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Vorläufiger Abschluß der deutsch- russischen Verhandlungen.

Das bevorstehende We hnachtsfest hat für die deutsch-russ scheu Wirlschuftsverhandlungen eine mehrwöchige Unterbrechung gebracht, die gher gleichzeitig den Charakter eines vor- lauf.gen Abschlusses trägt Mitte Januar wer­den die deutschen Delegierten natürlich wieder «nach Moskau zurückkehren, es w rd aber dann versucht werden, auf Grund drS jetzigen Ergeb­nisses. das in einem Protokoll nlcderg'legt wurde, zur Fertigstellung eines Vertrages !zu kommen. Die Verhandlungen waren bisher Musterst schwierig und werden eS auch in Zu­kunft sein.

Damit ist aber nicht gesagt, daß es sich hier um Schwierigkeiten handelt, die von Rußland künstlich geschaffen wurden. D elmehr haben ge­rade die Russen die Verhandlungen in jeder Weise begünstigt Wenn aaer die Be­sprechungen trotzdem nur langsam vorwärts ka- man, so liegt das einmal an der Menge des zur Beratung stehenden Materials, sowie der Eigenart des russischen staatlichen Handels. Welche Fülle an Arbeit in Moslau geleistet wurde, erg'bt s.ch schon daraus, daß das unterzeichnete P:o o o l Richtlinien für..f ehn Ginzelverträge enthält, die zu einem großen deutsch-russischen Handelsvertrag zusammengeschweiht werden sollen. Das schwie­rigste Problem wird nach wie vor die 5rage des Außenhandelsmonopols bleiben, das unbe ingt durchbrochen werden muh, soll der lüiftige yege .seit g: Warenaustausch für beide Telle befriedigend fein.

Eine neue deutsche Note an den Völkerbund.

Berlin. 19. Dez. (Täl.) Alle im Völker- bundsrot vertretenen Regierungen, denen seiner- zett das deutsche Memorandum über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund mitgeteilt worden war. haben nunmehr geantwortet Da diese Antworten für einen der wichtigsten Punkte des Memoran­dums, nämlich für die Frage ^'Beteili­gung Deutschlands an krieg erischen Zwangsmaßnahmen des Völkerbun­des, noch keinerlei Klärung brachten, hat die Reichsregierung weitere Aufschlüsse über diesen Punkt verlangt Zu diesen Zweck hat sie das Problem in einer Rote an den Völ° k e r b u n d klargelegt, die zugleich den Regie­rungen der Ratsmächte mitgeteilt wird. Das Memorandum und die Rote werden demnächst veröffentlicht.

Die Regierungsbildung in Hessen.

D a r m st a d t, 18. Dez. (LU.) Gestern traten die Fraktionen der Regierungsparteien, des Zen­trums, der Sozialdemokraten und der Demo­kraten zusammen. Die sozialdemokratische Fraktion wählte ihren bisherigen Vorsitzen­den, Abg. Kaul, wieder, ebenso die Demo­kraten ihren Vorsitzenden Abg. Reiber. Landtagspräsident dürfte wiederum Oberbürgermeister Adelung -Mainz werden, öS der sozialdemokratischen Fraktion das Dor­schlagsrecht zusteht und sie den Genannten Vor­schlägen dürfte. Kommenden Montag treten die Mhrer der Regierungsparteien zur ersten i n t er» fraktionellen Despr echun g über die Regierungsbildung zusammen.

Die Neuregelung des Finanzausgleichs.

