iir. 2V Zweites Blatt Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 20. Gttover (92^
Das neue geheime Dokumentenmalerialaus den Russischen Staatsarchiven.
DDG. Das neue Aktenwerk des Auswärtigen Amtes „Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis 1911* bis 1914“. Aus den Gcheimaktcn der Russischen Staatsarchive. 3m Auftrage des Deutschen Auswärtigen Amtes in deutscher Übertragung herausgegeben von Dr. Friedrich Stieve. Dortragender Legulionsrat im Auswärtigen Amt, umfaßt den Zeitraum vom 1. Januar 1911 bis 30. 3uni 1914 und behandelt die Be- ziehungen -wischen Frankreich und Ruhland innerhalb dieses dem Weltkriege unmittelbar vor- hergehenden Zeitraumes. Sie stellt zus.rmmen, was an einschlägigem Altenmaterial für diese Epoche und für dieses Thema bisher von russischer Seite veröffentlicht worden ist, und fügt diesem Material nicht weniger als 5 5 6 völlig neue Dokumente hinzu, die bisher nicht veröfsentlicht waren und unmittelbar aus dem russischen Original-Aktentext, also nicht aus gedruckten Quellen ins Deutsche übertragen worden sind. Der Zusammenstellung des Materials liegt die folgende Absicht zugrunde: Seit Beendigung des Weltkrieges sind aus den Geheimarchiven des ehemaligen zaristischen Ruhlands in wachsender Zahl diplomatische Dokumente veröffentlicht worden, die bald einzeln in Zeitungen und Zeitschriften, bald in gröherer Menge in Gestalt von Urkunden-Sammlungen im Druck erschienen. So begrüßenswert diese Publikationen vom Standpunkte des wissenschaftlichen Forschers auch waren, so ergab sich doch allmählich der mihliche Umstand, dah das überaus reichlich ausgestreute, aber auch ungeheuer verstreute Material nicht mehr zu übersehen war und dah dadurch die wissenschaftliche Handhabung bedenklich gehemmt erschien. Außerdem waren wichtige Publikationen nur in russischer Sprache herausgelommen und deshalb ohnehin nur wenigen Sprachhindigen zugänglich. So entstand die selbstverständliche Forderung, den vorliegenden Stofs einmal zu ordnen und nach bestimmten Gesichtspunkten zusammenzu- tragen.
Durch einen besonderen Glücksumstand war es aber nicht nötig, sich auf dies aus den verschiedenen Quellen zusammengetragene Material zu beschränken. Die ganze Publikation umfaht 1 3 7 4 Dokumente. Davon sind, wie oben gesagt, 556, also fast die Hälfte der Forschung, noch völlig unbekannt, auch in russischer Sprache bisher noch nicht veröffentlicht. Durch dieses beispiellos umfangreiche Material gelingt es der neuen Publikation selbstverständlich, das Bild, das sich der Forschung bisher aus dem verstreut veröffentlichten Stofs ergeben hatte, eigentlich erst richtig sichtbar zu machen.
Die Reihenfolge der Urkunden ist streng chronologisch, weil nur durch genaue zeitliche Zusammenstellung die genaue Folge der einzelnen Dorgänge und Aktionen erkennbar ist. Dei der Auswahl der Dokumente war allein ihre Zuverlässigkeit maßgebend. Der Zweck der Sammlung ist. den Historikern und dem an der Vorgeschichte des Weltkrieges interessierten Laien einwandfreien Stoff zu bieten, der es ermöglicht, an der Hand einer einwandfrei übersetzten, klaren Zusammenstellung den Gang jener Ereignisse zu verfolgen, die zu der Katastrophe von 1914 geführt haben. --
Sozialdemokratische Selbstbeleuchtung.
