fortschritt auf dem Wege der Dölkervcrsöhnung gelte.

Kleine politische Nachrichten-

Markus Wallenberg von 6er Enskilda- Bank in Stockholm ist im Einverständnis mit den alliierten und dentschm Mi gliedern des gemisch­ten Sachlieser u n g sa uSschusses zum neutralen Mitglied ernannt worden.Wal­lenberg hat die Ernennung angenommen.

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Der seit mehreren Sagen In Berlin herrschende Streik der Hochbayner ist gestern abend abgebrochen worden.

Das Kriegsgericht in Amiens hat den früheren deutschen Offizier Otto Berti na und

den Stabsarzt Proles in contumaciam zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

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Das von Italien entgegen den Bestimmun­gen des Friedensvertrages noch beseht gehal­tene österreichische Grenzgebiet der Stadt Thoerl und Hingebung, wegen besten die österreichische Regierung wiederholt bei der italienischen Regierung vorstellig geworden ist, ist gerau mt worben.

In Finnand ist dadurch eine Regie­rungskrise entstanden, dah die Agrarpartei der Koalttionsregierung ihre Hnterstühung ent­zogen hat, die daraufhin ihr Rücktrittsgesuch einrichte.

Aus aller Welt.

Jaur^s Ncberführung in das Pantheon

Paris, 19. Nov. (WB.) Am Freitag, dem 21. November, wird die Leiche Jaares von Alby nach Paris übergeführt. Dort wird sie von Frei­tag ab im Saale Mirabeau im Palais Bour­bon aufgebahrt. Die Wache halten Parlamen­tarier, unterstützt von Mitgliedern der Familie und von Freunden des ehemaligen sozialistischen Abgeordneten. Am Sonntag, dem 23. November, wird die Leiche unter dem Säulengang des Pa­lais Bourbon niedergestellt, um dein Publikum zu gestatten, bis zum Mittag an ihr vorbeizu- defilieren. Hm 12 Hhr setzt sich der feierliche Zug vom Kammergebäude über den Concordienplah nach dem Pantheon zu in Bewegung. Der Leiche werden bei der Heberführung aus dem Kammergebäude und beim Eintritt in dem Pan­theon feierlich: militärischeEhren erwiesen.

Zwei Allgäuer Mordbanditen festgenommen.

I m m e n st a d t, 19. Nov. (WTB.) Die bei­den Banditen Ä o e st l e r und Wiedemann, die den Stationskommandanten Junker aus Krumbach ermordeten und hierauf die Memminger, Illertissener und Krumbacher Ge­gend unsicher machten, wurden abend in einer Alphütte bei Sonthofen fest genommen.

Die größte Funkstation des Kontinents.

München, 1?. Nov. .(WSB.) Die Bau­arbeiten an der neuen Großfunkstation am Herzogs! and (Oberbayern), die von der Firma Lorenz A.-G. Berlin als bi: grblte Sta­tion des Kontinents errichtet wird, sind soweit fortgeschritten, dah das Werk im Sommer 1926 in Betrieb genommen werden kann. Die Station soll Nauen und den Eiffelturm weit an Lei­st ungssähigleit übertreffen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. November 1924.

Die Kupon schere.

In bau Nach last meines Onkels, der neulich die Augen zugcmachi hat, war auch eine Kupon- schere. Sie lag in einem Gehei.nl asten seines Sekretärs wohl verwahrt, aber man sah-ihr an, dah sie in letzter Zeit nicht viel benutzt war. Ich hätte rie sicher nicht als Kuponschere eifannt, wenn ich sie früher nicht vegelmäß g zu den üb­lichen Terminen in seiner Hand gelegen hätte, ir? er mir einmal sagte:Junge, das ist eine Beschäftigung, die gelernt sein w.ll."

Ich habe sie nicht gelernt, und meinem Onkel hat cs in der letzten Zeit, wie gesagt, auch nichts mehr genützt. Cs gehört e c.i zu den Errungenschaften" unserer Zeit, daß solche peni­blen Kunststücke, wie das Kuponabschneiden, aus der Hebung gekommen sind. Die Kuponscheine könnten ja nach wie vor sorgfältig abgesch.litten werden, aber es toäre sch 2de um die Zeit, es verlohnt sich nicht. Wer will denn v el Aufhebens von den paar Pfennigen machen, die mau dabei erobern kann!

Ich habe mir diese Kuponschere nicht ohne Pietät betrachtet und ausgerechnet, dah mein Onkel mit ihr ein ganzes Vermögen forgv.m verwaltet hat Si: lag in der- großen Blech liste, neben denStücken", und erfreute sich immer seiner besonderen Sympathie; sie du ftc zu »sich s anderem als für dies ihe schweres Amt benutzt werden. Ser alte He r wäre böse gercerben, trenn man damit etwa hätte eine Zigarrenspitze a5= schneiden wollen.

