Einzelbild herunterladen

'Ur. 215 taffes Blatt

IHtttwod), (9. klovemver 1924

U4- Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhefsen

Dmrf imd Der!ogjBrfif)rf(f)e UniverstlÄr-vuch- und Stdnörucferei N. Lange in Siehe». Zchriftlettunz und Seschäftrftelle: Schulftrahe 7.

Ttsnahme »en aiijc.aui für die logesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerdindlichbeit.

Preis für \ mm hohe

für Anzeigen von 2, mm Breite orilich8,auswaris 10 (Folbpltnntg; für Re­klame Anzeigen o 70mm Drette 35 (holbpfcnmg, fch'.ag Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr lliilh Vongc; für den nbiigcn Teil: Ernst Dlumschein^fürde > Anzeigenteil: HansBeck, jämilid) in Gießen.

W«txl täglich, anher Souu web Friettcqs.

Beilagen:

OietzenerFeimilienblütter Heimat im Bild.

eets-Beiigspreis:

2 Bold mark u. 20 Bold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt. Fer nfpr ech-Anschlusse: vchrifüettnng 112, Der- ag undBeschästsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Nnzelaer« letze».

pofttchecklonto: granffart a. M. 1168«.

Die Unterdrückung der Deutschen in Böhmen. Die deutschen Parteien lehnen die Mitarbeit im Prager Parlament ab.

Prag, 18. Rov. (WTB.) Das 2lbgeord- netenhcrus trat in die Beratung des Staat-hnus- haltSvovanschLags für 1925 ein. Chi der General­debatte crtLirtc Dr. Czech (deut'cher Sozialde­mokrat) u. <l: Bier Jahre hindurch hahen sich die Abgeordneten der deutschen sozialdemvkraii- schen Arbeiterpartei mit übermenschlicher Ee uid auf diesem unfruchtbaren Boden abgemüht in der Hoffnung, bat) ihre Arb.it und ihre wieder­holten Mahnungen wen.gstens bei den einsichls- volleren unter ihnen das Gewissen wecken werden, bat) sie unseren Argumenten Rechnung tragen und wenigstens di« krassesten Ausschreitungen unterlassen un d die härtesten Bedrückungen mildern wer­den. Sie haben uns aber immer wieder schmerz­volle Gnttäuschungen bereitet und gerade fehl, da das Land unter den Folgen der von ihnen herbeigeführten Wirtschaftskrisen lei'et. haben sie all« Methoden der Tlnler- druckung gesteigert.

Tausende Staatsbedienstete wollen Sie brotlos machen. Di« Bodenreform wird zur gewaltsamen Rationalisierung mißbraucht; eine "neue Drosse­lung des deutschen Schulwesens ist im Zuge, die Knebelung der Presse und der Versammlungs­freiheit härter denn fe. Immer unverhüllter kommt der nationalistische Machtgedanke zum

Ausdruck.

In Wirklichkeit wird über die Lebensfragen des Slaats in kleinen Konvenlikeln entschie en, wird die Immunität bodenlos preisge- ?eben und Jnterpella'.ior.en und selbst Sitzung s- orichte Zensuriert. Wir aber sind nicht gewillt, dabei zu Helsen. Wo gibt es ein Parlament, in dem Dte Budgets bis auf die letzte Zifter in geheimen Konventtkeln zuscnnmengestellt weiden? RivgendS In der Well würde man dergleichen wagen. Hier verlangt man. das) wir dem Ab­solutismus eine konstitutionelle Staffage stellen sollen. DaS älnrecht, das fyier an der Opposition begangen wird, ist nur daS Spiegelbild der Tlnterdrückung. unter der Millionen zu leiden haben, die nicht der Klasse der Herrschenden angeboren. Rach sechsjährigem Bestände des Staates gibt es noch Gebiete, bk hier im Hause nicht vertreten sind. Sie sagen, die Demokoatie ist die Diskussion, sie diskutieren aber längst nicht mehr.

Sie haben einen gemischtsprachigen Staat, wie es die Tschechoslowakei ist, mit der tschecho-slo- waklschen Nation identifiziert. Alle Kundgebun­gen über die Festigkeit Ihres Systems können nicht darüber hinwcgiäuschen, daß dieses System in seinem Innern zerrüttet ist.

