Ausgabe 
20.10.1924
 
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iieLlung Der Waren zu solchen Preisen ermöglicht. Daß wir aus dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind. Denn unser Inlandsmarkt ist so geschvächt, daß er für die deutsche Erzeugung in vollem Maste nicht ausnahmefähig ist. Die deutsche Produktion muh deshaL auf Den, Weltmarkt hinaus; gleich­zeitig muh aber dafür Sorge getragen werden, dast durch gemähigte Schutzzollpolitik der Iirlandmarkt wieder so gestärkt wird, dast er ständig gröhero Mengen der heimischen Erzeugung ausnehmen und der ausländischen Konkurrenz gegenüber wett­bewerbfähig bleiben kann. Für die nächste Zeit wird der gemäßigte Schutzzoll die beste Stühe für den Arbettsmarkt. sein, der ohne ihn zu­sammenbrechen mühte.

* Stand der Geschäftsaufsichten. Dach den fortlaufenden Listen des Zentralver­bandes des Deutschen Grobhandels (die achte Liste ist soeben erschienen) ist die Zahl der sert Mai ds. Is. unter Geschästsaufsicht gestellten deutschen Firmen bis zum 1. Oktober auf ins­gesamt 3389 (gegenüber 3114 am 1. September) gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von 275 bekanntgemachten Geschäftsaufsichten im Monat September (gegenüber 532 im August). Von die­sen Geschäftsaufsichten sind bis 1. Oktober ins­gesamt 1394 (bis 1. September 867) wieder auf­gehoben worden, davon sind 527 im September (gegenüber 460 im August). Die tägliche Zunahme war also im September etwa 9 (gegenüber etwa 18 im August), während die täglich.n Aufhebun­gen im September etwa 18 (gegenüber etwa 15 im August) betragen haben. Cs ist also erfreu­licherweise festzustellen, dast die Zunahme der Ge­schäftsaufsichten sich erheblich verringert hat, wäh­rend zugleich die Aushebungen sich nicht unwe­sentlich vermehrt haben. Dast dies nicht lediglich der Verschärfung der Bestimmungen über die Geschäftsaufsicht zuzuschreiben ist, geht daraus hervor, dast auch die Konkurseröffnungen seit Juli in Abnahme begriffen sind (Konkurseröff- nungen im Juli 1173, August 855, September 817). Der Selbstreinigungsprozeh der Wirtschaft von Inflationsbetrieben hat zweifellos zu einer ge­wissen Beruhigung des Wirtschaftslebens beige- trogen.

* Ame rikanische Kredite für den Ruhrbergbau. Wie gemeldet wird, hat der Ruhrbergbau, nachdem er vor kurzem einen Kredit von 5 Millionen Dollar erhalten hatte, nunmehr einen weiteren Kredit von 2 7» Mil­lionen Dollar durch Vermittlung des Veuyorker Bankhauses Goldmann, Sachs & Co. aufnehmen Binnen. Der Zinssatz hierfür ist, wie dieDtsch. Bergwerks-Ztg." erfährt, günstiger als für den doraufgegangenen 5-Millionen-Kredit. Zu be­merken ist, daß diese Darlehen von insgesamt Z1/2 Millionen Dollar von der Ruhrkohle 21. G. unbenommen worden sind. Es handelt sich hierbei um einen relativ geringen Betrag, was sich daraus erklärt, dast die Kredite lediglich dazu dienen, den Rest der undislutierbaren Schah- anweisuiagen, die der Bergbau zur 2lbgeltung der Micumlasten seitens des Reiches erhalten, hat, flüssig zu machen. Was den unmittelbares Geldbedarf der Zechen anbelangt, so werden zu dessen Befriedigung die Gesellschaften selbst die Initiative ergreifen müssen, wobei zu bedenten ist, dast bei den heutigen hohen Zinssätzen die Aufnahme groster Auslandskredite Wohl überlegt werden must.

