Kleine Geschichten.
Die Verflachung und Entartung der heiteren Kunst unserer Tage hat Wilhelm Paul Zieger zur Herausgabe einer sorgfältigen Auslese lustiger, interessanter Histörchen und Ausspruch:■ der besten Geister aller Völker und Zeiten bewogen. „Der Anekdvterich" — sv nennt sich das Bändchen — das im Verlag der Freude (Wolfenbüttel) erfchier.en ist, hebt manchen vergessenen und verborgenen Schatz und bringt in guten äleberfehu ngen neue fremdländische heitere Geschichtchen, soweit das deutsche Gedenken und Ge- müt für diese empfindet. Dazwischen spielen Anetkwten aus dem Volk in allen seinen Ständen die Kultur vergangener Zeiten. Geben wir, um ein Bild davon zu bekommen, dem „Anekdvterich' lieber gleich selbst das Wort:
Als Shakespeare
cinft der Vorstellung seines „Richard III." beiwohnte, sah er einen Schauspieler sehr eifrig und zärtlich mit einem jungen reizeirden Frauenzimmer sprechen. Er näherte sich unvermerkt und hörte oas Mädchen sagen: „Um zehn Llhr poche dreimal an die Tür, ich werde fragen: wer ist da? und du muht antworten: Richard III." — Shakespeare, der die Weiber sehr liebte, stellte sich eine Viertelstunde früher ein und gab das verabredete Zeichen und die Antwort, ward eingelassen, und war, als er erkannt wurde, glücklich genug, den Zorn der Betrogenen zu besänftigen. Zur bestimmten Zeit fand sich der wahre Liebhaber ein Shakespeare öffnete das Fenster und fragte leise: »Wer ist da?" „Richard UI.“ war die Antwort. — „Richard", erwiderte Shakespeare, „kommt zu spät: Wilhelm der Eroberer hat die Festung schon beseht."
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CujaciuS.
Der berühmte EujaciuS, der gewöhnlich auf einem Esel ritt, verreiste eines Tages und schrieb an seine Türe:
,Höaie Cujldus non legitimer seiner Schüler setzte darunter:
»Ergo asinus non venit.“
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Friedrich Taubmann
war ein Franke und lebte gegen Ende des 10. Jahrhunderts am kursächfrschen Hofe. Als er eint, einen Hofmann bei der Hand fahle, sagte dieser zu ihm: „Sie haben gar grobe Hände, sich gut zum Dreschen schicken würden." — ^Allerdings." erwiderte Taubmann, »ich habe den Flegel ja schon in der Hand."
Kardinal Clesel
nahm an der Tafel des Kurfürsten von Sachsen deir Professor Taubmann sehr mit. Dieser, um für die unverdiente Kränkung zu rächen, fragte den Kardinal, wie man 150 Esel mit einem Wort schreiben könne? Rach der Erklärung des Kardinals, dah er eS nicht wisse, schrieb Taubmann zum allgemeinen Gelächter auf den Tisch: CLefel.
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Richelieu,
der wegen seines Zynismus bekannt war, überraschte einst seine Zstau bei einem vertraulichen Tete-a-tete mit seinem Stallmeister. Er sag.'e nur: „Denken Sie, Madame, in welche Verlegenheit ©te geraten wären, wenn irgendein anderer ins Zimmer getreten wäre."
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Friedrich der Grohe.
Einem Offizier verlieh Friedrich in Friedenszeiten einen Orden.
„Majestät," entgegnen bei älebergabe desselben der eigensinnige Krieger, „nur auf dem Schlachtfelde steht es mir zu, einen Orden anzunehmen."
Lachend sagte der König darauf:
„Ach was, sei Er kein Rarr und häng' Gr das Ding an: Seinetwegen kann ich doch feinen' Krieg anfangen I"
Bei seinem letzten Besuch in Breslau 1785 unterhielt sich der König, dessen Menschenverach--
rung rmt den Zähren gewachsen war, mtt rem Professor Darre über lebensphllvsophtfche Fragen, wobei er die Menge „Kanaille" nannte. Darre protestierte: „Als Sure Majestät gestern in die Stadt kamen, und alles Volk zusammenlief, um feinen groben König zu sehen, das war nicht „Kanaille"!" Der König erwiderte gelassen: „öere Er einen alten Affen aufs Pferd und lasse Er ihn durch die Strahen reiten, so wird das Volk ebenso zusammen laufen."