In der sächsischen Sozialdemokratie ist bekanntlich ein heftiger Streit über die Fortführung der großen Koalition ausgebrochen. Die rabifalifierte Ma s.' der Partei will von einem Zujammenarbe.len mit den bürgerlichen Parteien nichts wissen und richtet die heftigsten Angriffe gegen die eigenen sozialdemokratischen Minister. Für diese hat der sozialdemokratische Ministerpräsident Heldt eine Verteidigungsschrift h-rausge eben. Die .Rote Fahne" ist in den Besitz der Heldischen Broschüre gelangt und gibt seit einigen Tagen daraus interessante Kostproben. Der Streit scheint sich besonders darum zu drehen, dah die sozialdemokratischen Minister, von den bürgerlicheir Parteien gedrängt, eine Musterung unter den wahllos angestellten sozialdemokratischen Beamten gehalten haben. Rach dem Zitat der „Roten Fahne" Rr. 133 vom 17. d. M. sprechen die vier sozialdemokratischen Minister dem sattsam bekannten Polizeiobecsten Schüt- zinger jede Berufs- 'ünd Fachkenntnille ab. Er ist als früherer Armeehauptmann nach der Revolution zu der Sozialdemokratie gekommen und hat seine Eignung zum Polizeiobersten dadurch zu erweisen gesucht, dah er einen Plan • aufgestellt habe, „wie die Polizei mit wenig Maschinengewehren und gar keinen Feldwnfsen gegen
Haisischsang im Polarmeer.
Erne merkwürdige Industrie, die im allgemeinen nur wenig bekannt ist, stellt die Jagd auf Haifische im Polarmeer dar. Wahrend die großen und gefährlichen Arten des Hai die südlichen Meere bevölkern, sind die wenigen Arten der nördlichen Meere besonders gesucht wegen ihrer einen guten Tran enthaltenden 2efcr. Dw Jagd auf diese Haie bietet freilich wenig Romantisches. Der Mitarbeiter eines englischen Blattes hat die Fahrt eines solchen Walfischjägers mit- gemacht und entwirft von seinen Erfahrungen nun folgende Schilderung: Haifischjagd! Schon tauchen Visionen auf von aufregender Venu° gung dieser gefährlichen Bestie, von sonnigen Wogen, überspülten: Deck, von heißem mühevollen Kampf und endlichem triumphierenden Sieg der Seeleute über ihren alten zähen Feind, den Hai! Doch wie anders spielt sich in Wirklichkeit wenigstens der dem Erwerb dienende Hai- fischfang ab. Es handelt sich um eine arktische Art, die glücklicherweise nur in hohen Breitengraden vorkommt: denn das Erscheinen eines dieser 6 Meter messenden Exemplare vor einem der Badeorte an Europas Küsten würde bestimmt den Ruin der Badesaison bedeuten. Dort )ben rrlso, etwas westlich von einer Linie v)m Rordkap bis Spitzbergen, bei Storeggen ist baä Jagdgebiet des Hais in einer besonders tiefen Ducht. Rrchts gls Rebel. Schnee, Eis und graue Oede herrschen
die Reichswehr operieren sollte“, lieber einen Oberregierun^Mrat Günther heißt es „Ein junger Mensch in den 20er Jahren, ohne genügende Vorbereitung." Man hat ihn cms dem Ministerium entfernt und ihn in eine Amtsl-aupl- mannschaft versetzt, damit der junge Mann erst etwas lernt. Das Urteil der sächsischen Minister über den Polizeipräsidenten Menke lautet dahin. dah Menke ein unbeherrschtes Element sei, dem jede Cigendisziplin mangele. Menke habe nachts Schuhnrann in Zivil gespielt, Passanten das Singen verboten und, toeim sie nicht gehorchten, Schüsse gegen sie abgegeben. Dagegen habe er bedrängten Polizeibeamten verboten, von der Wafse Gebrauch zu machen, und Polizeieinsatz auf kcmnmnistische Vorstellungen hin zurück ew- gen. Die „Rote Jahne", der wir diele Feststellungen entnehmen, ist natürlich aufs heftigste erbost darüber, daß man einen so „zuverlässigen" Bundesgenossen wie Menke kaltgestellt hat. Aber es ist auch für die Einstellung eines großen Teils der sozialdemokvallschen Partei, insbesondere ih er auf Beförderung wartenden Funktionäre kennzeichnend, daß sie ebenfalls gegen die notwendige Säuberung der sächsischen Verwaltung von ungeeigneten Elementen protestie- rcn. Der Grund ist Hur. Wnm die Mitgliedschaft zur sozialdemokratischen Partei allein nicht mehr zur Anstellung und Beförderung zum Ober rcgierungäiat und Polizeipräsidenten hinreicht, wie sollen dann Parteifunktionäre ^nd Genossen ohne Vor- und Fachkenntnisse eine gute Siaats- anstellung erlangen?*
Turnen, Sport und Spiel.