Berlin, 18. Dez. (Wolff.) 3n der Der- Öncr Tagung des Reichs st ädtebundes stand im Mittel -unkt der Beratung die Neu­regelung des Finanzausgleichs zwi.chm Reich, Landern, Gemeinden und Gemeindeverbänden. ES wurde beschlossen, für den bewährten Grundgedanken derMiquelschenSteuer» refor m einzutreten. Grundsätzliche Auftei­lung der Einzel st euer unter die Steuer- gläubiger unter möglichst gänzlicher Besei­tigung des bisherigen Dotations-Sy­stems und Beteiligung mehrerer Steuergläubiger an den Einzelsteuern. Eine Aebersicht über die Finanzlage der mittleren und kleineren deutschen Städte ergibt, daß sie trotz der Beschränkung der Ausgaben auf das notwendige und höchster Anspannung der Dealsteuern zum großen Teil ihren Fehl­betrag für 1924 nicht t) e cf en können. Hieraus ergibt sich die Unrichtigkeit der An­schauung, daß dir Gemeinden im allgemeinen ihre Finanznot überwunden hätten. Dem Grundgedanken der Reichsstädteordnung als Rahmengesetz wurde zugestimmt.

DieSLeuerverteilungrn Preußen

Berlin, 18. Dez. (WTD.) Amtlich. Wie der preußische Minister des Innern und der Finanzminister in einer gemeinsamen Verfügung auSführen, ist die zweite Ergänzungsübersicht für die Einkommensteuer und Ergän­zungssteuer eingegangen. Im lausenden Rechnungsjahr werden auf die Einheit des abge­rundeten Verteilungsschlüssels (älmsahsteuerschlüs- sel) voraussichtlich entfallen: auS der Einkom­mensteuer auf die Gemeinden 0,934 516, auf die Landkreise 0.149 440, auf die Pro­vinzen 0,032 123; aus der Körps^chaftssteuer auf die Gemeinden 0.708 390. <auf die Land­kreise 0,145 506, auf die Provinzen 0,062 881; aus der Lmsahsteuer auf die Gemeinden 1 931 194, auf die Landkreise 0,617 986, auf die Provinzen keine. Die Gemeinden oder Gemeinde- verbände, die hiernach oder unter Berücksichti­gung einer aus der Fortschreitung sich ergebenden Erhöhung der R e ch n u ng s a n t e i l e nunmehr mit einer Steigerung der Steuerüberweisungen rechnen dürfen, werden zu prüfen haben, ob sie nicht ihre Realsteuerzuschläge (Umlagen) herabsetzen können.

Gewerkschaften und (Eifern f indikat.

Köln, 19. Dez. (WTD.) Sine Besprechung Von Vertretern der deutschen freigewerk­schaftlichen Spitzenorganisationen unb des Deu tschen Metallarbeiter- ve-bandes mit Vertretern der französi­

schen Gewerkschaften über die deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen stellte Uebereinstimmung darüber fest, daß im Interesse der 2lrbeitcrschaft beider Länder und e.nec all­gemeinen gesunden Wirtschuftsentw cklung die Beseitigung der Protektion! st Ischen Wirtschaftspolitik zugunsten en« freien internationalen Warenaustausches angcilie^t werden müsse. Fills ein deutsch frcmzöf sch s oder europäisches E isensyndikat zustande- kommen sollte, müsse eine Kontrolle der Preispolitik des Syndikats durch E.nsluß- nähme der R gierungen und der Arbe terorgani- fat onen erfolgen. Es wurde vereinbart. daß we.- tere Zusammen'ünfte der deutschen und fran» zös.schen Gew.rksch.ftsv.rtrtt.r ft-ttf.nbe.i sollen.

Das erste Anleihegold.

(Berlin, 19. Dez. (Täl.) Wie die®. A. Z." erfährt, ist am Donnerstag in Berlin die erste G o l d s e n b u n g aus den nach den Dawesplan abgeschlossenen Anleiheverträgen eingetroffen. 5 Millionen Dollar wurden in kleinen sassern verpackt, in die Keller der Reichsbank eingeliefert.

DieUnruhen in Albanien.

