Jte Verteilung vsr stsentlichen beut» schen DorkriegSfchulden vorgenommen (Sie Hal die Anteile Belgiens, Danzigs, Polens und der Tschechoslowakei folgendermaßen festgesetzt: Belgien 640 609, Danzig 3 763 729, Tschechoslowakei 42 870, Polen (für Obeischftfien) 1 750 361, Polen (für die andern abgetretenen Gebietsteile) 17 121 438 Goldmark.
Der mißverstandene Brief des Generalagenten.
r Das Rätselraten um Gilberts Dries nimmt munter feinen Fortgang und findet täglich neue Rahrung durch die verschiedenen Kommuniques, die teils von ifyin selbst, teils von der deutschen Regierung zur „Erläuterung" heraus- gegeben werden. Klüger ist allerdings bis heute kein Mensch geworden, auch im Ausland zerbricht man sich den Kops darüber, welchen Zweck Herr Gilbert wohl mit seinem Brief verfolgt hoben mag. Dem Kern des ganzen Problems kommt wohl die Chicago Tribüne am nächsten, die feststellt, der Schritt Gil- bertsbedeute indirekteinen Angriff auf die Recovery-Acte.
Sehr interessant sind die Ausführungen Arnold Rechbergs, der feststellt, der Sinn des Schreibens dürfte sein, daß aus den dem Transfer-Komitee zur Verfügung stehenden Gesamtsummen zunächst die Teilbeträge fest gelegt werden sollen, welche den einzelnen Gläubigerstaats zu überweisen sind. Rur in der Höhe der Teilbeträge, welche auf die Staaten entfallen, in denen die Entschädigungsabgabe erhoben wird, darf den nach biejen Staaten exportierenden deutschen Kaufleuten und Industriellen die Abgabe zu rückvergütet werden. Steigt bet deutsche Export nach einem die Entschädigungsadgabe erhebenden Gläubiger- staiate über den Teilbetrag, der an diesen Staat aus dem wahres, inl.mmen „des Transfer-Komitees zu überweisen ist, dann erhalten die nach b.efem Staate ^portirrenden deutschen Kaufleute und Industriellen keinerlei Rückvergütung 'Mehr für die Abgabe, und zwar weder vom Reich noch vom Lransfer-Komit e ®o£tu ch. daß die Cnt'chädigungsabg.'.be mit dem Abdrosseln der Reichsrückvergütung an die deutschen Exporten.e kombiniert w.rd, schwindet jede Möglichkeit eines irgendwie erheblichen deutschen Exports an die Länder, welche die Entschädigungsabgabe fordern.
Der „M a n ch e st e r Guardian" schreibt, es sei wahrscheinlich, daß jetzt, wo der Trans- ferausschuß es übernommen habe, zu entscheiden, wie die Zahlungen geleistet werden sollen, den individuellen Gläubigern Deutschlands gestattet werden soll, ihren Anteil durch eigene Methoden zu erhöhen. Es sei daher zweifelhaft, ob die Abgabe, die ursprünglich dem britischen Schatzamt zum Dorteil gereicht habe, zweckmäßig beibehalten werden sollte, da sie jetzt England keinen besonderen Dorteil mehr biete, sondern nur Unsicherheit schaffe, den Charakter eines hohen Schutzzolls annehmen könne und das allgemeine Problem der äeberführung von Werten aus Deutschland eher kompliziere als vereinfache. Der ganze Zwischenfall sei die zweckmäßige Erinnerung daran, daß das Reparationsproblem jetzt aus den Händen der Regierungen Fenommen und in d i e der international erlSachverständigengelegl sei.
Der deutsch-englische Handels- 5 vertrag.