Ein Ehrentag für Wilhelm Will ((Yieften).
■o- Gießen, 19 Oft. Der 60 G ebur ts- t a g seines Gauoberturnwarts W i l h Will (Gießen) gab dem Gau Hessen heute die willkommene Gelegenheit, ihm, seinem langjährigen turnerischen Führer und Erzieher in eindringlicher, machtvoller Weise zu zeigen, wie innig feine Person und sein Wirken mit allen Gauangehör:- gen verwachsen ist. und welches große Kapital an Anerkennung und Dankbarkeit er in den 21 Jahren an der Spitze der turnerischen Leitung des Gaues angesammelt hat. Um 111/2 Uhr vereinigte eine ösfentliche Feieraiif Oswaldsgarten die oberste (Saufeitung mit allen füh,'enden Turnern des Gaiies, zahlreichen £urnem, Turnerinnen und Turnfreunden Ein erhebender Augenblick war es, als die Eillwtenläufer aus den sechs Bezirken des Gaues ihre Huldigung dem Jubilar zu Füßen legten Ueber 2000 Läufer hatten die Eh ren°Ur künde von Hand zu Hand gegeben und damit auch ihrem Führer in Gedanken die Hand zum Glückwunsch gereicht. Der 1. Bezirk hatte seine Staffel von W a l l a u über Biedenkopf und Marburg gelegt, der 2 kam von W e r d 0 r f über Wetzlar, der 3 durchlief vom Hoherodskops bis Gießen eine Strecke von 60 Klm., der 4. verband auf einer Strecke von 90 Klm. die Fulda mit der Lahn von Pfordt über Schlitz, Lauterbach (SpiehturnHalle), Groß - Felda und ©rünberg, der 5. nahm 40 Klm. von Rieder-Wöllstadt aus, und der 6., begann schon 6.20 fiühmorgens feinen Lauf von Altenlotheim (Eder) her über Frankenberg und Sarnau Der 1. Gauvertreter. Arthur Pfeiffer (Wetzlar), brachte dem langjährigen Turnfreund und Mitarbeiter, unter dessen Führung sich der Gau von 50 auf 180 Vereine gehoben hat, in warmherziger Ansprache zum Ausdruck, daß in dieser Stunde Tausende von Turnern im Gefühl dankbarer Verehrung seiner Wirksamkeit für körperliche Ertüch igung, für deutsches Volkstum und Da erfand gedächten, und dah die Ideale Jahns sich als reich genug erweisen, den Inhalt einer Lebensarbeit im Dienste der Volksgemeinschaft zu bilden. Er überreichte eine kunstvolle Mappe, die die Urkunden dieses Ehrentages bewahren solle, und gab den Beschluß der Gauleitung bekannt, daß von nun an dieser Staffellauf alljährlich im Herbst stattfinden und zur Ehre des Jubilars den Ramen „W i l h e l rn W i l l - S t a f f e l" tragen soll. Lebhafte Genugtuung lösten die Worte aus, die der 1. Vorsitzende der D. T. Professor Dr. Osk. Berger (Berlin-Charlottenburg) schrieb: „So sende ich Ihnen denn im Ramen des Vorstandes der D. T. ebenfalls die herzlichsten Wünsche und den Dank, dah Sie mit solcher Treue und Aufopferung an unserer ebten Sache bislang mit uns gearbeitet haben. Ihre Begeisterung und unseres Volkes tiefe Rot werden Sie, davon bin ich überzeugt, an dieser so notwendigen und wertvollen Arbeit festhalten lasten. Möge Ihnen dazu der Himmel fernerhin Gesundheit und Kraft geben!" Universitäts-Oberinspektor Erle überbrachte die Glückwünsche des 2. Bezirks, in dem Wilh. Wills Geburtsstadt Wetzlar liegt, und in dem er in Giehen seine zweite Heimat gefunden habe. Der Gießener Turnerschaft fei er stets ein treuer Berater und Förderer gewesen und solle es auch bei dem großen Turnfest des Mittelrheiickreifes sein, zu dem sich Gießen für nächsten Sommer rüstet. Die Feierstunde war von