* Rur noch Reichsmarkkonten. Die der Berliner Stempelvereinigung angehorenden Banken und Bankiers haben lautVoss. Ztg." beschlossen, anstatt der bisherigen Dillionen-Mark- oder Rentenmarkkonten nur noch Reichsmarkkonten zil führen. Dementsprechend erfolgt auch die Aus­stellung von Wechseln und Schäks nur noch in Äeichsmark. 2luch die Entwertungsklausel im Ge­schäftsverkehr der Danken kommt künftig in Fort- ' fäll.

* Harpener Bergbau A.-G. in Dort­mund. Schon vor einiger Zeit verlautete in der Presse, dast die Gesellschaft ihr Kapital nicht zusammenlegen werde, da sie dasselbe nicht ver- wässert habe und besonderer Anlast für eine Min­derung des alten Goldkapitals nicht bestehe. Run- mehr erfährt dieDeutsche Bergwerks-Zeitung", dast die demnächst der G.-V. vorzulegende Gold- 'bilanz tatsächlich das bishrrige Kapital von 100 Millionen Gm. ausweist. Wenn es auch nur mit

Seltsame Flitterwochen.

Roman von ArnoK» Fredericks.

24. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Er verliest das Haus. Roch nie in seinem Leben war er so an der Rase herumgeführt, worden. Bon Anfang an hatten in diesem Fall alle Folgerungen zu verrückten Widersprüchen oder zu gar nichts geführt.

In einer Viertelstunde war er auf der Präfektur.

Lefevre liest ihm sagen, er sei noch einige Minuten beschäftigt. Der Detektiv setzte sich und wartete so geduldig als möglich.

Zehntes Kapitel.

Die Begebenheiten auf der Versailler Strohe hatten Grace in gute Laune verseht. Der Plan, zu dem sie geraten, hatte zum Erfolg geführt, wenigstens was sie anlangte. Wie es Lefevre ergangen, wustte sie noch nicht. Sie sah auf das Päckchen aus braunem Papier, das sie jn der Hand hielt, und befahl Valentin, zur Präfektur zu fahren.

Ter Tag war ereignisreich gewesen. Sofort nach dem Frühstück war Grace zum Stapleton-. scheu Haus gegangen und hatte eine lange Unter- redung mit Frau Stapleton. Diese Dame war offenbar vom Schrecken und der Aufregung über das Geschick ihres Sohnes gänzlich niedergeschla­gen und empfing sie in ihrem Bodoir.

Grace hatte gleich beim Eintreten den leich­ten, aber untrüglichen Geruch von Zigaretten­rauch wahrgenommen. Sie sah nad) dem Lisch, der neben dem Diwan stand, auf welchem Frau Stapleton lag. Auf dem Lisch stand ein kleiner

Bille pito Sie

85 Millionen Ult erscheint, so ist dennoch kerne Aenderung vorgenommen worden, weit 15 Mil­lionen Mark Verwertungsaktien darstellen, deren Begebung natürlich nur gegen Hereinnahme ent­sprechender Substanzgegenwerte in Frage kommt. Diese Gegenwerte werden auf der Aktivseite der Bilanz bereits in Ansatz gebracht sein.

* Auflösung des Ritzau-Konzerns. Wie dieMünchener Reuesten Rachrichten" er­fahren, sind die in Bayern abgeschlossenen Ver­sicherungen des Ritzau-Kouzerns von Der Vater­ländischen und Rhenauia-Dereinigten Versiche- rungs-A.-G. in Elberfeld und Köln prämienfrei für das laufende Jahr übernommen worden.

Buntes Allerlei.

Die Schneckenfarm.

