Die Vantiger.
Roman von Hermann Stegemann.
7. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
3n der blmnengefüNten Vorhalle Iras er auf seme Schwiegertochter. Er sah sie wieder mit den Augen des Mannes, dessen Sinne von geheimen Ausströmungen gereizt werden, und liebkoste ihre schmale, seingliedrige Gestalt mit den Blicken. Das Blut, das in llZvonne Dantigers Adern rascher schlug als in den Pulsen der Runser Frauen, hatte den Baumeister schon bei der ersten Borstellung erregt. Als Lorenz aus der welschen Schweiz heimtehrte, wo er sich als junger Ingenieur bei dem Bau einer Bergbahn seine Sporen verdient hatte, war er mit Bvonne, der Tochter des Lkvtars von llZlon txrlobt Gottfried Banötiger hatte sich nie um das Gefühlsleben seiner Kinder gekümmert. Er war zuviel mit seinem eigenen Leben beschäftigt. Da die Heirat des Sohnes seine Kreise nicht störte, sondern seinem Geschäftssinn wohlgefiel, hatte er ferne Gedanken an das Ereignis verschwendet, doch vom ersten Augenblick an gefiel ihm die leichte Art der jungen Frau, und dieser Reiz übte noch heute seinen Zauber. Gr hatte sich in der Gewalt, weil er nicht vor sich selbst schwach sein wollte, und beherrschte die prickelnde Einruhr, die ihn in ihrer Rähe befiel. Er war kalt, gemessen, beinahe abweisend, wenn Bvvnne lächelte. Ihr unregel- mäßiges Gesicht hatte einen spitzbübischen Ausdruck, und das tiefgescheitelte schwarze Haar lieh es winzig klein erscheinen. Stirn und Wangen lagen verdeckt, um so größer erschienen die Augen.
„löte gehfS Lenz 7 Arbeiter erv fragte Ban- ttger kurz.
Bvvnne tat verletzt und schürzte den leichtgefärbten Mund zu einer kecken Grimasse:
„Oh. comme vous etes bruSque, beau-perel Armer Laurent krank und noch arbeiten! Mais il n'a pas trotre constitution, fein so wilder starker Mann wie sein Vater."
Der Baumeister ahnte, daß Bewunderung, Gefallsucht, Spott, und ein klein wenig Furcht in diesen Worten verschmolzen tagen. Er umfaßte das schwarzhaarige Köpfchen mit den Händen, preßte die Lippen auf den kleinen Stirnfleck, der zwischen Haar und Rasenwurzel aufleuchtete, und ging dann rasch wie auf der Flucht an ihr vorbei ins Haus.
Lenz faß In den Kissen und las den Bericht der Geologen, der von den Gesteinsverhältnissen des Wolfenberges handelte. Die Bräune seines schmalen Gesichtes war zu einem fahlen Gelb abgetönt, aber das Auge blickte schon wieder klar, und die Hand, die der Baumeister schüttelte, war von Fieber frei.
Gottfried Dantiger setzte sich, scheuchte llZvonne durch eine ungeduldige Bewegung zur Tür und warf sich mit einem Ruck auf die Geschäfte. In wenigen knappen Sätzen gab er dem Sohn einen Lieberblick über den Stand der Dinge, erledigte hundert kleine und große fragen und griff dann das Eisenbahnprojekt auf.
„Sie werden es mir danken, Lenz, auch die, die jetzt noch schwarz malen und Hindernisse türmen. Die Straße unZ> die Bahn gehören zusammen wie Schaft und Rohr, und ich will kein Baumeister sein, wenn dieses Unter» nähmen nicht neue 'Lebensquellen erschließt und
Dtc gange Landschaft tn v-re Höhe reißt. Die Trosse liegt so Har vor mir wie der Scheitel einer Frau, nur der Wolfenbergtunnel entzieht sich noch der Berechnung. Hast du den zwiespältigen Bericht der Experten gelesen, mit dem die Opposition krebsen gcht? Sie machen mir den Gaul nicht scheu. Das bißchen Schwannnsandsteia, das in dem Maulwurfshügel eingebacken liegt, wirst uns nicht aus der Bahn! Das kostet tausend Laufmeter Beton, eine Röhrenleitung und hundert Arbeitstage mehr, bricht uns aber weder die Rechnung noch den Hals."