Gs läge sehr nahe, der Gewalt, die Sie anwenden, Gewalt entgegenzusehen. Aber Sie hätten dann nur einen billigen Borwand, den Staatsangestell­ten und Pensionären das zu verweigern, was Sie ihnen zu geben sich endlich entschließen. Darum betreten wir einen anderen Weg. Wir lassen Sie bei der Beratung und Abstimmung des Budgets allein Die Abstimmungsmaschine, die wir in diesem Hause zurücklassen, wird niemand als eine Volksvertretung betrachten können. Was wir heute tun, ist nur ein Versuch, das System deS Absolutismus unmöglich zu ma­chen. Wir sind überzeugt, dah uns dieser Versuch gelingen wird.

Hierauf sagte Krschepal (Bund der deut­schen Landwirte): Zum vierten Male seit der Wahl ixs tschechoslowakischen Parlaments wiederholt sich in diesen Tagen das Schauspiel einer sogenannten parlamentarischen Beratung des Voranschlags der wichtigsten Funktion des Parlaments.

Die Kontrolle der Verwaltung ist in diesem Hause längst wertlos geworden.

T-ie StaatSangestellten, die durch eine verkehrte Sparpolitik in eine» unwürdige Rotlage geraten sind, scheinen zum äußersten entschlossen zu sein. Es ist zu befürchten, daß die Staatsver- Wallung in eine unrettbare Verwirrung gerät. Unter diesen ilmftänben wächst die Rot von Landwirtschaft. Industrie unb Handel Eine ih er Verantwortung sich bewußte Regierung mühte bei einer solchen Lage alles tun, um die Oppo­sition zu sachlicher Mitarbeit heranz-.-z ehen.

Dr. Lodgemann (Deutichnat cnall er­klärte namens der Deutschen Rat.onalpar ei. er schliche sich allen Verwahrungen unb Ein prüchen, welche von deutscher Seite aus Anlah der Be­ratung des Staatshaushaltsvoranschlags vorge­bracht worden sind, an. Er halte eine weitere Beteiligung an den diesbezüg­lichen Arbeiten für eine über­flüssige Zeit Verschwendung. Man kann uns wirtschaftlich erdrosseln und zum Heeresdienst nötigen. Aber man kann in uns das Bewußtsein nicht ertöten, dah wir als Teile desdeutschenDolkesPflichtenzu er­füllen haben, nach denen wir in den Schick­salsstunden handeln werden. Diese Pflichten gip­feln in dem Glauben an Alldeutschlands Zukunft, dessen Erstehen eine Voraussetzung für eine ge­rechte Ordnung der europäischen Verhältnisse ist. über welche weder die tschechische Koalition, noch das tschechische Parlament entscheiden werden. Jung (deutschnationaler Sozialist) erklärte: Was soll man von einem Staatswesen hallen, dessen Regierungsmänne rnichteineeinzige Zusage halten können? Kein Männerwoit war bettig genug, um nicht gebrochen zu werden. Wir werden uns -um Zeichen des Wider starkes gegen den schmählichen Pa Inrnrntarismus an de Weiterbera.ung dos S.aatsvoranch.ags nicht beteiligen,

Der Kampf Mussolinis.

schlichen sollten, in das neue Kabinett einzutre- ten, würde der grohdeutschc Abgeordnete Cles- s i n das Amt eines Vizekanzlers und Ministers des Innern übernehmen. Der bisherige Minister für soziale Angelegenheiten, Schmitz, der von den Sozialisten stets auf das heftigste bekämpft wurde, wird ebenfalls aus dem Kabinen ausfchei- den und wahrscheinlich durch den christlich-sozia­len Abgeordneten R o s ch erseht werden. Der bis­herige älnterrichtsminister Dr. Schneider dürste auch dem kommenden Kabinett an­gehören. An Stelle des bisherigen Mi­nisters für Ackerbau, Buchner, wird der christlich-soziale Abgeordnete Födermayei ge­nannt, wählend der bisherige Mwi >c. fürHeeccs- trefen, Vaugoin, auch im kommenden Kabinett fein soll. Als RackÄger des Finanzministers Kienböch bei besonders bei den Länderver­tretern sehr verhaßt war, wird in erster Linie der Landeshauptmannstellvertreter für Steier­mark, Dr. Ahrcr genormt.