Don Fuchsfarmen, Straustenfarmen, Gold­fischfarmen hat man schon viel gehört, aber die Schneckenfarm ist etwas Reues. S.lch-e Zuchlstät en für eßbare Schnecken befinden sich aber ver­schiedentlich in Frankreich, wo die Schnecke seit langem als besonderer Leckerbissen geschätzt wird. Gin Besuch auf einer solchen französischen Schnek- kenfarm wird in einem englischen Blatt geschildert. In einem langen niedrigen Raum sieht man Fächer über Fächer, in Denen auf flachen Ta­bletten zahllose Woinbergsschn. cken in ihren gr .uen Gehäusen liegen. Die Farm liefert bis 5 Millio­nen Schnecken jedes Jahr, hauptsächlich nach Pa­ris, aber auch nach allen anderen Teilen Euro­pas, wo man ein Vorgericht von leckeren Schnecken zu schätzen we st.Die Temperatur must sorgfältig beobachtet werden", erllärte die Leiterin der Farm.Ist sie um einen Grad zu hoch, dann glauben die Schnecken, der Sommer sei gekom­men, wachen auf und kriechen heraus. Solche Läufer" können wir aber nicht gebrauchen, denn die Tiere machen sich schmutzig und werden Dünn, während nur ganz fette saftige Schnecken, die ihr Gehäuse nicht verlassen haben, von den Fein­schmeckern begehrt werden. Im Mai und Juni werden die Schnecken in Den Weinbergen gesam­melt: sie müssen so sorgfältig wie rohe Eier be­handelt werden, denn der kleinste Rist am Ge­häuse würde die Schnecke unbrauchbar machen. Die so gesammelten Schnecken werden dann mit frischen jungen Gemüsen, hauptsächlich aber mit den Schöstlingen der Weinrebe, genährt. Diese Aristokraten Der Schneckenwelt nehmen nur die zarteste und frischeste Rahrung. Verkriechen sie sich zum Winterschlaf in dem Gehäuse, Dann wer­den sie in Den Speichervaum gebracht unD im Ok­tober und Rovember verkauft, Denn Dann haben sie den feinsten Geschmack. Die besten Schnecken kommen aus Burgund und Der Champagne: sehr begehrt sind aber auch die Schnecken aus Savoyen, und überhaupt kann man eine Schneckenkultur überall da anlegen, wo es Weinberge gibt. Die Schnecken werden für Den Transport in flache Körbe verpackt und in ein Bett von besonders getrocknetem Heu gelegt. Gras darf man nicht verwenden, Denn sie könnten aufwachen, von neuem zu fressen beginnen und würden dann unverdau­lich werden. Die Zubereitung erfolgt in der Weise, daß sie zunächst in Essigwasser gekocht werden. Die Schnecke wird dann aus Dem Gehäuse ge­nommen unD ein nicht eßbarer Teil entfernt. Danach werden sie 10 Minuten in laufendem Wasser abgespült: etwas Salz wird zugesetzt, sie kommen in die Gehäuse zurück und werden Dann 10 Minuten im heißen Ofen gebacken. Dann wird das Gehäuse mit geschmolzener Butter gefüllt, und je nach Dem Geschmack werden noch einige Gewürze hbrzugetan."

Vorläufer der Schreibmaschine.

Die Geschichte Der Schreibmaschine, Deren Nützlichkeit, ja Unentbehrlichk.tt heute über jetcn Zweifel steht, weil, wie so viele andere Erfindun­gen der Technik viele vergebliche Versuche auf, ehe sie sich Die allgemeine Anerkennung errang. Die ersten Pläne, eine Maschine zum Schreiben zu konstruieren, reichen, wieScientific American" berichtet, bis in Das Jahr 1680 zurück: es bedurfte also eines Zeitraumes von zwei Jahrhunderten, bevor sich die Schreibmaschine in der Praxis durchsetzte. Der erste Versuch gehr auf einen Lon­doner Ingenieur Henry Mill zurück, Dec für seine Erfindung 1714 den Schutz des britischen Patentamts erwarb. Es war eine recht primitive

Aschenbecher aus Porzellan, Der grauweiße Asche und den halbgerauchten Rest einer Zigarette ent­hielt. Das Ende, zum Teil von Asche verdeckt, war vergoldet.

