xfeiö ein Gesuch nieder gelegt habe. ®r sei später nach Leipzig gefahren, als sr von dem Rechts- fijxtnalt Dr. Graf von den Beschuldigungen gegen Möbius gefrort habe, um aus der Airruhe heraus* zukommen und zu trnffen, was eigentlich vorlrege. PNöbius Hobe erklärt, er könne weder vor- noch rückwärts. Was solle aus ferner Fa° nrilte werden? Er, Zeigner habe erttndcrt, deswegen dürfe er doch nicht i fr n belasten. Möbius habe verlauten lassen, die Sache sei ein Racheakt. Beignet bekundet weiter, er habe Möbius allerdings mehrmals Geld gegeben, abernirhL im Zusammenhang mit dem Fall Friedrich- sen, sondern diel spät-rr. Er habe damit et* reichen wollen, daß Möbius ihn mit Gnadengesuchen verschone.
Auf Befragen Les Dorsihenden äußert sich frier Zeigner darüber, weshalb der Strafantrag in dem Prozeß Cunio und Lindemann üor dem Staatsgerichts frof zurückgenommen wurde. Die QLtttage fei erhoben worden wegen des Vorwurfs schamloser Korruption in Reinkultur. Cuniv habe bei der Dernehmung erklärt, der Ausdruck richte sich gamicht gegen die sächsische Regierung, sondern der Sinn sei, die Deamtenpolitik der Regierung führe zu einer grenzenlosen Korruption. Rach der Reubildung des Kabinetts Buck seien alle Prozesse wegen Beleidigung von Ministern rückgängig gemacht worden, um die politische Atmosphäre zu entgiften. 3m Verfolg davon sei auch gegen seine Meinung der Strafantrag gegen Cuniv zurückgezogen worden. Er selbst habe jedoch in keiner Weise damit' gerechnet, daß Cuniv ihn selbst der Korruptton bezichtigen wolle. Er habe noch bis weit in die Voruntersuchung die Meinung gefragt, es sei undenkbar, daß ihm vom rechtlichen Standpunkt aus irgendein Vorwurf gemacht werden Ginne.
Frau Friedrichsen sagt dann aus: Eines Mittags sei sie von Triborski angerufen worden, sie solle sofort mit einem Herrn, der Lehmann genannt worden sei, nach Dresden fahren und dem Instizminister mit Rücksicht auf das Gnadengesuch Brillanten überbringen.
Sie sollte diese dem Iustizmimster nur persönlich übergeben, da Triborski dem Möbius nicht traute. Vor ihrer Abfahrt sei Dr. Melzer gekommen und habe, als sie ihm sagte, daß sie nach Dresden fahren wollte, gesagt, Frau Friedrichsen, Sie wollen eine Dummheit madyett. 3n Dres- den seien die Brillanten verpackt, verschnürt und versiegelt worden. Zeugin hatte den Eindruck, als ob Möbius mit der Wirtscha fterin Zeig ner s sehr beka nn t gewesen sei. lieber die Beziehungen zu Rechtsanwalt Dr. Melzer erklärt die Zeugin, Melzer sei seit Zähren ihr Anwalt und ferfefrve in ihrem Hause. Von Melzers Absicht, Anzeige gegen Zeigner zu erstatten, habe sie nichts gewußt. Als Friedrichsen ein eigenes Geschäft habe eröffnen wollen, aber feine Konzession bekommen habe, weil er vorbestraft war, habe sie Möbius 50000 Mark für Zeigner gegeben und 10000 Mark für ihn sÄbst, damit er die Konzessionsfrage vermittele. Möbius sei aber zurückgekvmmen und habe gesagt, Zeigner wolle es nächt machen: er sei kein A^ahlungsgeschäft. Sie solle 300 000 Mark geben. Zeugin glaubt, daß Möbius garnicht mit -dergner gesprochen tmb die 50 000 Mark unterschlagen hat. Später habe llWbmS eines Tages ganz aufgeregt geäußert: Zeigner verlangt von mir, daß ich alles auf mich nehme. 3n der Folgezeit fei Möbius fast täglich gekommen und habe auf Zeigner geschimpft und auch vor fremden Leuten über seine DezieH-ungen zu Zeig- ner und einzelne Fälle gesprochen. Weiter habe Möbius gesagt, fr werde anspacken, wenn man ihm alles in die Schuhe schiebe.