, London, 19. Rov. (WTD. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt: Die Verhandlungen zur Herbel- führung eines deutsch-englischen Handelsvertrages hätten jetzt einen Punkt erreicht, wo es für die deutschen Sachverständigen notwendig sein könnte, nach London zu kommen, um die endgültigen Einzelheiten mit dem Schatzamt und dem Handelsamt zu erörtern. Abgesehen von der 26prozentigen Ausfuhr abgabe scheinen die übrigen Schwierigkeiten gering und verhältnismäßig unbedeulend zu fein. Der englische Botschafter hat sich gestern nach London begeben, um seiner Regierung über ben Stand der Derhandlungen Bericht zu erstatten.
Um die Räumung der Kölner Jone.
Köln, 19. Rov. (Sil.) Zu der Frage ber Zurückziehung der englischen Truppen aus dem Kölner Gebiet schreibt ber , Evening Standard": Es werden in Berlin bestimmte Vermutungen angestellt, ob bie englischen Truppen durch französische erseht werden sollen. Es muß betont werden, daß diese Frage nicht die englischen Truppen, sondern die gesamten interalliierten Truppen betrifft. Sie wird daher durch die Alliierten gemeinsam entschieden werden. Alles hängt von der Erfüllung des Friedensvertrages in militärischer Hinsicht ab. Soweit die Reparationen in Frage kommen, habe Deutschland den Dawes-Bericht angenommen, aber ber zweite Teil seiner Derpflichtungen betreffe die militärische Frage. In dieser Beziehung könne man kein Urteil abgeben, bevor die Militä r- kvntrvllkvmmission ihre Tätigkeit beendet habe. Das Ende der Kontrolle werde M'tte Dezember erwartet. Es scheine unter diesen ilmftänben höchst unwahrscheinlich, daß die englischen Truppen zum 10. Januar oder einem kurz darauf folgenden Termin zurückgezogen würden. Die neuen Machthaber in der
Pfalz und Rheinhessen.
Koblenz, 19. Rov. (T. A.) Den beiden Generälen d e M e tz, Kreisdelegierter der Pfalz, und D e n v i g n e s, Bezirisbelrgierter fürRheinhessen sind g:'s Veranlassung des Kriegsministeriums militärifche Kommandos übertragen worden. Ihre Posten werden durch Mei Beamte des franzöff- scheu Kommissariats, Ballot und Bastiani, besetzt werden. B.illot ist beauftragter Bram er ber inneren Departementsverwaltung und war Generalsekretär im Departement Giiond und gehörte seit mehreren Jahren bem Oberkvmmissariat an. Er hat auch bereits bei der interalliierten Militärkommissiou gearbeitet. Z.'letzr war er Chef bei der Zivilabteilung des Kriegsministeriums. Bastiani war bisher Beigeordneter des Delegierte.: im Mainzer Bezirk und Win- nunmehr endgültig die bisher vertretungswei'e berjefjene Ober» Megation übernehmen. Als ehemaliger Offizier ist er Kommandant der Ehrenlegion.
Glückwünsche an die befreiten Gebiete.
Dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen- Qiaffau sandte der Reichspräsident folgendes Telegramm:
Den Bewohnern des heute von fremder Besatzung befreiten Gebietes übermittele ich no mens des Reiches herzliche Grüße und die D e r -- ficherung dankbarer Anerkennung für ihr mannhaftes Ausharren in der schweren Zeit bei Fremdherrschaft/'
Der Reichs ka nzler richtete cm den Oberbürgermeister von Darmstadt folgendes Telegramm: „Ser Verwaltung und Bevölkerung von Darmstadt spreche ich anläßlich der jüngsten Räumung durch die Desahungs- truppen den herzlichsten Glückwunsch aus. Mögen die daraus erwachsenden Erleichterungen für Wirtschaft und Verkehr sich zum Vorteil aller Dolkskreise auswirken." Auf daS Glückwunschtelegramm hat Oberbürgermeister Dr. Gläs- sing wie folgt geantwortet: „Ew. Exzellenz danke ich für die der Verwaltung und für die ber Bevölkerung der Stadt Darmstadt herzlichst für die anläßlich ber jüngsten Räumung ausgesprochenen Wünsche. 3n dem Vertrauen, daß auch die in näherer und fernerer Zukunft fällig werdenden Zusagen erfüllt werden, begrüßen wir die Räumung als eine Hoffnung für Deutschlands Zukunft."