Die Besucherin verwickelte Frau Stapleton in ein langes Gespräch, beruhigte sie über ihre Desürchtungen, die ihr nicht gekünstelt schienen, und prophezeite die rasche WieDerentdeckung des Knaben. Es war leicht ersichtlich, daß Frau Stap­leton furchtbar aufgeregt war. Obwohl Grace selbst nicht rauchte, kannte sie doch die beruhigende Wirkung des Rauchens auf Die Rerven und wußte, wie unentbehrlich es Gewöh.iheiisrauchern ist.

Run beobachtete sie, daß Frau Stapleton in ihrer linken SjanD unter den Falten ihres Kimo­nos eine kleine Pappschachtel eine Zigavetten- schachtel hielt. Grace machte eine vertrauliche Ärwegung.

Könnte ich eine Ihrer Zigaretten haben, Frau Stapleton?" fragte sie in liebenswürdigster Weise.Ich habe welche mitzunehmen vergessen und Sie wissen, wie es ist."

Lieber Frau Stapletons Züge ging ein Lächeln. Sie hatte dagelegen und sich gefragt, ob sie Grace eine anDieten dürfte, um auch ihre eigenen überanstrengten Rerven beruh gen zu können. Sie brachte Die Schachtel hervor und bot ihrer Besucherin eine an. Grace nahm eines Der Dünnen Röhrchen und zündete es an.

Es war dieselbe Marke, wie jene, die sie in Alphonse Valentins Zimmer an sich genommen hatte.

Grace ging kurz daraus fort Sie war sehr erstaunt. Die ganze Sache fing an, voller ver­wirrender Widersprüche zu fein.

Den Rest des Vormittags und Den größten Teil des Rachmittags verwanDte sie dazu, die

Maschine, die ferne Beachtung fand. Zwischen 1721 und 1784 fallen zwei Versuche französiicher Er­finder, mit gleich geringem Erfolg wie Der erste. Auch das zehn Jahre später von einem Ameri- faner angemelDete Patent blieb ohne Einfluß auf die Weiterentwicklung. Interessant ist die in Das Jahr 1851 fallende Erfindung eines französischen Blinden, Pierre Faucoult, Dein es gelang, eine Schreibmaschine für Blinde zu bauen, inDem Die Schriftzeichen von Der Maschine so tief in Das Papier eingegraben wurden, Dast sie durch Ab­tasten abgelesen werden konnten. 1856 wurde d e von Dem Ameri-Vaner Baach g baute,Type-bar" genannte Maschine mit Der goldenen Medaille ausgezeichnet, als die erste ihrer Art, der eine Anerkennung von feiten Der Regierung zuteil wurde. Bei dieser Maschine wurden die Zeichen auf einen langen schmälen Papierstreifen ge­schrieben. Doch erst Die von S. W. Francis in Reuhork hergestellte Schreibmaschine ähnelte in ihrem Mechanismus unD ihrem Aussehen unseren heutigen. Damit war Der Bann gebrochen, und in Der Folgezeit Lösten immer neue Vervollkomm­nungen einander beständig ab. Thomas Hall, ebenfalls ein Ameritaner, schuf eine fast voll­kommene Maschine, der in Den Jahren 1860 bis 1865 zahlreiche andere folgten. Run schritt man auch zur handLlsinäst.gen Ausnutz;ng der neaen Erfindung durch ein im Jahre 1363 erwo.benes Patent Latham Sholes. Zehn Iah e später waren bereits über 3000 Schreibmaschinen mit verschie­denen Typen über die ganze Welt verbreitet.

Büchertisch.