Angeklagter Z e i g n e r erklärt auf Befragen, Ü<t seines Wissens nicht mehr um den Versterb Ser Brillanten gekümmert zu haben, nachdem er sie Möbius gegäen habe. Zu dem oft erörterten Aufenthalt in der Tschechoslowakei äußert Zeigner, im Sommer habe er sich mit seiner Familie auf dem Gut bei Eisenberg an der sächsisch-böhmischen Grenze aufgehalten. Ein einziges Mal habe er einige hundert Schritte über die Grenze gemacht, um einen Ausflug nach Teplitz zu unternehmen, sei aber toieber umgekehrt, da seine Frau die Anstrengungen nicht habe aushalten können. Der Paß auf den Ramen Engelhardt sei nicht -falsch, sondern ein Diplomatenpaß gewesen, der von der Polizei ju feinem Schuh ausgestellt worden sei. Rach feiner Rieber-Pla- niher Rede über die Beziehungen der Reichswehr zu illegalen Organisationen habe er so viele Drohbriefe erhalten, daß ohne sein Wissen ein starker polizeilicher Schutz eingerichtet worden sei.
Die Verhandlung wird auf Freitag vertagt.
Die neuen Steuern in Hessen.
Darmstadt, 19. März. lPriv.-Teb) 3m Finanzausschuß wurde zunächst die Gewerbe- fleu erbt ringe gegen die Stimmen des Bauernbundes angenommen. Dazu wird der Antrag Knoll und Gen. angenommen, der die Regierung ersucht, unverzüglich eine Steuerveranlagung der gewerblichen Anlagen und Detriebs- kapttalien als Unterlage für die künftige Ge° Werbesteuerveranlagung zu veranlassen. Lebhafte Auseinandersetzungen entflanben dann bei Beratung des Sondergesehes über die G r u n d st e u e r bzw. die Miet st euer. Aus h<?r Mit
teilungen des Finanzministers, daß die Sonder- steuer infolge der ‘j(ot(teuerueootunu.ig im geführt werden müsse und daß sie nicht als Miets- scndern als Gebäude st euer erhoben werden solle, waren die Fraktionen der Rechten sich darüber einig, daß man aus Zwang dem Gesetz zu- stinnnen müsse. Bei der ohne Debatte folgenden Abstimmung wurde der Art. 1 des Gesetzes mit den Stimmen der Kvatttionsparleien a b gelehnt. während die rechten Parteien aus oben erwähnten Gründen dafür stimmten.
Der Finanzminister zog daraufhin sofort die Vorlage zurück mit dem Bemerken, daß die Regierung nunmehr gezwungen sei, auf Grund einer Verordnung das Gesetz durchzuführen. Eine von dem Vertreter der D.V.P. beantragte zweite Lesung wurde von dem Vorsitzenden a b g e l c h n t. Darauf sprachen die Vertreter der D.V.P. des Bauernbundes über dieses Verhalten der Koalitionsvertreter ihre Entrüstung aus, da dieses Vorgehen illoyal sei und einer absichtlichen 3rrefüKurng gleichkomme. Sie werden nunmehr gegen sämtliche Steuergesehe ft i m. m c n. Zum Schluß wurde noch das F i - n a n z g e s e tz beraten. Der Bauernbund hatte beantragt, die Grund- und Gewerbesteuern wieder den Gemeinden $u überlassen, sie sollen dafür die ^Hauptlasten der Polizei und Schale tragen; die
meisten Parteien sprachen sich gegen d-tesen -.Antrag aus. Die Abg. Dingeldei und Gen. beantragen, daß der Anteil der Städte nuä der Einkommen und Körperschafts steuer nicht, wie vorgesehen 40, sondern 60 v. Sy betrage, während die Gemeinden mir 40 Proz. erhalten sollen.
Die Lage in der Pfalz.