Der Lebenshaltunhsindex.
Berlin, 19. Rov. (WTD.) Sn der gestrigen Sitzung ber Index ko mmifsion beim Statistischen Reichsamt wurden, wie der „Lokalanz." meldet, von verschiedenen Seiten st arte Bedenken gegen die bisherige Berechnungsart der Lebenshaltungsziffern geltend gemacht. Das Statisttsche Reichsamt werde infolgedessen bis auf weiteres die Aufstellung des Index ein stellen. Rach'Fühlungnahme mit den statistischen Aemtern ber Länder werde das Statistische Reichsamt ber Indexkommission in einer auf den 2. Dezember an beraumten Sitzung neue Vorschläge über die Indexberechnung unterbreiten.
Steuersenkung in Baden.
Karlsruhe, 18. Rov. (WTD.) Das Ctaatsministerium hat heute auf Antrag des Finanzministers beschlossen, im Anschluß an die Senkung von Reichssteuern und in Vollzug der Vereinbarung ber ßänberregierungen mit dem Reichssinanzministerium dem Landtag für das Rechnungsjahr 1924 eine Senkung ber Grund- und Gewerbesteuer vorzuschlagen. Diese soll allgemein in der Weise ermäßigt werden, daß von ber letzten, auf den 15. Februar fälligen vierteljährlichen Teilzahlung nur die Hä lfte erhoben wird. Dies kommt einer Senkung der auf 32 bis 46 Pfennig festgesetzten Steuersätze von durchschnittlich 5 Pfennig gleich.
Auslösung der Bremer Bürgerschaft.
Dremen, 18. Rov. (WTD.) In der Dür- gerschaftssihung, auf deren Tagesordnung an erster Stelle Sie Senatsneuwahlen standen, haben die Demokraten die Erllärung abgegeben, daß der neu zu wählende Senat kaum eine tragbare Mehrheit erhalten werde. Die Demokraten könnten deshalb der Vorschlagsliste nicht mehr zustimmen und befürworteten den Antrag auf A u flösung der Bürgerschaft. Diese Erklärung in Verbindung mit dem Antrag auf Umstellung der Tagesordnung rief bei der Deutschen Volkspa rtei, der Deutschnatio- nalen Dolkspartei und ber Völkischen Partei lebhaften Protest hervor. Rach 2 l/'stündiger Debatte über den Auflösungsantrag der Sozialdemokraten wurde dieser Antrag dann in namentlicher Abstimmung mit 74 gegen 43 Stimmen angenommen. Die Demokraten, das Zentrum, die Hausbesitzer, bie Sozialisten und die Kommunisten stimmten für die Auflösung, die Deutsche Volkspartei, bie Deutschnationale Dolkspartei und die Deutsch- völkische Partei dagegen.
Stadtratswahlen in Oldenburg.