Aus*gerechnet Paul Simmel lau­tet der Titel eines neuen, hüt einem originellen farbigen Selbstbildnis des Künstlers geschmückten, prächtig ausgestatteten Quartalbums, in Dem der beliebte Künstler und Mitarbeiter der Lustigen Blätter auf 64 Seiten eine von ihm selbst ge­troffene Auswahl feiner lustigen Bilder mit hu­moristischen Texten bietet, die sonst noch nirgends veröffentlicht wurden und die mit ihrem drasti­schen Humor, ihren urkomischen Situationen, den immer treffsicheren Pointen wieder wahre Lach­salven herv«7rufen werden I (Verlag von Dr. Eysler & C-v. A.-G. in Berlin SW 68.)

Herrn. Anders Krüger, Verjag­tes Volk. Eine Thüringer Waldtragödie. In Ganzleinen 5 Gm. Verlag von Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. Der weithin be­kannte Verfasser desGottfried Kämpfer" und Kaspar Krumbholtz" schildert in dieser um die Mitte des vorigen Jahrhunderts spielenden Er­zählung Den zähen Kampf thüringischer Wald­bauern um ihre Heimat. Durch kleine Wild­diebereien hat sich das Dörfchen, das aus elf Häusern besteht, Die lllngnade des Herzogs zu­gezogen. Dem leidenschaftlichen Rimrvd liegt sein Wild und feine Jagd mehr am Herzen als das Wohl und Wehe dieser Handvoll Menschen, die ihm unbehaglich werden. Mit allen Mitteln sucht er Die Leute zur Auswanderung zu veranlassen, aber je mehr er sich müht, um so mächtiger und zäher wird Der Widerstand, um so mehr klammern sie sich an ihre Heimatscholle, Der sie kaum ihr tägliches Brot abzuringen vermögen. Führer in ihrem schweren Kampfe wird ihnen schließlich ein Mann, der es versteht, die wilden Gesellen die Masker vom Rennsteig nennen sie sich voll­kommen in seinen Bann zu zwingen, und nun geschieht das Tragische: Diese hart bedrängten Menschen fotzen Den Herzog und Die Behörden ins älnrecht. Denn ihr Schulze und Führer, der Ratter­feld, weih alles, was an Edelmut und urwüchsiger Tüchtigkeit in diesen Aattirkindern schlummert, zu trecken, uriD die Flamme der Begeisterung und der Heimatliebe anzufachen, daß sie rein und hell emporschlägt. Ztrar muh die kleine Schar der starken Gctt-alt Weichen, aber wie sie sich mit zäher Beharrlichkeit jede Handbrett Bodens abringen läßt unD den Widerstand selbst Dann noch nicht aufgibt, ckls das Dörfchen längst vom Erdboden verschwunden ist, das ist mit einer grandiosen Eindringlichkeit, mit einer bewundernswerten Sprachmeisterschaft erzählt. Die Gestalten, wie Krüger sie schildert, sind von einer wundervollen Plastik und von lebenswarmer Lebendigkeit. Hier fühlt man Seite um Seite, daß ein Dichter diese Tragödie aus mitfühlendem Herzen, aus Dem Erlebnis heraus gestattet hat.