Aus derPfalz, 19. März. (Wolfs.) Die Wirkung der Znspektionsrelse des Sonderausschusses der Rheinlandkommission macht sich in verschiedenen Erleichterungen durch bie De- fatzungsbehörde bemerkbar. So hat schon vor einer Wiche General de Metz erklärt, daß der Bewaffnung der entwaffneten deutschen Polizei und Gendarmerie keine Hindernisse mehr hn Wege stehen, falls die bestehenden Vorschriften eingehalten werden. Was die Entwaffnung der Separatisten betrifft, so hat die «Änderkvmmissivn sich dahin ausgesprochen. diese Entwaffnung fei nicht nur das Recht, sondern die Pflicht der deutschen Behörden. Schließlich äußerten sich die Mitglieder des Ausschusses bei den Besprechungen über die Rückkehr der Ausgewiesenen dahin, daß, soweit die Ausweisungen durch die Rheinlanokvmmiision erfolgt seien, die Erlaubnis zur Heimkehr nur von dieser erteilt werden könne. Dcch hat der ftanzösische Kreisdelegierte bereits zu gesichert, daß er es an einer Befürwortung solcher Gesuche nicht fehlen lasse.
Singapore.
London, 19. März. (Priv.-Tel.) Den bereits gemeldeten Beschluß des britischen Kabinetts, den geplanten Flottenstützpunkt in Singapore aufzugeben, begründete Macdvnald im Unter* Haus damit, daß die Fortsetzung dieses Plans einen sehr nachteiligen Einfluß auf die allgemeine auswärtige Polittk Großbritanniens ausgeführt hätte. Die Regierung sei für eine Polittk inter- rtathmaler Zusammenarbeit durch einen stärkeren und ausgedehnteren Völkerbund und für die Regelung Dort Streitigkeiten durch Versöhnung und Schiedsspruch, sowie Schaffung von Bedingungen, die eine allgemeine Uebereinkunft zur Beschränkung der Rüstungen möglich mache. Der Ausbau des Flottenstützpunktes in Singapore würde diese Politik verhindern und die guten Absichten Großbritanniens verschleiern.
Australien, Neuseeland und Neufundland wünschten und drängten bei der Neg-erung darauf, daß mit dem Ausbau von Singapore fortgefahren werde.
Die australische Regierung sei der Ansicht, daß das Aufgeben des SiAgapore-PlanLs diese Politik der Versöhnung nicht unterstützen, sondern gefährden würde, da eine Verminderung der Beweglichkeit der Flotten den brittschen Einfluß vermindern würde Aeuseeland sei ebenfalls der Meinung, daß die Interessen des brittschen Reiches gefährdet würden, wenn die brittschen Grvßkampf- schiffe nicht imstande sein würden, in diesen Gewässern zu operieren, und
daß die Zett noch nicht gekommen sei, wo man sich allein auf den Einfluß des Völkerbundes im Interesse des Friedens verlassen dürfe.
Sowohl Australien als auch Reuseeland hätten zu erkennen gegeben, daß sie bereit seien, für die Entwicklung des Marinestühpunktes Beiträge zu leisten. Demgegenüber sei General Smuts, der südafrikanische Premierminister, der Ansicht, daß das Ansehen der britischen Regierung als Vorkämpferin für die große Sache des Weltfriedens und der Versöhnung unter den Rationen durch den Bau eines Stützpunktes in Singapore ernstlich untergraben würde. Die Regierungen von Canada Indien und Südirland hätten davon Abstand genommen, ihr Urteil auszusprechen.
Kleine politische Nachrichten.
Infolge weiterer Abbaumaßnahmen im Bereich der Reichsverkehrsverwaltung soll ein Teil der ausgewiesenen Eisenbahner zum 1. Dezember 1924 zur Entlassung kommen. Wie wir frören, hat die hessische Regierung gegen diese Maßnahmen entschieden Widersprach erhoben.
Wie die Bläter aus Leipzig melden, hat der Untersuchungsrichter beim Staatsgerichtshvf gegen den deutsch-völkischen Reichs tagsabgeordneten v. Graefe-Goldebee im Zusammenhang mit den Münchener Rovemberereignissen die Voruntersuchung wegen Hochverrats eröffnet.