Die letzten Unruhen in Albanien liegen noch gar nicht so lange zurück, jetzt sind aufs neue die Flinten losgegangen, wie von der albanlschen Regierung behauptet wird, mit jugosla- w i s ch e r H i l f e. Die Aufständischen haben nach den neuesten Meldungen, die allerdings aus Jugoslawien stammen, schon erhebliche Er­folge erzielt und u. a. auch Skutarlbe- seht. Sie sollen sich in raschem Vormarsch auf Tirana befinden. Wieviel an diesenKriegs­berichten" wahr ist, muh abgetoartet werden. Fest scheint allerdings zu stehen, daß es sich hier um eine gegen die albanische Regierung gerichtete Aufstandsbewegung handelt, die zwar schon ein­mal vor Monaten aufflackerte, aber doch noch unterdrückt werden konnte, heute jedoch m i t Unterstützung der Belgrader Regie­rung aufs neue inszeniert worden ist.

Die albanische Regierung weiß natürlich sehr gut, daß sie den mit Jugoslawien verbündeten Aufständischen gegenüber ins Hintertreffen gera­ten muß. Infolgedessen hat sie sofort in Som dringende Vorstellungen erhoben, und die an dem albanischen Problem noch immer stark interessierte italienische Regierung hat nicht versäumt, schleu­nigst ein paar Kriegsschiffe an das andere Ufer des Adriatischen Meeres zu entsenden. Ernsthafte Störungen auf dem Balkan dürften aber durch die albanischen Unruhen kaum ent­stehen, denn Jugoslawien wird sich hüten, durch Unterstützung der in Albanien eingefallenen Ban­den bzw. der albanischen Revolutionäre zu A n - nexionen zu schrecken. Wenn die Belgrader Regierung die Aufständischen direkt oder indirekt unterstützt, so tut sie das In erster Linie, um in Albanien einer Richtung zum Sieg zu ver­helfen, die sich den Wünschen Jugoslawiens fügt.

Paris, 19. Dez. (WTD. Fankspouch.) We Pct.t Par.sien" aus Belgrad meldet, haben die albanischen Aufitändschen unter Führung von Tcenabec die Stadt Pischkopela be­seht und d e Regierungstruppen zu einem un­geordneten Rückzug über den Drinfluh gezwungen. Die neuesten, aus Belgrad über Prizren eingetroffenen Nachrichten besagen, daß der Regierungschef Drnkoli geflohen sei. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so hat der Auf st and sein Ziel erreichll

Primo de Riveras Marokkopläne.

Paris, 19. Dez. (TU.) Der Sonderbe­richterstatter derUnited Preß" in Teman berichtet über eine Unterredung mit Primo de Rivera. Zur Lage erklärte Primo de Ri­vera, daß es in der sfxrnischen Zone 100 0C0 Mann gäbe, die gegen Spanien die Waffen ergreifen könnten. Die Zahl der augenblicklich im Felde stehenden Feinde be­trage 50 020 Mann. Sie seien gut bewaffnet und geländrkundig, so daß eS nochzu har­ten Kämpfen kommen werde. Spanien beabsichtige, sobald die endgültige Verteidi­gungslinie erreicht sei, nach Niederwerfung der jenseits dieser Linie ausgebrochenen Aufstände die Zone in Einklang mit den marokkanischen Gesetzen auf einer völlig neuen Grund­lage zu organisieren und eine marokka­nische Verwaltung unter spanischem Protektorat einzurichten.

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Die Blätter melden aus Tanger, daß A b d el Krim sich zum Sultan des Rifge­bietes ausrufen ließ.

Kabinettskrise in Prag?