Lorenz Dantiger schwieg eine Weile, strich dann die Bettdecke glatt und antwortete leise:
„Es ist nicht das, Vater. Schwierigkeiten im Boden und im Gestein lassen sich leichter überwinden als Widerstände in den Menschen."
Der Baumeister richtete sich stell auf und zog die Brauen zusammen.
„Was willst du damit sagen? Mit den Menschen bin ich noch immer fertig geworden."
„Mit den Menschen, ja. aber wenn sie eine Masse bilden und sich gegen dich stellen, müssen wir paktieren."
„Wen meinst du, Lenz? Die Opposition? Die drück' ich an die Wand, denn noch wirst die Kraft des Stärkeren, der etwas Rechtes will, mehr als das Gewicht vieler Schwächlinge, die sich hemmend anhängen. Oder die Arbeiter, die Hände, die ich brauch um das Ding zu schaffen? Ich schind keinem den Lohn, und ich paktier mit jedem, der die Hand für mich hebt, ich hab' auch gelernt, mit ihren Organisationen zu rechnen, denn da ist noch Macht drin, gegen die ich die meine stellen kann, aber die Masse, das, was man die Masse nennt, mit der paktier ich nicht."
Der Sohn schüttelte den Kopf.
„Ich meine den Widerstand, der sich ungesehen, überraschend ballt, ich meine alleä, was sich zusammen findet und wie Erdteig an uns klebt, wenn uns ein Unglück widerfährt, wenn das Geld jeblt, die Konjunktur untreu wird, Krieg droht, das Unternehmen den Boden verliert, kurz, wenn wir die Verhältnisse nicht mehr beherrschen, sondern wir von ihnen getragen werden."
Der Baumeister starrte den Sohn einen Augenblick fragend an, dann lachte er laut auf. Es war fein trotziges, selbstsicheres Lachen Lind er sagte hart:
„Aus dir spricht der Jorg, und der streckt wohl aus der Schrift da die Hörner gegen mich hockt in der Einsamkeit, um die Welt zu reformieren. Das ist das Vorrecht des Schwächlings."
Da ergriff Lorenz die Schrift, die Gottfrieds scharfes Auge unter den Akten entdeckt hatte, und gab sie dem Vater:
„Lies, Vater, er schreibt von dem Einzelnen udn der Masse. Er schreibt für dich"
Der Baumeister wog die kleine Schrift auf Der stachen Hand.
„Der Einzelne und das Ganze" lautete der Titel.
Und auf einmal ging in ©Ottfried Bantigers Brust alles zur Ruhe. Gr blätterte flüchtig in der Broschüre, blickte still auf den Sohn, der sich müde in die Kissen sinken ließ, und antwortele gelassen:
„Ich will's lesen, wenn ich nicht mehr schaffen kann. Jetzt taugen mir keine fremden Gedanken: denn fremd sind wir uns, wie zwei Generationen, wie Väter und Söhne einander immer fremd bereit."________________________(Fortsetzung folgt)
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Kapelle des I. (Hessischen) Bataillons 15. Inf.-Regts.
Leitung: Herr Obermusikmeister Löber
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Gießener Konzertverein
Mittwoch, den 21. Mai 1924, abds.
7 Lhr, in der Stadtkirche
BEETHOVEN
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für Soli, Chor und Orchester
Ausführende: H. Wolf (Sopran), Bonn — J. Kuhl-Dahlmann (Alt), Köln — A. Schil- bach (Tenor), Köln, — M. Troitasch (Bass), Darmstadt — Konsertorg anist Wieber, Halle Der Akademische Gesangverein — Das Frankfurter Symphonie- Orchester.
Leitung: Prof\ G Trautmann.
Eintrittskarten: 6, 5 u. 4 Mk. Studentenkarten 2 Mk. bei Ernst Challier und abends an der h ässe. Siudentenkarten nur im Vorverkauf beim Hausverwalter der Universität.
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Hausbesitzerverein e.D. Gießen
Donnerstag, den 22. Mai 1924, abends 8 Uhr, in der Turnhalle (Oswaldsgarten)
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Tagesordnung:
Stellungnahme gegen die Festsetzung derApril- und Maimiete sowie gegen die Einrechnung des Wassergeldes und der Stratzenreinigungs- und Schornsteinfegergebühren in die Miete.
Redner:
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