Ramek plant auch mit den Sozialdemo­kraten eine Aussprache, um dem Kampf, der in lelller Zeit zwischen der Gemeinde Wien unb dem Bunde entbrannt war, ein Ende zu machen und die Sozialdemokraten zu einer toleranten Haftung gegenüber dem neuen Kabinett zu be­wegen. Die Reuwahl der Regierung dürfte vor- ausfichllich am Donnerstag erfolgen. Die heute an der Dorfe verbreit eien Gerüchte, dah Jun« despräsident Dr. Harnisch beabsichtige, zurückzutreten, sind, wie an zuständiger Stelle erklärt wird, vollständig erfunden.

Vertagung der Abrüstungskonferenz?

Paris, 18. Rov (WB.) Die britische Regierung hat an das General ctcetaitat des Völkerbundes eine Rote gerichtet, in tec fk ver­langt, dah bei Der am 8. Dezember in Rom zu'ammentnllnden Tagurg res.kerbunds.atcs nicht über das S icherheits- unb Entwaffnungsprotolol» verhandelt werde. Die britische Regierung erklärte, dah diese Fragen ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, aber dah sie die Verpflichtung habe, hierüber mit den Dominions zu verhandeln, ohne die sie keine EmfchÄdung treffen könne. Es wird in Paris angenommen, dah es gar nicht zweifelhaft ist, dah der Völl.r'ruo^>siat den Wün­schen der englischem Regieru g e itsprechen weid . Tie Havasagentur fügt dieser Rach rieh, hinzu, daS erste Ergeb ns die er Entsch tidu u we de sein, dah die Vorbereitungen für die En.w fsnu.igs- konftrenz unterbrochen werde Das zweite Ergebnis sei. dah mit ever Ter: gung bie'er Konferenz, die im Monat 3u(i 192o zusammen- treten soll, zu rechnen ift

Die deutschen Dorkriegsschulden

Paris. 19. Rov. (TU » Die Reparations- lomm.s'ion ist gestern unter dwn Botutz van Darthou zu einer Sitzung zufam.n.n?,e.rll.m, über die solgutd^s Kommuniauv ve.u ie.ttlicht wurde: Die RLparations.ommiisio.i hat in Aus­führung des Artikels 2-o4 des Te.sailler Vertrags

Das Rumpfparlament. Giolitti sammelt die Opposition.

Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, Mitte Rovember.

Schwert l^rer Toga? Rach Der Ighrcsfcier der schwarzen Revolution, dem Fest der regie- renDcn Partei, das zu stören die sovversivi, die Umstürzler, sich wohl hüteten, stellte das Organ der gemähigten Faszisten diese Frage auf und beantwortete sic sogleich zugunsten der Toga. Das heiht, man brauche die Dinge in Italien nicht so schwarz zu sehen, es würden wohl scharfe Worte und auch gelegentlich Prügel ge­wechselt. aber schon breche der gesunde Sinn sich Bahn. Mussolini sei draus unb dran, das Schwert in die Scheide zurückzustohcn, wie der Engel auf der Cngelsburg, und nur noch als Rebner auf die rostra treten. Auf der anderen Seite würde die Opposition ihren Schmoll­winkel verlassen, ihre törichte Obftruftion auf­geben kurz, das italienische Volk werde sich wieder auf parlamentarischem Boden zusammenfinden.

Acht Tage später aber ergab sich, bah drauf­gängerische Schwarzh:mden sich nicht hüteten, die Jahresfeier des Sieges, das Fest des ganzen Volkes zu stören. In Rom kam es zu Szenen, die noch vor wenigen Monaten als eine Aus­geburt toller Phantasie erschienen wäre, man trug blutig geschlagene Frontkämpfer vom Platze unb Garibaldi griff wie fein Ahne mit großer ©ebärbc in Den verdüsterten römischen Himmel, die Göttin der Freiheit zu beschwören, wider den Faszismus, wider Musso­lini, den Tyrannen. Unb in der Tat. die königliche Post hat gut getan, die Post­karten aus dem Verkehr zu ziehen, die in alle Welt hinaus das stolze Mussolini wort trugen: Wir. die Ueberlebenbcn, wir, die Zurückgekchr- len, fordern das Recht, Italien zu regieren! ilnb nun sollen die Kriegsteilnehmer nicht einmal mehr an Siegesfeiern teilnebmen dürfen, während Flaumbärte, die während der Isonzotage noch die Schulbank drückten, das Recht fordern, Italien zu regieren?