Pr.ag. 19. Dez. (TU.) Infolge des vor- geftrigen Vorstoßes der Nationalsozialisten gegen den Vatikan weisen die flerifaten Blätter darauf hin, daß die Fortdauer der Regie­rungskoalition bedroht ist und kün­digen bereits Neuwahlen für den März nächsten Jahres an. In den gestrigen Nachmittagsver­handlungen des Abgeordnetenhauses über die Deamtenvorlage versuchte die Opposition, eine Aenderung der Regierungsvorlage zu erreichen. Unter Teilnahme sämtlicher oppositio­neller Parteien begab sich eine Abordnung zum Ministerpräsidenten S w e h 1 a. Gr erflärte, Ab­änderungen im Gesehtext nicht vornehmen zu können. Die Opposition beschwerte sich darüber, daß der Abbau zu ihren Ungun st en vorgenommen werde und erflärte sich von den Zusagen des Ministerpräsidenten nicht be= sriedigt. Sie entfernte sich darauf wieder aus dem Parlament.

Aus aller Welt.

Erfolgreiche Bohrung im deutschen Erdölgebiet.

Hannover, 19. Dez. (TU.) DaS Erd- ülgebiet in Nienhagen bei Zelle wurde von einer Anzahl von Sachverständigen und Fachleuten 'besucht, darunter auch Professor Stoller au? Vertreter der Berliner Gevlogt- schen Landesanstalt. Die Bohrung 41 der Ge- werkjchaft Eldorath, die bereits vor 2 Jahren

springende Oelquellen östlich von den verann- ten Bohrungen erschlossen hat, hat am 13. Dezember wieder eine neue Oeleruption gehabll

Folgenschwere

Explosion Im Lüneburger Eisenwerk.

Lüneburg, 19. Dez. (TU.) 3m Lüneburger Eisenwerk führten die infolge einer Verstopfung im Schmelzofen angesammelten Gase eine Ex­plosion herbei. 4 Arbeiter wurden schwer ver­letzt, von denen zwei im Laufe der Nacht starben.

Schweres Erdbeben auf den Philippinen.

Berlin, 19. Dez. (TU.) Die Morgen­blätter melden aus Manila, der Bezirk Sufigu auf der Insel Mindanac ist von einem schweren Erdbeben h i.ngesucht worden. Nach den bisherigen Meldungen wurden 34 Perso­nen getötet.

Schweres Dergwerksunglück in Südafrika.

Iohannisburg, 18. Dez. (WTD.) Bei dem Zusammenbruch des Schachtes einer Gold­mine sind ein Weiher und dreißig eingeborene Bergarbeiter getötet worden. Es ist noch nicht gelungen, die Leichen zu bergen.

Der Haarmann-Prozeh.

Hannover, 18. Dez. (TU.) Oberstaats­anwaltschaftsrat Dr. Wilde beantragte gegen Grans wegen Anstiftung zum Morde in den Fällen Hannappel und Wittig Todes­strafe und dauernde Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte. W gen gewerbsmäßiger und gewohnheitsmäßiger Hehlerei beantragte er eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und Stellung unter Polizeiaufsicht. Bei Erkennung auf Todesstrafe stellte er anheim, gemäß § 154 das Verfahren wegen Hehlerei vorläufig ein­zustellen.

Nach dem Oberstaatsanwalt erhält das Wort der Verteidiger von Grans, Rechtsanwalt Lotze. Er führt u. a. aus, man könne nur jemanden zum Tode verurteilen, wenn seine Schuld zwei­felsfrei feststehe. Es sei besser, auf Freisprechung zu erkennen, als jemanden unschuldig auf das Schafott zu bringen. Der Verteidiger ist der Ueberzeugung, daß psychologisch Haar­mann der Stärkere gewesen fei. Daß Grans Haarmann ausgenuht habe, stehe außer Zweifel, aber nicht in dem behaupteten Mähe. Von Anstiftung zum Morde könne keine Rede sein. Der Verteidiger plädiert schliehlich für Grans sowohl in dem Falle der Tötung als auch der Anstiftung zum Mcrde und auch in dem Falle der Hehlerei auf Freispruch.