Oldenburg 19. Rov. (TU.) Dei der Stadtratswahl in Delmenhorst Stadt und Stadtgebiet wurden insgesamt gewählt: 18 Bürgerliche (bisher 16), 12 Sozialdemokraten (14) und 1 Kommunist (1). — Die Stadtratswahlen in Rordenhamm hatten folgendes Ergebnis: Bürgerliche Parteien 8 (bisher 9), Kommunisten 1, Sozialdemokraten 9 (9). Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent. — In Varel haben die Sozialdemokraten je einen Sitz an die Bürgerlichen und an die Kommunisten abgeben müssen. Sie haben 5 Sitze zu verzeichnen, während die Demokraten 10 und die neue bürgerliche Einheitsliste 10 und die Kommunisten 1 Sitz aufzuweisen haben. — In Rüst r i n g e n besteht die sozialdemokratische Mehrheit im Stadtrat weiter. Don 26 Mandaten erhielten die Sozialdemokraten 14, die Rechte 8, die Deamten 2, Sie Demokraten 1 und die Kommunisten auch 1. — In Jever hat die Wirtschaftspartei bei 9 Sitzen einen verloren; die Ralionalsozialisten behaupten 4 Sitze, die De- amten 2, die bürgerliche Vereinigung 2 und die Völkischen 1. Die Völkischen haben damit stark verloren. — In D l e x e n haben die Dürger- lichen 8 Mandate (vo'her 7), Sozialdemokraten 6 (5), Kommunisten 1 (3). — In Drake erhielten die Bürgerlichen 10 (vorher 9), die Sozialdemokraten 8 (9). — In Oldenburg selbst finden die Stadtratswahlen erst am 23. Roveniber statt.
Der Renlnerbund zu den Wahlen
Darmstadt, 18. Rov. (Eig. Bericht.) Der Deutsche Rentnerbund, in dem die früheren Mitglieder des Geusenbundes organisiert: sind, erläßt einen Aufruf, worin er auffixbert, für bie Deutsch nationale und für die Deutsche Volkspartei bei den Wahlen einzutreten.
Amnestie für Malvy und Caillaux.
Paris, 18. Rov. (WB.) Der Senat hat heute die Diskussion über das Amnestiegesetz und I 2wei wichtige Entscheidungen getroffen. Der frühere Minister Malvy, ber am 7. August 1918 Staatsgerichtshof abgeurteilt worden ist, ist nut 195 gegen 62 Stimmen und Caillaux, der am 23. Ap.il 1920 verurteilt wurde, mit 176 ge- ‘ gen 104 Stimmen amnestiert worden. Sobald das
Amnetnegesetz in der Fassung des «Senate von Der Kammer angenommen fein wird, kann Calllaux wieder feinen Wohnsitz in Paris aufschlagen und aktiven Anteil an der Politik nehmen. Es wird allgemein angenommen, daß er hiervon Gebrauch machen und daß ihm die r a b 11 g l e Partei Gelegenheit geben wird, in aller Kürze einen Kammersih zu erobern.
Polens Eintritt in die Kleine Entente.
Paris, 19. Rov. (Tll.) Der „Matin" erfährt aus Belgrad, daß Besprechungen zwischen den Regierungen der Kleinen Entente und ber polnischen Regierung, bie auf ben Eintritt Polens in den Etaatenbund der Kleinen Entente abzielen, bevorstehen. In diplomatischen Belgrader Kreisen ist man ber Auffassung, daß die Aufnahme Polens angesichts der Anerkennung Sowjet-Rußlands durch die Entente, die in der nächsten Zeit erfolgen wird, eine zwingende Rotwendigkeit geworden ist. In zuständigen Kreisen erklärt man, daß die Aufnahme Polens bie Stellung ber Kleinen Entente gegenüber Sowjet-Rußland wesentlich verstärken und auf diese Weise zur Sicherung des Friedens in Zentraleuropa beitragen würde. Höchstwahrscheinlich wird schon im Laufe des kommenden Monats eine Konferenz von Vertretern der Kleinen Entente und Polens statt- finben.
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Votschafterwechsel in Berlin
und Washington.
Reu York 18. Rov. (S. 11.) Der deutsche Botschafter in Washington, W i e b f e l b t, verließ, zusamnren mit der Mannschaft des Z. R. III, auf dem ^Colu m du s" Reuyork. Der Flieger- Ernst H e i n k e l s entbot dem scheidenden Schi ff mit feinem Aquila-Flugzeug, von dem die deutsche Flagge wehte, einen ADschiedsgruß. Vor seiner Abreise legte Wtedfeldt einen Kranz am Steuben- benkmal nieber. — Wie die Blätter ferner melden, wird auch ber amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton, ber eben nach Deutschland zurückgereist ist, feinen Berliner Posten im März verlassen und den Botschafter in London, K e l l e g, ber zurücktritt, ablösen.