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Vor dem Berliner Landgericht wird demnächst ein neuer Roßbach-Prozeß zur Verhandlung kommen. Die Leiter der völkischen Kampf- gewerkschaften werden sich wegen Vergehens gegen das Republikschuhgeseh zu verantworten haben, weil sie auch narfr dem Verbot der nationalsozialisttschen Arbeiterpartei Mitglieder der Ortsgruppe München dieser Partei gebli den sind und außerdem diegrvhdeutsche 21 rbei terpartei gegründet haben, die lebig- lich die Fortsetzung der verbotenen Partei darstelle. Das Verfahren gegen Roßbach selbst mußte abgetrerort werden, da er flüchtig ist.
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Der Preußische Landtag nahm den Gesetzentwurf über die Kirchenverfassungen der evangelischen Landeskirchen mit Öen Stimmen der bürgerlichen Parteien an.
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Die Verhandlungen zur Beilegung des Hamburger Hafenarbeiter st reiks endeten mit der Verkündung eines Schiedsspruches, der von den Streifenden mit 4819 gegen 1186 Stimmen und auch, vom Hafenbetriebsverein abgelehnt wurde.
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König Hussein hat beschlossen, einen beratenden Ausschuß über die Kalifatsfrage einzuberufen, die die allgemeinen, die ‘2Hoframmebaner betreffenden Fragen erörtern
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 20. März 1924.
Die Reichs-Teuerungsziffer.
Die Reichsin dexziffer für die Lebenshaltungskosten (für Ernährung, Wohnung. Heizung, Deleuch ung und Delleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 1Z. März auf das 1,07- billionenfache der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche (1,06bittionenfache) ist demnach eine Steigerung von 0,9 Prozent zu verz .tdfrncn.
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** Eine für Hausbesitzer wichtige Entscheidung fällte am Dienstag das Offen« bacher Schöffengericht. Der mehrfache Hausbesitzer K. hatte während des Winters, wie alle Hausbesitzer, große Last mit dem Aschestreuen. Er hatte aber immer Asche streuen lassen bzw. selbst gestreut. Run waren aber doch drei Passanten vor feinem Haus zu Fall gekommen, und zwar an der Stelle, wo sich ein ber Stadt Offenbach gehöriger Kanalbettel befand. Hier half alles ©treuen nichts. Die Verletzten erstatteten An- 3'üae gegen K. Am Dienstag hatte sich nun das Schöffengericht Offenbach mit dem Fall zu beschäftigen. Der Angeklagte würbe fr ei gesprochen. Er hatte sich damit verteidigt, daß er einen Hausverwalter angestellt habe, dem es auch oblag, für das Aschestreuen Sorge yr tragen. Das Gericht hat mit diesem Urteil zum Ausdruck gebracht, daß der Hausbesitzer keine strafrechtlichen folgen bei Unfällen zu gewärtigen hat, wenn er einen Hausverwalter angeftellt hat, der für das Aschestreuen Sorge tragen muh.
** Aus dem Gießener Standesamt s r c g i ft e r. Es verstürben in der Zett Dtm 1. bis 14. März: 1. März. Margarete Goller, 2 Minute alt, Kaiserallee 116. Karl Pfeiffer, Kaufmann, 53 Jahre alt, Steinstraße 11. 2. März. Artur Koch!. Photograph, 26 Jahre alt, Großer Steinweg 12. 4. März. Elisabeth« Bellof, geb. Walter, 66 Jahre alt, Wolfstraße 15. 5. März. Christian Schäfer, ohne Beruf, 69 Jahre alt. Licher Straße 74. 7. März. Karl Krautze, Musik« birefteu a. D., 78 Jahre all, Kaiserallee 29. 9. März. Oskar Fink, Rentner, 68 Jahre alt, Mcltkcstraßc 22. Elisabethe Vogel, geb. Krombach, ohne Beruf, Witwe, 61 Jahre alt, Mäus- burg 7. 10. März. Hermann Mittel, Oberpostschaffner, 58 Jahre alt, Stephanstrahe 36. Emma Göbel, geb. Stäuber, Fabrikarbeiterin. Witwe, 59 Jahre alt, Asterweg 59. Oskar Kanvlb, Ober- Pc lizeiwachtmeister l R., 54 Jahre alt, Rod- Heimer Straße 43. 11. März. Eduard Sack, Kaufmann, 67 Jahre alt, Asterweg 32. griebrid) Schneiber, Arbeiter, 49 Jahre alt, Ast er weg 22. 12. März. Margareta Kroh, geb. Gebauer, 64 Jahre alt, Schottstraße Z. Wilhelm Rothärmel, Äenstknecht, 50 Jahre alt, Leihgesterner Weg 21. Ernst Zahrt. 1 Jahr all, Eichweg 6. 3ba Ort- lepp, Haushälterin, 28 Jahre alt, Dammstraße 20. 14. März. August Werner, Korbmachermeister. 69 Jahre alt, Weidengasfe 8.