Auf die Verteidigungsrede des Rech soi- Walls Lotze erwiderte Oberstaatsanwalt Dr. Wilde, daß man wohl auf Fre sprechung in den Fällen Hannappel und Wittig hätte kommen tonnen, wenn man den Eindruck ge­habt habe, daß es sich bei Goans um einen Mann handelt, der nicht w.sse, was um ihn herum vorgeht. Grans sei aber eine Zuhälter- natur. Der Oberstadt-aiwait sch'ießt:Die ge­rechte Strafe kann nach dem Gesetz und dem ge­sunden Rechtsempfinden bei beiden Angeklagten nur Todesstrafe fein.

Dann erhält Haarmann nochmals das Wort zu einer Erklärung, wobei man ihm eine große innere Erregung anmerkt, und in der er ausführt, daß er das Vertrauen zu der Menschheit verloren gehabt habe. Haarmann bricht dabei wiederholt in Weinen aus und er­klärt, daß er nie geisteskrank gewesen sei, wenn er auch seine Anfälle gehabt habe. Ich wurde ausgebeutet und bin ein Opfer ge­worden. Grans wußte, daß ich in seinenHän- den wie Wachs war. Ich habe alles ge­tan, was Grans von mir wollte. Das Letzte habe ich für ihn getan, nicht mit Gewalt, nicht mit Vorsatz!

Darauf erklärte Grans, daß er nicht so geschickt sich ausdrücken könnte wie Haarmann. Haarmann spiele aber darauf an, ihn zu be­lasten. Er verwechsele Wahrheit mit Dichtung. Er sei stets Schauspieler und Maske gewesen. Wenn man ihm vor der Verhaftung Haarmanns gesagt hätte, Haarmann habe ge­mordet, dann härter er, Goans. es nicht ge­glaubt. Er fei stets der Meinung gewesen, daß die Kleidungsstücke von Haarmann aus reelle Art und Weise erworben waren. Im allgemeinen hält der Angeklagte feine frü­heren Aussagen aufrecht.

Das Gericht z eht sich darauf zür Urtells- beratung zurück. D e Verkünd gung toirb Freitag vormittag um 10 Uhr erfolgen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 19. Dezember 1924.

Vom Eislauf.

Wenn winterliche Kälte über das Land zieht und über die Gewässer eine feste Eisdecke baut, dann ist es Zeit, die Schlittschuhe hervorzuholen, um auf ihnen über die spiegelglatte Fläche zu gleiten. Alt und jung, Männer und Frauen geben sich dann der unvergleichlichen Lust hin, die der Eislauf bietet. Es gibt wohl kaum ein gesundes Kind bei uns, das sich nicht ein paar Schlittschuhe wünscht, und es ist nur schade, daß die Gelegen­heit, Eislauf zu treiben, nicht in viel umfang­reicherem Maß durch Anlage von Eisbahnen dort, wo Naturbahnen fehlen, geboten wird, zu­mal Ski und Rodel in den letzten schneereichen Jahren so manchen Wintersportler ganz für sich gewonnen haben.

Beim Eislauf unterscheidet man zwischen dem einfachen Schlittschuhlaufen, das um des persön­lichen Vergnügens, des körperlichen und gesund­heitlichen Vorteils halber auögeübt wird, und zwischen dem sportlichen Eisläufen. Dieses scheidet sich wieder in Schnellaufen und Kunstlaufen, und als dritter Zweig kommen dann die auf Schlitt­schuhen betriebenen Eisspiele hinzu. Diese Ent­wicklung ist natürlich erst allmählich, wie bet allen anderen Leibesübungen auch, eingetreten. Erst die technische Vervollkommnung des Schlitt­schuhs ermöglichte es, daß aus dem Vergnügen ein Sport und aus dem Sport eine Kunst wurde. Bet kaum einer anderen Leibesübung, am ähn­lichsten vielleicht beim Kunstturnen, wird ein kleiner Fortschritt mit solchem Vergnügen fest- gestellt und die darauf verwandte M^e und Zeit später so reich entschädigt durch das Gefühl, seinen Körper zu beherrschen, ihm Kraft und Anmut zu verleihen, wie gerade beim Eislauf.