Spaniens Rückzug auf Tetuan.
Madrid, 19. lRov. (TU.) GeneralPrimo de Rivera telegraphierte gestern abenb, daß es in der Gegend von Schaschauen zu kleineren Kämpfen gekommen sei. Die Aufständischen hätten nach der Räumung des Gebietes keine Angriffe mehr unternommen. In der Gegend von Lar rach wurden die vorderen spanischen Stellungen geräumt. D:e Räumung der Stadt Bauen durch die 10 000 Mann starke Garnison ist ohne nennenswerte Verluste effolgt. Damit ist ber erste Zlbschnitt bes Programms, das den völligen Rückzug auf Tetuan zum Ziele hat,, burchgeführt. In hiesigen Kreisen wird bie Räumung Bauens, die bisher feine spanische Regierung durchführen wollte unb die durch Aufgabe von 80 befestigten Stellungen eine große Ersparnis an Truppen und (Selb bedeutet, als Erfolg für das Direktorium bezeichnet.
Aus aller Wett.
Eröffnung der deutschen Schule in Konstantinopel.
Konstantinopel, 18. Rov. (Wolff.) Gestern fand im großen Saal der „Teutonia" in Pera die feierliche Eröffnung ber deutschen Schule sta". An ber Feier nahmen ber Provinzialdirel- tor bes Schulwesens Rai l Rechit als Beauftragter unb Vertreter des ätirterrichtsministers, der Oberbürgermeister von Konstantinopel Emin Bey das gesamte Personal ber den tschen Botschaft, die Spitzen ber den tschen Kolonie und eine etwg 200köpfige Versammlung aus Deutschen, Schweizern und anberen bei reunbeten Ausländern teil. Der Vorsitzende der Schulgemeinde Ruff dankte im feiner Eröffnungsansprache ben türkischen und deutschen Behörden für bie wohlwollenbe Tlnterstühung bei der Errichtung Oer den tsch en Schule und schloß mit einem Hoch auf die beiden Länder, worauf die Musik die türkische und deutsche Rationalhymne spielte. Der Vertreter ber türkischen Regierung betonte deren Interesse an der Wiederaufnahme des deutschen LInterrichts, das auch in der Bern ck s i chtigung des deutschen Sprachunterrichts an den türkischen Schulen seinen Ausdruck findet. Der deutsche Botschafter Radolny stellte mit Befriedigung fest, daß die deuffche Schule von türkischer Seite nicht als Fremdkörper empfunden werde. Anschließend sand die Vorstellung und Verpffichtung des Lehrkörpers /owie eine Besichtigung des gemieteten Schulgebäudes, bas bis zur Rückgabe des noch von den Franzosen zurückgehaltenen eigenen Hauses der deutschen Schule dient.
Eine Tuberkuloseschutzimpfung.
Im Hauptgefundheitsamt der Stadt Berlin sowie in einigen auswärt gen Kinderkliniken ist man zur Zeit mit der Rachprüfung einer Tuberkulosenschuhimpsung beschäftigt, die Dr. Hans Langer von der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglings- unb Kleinkindersterblichkeit aüdgearbeitet hat. Rach seinen Mitteilungen in medizinischen Fichschriften soll mit einem Impfstoff aus abgetöteten Tuberkulose- bazillen eine viele Monate anhaltende Schutzimpfung gegen Tuberkulose zu erzielen sein.
Vor Dr. Eckeners Ankunft in Deutschland.
Berlin, 19. Rov. (T. U) Zum Empfang des am Sonntag, dem 23. b. Mts., auf dem „Columbus" wieder in Deutschlanb eintreffenben Dr. Eckeners werden sich ber mit ben Geschäften des Reichswehrniinisteiaums beauftragte Staatssekretär D r. K rv h n e. der Leiter der Abteilung für Luftfahrtwesen im Reichsverkehrsmini- fterium, Ministerialrat Brandenburg, nach Bremerhaven begeben. Die Herren werden dort an Bord des „Columbus" gehen und dem erfolgreichen Führer des L. Z. 126 die ersten Grüße und den Dank der Reichsregierung überbringen.