Mit folgender Anrede bagrühte Dietrich ein kleiner, aber berühmter Geistlicher, den groben König von Preuhen:
Halber Gott, großer Friedrich!" worauf Der König antwortete.
„Ganzer Rarr, kleiner Dietrich!"
Haydn
dirigierte in London seine Symphonie. DaS neugierige Londoner Publikum drängt sich nach vom an dos Orchester, um den Meister in der Rähe besser zu sehen.
Dadurch wurden die Sitze in der Mitte des Parterres leer. Kaum war es geschehen, sv stürzte der große Kvonleuchter herab und zerbarst mitz donnerndem Krach in tau'end Splitter. Rach dem ersten Schreck erkannten die Leuts an der Brüstung, welcher Gefahr sie entronnen waren, und von Lippe zu Lippe ging bas Wort: Mirakel:
Haydn war innig gerührt, warf einen Blick zum Himmel, der ihn zu seinem Werkzeug gemacht, und sagte zu den Herren im Orchester: „Meine Musik ist doch etwas wert — jetzt hat sie mindestens dreihig Rlenschen das Leben gerettet k"
An den Fürsten Bismarck
schrieb ein Herr namens Trampedang und bat um die Erlaubnis, seinem erstgeborenen Sohn den Vornamen „Bismarck" geben zu dürfen. — Der Kanzler erteilte die Genehmigung und schrieb dazu: „Sollte mir in meinem hohen Alter der Himmel noch einen Sohn bescheren, sv werde
dch nicht verfehlen, ihn auf Den Hamen pedang" taufen zu lassen."
Albert Riemann, der berühmte Kammersänger, sang einmal als Gast an einem provinzialen Hoflheater Aus der Probe zur Oper Lohengrin geriet Riemann mit dem Kapellmeister in Differenzen. Riemann brauste auf und schleuderte dem Kapellmeister das bekannte Zitat aus dem Götz von Berlichingen ins Gesicht.
Der Kapellmeister rennt empört zum Intendanten: »Was sdgen Sie, dieser Riemann hat die Stirn, mir zu sagen, ich möchte . . Exzel
lenz. was soll ich da machen?"
Der Intendant erwiderte nach kurzem Rach- denken trocken: „Ich würde es nicht tun!"
Was not tu t
Gin französischer Offizier, stritt sich einst mit einem Schweizer über die Gcwohnh.Zt seiner Landsleute, für Geld zu fechten. „Wir Franzosen dagegen," sagte er, „fechten für Ehre" „Mein Herr!" antwortete der Schweizer, „jeder ficht um das, was er am meisten braucht."
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Polnische-.
In einem Ort des preubischen Regierung-» bezirfes Stade sind in grober Zahl polnische «Familien zugewandert, deren Angehörige die deutfche Sprache meist nur in sehr beschränktem QEafje beherrschen. So kommt eine polnische Ehefrau zu einem Bauern, um sich ein Schweinchen männlichen Geschlechts zu erstehen. Der Fachausdruck für die Geschlechtsart ist ihr unbekannt, und um dem Dapern ihren Wunsch verständlich zu machen, sagt sie:
„Herr Bauer, ich möchte haben ein Schwein, — ein guter Schwein - ein junger Schwein — aber nicht so ein Schwein, wie ich bin, sondern ein Schwein, wie mein Mann ist."
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Samstag, abVS.: Monats veriammlaag in der „Stadt Lieh. Alle Mitglieder, die seit Beginn der B.- A.-B. entlassen wurden, ebenso diejenigen, die von der Truppe entlassen und n. noch keine Ein- berufg. od. Beschilft, haben, wollen vollzählig erscheinen.
7 Der Vornan 1.
EröH. Inn. GoetheL