hier den größten Teil des Jahres. Ein vereinzelter Segler, ein schmutziges Kohlenschiff von Spitzbergens Kohlenlagern, ja auch im Sommer wohl ein fern auftauchender Dergnügungsdampfer, sonst nur die unermehliche unbelebte Fläche des Meeres. Hier treiben die norwegischen Fischer ihr seltsames Gewerbe. Ihre Deute, ihr Gewinn ist das in den Lebern von Grönland-Haien ent» haltene Oel. Diese Lebern sind oft von solcher Gröhe, dah eine allein manchmal ein ganzes Faß füllt, wie es für die Aufbewahrung der Ausbeute mitgefühit wird . . . Auf dem erwählten Gebiet wird allo A'.cker geworfen. Unten, 250 Meter tief, sind die Jagdgründe, und dorthin wird als Lockspeise ein Gesäh mit nicht übermäßig frischem Robbenspeck versenkt. Dann werden die durch kurze Kelten verbundenen und gesicherten Angelhaken noch mit Lockspeise von Robbenfleisch gespickt. Die Sicherung durch Ketten ist sehr wichllg, denn die Zähne eines Hais arbeiten gleich einer Bandsäge. Wenn nun das Glück gut ist. beginnt also der Spaß. Das heißt, eigentlich ist's gar fein Spaß, denn schläfrig und widerstandslos läßt sich der Hai mit Hilfe eines Hakens, der in fernem Körper fest sitzen muh. und mittels eine5 Flaschen- -uges über Bord aus ungeheurer Tiefe des Eis- wasfers herauflotfen. Ist er auf Deck, so wird die beiß begehrte Leber herausgeschält. aber der nun tperttofe Körper wird nicht etwa über Bord geworfen. denn dann würden ja alle Haie der Rach- barsch ast von den Angelhaken durch diese schwim-
dem gemeinsamen Gesang zweier Turnerlieder umrahmt und schloß mit einigen schlichten, herzlichen Dankesworten des Gefeierten, wie sie ihn die tiefe innere Bewegung des Augenblicks finden ließ. Am Rachmittag fand im dichtbesetztcn Saale des „Felsenkellers" im Kreise der Vorsitzenden der Gauvereine eine Rachfeier statt, bei der der Jubilar noch manches Ehiengeschenk zu seinen vielen Brief», Draht» und Blumengrüßen hinzu» nehmen muhte, und bei der die reichen persönlichen Beziehungen ijuni Ausdruck tarnen, die W,lh. Will in seinem langen, erfolgreichen Zürne rieben zu schaffen vergönnt gewesen sind.
Fr. T. Wicscck.
Die Planierungsarbeiten auf dem W i e - feder Sportplatz „Philosophenw ald" sind nahezu vollendet. Der Platz stellt sich immer mehr als eine der schönsten' Sportplatzanlagen im ganzen hiesigen Bezirk heraus Ds zum Beginn der Rachrunde der Verbandsspiele hofft man den Platz in mustergültiger Belastung zu haben. Mehr als je hat dann der Ruf Be ech- tigung: Jugend heraus! Heraus aas den vom Tabak verqualmten Kneipen, treibt Sport irgenowelcher Art. der für die jungen Körper besser ist als das Hocken hinter Karten und vollen Gläsern — und, was bei den gegentDärtigen Verhältnissen mit die Hauptsache ist, billiger! So hat sich die Freie Turnerschaft Wieseck im Lause der letzten Jahre eine große Spor!a>rhängerschaft anerzogen, wie die Spiele am gestrigen Sonntag erneut bewiesen Der welle Platz war rings umsäumt von Zuschauern, die den Spielen mit viel Interesse srlgten. Das Gesellschaftsspiel der 1. Mannschaft Wiesecks gegen die gleiche von Lollar hatte eine besondere Bedeutung, da bei zwei so nahe gelegenen Orten eine gewisse Rivalität mitspricht. Wieseck spielte, wie noch erinnerlich, sein diesjähriges 1. Verbandsspiel in Lollar mit reichlich Ersah und dann noch unvollständig, so daß Sie Lollarer damals 3 0 gewannen. Diesmal standen sich beide Mannschaften komplett gegenüber, ein Urteil ist also eher möglich. Der Beginn des Spieles sah zunächst Lollar im Vorteil, so dah der Tormann Wiesecks wiederholt Gelegenbeit bekam, Proben .seirres Könnens abzulegen. Wie'eck sand sich zusammen und wurde dem Lollarer Tor immer gefährlicher — eine Reihe Ecken war die Ausbeute. Das erste Tor für Wiefeck wurde mühelos pingefd)o|fen, der Tormann Lollars ux>r herausgelaufen und verfehlte den Ball Kurz vor Halbzeit ging der Halblinke allein nach vorn, ein