Wie es wohl den anderen Kuponscheren er= gehet» mag? Cs gab ja früher ziemlich viele und sie galten als das beste Handwerkszeug, das man sich überhaupt beschaffen konnte. Ob sie nicht längst einer anderen Bestimmung zuaeführt worden sino? Ich hörte jüngst von der Gattin eines früheres Millionärs, die heute mit Weißnähen ihr Leben fristet. Ob da die Kuponscher-e nicht doch noch verwendet ist, oder war sie nicht zu gebrauchen für gewöhnliche bürgerliche Arbeit? Man kann ja mit ihr weder zuschneiden, dazu ist sie nicht groß genüge noch fann man mit ihr Knopflöcher machen, dazu ist sie nicht spitz genug, rurzum, sie will nirgendhin recht passen und ist vielleicht längst unter den Hammer gekommen und jetzt im 'Besitze eines Neureichen, der in Ruhe wartet, daß die alten aufgekauften Kupons aufgewertet werden.

Ich bin zu vorsichtig, um mich von meiner ererbten Kuponschere zu trennen. Sie soll nach wie vor in dem Blechkasten ruhen, wo die von den Banken mit so viel Geschick zusrnmnengelegten Aktien liegen, zur Erinnerung an die große Zeit, als wir ehrfurchtsvoll ihren geschäftigen Dchnit- ten zusahen, vor denen eine frühere Welt den Qltem anhielt.

Sie soll so lange liegen bleiben, bis es vielleicht einmal meinen Hrenteln beschieden ist, wieder in alter Frische Kupons zu schneiden, die im Jahre des Heils 1924 entwertet waren, von denen wir aber alle die stille Hoffnung habeir, das; sie eine bessere Zukunft wieder anerternten wird. M. M.

Gießener WockenmarkLPreise

am 20. November 1924 (Händlerpreise).

Cs kosteten: Butter Pfd. 230, Blatte 40, Käse 75, Wirsing 7, Weihkraut 5, Rotkraut 10, gelbe Rüben 10, rote Rübm 10 Hnler-Kohlradi 6, Grünkohl 15. Rosenkohl 63, Zwiebln 15, Mee.- rettich 35, Schwarzwurzeln 60, Kürbis 8, K r- toffeln 5, Aepfsi 1020. Dirnen 1015. junqe Hah en 100, Suppenhüh er 100, Gän e 93120, Nüsse 60, Eier Stück 18, Blumenkohl 30150, Endivien 1020, Lauch 8, Sellerie 1050.

BornoLrzen.

SageSkalender für Donnerstag, otabttbator: 63/4 HhrKolportage". Deutsch- nat v al Dol s ar e : 8 Hhr. Turnhalle Oswalds- gactcn, ösfenllchc Wählerversammlung. Krie-

getöerein: 81/- Hhr, Postteller. Bionatsvorsamm- lung. Schätz- und Polizeihunde-Sport-Derein 1922: 8 Hhr, Hotel Lenz, auhervrdentliche Ge- ncralversammlung. Astoria-Lichtspiele:Der Seeteufel".

- Deulfchnationale Dolkspartei. Man febreibt uns. In der beut? abend in der SurnbaUe(O6tDC.Iv6gartcn) stallf ndmrdenWähler- Dcifammiang wad Prof. Dr. W erne r-P tzöach über die politische Lage sprechen. Zweiie.' Rednei ist H. D r e wc s - Berlin, ber als SchriftstelleL in nationalen Kreisen eine bekannte Persönlich­keit ist.

Wettervoraussage.

Leicht wolkig, zunächst käl er, später Tempe» raturen rmste'.gend und beginnende Neigung zi> Niederschlägen.

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Nur amtlich berge [teilte Stirnm- zettel gelten! Vom Kreisamt wird uns ge­schrieben: Es wird wiederholt darauf hingewiesen, dast bei der Doppelwahl am 7. Dezbr. nur mit amtlich hergestellten Stirn mfre tteln gewä h l t wird, die nur im Abstimmung zrcmin an die Sümmberechtig e i ausgeg ben werden. Die nichtamtliche Herstellung von Stimmzetteln und deren Derwenduilg widerspricht den ge.etzliche t Beslimmungcir. Derartige Stimmzettel werden ais nichtamtlich hergestellt erkannt werden können und sind deshalb ungültig.

'' Straßenbahnlinie Bahnhof- st r a h eA e u st a d t. Zu dieser Bekannt­machung in unserem Anzeigenteil erfahren wir von zuständiger Seite, dach es sich hierher um die Erlangung der Konzesiion handelt. Falls die Stadtverordne^nversammlung den Dau beschlieht, will man nicht erst gezwungen sein, das lang- dauernde Konzessionsverfahren abzuwarten, son­dern die 'Möglichkeit haben, alsbald mit dem Dau beginnen zu können.

** Ausweise bei Reisen in das besetzte Gebiet erforderlich. Die Pressestelle der Reichsbahndirektivn Frankfurt am Main erinnert daran, dach' auch nach dem jetzt vollzogenen Hebergang der Regi^bahnen auf die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft bei Reisen in das besetzte Gebiet Pässe oder Personalausweise ersorderllch sind.