Das war. nach dem Matteottiskandal, die zweite grobe QlieD erläge des Faszismus. Der Oberbefehlshaber der faszistischen Armee hätte niemals eine so verfehlte Taktik feiner Unter­führer dulden dürfen. Aber ob Mussolini in Wirllichkeit den Oberbefehl überhaupt hat? Cs sieht zum mindesten so aus, als lebe er etwas zu weit hinter der Front. So nur ist es erklärlich, dah er der allgemeinen Gärung zum Trotz zu dem in normalen Zeiten wie sie offiziell im Lande herrschen, ungewöhnlichen Mittel eines Tagesberichts griff, der wörtlich erklärte: Wir haben auf der ganzen Linie gesiegt!" Run ist ja die Opposition angesichts der mit dem Heer vereinigten faszistischen Miliz wirklich schwach, sagen wir ruhig hilflos, aber dann war es wiederum ein Fehler, ihr das älebergewicht Der Regierungswasfen so drastisch unter die Rase zu halten, wie es der Diktator tat mit seinem nur schwer übersetzbaren Wort strainfischiarsene. Das heiht nicht nur darauf pfeifen, das heiht: Ich pfeife ganz und gar auf die Opposition. Vorher drohte er schon, nötigenfalls die Streu für die Feldlager seiner Schwarzhemden aus ihr zu machen und nun tut man böse, weil diese quantite ncgligcoble sich nicht zu einem Rampen­schmuck für die saszistische Kammer hergeben will. Italien erlebt also zum erstenmal in seiner inner- politischen Geschichte das Schauspiel eines Rumpfparlaments.

Wie es nach Cromwells Säuberungsattion aussah können wir uns leider nicht mehr so recht vorstellen, und Zeugen dcs jämmerlichen Restes der 'Deutschen Ralionalversammlung. der als so­genanntes Rumpfparlament ganze 13 Tage in Stuttgart tagte, gibt es auch nicht mehr viele, über wer sich ein Bild davon machen will,

braucht nur nach Rom zu fahren hoffen wir, dah es hier länger als zwei Wochen dauert. Die Eröffnungssitzung war heiteres Theater, dank der durch einen Mann bewerkstelligten oppo­sitionellen Demonstration. Immerhin Theater anbcrnfa.13 hätte man ebensogut zuhause Deror.al nehmen können. Als Mufsollni, Der Dolkstribun in die hohe Aula trat, gähnte ihn von Der Linken her eine eindrucksvolle Leere an sehr zum Mißvergnügen Der vielen schönen Frauen, die am Parlamentarismus nur die Arena lieben. Wie konnte es hier zu dem ritterlichen Streite der Männer kommen? Aber bei genauerem Zu­sehen ergab sich, dab der Rachen der Opposition doch nicht gan; zahnlos war. Einer stand noch, ein kommunistischer sogar, ein Dräuenber Eckzahn. Kaum ist die parlamentarische Ausstellung be­endet ist etwas Schönes um diesen Stufen­aufbau, kaum hat sich der Herr Präsident aus die oberste Zinne geschwungen während tief unten der Duce fein Cäsarengesicht aufseht. Da bei fit, da reiht, da haut Dieser Zangzahn zer­fleischend losMa 11 e o 11 i!" gellt die Fan­fare Durch den Saal.Richt würdig ist D.rsc Kammer" .. Ordnungsruf. Glocke.Korrup­tion" .. . Ordnungsruf. Aufspringen nicht nur der unhaltbarsten Faszisten, sondern auch Der Männer über der Ministerbank. Der Zweidrittel- settor der Regicrungs.ivuen tritt schäumend über feine ilfer, ergieöl sich - sich Da, Der ewige Fels G.olitti ist nicht Da! in Die linke Leere. Doch Der Mann der Opposition tut feine Pflicht und lieft weiter, bis er unter ironischem Beifalls­sturm und dröhnenden bis! HL! fein Stenogramm in Empfang nehmen und damit abtrelen kann.