scharfer Schuh auf kurze Entfernung, unhaltbar saß Rümmer 2 Gegen Schluß der ersten Halbzeit zeigte sich schon, daß Lollar dem fdrcHen Tempo nicht gewachsen war, in der zweiten Halbzeit fiel es teilweise ab. Der Halblinke Wiesecks konnte noch ein drittes Mal für rot-weiß erfolgreich sein, indem er eine von rechts vorziig ich gegebene Flanke einköpfte Wenn sich die Ueberlegenheit Wiesecks nicht in einer höheren Torzahl ausdrückt, so ist's vor allem der vorzüglichen Arbeit des Lollarer Tormanns zuzufchreib n, während andererseits der Wieseckr Tormann, der oft die brenzlichsten Sachen ret'ete, verhinderte, dah die Lollarer zum Ehrentor tarnen. Im Eckenrerhält- nis 9:3 für Wiefeck kommt die Ueberlegenheit stärker zum Ausdruck. Das war das letzte Gesellschaftsspiel, am Sonntag beginnt die Rach- runde, mit den besten Hoffnungen darf Wieseck die Spiele beginnen.
Vorher spielte die 2. Mannschaft Wie- secks gegen die 2. G iehens. Beide Mannschaften traten nur mit 10 Mann an. Dieser Mangel gab dem ganzen Spiel das 'Gepräge. Es ist unmöglich, eine Mannschaft zu loben oder zu tadeln, man ist von beiden nämlich etwas besseres gewöhnt. Weder Gießen noch Wieseck hat jemals ein so zerfahrenes Spiel gezeigt. Grlle Ansätze blieben eben nur Ansätze, wobei aber nicht gesagt sein solle, daß einzelne Leu e hüben und drüben ihre volle Schuldigkeit taten. Das Resultat lagt alles Ecken 3.3, Torverhältnis 1 0 für Gießen. Knapper konnte es also wahrlich nicht zugehen I
Rennen auf der Opelbahn.
Rüsselsheim. 20. Oft. (TU.) Bei den heutigen Automobil- und Motorradrennen auf der 1,5 Klm. langen Opelbahn wurde sehr guter Sport geboten. Die spannenden Kämpfe feffeiten das zahlreich erschienene Publikum bis zum letzten Augenblick. Im Hauptrennen des Tages um die deutsche Bahnmeister schäft des 'D. M. D. fuhr der Holländer van Hamersveld auf einer Horleh- Davidfon die beste Zeit des Tages. Er legte die Runde in 40 Sekunden zurück, hatte also eine Stundengeschwindigkeit von <135 Klm. Zün- dvrff - Köln auf Imperia, der bis zur 25. Runde in zweiter Linie lag, mußte infolge Reifendefektes ausscheiden. Schuster auf Wanderer, der den dritten Platz belegen konnte, wurde als bester Fahrer des > D. M. D. deutscher Bahnmeister. M 0 n t e st i - Italien versuchte in dem Schluh- reimen der Sonderklasse vergeblich, den Dahn- reforb zu brechen. Er fuhr die Runde in 45 Se-
menden Leckerbissen, die Leiber ihrer Kameraden, weggelockt: man pumpt die Ader nach dem Rück- grai> voll Luft, und schon trägt der Wind die leichte Last hinweg. Meist ist dieser Fang unglaublich ergiebig, zu Zeiten wird Fisch auf Fisch hochgeholt und fein Angelhaken ist unbesetzt, wenn auch auf manchen nur noch der häßliche Kopf steckt, weil der Gefangene von seinen Genossen verspeist worden ist. Der Gewinn des Haisisch- fanges hängt ab von dem wechselnden Weltmarkt - preis des Oels. Es ist schwierig, ebenso wie in anderen Fischereibetrieben, die genauen Verdienst- zahlen festzustellen. Der Hochbetrieb dauert von Mai bis September und meist ist der Gewinn so verteill. daß der Schiffseigentümer */3 als Reingewinn und die Mannschaft Vs erhält. Doch ist s lange und mühevolle Arbeit, und schon mancher hat in den endlosen eintönigen Wochen dort oben den Verstand verloren. Jetzt zwar benutzt man kleine Dampfboote für diesen Fang, aber früher waren es Segelschiffe, alte elende Kasten. Jetzt wird der Dampf beim auch gleich für das Dörren ber Lebern benutzt. Von einem Dampfer wird berichtet, bah er vom letzten Mai bis August eine Ausbeute von 40 000 Mk. gehabt habe.