** Die Ausstellung von Schülerinnenarbeiten im Fröbel-Seminar erfreute sich eines regen Besuches. Die Schülerinnen haben es Verstands, mit Geschmack und Sorgfalt allerhand Hübsches und Brauchbares mit geringen Materiallosten herzu stellen. Ganz besonderes Interesse erregen die aus Holz hergestellten Spiel- fachen, die sich farbenfreudig aus der Menge der ausgestellten Gegenstände hervcrhoben. Auch die Ampeln aus Holz, die Kartenständer, Kalender, die Bücher und Schreibmappen finden Anerkennung. Reizend sind sogar die aus Bast und Rohr verfertigten Untersetzer, Körbe und dergleichen. 3n der Hanbarbeitsabteilung befinden sich hauptsächlich Kleidung und Wäsche für Kinder. Erne Besichtigung kann jedermann empfohlen werden. Die Ausstellung, Gartenstraße 30, ist dis em= schließlich Sonntag, den 23. März, täglich von 11 bis 1 Uhr und 3 bis 5 Uhr geöffnet.
** Die Deutsche Dolkspartei veranstaltete am Sonntag abend im Gewerbehaus eine gutbesuchte Mitgliedern---nsammlung, tn der Gene° relfefretär Kolbach - Darmstadt, über die politische Lage sprach. Der Redner schilderte zunächst unsere innen- und außenpolitische Lage jur Zett des Rücktritts des Kabinetts Cuno und zeigte, unter welch auverordentlich schwierigen Verhältnissen das erste Kabinett ©trefemann ferne Tätigkeit begann. Er sprach weiter eingehend über die Wirksamkeit des 1. und 2., sowie des bürgerlichen Kabinetts Stresemann, die trotz aller Schwierigkeiten dem Deutschen Daterlande außerordentlich wertvolle Dienste geleistet haben. Dies gilt insbeso-nbere auch hinsichtlich unserer Wäh- run-gsverhältnisse, bezüglich ber Besserung ber Zustände in Sachsen und anderes mehr. Auch die außenpolitische Lage, die bei dem Rücktritt des Kabinetts Cuno mehr als trostlos war, hat dank der unermüdlichen, aufopfernden Tätigkeit Sttese« marms (der freute noch für die Außenpolitik verantwortlich zeichnet), und ferner Mitarbeiter festere Grundlagen angenommen. Der Redner ging sodann auf die persönlichen Angriffe ein, denen die Mitglieder der seitherigen Regierungen, besonders Stresemann, selbst von national eingestellten Kreisen ausgesetzt waren, und erklärte hierzu, daß durch derartige Angriffe, welche die Arbeitsfreudigkrit unserer führenden Persönlichkeiten hemmen, unserem Vater lande keine Dienste geleistet werben. Reicher Beifall belohnte den Redner für ferne interessanten Ausführungen, die Veranlassung zu einer wettgehenden 2ms- sprache gaben.