Allerdings sei gleich bemerkt, daß derjenige, der im Eiskunstläufen ein Stornier werden toUl,

über ein hohes Maß von Geduld, Ausdauer und Fleiß verfügen muh, ganz abgesehen von ande­ren natürlichen körperlichen Voraussetzungen. Der Kunstlauf hat sich zu einem Sport herausge- bilbet, dessen Wertungen in ganz bestimmten Regeln, die meist internationale Gültigkeit haben, feftliegen. Man unterscheidet zwischen Pflicht­figuren und Kürlaufen, d. h. selbstgewählten und zusammengesetzten Figuren, Tänzen, Sprüngen. Hier kann jeder Läu'er seine Individualität, seine geistige und ästhetische Eigenart zum Vor­trag bringen. Schon der Jugend sei empfohlen, daß sie auf der Eisbahn nicht planlos hin und her läuft, sondern versucht, die leichteren Figuren zu l 'men. Die BezeichnungenHolländer, Bogen, Schleife" sind in weiten Kreisen bekannt, die sportlichen AusdrückeSchlangenbogen, Dreier. Gegendreier" usw. sind jedoch vorläufig noch aus ein kleines sachverständiges Publikum beschränkt. Selbstverständlich teilt auch der Kunstlauf bzw. der sportliche Eislauf überhaupt die -Ausüben­den in verschiedene Klassen: Neulinge, Junioren, Senioren und Meister, und bei den Pflichtfiguren gibt es die sog. Elementar- und die höhere Schule. Die Elementarschule umfaßt die Grund« figuren, die höhere Schule die Verbindungen der Grundfiguren.

Ganz anders geartet ist der Schnellauf, be1 dem es nach der Strecke auf äußerste Schnellig­keit oder auf besondere Ausdauer ankommt. 3m internationalen Wettbewerb gibt es nur vier Strecken, die durchlaufen toerSen müssen, näm­lich 500 Meter, 1500 Meter, 5000 Meter und 10000 Meter. Die Rekordl'.ste zeigt, daß auf dem Eis ganz getoalt:ge Schnelligkeiten erzielt wer­den können. Auch hier ist fletßiges Heben neben natürlicher Veranlagung der Weg zum Erfolg. Im übrigen ist wohl wenig bekannt, daß ein Eis­schnelläufer, solange es an brauchbarem Eis fehlt, um möglichst schnell in Form zu kommen, daZ sogenannte Landtraining treibt. Die maßgebendes deutschen Eislauf-Vereinigungen haben diese Vor­bereitungsmethode schon seit längerer Zeit syste­matisch ausgenommen. Gelenkübungen. Tempo­läufen, das in Laufgräben, am zweckmäßigsten an deren seitlichen Wänden, vorgenommen wird, sind die hauptsächlichsten Formen des Land­trainings.

Zum Schluß noch ein Wort über das Eis­läufen der Frauen. Kaum jemand wird glau­ben, daß das Schlittschuhlaufen einer Dame vor etwa 100 Jahren noch als unanständig galt Den Ruhm, mit diesem Vorurteil aufgeräumt zu haben, hat fein geringerer als Goethe. Goethe, selbst ein begeisterter Anhänger des Eislaufs, konnte in Weimar die Reize des Schlittschuh­lauf s der dortigen Damenwell nicht genügend preisen und hatte bald Erfolg damit. In Berlin hat die berühmte Opernsängerin Henriette Sontag- Gräfin Rossi den Grundstern für das Schlittschuh­laufen der Damen gelegt.

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Wettervoraussage.

Leichter Nachtfrost, Nebel, zeitweise auf- klarend, trotten.