Ossip Schuvin.Der Rosenrav«^ l i e r. Roman. Verlag von Georg Westermamtz Braunschweig und Homburg. In Ganzleinen 5. Gm. Zu ihrem 70. Geburtstag schenkt Ossip Schu­bin dem deutschen Volke noch ein Buch, das viel­leicht ihr reifstes und tiefstes genannt werden Darf. Das Hauptmotiv von Strauh-HofmannsthalS Ro­senkavalier bildet auch in dieser feinen Dichtung gleichsam den Grundakkord, aus dem alle Disso­nanzen sich ableiten und zu Dem sie sich in wei­cher Moll-Modulation wieder auflösen. Eine berühmte Sängerin, Die alle Triumphe gefeiert hat, welche das Künstlerleben zu bieten vermag, kämpft in verzweifeltem Ringen mit Dem Alter, das sie unbarmherzig von der großen Bühne Der Well hinweg Drängt. Mit feinstem Zartgefühl hat nun Die Dichterin Diesen seelischen Kampf nacherlebt, ist Den geheimsten Regungen menschlichen Erle­bens unD EmPfinDens nachgegangen unD hat Die tiefsten Wurzeln künstlerischen Schaffens aufge­spürt. Alle große Kunst wurzelt in Gros. Es ist Die gleiche Quelle, aus Der menschliche Gröhe und künstlerische Leidenschaft emporsteigen. älnd so muß notwendigerweise das Ringen jener alternden Künstlerin um ihre Stimme, um Diö'-dramatische Wucht schöpferischen Erlebens, auch zu einem tra­gischen Konflikt führen, der nichtkünstlerischen Menschen wohl meist erspart bleibt, weil Tempera­ment, Erziehung und Gewohnheit sich gegen Die unerbittlichen Gesetze Der Ratur nicht in so star­kem Maße auflehnen, wie es Die eruptive Kraft Des schöpferischen Menschen tut. Es wird niemand Das Buch ohne Spannung lesen, unD niemanD wird es aus Der Hand legen, ohne vor Dem Rätsel Weib unD vor Dem ewigen Kampfe Der Ratur in Ehr­furcht zu erschauern.

Casar Flaischlen. Kunst und Le- ben. Von G. Stecher. (In Der SammlungDich­tung und Dichter".) Mit einem Bildnis des Dich­ters. Gebunden 3.50 Mk. 'Stuttgart, Deutsche Der- lags-Anstatt. In vier großen Abschnitten Suchen, Irren, Finden, Hüten, die wie ein Wandel der Jahreszeiten anmuten, zieht Cäsar Flaischlens Dasein und Schaffen, diese seltene Einheit von Kunst und Leben, an uns vorüber. G. Stechers Darstellung ist ebenso auf der genaue­sten Kenntnis vom Werden und Wesen des Dich­ters aufgebaut, wie sie, mit sicherem geschulten Blick für ästhetische Werte und sittlichen Gehalt, ein geistiges Bild des auf der Hohe seiner Kraft h nweg genommenen Kämpfers Sängers und Men­schenfreundes, dieses wahrhaft praktischen Idea­listen gibt. Das Buch wird all denen, die Cäsar Flaischlen Heben und ehren. Der über das ganze deutsche Sprachgebiet ausgedehnten Gemeinde De3 Dichters, besonders wertvoll und willkommen sein Darum, weil es, als biographische Rachfüh- lung seiner ganzen Lebensdichtung, in allen Stücken echt und wahr, selbst etwas von Dem Glanze an sich trägt, Der diesem Künstlerdasein Die Weihe Der Vollendung schenkte.

Das nackte Leben, Der neueste Ro­man des österreichischen Erzählers Friedrich von Gagem, Darf zu Den besten Romanwerken, Die unsere deutsche Romanltteratur aufweist, gerechnet werden. Im geheimnisvollen Marokko und in Der grünen Dergeswelt des Atlas spielt Die Hand­lung dieses Romans eines einsamen Menschen, der Die wahre Freiheit fern von der Kultur findet. Das Werk, das sicherlich bei seiner Lefev- schaft starken Beifall finden wird, zeichnet sich nicht nur durch spannende Handlung aus, sondern auch vor allem durch Die wundervolle schöne Sprache und Darstellungskunst. Erschienen ist dies emp­fehlenswerte Buch ttn Verlag von Paul Paretz. Berlln SW 11.

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Hauser in der Rühe des von Valentin bezeich­neten Punktes zu durchsuchen. Sie war von Drei Leuten des Präfekten, verschwiegenen, erfahrenen 'Männern, begleitet, Die vorgaben, sie seien Zirkus­wärter und suchten eine gefährliche Sohra, die in der Rocht* vorher aus ihrem Käsig entschlüpft sei.