Der Vorhang fällt. Man i st unter sich In heilerer Ruhe verlaufen die weiteren Sitzun­gen. Kein böser Rachbar stört mehr den Frieden des Hauses, es ist schon ein Ereignis, als tags- Laiauf Giolitti seinen seit Wenschengedenken gewohnten Platz einnimmt, um dort fein beschau­liches ©taluenbafein zu genieben. Man stimmt ordnungsgemäb ab und, ist es nicht geradezu verblüffend, cs ergibt sich ein Vertrauens­votum für Mussolini!

Rein, Der Mann mit der eisernen Faust war nicht gut beraten, als er solchen Kulissenzanbev zulieh. Dieses gegnerlose Rumpfparlament ftebt ihm nicht, so wenig wie seine fortgesetzten Zwischenrufe. Was fall man dazu sagen, wenn Die für Die Presse bestimmteHeiterkeit" Da­durch zustande kommt, dah ein Mussolini Die Floskel eines Redners, er w'rde ja nie Minister werden, mit DemZw schenruf unterbricht: Wer trerh? So ha mlos ft he i de Ding' D außen denn doch nicht. UnD wird Die Harmlosigkeit nur zur Schau getragen, was bezwecki Die Regierung da­mit? Wa u n läht Mus o ini ein I.rterv ev. Das ihm die Absicht in Den Mund legt, das Parla­ment nötigenfalls abzu schaffen, so energisch dementieren, nachdem er dieselbe Mei­nung doch bereits öffentlich bei Eröffnung dieser Denfn ürDigcn Lez.siaturperivde auesprach? Ein Mussolini kommt um dielen Schritt gar nicht herum, trenn die Opposition den Streik durch­halt. Freilich, tr-ciin man ihn hört, zweifelt er eben am Durch Haltewillen der Gegner: Der Tag werde kommen, meinte er, wo sie auf Dem Aven­tin die weihe Flagge aufziehen. Das ist nun allerdings nicht ausgeschlossen. Denn in Den WanDelgängen kann man bereits vielen Aventi- niften begegnen. Die sich mit SchwarzhernDen angeregt unterhalten Hier Darf getagt und be­raten wer Den, was Drinnen eine Sünde wider Den Geist wäre. Beide Lager sind trotz des Darauspfeisens und trotz der Iuniresolullon. Die Den Parlamentsstreik dis zur Wiederherstellung gesetzlicher Verhältnisse verkündigte, längst Des Haders müde.

Allein, es kann auch anders kommen, es kann sehr Böses aus dem etwas kitschigen Idyll

einesIknter-unS-Parlaments" entstehen. DieB*» schlüsfc dieser Kammer der Schwarzbemden, U- Durch die paarLiberalen" und die ..Domo- fafzisten" noch nicht einmal gesprenkelt wird, find sie eigentlich gesetzm ästig? For­mell gewiß, nachdem sic mit schöner Regelmäßig - keit mit Zweidrittelmehrheit gefasst werden, aber ob auch moralisch? Man braucht sich ja nur vvrzustellen. was eine Kammer Der regierenden 'Partei alles über Abwesende beschlichen kann, um zu erkennen, das) es so nicht weitergehen kann, um den Ausdruck Der Opposition zu ge­brauchen, ohne ihn geraDe in ihrem Munde be­rechtigt zu sinden Denn was heute Tatsache ge­worden ist, das Darf sich die Opposition selber zuschreiben, nachdem sie selber in unglaublicher Verkennung des faszistischnr Machtwillens durch 'Billigung des neuen Wahlgesetzes Den Rahmen schuf für Das Rumpfparlament. Jetzt ruft sie nach Reuwahlen, aber nun ist eS zu spät.

Riemand vermag zu sagen, was Die Wolken am röm scheu Himmel bergen. Eine Lösung des Knotens scheint nur Du.ch Das neue, von austen kommende Ereignis möglich, das icDcrmann Dun kel ahnt und erwartet. Es sei Denn, Mussolin werfe Die Lheatertoga wieder ab und gehe feinen klassisch begonnenen Schicksalsweg, Bell und Rutc-nbüirdcl vor Augen, unerbittlich zu Ende

Giolitti nimmt den Kampf gegen Mussolini auf.