** Neue P ostgebühren. Der Der- waltungSrat der Deutschen Reichspost beriet gestern die Vorlage über Gebührenermäßigun­gen und die dazu gestellten Anttäge des Ar­beitsausschusses des Verwaltungsrates. ES wurde eine Ermäßigung der Zahlkarten- und Telegrammgebühren, die am 1. Januar in Kraft tritt, und eine Herabsetzung der Fern­sprechgebühren beschlossen, die am 1. Februar in Kraft treten soll.

** Anträge auf Erteilung vor. Wandergewerbescheinen für 1925 sind jetzt schon bei dem zuständigen Pol zeirevier einzureichen, damit die Scheine zu Beginn des nächsten Jahres in den Händen der Gesuch- steiler fein können. A t». schor gebrauchte Wander­gewerbescheine sind nicht mit vorzuttgen. Eieenst sind Anträge auf Erteilung von Gewerbe-Legitt rnationskarten umgehend zu stellen.

* * DaS Befahren der Dreihäuser­gasse verboten. DaS Polizeiamt teilt mit. daß gemäß Polizeiverordnung vom 11. Dezem­ber 1924 das Befahren der Dreihäusergasst mit Fahrzeugen aller Art verboten ist. Unbe­rührt hiervon bleibt das Zufahrtsrecht zu den Hofraiten der Dreihäusergasse für Anlieger, Bewohner und deren 'Beauftragte.

** Gute Schaufenster-Beleuchtung. Im Anschluß cn unseren gestrigen A f kelSchau­fenster und Zeitungs-Anzeige" wird uns ge­schrieben: Der erfahrene Geschäftsmann sieht In der Anziehungskrast des Schaufensters mit Recht einen wesentlichen F iktor für se n.n g schäft- lichen Erfolg. Er legt deshalb großen Wert auf wirkungsvolle Ausstattung und möglichst vor­teilhafte Auslage der Waren. H.nstchttich der künstlichen Beleuchtung werden aber manche Fehler gemacht. E.ne gute Schaufensterbeleuch­tung muß vor allem reichlich fern, denn die ausgestellten Waren muß man möglichst ebenso gut wie bei Tageslicht s hen bannen. Dam braucht man starke Lichtquellen. Diese dürfen aber nur so ungeordnet werden, daß sie die b.r.intretenDcn Passanten nicht blenden. Die Lampen müssen deshalb hoch angebracht und außerdem von lichtstreuenden Hüllen aus Matt las oder Opal­glas umgeben fern. Noch schöner ist die Wirkung Der Cchaufensterbeleuchtung, wenn die Licht­quellen verdeckt angebracht sind, also dem Auge ganz verborgen bleiben. So verfährt man be­kanntlich bei der Bühnenbeleuchtung. Das Schaufenster ist ja auch eine Art Schaubühne, für feine Beleuchtung gelten daher d c gleicher Grundsätze, wenn gttich schone W düngen erz elr werden sollen. Daß für Schaufenster nur die elektrische B.keuch tun g in Frage kommen kann, ist heutzutage ja selbstverständlich. Aber es müssen auch alle Möglichkeiten der elektrischen Beleuchtung voll ausgenutzt w rden. Die Daraus sich ergebenden Mehrkosten Dürfen I> er nicht hemmend wirken, denn sie machen sich schnell bezahlt durch höhere Einnahmen.

Aus Dem Gießener Standes- amtsregister. Es verstarben in Der Zeü Dom 2- bis 15. Dezember: 2. Dez.: Irmgard Rethwisch, 1 Jahr alt, Duddestraße 7; Adam Friedrich, Amtsgerichtssekretär i. R., 71 Jahre alt, Sonnenstraße 8. 3. Dez.: Anna Schaumburg, ohne Berus. 24 Jahre alt. Lindengasse 12. 4.Dez.: Elisabeth Völpel geb. Schneider. 60 Jahre alt. Wagengasse 11. 5. Dez.: Johannes Rübsamen. ohne Beruf, 72 Jahre alt, Licher Straße 74. 7. Dez.: Amalie Hoffmann, Rentnerin, 52 Jahre