** Verband sübwest deutscher Schul- gevgraphen. Man berichtet uns: In HribÄ- berg tagten am 1.5. und 16. März die Vertreter ber fchulgeographischen Landesverbände der süd- westdeutschen Länder (Baden, Hessen, Württrai- berg). Zu dieser Tagung waren au<f)i die Vertreter ber Erdkunde an den Hochschulen dieser Länder erschienen. Angesichts der bringendm Fragen, welche den geographischen Unterricht heute beschäftigen, wurde ein Zusammenschluß unter bem Ramen „Verband sübwestdeutscher Schulgeographen" befchlosfen. Der Verband umfaßt zunächst drei Landesverbände mit rund 340 Mitgliedern. Vorort für die drei ersten Jahre ist Stuttgart, erster Vorsitzender ist Professor Dausenhardt in Stuttgart. Der Verband übernimmt es, mit Rachdruck alle Kräfte zu einer einheitlichen Lösung jener Fragen zusammen- zufajfen. Für- die nächste Zeit bildet das Hauptziel einheilliche Durchführung der Lehrpläne. Regelung der öefrrmitt (frage, Forderung ber Lehrer« fcrtbilbung und Vertiefung ber Heimatkunde. Zu biesem Zweck axrb Lünftig jährlich eine gemeinsame Veranstaltung ins Auge gefaßt. Als erstes wichtiges Ergebnis biefeS Zusammenschlusses kann
schrn heute die Llafftellung eines einheitlichen Lehrplanes für alle höheren Schulen Südweft- beutfeManbd bezeichnet werben, wodurch bie befke- hende Zerriffenheit verschwinden würbe. Ebenso würbe eine Einigung erzielt über die geographischen Ausgaben der Grundschule.
— Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Rärrische Frauen". — Palast-Lichtspiele: „Lodeslvigm".
— Verein Rudersport Gießen 1913 Samstagabend Monatsversammlung. (Siehe An- Leige.)
Wettervoraussage
Rachts noch immer Frost, tags etwas milder, aus Süd auffrischende Winde, teils heiter, teils wolkig, vereinzelt Rieberfchläge.
Landkreis Gießen.
K Don der Strecke ® rünber g-- Gietzen, 19. März. Die Aenderungen im Eisenbahn-Fahrplan ber Strecke Grünberg— Eießen , bie m Ar. 53 des „Gieß. 2lnz." unter bem Gesichtspunkt berSchuler kritisiert würben, die auch der Mehrzahl der A r be uLe r keinerlei Inderm eine Wartezeit vor und nach bet erhalten jetzt ein neues Gesicht Ech die beantragte Einführung der Sommerzeit. Preußen hat diese Einführung der Sommer- finanziellen Grittiden und wegen beö Vollsgefundhett beim Reich beantragt. Falls der Antrag angenommen wird, wie solle es bann mit ben whukkrnbern und der Zug Verbindung morgens Drünberg und Gießen werden? Anftinft m Gießen 6.20 (m Wahrheit bann 5.20 Ortszeit), 7.45, Aufstehen zu Hause 5 Uhr (resp. 4Uhr). Wo bleibt da der so nötige Schlaf de^ Kmder? Don neuem muh man an die maßgebenden Stetten bas Ersuchen richten, bie jetzige unhaltbare Verkehrszeit bes Frühzuges zum Vorteil der Schulkinder zu verlegen.
Kreis Schotten.
Laubach, 18. März. Am Samstag fand hier im „Solrnser Hof" eine wohlgelungene theatralische Aufführung zum Besten der Rheinpfalz durch Mitg4iÄ>er des hiesigen Turnvereins statt. Aufgeführi wurde das dreiaktige Volksstück „Der Schmied von Ruhla" von Martin Pfeifer. Besonders gut spielten Karl Kopp (als „Schmied von 2kuhla"), Franz Kraft (als „Kurt von Tennsberg") and Karl Graulich (als „Landgraf Ludwig").