Das neue britische Riesenluftschiff.
London. 19. Rov. (WTD. Funkspruch.) Das Luftfahrt-Ministerium veröffentlicht nähere Angaben über das- neue britische Riessnluftschiff R 101, das in Cardington gebaut werdei» soll.
©eine Verdrängung wird ungefähr 5 Millionen Ku birst:ß betragen, d. h, eS wird mehr als dreimal so groß fein, wie die bisher gebauten Luftschiffe. Es wird das erste aus Stahl gebaute Luftschiff sein. Auch die Propeller sollen ganz aus Stahl hergestellt werden. Das Luftschiff wird 7 Motvre von je 600 PS. besitzen und soll eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 70 Meilen pro Stunde entwickeln können. Es soll über 1 00 Passagiere auf nehmen. Die Länge soll 720, die Höhe 140 und ber größte Durchmesser 130 Fuß betragen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 19. Rovemder 1924.
Stilles Heldentum.
Wir alle kennen jene Leute, die durch die Inflation ihres Vermögens unb ihrer Stellung beraubt wurden unb nun auf ihre alten Tage vielfach hungern unb darben. Es ist ein ergreifendes Stück der Geschichte unserer duntten-T-ge wie diese armen Menschen ihr schweres Ges.hick aui mutigen Schultern tragen unb sich meist ab= gefunden haben mit einer Gegenwart, die nicht nur ihre Vergangenheit verneint, sonder., biiuiig genug ihnen sogar das Recht auf eine beschelle e Gegenwartsexistenz nimmt.
Gibt es heute Helden, so ruht das Heldentum bei ihnen, die unsere Zeit wie ein Reuland empfinden müffen, in das sie mit alten müden Händen wieder den Spaten senken müssen, um sich mühsam Brot zu schaffen. Man schaudert über den Wandel der Verhältnifse. Grauenhafte Bilder des Elends stehen vor der Seele, immer wieder, wenn man sich näher mit dem Schicksal dieser Entrechteten befaßt Bitt«? steigt es in uns auf, wie so etwas möglich ist.
Bei ruhigem Rachdenken erscheint es unglaublich, unö wir verstehen die Urteile der Ausländer, die es uns zum größten Vorwurf machen, daß wir die Veteranen der Arbeit sich in Hunger verzehren ließen, während sich andere ungerechtfertigt aus ihrer Kraft aufbauten.
Wir stehen hier vor einer Tatsache, wo sich nur noch gutmachen läßt. Aber wir müssen den Willen haben, gutzumachen. Das darf nicht nur darin zum Ausdruck kommen, daß wir sie wieder in den Besitz eines Teiles ihrer Vermögen mit staatlicher Hilfe bringen wollen, sondern — unb das ist viel wichtiger und nötiger! — daß wir ihnen auf dem Wege dahin mit privaten Mitteln helfend unter die Arme greifen, damit sie nicht zusammen- brechen, ehe sie zu diesem Ziele gelangen könnten.
Wer heute noch soviel hat, daß er und die Seinen satt werden und etwas erübrigen kann, der muß es auf sein Gewissen nehmen, auch das letzte Stück Brot zu teilen, das ihm bleibt, und es weiterzugeben an die, die es von ihm so bem dürfe n. Die innere Zerrüttung, die hinter d es n leidenden Mitbürgern liegt, können wir nicht mehr- gut machen. Wir können ihnen nur ben äußeren Lebensweg etwas ebnen unb erleichtern helfen Alnb bei gutem Willen geht bas auch, man muß nur nicht müde werden, wenn es immer wieder gesagt wird, daß hier Pflichten vorliegen, an denen wir nicht vorbeidürfen.