'^Personalien. Durch Entschließung des Landesamts für das Bildungstvesen wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 ab zu Studien­assessoren ernannt: die Studienreferendare Karb Roller, Dr. Anna K r a u t to u r st, Dr. Berta Schäfer und Dr. Erna S ch u d t, sämtlich zu Gießen.

** Sie Deutsche Demokratische Partei trat gestern abend mit einer zweiten, sehr gut besuchten Versammlung in der Turnhalle am Oswaldsgarten vor die Wählerschaft. Nach­dem der VoZihende, Kreissch-sirat Fischer, die Versammlung und insbesondere die Mitglieder vom Reichsbanner Schwarz-Roi-Gold begrüßt hatte, sprach Ministerialdirektor Hrftabt ein­gehend über die hessische Politik. Er hob hervor, Hessen habe ein großes Interesse daran, dah der bisherige Kurs der Außenpolitik fortgesetzt werde, damit nicht die besetzten Gebiete durch außen­politische Hnbesonnenheiten verloren gehen. Der Freistaat Hessen sei zu einem sehr großen Teil (40 Prozent des Staatsgebiets) besetzt, der Rest allein sei nicht lebensfähig, wenn das besetzte hessische Gebiet verloren gehe. Aus diesen Er­wägungen heraus seien auch die hessische Regie­rung und die Regierungsparteien von vornherein gegen die sog.Versackungspolitik" beim Ruhr- lampf gewesen, weil sie das ganze besetzte Gebiet beim Reiche halten wollten. Auch den Fran­zosen gegenüber habe die hessische Regierung immer ihre volle Schuldigkeit getan, so daß die Franzosen selbst gesagt hätten, bei Verhand­lungen sei die hessische Regierung immer am zähesten. In der Innenpol! tik habe sich die repu- l l lan^sch d mollatisch: R^gierungsweise glanzend bewährt, denn sie habe das Land vor allen, nennensweitten Erschütterungen bewahrt. Als Folge davon seien die 5ina t^en des Staates in guter Ordnung. Der Redner polem fierte hier­aus eingehend gegen die Kritik der bapernbünd- lerischen Presse an der Finanzgebahrung der Regierung und unterstrich dabei, daß sich das Grundvermögen des Staates in der Zeit der jetzigen Regierung um 3000 Morgen ver­mehrt hat und daß darauf keine Schul­

den lasten. An Schulden überhaupt habe der hessische Staat heute nur

3Vs Millionen Goldmark, aber mindestLns eben.-- soviele bare Werte feien zur Deckung vorhanden. Wenn man also wolle, könne man die Schulden an einem Sage bar bezahlen. In den sechs Jahren der jetzigen Regierung habe sich das gesamte h.ssische Staats.e.mögen um 89 M V lionen vermehrt. Dabei seien die eigentticheü Landessteuern hier nicht größer, als in anderen Ländern. Der Ruf nach Sparsamkeit hab; bei ter Regierung stets größte Ausmerkiamk-sil ge­sunden, aber bei näherer Prüfung ergebe sich ost, daß das Sparen doch nicht so einfach sei. Der Redner zeigte dann, in welcher Weise sich ter Beamten:bbau ausgewirkt hat und teilte mit, daß der hessische Staat heute nur noch rund 13 000 Beamte habe, wovon nur 5500 auf die eigentliche V'rwal ung kämen, während de' Rest Lehrer und Poliz.-ibeamte seien. Olur eine demo- kratische Entwicklung in allen S ilen unse.es Lebens und eine demol ati ch-vrpublilo ische Re° ?ictu-g könnten eite ge.echl ch. For entwicklu"g es Staates g währleisten. Mit der Auffcrier-ung, die Demckrati chr Partei am Wahltage zu unter­stützen, schloß der Redner seine beifällig aufge-s nommene l1 .stündige Ansprache. Hier ur lp ach Oberstu ientireftor Dr. Friedrich» Kasstl über die Fragen der Reichspolitik Er huldägte zunächst den Farben Schwarz-Rot-G ld, benei cc den Vorrang vor Schwarz-Weiß-Rot zu p ach. pole- mi'tterte dann xnasfuhrlich g gen die beiden Rechts­parteien und erklärte, die letzige politische Krlle hätte vermieden werden kön en. toemr das Ka­binett vor den R ichstag getreten wäre, wo es sicher für seine Außenpolitik ein Vertrauensvotum erhalten hätte. Weiter trat der Redner nach­drücklich für eine entschieden demokratische und republikanische Führung des Reiches ein und warb zu diesem Zweck ebe sialls um die Hn erstützung her Dem:krat'ischen Partei. Auch diese Ausfüh­rungen fanden starten Beifall. Da eine Aus­sprache nicht beliebt wurde, hielt der Vor­sitzende noch ein kurzes Schlußwort, in dem er besonders auf die Not des be atzten Gebietes hinwies, dem nur durch eine demokratische Po­litik geholfen werden tonne.

** Erledigte Schulftelle. G ledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Voltsschule zu Ettingshausen, Kr. Gießen. Dienstwohnung ist vorhanden.