Rom, 19. Rov. (TA.) Rach Berichten, Die in den Wandelgängen der Kammer umlaufen, soll an Giolitti von höchster Stelle die Auftor- derung ergangen sein, Die inaerpolitifche Krise zu lösen. Er hat Die Führung DerOppositior übernommen und offiziell feine Ka ad »Datut für die Rachfolge MuffvliniS aufge­stellt. Es besteht kein Zweisel, dah der alte, rou­tinierte Staatsmann Die politische Campagne von ungewöhnlicher Tragweite nicht ohne Den Glau­ben an Den Erfolg begonnen hat. Mussolini hat an alle Sektionen Der Faszistischen Partei den Befehl gerichtet, Dah Unruhen, wie sie be­reits in manchen Provinzen dorgekommen sind, zu unterbleiben haben. Luratti forder» Die Sozialdemokraten aus, ihre Ruhe zu bewah­ren und größte Vorsicht wallen zu lassen.

E ne bürgerliche Unton gegen den Faszismus.

Rom, 19. Rov. (TA.) In Rom hat sich eine neue politische Organisallon unter Dem Rarneii Qlational-ilnion gebildet, Die Die Prin­zipien der Freiheit und Der Demokratie vertreten will und alle liberalen und Demokrati­schen Elemente Der Opposition unter Aus­schluß der 0oa ialDemotratcn umfassen wird. Die faszistischen Blätter bezeichnen die Schaffung Dieser neuen Rational-Anion als dn sehr geschicktes Manöver Der Abgeordneten der konstitutionellen Oppositt'^gruppen, Die sich rüsten, um gegebenenfalls Die Rachf olge Der faszistischen Regierung zu übernehmen; Die Berichte, dast Die Opposition wieder in Die Kämmer zurückkchren wolle, werden von Der Tribuna" als unrichtig bezeichnet. Bei der heu­tigen Wiedereröffnung des Senats hat Senats- präsilent Littoni auf Die Rotwend:gkeit hin- gewiesen, dast die Gewalttaten in Italien auf» t orten. Mit Dem alten Horaz pries er denjenigen Mann selig und verdient um sein Baterlaird, dem es gelingen werde, dem brudermordenden Kampf ein E n d e zu machen, die blutigen lleberfälle zu beendigen und bi.* wilden Gewalt­taten zu zügeln. Der Senat begleitete seine Aus­führungen mit sehr lebhaftem Beifall.

Die österreichische Krise.

Dr. Ramek mit der Kabinettsbildung betraut.

Wien, 19 Rov. (S. 11.) Der Hauptausfchust hat gestern nachmit ag d«n Abgeordneten Ramek mit Der Kabinettsbildung beauftragt. Dr. Ramek hat den Auftrag angenommen und ist sofort in Unterhandlungen mit dem parlamentarrfchen Klub getreten. Er erklärte zunächst dem Präsiden­ten Der Grobdeutschen Vereinigung. Dr Sing- Hofer, dab er die Eanierungspolrtik des Bundeskanzlers Dr. Seipel fort­führen werde und dab daher für Die Groh- deutschen kein Anlab gegeben lei. aus Der Re­gierung auszuscheiden Er plane leDiglidj be-.üglich Der finanziellen Auseinandersetzung des Bundes mit den Ländern andere Wege einzuschlagen.

Dr. Dinghofer verwies Darauf. Dar) Die prin­zipielle Entscheidung Der Frage über Die Beteili­gung Der GrobDeutichen erst in Der Konferenz Der Ländervertreter und Der Reichsparteileitung sollen werde. Er werde Dr. Ramek morgen Die Entscheidung Der Grobdeutschen Vereinigung über­bringen. Dr. Ramek letzte hierauf die Verhand­lungen mit maßgebenden Abgeordneten seiner Partei fort. Für das Ministerium für äußere An­gelegenheuen ist Abgeordneter Dr. Mataja ausersehen, während der bisherige Minister für äußere Angelegenheiten, Dr. Grünberger, zum Gesandten für Berlin ausersehen ist. Für Den Fall, daß Die Großdetuschen sich ent»