Was soll unsere Jugend einst von uns denken wenn wir, die wär jetzt verdienen, denen nicht aufhelfen, die vor uns verdient haben! Unb mögen wir über das vergangene Geschlecht denken, wie wir wollen, es hat bei allen Fehlern doch Werte geschaffen, von denen wir zehren.
So sind wir Schuldner, wo wir uns ost als Gläubiger fühlen, und müssen uns doch immer wieder bescheiden lernen, wenn wir Gerechtigkeit üben wollen.
Denkt an unsere verarmten Alte Vergeßt die „stillen Helden", nicht!
Spenden ans der Deutschen Nothilfe.
Der Reichsarbeftsausschuh der Deutschen Rot Hilfe ist am 15. Rovember in Berlin zu einer Sitzung gufammengetoeten. Es war in d-xr Lage, den Betrag von über 700 000 Gold- mark zu verteilen. Den Rotstandsgebietrn im unbesetzten Deutschland wurden aus den Erträgnissen der Wohlsahrtsbrieftnarke 120000 Mt zur Ergänzung ber öffentlichen Mittel für die Wohlfahrtspflege überwiesen. Den besetzten Landesteilen wurden 100 000 Mk. zugeteilt. Die vom Hochwasser betroffenen ßänber erhielten 200 000 Marck, die der Reichspräsident zur Eröffnung der neuen Sammlung für die Hochwasser gebiete spendete. Zur Fürsorge für bie noch in den französisch-belgischen Gefängnissen besinblichen deutschen Gefangenen und deren Angehörige wurden 20 000 Marck bereitgestellt. Zur Ergänzung ber staatlichen Fürsorge für bie Ausgewiesenen wurde ber Betrag von 290 000 QHarf bewilligt, ber durch eine Lotterie aufgebracht wird. Weitere für den Winter bringend benötigte Mittel zur Linderung der Rot soll eine im Dezember un ganzen Deutschen Reich stattfindende Opferwoche der Deiltschen Rothilfe aufbringen.
Wettervoraussage.
Wechselnd bewöllt, zeitweise dunstig, Winde allmählich auf nördliche Richtung drehend, Temperaturen abnehmend, stellenweise RiederschLge (teils Schnee).
Von Skandinavien sind Tiefdruck-Ausläufer nach Süden vorgedrungen und haben auch unseren Bezirk in den Bereich ozeanischer Luftströmungen gebracht, so daß im Verlaufe der letzten 24 Stunden Abschwächung des Frostes eingetreten ist, wenn auch die Morgentenrperaturen noch unter Rull lagen. Auch wurde die nächtliche Ausstrah« hing bei stärkerer Bewölkung verringert. Gleich - zeitig hat sich aber ein Hochdruck-Zentrum über ben britischen Inseln verstärkt, so daß die Trübung und Milderung der Wetterlage nur von für- zer Dauer sein dürfte.
Bornotizen.
— Tag«skalender für Mittwoch. Stadttheater, 71/2 ^Ihr: „Der Meisterboxer". — Gesellschaft für Erd- unb Völkerkunde, 8y< llf>r in der Reuen Aula: Lichtbildervortrag von Prof Dr. Klute. — Stadttnission, 8V4 Ähr. Vortrag von Dir. Heittnüller. — Deutsche demokratische Partei, SVi 11 br in ber Turnhalle (Oswaldsgarten): öffentliche Wahlversammlung. — Katt). Vereinshaus, 81/0 älhr: Vorstellung von Blllachini — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rosenmontag". — Astoria-Lichtspiele: „Auf gefährlichen Spuren".
— Zu der heutigen bemokratisd>en Wahlversammlung in der Turnhalle am Oswaldsgarten wird uns geschrieben: Die Deutsche Demokratische Partei hält heute abenb 81/* Uhr '.1 der Turnhalle am Oswaldsgarten eine öffente