*) Freienseen, 1Z. März. Gestern abend fand im Saale unseres Rathauses eine Versammlung statt behufs Errichtung regelmäßiger L e s e - und Spielabende. Insbesondere wurde das Dorlesen und die Mlege derDolksschriften von Oeser- Glaubrecht in das Auge gc- fafjt. Dekan R o e scheu, der die zahlreich erschienenen Bewohner (gegen 120) herzlich willkommen hieß, führte aus, bah der Ernst der Zeit verlange, ber Jugenderziehung besondere 2hife merksamkett zu widmen, dah es aber auch im Interesse des Staates läge, wenn die deutschen Dolksgenoffen überhaupt sich gegenseitig näher kämen und tn wechselseitiger Belehrung und Unterhaltung, sowie in der Pflege einer anständigen Munterkeit ihre arbeitsfreien Stuiiden verbrächten. Eine treffliche Lektüre feien die Erzählungen Glaubrechts. Beim 100jährigen Geburtstage Oefer-Glaubrechts habe sich in Gießen, bem Geburtsorte dieses verdienten Mannes, ein besonderes Komitee gebildet, um fein Andenken lebendig ju erhalten. An fernem Geburtshaufe tn G i eßen, feinem Sterbefraufe tn Llndheim, sowie auf dem Beitsberg bei Saasen seien Gedenktafeln errichtet worden. Drei Herren dieses Komitees, Ministerialdirektor U r st a d t, der Präsident des Landesamtes für das Bildungswefen, Prof. Dr. Ebel, ber Direktor der Gießener Universitäts-Bibliothek, und Prof. Dr. Roesch en zu Laubach, sein Bruder, wären sodann zufammengetreten, um die Derbreitung der Schriften Glaubrechts zu fördern. Darauf entwarf Prof. Dp. Ro eschen ein anziehendes Lebensbild des Dolksschriftstollers und erläuterte in längerem Dortrag ferne Bedeutung. Alle seine Schriften hätten zahlreiche Auflagen erlebt; von einigen feien sogar Übersetzungen in französischer und in englischer Sprache mit prächtigem Bildschmuck erschienen. Außerhalb Hessens sei Glaubrecht befamiter als tn feiner engeren Heimat. Dies fei tief bedauerlich. Ihm elbst sei keine Unterhaltungslektüre lieber als Glaubrecht; er könne ihn immer und immer wieder lesen. Ueberzeugt sei er, daß die Zuhörer bei näherer Kenntnis diesen unübertrefflichen VollsfchriftsteUer immer mehr schätzen würden. Darauf las Prof. Dr. Roeschen aus dem ersten Bande von Glaubrechts „Erzählungen aus .dem Heffenlande" seine sehr hübsche Spinn« tubengeschichte vor, den „Weidenkaspar", die vielen Beifall fand. Sodann schlug Dekan Roeschen der Dersammlung vor. aus ihrer Mitte drei Dorstandsmitglieder zu wählen, ein älteres als Vorsitzenden und Spielleiter und zwei jüngere Leute zu seiner Unterstützung als Spielwarie, vornehmlich Mühlfpiel, Dammbrett, Halma, Festungsspiel, Schach zu pflegen Die Vorschläge des Dekans wurden dankbar ent- geaengenommen und ihre Ausführung beschlossen. Ms Spielleiter wurde Landwirt Georg 3 mmelt, als Spielwarie Georg Jung und Otto Böning gewählt.
Hessen-Nassau.
][ Marburg, 19. März. Um an Dau« luftige Hypothekendarlehen geben zu können, beschlossen die Stadtverordneten bie Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 300000 Goldmark. Ferner beschloß man bie Aufhebung derSteuer vom gemeinen Wert ber Liegenschaften. Es sollen dafür Zuschläge zur staatlichen Grundvermögensfteuer erhoben werden. Der Llntrag des Magisttats, im Anschluß an die städtische Fachschule die Errichtung eines städtischen Seminars tn die Wege zu letten, wurde ebenfalls gutgeheißen. — Zu einem vom 14.-23. März hier ftattfmdenben Fortbildungskursus aus dem Gesamtgebiet ber Tuberkulöse sind hier 150 Aerzte aas allen Teilen Deutschlands eingetroffen. Veranstalter ist bas Zentralb>mitee für das ärztliche Forti-ilbungswesen in Preußen.
7pd. Frankfurt a. M„ 19. Marz. Eine Bande arbeitet augenblicklich hier und in der Umgegend mit deckungslosen Schecks aus die Leipziger D o lksba nk. T-ienstag mietete sich in einem hiesigen ersten Hotel ein eleganter junger Mann ein und gab dem Pförtner zwei Gepäckscheine zwecks Einlösung wertvoller Koffer, zuvrr aber versuchte er beim Pförtner einen griffen Pump. Doch der Hvtelmcum wollte erst