*
Die Erfolge im Kamps gegen die Tuberkulose.
Auf der vierten Konferenz der Internationalen Union gegen die Tuberkulose in L a u -
künden. Richt unerwähnt möge schließlich ber «Höne und sichere Sieg der beiden leichten Opel
wagen bleiben
Kunst und Wissenschaft.
Die Gattin Sudermanns f.
In ber Berliner (Sbaritö verstarb am Freitag im 64. Lebensjahr die Frau Hermann Suder» manns. Frau .Klara Lauck ner-Suber- mann, die selbst eine Reihe von Romanen und Erzählungen geschrieben hat. Sie ist die Mutter des Dramatikers Rolf Lauckner.
Ein antiker Tempel in Siefoie auegegraben.
Die Ausgrabungen in Fiesole, die im Jahre 1910 begonnen wurden, haben jetzt zu der Entdeckung eines prächtigen Teorplls geführt, der im 3 oder 4 Jahrhundert vor Christus gebaut worden ist. Cs ist kein Zweifel, daß man hier aus das alte „Capit 0 lium Faefolanu in" geflohen ist. dessen Vorhandensein bisher nur aus Inschrift ten bekannt war. ES handelt s.ch um eines ber ältesten Altertümer Etruriens
Aus dem Amtsvcrkündiguugsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt R r 7 0 vom 17 Oktober enthält: Landtagswahl 1924 Prüfung des Entwurfs ber Verlängerung des Anschlußgleises an bei Margarethen Hütte. — Hauptkörungen im Körbezirk G rünberg — Wieseni-undgänge. - Abänderung ber hessischen Wohnungsmangelveiwrdnung — Straßensperre. - Gesunden, verloren. - Felbbeveinigungen Klein-Linden und Treis a. d Lba.
Wirtschaft.
Die Lage und Znkuustsaussichten des Arbeitsmarktes-
Rach den letzten amtlichen Mitteilungen ist die Zahl der Arbeitslosen im Laufe des Monats September geringer geworden; verringert hat sich die Zahl der Kurzarbeiter; sie beträgt bei den über die Kurzarbeit berichtenden Arbeiterfachver- bänben „nur" 27,5 Pro§. gegen 28,2 Proz. im Vormonat. Wie groß aber der Kampf um jede freie Stelle ist, mag daraus ersehen werden, baß Mitte September bei ben Arbeitsnachweisen 645 393 Arbeitsgesuche-. aber nur 14 440 Stellen vorhanden traten. Verhältnismäßig gering ist die Arbeitslosigkeit in ben Gebieten mit landwirtschaftlichem Charakter, wie Bayern. Württemberg. Mecklenburg. Oldenburg usw. Von ben preußischen Provinzen hat bie stärkste Arbeitslosigkeit bas Rheinland aufzuweisen, dort ist die Arbeitslosigkeit ungefähr achtmal stärker als in ber am wenigsten von ber Arbeitslosigkeit betroffenen Grenzmark (Posen und Westpreußen). Besonders trostlos liegen bie Verhältnisse bei ben Angestellten. Auf 100 offene Stellen tarnen 1430 Arbeits- gefuche von kaufmäimifchen Angestellten, 1848 für Dureauangestellte unb 2620 von Technikern. Gegenüber biefem großen Angebot erscheinen die Arbeitslosenziffern der Arbeiter gering. Am schlimmsten liegen bie Verhältnisse im Bergbau, in der Metallverarbeitung, in der Chemie. Verhältnismäßig günstig ist bie Lage in der Landwirtschaft, bei den Bäckern und Metzgern, im Baugewerbe, in Gast- und Schankwirtschaften und für häusliche Angestellte.