Die beftürgten Hausbesitzer öffneten i'xe Tore unverzüglich Der Gedanke, eine giftige Schlange im Garten zu haben, war ein wahresSesam, offne dich!" Qtber nirgends zeigte sich eine Spur des vermißten Kindes und was Gvace immer seltsamer vorkam: sie war nicht imstande, einen Der oteten Gärten als Den zu bezeichnen, in Dem sie das Kind mit Denn Pudel hatte sp eien sehen.

Davon war sie sehr enttäuscht. Sie wußte wohl, daß der Garten, falls Valentin die Wahr- heit sagte, hier fein mußte: aber trotzdem sie jedes Haus im älmkreis einer Viertelsmeile be­sichtigte, war cs ihr unmöglich ihn zu finden. Jetzt erinnerte sie sich auch, daß sie m ihrer Er­regung bei der genauen Betrachtung Des Kin­des keinen besonderen Eindruck vom Garten selbst festgehalten hatte. Sie erinnerte sich nur eines Grasplatzes, eines Weges, Der mit Kies beworfen war, und des Kindes, Das mit dem Hund spielte. Gin Dutzend Der kleinen Gärten sah ähnlich aus. So kehrte sie verwirrt zur Prä­fektur zurück.

Valentin hat zweifellos gelogen," erklärte ihr Lefevre.Er lügt, um Sie irrezuführen, in Der Absicht, der Wärterin und vielleicht ebenso auch Frau Stapleton zu helfen. Ich wäre nicht erftaimt, zu entdecken, Daß Des Knaben Mutter Die Schuldige ist!"

"Grace teilte seine Meinung nicht, also fchwieg sie. Trotz Der Tatsache, daß Frau Staplekon die­selben Zigaretten rauchte, die da auf unerklärliche

Weise eine so große Rolle spielten, hatte sie daS Gefühl, daß der Schmerz Der Frau des Bankiers natürlich war.

Um halb acht Uhr verlieh Grace die Prä­fektur in einem schweren Kraftwagen, Den ihr Lefevre zur Verfügung gestellt hatte. Alphonse Valentin lenkte ihn. In der Hand hielt sie eine elektrische Taschenlampe, vor deren Linse ein blaues Glas festgemacht war.

Zehn Minuten vor acht Uhr war sie in Versailles. Plötzlich befahl sie Valentin, umzu- kehren und mit mäßiger Geschwindigkeit nach Paris zurückzufahren. Sie zog ihn mit ihren Absichten nicht ind Vertrauen, sah aber scharf nach dem Wagen mit Stapleton aus.

Ihr Plan war gelungen. Stapleton hatte ihr Zeichen gesehen und ihr Das Päckchen zuge­worfen wenn nur Der andere Teil Des Planes ebensogut geraten war!

Dieser war folgender: Lefevre, Der an Wuchs und sonstiger Erscheinung Stapleton nicht un­ähnlich war, sollte dem Wagen Des letzteren fcx einem derselben Marke und Att folgen. Er sollte von einem Chauffeur geführt werden, Der so ver­kleidet war, Daß er im Zwielicht Des frühen Abends für Francois gehalten werden konnte. Auf dem Boden des Wagens lagen zwei be­waffnete Männer versteckt.

Wenn Stapleton feinen Wagen zur Rückfahrt nach Paris lehrte, nachdem er das Geld, ohne es zu wißen, Grace zugeworsen hatte, sollte Dec Präfekt nach Versailles weiterfahren. Er wußte ja Dann, daß ihm der Wagen der Verbrecher noch entgegen kam wäre es nicht der Fäll gewesen, so hätte Stapleton von ihnen statt Dort Grace das Zeichen erhalten.

(Fort) etzung folgt.)

Ihre Garderobe (Herren-, Damen- u. Kinder- Kleider), Decken, woll. und seid. Vorhänge, Gardinen, Federn, Handschuhe etc. etc. Die meisten Gegenstände lassen sich durch chemisches Reinigen oder Färben sicher wieder wie neu herstellen.

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