Die Zukunftsenttvicklung des Arbeitsmarktes ist pessimistisch zu 6eurteilen. In bet Landwirtschaft werden demnächst zahlreiche Arbeitskräfte überflüssig. dasselbe gilt für das Baugewerbe unb' für andere Saisonbetriebe. Die in diesen Gewerben zur Entlassung kommenden Arbeiter brüh» ken natürlich auf ben Arbeitsmarkt für die an» deren Berufe. Ob dieser aufnahmefähig ist. muh begtreifelt werden. Denn es ist nicht zu Übersehen, daß ber Sinn bes Dawes-Gutachtens von den Deutschland feindlichen Ländern und Industrien darin erblickt wird, die Arbeitslosigkeit von den anderen Ländern auf Deutschland zu übertragen. In einer ganzen Reihe von Fällen läßt sich jetzt schon das Bestreben feststellen, ben Abbau ber Probuktion, die sich im Laufe ber letzten Jahre als zu groß im Vergleich zur Aufnahmefähigkeit bes Marttes herausgeslettt hat, allein zu Lasten Deutschlanbs gehen zu lassen. Man will in Deutschland burch alle möglichen Lasten aus Reparationen, Steuern unb Zöllen, hohen Eisenbahnfrachten usw. die Produktionskosten für deutsche Waren so hoch werden lassen, daß wir auf dem Weltmarkt nichts mehr absehen können. Die Folgen sind die, daß die Zahl der Betriebe, die für dauernd still gelegt werden, sich ständig vergrößert.
Falls diese Ziele erreicht würden, mühte natürlich mit dauernder Arbeitslosigkeit für hundert tau sende Arbeiter gerechnet werden. Dahin dürfen wir es nicht kommen lassen. Unser Bestreben muh dahin gehen, mit aller Macht dem Angriff ber internationalen Konkurrenz zu begegnen. Geschehen kann bas nur burch stärkste Steigerung ber Produktion, die allein die Her-
f an ne wurden von verschißenen Rednern die Erfolge festgestellt, bie im Kampfe gegen bie Tuberkulose erzielt worben sinb. Sir Robert Philip aus Edinburgh teilte, wie einem Bericht ber „Klinischen Wochenschrift" zu entnehmen ist, auf Grund statistischer Daten mit, daß in England bie Sterblichkeit in ben Jahren 1871 bis 1921 im allgemeinen um etwas weniger als bie Hälfte, bie Tuberkulosesterblichkeit jebvch um Z we i - drittel zurückgegangen ist, ein Erfolg, ber ber Wirkung ber Sanatorien unb Fürsorge- stellen zuzuschreiben ist. Armanb Delille aus Paris teilte die Ergebnisse ber Kinberfür» sorge mit. Aus Familien, in benen ein ober mehrere Mitglieber an offener Tuberkulose leiben, werben bie Kinber aufs Lanb gebracht, unb dort blieben sie unter Obhut von Fürforge- schweslern in 60 bis 70 Prozent ber Fälle während 20 Jahren tuberfulofefrei; von 2500 Kindern starben in dieser Zeit nur sieben an Tuberkulose. In Dänemarl war im Jahre 1890 bie Tuberkulosesterblichkeit bei 10 000 Einwohnern 30,3, heute ist sie auf 8,5 Proz. suvücfgegangen, unb Dänemark hat damit bie gering si e Tu- berkulosesterblichteit. Die Konferenz erhob 3um Beschluß, baß die organisierte Fürsorge- aktion bie wichtigste Waffe im Kampfe gegen die Tuberkulose sei, unb empfahl ben Regierungen aller Länder die Einführung unb Unterstützung ber in Betracht kommenden Organisationen sowie bie Sammlungen von statistischen 5>aiciv


